
von lumos
Sodele, hier wie angekündigt das neueste Kapitel.
Wann es weiter geht, hängt nun wieder davon ab wie viel Zeit meine fleißige Beta für meine Geschichte erübrigen kann.
Teil 5 - Heißer geht schon nicht mehr ~ * ~ Part 2 2. Teil ca. 4400 Wörter
Harry
Während ich so in Erinnerungen schwelge nippe ich immer wieder an meinem Butterbier, das irgendwann vor meiner Nase aufgetaucht war. Vermutlich hat einer der anderen einfach eins für mich mitbestellt. Doch scheine ich mich eher daran festgehalten als getrunken zu haben, so voll wie es noch ist. Auch scheinen die anderen inzwischen in Aufbruchstimmung zu sein. Draco hilft Lina gerade in ihren Mantel und auch Mine sucht ihre Bücher zusammen. Überrascht blicke ich in die Runde. Ich muss wohl ziemlich lange geistig abwesend gewesen sein und wieso Ron mich so merkwürdig, ja fast flehentlich ansieht, weiß ich auch nicht.
Wobei Ron, da war noch etwas. Er wollte doch noch mit mir reden.
„Ähm, Leute, habt ihr was dagegen, wenn ihr ohne Ron und mich schon mal geht. Ich würde gerne noch mein Bier austrinken und wie ich sehe, ist Rons Glas auch noch nicht ganz leer. Wir kommen nach, okay?“
Ich muss wohl das richtige gesagt haben, da Ron sich erleichtert wieder auf den Sitz neben mir plumpsen lässt.
„Kein Problem, dann führe ich die Ladys alleine zurück“, antwortet Draco, der beiden Mädels seinen Arm anbietet, den beide schließlich annehmen, nachdem Hermine Ron noch einen Abschiedskuss gab. Er scheint zwar nicht begeistert darüber zu sein, dass Draco Hermine so nahe kommt, da er seine Hände zu Fäusten ballt, doch sagt er nichts dazu. Beruhigend lege ich meine Hand auf seine.
„Hey, Kumpel, du musst dir keine Sorgen machen. Draco ist vernarrt in Lina und sollte er es auch nur wagen eine andere anzusehen, dann ist der Teufel nichts im Vergleich zu ihr. Glaub mir, er wird sie hoch bringen, bis zum Turm, sich von beiden verabschieden und dann seinen Hausvorstandspflichten nachkommen.“
Während ich beruhigend auf ihn einrede spüre und sehe ich, dass seine Hand sich lockert und auch seine Schultern nicht mehr so verkrampft und angespannt wirken. Ron nickt, trinkt sein Glas in einem Zug aus und bestellt einen Feuerwhisky. Na, ob das so eine gute Wahl war?
Es dauert ein paar Minuten bis sein Getränk kommt und solange gibt Ron auch keinen Mucks von sich und ich warte geduldig ab, bis er bereit ist mit mir über sein Problem zu reden. Als Madam Rosmerta das Glas vor seine Nase stellt, greift er sogleich danach und nimmt einen großen Schluck, so als müsse er sich Mut antrinken. Ich mache mir schon Sorgen was so schlimm sein könnte, da platzt es auch schon aus ihm heraus.
„Mine will heiraten!“
Anfangs bin ich von dieser Aussage baff, doch dann hake ich vorsichtig nach.
„Aber du nicht?“
„Nein, ja, ich meine ... ach verdammt. Ich liebe sie und ich will sie auch später zur Frau nehmen, aber doch jetzt noch nicht“, bricht es aus Ron heraus, der daraufhin zügig das Glas leert und ein neues bestellt. Skeptisch betrachte ich mir sein Vorgehen und den Alkoholkonsum. Wann hatte Ron angefangen dieses Zeug wie Wasser zu trinken? Schließlich verträgt er doch nicht viel und es schlägt auch sehr schnell bei ihm an.
