Unbreakable Truth - Kapitel 21. Und dann ging plötzlich alles ganz schnell
von Sisilia D.S.
(Liebe Leute, hier kommt das vorletzte Kapitel. Ich hoffe die FF hat euch gefallen. Mich würde sehr interessieren, was ihr von der STory denkt. Es wäre schön, wenn ihr am Ende noch mitteilt, wie ihr die Geschichte fandet. Liebe Grüße Sisilia)
Aufgeregt wegen des bevorstehenden Halloweenfestes, rannten die Schüler durch die Gänge des Schlosses, um die letzten Vorbereitungen zu treffen.
Für dieses Jahr hatte McGonagall noch zusätzlich ein Theaterstück eingeführt, ein Lustspiel, welches die Schüler eigens aufführen sollten. Damit wollte die gute Minerva erreichen, dass die Schüler wenigstens für eine kurze Zeit diesen schrecklichen Krieg vergaßen.
Erfolgreich hatte Sisilia es geschafft sich vor irgendwelchen Aufgaben, in und um dieses Stück zu drücken und dann lieber die Zeit mit Severus verbracht.
Vor allem, nachdem Severus immer wieder mal beteuerte, dass irgendwas im Busch sein musste, weil der dunkle Lord sich sehr merkwürdig und geheimnisvoll benahm. ER erzählte kaum noch jemanden was er vor hatte und gab seinen Leuten Aufgaben, die alle irgendwie unwichtig erschienen und irgendwie keinen Sinn ergaben. Solche Dinge, wie unwichtige Leute beobachten oder Botengänge erledigen, wo keiner wusste, was der Inhalt der Pakete war. Der Lord selber war oft weg und kam jedes Mal aufs Neue schlecht gelaunt wieder und genau diese schlechte Laune, ließ er an seinen eigenen Leuten aus.
So war es nicht verwunderlich, dass Sisilia über jeden Tag froh war, an dem Severus bei ihr im Schloss sein konnte. Und das nutze sie auch leidlich aus. Nein! Sie beide nutzen es aus, sehr zum Verdruss von Charlie, der schon anfing sich zu beschweren, dass er sie gar nicht mehr zu Gesicht bekommen würde. So erklärte sie diesem einfach, dass sie sich nicht wohlfühlen würde, einen Virus eingefangen hätte, so dass sie sich im Bett mit einer Wärmflasche ausruhen müsste.
Diese Aussage, während Severus hinter ihr im Raum war, brachte ihr anschließend ein, dass der ehemalige Tränkemeister sie heftig durchkitzelte für die Bezeichnung „Wärmflasche“.
*****
Dann kam die Halloweenfeier, vor der auch Sisilia sich nicht drücken konnte. Doch noch, bevor sie sich fertig angezogen hatte für das Essen, wurde Severus von „IHM“ gerufen und sein Gesichtsausdruck zeigte ihr größte Sorge.
„Sil. Würdest du etwas für mich aufbewahren?“, bat er sie, nachdem er sich seine Schuhe und seinen Umhang angezogen hatte.
„Natürlich“, gab sie zurück und nahm das kleine schwarze Büchlein entgegen, das er ihr überreichte.
„Bitte verstecke es sehr gut. Sollte ich nicht zurückkommen …“
Sisilia wollte ihn unterbrechen, denn davon wollte sie nun gar nichts hören, doch er legte zwei seiner Finger auf ihre Lippen und stoppte sie.
„Bitte höre mich einfach an. Es muss ja nicht zwangsläufig so sein. Also sollte ich nicht zurückkommen, dann soll es dir gehören. Du kannst es lesen und dann damit tun, was du für richtig hältst.“
„Ich werde es für dich aufheben, aber nur, um es dir später wiederzugeben.“
Ihre Worte waren so bestimmt, dass Severus darauf nichts erwiderte, sondern sie nur in seine Arme zog und sie zum Abschied noch einmal innig küsste. Nachhaltig sah er sie noch einen Moment schweigend an, so als wollte er sich ihre Gesichtszüge ganz genau einprägen, schenkte ihr schließlich ein sanftes Lächeln und drückte nochmals ihre Hand, die er noch einen Augenblick festhielt. Dann zog er eine kleine Phiole aus dem Umhang und trankt sie leer. Kurz darauf verwandelte er sich in einen Kater, den Sisilia dann schweren Herzens ziehen ließ. Einen Augenblick lang hingen ihre Augen noch auf dem kleinen schwarzen Tier, bis es um die Ecke bog, wohl einen Weg wählend, wo er nicht zu vielen Schülern begegnen würde, und dann schließlich aus ihrem Blick verschwunden war.
Sisilia war so in Gedanken, dass sie Charlie nicht bemerkt hatte, der sich neben sie gestellt hatte und ihrem Blick in den Gang hinein folgte.
„Suchst du etwas oder wartest du auf jemanden?“ Sie zuckte heftig zusammen und wand erschrocken ihren Kopf in seine Richtung.
„Bei Merlins Bart. Charlie, hast du mich erschreckt“, gab sie zu, doch schnell huschte ein freundliches Lächeln auf ihre Lippen.
