
von Sisilia D.S.
3. Harry Potter, der lebende Mythos
Die Sonne hatte ihren höchsten Stand am Himmel schon einige Zeit aufgegeben und Mittag war schon lange vorbei, als Sisilia den Lingusterweg erreicht hatte. Sie war mit der Bahn und mit dem Bus angereist und ging nun das letzte Stück zu Fuß.
Ausnahmsweise war heute ein relativ schöner Tag, was in den letzten Monaten nur noch sehr selten vorgekommen war. Die Sonne brannte auf dem sowieso schon aufgeheizten Asphalt, über dem die Luft flimmerte.
Es war doch sehr verwunderlich, wie unterschiedlich das Wetter im Moment doch war. In London City und in vielen Teilen Englands gab es seit Monaten fast nur noch dunkle Wolken und dann diesen schrecklichen, fast undurchdringlichen Nebel. Tagein, tagaus, immer das gleiche Bild.
Doch hier schien heute die Sonne, als ob in der Welt alles in bester Ordnung wäre.
Kurz blinzelte Sisilia in die strahlend helle Scheibe am Himmel, die genau über der Straße stand und ging dann auf das Haus mit der Nummer 4 zu.
Der Vorgarten war sehr gut gepflegt und neben dem Eingang, auf der Auffahrt zur Garage, stand ein Auto, welches im Sonnenschein strahlte, so als wäre es gerade gewaschen und poliert worden. Ein paar kleine Pfützen auf dem Weg auf dem es stand, bestätigten diese Vermutung von ihr.
Ein sanftes Lächeln huschte auf ihre Lippen. Alles war so typisch für diese Gegend, dachte sie. Nach Außen hin alles super gepflegt und wunderschön gerichtet, doch was hinter den Häuserfassaden vor sich ging… Sie wolle lieber nicht daran denken.
Sisilia hatte jetzt die Türe erreicht und presste ihren Daumen auf den Klingelknopf, der auch sofort anschlug.
Noch einmal atmete sie tief durch, als auch schon die Türe von einem sehr kräftigen, wenn nicht ehrlichkeitshalber gesagt werden musste, dicken Mann, einem sehr dicken Mann, mit dunklen Haaren und einem kräftigen Schnauzbart geöffnet wurde und dieser sie mit seinen dunklen stechenden Augen misstrauisch anstarrte.
Da Sisilia normale Muggelkleidung trug, ein T-Shirt und eine einfache fliederfarbne Sommerhose, konnte er nicht ahnen, woher sie kam und was sie wollte.
„Ja bitte?“, fragte er freundlich, aber dennoch misstrauisch und musterte sie von oben bis unten, als würde er erwarten, dass sie gleich ihre Sammelbüchse präsentieren würde.
„Entschuldigen Sie bitte die Störung. Mein Name ist Dumbledore, Sisilia Dumbledore. Ich würde sehr gerne mit Harry Potter sprechen. Ich nehme an, er wohnt doch hier?“, erkundigte sie sich freundlich und lächelte den Mann an.
Doch in dem Moment, als sie Harrys Namen erwähnt hatte, verfinsterte sich seine Miene zusehends und sie fürchtete im selben Moment, dass er ihr die Türe vor der Nase zuschlagen würde, doch er zögerte.
„Dumbledore?“, fragte er leise nach. „Sind sie etwa mit diesem alten Kauz verwandt, der letztes Jahr hier war?“ Im Gesicht des Mannes spiegelte sich in Sekunden so viel wieder, dass Sisilia nicht wirklich fähig war es zu deuten. Es war Wut und gleichzeitig auch Angst darin. Natürlich wusste sie, dass die Dursleys nicht gerade angetan von Harry und der Existenz der Zaubererwelt waren, doch hatte sie nicht gedacht, dass es so schlimm war, wie ihr jetzt bewusst wurde.
Dennoch versuchte sie so freundlich wie möglich zu bleiben, auch wenn sie das Gefühl hatte, dass, wenn Blicke töten könnten, sie jetzt von einer Sekunde auf die andere tot umfallen würde.
„Ja, Albus Dumbledore war mein Großonkel“, erklärte sie dem Mann jetzt, dessen Hand sich immer wieder zu einer Faust schloss.
„War? Was heißt denn hier war?“, fragte er fahrig nach und verengte die Augen.
„Hat Harry Ihnen denn nicht erzählt, was geschehen ist?“ Jetzt war es Sisilia, die Vernon Dursley erstaunt anblickte. Konnte es wirklich sein, dass Harry gar nichts erwähnt hatte?
„Nein. Es interessiert uns auch nicht, was Ihresgleichen tun oder auch nicht. Wir sind froh, dass unser Neffe morgen endgültig das Haus verlässt. Wir mussten uns lange genug mit ihm herum ärgern“, erklärte er ihr. Sisilia konnte sehen, dass er es wirklich genau so meinte, wie er es sagte.
Ihre Miene verfinsterte sich zusehends und sie beschloss dieses Gespräch mit Harrys Onkel so schnell wie möglich zu beenden.
„Dann ist Harry wohl heute noch da? Würden Sie ihm bitte ausrichten, dass ich gerne mit ihm sprechen würde?“, bat sie Vernon Dursley nun mit kühler Stimme.
„Nein! Ich bin doch nicht sein Diener“, brummte dieser nun zurück und Sisilia klappte der Mund auf. So etwas hatte sie noch nie erlebt und sie wollte schon etwas, nicht so nettes zurückgeben, als sie durch die offene Türe auf die Treppe blickte, wo sie in dem Moment eine Bewegung wahr nahm.
Zuerst sah sie auf ein Paar Füße und dann ging ihr Blick weiter nach oben, bis sie in die grünen Augen eines fast erwachsenen jungen Mannes blickte, dessen Gesicht von wild abstehendem schwarzen Haaren eingerahmt und von einer runden Brille geziert wurde. Unter den Haaren auf seiner Stirn, konnte sie auch den Ansatz seiner blitzförmigen Narbe erkennen, die mit seinem Schicksal auf so dramatische Weise verbunden war. Doch auch ohne dieses unverkennbare Zeichen auf seiner Stirn, hätte sie ihn sofort erkannt.
„Was ist denn hier los?“, fragte Harry Potter ziemlich aggressiv und starrte von seinem Onkel zu der, ihm unbekannten Frau. Sein Gesicht war finster und dunkle Schatten schienen sich über seine Augen gelegt zu haben.
„Es will dich jemand sprechen“, quetschte Vernon Dursley durch seine zusammengebissen Zähne heraus, drehte sich auf dem Absatz um und verschwand ohne einen weiteren Ton in seinem Wohnzimmer, dessen Tür er mit einem lauten Knall ins Schloss warf.
