
von aliena
Die Macht des Blutes
Prolog
WEITERES ATTENTAT SCHOCKIERT MENSCHEN
Es ist schon das Dritte Attentat, in einem Monat!
Die ganze Welt ist erschüttert, wegen den Blutbädern die sich im Ministerium, vor dem Big Ben und zu Letzt vor dem Westminster Abbey abspielten.
„Es wird keinen weiteren Anschlag mehr geben!“, erklärt der Minister für Zauberei Lucius Malfoy zuversichtlich. „Wir wissen nun, wie der Mörder vorgeht; die Einzelheiten darf ich ihnen nicht sagen.“
Vielleicht kann England wieder hoffen; hoffen, dass der Täter geschnappt wird, bevor es einen wichtigen Zauberer erwischt.
Der junge Mann faltete den Tagespropheten ordentlich zusammen. Der letzte Satz hatte ihm gereicht. Was tat er sich auch immer wieder diese Berichte von Rita Kimmkorn an? Er hatte weiß Merlin besseres zu tun.
Der Zauberer nahm einen Schluck Kaffe aus seiner Tasse und erhob sich vom Stuhl.
„ Ich glaub es nicht“, stieß Hermine Granger ungläubig hervor.
„Was is´ denn?“
„Ach, was soll schon sein Ron? Kimmkorn hat nur über den Anschlag auf Graham Carlsen berichtet.“
„Graham...Carlsen?“, Ron gähnte herzhaft, denn sie waren gerade eben erst aufgestanden.
„Ja, Ronald“, sagte Hermine und schüttelte den Kopf. „Der Graham Carlsen, der ein Todesser ist und das Geld von ganz London verwaltet. Der Graham Carlsen, der gestern vor unseren Augen erstochen wurde... macht es vielleicht jetzt mal Klick?“
„Ja, reg dich doch nicht gleich so auf!“, meinte er.
Hermine warf die Zeitung ohne aufzupassen quer durch den Raum; sie stieß gegen eine Vase, die zu Boden fiel und zerbrach.
Hermine stöhnte auf und vergrub ihr Gesicht in den Händen.
„Du scheinst mir irgendwie unausgeglichen“, bemerkte Ron, nachdem er sie eine Weile beobachtet hatte.
Sie schaute Ron durch ihre Finger hindurch fragend an.
„Ich meine, du wirkst niedergeschlagen.“
„Niedergeschlagen und unausgeglichen sind zwei verschiedene Wörter, aber ja, gut erkannt, ich mache mir halt viele Gedanken.“
„Und warum?“, fragte Ron. Er drehte sich auf seinem Stuhl und sah sich in der Küche um.
„Weil irgend so ein Kerl in London Amok läuft und den Leuten ein Messer in den Rücken rammt...“
„In die Brust“, korrigierte Ron Hermine, doch sie achtete nicht auf sein Kommentar.
„Klar eigentlich sollte ich mich freuen, dass jemand sich darum kümmert, dass die Todesser verschwinden, aber ich kann mich mit dieser Methode einfach nicht anfreunden...“
„Ich glaube wir müssen einkaufen gehen, wir haben nichts mehr zu essen“, rief Ron ihr vom Kühlschrank aus zu.
„Kannst du bitte sitzen bleiben und nicht vom Essen reden, wenn ich dir etwas erzähle?“, fragte Hermine geschockt.
„Tut mir leid, aber ich habe Hunger und wir haben nichts mehr im...“
„Ja, schon gut! Dann ziehen wir uns halt an und gehen einkaufen.“
Hermine stand genervt auf und verschwand in ihrem Zimmer.
Es war doch immer das Gleiche! Immer wenn sie etwas auf dem Herzen hatte und Ron fragte, was mit ihr sei, erzählte sie es und er lenkte vom Thema ab.
„Vielleicht will er ja gar nicht hören, was ich zu sagen habe“, redete Hermine mit sich selbst ein. „Aber dann soll er nicht fragen!“, antwortete sie wütend.
Hermine schaute aus dem Fenster: Es war ein regnischer Septembermorgen. Da wäre eine Jeans wohl passend.
Vor sieben Jahren war es auch nicht anders gewesen. Ron hatte sich nie richtig ihre Sorgen angehört, dabei hätte sie es doch auch so dringend gebraucht! Sie hätte auch mit Ginny sprechen können, aber sie hatte auch mit der Tatsache zu kämpfen,dass Harry sie nicht mehr sehen wollte. Harry wollte niemanden mehr sehen.