„Woher nimmst du an, dass Hermine jetzt schon heiraten will? Ich meine, hat sie dir das gesagt? Ihr seid doch noch nicht so lange zusammen.“
„Geschagt, nischt direkt, das macht se schehr schubtil und was die Länge unserer Bezieh*hicks*ung angeht, so schieht man an ... Lina und an ... Ginny, dass das kein berechtigter Einwand ist. Schieh dir doch ... Lina an, die schucht ihren Verlobungsring nach..“, mit Fingern rechnet Ron nach, „dreimonatiger Beziehung ausch.“
„Lina und Draco kannst du nicht mit euch beiden vergleichen. Die sind ein Sonderfall. Du weißt doch wegen ihrer Familien und so“, versuche ich die Sachlage zu erklären und bin kurz davor Ron das Glas aus der Hand zu nehmen, dass er gerade leer trinkt. Der Alkohol scheint so langsam anzuschlagen und er lallt immer mehr und bekommt die Wörter schlechter hintereinander.
„Ja, aber ... aber Hermine *hicks* tschuldige, will dennoch. Sie hat schogar ein ... ein Buch mit dem Itel: Wie gestalte ich meine Daumhochkeit. Halloho ... das schagt doch alles.“
Dieses Thema scheint Ron ziemlich an die Nieren zu gehen und ich denke, dass es besser ist, es nüchtern auszudiskutieren. So hindere ich Ron daran ein weiteres Glas zu bestellen und drücke stattdessen Madam Rosmerta den Betrag in die Hand, den wir ihr schuldig sind. Ich ziehe Ron auf seine Beine und verhelfe ihm in seinen warmen Umhang, da es draußen bitterkalt ist. Da heute der letzte Sonntag vor Weihnachten ist, Dienstag die Ferien beginnen und Donnerstag Heiligabend ist, wird es wohl ein kaltes Weihnachten. Das Unterfangen, Ron aus dem Pup zu bringen ist nicht gerade ein leichtes, da er unbedingt noch etwas trinken will. Mein Vorteil und zugleich Nachteil ist, dass der Feuerwhisky nun völlig bei ihm angeschlagen hat und er sich kaum alleine auf den Beinen halten kann. So schleppe ich ihn mehr als das er geht aus dem Pup hinüber zu den Kutschen, von denen noch vier da sind. Zum Glück wird den Schülern im Winter immer ermöglicht mit den Kutschen zurück zu fahren und so bugsiere ich meinen lallenden besten Freund hinein und klettere selbst hinterher. Am Schloss angekommen macht Ron erstmal einen Köpper in den Schnee, da er sich von mir beim aussteigen nicht helfen lassen will und die Trittstufe verpasst. Dieser Abgang wäre zwar eine Lachsalve wert, doch beherrsche ich mich und helfe ihm wieder hoch, klopfe den Schnee von seiner Kleidung und helfe ihm ins Schloss zu gelangen. In der Eingangshalle angekommen, steuere ich mit ihm aber nicht unseren Turm an, sondern schleppe ihn hinunter in die Kerker und hoffe dabei, dass uns kein Schüler über den Weg läuft. Zu meiner Erleichterung haben wir Glück und so gelangen wir unbehelligt und ungesehen zum Bild, dass Severus Privaträume verbirgt. Kurz klopfe ich an und es bedarf einiger Momente, bis das Bild zur Seite schwingt und Severus erst grimmig und mich dann doch überrascht ansieht. Hatten wir doch besprochen, dass ich den heutigen Tag ausschließlich mit meinen Freunden verbringe, da das letzte Mal schon einige Zeit zurück liegt und wir uns dadurch nicht sehen. Doch als er Ron erblickt, zieht er skeptisch seine Augenbraue hoch.
„Dürfen wir hinein kommen?“, frage ich und Severus tritt beiseite und gibt uns den Weg in sein Reich frei. Da sein eigenes kleines Labor nur eine Tür zu seinem Wohnraum hat, war ich schon oft hier gewesen und auch im Bad, aber in keinem der anderen Räume. Was mich aber auch nicht stört, denn ich hätte zwar gerne mal einen Blick in sein Schlafzimmer riskiert, doch bin ich damit zufrieden, dass er mich die vergangenen Monate in die anderen drei Räume gelassen hat und wir somit Zeit gemeinsam verbringen konnten. Ich half ihm bei seinen Experimenten und auch beim brauen der Heiltränke für Poppy.
So verfrachte ich Ron auf Severus Sofagarnitur und setzte mich daneben. Da ich nicht weiß, an was sich unsere Whiskyleiche später erinnern würde, lasse ich lieber alle Vertraulichkeiten und spreche Sev lieber mit seinem Titel an.