Harry sah ihm zuerst grimmig hinterher, doch als ihm bewusst wurde, dass dieser sich ziemlich ärgerte, huschte ein kurzes Grinsen auf sein Gesicht, doch dann blickte er fragend zu Sisilia.
„Wer sind Sie?“, fragte er Sisilia etwas schroff und sie konnte förmlich seine Verbitterung, spüren, die ihn wohl ganz und gar erfasst hatte.
„Mein Name ist Sisilia Dumbledore. Mr. Potter, ich würde sehr gerne mit Ihnen sprechen, wenn Sie vielleicht etwas Zeit für mich hätten?“, bat sie ihn sehr freundlich.
Harry, der beim Sprechen, ihr schon ein paar Stufen nach unten entgegen gekommen war, blieb abrupt noch einmal stehen.
„Dumbledore?“, flüsterte er leise und starrte sie an.
„Sind Sie verwandt mit Albus Dumbledore?“, wollte er mit zittriger Stimme wissen.
„Ja, das bin ich. Mr. Potter. Ich bin seine Großnichte“, klärte sie Harry auf und versuchte ihn freundlich anzulächeln.
„Oh“, sagte er darauf nur leise und kam dann die letzten Stufen nach unten, während er sie nachdenklich musterte.
„Ich hatte keine Ahnung, dass er überhaupt Verwandtschaft hat“, murmelte er überrascht.
„Doch hat er. Mr. Potter. Ich weiß, ich komme völlig überraschend und Albus hat auch mit Sicherheit nie etwas von mir erzählt, doch es wäre mir sehr wichtig, wenn ich mit Ihnen sprechen könnte“, bat sie ihn noch einmal, als er sie sehr unschlüssig ansah.
„Woher soll ich wissen, dass Sie die Wahrheit sagen?“, fragte er skeptisch.
„Eine gute Frage, Mr. Potter und ich bin froh, dass Sie diese gestellt haben. Aber auf der anderen Seite, weiß ich im Moment nicht, was ich ihnen als Beweiß liefern sollte. Vielleicht fragen Sie mich etwas über meinen Onkel, das nicht jeder wissen kann“, forderte sie ihn auf und er überlegte einen Moment, doch dann schien ihm etwas einzufallen.
„Gut. In Ordnung. Was war Professor Dumbledores Lieblingsmarmelade?“, fragte er und sah ihr direkt ins Gesicht.
„Oh, das ist einfach. Das ist Himbeermarmelade, am liebsten selber eingemacht und die hat er jedes Jahr von meiner Tante geschickte bekommen. Wir hatten selber Unmengen Himbeeren im Garten, die wir immer eingekocht haben“, sprudelte es aus ihr heraus.
Es dauerte noch einen Moment, doch dann nickte er zu ihrer Überraschung. Sie hatte mehr Widerstand, mehr Misstrauen erwartet von ihm, vor allem nachdem was schon alles geschehen war.
„Gut meinetwegen. Aber nicht hier, gehen wir etwas spazieren, vielleicht in den Park“, schlug er dann vor.
„Das ist eine gute Idee. Denn wer weiß, wie lange die Sonne noch scheint, bevor dieser schreckliche Nebel wieder zurückkommt“, antwortete sie ihm und machte einen großen Schritt zurück auf den Weg.
Harry folgte ihr, zog die Türe hinter sich zu und marschierte mit den Händen in den Hosentaschen neben Sisilia den Lingusterweg entlang. Sie musterte Harry während sie einige Zeit schweigend nebeneinander her gingen.
Harry Potter war ein kleinwenig größer als Sisilia und immer noch sehr schlaksig, genauso, wie ihn ihr Großonkel immer beschrieben hatte. Seine leuchtenden grünen Augen, hinter den Gläsern seiner Brille, strahlten tiefe Entschlossenheit aus und das war etwas, was ihr an dem Jungen sehr gefiel.
„Sie leben wohl nicht ausschließlich in der Zaubererwelt?“, fragte er nach einiger Zeit des Schweigens.
„Nein. Ich habe die letzten Jahre unter Muggeln gelebt und bin, um ehrlich zu sein auch noch nicht lange wieder zurück in England“, antwortete sie ihm wahrheitsgemäß.
„Das merkt man. Die hier ansässigen Zauberer und Hexen haben immer sehr viel Mühe damit, sich bei den Muggeln zurecht zu finden, “ gab er grinsend zurück, „Doch Ihnen könnte man den Muggel jederzeit abnehmen.“
„Danke. Aber wenn man fast 17 Jahre unter ihnen lebt, lernt man sich anzupassen.“
„Darf ich Sie fragen warum Sie unter ihnen gelebt haben?“, wollte Harry nun wissen und Sisilia musste schmunzeln. Eigentlich war sie gekommen, um ihm ein paar Fragen zu stellen und nicht umgekehrt. Aber ihr war durchaus klar, dass er nur Vertrauen zu ihr fassen konnte, wenn sie ehrlich war und ihm auch etwas über sich erzählen würde, zumindest wenn sie ihm uneingeschränkt seine Fragen beantworten würde.
„Albus hat mich vor 17 Jahren, nachdem meine Eltern ermordet worden waren, nach Deutschland zu meinen Verwandten, auch Muggel, also ähnlich wie bei Ihnen, geschickt. Bei denen bin ich aufgewachsen und habe auch die letzten Jahre dort verbracht und einen normalen Muggelberuf ausgeübt. Ich habe in der Apotheke meines Onkels gearbeitet.“
„Ähnlich wie bei mir?“, fragte Harry nach und hob eine Augenbraue.
„Gut, wohl nicht ganz so. Im Gegensatz zu Ihren Verwandten sind meine Tante und mein Onkel herzensgute Menschen, welche die Zaubererwelt akzeptiert haben“, gab sie mit schaudern, bei dem Gedanken an Vernon Dursley zurück.
„Was soll’s. Morgen werde ich volljährig und endgültig ausziehen. Dann brauche ich sie nie wieder zu sehen. Aber Sie sind bestimmt nicht gekommen, um mit mir über meinen Onkel zu sprechen“, warf Harry nun ein.
„Nein, Sie haben Recht, Mr. Potter. Es gibt einen anderen Grund, einen ganz anderen“, gab sie leise zurück.
Inzwischen waren sie durch eine schmale Gasse gegangen und hatten den Magnolienring erreicht. Harry deutete auf den Spielplatz, am Ende der Straße, an den auch ein kleiner Park grenzte und Sisilia nickte, während sie weiter darauf zugingen.
Ein paar Kinder saßen auf den bunt gestrichenen Schaukeln und einige Kleinere spielten begeistert im Sandkasten. Sisilia warf den friedlich spielenden Kindern einen lächelnden Blick zu, als sie ihnen vorbei gingen. Natürlich spürte sie Harrys fragenden Blick auf sich, aber sie wollte erst an den Kindern vorbei sein, bevor sie begann Harry Fragen zu stellen.
