
von niobe87
Ich weiß, ich weiß.
Ich bin böse, fies und gemein.
Zu recht würde ich das an eurer Stelle auch denken.
2 Wochen, kein Kapitel.
Wie masochistisch von mir.
Aber es gibt eine Erklärung: Ich hatte Stress. Stress mit ein paar Freunden, mit einer anderen Story, mit der Uni etc.
Ich habs einfach vergessen.
Seid nicht böse.
Als Wiedergutmachung schmeiße ich euch heute gleich 2 Kapitel vor die Füße, in der Hoffnung, ihr verzeiht mir.
Ach ja, die Story ist übrigens schon seeehr lange abgeschlossen, was bedeutet, dass ihr nur keine neuen Kapitel bekommt, wenn ich es in meiner Schusseligkeit vergesse.
Kapitel 10 – Verzweiflung gegen Erleichterung
Draco lag mit ausgestreckten Armen auf dem Bett, was sehr komisch aussah, weil sein einer Arm über der Bettkante hing und der andere über Harrys Brust verweilte.
Sein Brustkorb hob und senkte sich noch immer recht schnell, war ihr kleines Abenteuer doch schon seit einigen Minuten vergangen.
Doch immer noch fühlte er kaum Luft in seinen Lungen, konnte seine Glieder nicht bewegen und konnte auch keinen klaren Gedanken fassen.
Er starrte müde zur Decke und spürte, wie seine Augenlider schwerer wurden, sein Puls sich langsam normalisierte und er schon fast dabei war in ein kleines Nickerchen zu verfallen.
Und das, obwohl er den ganzen Tag geschlafen hatte und eigentlich keine Minute Zeit mit Nickerchen verschwenden sollte, da er soeben noch mit einem teuflischen guten Mann im Bett gewesen war.
Er kämpfte mit der Müdigkeit, während sein Atem sich verlangsamte und seine Augen zu brennen begannen.
Immer noch wurde kein Wort zwischen den Beiden gewechselt, was entweder bedeuten musste, dass Potter schon längst eingeschlafen war oder dass er noch immer von einem berauschenden Gefühl erfasst sein musste.
Doch Draco hatte sich schon einmal geirrt.
„Alles okay?“, hauchte er mit trockenem Mund der hohen Decke des Zimmers zu.
Aus den Augenwinkeln konnte Draco eine flüchtige Bewegung ausmachen, die er weder einem Kopfnicken, noch einem Kopfschütteln zuordnen konnte, weshalb er den Kopf ein wenig drehte und auf das Profil von Potters Körper blickte.
Auch dieser befasste sich damit, die Decke anzustarren und seinen Körper wieder unter Kontrolle zu bekommen.
Doch schon bald drehte der Gryffindor Draco den Kopf zu und dieser wusste erst nicht, ob es ein glühender oder ein verstörter Blick sein sollte, was Potter bemerkte und somit noch einmal den Kopf reckte, um zu Nicken.
Es ging ihm also gut, das war schon mal ein Anfang. Jetzt musste Draco nur noch irgendwie rausbekommen, ob sich dies auf Schmerzen oder auf dieses kleine Techtelmechtel zwischen ihnen bezog.
„Ich kann kaum atmen.“, presste der Gryffindor hervor, währenddessen sich sein Brustkorb noch immer kraftvoll hob und senkte.
„Ich weiß.“, wisperte Draco und konnte mit jeder einzelnen Faser seines Körpers nachempfinden, was Harry meinte.
„Ich...das war...was war das genau?“, fragte Harry irritiert, so dass Draco seinen Blick, der kurz an Potters Halsbeuge hängen geblieben war, wieder nach oben richtete und dem Goldjungen in die Augen sah.
„Keine Ahnung.“, sagte der Slytherin wahrheitsgemäß, weil er nicht direkt kategorisieren konnte, was soeben passiert war.
„Warum ich, Draco?“, fragte Potter nur frei heraus, während dessen Worte nur einige Sekunden im Raum widerhallten, aber noch sehr lange in Dracos Kopf rumspukten.
„Was?“, fragte der Blonde verwirrt. Wie, warum er?
„Warum wolltest du mich? Mich, und nicht Blaise oder sonst irgendwen?“
„Ich...keine Ahnung.“, druckste Draco herum.
Er wusste eine Antwort darauf, aber er würde sich hüten, diese hier preiszugeben.
„Was ist das jetzt zwischen uns?“, fragte Harry, als hätte er die Antwort der vorherigen Frage schon abgeschrieben.
Draco schwieg.
„Ist da was? Was machen wir jetzt?“, fuhr der Gryffindor unbeirrt fort, als würde er einen großen Plan erwarten, den Draco aus seiner nicht vorhanden Hosentasche holen würde und auf dem detailliert und genau beschrieben wäre, was genau jetzt zu tun ist.
„Was wird in Zukunft sein? Sind wir noch Feinde? Gehen wir, statt zu streiten, jetzt immer zusammen ins Bett, oder wie machen wir das?“
„Naja, wenn dir diese Variante besser gefällt, als Streiten, dann immer her...“, setzte Draco an und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, weil er schon an eine Auseinandersetzung in der Zukunft dachte, die damit endete, dass Harry Draco in einen Wandschrank zerrte.