„Professor Snape, entschuldigen Sie, dass wir Sie an Ihrem freien Tag stören. Wie Sie sehen können haben wir ein Problem und damit Ron den Tag überlebt und nicht von Hermine zu Hackfleisch verarbeitet wird, wollte ich Sie um einen Ausnüchterungstrank bitten.“
„So und da kommen Sie ausgerechnet zu mir, Mister Potter. Hätte es die Krankenstation nicht auch getan? Ich wüsste nicht, was mich dazu verleiten sollte einem Gryffindor zu helfen. Aber ich will mal nicht so sein. Warten Sie hier und sorgen Sie dafür, dass er sich hier ja nicht übergibt“, mit den letzten Worten begibt sich Severus in sein Badezimmer. Es ist zwar nicht ungewohnt, dass er mich mit Mister Potter anspricht, schließlich macht er das im Unterricht immer, doch hier in diesen Räumen war ich immer Harry.
Es dauert nicht lange, da ist er auch schon wieder zurück und reicht mir ein Fläschchen mit türkiser Flüssigkeit.
„Er muss das komplett austrinken.“
Ich nicke und flöße Ron das Getränk mehr schlecht als recht ein, da dieser sich dagegen zu wehren versucht. Doch schließlich hat er alles geschluckt und nickt an meiner Schulter ein. Vorsichtig bette ich ihn so auf das Sofa, dass er ausgestreckt darauf zu liegen kommt und ziehe ihm anschließend seine Schuhe und den Umhang mit dem Schwenk meines Zauberstabes aus. Mit einem dankbaren Lächeln nehme ich dann noch die Decke entgegen, die Sev mir hinhält und breite sie über Ron aus.
„Es tut mir Leid, Severus, aber ich wusste nicht, zu wem ich sonst sollte. Hermine ist zu oft bei Poppy und mit ihr befreundet, als dass ich ihn dort hätte hinbringen können. Früher oder später würde sie hiervon erfahren und ihn dann lynchen.“
„Schon in Ordnung, aber sieh zu, dass er nicht mehr so viel trinkt“, winkt Severus ab.
„Das werde ich. Ron ist auch nicht wirklich der Typ dafür. Er hat Kummer und wollte mit mir darüber reden und ich nehme an, dass dies ein kläglicher Versuch war sich Mut anzutrinken. Ich weiß zwar jetzt worum es geht, aber wir müssen noch einmal ausführlich darüber reden“, gebe ich Sev eine Antwort, der darauf nur zustimmend nickt.
„Ich war gerade dabei dein Geschenk zu verarbeiten. Hast du Lust mir zu helfen, solange ... Ron schläft?“
„Sehr gerne!“, strahle ich ihn an.
So begeben wir uns in das angrenzende Labor. Man sollte meinen, dass das Forschungslabor eines Tränkemeisters mit jedem erdenklichen Schnickschnack ausgestattet ist. Doch weit gefehlt. Hier ist alles auf praktisch eingerichtet und das exquisite sind lediglich die Zutaten. Als ich diesen Raum das erste Mal betrat, hatte ich mich darüber gewundert, wieso Severus noch so eine altmodische Waage verwendete und auch die Feuerstelle nicht auf dem neuesten Stand war. Schließlich hatte ich mich getraut ihn danach zu fragen und er hatte mir erklärt, dass er einen großen Teil der Werkzeuge und Arbeitsmaterialien zu Schulbeginn von seiner Mutter erhalten hatte. Sie hätte ihm damals gesagt, dass sie genau dieses von Ihrer Mutter zum elften Geburtstag und somit passend zur Einschulung geschenkt bekommen hatte. Weiterhin hatte er mir erklärt, dass er später, in seiner Ausbildungszeit bei einem Fachmann damit war und der hatte die Werkzeuge und vor allem das Silbermesser gar nicht mehr aus der Hand geben wollen. Die Gegenstände, so schätzte der Experte, müssten mehrere hundert Jahre alt sein und das Messer würde aus einer Koboldschmiede stammen. Es war in Reinblüterfamilien üblich, dass sie von Talent zu Talent und nicht an den oder die Erstgeborene weitervererbt würden. Der Fachmann wollte Severus damals unbedingt alles abkaufen, aber er hatte konsequent abgelehnt, auch wenn er ein Vermögen damit verdient hätte. Doch alles Gold, was er dafür hätte bekommen können, war ihm egal. Es war ein Geschenk von seiner Mutter gewesen und daher für ihn mehr wert als man ihm jemals dafür bieten könnte. All die Jahre über hatte er diese Arbeitswerkzeuge, zu denen nicht nur drei verschiedene Messerarten, sondern auch Waage, Pinzette, Mörser, Reibe, Stampfer und andere gehörten, gehegt und gepflegt. Man sah ihnen nicht an, dass sie ständig im Gebrauch waren.