„Mr. Potter, der Grund warum ich gekommen bin, ist…nun, ich war gestern bei Professor McGonagall und sie meinte…“, begann sie zögerlich, doch dann unterbrach Harry sie.
„Ich kann es mir denken, Sie wollen wissen, wie Ihr Großonkel gestorben ist?“, fragte er direkt heraus.
„Ich…, ja, Mr. Potter, im Grunde schon. Ich weiß, dass es schrecklich für Sie gewesen sein muss, das mit anzusehen, doch ich verstehe das alles einfach nicht und ich habe gehofft, Sie könnten mir helfen die Wahrheit herauszufinden“, sagte sie leise und sah ihn fast schon flehend an. Doch zu ihrer Überraschung lachte er jetzt sarkastisch und fast schon hysterisch auf, so dass eine junge Mutter, die gerade mit ihrem Kinderwagen an ihnen vorbei ging, sie erschrocken ansah.
„Was gibt es daran nicht zu verstehen?“, begann er etwas lauter.
„Snape, dem ihr Großonkel bisher so absolut vertraut hatte, hat ihn eiskalt ermordet und dabei endlich sein wahres Gesicht gezeigt“, zischte er und sein Gesicht verzog sich dabei hass erfüllt.
Sisilia zog ihn etwas zur Seite in eine ruhigere Ecke des Parks, zu einer leeren Parkbank.
„Mr. Potter. Ich habe das im Tagespropheten gelesen. Doch ich will nicht nur das wissen. Ich möchte jedes einzelne Detail erfahren.“
Sich kurz umsehend, nahm sie auf der Bank platz und deutet kurz neben sich, als Aufforderung für Harry, ebenfalls platz zu nehmen, war er nur zögerlich tat.
„In Ordnung Mr. Potter. Ich denke, ich bin Ihnen noch eine Erklärung schuldig“, sagte sie dann und begann Harry grob zu erzählen, was sie von ihrem Großonkel alles wusste. Harrys Ausdruck wurde dabei immer erstaunter, doch ließ er sie ausreden, ohne Zwischenfragen zu stellen.
„Das letzte Mal habe ich zwei Monate vor seinem Tod von ihm eine Eule bekommen und als ich dann auch nach meinem letzten Brief keine Antwort bekommen hatte, wusste ich, dass etwas passiert sein musste, denn selbst, wenn er keine Zeit hatte zu antworten, schickt er mir zumindest eine kurze Nachricht.
Wir hatten einen geheimen Spruch, der uns gegenseitig sagte, dass alles in Ordnung war: Zeige dem Drachen immer ein lachendes Gesicht!“
Harry nickte, als sie geendet hatte und senkte nun seinen Blick.
„Dann wissen Sie ja eine ganze Menge über mich“, gab er leise zurück und begann mit seinen Turnschuhen über den Kiesboden zu scharren.
„Ja, ich denke schon. Albus hat unsere Korrespondenz, die nicht nur über Eulen und Fawkes lief, sondern auch in vielen Privatgesprächen stattgefunden hat, wohl auch dazu verwendet, um einfach mal laut nachdenken zu können. Ich nehme an, dass Ihnen aufgefallen ist, dass Albus nicht wirklich einen Freund oder einen Vertrauten hatten, dem er seine Sorgen anvertrauen konnte. Ich glaube, dadurch, dass ich nicht in sein Leben eingreifen konnte, war ich die Einzige, bei der er, sein Herz ausschütten konnte. Auch wusste er, dass nie etwas über meine Lippen kommen würde, was andere nicht erfahren sollten. Und da kaum jemand überhaupt von meiner Existenz wusste, bestand auch keine Gefahr, dass man über mich auf andere Art und Weise an Informationen kommen könnte“, erklärte sie noch.
„Ich verstehe“, gab er jetzt leise und nachdenklich zurück, dann blieb sein Blick auf ihr hängen.
„Ist gut. Ich werde Ihnen alles erzählen, was auf dem Astronomieturm passiert ist. Unter der Bedingung, dass Sie mich nicht über das, was davor geschehen ist, ausfragen“, forderte er.
„Keine Sorge, von dem Zeitpunkt an, als ihr auf dem Astronomieturm angekommen seid, damit bin ich zufrieden.“
Harry nickte, lehnte sich auf der Bank zurück und schloss einen Augenblick die Augen, um sich zu sammeln.
„Wir hatten das Dunkle Mal direkt über dem Astronomieturm entdecke und waren mit Besen dort hinauf geflogen. Als wir dann gelandet waren und sahen, dass dort niemand war, bat mich der Schulleiter Snape zu holen. Wie auch schon vorher in Hogsmeade. Er bestand darauf nur ihn zu holen und mit keinem andern zu reden. Den Grund dafür, kenne ich bis heute nicht.
Wie auch immer, ich trug meinen Tarnumhang noch und wollte mich auf den Weg in die Kerker machen, aber ich kam nicht weit und gerade als ich die Tür erreicht hatte, hörten wir jemanden die Stufen nach oben steigen. Ihr Onkel gab mir ein Zeichen zurück zu gehen, was ich auch tat und dann ging alles so schnell.
In dem Moment als die Türe aufflog, erschallte es "Expelliarmus" und gleichzeitig erstarrte ich unter einem Lähmzauber, den Professor Dumbledore ausgeführt haben musste, damit aber die Chance sich selber zu verteidigen verlor, denn sein Zauberstab flog im hohen Bogen über die Mauer davon. Ich selber kippte nach hinten und erst die Mauer fing mich ab, an der ich von da an regungslos lehnte und alles mit Ansehen musste, ohne etwas tun zu können.
In der Türe erschien Draco Malfoy, er war es auch, der den Schulleiter entwaffnet hatte. Trotz alledem blieb Ihr Onkel sehr ruhig und begrüßte Draco, als wäre dieser nur mal eben zu Tee vorbei gekommen.“
Sisilia beobachte Harry, der während seiner Erzählungen immer noch die Augen geschlossen hatte, um sich die Bilder und Geschehnisse, wieder ins Gedächtnis zu rufen, was ihm ganz und gar nicht leicht fiel, das konnte sie sehen und auch hören. Es kostete ihn viel Überwindung weiter zu machen.