Es kam sehr plötzlich, daran konnte Hermine sich genau erinnern. Die drei hatten gegen Voldemort und seine Todesser gekämpft und waren gescheitert. Am Anfang hatte alles dafür gesprochen, dass sie gewinnen, doch dann schleuderte Voldemort einen Todesfluch auf Ron. Ron war damals unfähig sich zu rühren, auch Hermine schaffte es nicht. Nur Harry reagierte; er ließ vor Ron ein Schild erscheinen, das ihn schützte. Der Fluch prallte am Schild ab und zersplitterte in viele Funken, die nach allen Himmelsrichtungen flogen; einer davon traf Harry in die Brust.
Damals dachte Hermine, dass er tot sei, doch es war nicht so. Dieser eine kleine Funke war nicht stark genug, um jemanden zu töten, aber er sorgte dafür, dass Harry Tage Ohnmächtig war. Die Weasleys, Hagrid und Hermine besuchten Harry jeden Tag. An einem Tag ist Hermine nur mit Ron zu Harry ins St. Mungo gegangen, doch er war nicht mehr da! Einfach verschwunden, auch die Heiler wussten nicht, wo ihr Patient sich aufhielt. Hermine hatte einen riesigen Aufstand gemacht. Heute wusste sie selber nicht mehr genau, was für Beschimpfungen sie gebraucht hatte, um ihrer Wut freien Lauf zu lassen.
Hermine erschrak aus ihren Gedanken, als sie ein Klopfen hörte. „Hermine bist du fertig?“, hörte sie Rons dumpfe Stimme von der anderen Seite der Tür fragen.
„Ja, ich komme sofort!“, rief sie ihm zu. Hermine hörte seine Schritte, die sich von ihrem Zimmer entfernten.
Dieser Vorfall mit Harry war jetzt schon so lange her. Was alles in dieser Zeit geschehen ist. Voldemort wurde immer mächtiger, hatte immer mehr Anhänger um sich geschart. Er hatte das Zaubererministerium besetzt und Lucius Malfoy zum Minister gemacht. Die Menschen, die sich gegen ihn stellten mussten entweder sterben, oder rechtzeitig fliehen; eigentlich wie immer.
Aber es kam noch schlimmer: Kaum hatte er die Zaubererwelt in England unter Kontrolle, mussten auch die Muggel dran glauben.
Voldemort marschierte mit seinen Todessern durch die Straßen Londons, tötete oder nahm Muggel gefangen. Nach und nach kamen die kleiner Orte dazu, die im Umkreis lagen, bis er schließlich ganz England eingenommen hatte. Muggel hatten eigentlich nun keinen Grund mehr zum Leben, aber Voldemort merkte schnell, dass er sie gut gebrauchen konnte, für unwürdige Arbeit.
Die Muggel in England konnten es gar nicht fassen, als sie erfuhren, dass es doch Hexen und Zauberer gab; die ganze Welt war davon betroffen, doch sie unternahm nichts.
Hermine hatte damals alles nur aus zweiter Hand erfahren. Sie war mit Ron untergetaucht, da die Beiden einfach zu bekannt waren. Sie lebten seit dem im Haus, welches Harry von seinem verstorbenen Patenonkel geerbt hatte; im Grimmauldplatzt Nr.12. Es war das perfekte Versteck.
Die Weasleys waren auch verschwunden, genau so, wie die restlichen Mitglieder, des Phönix Ordens.
„Endlich“, stöhnte Ron auf, als Hermine fertig angezogen in die Küche trat. „Das hat ja ewig gedauert!“
„Du wirst schon nicht vom Fleisch fallen“, keifte Hermine. „Ich weiß nicht mal, ob wir noch genug Geld haben.“ Sie ging zum kleinen Schrank in der Eingangshalle, wo sie ihr Geld deponierten. „Das würde wohl noch reichen, bis morgen“, murmelte sie und steckte sich das Geld in die Tasche.
„Hermine, du weißt, wenn ich könnte würde ich dir helfen Geld zu verdienen“, sagte Ron und blickte sie traurig an.
„Natürlich weiß ich das!“, erwiderte sie und umarmte ihn.
Hermine wusste, dass Ron sich schlecht fühlte, da er ihr nicht helfen konnte.
Sie versorgte sich und Ron schon seit ein Paar Jahren. Irgendwann ging es nicht mehr anders und sie musste sich raus trauen, auch auf die Gefahr hin, dass sie erkannt wird. Aber es schien fast so, als wenn man sie vergessen hätte.
Dennoch ging sie auf Nummer sicher, als sie sich in einem kleinen Muggel-Pub vorstellte. Für die Leute dort war sie Kathleen Moore.
