
von Sisilia D.S.
Die ersten Strahlen der Sonne fanden ihren Weg durch
den schweren dunkelblauen Samtvorhang, der nicht gerade sorgfältig zugezogen worden war, direkt in Sisilias Schlafzimmer und kitzelten sie an der Nase.
Verschlafen schlug sie die Augen auf und blinzelte in die morgendliche Sonne. Genussvoll gähnend, drehte sie sich auf den Rücken und streckte sich ausgiebig. Ihre Augen blickten nachdenklich an die Decke des Schlafzimmers, welche, genau wie die Wände mit mahagonibraunen Holztafeln verziert worden war. Auf den meisten von ihnen waren nur quadratische Muster aufgebracht worden, doch in ein paar wenige waren Bilder geschnitzt worden, eine wunderbare und heutzutage unbezahlbare Arbeit.
Einige stellten einfache Jagdszenen dar, auf anderen konnte man Liebespaare erkennen, die sich in den Armen lagen und wieder andere zeigten Engel oder Feen.
Einige Zeit betrachtete Sisilia diese und drehte dann aber den Kopf so nach hinten, dass sie das Bild, welches direkt über dem Kopfende ihres Bettes hing, sehen konnte.
Auf dem Bild waren vier Personen zu sehen. Eine durchaus attraktive Frau, kaum älter als Sisilia jetzt und ihr sehr ähnlich, die gleiche Haar und Augenfarbe, rot-blond und smaragdgrün. Diese saß auf einem wunderschönen antiken Stuhl. Neben ihr stand ein großer schlanker Mann, dessen Alter man schlecht einschätzen konnte. Doch Sisilia wusste, dass er dort fast schon fünfzig gewesen war, auch wenn er jünger wirkte. Er hatte dunkle Haare und sein Gesicht war sehr männlich, genauso, wie seine markante römische Nase. Die Augen des Mannes waren so klar und freundlich, sie strahlten fast in einem wunderschönen hellblau.
Halb neben und halb hinter diesem stand ein weiterer Mann mit grauem Bart, gleich groß wie der jüngere und sie beide hatten dieselbe Augenfarbe. Dieser hatte den Arm um den jüngeren gelegt und es lag etwas wie Stolz in seinen Augen.
Die vierte Person, ein großer hagerer Mann, mit grauweißem Bart, dessen Alter man ebenfalls nur raten konnte, stand hinter der Frau und lächelte über seine Halbmondbrille hinweg zu Sisilia. Auch seine Augen hatten dieselbe Farbe, wie die der anderen Männer. Eine leichte Ähnlichkeit war zwischen ihnen zu erkennen, was auch kein Wunder war, denn sie waren alle miteinander Verwandt.
Letzterer war Albus Dumbledore, der Großonkel von Sisilia, der andere mit Bart ihr Großvater – welcher nur selten auf dem Bild zu sehen war, er war meistens irgendwie weg - und die andern beiden, die sich immer wieder verliebte Blicke zuwarfen und die ganze Zeit über ihre Hände hielten, waren die Eltern von Sisilia, welche, als diese gerade 12 Jahre alte gewesen war, von Lord Voldemort ermordet worden waren.
„Guten Morgen“, murmelte Sisilia dem Bild zu und setzte sich auf.
„Guten Morgen, meine Tochter“, sagte die Frau auf dem Bild, während sich das Bildnis ihres Vaters erkundigte, ob sie gut geschlafen hätte.
„Wie ein Murmeltier“, erklärte sie und schwang die Beine aus dem Bett.
„Was hast du denn heute noch vor?“, erkundigte sich das Abbild von Dumbledore freundlich.
„Harry wird heute im Gästehaus einziehen. Ich muss es noch sauber machen. So kann ich ihn unmöglich in das Haus lassen. Sonst geht er wieder, bevor er überhaupt richtig angekommen ist“, murmelte sie gähnend und ging in einen angrenzenden kleinen Raum, den sie als begehbaren Schrank umfunktioniert hatte. Von dort gab es eine weitere Türe die ins Bad führte, wohin sie sich erst einmal aufmachte.
Nur kurze Zeit später kam sie frisch geduscht wieder raus, fingerte nach einem älteren blauen T-Shirt, mit der silbernen Aufschrift „Wild Thing“ und einer abgetragenen dunkelblauen Jeans, in welche sie schlüpfte.
Als sie wieder in das Schlafzimmer trat rümpfte das Bildnis ihrer Mutter lautstark die Nase.