„Draco hatte die zwei Besen gesehen und wollte wissen wer noch da war, doch Albus Dumbledore schaffte es ihn, durch eine Gegenfrage von dieser Tatsache abzulenken. Er wollte von diesem nun wissen, ob er auf eigene Faust handeln würde, was Draco verneinte und erklärte, dass noch weitere Todesser im Schloss seien, die ihn unterstützen würden. Als er ihn fragte, wo diese seien, erklärte er, dass sie auf ein paar von Dumbledores Wachen gestoßen wären, doch dass es nicht lange dauern würde und sie nachkommen kommen würden. Doch er, Draco, sei schon vorgegangen, da er einen Job zu erledigen hätte.
Es war fast unerträglich sich nicht bewegen zu können, ich konnte nichts tun und Albus nicht helfen, und in der Ferne hörte ich dann auch den Kampf zwischen den Ordensmitgliedern und den Todessern, die immer näher zu kommen schienen.“
Harry holte kurz Luft und rieb sich mit seinen Händen über seine Schläfen.
„Draco stand einfach da, mit seinem Zauberstab in der Hand, den er auf das Herz von Albus Dumbledore gerichtet hatte und tat gar nichts. Was, Ihren Onkel dazu brachte, Draco anzulächeln und ihm offen ins Gesicht zu sagen, dass er doch kein Killer sei und es sowieso nicht tun könnte. Dann brach es aus Draco hervor und er gestand, dass er es war, der das Amulett besorgt hatte, welches Katie Bell schwer verletzte und auch, dass er dafür verantwortlich war, dass der Met vergiftet wurde, von dem Ron getrunken hatte und fast gestorben wäre. Auch, dass er das ganze Jahr über dabei war, etwas zu finden um ihn, den Schulleiter endlich zu töten.
Albus meinte, er hätte das nur halbherzig getan, sodass er davon überzeugt sei, dass er es nie wirklich gewollt hatte. Doch Malfoy hatte das vehement abgestritten“, jetzt lachte Harry leise auf, denn ihm kam das alles so schrecklich abartig vor, wenn er jetzt daran dachte.
„Malfoy hat lange nichts gesagt, erst als Ihr Großonkel meinte, dass Draco, obwohl er, Albus Dumbeldore, doch jetzt unbewaffnet sei, Angst hatte zu handeln, reagierte dieser und stritt es aber immer wieder ab.
Professor Dumbledore meinte daraufhin, dass er ihm nicht glauben würde, denn jemanden zu töten, sei nicht so leicht, wie es ihm vielleicht vorkam.
Ich sah, wie Ihr Onkel immer schwächer wurde, seine Knie immer weiter nachgaben und er immer weiter an der Mauer hinter sich nach unten rutschte.
Jedenfalls wollte er wohl nicht aufgeben und fragte Malfoy aus, wie er es geschafft hatte, die Todesser ins Schloss zu bringen.
Seine Erklärung war die, das er nur das kaputte "Verschwinde Kabinett" reparieren hatte müssen, von dem es ein Zweites gab und zwar in der Nockturngasse bei Borgin und Burkes. Zwischen diesen beiden würde es eine Art Durchgang geben und über diesen seien die Todesser in dieser Nacht auch ins Schloss gelangt.
Ihr Onkel meinte noch, er hätte schon die ganze Zeit gewusst, dass Draco etwas planen würde und auch war ihm bewusst, dass er hinter den Anschlägen stecken würde. Auf die Frage, warum er dann nicht versucht hätte ihn aufzuhalten, meinte er nur, dass es dies doch getan hätte. Er hätte Snape den Auftrag gegeben ein Auge auf ihn zu haben.“
In dem Moment verzog sich Harrys Gesicht hasserfüllt.
„Wie konnte er diesem Verräter nur vertrauen. Ich habe ihn immer wieder gewarnt, doch er war so stur. Er sagte immer nur. ‚Ich vertraue ihm vollkommen’“, zischte er wütend und seine Hände ballten sich zu Fäusten.
„Mr. Potter. Bitte bleiben Sie nur bei den Tatsachen, auch wenn es Ihnen schwer fällt. Versuchen Sie Ihre Emotionen außen vor zu lassen“, bat sie ihn jetzt eindringlich.
„Verzeihen Sie, aber das fällt mir nach alle dem verdammt schwer. Ich wünschte ich könnte ihm jetzt gegenübertreten und den Tod ihres Onkels rächen“, erklärte er, sah Sisilia an und als er ihren flehenden Blick bemerkte, nickte er leicht und versuchte sich erneut zu konzentrieren, dann fuhr er mit leiser Stimme fort.
„Draco und Professor Dumbledore haben sich heftig gestritten, auf welcher Seite Snape nun stehen würde. Der Schulleiter meinte weiterhin Snape würde nur für ihn arbeiten und er würde ihm vertrauen, worauf hin Malfoy ihn ausgelacht hatte. Er meinte Snape würde ihn täuschen und sei im Grunde nur selber scharf darauf den ganzen Ruhm für sich ganz alleine zu wollen, und deshalb hatte er versucht Malfoy auszufragen, was er vor gehabt hätte.
Doch er, Draco, würde am nächsten Morgen, wenn Snape aufwachen würde, der Held sein und nicht mehr Snape, der bisher der Liebling des Dunklen Lords war. Dann wäre er es, von da an.“
Harry schüttelte den Kopf und blickte angewidert auf den Boden vor ihm, auf dem er wieder mit seinen Turnschuhen hin und her scharrte.
„Professor Dumbledore hat dann noch herausgefunden, das Draco Madame Rosmerta unter einen Imperius Fluch gestellt und sie für seine Zwecke benutzt hatte. Auch erklärte er, dass er es gewesen war, der das Dunkle Mal am Himmel hatte erscheinen lassen, um ihn ins Schloss zurückzulocken, was auch wunderbar funktioniert hatte.
Doch Dumbledore ließ sich nicht draus bringen, im Gegenteil, er versuchte Malfoy auf unsere Seite zu ziehen, denn er war sich sicher, dass er ihn nicht töten könnte. Er bot sogar Schutz für ihn und seine Mutter und auch für Lucius Malfoy an, wenn dieser aus Askaban wieder kommen würde. Doch Draco sagte, er hätte keine Wahl, er müsste es tun, sonst würde ER seine Familie töten. Doch Malfoy schien zu schwanken, und ich hatte schon fast den Eindruck, er würde es erwägen auf den Vorschlag einzugehen, als Schritte auf den Treppen aufhallten.
Im nächsten Moment erschienen vier Todesser in dunklen Roben und als sie merkten, dass Albus Dumbledore unbewaffnet war, lobten sie Malfoy und forderten ihn auf, seine Aufgabe zu Ende zu bringen. Doch Draco konnte nicht, er schaffte es einfach nicht.
Dann wollte einer von ihnen, wie ich später erfahren habe, ein Werwolf der übelsten Sorte, der auch ohne Vollmond, Menschen tötet, es für Malfoy übernehmen, aber einer, den ich nicht kannte, hielt ihn mit einem Fluch, der ihn nach hinten gegen die Wand warf, auf. Ihr Onkel machte keinen Hehl, daraus, dass er Greyback verachtete, eine Gefühlsregung, die ich bei ihm noch selten gesehen hatte.