„Ich hab nur den Kater rausgelassen, der an der Türe gekratzt hatte.“
„Und ich hatte schon befürchtet, du siehst so traurig aus, weil dich jemand versetzt hat.“
Zwar lächelte Charlie bei seiner Antwort, aber dennoch erkannte Sisilia etwas Lauerndes darin, so als wollte er sie testen. Oder hatte er irgendwas mitbekommen? Hoffte er vielleicht, sie so zum Reden zu verlocken?
„Mich hat niemand versetzt, Süßer. Ich hab nur keine Lust auf das Fest da unten. Und dabei fällt mir ein. Ich sollte meine Haare fertig machen.“
„Darf ich auf dich warten?“
Kurz zögerte Sisilia, denn aus dem ersten Instinkt heraus, wollte sie ihn wegschicken, aber schließlich nickte sie doch. Er würde sie etwas ablenken können, so dass sie nicht mehr an Severus und die Gefahr in der er war, denken musste.
Was der Lord wohl von ihm wollte? Hoffentlich gab Severus auf sich acht und hoffentlich rief dieses Monster ihn nicht nur zu sich, um seine Wut an ihm auszulassen. Schnell schob sie diese trüben Gedanken beiseite und schmunzelte leicht, als sie an die Worte von Sev denken musste, die er immer zu ihr sagte, wenn sie traurig war.
‚Lass uns nicht trauern über das, was wir verlieren könnten, lass uns genießen, was wir haben dürfen’.
Der Klang seiner Stimme schien noch in ihrem Kopf widerzuhallen und als sie Charlies Blick auf sich bemerkte, gab sie die Türe frei, in dem sie in ihr Zimmer ging und vor den Spiegel trat. Der junge Weasley folgte ihr, schloss die Türe hinter sich und sah ihr zu, wie sie ihre Haare hochsteckte und ein paar einzelne Strähnen seitlich frech festklemmte.
„Wunderschön.“
Seine Stimme ließ sie erschaudern. Es war nicht zu überhören, dass er das, was er sagte, auch wirklich so meinte. Es war nicht zu leugnen, dass seine Worte voller Liebe und Zuneigung zu ihr waren und sie schämte sich jetzt dafür, dass sie ihn immer wieder angelogen hatte. Sie würde ihm alles beichten müssen. Irgendwie und zwar bald. Sie mochte ihn zu sehr, um ihn noch mehr zu verletzten. Auch wenn sie wusste, dass er sie vielleicht dann verachten oder gar hassen würde. Doch das was sie im Moment tat, war einfach nicht fair.
Sisilia war erneut so tief in ihren Gedanken versunken gewesen, dass sie nicht mitbekommen hatte, wie Charlie sich leise hinter sie gestellt hatte. Erst als er seine Hände auf ihre Oberarme legte, zuckte sie leicht erschrocken zusammen.
„Dir geht es wirklich gut? Du bist die ganze Zeit so abwesend?“
„Mir geht es wirklich gut. Sehr gut, bitte glaube mir“, ihre Augen blickten über den Spiegel in seine und wieder musste sie feststellen, wie schön sie waren. Sanft legte er seine Arme um sie und drückte sie vorsichtig an seine kräftige Brust.
Wieso schmolz sie schon wieder in Charlies Armen dahin, wo sie doch Severus liebte. Wie war das möglich, dass man sich zu zwei Männern gleichzeitig hingezogen fühlte.
Sie fühlte seinen warmen, muskulösen Körper und erschauderte. Ihre Augen schlossen sich für einen Moment von ganz alleine und sie bewegte sich auch nicht, als sie seine Lippen auf ihrem Nacken spürte, der einen angenehmen Feuerstoß, durch ihren Körper schickte.
„Nicht Charlie, bitte. Wir … müssen runter. Man wird uns bestimmt schon vermissen.“ Nur halbherzig drückte sie ihn von sich weg, doch er gab nach und löste sich von ihr.
„Schon gut, Sis. Aber schlage mir die Bitte, heute Abend neben mir zu sitzen, nicht aus, ja?“, fragte er und sein Blick war so hoffnungsvoll, so … flehend und irgendwie unschuldig, dass sie lächelte und als Antwort nickte.
So verließen sie ihr Zimmer und als sie die Große Halle erreichten, war diese schon sehr gut gefüllt und beinahe alle Plätze besetzt.
Professor McGonagall hatte für den heutigen Abend runde Tische aufstellen lassen, an die immer acht Personen passten und Charlie ging auf einen der Tische zu, der nahe an der aufgebauten Bühne stand, und wo er wohl schon zwei Plätze für sich und Sisilia reserviert hatte.
Galland schob er Sisilia ihren Stuhl zurecht. Sie nickte Professor McGonagall, Professor Trelawney und Professor Slughorn, die auch an ihrem Tisch saßen, freundlich zu.