„Wie kann man sich nur so schäbig anziehen“, kritisierte sie sofort ihre Tochter.
„Du siehst doch, dass ich das kann. Außerdem werde ich mich garantiert schmutzig machen beim Aufräumen“, gab sie leicht trotzig zurück und bevor das Bildnis ihrer Mutter noch etwas dazu sagen konnte, verließ sie ihr Schlafzimmer und ging hinunter in die Küche.
Doch zum Frühstücken, hatte sie irgendwie keine Lust. So nahm sie nur einen Krug Saft mit, steckte ihren Zauberstab ein und ging gleich hinüber ins Gästehaus.
Als sie das Haus betrat, schlug ihr gleich muffiger abgestandener Geruch entgegen.
„Oh je. Mir scheint, das Gebäude hier, wurde länger nicht mehr betreten, als das Haupthaus“, stöhnte sie leise vor sich hin und das Erste was sie tat, war alle Vorhänge aufzuziehen und die Fenster zu öffnen, um frische Luft herein zu lassen.
Einen Moment überlegt sie noch, doch dann fasste sie den Entschluss im Wohnzimmer mit dem „Aufräumen“ zu beginnen. Vor allem, da es dort aussah, als wäre der Raum zuletzt als Müllplatz benutzt worden. Außerdem lag eine Zentimeter dicke Staubschicht auf allem und überall hingen dichte Spinnweben. Mindestens 20 große Kisten standen noch kreuz und quer, bis oben gefüllt mir allerlei alten Krimskrams.
Mit einem Seufzen und einem Schlenker ihres Zauberstabs, ließ sie erst mal die Kisten in den Flur hinausschweben, wo sie diese an der Wand stapelte.
Dann begann sie den Raum und vor allem die Ecken von Staub und Spinnweben zu befreien. Gott froh, war sie allerdings darüber, dass sich keine Doxies oder andere ähnliche bösartige magische Wesen hier eingenistet hatten.
Sie musste lediglich ein paar große ekelige Spinnen, welchen sie einen Schockzauber verpasste, einsammeln und in den Garten tragen, weit weg vom Haus.
Schon sehr schnell wurde ihr klar, dass das Reinemachen doch mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, als sie zuerst gedacht hatte und das ärgerte sie.
Der halbe Vormittag war bereits vorbei, als sie sich seufzend auf das inzwischen saubere Sofa fallen ließ.
Doch in dem Moment, als sie sich auf das Polster setzte, schoss ein dürrer schwarzer Kater mit einem wütenden Miauen, darunter hervor, fauchte laut auf und rannte bis zur Wohnzimmertüre, wo er abrupt stehe blieb, sich umwandte und einen sehr skeptischen Blick auf Sisilia warf, die vor lauter Schreck wieder aufgesprungen war.
„Du meinest Güte. Hast du mich vielleicht erschreckt!“, stöhnte sie auf und ließ ihren Zauberstab, den sie gleichzeitig gezogen und auf ihn gerichtet hatte, wieder sinken.
Sie ging nun auf die Knie und sah zu dem kleinen scheuen Tier, der mit einem Katzenbuckel und aufgerichteten Schwanz ihr misstrauisch entgegen blickte.
„Wo kommst du denn auf einmal her?“, fragte sie leise, als sie sich wieder gefangen hatte und versuchte sich dem mageren Kater zu nähern. Er war vollkommen schwarz nur ein kleiner weißer vielleicht Sickel großer Fleck auf seiner Brust, leuchtete richtig in seinem dunklen Fell. Doch langsam legte der Stubentiger den Rückwertsgang ein, je näher Sisilia ihm kam.
„Du brauchst keine Angst zu haben, ich hab nicht vor, dir etwas zu tun.“ Sie sprach leise und beruhigend auf ihn ein und musterte den Kerl genauer, der sie auch nicht aus den Augen ließ.
„Du hast sicherlich Hunger, nicht wahr?“, fragte sie, richtete ihren Zauberstab auf eine Stelle neben der Türe, wo keine Sekunde später eine kleine Schüssel mit Milch erschien.
Sisilia rutschte wieder etwas rückwärts, bis sie mit den Füßen gegen das Sofa stieß, dort blieb sie auf ihren Knien sitzen und sah abwartend zu dem Kater, der sich zuerst nicht rührte, dann aber nur zwischen ihr und der Milch hin und her blickte.
„Na komm schon. Ich habe sie nicht vergiftet“, forderte sie das Tier auf, das sich jetzt aber einfach hinsetzte und sie hatte das Gefühl, trotzig anblickte.