Als der Werwolf wütend aufknurrte, wurde die Türe erneut aufgestoßen und heraus trat… Snape!“
Harry holte tief Luft und dabei konnte Sisilia sehen, wie seine Hände zitterten. Schneller atmend und unter angespannten Körper fuhr Harry fort.
„Snape hatte seinen Zauberstab in der Hand und seine teuflischen, schwarzen Augen huschten über die Szenerie, die sich ihm bot. Als Professor Dumbledore ihn sah, sagte seinen Namen, und in dem Moment, verspürte ich Angst, denn das war das erste Mal, dass ich ihren Onkel flehen hörte.
Dieser Amycus, meinte zu Snape nur, dass sie hier ein Problem hätten und Draco wohl seine Aufgabe nicht würde erfüllen können.
Snape hingegen, sagte keinen Ton, ging einfach vorwärts, stieß Malfoy aus dem Weg, während die anderen drei Todesser zurück wichen. Sie schienen ziemlichen Respekt vor Snape zu haben, sogar dieser Greyback wirkte eingeschüchtert.
Dieser verdammte Verräter starrte Professor Dumbledore an, zeigte die Abscheu und den Hass, den er wohl bisher immer gut vor diesem hatte verbergen können…“
Mit zittriger Stimme sprach Harry dann weiter, wobei diese höher klang als zuvor, auch wenn er leiser redete.
„’Severus… bitte…’, waren die letzten Worte von Albus Dumbledore, dann riss Snape seinen Zauberstab hoch, richtete ihn direkt auf Professor Dumbledores Herz und…“.
Jetzt presste Harry seine Hände auf sein Gesicht und Sisilias Magen zog sich zusammen, während sie gleichzeitig das Gefühl hatte, auch ihr Herz, würde am liebsten aufhören zu schlagen. Mühevoll sog sie die Luft in die Lungen, weil sie glaubte, sie würde kaum noch atmen können.
Einige Tränen bahnten sich den Weg über ihre Wangen, die sie aber auch nicht aufhalten wollte.
Ohne sie anzusehen sprach Harry dann weiter.
„Ein grüner Lichtstrahl, schoss aus Snapes Zauberstab, traf Albus Dumbledore mitten in der Brust. Unbeweglich, unfähig etwas zu tun, musste ich mit Ansehen, wie er durch die Luft geschleudert wurde, für einen Bruchteil einer Sekunde in der Luft zu hängen schien, genau unter dem widerlichen, grünen Totenkopf am Himmel, bevor er langsam rückwärts über die Mauer fiel und verschwand.“
Wieder trat eine Stille ein, in der keiner von beiden etwas sagte.
Mit dem Ärmel ihres Shirts, wischte Sisilia die Tränen aus dem Gesicht und atmete erst mal tief durch. Harry Potter hatte seine Erinnerungen so plastisch geschildert, dass sie nun fast das Gefühl hatte, selbst dabei gewesen zu sein.
„Mr. Potter? Ist danach noch etwas geschehen, von dem ich vielleicht wissen sollte?“, fragte sei nach einigen Minuten der Stille und des Nachdenkens von ihnen beiden nach.
Wiederum nickte Harry, hob nun seinen Kopf und blickte sie an, als er weiter erzählte.
„Snape gab die Anweißung, dass sie alle verschwinden sollten. Er packte Draco am Genick, schob diesen als ersten durch die Türe, während ihnen die anderen folgten. Genau in dem Moment, wurde mir bewusst, dass ich mich auch wieder bewegen konnte. Doch vermutlich durch den Schock und dem ganzen Horror, der meinen ganzen Körper erzittern hatte lassen, dauerte es einen Moment, bis mir das wirklich klar wurde. Aber dann warf ich meinen Tarnumhang weg und folgte ihnen so schnell konnte. Dabei hörte ich, wie wieder gekämpft wurde. Den letzten der Todesser schaffte ich noch zu Lähmen, bevor dieser verschwinden konnte und folgte dann den andern. Ich hörte Snapes Stimme ’Es ist vorbei, Zeit zu gehen’, rief er seinen Todesserkollegen zu und rannte mit Draco weiter.“
Wieder sah Sisilia in das hasserfüllte Gesicht von Harry, als dieser über seinen ehemaligen Zaubertranklehrer sprach.
„Im nächsten Moment warf sich dann schon dieser Greyback auf mich, doch ich hatte Glück, Ginny, lähmte ihn und so entkam ich seinen ekelhaften Reißzähnen. Durch das Kampfgewühl rannte ich dann weiter, denn ich hatte nicht vor Snape entkommen zu lassen.
Als ich unterwegs einen blutigen Fußabdruck auf dem Boden entdeckte, war mir klar, dass sie nicht über das Kabinett fliehen wollten, sondern durch den Eingang. Ich gelangte über Geheimgänge und einige Abkürzungen schnell nach unten und überholte sogar noch die andern beiden Todesser, dieses Geschwisterpaar.
Durch die aufgesprengte Tür folgte ich Snape und Malfoy nach draußen. Ich konnte drei Gestalten auf das Tor von Hogwarts zulaufen sehen. Einer von ihnen war der große Blonde Todesser und ein Stück von diesem entfernt Snape und Malfoy.
Doch Hagrid tauchte auf und der blonde Kerl beschäftigte sich mit ihm. Ich hatte nicht aufgepasst und bekam zu spät mit, dass diese Geschwister mich wieder eingeholt hatten und mich von den Beinen rissen. Ich reagierte schnell und lähmte einen von beiden, der den andern mit sich auf den Boden riss, so hatte ich wieder Luft und rannte weiter, ich wollte die beiden nicht entkommen lassen, auf keinen Fall.
Snape hatte mich dann aber bemerkt und befahl Draco weiter zu laufen, während er sich mir entgegen stellte.“ Diesmal wich Harry ihrem Blick nicht aus, obwohl es ihm nicht leicht zu fallen schien, weiter zu sprechen. Kurz zögerte er auch und begann an seiner Unterlippe zu kauen.
„Was ist los?“, fragte Sisilia, denn sie hatte das Gefühl, dass Harry nicht wusste, ob er es erzählen sollte.
„Mr. Potter, sie können mir alles sagen. Ich schwöre beim Grab meiner Eltern, dass ich niemandem etwas darüber sagen werde, was es auch sein mag“, versprach sie ihm nun.
„Ist gut ich vertraue Ihnen, ich kann mir nicht erklären warum, doch ich tue es und ich werde Ihnen die ganze Wahrheit sagen.“
Er richtete seinen Blick nun in einen Baum, so als würde er dort etwas sehr interessantes beobachten.