Ich konnte ihn sehr gut verstehen, da der Umhang und die Karte meines Vaters auch ein unbezahlbarer Schatz für mich waren. Da ich mein Glück nicht herausfordern wollte, hatte ich beschlossen, mir ein zweites Tränkeset zuzulegen, damit ich eins ständig in seinem Labor hatte. So müsste ich meines für die Schulstunden nicht ständig mit mir rumschleppen oder seines verwenden. Aber um ja das Richtige zu erstehen, bat ich Severus, mir die Vor- und Nachteile der einzelnen Gegenstände zu erklären.
„Du hast sieben komplette Schuljahre und extra Training hinter dir und weißt das immer noch nicht?“, war seine entgeisterte Frage darauf gewesen.
„Entschuldige, ich weiß, dass es Unterschiede zwischen Silber, Metall und Holz gibt, nur nicht, was wofür am besten ist.“
„Ich hätte euch damals den Aufsatz über Material und seine Verwendung doch über mehr als zwei Pergamentrollen schreiben lassen sollen. Nun gut, also das Messer aus reinem Silber wird...“, begann Severus mir zu erklären und an diesem Tag kamen wir schließlich nicht mehr zum brauen. Dafür war mein Kopf danach allerdings voller Fakten gestopft. So sandte ich noch am Abend Hedwig mit meiner Bestellung weg und zog zu meiner Schande zum ersten Mal den Vorteil daraus, was es bedeutet der Junge-der-Voldi-endgültig-in-den-Hintern-getreten-hat zu sein. Denn durch den Vermerk, dass ich das Ganze gestern schon hätte haben wollen, kam am nächsten Nachmittag meine Bestellung an, mit der Entschuldigung, dass sie es eher nicht geschafft hätten. Man bemerke, dass die eigentliche Lieferzeit fünf Wochen gewesen wäre.
Noch am selben Abend hatte ich Severus damit überrascht, dass ich mir in einem seiner Regale etwas Platz verschafft hatte und mein Werkzeug dort platzierte. Mit fachkundiger Mine hatte er sie sogleich begutachtet und zustimmend gebrummt, aber sonst kein Wort darüber verlauten lassen. Seitdem arbeite ich in seinem Labor nur damit.
„..ry, hey hörst du mir zu?“
„Was, tut mir Leid. Ich war gerade in Gedanken. Was wolltest du?“
„Ich habe dich darum gebeten 30 Gramm Florfliegen zu stampfen.“
Ich nicke als Antwort und hole mir alles benötigte, um anschließend die Zutat klein zu stampfen. Als ich fertig bin stelle ich ihm das Ergebnis zur Seite und reinige meine Arbeitsplatte und Geräte. Abwartend, was ich als nächstes machen soll, sehe ich ihm bei der Arbeit zu. Es ist ein herrlicher Anblick ihn dabei zu betrachten, wie er hochkonzentriert an die Arbeit geht, wie bei schwierigen Arbeitsschritten sich seine Stirn leicht in Falten legt und er hin und wieder kurz seine Unterlippe zwischen die Zähne zieht. All dies wusste ich vor drei Monaten noch nicht über Severus und je mehr ich ihn kennen gelernt habe, umso menschlicher und liebenswerter mit einem einzigartigen Charakter erscheint er mir. Und umso mehr habe ich mich auch in jede dieser kleinen Eigenarten verliebt. Wie gerne würde ich diese sanften Lippen und knabbernden Zähne an meinen spüren. Am elften Tag von heute an gerechnet ist es soweit, dann werde ich erfahren, ob ich jemals in diesen Genuss kommen werde oder nicht.
Doch jetzt will ich mir keine Gedanken darüber machen, sondern betrachte seine schlanken langen Finger, wie sie gerade eine Frucht die nur Zauberer kennen, dessen Namen ich vergessen habe, auspressen.