„Dann eben nicht. Es ist nicht mein Magen, der knurrt“, gab sie dann von sich und stand auf. Doch in dem Moment begann ihr eigener Magen zu knurren und ihr wurde bewusst, dass sie auch noch gar nichts gegessen hatte.
„Ok. Eins zu Null für dich“, sagte sie und ging langsam auf die Türe zu, in der der Kater saß. Dieser wich sofort zurück in den Flur, ohne sie aus den Augen zu lassen. Doch Sisilia ging an ihm vorbei und tat so, als würde sie ihn nicht weiter beachten, was aber nicht stimmte. Aus den Augenwinkeln, beobachtete sie jede Bewegung des Tieres und verwundert nahm sie wahr, dass dieser ihr nach draußen folgte. Er lief ihr bis zu ihrem Haus hinterher, immer in einem gewissen Abstand. Sie machte extra die Haustüre nicht zu, als sie hinein ging, um zu sehen, ob er ihr auch weiterhin folgen würde.
Und tatsächlich, schlich er sich geschwind in die Küche und versteckte sich dann unter dem Tisch, von wo er sie weiterhin mit seinen kohlrabenschwarzen Augen beobachtete.
Sisilia ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und begann für sich ein paar Würstchen warm zumachen. Während diese im Wasserbad erwärmt wurden, schnitt sie sich noch eine Scheibe Brot ab und legte es auf einen Teller. Dann nahm sie noch einen zweiten Teller aus dem Schrank und legte die warmen Würste auf die beiden Teller. Zwei auf ihren und eines, das sich noch klein schnitt auf den anderen. Als sie sich umdrehte, um zu Tisch zu gehen, blickte sie erstaunt auf den Kater, der es sich jetzt auf einem der Stühle gemütlich gemacht hatte und sie mit funkelnden Augen ansah.
„Aber so haben wir nicht gewettet, Freundchen“, erklärte sie und ging zum Tisch. Ihren Teller stellte sie auf den Tisch und den andern auf den Boden, neben dem Stuhl.
Der Kater sah ihr hinterher, doch er rührte sich keinen Zentimeter. Auch nicht, als sie anfing ihr Würstchen zu essen, er saß nur da, warf einen Blick von ihr zu dem Teller auf den Boden und begann sich dann die Pfote zu lecken.
„Du bist aber ganz schön stur. Hat dir das schon mal jemand gesagt“, sagte sie nach einer Weile, hob den Teller wieder auf und stellte ihn auf den Tisch. Sofort richtete sich der schwarze Kater auf und stellte sich mit den Vorderpfoten auf den Tisch und begann, sich genüsslich über die Wurst herzumachen.
„Oh, ich sehe, eure Hoheit ist es nicht gewohnt vom Boden zu essen. Nun, wenn das so ist, hab ich doch gleich einen sehr netten Namen für dich. Wie wäre es mit Prince? Wäre doch passend für einen so verwöhnten Kerl wie dich?“, schlug sie vor und war erstaunt, dass der Kater sein Essen unterbrach und sie kurz aber eindringlich musterte.
„Was ist, gefällt dir der Namen nicht? Zu spät, der bleibt dir jetzt.“
Sisilia musterte das Tier noch einige Zeit, während sie selber auch Fertig aß, und als sie beide das Essen beendet hatten, streckte sie die Hand nach dem Kater aus, weil sie hoffte, dass er sich vielleicht jetzt streicheln lassen würde. Doch weit gefehlt, er sprang sofort, als er das merkte von Stuhl und sah sie wieder aus sicherer Entfernung an.
„Ok, ich hab verstanden. Füttern ja, aber nur auf dem Tisch, doch auf keinen Fall anfassen. Ist OK. Aber glaub ja nicht, dass ich dir erlauben werde in meinem Bett zu schlafen. Das ist vollkommen ausgeschlossen, verstanden der Herr?“
Fast so, als hätte der Kater verstanden, was sie gesagt hatte, drehte er sich um und verließ mit erhobenem Schwanz fast beleidigt drein blicken, wenn ein Kater das überhaupt konnte, die Küche.
Sisilia schüttelte amüsiert den Kopf, wusch schnell das Geschirr und wollte sich wieder ins Gästehaus auf machen, um ihre Säuberungsaktion weiter zu führen.
Doch in dem Moment schlug die Türklingel an. Sie trocknete sich noch die Hände ab, warf das Geschirrtuch auf die Anrichte und ging zur Türe.