„Das ist nicht witzig.“, knurrte Harry bitterernst, während Draco versuchte, zu ergründen, wann sein Gedächtnis auf der Strecke geblieben war.
Denn immerhin musste irgendetwas geschehen sein, an das sich Draco nicht mehr erinnern konnte, dass ihm der Gryffindor auf einmal solche Fragen stellte.
„Potter, was soll das Ganze?“, fragte Draco nun etwas genervt und rollte mit den Augen. „Können zwei Feinde nicht mal ganz entspannt miteinander rummachen ohne das gleich eine Beziehungskiste drum herum gestrickt wird?“
„Erst mal...“, sagte Harry, „war das mehr als „nur rummachen“. Und willst du mir mit deinen Worten sagen, dass das Alles hier für dich nur ein dummes Spiel war? Ganz ohne Bedeutung?“
Draco drehte den Kopf zur Decke und dachte nach.
Nein, ein Spiel war das hier ganz sicher nicht mehr. Nicht nach den letzten Stunden. Doch was genau, „das Alles“ jetzt für ihn war, konnte er nicht in Worte fassen.
„Diese Antwort genügt mir.“, sagte Harry plötzlich eiskalt und scheinbar hellauf erzürnt, weil er sich erhob und schnellen Schrittes das Zimmer durchquerte, immer wieder hier und da einige Sachen von sich aufhebend, die Tür rasch öffnete, hinaus ging, während er Draco nur den Rücken zeigte, und dann die Tür mit einem lauten Krachen ins Schloss fielen lies.
Somit ließ er einen verwirrten Draco allein in seinem Schlafsaal zurück.
„Wow. Das war mal ein verdammt schneller Abgang...“, murmelte Draco und lachte kurz auf, um sich danach aber gleich mit der flachen Hand vor die Stirn zu schlagen.
„Scheiße...“
Stöhnend brach er auf seinem Bett zusammen und streckte alle Viere von sich.
Was, zum Henker, war denn jetzt nur schief gelaufen?
Er wusste nicht, was plötzlich passiert war, dass Potter so hellauf erzürnt abgehauen war.
Eigentlich interessierte es ihn auch nicht.
Warum aber machte er sich dann so verdammt viele Gedanken und Sorgen um Potter?
Normalerweise war er nicht so. Normalerweise war er kalt wie Eis, immer mies gelaunt und unnahbar.
Doch bei Potter...
„Hach...“, stöhnte er und erhob sich mit einem Ruck vom Bett, um zum Fenster zu gehen.
Er öffnete es und kühle Luft strich über sein Gesicht und brachte sein Haar durcheinander, während Lachen, Zaubersprüche und Naturgeräusche von unten her zu ihm aufwehten.
Bei Potter war er anders. Er vergaß all seine Prinzipien, seine Vorstellungen, seine Wünsche, einfach alles.
Bestes Beispiel dafür, war etwas, dass vor ein paar Minuten geschehen war.
Er war so vorsichtig gewesen.
Noch nie war er so behutsam beim Sex vorgegangen, noch nie war er derart einfühlsam (nannte man das so?) gewesen.
Er wollte, dass es Potter gefiel, wollte, dass er seinen Namen schrie und laut stöhnte, doch er wusste nicht warum.
Und dann diese Fragen.
„Warum wolltest du mich?“
„Was ist das jetzt zwischen uns?“
„Ist da was?“
„Was wird in Zukunft sein?“
„Keine Ahnung, keine Ahnung, keine Ahnung!“, fluchte Draco.
Er wusste nicht, was jetzt zu tun war oder was werden würde. Er wusste nicht, was er für Harry empfand oder ob er überhaupt etwas empfand.
Doch eines war klar: Er hatte Harry Potter wegen seiner Unerreichbarkeit gewollt.
Er war die Eroberung überhaupt, was ihm die Reaktionen auf der Slytherin-Party gezeigt hatten. Keiner konnte den Retter der Zaubererwelt erreichen.
Zumindest kein männliches Wesen. Was diese Ginny anging, so hörte er von einigen Gerüchten. Nichts Spezielles. Etwas Gefummel da, ihrer beider erstes Mal dort. Alles Blabla, was ihn nicht interessierte.
Doch was ihn interessierte war der Harry Potter, den er im Gang vorgefunden hatte. Ein Harry Potter, der unter ihm stöhnte...
„Das hatten wir schon...“, seufzte er genervt und sah herunter zur klaren Oberfläche des Sees, die sich kaum rührte, außer wenn ein Schüler einen Stein hineinwarf.
Er bemerkte, dass er sich tatsächlich selbst auf die Nerven ging, was ihn verwirrte.
Er war sowieso mehr als verwirrt.
Was wollte er jetzt, nachdem er mit dem Goldjungen im Bett gelandet war?
Eine Hand fuhr durch sein blondes Haar und rutschte dann über seine brennenden Augen, die durch das Licht der Sonne stark strapaziert worden waren, und fuhr dann über sein Kinn, wo sie eine Weile verharrte.
Würde er nach seinem bisherigen „Muster“ vorgehen, würde er den Gryffindor links liegen lassen und sich nach neuem Frischfleisch umsehen.