Severus bemerkt, dass ich ihn betrachte und gibt mir schnell eine weitere Aufgabe. Ich hatte schon vor Wochen bemerkt, dass er nicht wirklich damit umgehen kann, wenn ihn jemand ohne irgendwelche Vorbehalte einfach nur betrachtet. So mache auch ich mich wieder an die Arbeit und frage mich, wann denn die Basiliskenschuppen dran kommen.
Zwei Stunden später ist es dann soweit und Severus nimmt behutsam das Glaskästchen aus dem Vorratsschrank. Er stellt es zwischen uns auf die Arbeitsplatte und entfernt sachte den Deckel.
„Wir benötigen heute erstmal nur eine, die anderen bleiben im Kästchen. Ist deine Arbeitsstätte sauber?“
Ich nicke bestätigend und mit einer Pinzette entnimmt er schließlich eine grünlich-schwarz schimmernde Schuppe und legt sie vor mich hin. Danach verschließt er wieder das Kästchen fachmännisch und verstaut es sorgfältig im Schrank.
„Wie du bemerken wirst, ist die Schuppe ein fester Gegenstand. Doch habe ich sie mit einer sauberen Pinzette der Flüssigkeit entnommen und nicht mit bloßen Fingern, damit nichts hineingerät, was die restlichen schädigen könnte.“
Verstehend nicke ich, da es mir einleuchtet. Bei solchen wertvollen und seltenen Zutaten sollte man besonders vorsichtig sein und deswegen verstehe ich nicht so ganz, wieso sie vor mir und nicht vor ihm liegt. Als er wieder da ist, greift er in das Hängeregal und nimmt eine Schale, meine Waage und meine Reibe. Die Waage stellt er vor mir ab, setzt die Schale darauf und stellt die Waage auf Null.
„Ich brauche diese Schuppe so klein wie möglich und deswegen wird sie vorsichtig und mit gleichmäßigen Zügen gerieben. Dabei muss darauf geachtet werden, dass nichts von der Schuppe abbricht und in die Schale fällt. Verstanden?“
Bestätigend nicke ich.
„Gut“, und mit diesem Wort drückt er mir Reibe und Schuppe in die Hand und stellt sich so hinter mich, dass er um mich herum greifen kann und führt im gleichmäßigen Rhythmus meine Hand, die die Schuppe hält, über die Reibe.
Ob Severus weiß, was er hier gerade macht, dass er von sich aus Körperkontakt aufbaut und diesen auch noch hält? Bisher war er immer darum bemüht gewesen, Berührungen so wenig wie möglich zuzulassen oder diese nur kurz aufrecht zu halten. Aber beschweren tue ich mich gewiss nicht. Ganz im Gegenteil, ich genieße seine Nähe, wie sich sein Körper an den meinen schmiegt, atme seinen Duft tief ein, der mich an einen Kräutergarten und Frühling erinnert.
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Ron - ui er darf auch mal zu Wort kommen ;-)
Grummelnd wache ich auf und versuche mich zu orientieren, was mir recht schwer fällt, da mir nichts bekannt vorkommt. Allerdings vernehme ich gedämpfte Stimmen, die aus dem Raum dort kommen, zu dem die Tür halb offen steht. Nicht wissend, wer dort spricht, da die Stimmen undeutlich bei mir ankommen, schlage ich die Decke zurück, stehe auf und begebe mich langsam, darauf bedacht kein Geräusch zu machen, zu der Tür. Dort angekommen öffne ich sie ganz vorsichtig und spähe hinein. Was ich dort zu Gesicht bekomme und auch höre, kann ich nicht fassen und schnell zwicke ich mir in den Arm. Aber das Bild bleibt wie zuvor, da schmiegt sich doch tatsächlich die olle Fledermaus von hinten an Harry und erklärt ihm wie man dieses Ding, was mein Freund in der Hand hält bearbeitet. Das gibt es doch nicht.