Bei Ron war sie sich nicht ganz sicher, ob man ihn noch kannte, aber auch da wollte sie kein Risiko eingehen; Hermine verbot, ihm sich einen Job zu suchen. Am liebsten hätte sie ihn im Haus eingeschlossen, doch das ging natürlich nicht, also ging er hin und wieder mit Hermine raus, wenn sie sich eine Zeitung holen wollten, um Neuigkeiten zu erfahren, oder wenn sie einkaufen ging, wie jetzt.
Kaum waren sie auf die Straße gegangen, schon wurde ihnen das Elend bewusst, welches in England herrschte. Fast an jeder Straßenecke saßen Obdachlose und wer noch so viel Glück hatte, ein Dach über dem Kopf zu haben, hetzte so schnell wie möglich wieder nach Hause, um nicht von einem Zauberer verhaftet oder getötet zu werden.
An manchen Stellen waren Stände aufgebaut, auf denen Zaubererzeitschriften ordentlich drapiert waren; es durften keine anderen Zeitschriften mehr, als die der Zauberer, verkauft werden.
Eigentlich hätten man auch anordnen können, dass nur noch eine einzige verkauft wird, denn in jeder stand nur das gleiche. Wie toll die Regierung war, dass Zauberer glücklicher sind, als damals, da sie sich jetzt nicht mehr verstecken müssen und seit kurzem alles über die gelungenen Angriffe.
Sie kauften nur das nötigste: Kartoffeln, Kohl, Eier, eine wenig Obst und Gemüse, Milch und noch Fleisch, dann machten sie sich schleunigst auf den Rückweg. Jedes Mal, wenn sie wieder im Haus angekommen waren, mussten sie beide laut aufatmen. Ron ging sofort in die Küche und setzte die Kartoffeln auf. Hermine setzte sich an den Küchentisch und erblickte die Zeitung. Ron musste sie aufgehoben und hier hingelegt haben. Sie schaute gedankenversunken auf das Bild, welches die Titelseite zierte. „Wieso?“, fragte sie leise.
„Was?“ Ron schaute vom Fleisch auf.
Sie blickte ihn an, einen Glanz in den Augen, den er nur zu gut kannte; ihr war ein Gedanke gekommen. „ Dieser Mensch, der die Attentate ausübt...das muss doch ein Zauberer sein?“
„Ich denk schon, sonst würde er wohl kaum einen Zauberstab haben, mit dem er Flüche abwehrt“, antwortete Ron.
„Aber wieso“, Hermines Stimme wurde lauter, „benutzt er dann ein Messer, um seine Opfer zu töten? Wieso geht er so nah an sie ran, anstatt sie einfach mit einem Fluch vom Weiten zu erledigen?“
Ron zuckte mit den Schultern. „Vielleicht ist das ja nur ein Geisteskranker, der den Kick sucht.“
Sie biss sich auf die Unterlippe. So ganz gefiel ihr diese Erklärung nicht, da musste doch mehr dahinter stecken. Aber etwas anderes kam ihr auch nicht in den Sinn. Sie schaute auf die Uhr. „Ich muss zur Arbeit“, sagte sie und stand auf.
„Willst du nichts mehr essen?“
„Nein, lass es dir schmecken.“ Hermine umarmte ihren besten Freund, der ihr noch geblieben war. „Pass auf dich auf!“
Ron schnaubte. „Pass du lieber auf dich auf!“
Sie drückte ihn noch ein letztes Mal, dann zog sie ihre Jacke an und ging los. Sie brauchte eine gute halbe Stunde, bis zum schwarzen Pferd, dem Pub, wo sie arbeitete.
Hermine überquerte gerade die leere Straße, als ihr vier Todesser auffielen. Sie kamen in ihre Richtung. Hermine drängte sich an einer Frau vorbei, beschleunigte ihre Schritte. Sie konnte das lachen der Männer hören, auch sie schienen schneller zu werden. Es gab einen dumpfen Aufschlag und ein Schrei ertönte. Hermine blickte über ihre Schulter, ohne ihre Schritte zu verlangsamen. Die Todesser hatten die Frau niedergeschlagen, an der Hermine vorbei gegangen war. Sie traten ihr in das Gesicht, zwei richteten ihren Zauberstab auf die Frau und sprachen den Cruciatusfluch. Hermine kniff die Augen zusammen, als erneut ein Schrei zu ihr drang. Hermine kamen die Tränen. Sie fühlte sich so machtlos, auch feige aber sie konnte nicht helfen. Sie musste es versuchen zu ignorieren, genau, wie die anderen Male.
Solche Angriffe waren keine Seltenheit. Es geschah immer wieder, immer wenn Todesser den Drang verspürten, eine Ablenkung vom schnöden Alltag zu bekommen.
Hermine bog um die Ecke, doch noch immer hörte sie die Schreie, das Flehen, das Schluchzen, doch sie machte nichts, wie jeder.
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