Doch bei Potter konnte er nicht nach seinem „Muster“ vorgehen.
„Auch das hatten wir schon...“, fluchte Draco resigniert und rollte mit den Augen.
Warum er sich überhaupt Gedanken über seine weiteren Schritte machte, wusste er nicht. Auch wusste er nicht, warum er immer noch über den Gryffindor nachdachte.
Und dann war da dieses Gefühl.
Das Gefühl von Potters weichen Lippen auf seinen, die ihn so gefühlvoll und zärtlich küssten, dass er fast wahnsinnig wurde.
Dieses Gefühl, wenn Potter seine Hände auf seine Haut legten, die dadurch förmlich zu brennen begann.
Dieses Gefühl, wenn Potter seinen Namen sagte, rief, schrie, ihn einfach nur aussprach, was seinen Magen Achterbahn fahren ließ.
Dieses Gefühl, wenn Potter ihm in die Augen sah und seine Fassade zu bröckeln begann, seine Maske herunter fiel, sein Herz aus Eis auftaute.
„Ach, Harry...“, flüsterte er, während sein Kopf gegen die kühle Fensterscheibe krachte...
Harry dagegen wusste nichts von Dracos Gedanken. Dass dieser langsam auftaute, welche Wirkung er selbst auf den Slytherin hatte und dass dessen Gefühlswelt durch Harry langsam aber sicher vollkommen ins Wanken gerat, konnte er nicht ahnen, da ihm Dracos Innerstes auf Ewig verschlossen schien.
Er irrte durch die Gänge Hogwarts hinaus auf die Ländereien und flüchtete unter seine geliebte Eiche, direkt am See.
Vollkommen aufgelöst ließ er sich in das raschelnde Gras fallen und atmete tief durch.
Er wusste nicht, was er zuerst fühlen sollte.
Er war so unglaublich wütend, was das restliche Gefühlschaos erst einmal lahm legte.
Wieso nur war Malfoy so? Er war so verdammt kalt und so sehr auf sein eigenes Wohl bedacht, dass Harry sich wunderte, wie er so lange mit ihm aushalten konnte.
So viel Egoismus in einer Person konnte sich doch nur schlecht auf den Charakter auswirken.
Doch warum ließ er es dann nicht einfach sein?
Warum musste er wieder zu ihm zurück? Was war in den letzten Tagen passiert, dass er jetzt am liebsten schon wieder in seine Arme fallen wollte?
Was hatte Malfoy, was ihn für Harry so anziehend machte?
Fragen über Fragen tobten wie ein Wirbelsturm in Harrys Kopf und es schien, als würden alle Gedanken, wie tanzendes Laub durch sein Hirn fegen.
Malfoy war wie eine Droge.
Malfoy bedeutete Macht und Kontrolle, aber auch Überwindung und Unwissenheit.
Er fühlte sich, wie ein pubertierender 14-Jähriger, der weder wusste, was er fühlen sollte, noch wie er mit diesem Chaos in seinem Kopf umgehen sollte.
Aber Malfoy schien es nicht anders zu gehen.
Auf der einen Seite war er eben das gefühlskalte Arschloch, das er durch seine Herkunft geworden war. Auf der anderen Seite...
Hm...Es war so eigenartig.
Er hatte irgendwo auch diese gefühlvolle Seite. Wenn er ihn küsste, wenn er versuchte, ihm nicht weh zu tun, wenn er ihn ansah.
Diese Augen.
Dieses stürmische Grau, das einer dichten Wolkendecke glich, das sich plötzlich in ein helles Silber verwandelte, wenn er vor Lust oder Leidenschaft zu beben begann.
Warum hatte er die ganze Nacht nicht geschlafen?
Er hätte sich einfach in ein anderes Bett legen sollen? Aber vermutlich war er zu stolz dafür.
Doch warum hatte er Harry nicht einfach in Zabini’s Bett oder gar in ein unbenutztes Bett gelegt?
Warum hatte er die ganze Nacht an diesem Fenster gehockt und kein Auge zu getan?
Warum zur Hölle war Malfoy so?
Er schüttelte den Kopf und versuchte seine Gedanken zu klären.
Was sollte er denn jetzt machen?
Zu Malfoy zurück kehren? Zu dem Malfoy, der keine seiner zugegebener Weise sehr hysterischen Fragen beantworten konnte?
Oder sollte er einfach so weiter machen, wie bisher?
Er hatte seine besten Freunde seit Tagen nicht mehr zu Gesicht bekommen?
Konnten sie ihm helfen?
Hermine vielleicht...
Ron auf keinen Fall. Er würde erst schockiert, das was er gerade in der Hand hatte fallen lassen, dann wäre er wütend, dann würde er sich vermutlich übergeben und dann würde er Harry zur Rede stellen.
Und das war nicht gut.
Das war auch ein Hauptgrund dafür, warum er nicht nur nicht mit Hermine darüber reden wollte, sondern warum er sich auch etwas von beiden fern gehalten hatte.
Er wollte den beiden nichts erklären. Er wollte sich nicht weiter mit diesem Malfoy-Ding beschäftigen, denn sein Kopf schien nie wieder aufhören zu surren, selbst jetzt schon, als er nur darüber nachdachte.