„So, nun versuch du es mal alleine, Harry“, höre ich das Schlangenoberhaupt sagen und kann nicht glauben, dass er Harry beim Vornamen nennt und das noch nicht mal verächtlich. Stattdessen löst er sich von meinem Freund und stellt sich neben ihn und ich könnte schwören, wenn ich es nicht besser wissen würde, dass Harry über den Verlust des Körperkontaktes geseufzt hat. Irritiert bleibe ich weiterhin im Türrahmen stehen und beobachte diese mehr als merkwürdige Szene vor mir. Das kann doch alles nur ein Traum sein. Als schließlich Harry mit was auch immer fertig ist, verkündet er dies dem anderen und gänzlich vom nicht vorhandenen Besen haut mich schließlich die Tatsache, dass Harry Snape Severus nennt. Dabei muss mir wohl ein entsetztes Keuchen über die Lippen gekommen sein, denn beide Augenpaare richten sich unverzüglich auf mich.
Stotternd stolpere ich zurück und begebe mich unverzüglich zum Sofa, wo ich meine Sachen vorfinde. Doch komme ich nur bis dahin, da hat mich Harry auch schon eingeholt.
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Harry
Erschrocken drehe ich mich um und im Türrahmen steht mit käsigem Gesicht Ron. Wie lange er da wohl schon gestanden hat? Hoffentlich nicht all zu lange.
„Ich glaube, es ist besser wenn ich jetzt gehe. Danke, Severus, bis morgen“, verabschiede ich mich schnell und hauche ihm seinen obligatorischen Abschiedskuss auf die Wange und laufe Ron hinterher. Ich weiß, dass ich eigentlich noch für Ordnung sorgen müsste, aber Severus wird das verstehen und meine Sachen ebenfalls wegräumen. Im Wohnrum erwische ich Ron noch und stelle mich ihm in den Weg.
„Wie geht es dir, hast du Kopfschmerzen?“
„Wieso sollte ich Kopfschmerzen haben? Harry was ist hier los? Was hast du da mit Snape gemacht?“
„Ich frage dich, ob es dir gut geht, da du dich in den Drei Besen besoffen hast, während du mir erzählt hast, dass Hermine von dir erwartet, dass du sie heiratest. Danach habe ich dich hergebracht und Severus, ja ich nenne ihn so, hat dir geholfen. Solange wie du nach dem Ausnüchterungstrank geschlafen hast, habe ich ihm im Labor geholfen. Wir haben uns vor ein paar Wochen ausgesprochen und seitdem sprechen wir uns privat mit Vornamen an. Wusstest du, dass er mit meiner Mutter schon vor Hogwarts befreundet gewesen war? Nein, ich auch nicht. Das hat er mir erzählt und auch sonst konnte er mir einiges über meine Mutter erzählen. Er ist ganz anders im Privaten als wir ihn ansonsten kennen“, nehme ich Ron den Wind aus den Segeln, indem ich ihm gute Gründe für diese Situation nenne.
„Ich glaube, ich muss mich setzen“, kaum ausgesprochen lässt Ron sich auf dem Sofa nieder.
„Ich habe also einen Ausnüchterungstrank von Snape bekommen. Wieso?“
„Weil ich ihn darum gebeten habe. Wie gesagt, wir haben uns ausgesprochen und schließlich besser kennen gelernt. Deswegen hat er mir den Gefallen getan und du solltest ihm dankbar dafür sein. Ich bezweifle, dass du lallend und kaum etwas wahrnehmend im Turm Hermine hättest begegnen wollen.“ Daraufhin erhalte ich ein energisches Kopfschütteln.