„Ich wollte, dass Snape dafür büßen sollte, was er Albus angetan hatte und richtete meinen Zauberstab auf ihn. Ich wollte ihn foltern, ich wollte sehen, wie er sich windet und schreiend vor meinen Füßen liegt. Doch er war schneller, wehrt den Fluch wie nichts ab. Auch meinen zweiten Versuch konnte ich nicht anbringen, wieder blockte er ohne Mühe.
Sarkastisch grinste er mich an und meinte dann ‚keine unverzeihlichen Flüche’ von mir, denn ich hätte weder den Mut, noch die Fähigkeit dazu.
Wieder versuchte ich einen Zauber, doch er wehrte ihn erneut mit Leichtigkeit ab. Ich hatte Snape noch nie zuvor kämpfen gesehen und wusste nicht, wie gut er wirklich dabei ist“, gab er leise, jedoch immer noch mit wütendem Gesicht zu.
„Als dann endgültig der Gaul mit mir durch ging, forderte ich ihn auf, er solle endlich kämpfen und als er es nicht tat, sondern immer wieder nur meine Flüche abwehrte, nannte ich ihn einen Feigling, worauf hin er sehr wütend wurde. Ich glaube so wütend habe ich nur einmal zu vorher gesehen“, erklärte er, sagte aber nicht, dass er den Moment ansprach, an dem er in Snapes Erinnerungen eingetaucht war… unerlaubt. Snape hatte ihm damals sogar ein großes Glas mit irgendwas Eingemachtem hinterher geworfen.
„Er ist geradezu ausgerastet und hat mich wutentbrannt angeschrieen, ich solle ihn nicht einen Feigling nennen, wo doch nicht mal mein Vater es gewagt hätte ihn anzugreifen, wenn er nicht mit seinen Freunden zusammen war“, fuhr er fort und sah sie dann an.
„Ich nehme an, Sie wissen, dass Snape und mein Vater sich gehasst haben?“, kam es von Harry, aber es war weniger eine Frage, als eine Feststellung und Sisilia nickt, denn Albus hatte es tatsächlich erwähnt und sie konnte sich noch erinnern, dass sie nie wirklich verstand, warum dies so gewesen war.
„Wie auch immer. Ich versuchte erneut Snape zu lähmen, doch diesmal traf mich ein Fluch, der mich in die Knie zwang. Im ersten Moment hatte ich gedacht, Snape würde mich jetzt zu Tode Foltern, doch dann hörte ich seine Stimme.
‚Nein!’ schrie er zu irgendjemanden hinter mir und wie auf Befehl hörten diese fürchterlichen Schmerzen wieder auf. Ich hörte noch, wie er den Mann anschrie, ihn fragte, ob er die Befehle des Dunklen Lords vergessen hätte, dass ich nur für den Meister selber bestimmt sei. Er befahl ihnen zu verschwinden und mich hier zurück zu lassen.
In dem Moment war mir wirklich alles egal. Es spielte für mich keine Rolle mehr, ob ich nun sterben würde oder nicht. Nur noch eines, wollte ich und das war Snape, ich hasste ihn in dem Moment noch mehr als Voldemort selber.
Doch wieder wehrte er meinen Fluch mühelos ab. Ich habe bisher nur einen so kämpfen sehen und das war ihr Großonkel. Selbst meinen Nonverbalen Fluch wehrte er ab, als hätte er ihn in meinen Augen lesen können. Es war komisch, doch er war wegen dieses Fluches erneut sehr wütend geworden auf mich, was ich ersten Moment nicht verstand, doch zum überlegen hatte ich keine Zeit. Ein Fluch von ihm traf mich, der mich aber lediglich nach hinten schleuderte, so dass ich hart im Gras landete und er schrie mich erneut an.
‚Nein, Potter!’, fauchte er. Wie ich es wagen könnte seine eigenen Zaubersprüche gegen ihn anzuwenden, denn er sei es gewesen, der diese erschaffen hatte – Er, der Halbblutprinz’.
Dann meinte er noch, ich würde nicht diese Zaubersprüche gegen ihn einsetzten, wie mein unflätiger Vater es getan hat.“ Harry schluckte bei diesen Worten, Sisilia merkte, dass es ihm nicht leicht fiel, so ehrlich darüber zu sprechen, und dennoch bewunderte sie ihn. Vor allem wie genau er sich bemühte, jede Einzelheit, jedes Detail wiederzugeben.
„Verzweifelt versuchte ich an meinen Zauberstab zu gelangen, doch den stieß er noch einige Meter von mir weg, worauf ich ihn aufforderte, er solle mich doch endlich töten, wie er Dumbledore getötet hatte, doch als er sich nicht rührte, nannte ich ihn erneut einen Feigling, was ihm wohl den Rest gab. Denn er schrie wie ein irrer und sein Gesicht war so hassverzerrt, wie ich es noch nie gesehen hatte.“
Harry Blick wurde nun nachdenklich, als er an die Szene dachte und leise sprach er nun weiter.
„Snape kam mir in dem Moment vor, wie ein jaulender Hund, der in einer brennenden Hütte feststeckt und nicht mehr daraus entrinnen konnte. ‚Sag nicht Feigling zu mir’, fuhr er mich immer wieder an wobei seine Stimme fast unmenschlich klang. Mir scheint, ich hatte in dem Moment seinen wundesten Punkt getroffen.“
Kurz hielt er inne und schüttelte dann den Kopf, so als wollte Gedanken, die sich in seinem Kopf auszubreiten versuchten, wieder verscheuchen, doch dann holte er Luft und fuhr fort.
„Doch in dem Moment riss mich etwas von den Beinen und ich wurde erneut auf den Boden geworfen. Dann sah ich den Hippogreif, der sich nun auf Snape stürzen wollte, doch dieser Duckte sich im letzten Moment vor den scharfen Krallen, rannte dann vor ihm weg so schnell er konnte. Ich habe Snape noch nie so schnell laufen sehen“, lachte er kurz amüsiert auf, doch dann wurde sein Blick wieder ernst.
„Wie wahnsinnig suchte ich nach meinem Zauberstab, der irgendwo hinter mir im hohen Gras lag, doch ehe ich ihn gefunden hatte, war es Snape gelungen das Gelände zu verlassen und zu disapparieren“, endete Harry jetzt und nach einer kurzen Pause, in der keiner etwas sagte, drehte er den Kopf zu Sisilia und sah sie an.
„Ich verstehe“, sagte Sisilia nach einiger Zeit. „Und Snape hat sich tatsächlich über diese Tatsache so aufgeregt, dass Sie ihn als Feigling beschimpft haben?“, hakte sie noch einmal nach, denn das passte irgendwie nicht zu dem Bild, welches sie von diesem Mann bisher hatte.