Doch er musste es auch loswerden, oder?
Sollte ein „Geständnis“ nicht auch eine befreiende Wirkung haben?
Allerdings, so vermutete er jetzt, würden sie schon längst von dieser Sache auf der Party erfahren haben.
Immerhin hatte er offensichtlich gezeigt, zu wem er gehörte.
Aber gehörte er jetzt wirklich zu Draco?
Dieser hatte immerhin nichts dazu sagen können. Rein gar nichts.
Wollte er zu Draco gehören?
Auch das war so eine eher schwammige Sache.
Klar, ihre kleinen Spielchen und Abenteuer waren fantastisch, allerdings bezweifelte er irgendwie, dass er sich fest an einen Mann binden könnte.
Wie sollte diese Beziehung denn laufen?
Gab es da einen männlichen und einen weiblichen Part? Musste einer jetzt zu einer hysterischen, femininen Person werden, um die Beziehung erst zu einer Beziehung zu machen?
„Scheiße...“, fluchte er leise und fuhr mit einer Hand durch sein dichtes Haar. Er lehnte den Kopf an die knochenharte Rinde der Eiche und starrte auf den dunklen See, der nun schon fast gänzlich von der Dunkelheit verschluckt wurde.
Er war so verwirrt, dass sein Kopf zu schmerzen begann.
Mit Ginny konnte er jedenfalls nicht mehr reden.
Er wollte es auch nicht mehr.
Ginny war für ihn mittlerweile so interessant wie ein Stück trocken Brot.
Sie hatte ihn betrogen, sie hatte ihn verführt, um ihn zurückzugewinnen, sie hatte ihn betrogen, sie hatte ihn angeschrienen, sie hatte ihn betrogen und sie hatte ihn zudem auch noch mit einer Frau betrogen.
Zudem wirkte ihre Anziehungskraft irgendwie nicht mehr so richtig.
Klar, sie in diesem heißen Outfit und so dermaßen zügellos zu sehen, machte ihn auch jetzt noch an, aber wenn man von dem normalen Alltag ausging, den sie beide vor dieser ganzen Sache gehabt hatten, musste er feststellen, dass irgendwie die Luft raus war. Die Routine hatte Besitz von ihnen ergriffen und wenn er die letzten Tage mit Malfoy mit ihrer bisherigen Beziehung verglich, so musste er weiterhin feststellen, dass die Zeit mit Draco um einiges aufregender war, als alles davor Gesehene und Bestehende.
Und, er war nicht recht sicher, ob er die Sache richtig einschätzte, er vermutete aber auch, dass es nie langweilig wurde, wenn man mit einem Malfoy unterwegs war.
Er stellte sich vor, wie sie durch die Korridore schlichen, lachten und scherzten, sich vielleicht sogar heimlich trafen, sich gegenseitig beschützten, den anderen vor Angriffen verteidigten, wie sie die Unterrichtsstunden irgendwie zu überbrücken versuchten, wie sie auf diese Slytherin-Partys gingen, wie sie die Schlafsäle wechselten, wie Draco überhaupt das erste Mal im Gryffindor-Gemeinschaftsraum aufkreuzte.
Bei diesem Gedanken musste er kurz lachen, weil dieser einfach zu absurd war.
Er konnte einfach nicht glauben, wohin seine Gedanken ihn trugen.
Nicht nur, dass eine Beziehung mit Malfoy absolut ausgeschlossen war, es konnte auch unglaublich möglich sein, etwas so Festes und Vertrauensvolles mit Draco erleben zu können.
„Hach...“, seufzte er, während die Dunkelheit seine Augen langsam lähmte.
Was dachte er denn da nur?
Müde rieb er sich die Augen und überlegte, ob er nicht endlich aufstehen sollte und sich in den Gemeinschaftsraum zu begeben.
Doch plötzlich wurde sein Grübeln durch eine Bewegung im Gras oberhalb seiner Füße abgelenkt.
Irgendetwas hüpfte da.
Doch was war es?
Er zückte seinen Zauberstab und ließ dessen Spitze erglühen, so dass ein Lichtstrahl das Gras flutete und er direkt auf einen kleinen Vogel blickte, der an seinem Fuß auf und ab hüpfte.
„Na, was bist du denn für einer?“, fragte er liebevoll und beobachtete, wie der kleine orange-blaue Vogel weiter auf ihn zuhüpfte bis er seine Jeans erreicht hatte.
Er nahm den Stoff in den Schnabel und schien daran ziehen zu wollen, was Harry mehr als eigenartig fand.
„Willst du, dass ich aufstehe?“
Der Vogel zupfte heftiger an seiner Jeans, allerdings konnte Harry dies nur sehen und nicht spüren, weil der Vogel einfach zu klein war.
„Na, gut.“
Also erhob er sich und blickte dann wieder auf die Stelle, wo er den Vogel noch immer vermutete, aber er war verschwunden.
Irritiert zuckte Harry mit den Schultern und wunderte sich, was ein so eigenartiger Vogel hier zu suchen hatte und warum er so zutraulich gewesen war.
Aber vielleicht war es ja einer von Hagrid’s „Freunden“ und wurde wahrscheinlich sogar von Hagrid darauf abgerichtet, ein Auge auf ihn zu werfen.