Überrasacht sah sie in Harry Potters Gesicht, der etwas verlegen draußen stand und sich mit der Hand durch den Nacken fuhr.
„Ich hoffe, ich bin nicht zu früh?“, fragte er, nachdem Sisilia ihn nur ansah und nichts gesagt hatte.
„Entschuldigen Sie, Mr. Potter. Ich hatte erst am Nachmittag mit Ihnen gerechnet, aber das ist kein Problem. Das heißt… Ich war gerade dabei drüben etwas… aufzuräumen, doch ich muss gestehen, ich bin nicht sonderlich weit gekommen. Ich habe grad mal das Wohnzimmer geschafft“, gestand sie ihm nun etwas kleinlaut.
„Das macht doch nichts. Ich kann das auch selber fertig machen, ist wirklich kein Problem, ich habe ja Zeit“, erklärte Harry und hob beschwichtigend sie Hände.
„Nein, ich habe eine noch viel bessere Idee. Wir stürzen uns gemeinsam auf den Dreck? Was denken Sie? Dann können wir uns vielleicht noch etwas besser kennen lernen. Ich habe auch sonst nichts weiter vor.“
Über Potters Gesicht huschte ein Lächeln und er nickte dann.
„Gut, dann lassen Sie uns gleich hinüber gehen“, erklärte Sisilia, zog die Türe hinter sich zu und schritt mit Harry Potter, der seinen Schrankkoffer hinter sich her zog, den Weg zum Gästehaus entlang.
„Wow, das ist ein sehr schöner Garten“, sagte Harry, der sich genauer umsah.
„Der Vorteil des Gartens ist, in der Mitte ist viel Platz, und doch ist er so gut abgeschirmt, dass man von draußen so gut wie nicht rein sehen kann“, sie deutete auf Bäume und Büsche rundherum, die das Grundstück eingrenzten und abschirmten.
„Stimmt, das hat einige Vorteile“, gab Harry grinsend zurück.
„Vor allem der, dass man ohne Bedenken zaubern kann“, flüsterte sie und deutete dann auf das alte, aus Steinen gemauerte und mit Efeu umwucherte Gästehaus.
„Wow“, sagte Harry, als er es erblickte. „Irgendwie erinnert es mich an Hagrids Hütte. Ok, diese ist grober und einfacher, als das hier. Aber irgendwie gefällt es mir, es hat… Charme.“
„Charme? Das hat noch keiner von dem Häuschen gesagt. Aber wenn es dir gefällt, bin ich beruhigt. Es muss noch einiges gemacht werden, aber ich bin mir sicher, du wirst dich dort wohl fühlen. Es ist jedenfalls irgendwie gemütlich… Wenn auch im Moment noch sehr dreckig“, fügte sie noch an, als sie vor der offenen Haustüre angekommen waren und Harry einen Blick in den voll gestellten Flur warf.
„Ach was. Das bekommen wir schon hin“, erklärte Harry nun zuversichtlich, stellte seinen Koffer, neben der Türe ab und betrat nach einer einladenden Handbewegung von Sisilia das Haus. Er ging durch den im Moment sehr engen Flur und dann gleich nach links in das schon fertige Wohnzimmer hinein.
„Hey, Wow. Das ist ja der Wahnsinn“, sagte Harry total begeistert und sah sich genauer um.
„Klein aber fein. Ich hoffe jedenfalls, dass Sie sich hier wohl fühlen werden.“
„Wer sich hier nicht wohl fühlt, ist selber schuld“, erklärte er und ging einmal im ganzen Raum umher.
Sisilias Blick fiel nun auf das Milchschälchen neben ihr, welches bis auf den letzten Tropfen geleert worden war und ein Schmunzeln huschte über ihr Gesicht. Hatte der kleine Kerl doch Durst gehabt. Unauffällig, ließ sie das Schüsselchen mit einem Schlenker ihrer rechten Hand verschwinden und sah wieder zu Harry.
„Oh, da ist noch der zweite Teil ihres Geschenkes“, sagte sie dann und deutete auf ein Bild, welches mit dem Rücken zu ihnen an der Wand, neben dem Kamin lehnte.
Harry sah sie zuerst zögernd an, doch sie nickte ihm aufmunternd zu und er ging hinüber um es hochzunehmen und anzusehen.
Seine Augen wurden groß und sein Mund klappte auf, als er erkannte, wen das Portrait darstellte.