Harry nickte nur, während er sie fragend ansah.
„Die Sache ist die. Ich frage mich nur, warum er sich darüber so schrecklich aufgeregt hat. Ich meine, hätte ich gerade einen meiner gefährlichsten Gegenspieler ausgeschaltet, würde es mich nicht im Geringsten interessieren, was mich irgendjemand heißen würde. Das passt irgendwie nicht zu Snape“, überlegte sie nun laut.
„Sie kennen diesen Mann nicht. Er wäre sowieso ausgeflippt, egal was ich gesagt hätte. Es hat schon ausgereicht, dass „Ich“ es gesagt habe“, erklärte er ihr nun missmutig.
„Sehen Sie das vielleicht doch nicht etwas zu hart?“, fragte Sisilia nachdenklich.
„Nein, ganz sicher nicht“, brummte Harry kurz.
Darauf hin erwiderte Sisilia nichts mehr, sie merkte, dass sie ihn von seiner Meinung nicht abbringen konnte. Er war mehr als überzeugt, dass es so war.
Auch Harry schwieg jetzt, wahrscheinlich war er der Meinung er hatte genug geredet. Nachdenklich, in das Erzählte vertieft, blickte Sisilia nach oben in den Himmel, der sich langsam orange verfärbte und obwohl sie die Sonne hinter den hohen Bäumen des Parks nicht sehen konnte, war ihr klar, dass es langsam Abend wurde.
Sie hatten inzwischen über zwei Stunden mit Reden zugebracht und nun hingen sie beide ihren Gedanken nach.
„Sind Sie eigentlich auch im Orden?“, fragte Harry in das Schweigen hinein.
„Im Phönix Orden? Nein, nein, nicht wirklich. Ich habe Ihnen doch gesagt, dass kaum jemand von meiner Existenz weiß oder wusste. Außer Ihnen jetzt, weiß nur Professor McGonagall bescheid, und natürlich mein Großvater“, erklärte sie ihm leise. Mit einem Male zog Harry seine Stirn in kraus.
„Moment mal. Was bedeutet das: Ihr Großvater weiß bescheid? Meinen Sie damit, dass er noch am Leben ist?“
„Ja, Aberforth Dumbledore ist am Leben. Er erfreut sich sogar bester Gesundheit. Aber ich dachte sie kennen ihn?“, erwiderte sie nun etwas überrascht.
„Hm. Professor Dumbledore hatte ihn einmal erwähnt. Er sagte etwas wie, dass sein Bruder nicht der Hellste sei, weil er irgendwelche Experimente mit Ziegen angestellt hätte und deshalb Probleme mit dem Ministerium bekommen hatte. Aber das ist auch schon alles was ich weiß. Nein, stimmt nicht, Mad Eye hat mir mal ein Bild gezeigt. Aber das stammte von vor 17 oder 18 Jahren. Da lebten meine Eltern noch.“
„Ja, das ist mein Großvater“, schmunzelte Sisilia jetzt.
„Aber ich bin mir sicher, dass Sie ihn kennen“, fügte sie an und ihre Stimme klang jetzt leicht
amüsiert, während sie ihn angrinste. Doch Harry begriff nicht und sah sie fast verständnislos an.
„Wie waren doch schon im Eberkopf?“, fragte sie ihn darauf hin und sah, wie es hinter seiner Stirn zu arbeiten begann.
In dem Moment, als sie noch etwas dazu sagen wollte, erhellte sich sein Gesicht und er deutet mit dem Finger auf sie.
„Das erste DA-Treffen, der Wirt! Jetzt weiß ich endlich, warum mir dem Mann so bekannt vorkam. Der Wirt vom Eberkopf ist der Bruder von Albus Dumbledore und ihr Großvater. Der Geruch von Ziegen, als wir eintraten…“, kombinierte er und Sisilia blieb nur noch übrig ihm zustimmen zu zunicken und seine Überlegungen zu bestätigen.
„Jetzt wird mir so einiges klar. Natürlich, das war auch der Grund, warum Professor Dumbledore so oft in den Eberkopf ging. Nicht weil, es dort vielleicht ruhiger war, wie in den Drei Besen, sondern, weil er mit seinem Bruder reden wollte“, fügte er noch an.
„War er das? Dann hatten sie ja doch regelmäßig Kontakt“, sagte Sisilia erfreut über diese Tatsache.
„Sagen Sie mal, Mr Potter. Sie meinten vorhin, sie werden morgen ausziehen. Haben Sie schon eine neue Unterkunft?“
Harry zuckte nur mit den Schultern.
„Nein, nicht wirklich. Ich habe das Angebot, erst mal bei den Weasleys unterzukommen. Doch ich will mir lieber etwas Eigenes suchen, weil Mr. und Mrs. Weasley bestimmt nur versuchen werden, mich zu bequatschen, dass ich nach den Ferien wieder in die Schule gehen soll. Und das habe ich auf keinen Fall vor. Es gibt wichtigeres, als das siebte Schuljahr. Ich glaube ich werde in den Tropfenden Kessel gehen, bis ich etwas Passendes für mich gefunden habe.“
Harry hatte eine Hand voll kleiner Kieselsteine vom Boden aufgehoben und begann nun mit diese auf ein Stück Papier zu werfen, das einen guten Meter von ihnen entfernt auf dem Boden lag.
Nachdenklich beobachtete Sisilia ihn einige Zeit dabei.
„Mr. Potter. Ich könnte Ihnen einen Vorschlag machen. Von meinen Eltern habe ich südlich von London ein Haus geerbt“, begann sie und als Harry den Mund öffnete um etwas zu sagen, hob sie kurz eine Hand.
„Bitte hören Sie meinen Vorschlag erst einmal an, dann können Sie immer noch Ihre Meinung sagen, in Ordnung?“, bat sie ihn und er schloss seinen Mund gleich wieder und nickte.
„Danke. Wie gesagt, ich besitze ein Haus. Zu diesem Haus gehört ein Gebäude. Es war ganz früher mal das Gesindehaus und später glaub ich, wurde es auch als Gästehaus benutzt oder so in etwa. Ich benötige es nicht und es steht leer.
Es ist nicht besonders groß. Ein kleines Wohnzimmer, ein Schlafraum, Küche und Bad und noch ein kleiner Raum. Aber da passen gerade mal ein Bett, ein Schrank und ein Tischchen rein. Vielleicht als Notquartier, wenn Sie mal Besuch bekommen. Wenn Sie wollen, können sie das Häuschen gern haben. Ich überlasse es Ihnen, solange Sie es brauchen und wollen. Um das Haus herum befindet sich ein größerer Garten, der ziemlich zugewachsen ist, so dass von Außen keine neugierigen Blicke hinein dringen können. Ich finde das sehr praktisch, dann kann ich auch zaubern und muss nicht immer aufpassen, was ich tue, weil es ja jemand sehen könnte. Nun, was denken Sie?“, fragte sie, als sie geendet hatte.