Er musste unbedingt mit dem Wildhüter darüber sprechen. Wenn er diese Woche einmal Zeit hatte, würde er ihn besuchen. Das hatte er sowieso schon viel zu lange nicht mehr getan.
Während er auf das Schloss zu lief, waren seine Gedanken schon wieder bei seiner aktuellen Situation.
Er wusste weder vor noch zurück.
Das Beste war wohl, sich seinen Freunden zu stellen und ihnen zu berichten, was ihn momentan so durcheinander brachte.
Er musste es los werden. Und vielleicht konnte er – zumindest nach einer gewissen Zeit der Gewöhnung – auch einige Tipps oder Ratschläge erwarten.
Also schleppte er sich zurück in den Gemeinschaftsraum und wurde schon von Hermine und Ron freudig begrüßt.
Er lächelte schwach und ließ sich auf einen gegenüberliegenden Sessel fallen, da die beiden es sich auf einer Couch gemütlich gemacht hatten.
Ihre Hände waren tief ineinander verflochten, während sie ihn beide sehr abschätzend und neugierig ansahen.
„Hallo.“, begrüßte er beide müde und war froh, dass er sich entschieden hatte, endlich mal wieder bei seinen Freunden zu sein und außerdem, dass der Gemeinschaftsraum um diese Uhrzeit so gut wie leer gefegt war, denn sonst wäre er wohl einfach in den Schlafsaal marschiert.
„Wie geht es dir, Harry?“, fragte Hermine in ihrer so fürsorglichen Art.
„Ganz gut.“, log Harry.
„Ron hat mir von dir und Ginny erzählt.“, sagte sie leise und sah ihn auf eine etwas eigenartige Weise an.
„Tut mir Leid, dass du es von ihm erfahren musstest.“, sagte er bedrückt, während er sich an Ron wand. „Nichts für ungut, Ron.“
Dieser nickte kurz verstehend.
„Willst du uns nicht deine Variante erzählen?“, fragte Hermine behutsam. „Wir kennen bisher nur Ginnys Version.“
„Was wisst ihr denn?“
„Sie hat dich betrogen.“
Harry nickte, während er den Kopf auf seinen Schoß senkte, weil diese ganze Sache ziemlich ungemütlich werden würde.
„Sie sagte, dass du halb geschockt, halb wütend aus dem Schlafsaal gegangen bist, als du es erfahren hast.“
Wieder nickte er.
„Mit wem hat sie dich betrogen?“
Harrys Kopf ruckte nach oben.
„Sie hat euch nichts gesagt?“
„Nein“, sagte Hermine, während Ron träge den Kopf schüttelte. Es schien als wüsste er nicht, ob er sich für sie schämen sollte oder ob er sie irgendwie verteidigen sollte.
Harry räusperte sich.
„Padma.“, nuschelte er.
„Was?“, fragte Hermine nach. „Ich hab dich akustisch, glaub ich, nicht verstanden.“
„Padma Patil.“, sagte er etwas lauter.
Während Ron kreidebleich wurde und er Harry völlig entgeistert fixierte, lachte Hermine kurz auf, weil sie wohl nicht wusste, wie sie mit dieser eigenartigen Antwort umgehen sollte.
„Wow“, sagte sie fast ein wenig irre lächelnd, „das hat jetzt gerade gesessen.“
Ron starrte geistesabwesend auf seine Schnürsenkel. Er schien sich gerade sehr unwohl in seiner Haut zu fühlen, als ob er sich vor Harry noch mehr für seine Schwester schämen würde, und brachte keinen Mucks von sich.
„Ja, ich...mich hat es auch etwas überraschend getroffen.“
„Du scheinst es ja schon einigermaßen weggesteckt zu haben.“, sagte Hermine misstrauisch.
„Im Gegenteil. Das habe ich nicht. Das Erste, was ich getan habe, nachdem sie es mir gesagt hatte, war in die Küche zu laufen und mir eine Flasche Feuerwhiskey zu besorgen.“, antwortete Harry ihr.
Hermine schlug sich die Hände vor den Mund.
„Aber warum bist du denn nicht zu uns gekommen, Harry? Wir hätten dir helfen können...“, sagte sie flüsternd.
„Und wie, Hermine? Wie hättet ihr mir helfen können? Ich war verletzt in meinem Vertrauen zu ihr, in meiner Liebe, aber auch in meinem Stolz. Ich wollte einfach niemanden sehen. Bitte verzeiht mir, dass ich erst jetzt darüber sprechen kann.“
„Aber...“, setzte sie erneut an, doch Ron legte eine Hand auf ihren Oberschenkel und blickte ihr tief in die Augen, um dann leicht den Kopf zu schütteln.
„Harry hat Recht, Hermine.“, sagte er leise. „Wir hätten ihm nicht helfen können. Es gut reden oder es weg reden hätte da nicht viel genutzt.“
„Aber ich hätte es nicht „weg reden“ wollen, Ronald!“, sagte sie leicht aufgebracht. „Ich hätte sie beide zu einer Aussprache gezwungen.“
„Hermine, das ist genau das, was ich nicht unbedingt wollte.“, mischte Harry sich jetzt wieder ein. „Außerdem hatten wir diese Aussprache schon.“
„Was?“, fragte sie verwirrt. Auch Ron blickte etwas überrascht.