„Wo… woher haben Sie das?“, fragte er völlig erstaunt?
„Sie werden es mir nicht glauben. Ich habe es auf dem Dachboden im Haus gefunden, als ich ein paar Koffer von mir hoch gestellt habe“, erklärte sie ihm und musterte ihn nun genau.
Auf dem Bild waren vier Personen abgebildet. Vier Menschen die Harry Potter sehr viel bedeuteten und die leider nicht mehr am Leben waren.
Zuerst war da seine Mum. Lilly Potter, deren langes rotes Haar, wunderschön leuchtete und ihre grünen Augen strahlten Harry nun an. Neben ihr stand sein Vater, James Potter, der dieselben schwarzen wilden Haare hatte, wie er selber. Ein Stück hinter ihm, erkannte er Sirius, auch noch recht jung, vielleicht gerade Anfang zwanzig, wie seine Eltern auch, die sich in den Arm genommen hatten. Sirius zwinkerte Harry kurz zu, als dieser ihn betrachtete und dann fiel sein Blick auf den Mann, der zuletzt von dem vieren gestorben war und dessen Mord er ebenfalls hatte mit ansehen müssen.
Albus Dumbledore.
Der ehemalige Schulleiter lächelte Harry freundlich an. So als wäre gar nichts geschehen und so als wären allen Glücklich.
„Ich… ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, begann Harry unsicher und etwas betroffen.
„Gar nichts. Sondern es am besten gleich aufhängen. Wie wäre es über dem Kamin? Ich denke da würde es sich sicher besonders gut machen“, schlug sie ihm vor.
Harry nickte nur, gab ihr das Bild kurz zum halten und ging hinaus zu seinem Koffer, in dem er, den Rahmen verstaut hatte und holte ihn. Sisilia zog ihren Zauberstab, befestigte das Bild wieder in dem wunderschön verzierten Rahmen und ließ beides über den Kamin schweben, wo sie es an einen bereits vorhandenen Hacken aufhängte. Noch einmal rückte sie es etwas zurecht und nickte dann zufrieden.
„Was denken Sie?“, fragte sie nach.
„Ich denke, das ist der beste Platz. Danke noch mal. Es bedeutet mir wirklich viel“, sagte er leise und betrachtete das Bild noch einmal ausgiebig.
„So genug gefaulenzt, die Arbeit wartet“, sagte er dann, so als wollte er sich selber aus einem kleinen nachdenklichen Tief herausholen.
„Das ist wohl wahr. Ich würde sagen, ich übernehme die Küche“, schlug Sisilia vor und Harry entschied sich für das Schlafzimmer.
So arbeiteten sie einige Zeit, jeder für sich und kamen aber doch erstaunlich schnell voran. Nach einer guten Stunde trat Harry zu ihr in die Küchentüre, als sie das letzte Regal wieder eingeräumt hatte, denn Geschirr und was man sonst noch zum Kochen brauchte, war hier alles noch vorhanden und jetzt wieder sauber und sortiert.
„Was soll mit den ganzen Kartons geschehen?“, fragte er und deutete auf die, welche er noch im Flur dazu gestellt hatte.
„Oh je. Lass mich überlegen. Hinter dem Haus hier ist noch ein Schuppen. Stellen wir sie solange dorthinein, bis ich Zeit habe, sie mal in Ruhe durchzusehen“, schlug sie vor und ging mit Harry, der sich gleich einen Karton schnappte und hinter Sisilia her in den Schuppen ging.
„Stapeln wir sie in die Ecke, da ist genug Platz“, schlug sie vor und ging dann ins Haus zurück, um noch andere Kisten zu holen. Doch diesmal ließ sie diese vor sich herschweben. Gleich vier auf einmal, die aber verdächtig hin und her wackelten.
Eine der Kisten kippte dann tatsächlich zur Seite weg und hätte Harry nicht so schnell reagiert und seinen Zauberstab auf diese gerichtet und sie damit aufgefangen, wären die Vasen darin bestimmt in hunderttausend Scherben zerbrochen.
„Danke. Vielleicht sollte ich doch lieber nur zwei auf einmal nehmen“, erklärte sie und spürte, wie sich ihre Wangen leicht röteten.
„Schon gut, ist ja nichts passiert“, erklärte er und sie brachten die Kisten zusammen in den Schuppen.
So schafften sie es in kurzer Zeit, den Flur von allen Kartons zu befreien und gemeinsam säuberten sie erst diesen und anschließend das Bad.