„Ich sollte mich wohl bei ihm bedanken.“
„Ja, das solltest du, aber das kannst du gleich auch noch machen. Erzähl mir lieber noch mal genauer, wie du darauf kommst, dass Hermine dich vor den Traualtar ziehen möchte.“
„Ich weiß nicht wie ich beginnen soll, Harry!“
„Am Anfang würde ich sagen, damit ich das auch nachvollziehen kann.“
„Gut, ich versuche es nicht durcheinander zu bringen. Hermine hat ja mitbekommen, dass Draco und Lina verlobt sind, bisher zwar noch ohne Ring, aber sie sind verlobt. Und dann hat Ginny ihr auch noch freudestrahlend erzählt, wie romantisch Blaise darum gebeten hat, um sie werben zu dürfen. Weißt du, das ist so eine alte Reinblütertradition, die kennst du bestimmt nicht. Da fragt man nach einer Rosenübergabe mit so einer bestimmten Formulierung seine Angebetete, ob man drei Monate lang um sie werben darf. Wenn sie zustimmt, macht man nach den drei Monaten am letzten Tag einen Heiratsantrag. Wenn also die Werbung erfolgreich war, muss man dann innerhalb von zwei Jahren heiraten und es bleibt einem nichts anderes übrig, da das Ganze irgendwie magisch bindend ist. Wird aber nur von Reinblütern mit Traditionsbewusstsein angewandt, also brauchst du dir um so was keinen Kopf machen. Da werde ich schon eher das Problem haben, da meine Mum über das Werben von Blaise begeistert ist. Meine Eltern werden vermutlich auch drauf bestehen, dass ich mich an die Traditionen halte. An sich habe ich nichts gegen diese Tradition, aber seitdem benimmt sich Mine manchmal so merkwürdig. In jedem Gespräch lässt sie einfließen, wie gerne sie doch auch das und das mal erleben würde oder wie toll es sein muss mit der Liebe seines Lebens verlobt zu sein und diese dann zu ehelichen. Dabei sieht sie mich immer so auffordernd an, doch der Höhepunkt ist dieses Buch. Ich habe mal einen Blick reingeworfen und das Buch ist so aufgebaut, dass man alle paar Seiten Eintragungen machen kann, wie z.B. Gästeliste, Blumendekoration, Brautkleidentwurf und auch die der Brautjungfern. Harry, ... ich ... ich liebe Mine, wirklich und aufrichtig, aber ich will noch nicht heiraten. Schon bei dem Gedanken mich so fest zu binden bekomme ich Panik. Ich kann doch noch nicht mal für mich selbst sorgen, wie soll ich das dann für sie und eventuelle Kinder können? Wieso können wir nicht erst die Schule beenden und eine Ausbildung machen? Danach ist doch auch noch Zeit.“
„Weißt du Ron, ich glaube ich habe mal gehört, dass Frauen mehr ans Heiraten denken und Männer an Sex. Hmmm, weist du, da bleibt es nicht aus, dass Hermine auch daran denkt, wenn ihre beiden besten Freundinnen bald in den Hafen der Ehe schippern. Sie weiß vermutlich im Unterbewusstsein, dass es für euch noch zu früh ist, aber darauf hört sie gerade nicht. Vielleicht wünscht sie sich aber auch nur, dass du sie etwas mehr umgarnst. Mit ihr etwas unternimmst, dass ihr gefällt. Und um das Buch würde ich mir nicht so viele Gedanken machen, denn vermutlich hat sie es um den anderen beiden Mädels bei deren Hochzeit zu helfen.“
„Das habe ich doch letztens gemacht.“
„Ron, ein Quiddichspiel deiner Lieblingsmannschaft ist nicht gerade das, was Hermine sich ersehnt und als eine romantische Verabredung betrachtet. Das ist etwas woran nur du Spaß hast. Lass dir etwas einfallen, womit du sie überraschen kannst, anschließend geht ihr essen und dann sprichst du ganz offen mit ihr über deine Gefühle und versicherst ihr, dass du sie liebst und mit ihr zusammen alt werden möchtest, aber noch nicht heiraten willst. Sei ehrlich zu ihr, dann wird sie zwar vermutlich im ersten Moment traurig sein, doch wird sie es verstehen und dir Zeit geben.“
„Das bekomme ich doch niemals hin.“
„Doch, das wirst du und nun komm, wir sollten so langsam hoch zum Abendessen. Sonst verlangt Severus noch eine Gebühr dafür, dass wir solange auf seinem Sofa sitzen.“
„Keine schlechte Idee, die Rechnung über Trank, Liegezeit und Abnutzung der Sitzfläche stelle ich Ihnen noch zu, Mister Weasley“, kommt es plötzlich in typischer Snapemanier aus Richtung des Labors.
„Severus!“, richte ich mich mit bösem Blick an ihn und wende mich dann wieder Ron zu. „Ron, das war ein Scherz von ihm.“ Ron wägt wohl ab, ob ich Severus inzwischen so gut kenne, dass ich das mit ruhigem Gewissen behaupten kann und es auch stimmt, doch dann steht er auf und geht auf Severus zu.
„Professor, ich ... ähm danke, danke, dass Sie mir geholfen haben“, bedankt er sich. Severus nickt darauf nur und Ron und ich verlassen, nachdem ich Sev noch ein Lächeln schenkte, schließlich die Wohnung.