„Nun ja“, Harry räusperte sich und versuchte, die aufkommenden Bilder aus seinem Gedächtnis zu scheuchen, „Es war keine direkte Aussprache, sondern eher eine Sache, die es für mich endgültig gemacht hat, dass ich keine Chance mehr für uns beide sehe.“
Die Worte „endgültig“ und „keine Chance“ schienen den beiden hart ins Gesicht zu schlagen, denn sie wurden noch blasser, als sie es bisher schon waren.
„Du siehst keine Chance mehr für euch?“, fragte Hermine, doch Ron schnitt ihr das Wort ab.
„Was war das für eine Sache? Was hat sie getan?“
„Sie hat versucht, nun ja...Sie hat versucht, mich wieder für sich zu gewinnen, indem sie mich verführen wollte.“
Stille.
Bleierne Stille lag um sie herum. Es war als hätte jemand den Ton leise gedreht.
Und plötzlich erhob sich Ron.
„Bleib sitzen.“, reagierte Hermine blitzschnell und zog ihn rechtzeitig am Arm wieder herunter, so dass er unsanft zurück auf das Sofa fiel.
„Nein, ich werde sie jetzt zur Rede stellen, Hermine. Das kann unmöglich ihr Ernst sein. Erst betrügt sie ihn, dann versucht sie ihn durch Sex wieder zu bekommen?“
„Lass gut sein, Ron.“, sagte Harry und schüttelte den Kopf, „ich weiß deine Loyalität mir gegenüber sehr zu schätzen, versuchst du doch gerade deine Schwester für mich zu köpfen, aber es bringt nichts.
Außer vielleicht, dass ihr nie wieder miteinander redet, die Familie spaltet und wer weiß, was sonst noch. Ich möchte das nicht.“
„Harry hat Recht, Ron.“
Resigniert schüttelte Ron den Kopf.
„Ich fasse es nicht, dass sie das getan hat.“
„Ich auch nicht.“, antwortete Hermine und blickte stur und nachdenklich in das Feuer, das munter im Kamin prasselte.
„Es gibt da noch eine weitere Sache...“
Beide richteten ihre Aufmerksamkeit auf Harry, der hart schluckte, weil jetzt wohl der etwas unangenehme Teil kam.
„Ich...ich...puh...“, er schüttelte erneut den Kopf und sah in das knisternde Feuer.
„Ich...“
Er setzte noch drei weitere Male an, kam aber nicht weiter, als bisher.
Es war so unglaublich schwer auszusprechen, was ihm auf der Zunge lag, dass er tief Luft holte. Er wusste, er würde sich besser fühlen, sobald es raus war.
„Also, ich...als...nachdem ich die Flasche Feuerwhiskey sinnlos in mich hinein geschüttet habe...“
Er schüttelte den Kopf und bemerkte, wie glühende Röte in seine Wangen schoss.
Stur blickte er zu Boden.
„Ich hab Malfoy an dem Abend getroffen.“
„Ich hoffe, du hast ihm ordentlich eine verpasst!?“, sagte Ron frei heraus, weil er dachte, dass dies schon der springende Punkt, quasi die Pointe, war.
„Ronald!?“, empört sah Hermine ihn an, dann blickte sie wieder zu Harry. „Harry, was ist passiert?“
„Er...ich weiß nicht, wie ich es sagen soll...es...da ist was gelaufen...zwischen uns...“
Okay, guter Anfang, dachte er ironisch. Scheiße, hoffentlich würde er nicht noch mehr sagen müssen.
„Und was?“, fragte Ron verwirrt, während Hermines Augen so deutlich hervortraten, dass ihre Hände sich zitternd über ihr Gesicht legten und Harry sie für einige Sekunden nicht mehr zu Gesicht bekam.
Irgendwie schien sie sofort schlau aus seinen Worten zu werden. Ron allerdings nicht.
„Was? Was?“, fragte Ron panisch. „Was war denn?“
Er schien nicht ganz mitbekommen zu haben, was Harry gemeint hatte.
Doch Harry schüttelte wieder nur den Kopf.
Hermines Reaktion war zu deutlich gewesen. Er konnte keinen Ton mehr herausbringen.
„Oh Harry?“, wimmerte Hermine nach einiger Zeit und lugte zwischen ihren Fingern hindurch. „Und was dann?“
„Naja, du kannst dir sicher vorstellen, wo ich die meiste Zeit war.“
„Hallo? Könnte mich jemand mal aufklären?“, fragte Ron und fühlte sich komplett ignoriert.
Harry sah ihn sehr eingeschüchtert an. Er wusste, sobald Ron verstehen würde, würde ihre Freundschaft an einem seidenen Faden hängen.
Hermine beugte sich leicht zu ihm rüber und flüsterte Ron ins Ohr, was Harry sagen wollte.
„Was?“, fragte Ron laut. „Nein...“, gab er erschrocken zurück. „Niemals, nicht Harry...“
Harry widerstand dem Drang Hermine einfach von Rons Ohr loszureißen.
Nachdem Hermine sich wieder tief in die Kissen des Sofas drückte, galt Harrys Aufmerksamkeit ganz Ron.