„Ich… ich weiß nicht“, sein Blick war sehr unschlüssig, doch dass er nicht von vornherein abgelehnt hatte, stimmte sie doch zuversichtlich.
„Sie hätten einen eigenen Zugang und können machen was sie wollen. Sie sind mir keinerlei Rechenschaft schuldig“, fügte sie noch an, in der Hoffnung, dass ihn das positiv stimmen könnte.
„Nun, ich weiß nicht, ob ich mir das leisten kann. Eine ganze Wohnung, gab er leise und nachdenklich zurück.
„Oh, nein. Ich will kein Geld dafür, Mr. Potter. Ich sagte doch schon, dass es leer steht und ich es sowieso nicht benütze.“
„Aber ich kann doch nicht einfach umsonst, bei Ihnen…“
„In Ordnung, dann noch ein anderer Vorschlag. Die Gebäude haben lange leer gestanden und so manches bedarf der Reparatur. Nichts großes, hier und da neue Farbe, Reinigung und so weiter. Sie könnten mir doch dabei etwas zur Hand gehen und dann würde ich sagen, sind wir quitt. Was halten Sie davon?“
Harrys Gesicht hellte sich auf und nach einem kurzen Moment nickte er dann.
„Gut, ich bin einverstanden. Ich werde Ihnen helfen. Aber sobald ich etwas Eigenes gefunden habe, wo ich dann endgültig bleiben kann, sind Sie mich auch wieder los.“
„Lassen Sie sich ruhig Zeit damit“, lächelte Sisilia ihn jetzt an und gab ihm dann eine Visitenkarte mit ihrer Adresse darauf.
„Lisa Dorel?“, fragte er, als er den Namen darauf las.
„Oh… ! Ja, das ist der Name, den ich in Deutschland getragen habe, da wo ich die letzten Jahre gelebt habe. Albus hat ihn mir verpasst, als Tarnung, und die halte ich hier noch etwas aufrecht. Ist im Moment vielleicht besser so. Und das steht auch auf dem Schild an meinem Haus. Offiziell habe ich es gekauft“, versuchte sie ihm zu erklären.
„Soll ich Sie dann besser Miss Dorel nennen?“
„Wenn wir unter uns sind, dürfen Sie mich nennen, wie es Ihnen lieber ist, mir ist beides Recht. Ansonsten ist wohl besser, wir bleiben erst mal bei Dorel, da ich nicht sicher bin, inwieweit es notwendig ist, meine Identität geheim zu halten“, sagte sie nachdenklich.
„Wieso haben Sie dann mir erzählt, wer Sie sind?“, wollte Harry nun wissen.
„Aus einem einfachen Grund, Harry. Weil ich Ihnen, genauso wie mein Großonkel vertraue und ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie auch mir vertrauen können. Auch wenn mir klar ist, dass ein Vertrauen sich erst entwickeln muss, dennoch denke ich, dass es ein Anfang ist oder?“
Harry musterte sie und nickte, wobei ein leichtes Schmunzeln über sein Gesicht huschte.
„Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Sie Albus Dumbledore ähnlich sind?“, fragte Harry eine total überraschte Sisilia.
„Ach du meine Güte, wächst mir schon ein Bart? Oder höre ich mich auch so geschwollen an, wenn ich rede?“ Sie versuchte ernst dabei zu schauen, was ihr aber nicht gelang. Als sich auch auf ihr Gesicht ein Grinsen zeichnete, hatte es zur Folge, dass beide gleichzeitig los lachten und es war ihr so, als wäre in dem Augenblick das Eis zwischen ihnen gebrochen worden.
„Sehr schön. Dann sehen wir uns morgen?“
„Übermorgen. Meine Freunde haben vor, mir eine Überraschungsparty zu geben, von der ich offiziell natürlich nichts weiß“, erklärte er grinsend und sie konnte sehen, dass er sich trotz allem, was in den letzten Monaten vorgefallen war, darauf freute.
„Oh, gut. Das ist natürlich wundervoll, schließlich wird man nicht jeden Tag volljährig“, zwinkerte sie ihm zu. Doch plötzlich schien Harry eine Idee zu haben.
„Warum kommen Sie nicht auch? Ich würde Sie wirklich gern dazu einladen. Dann können Sie meine Freunde auch gleich kennen lernen und die Sie. Die meisten die kommen werden sind auch im Orden. Remus, Tonks, alle Weasleys und wer noch so kommen wird“, erklärte er fast begeistert.
Der Gedanke daran, endlich einige der Leute kennen zu lernen, von denen sie immer nur durch Erzählungen gehört hatte, reizte sie sehr. Doch auf der anderen Seite war sie sich nicht sicher, ob das wirklich so gut war.
„Nur, als wen wollen Sie mich dann vorstellen? Ich meine, ich kann ja wohl schlecht ankommen und sagen ‚Hallo, ich bin Albus Dumbledores Nichte’. Er ist gerade erst tot und ich tauche aus der Versenkung auf“, warf sie ein.
„Warum nicht? Sie könnten es ihnen genau so erklären, wie Sie es mir erklärt haben. Aber wenn es Ihnen lieber ist, dann erzählen wir ihnen einfach, dass Sie mein Vermieter sind, das wäre doch auch in Ordnung“, schlug er dann vor, als er merkte, dass es ihr nicht wirklich Recht war, wenn im Moment zu viele wussten, wer sie wirklich war. Und seine Erklärung klang plausibel und war nicht mal gelogen.
„Ich erkläre einfach, dass ich im Tagesprohpeten gelesen habe, dass Sie eine günstige Wohnung vermieten würde und wir uns so auf diesem Weg kennen gelernt hätten. Was denken Sie?“
„Ich fühle mich geehrt, Mr. Potter und ich würde gerne kommen“, gab sie nun zurück, da sie merkte, dass es ihm wohl wirklich wichtig sein musste.
„Klasse. Dann sehen wir uns morgen Abend bei den Weasleys im Fuchsbau.“ Harry sah sie lächelnd an und erklärte ihr noch, wohin sie kommen sollte, und das er jemanden schicken würde, der sie dann am Ende des Ortes abholen würde, wegen der Sicherheitsvorkehrungen, die man dort getroffen hatte.
Langsam machten sie sich nun auf den Weg zurück und mehr als zufrieden mit ihrer Mission, verabschiedete sie sich vor dem Haus im Lingusterweg Nr. 4 von Harry.
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