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Lina
Es ist schön, dass Harry und Ron mal wieder Zeit zu zweit verbringen, denn das haben die beiden schon lange nicht mehr gemacht. Aber langsam könnten sie doch auftauchen, denn ich benötige dringend Erlösung. Hermine piesackt mich schon die ganze Zeit, weil sie wissen will, wie der Ring aussieht und inzwischen kann ich darüber nur noch die Augen verdrehen.
Aye, sieh mal einer an, wer da kommt. Wieder das gesamte Schlangenhaus. Wie ich bedauernd feststelle, haben mein Bruder und Parkinson zu ihren süßen Schweinsöhrchen von gestern nichts Neues dazu bekommen. Wobei sie so, wie sie jetzt sind, auch gut aussehen, viel besser als vorher. Ja, die beiden machen sich. Es ist aber kaum zu glauben, dass die beiden seit fast drei Monaten mindestens jeden zweiten Tag eine Schönheitsveränderung über sich ergehen gelassen haben und immer noch Bedarf besteht. Bin ich gehässig? Nein, nur rachsüchtig! Vor allem geht das immer erst frühestens nach einer Woche weg und nicht eher. Egal wie sehr Poppy sich darum bemüht hat. Auch die Heiler im Mungos konnten nichts machen, so kamen wir in den Genuss von einem Ringelschwänzchen, Froschlauten, blaue Pusteln, Eulenohren, Entenschnabel, Zentaurenbeine und vielem mehr. Ich kann gar nicht alles aufzählen, so viel wie es war. Ein Hoch auf die Zwillinge, vor allem, dass sie einen Zauber auf diese Scherzartikel gelegt haben, so dass sie von unbefugten Augen und auch Zaubern nicht gefunden werden können. Die Razzia vor einem Monat war wirklich interessant. Mein Vater hatte sich mächtig in Schale geworfen, als er hier erhobenen Hauptes und siegessicher mit 10 Auroren und einem Durchsuchungsbescheid angekommen war. So ein Pech aber auch, das die Meute ohne Funde wieder hatte abziehen müssen. Wobei ich der Aurorin, die meine Sachen durchwühlt hatte, am liebsten die Augen ausgekratzt hätte. Natürlich waren Dracos und meine Habseligkeiten als erstes durchwühlt worden und als sie nichts fanden die der anderen.
Was mich allerdings wundert ist, dass die Schlangen konsequent diese Bestrafung durchziehen. Eigentlich treten die Slytherins nach außen immer wie eine geschlossene Gruppe auf und intern werden Streitigkeiten geregelt. Vermutlich betrachten sie aber auch das, was die beiden getan haben, als einen zu großen Frevel, als dass er im stillen Kämmerchen bestraft wird. Was es auch ist, ich weiß es nicht und mir soll es so recht sein.
Und da kommen auch die beiden Vermissten. Ron sieht zwar etwas mitgenommen aus, aber ansonsten scheint es ihnen gut zu gehen. Sie entschuldigen sich kurz für die Verspätung, beide nehmen rasch ihre Stammplätze ein und beginnen zu essen. Nachdem der erste Hunger gestillt ist, unterhalten wir uns über die anstehenden Ferien. Hermine wird mit ihren Eltern nach Skandinavien fahren, während Ron mit seiner Familie in Rumänien bei Charlie feiert. Er freut sich auch schon richtig drauf. Erst wollte er da bleiben, damit Harry nicht alleine Weihnachten feiert, doch den nehmen Draco und ich mit. Ron hatte zwar ungläubig drein gesehen und „Weihnachten mit Snape?!“ gehaucht, aber dann gemeint, dass das Haus sicherlich so groß sei, dass man sich gut aus dem Weg gehen könnte. Wenn der wüsste, denn Harry hat alles andere vor, nur nicht einen Bogen um Severus zu machen, den ich inzwischen auch so nennen darf. Sofern wir unter uns sind natürlich und kein anderer Schüler oder Lehrer in der Nähe ist.
Nach dem Essen begeben wir uns schließlich in unseren Turm zurück. Da wir Dienstag schon abreisen werden, packen wir schon mal das Gröbste ein, bevor wir noch etwas Zeit gemeinsam im Gemeinschaftsraum verbringen und schließlich ins Bett gehen.
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Das war es dann mal wieder und als nächstes kommt Part 2 3. Teil.
Ich hoffe es hat euch soweit gefallen.
lumos
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