Vollkommen verwirrt und ängstlich blickte er den Rotschopf an, der sich nicht rührte, nicht zu ihm schaute, keinen Ton von sich gab.
„Ron. Ich...ich hoffe, das...das steht nicht zwischen uns...“, stotterte er.
Doch Ron erhob sich wortlos und ging davon. Er ging einfach. Kein Wort glitt über seine Lippen, kein Blick, nichts.
„Ron?“, hauchte Hermine, dann blickte sie regelrecht fassungslos in Harrys Gesicht.
„Das ist dann wohl nicht so gut gelaufen...“, flüsterte Harry ironisch. So unwohl hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt. Nicht mal als er mit Draco im Bett gelegen hatte...
Nein, solche Gedanken waren jetzt fehl am Platz. Er musste seine Freundschaft zu Ron und wahrscheinlich auch die zu Hermine wieder richten.
„Harry? Wie konnte denn das nur passieren?“, fragte Hermine etwas zu hoch.
„Du sagst das, als wäre es etwas Schlimmes...“, sagte er leise und nickte ihr zu.
„Nein, Harry...so war...ich dachte nur...Es ist Malfoy!“, versuchte sie ihre vorherigen Worte zu entkräften.
Harry saß noch eine halbe Stunde bei ihr und klärte Hermine über alles auf, was in den letzten Tagen geschehen war, einschließlich der Party, seinem Aussetzer, diese Bettgeschichte, allerdings verschwieg er die Gewalt, die ihm anfangs angetan wurde. Er wusste nicht, ob Hermine nicht doch Amok laufen würde.
„Tja, das ist...wow...ungewöhnlich für dich.“, sagte sie stotternd.
„Hermine!“, sagte Harry etwas genervt, weil ihre Worte so unnatürlich unpassend waren.
„Tut mir Leid, Harry!“, sagte sie aufrichtig und etwas kleinlaut, „Ich kann, glaube ich...ich...ich muss das erst mal verarbeiten. Das ist komplett neu und...ich weiß nicht so recht, was ich sagen soll...Gib mir ein wenig Zeit, okay?“
„Wird das etwas zwischen uns ändern?“
„Natürlich nicht, Harry! Ich meine, du hast was mit Malfoy, okay, dein Ding, ich gewöhn mich dran. Aber unsere Freundschaft wird das sicherlich nicht zerstören.“
„Danke, Hermine. Das waren genau die Worte, die ich gebrauchen konnte.“, sagte er aufrichtig und glücklich, so dass sie matt lächelte und sich von ihm in eine Umarmung ziehen ließ.
„Und jetzt sieh zu, dass du das mit Ron geklärt kriegst.“, sagte sie und scheuchte ihn in Richtung Schlafsäle.
„Okay, ich tu mein Bestes.“
Als er den Schlafsaal betrat, wusste er nicht, ob heute sein Glückstag war oder ob heute Abend alle Gryffindors im Raum der Wünsche eine Party feierten, denn er war, mal abgesehen von Ron, verlassen.
Langsam schloss er die Tür hinter sich und ging auf Ron zu, der auf seinem Bett hockte und ins Leere starrte.
Er setzte sich auf das gegenüberliegende Bett und versuchte Rons Blick einzufangen.
Doch dieser schien, entweder absolut stur oder tief in Gedanken versunken, ihn keines Blickes würdigen zu wollen.
„Ron...“, setzte er an, so dass dieser hoch sah und ihn auf so komische Art und Weise ansah, dass Harry nicht wusste, ob er lachen oder schleunigst verschwinden sollte. „Ich...“
„Mann, Harry.“, sagte Ron nun so laut, dass er selbst zusammenschreckte. „Ich finde das...absolut eigenartig.“
Harry nickte. Das war kein „absurd“, „bescheuert“ oder „ekelhaft“.
„Ich meine, bist du jetzt schwul? Gehst du jetzt mit Malfoy? Muss ich jetzt aufpassen, dass du nachts über mich herfällst...“
„Stopp, Ron!“, fiel er ihm ins Wort. „Das heißt gar nichts. Ich habe keine Ahnung, was genau eigentlich mit mir los ist. Ich weiß nicht, was mich da geritten hat...“
„Wahrscheinlich Malfoy...“
„Haha.“, lachte Harry trocken, war aber froh, dass Ron noch scherzen konnte. „Sieh mal, natürlich bedeutet das nicht, dass ich schwul bin. Ich hab ja selbst keine Ahnung, was ich will, was das ist, was es bedeutet. Es kann sein, dass ich jetzt auf Männer abfahre, ich kann es mir aber auch wieder anders überlegen. Aber ich gehe bestimmt nicht mit Malfoy. Erst mal ist Malfoy zu gar nichts dergleichen fähig, noch ist zu wenig passiert, um über so etwas zu sprechen. Und ganz bestimmt werde ich dich nachts nicht überfallen.“, sagte Harry fast atemlos. „Du bist gar nicht mein Typ.“
Daraufhin musste er selbst so laut lachen, dass selbst der geschockte Ron irgendwann mit einstimmte.
„Hey“, sagte der Rothaarige nach einigen Augenblicken, „Ich seh aber gut aus!“
„Keine Frage!“, lachte Harry und nickte, worauf beide wieder in wildes Gelächter ausbrachen.