„Ich glaub, ich brauch einen Pause“, stöhnte Sisilia und deutete Harry an ihr ins Wohnzimmer zu folgen.
„Sag Sie mal, haben Sie Hunger, Mr. Potter?“, fragte sie ihn und ließ sich wieder auf das Sofa fallen.
Wie ein geölter Blitz, schoss erneut der schwarze Kater unter dem Sofa hervor und rannte wieder in den Flur hinaus, von wo er die beiden auffällig aber befremdend musterte.
Diesmal war Harry es, der mit gezogenem Zauberstab da stand und dem das Herz in die Hose gerutscht war.
„Keine Sorge, das ist nur der kleine Prince. Er ist mir heute beim Saubermachen sozusagen zugelaufen. Der Herr ist sehr eigen. Er isst nur am Tisch. Auf dem Boden ist ihm das nicht fein genug“, erklärte sie Harry, worauf sie den Eindruck hatte, dass der Kater sie kurz anzufunkeln schien.
„Ja, wirklich?“, fragte Harry und ließ das Tier nicht aus den Augen. Sisilia hatte irgendwie den Eindruck, dass die beiden sich mochten.
„Er wird aber nicht bei mir bleiben, oder?“, fragte Harry jetzt unsicher.
„Keine Sorge, ich kann ihn mit zu mir rüber nehmen. Falls es dem Herrn genehm sein sollte“, fügte sie an und sah zu dem schwarzen Tier, das sie nun sehr genau musterte.
Harry ging auf den Kater zu, ohne den Blick von ihm zu nehmen. Auch der sah sein Gegenüber an und als dieser ihm zu nahe kam, wich er sofort zurück und fauchte Harry wütend an.
„Das ist ja ein richtig kleiner Teufel“, sagte Harry, zog seine Hand, die er schon nach dem Tier ausgestreckt hatte, wieder zurück und sah zu Sisilia.
„Ein kleiner teuflischer Prinz“, grinste Sisilia. „Wie wäre es dann mit Prince Devil?“, sagte Sisilia belustigt und beobachtete den Kater, der nun mit hocherhobenem Kopf durch dir Türe nach draußen verschwand.
„Ich glaub jetzt ist er beleidigt“, lachte sie.
„Ist mir egal, solange er draußen bleibt. Ich mag ihn nicht“, sagte Harry und setzte sich Sisilia gegenüber in einen Sessel. Die blickte Harry erstaunt an, sagte aber nichts mehr dazu.
„Hunger, Mr. Potter?“
Kurz sah Harry zu ihr und lächelte wieder
„Und wie!“
„Wie wäre es mit Pizza?“
„Hört sich gut an.“
„In Ordnung und da ich zu faul und zu geschafft bin, etwas zu machen, lassen wir uns einfach eine kommen“, erklärte sie, griff in ihre Hosentasche und zog ein Handy raus.
„Sie meinen so richtig mit einem Pizzaservice?“
„Ja genau. Haben das Ihr Onkel und Ihre Tante nie gemacht?“
„Nein. Dazu waren sie zu geizig. Tante Petunia hat immer alles selber gekocht.“
„Ich bin aber nicht Ihre Tante. Was soll drauf?“, fragte sie und Harry brauchte einen Moment zu überlegen, doch dann wusste er sehr schnell, was er wollte und Sisilia rief mit ihrem Handy, das sie besaß bei einem ansässigen Pizzaservice an und bestellte zwei große Pizzen, beide mit extra viel Käse.
Da der Pizzabote ihnen dazu gleich eine Flasche Wein mitbrachte, öffneten sie diese auch kurzerhand und sie tranken sogar Brüderschaft.
Gegen später, gingen sie noch in das kleine Zimmer ganz hinten ihm Gang. Es war nicht sonderlich groß und es standen auch nur ein Bett, ein Schrank und ein kleiner Tisch darin.
„Das wäre doch ein gutes Gästezimmer, wenn du mal Besuch haben solltest“, erklärte Sisilia und ließ die Spinnweben verschwinden, die in den Ecken des Raumes hingen.
„Ja, falls mich jemand besucht.“
„Harry, ich denke doch, dass deine Freunde vorbeikommen werden. Ich wüsste nicht, warum sie das nicht tun sollten.
„Wir werden sehen“, erklärte er und richtete seinen Zauberstab auf die dicke Staubschicht, die sich von dem Boden, den Wänden und den Möbeln löste und wie durch einen Staubsauger mit dem Zauberstab aufgesaugt wurde.
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