„Okay? Aber steht das jetzt nicht immer zwischen uns?“, fragte Ron, nachdem das Gelächter verklungen war.
„Ich glaub nicht. Immerhin werde ich mich hüten, vor dir mit anderen Männern rumzuturteln.“
„Gott, das klingt ja sooo schwul.“
Harrys Schultern fielen nach unten.
„Findest du? Ich glaub, das redest du dir gerade ein.“
„Nein, ganz bestimmt nicht.“
„Fakt ist jedenfalls, dass ich hoffe, dass du damit leben kannst und wir beide immer noch ganz normal miteinander umgehen können.“
„Naja, dass du eventuell schwul bist, stört mich gar nicht so. Es ist eher die Tatsache, dass Malfoy da mitmischt, die mich ein wenig ärgert.“
„Ich weiß, wie er uns, und vor allem dir, zugesetzt hat, aber ich kann doch nichts dafür. Es ist eben so. Und ich versuche ihn von dir fern zu halten, okay? Ich habe nämlich keine Lust auf eine Schlägerei.“
„Ich würde mich doch nicht um deinen Arsch prügeln, Potter!“, sagte Ron laut.
Wieder lachten beide und blickten fast zeitgleich zu Tür, als Hermine ganz leise hinein geschlichen kam, offensichtlich angelockt durch das Gelächter.
„Na, ihr Zwei? Alles geklärt?“, fragte sie und lächelte.
„Ich denke schon.“, sagte Harry sehr erleichtert und beschwingt.
„Ich wird noch ein wenig Zeit brauchen, denke ich, aber es ist alles eine Frage der Gewöhnung.“
„Geht mir auch so, Harry. Lass uns hinter deinem Rücken einfach ein wenig über dich reden, dann wird es schon.“, warf Hermine ein und zwinkerte ihm verschmitzt zu.
Harry lachte und nickte und begann dann die Geschichte mit Malfoy, der Party und allem Drumherum noch einmal zu erzählen.
Während Harry die nächste Woche mit seinen Freunden verbrachte, die natürlich von dem letzten Vorfall zwischen Malfoy und Harry wussten und demnach auch, warum er sich etwas von diesem fern hielt, gingen sie tatsächlich relativ normal miteinander um.
Kurz nachdem Harry seinen Freunden von seiner jetzigen Situation erzählt hatte, hatte sich die Sache auf der Party wie ein Lauffeuer in der ganzen Schule herumgesprochen, so dass er ausgesprochen froh war, dass Ron und Hermine es von ihm selbst und nicht durch das Gerede der Leute erfahren hatten.
Was Ginny dazu sagte, wusste er nicht und das wollte er auch nicht wissen. Er brauchte ganz dringend Abstand von ihr, weil das Vertrauen einfach weg war. Er konnte sie nicht einmal mehr ansehen, angesichts der Tatsache, dass sie beide wohl nun mehr Erfahrungen auf dem Gebiet der gleichgeschlechtlichen Liebe sammeln wollten.
Denn ihm war auch zu Ohren gekommen, dass auch über sie und Padma geredet wurde, was ihm aber im Moment vollkommen egal war.
Doch so sehr es ihm auch gut ging, in der Zeit, als er wieder viel mehr mit seinen Freunden unternahm, desto größer wurden auch die Entzugserscheinungen, die seine neue Sucht Draco Malfoy mit sich brachten.
Er fühlte sich nach einigen Tagen so leer und unterkühlt, dass er sich fast wünschte, mit Malfoy irgendwo im Schloss zusammenzustoßen.
Jedes Mal, wenn er in den Gängen unterwegs war, hielt er Ausschau nach dem Blondschopf, doch er schien wie vom Erdboden verschluckt.
Wenn er abends im Bett lag, sehnte er sich nach den starken Händen, die ihn in eine Umarmung rissen und ihn die Leere vergessen ließen.
Er wünschte sich nichts sehnlicher, als mit Malfoy in Hogwarts unterwegs zu sein und irgendwo ganz spontan zu verschwinden.
Jedes Mal, wenn er an Draco dachte, wurde ihm entweder ziemlich heiß, so dass er erst einmal eine Zeit lang „allein“ sein musste oder er fühlte einen tiefen Stich, weil er eben nicht über die blasse Haut oder durch das goldblonde Haar streichen konnte, weil er eben nicht alles vernichtend von ihm geküsst wurde oder er eben nicht mit ihm reden konnte.
Ja, er vermisste tatsächlich die bloßen Wortwechsel, die sie beide geführt hatten, auch wenn sie ohne Inhalt waren und auch wenn sie eben wegen dieser leeren Worte gestritten hatten.
Er war wie ein Süchtiger, der keinen Willen hatte aufzuhören. Und er war zu schwach, um sich wirklich einzugestehen, was da eigentlich wirklich zwischen ihnen beiden war.
Und um das rauszufinden, wollte Harry nun seine eigene Methode versuchen, für die ein Treffen unbedingt erforderlich war.
Demnach war er nach einiger Tagen der Meinung, dass es Zeit für einen neuen Besuch im Gemeinschaftsraum der Slytherins war.
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