„Ich bin wahrhaftig gespannt, was die Schüler für uns Nettes vorbereitet haben.“ Professor Slughorn zwirbelte an seinem Bart und tätschelte kurz Sisilias Hand. „Ich hab Sie übrigens vorgestern auf meiner Party vermisst, Sisilia.“
„Tut mir leid, Professor Slughorn …“
„Horace, Sie wollten mich Horace nennen“, unterbrach er sie und klopfte noch einmal auf ihre Hand, die sie anschließend dann wegzog.
„Gut Horace. Wie gesagt es tut mir leid, aber ich habe mich nicht wohl gefühlt. Ich musste Bettruhe halten.“
„Das stimmt, hatte ich dir aber gesagt, Horace. Ich wollte sie ja abholen, doch sie meinte sie müsse sich ihr Bett mit einer Wärmflasche teilen“, erinnerte Charlie ihn.
„Armes Mädchen. Ich hoffe es geht Ihnen jetzt wieder gut?“, wollte der dicke Zaubertränkelehrer wissen und seine kleinen neugierigen Augen zeigten, dass es ehrliche Sorge und keine gespielte oder höfliche Floskel war.
„Danke, mir geht es wieder gut. Die Wärmflasche …“, sie warf Charlie kurz einen Blick zu, „und das Bett haben mir gut getan.“
„Ja, Schlaf ist immer noch die beste Medizin“, Slughorn hatte den Blick aber auch gesehen und jetzt erst wurde Sil bewusst, dass dieser das Ganze vielleicht falsch deuten könnte.
Aber zum Glück kamen in dem Augenblick zwei Schüler, die Professor McGonagall noch etwas zum Ablauf des heutigen Abends fragten.
„Ja, ich würde sagen, direkt nach dem Essen fangen wir an. Ich werde das Theaterstück dann ankündigen. Professor Flitwick übernimmt dann die Musik und die Regie.“
Das Essen verlief ohne irgendwelche Besonderheiten. Die Schüler, die in dem Stück mitspielten, waren aufgeregt und manche brachten kaum etwas vom Essen runter. Andere genossen einfach den Abend, betrachteten die vielen ausgehöhlten Kürbisse, die unter der Decke schwebten und in denen Lichter brannten. Man konnte sehen, dass der Nachthimmel klar war und die Sterne funkelten zwischen den Kürbissen hindurch.
„Schade, dass Sie nicht mitmachen, beim Theaterstück.“ Slughorn grinste, als er das sagte, und schob seinen leeren Nachtischteller beiseite.
„Ich kann nicht gut schauspielern. Ich denke die Schüler werden das wunderbar machen und uns einen unterhaltsamen Abend bieten.“
„Diese Frau ist stur wie ein Felsen, was?“, scherzte Slughorn in Charlies Richtung.
„Oh, ja ist sie. Ich versuch sie schon seit Monaten rum zu bekommen, aber ich beiße auf Granit.“
„Charlie Weasley!“, fuhr sie ihn kurz aber heftig an, sodass er leicht in Deckung ging.
„Na was denn? Ich sage doch nur, wie es ist. Eigentlich könnte ich einen Korbversandhandel aufmachen, mit den vielen Körben, die du mir schon gegeben hast. Aber ich werde nicht aufgeben. Wenn sich ein Weasley was in den Kopf gesetzt hat, bekommt er es auch.“
„Ach, glaubst du das wirklich? Vielleicht wird es dann das erste Mal sein, dass sich ein Weasley die Zähne ausbeißt.“ Sisilia streckte ihm neckend die Zunge heraus, doch Charlie flirtete nur noch heftiger mit ihr, sodass sie schließlich die Augen verdrehte und ihn sanft knuffte.
In dem Moment erhob sich Professor McGonagall, schlug mit einem Löffel gegen ein Glas und wartete, bis es ruhig geworden war.
„Liebe Schüler, Schülerinnen, Kollegen und Kolleginnen. Dieses Jahr zum ersten Mal wird es zu Halloween ein Theaterstück in Hogwarts geben. Welches von den Schülern selber inszeniert und aufgeführt wird, unter der freundlichen Leitung von Professor Flitwick. Ich denke, wenn wir euren Mitschülern noch 15 Minuten Zeit geben sich umzukleiden, können wir damit beginnen. Ich bin sicher, wir alle dürfen gespannt sein, was sie sich für uns ausgedacht haben.“
Auch Professor Flitwick entschuldigte sich jetzt und verschwand mit den Mitwirkenden hinter der aufgestellten Bühne.
„Schade, dass sie nicht Romeo und Julia spielen“, flüsterte Charlie schmunzelnd und schob seinen Stuhl etwas anders hin, so dass er zum einen zur Bühne sehen konnte und zum andern neben Sisilia saß, um deren Stuhllehne er seinen Arm legte.
Zwar warf ihm Sisilia einen kurzen warnenden Blick zu, doch da er brav blieb, ließ sie ihn einfach gewähren.
Dann kündigte Flitwick an, dass sie soweit waren und das Theaterstück nun beginnen konnte. Alle wandten ihre Köpfe nach vorne, gespannt darauf, was sie nun geboten bekommen würden. Nur Sisilias Augen blieben einen Moment auf Charlie hängen. Er hatte sehr markante Gesichtszüge, was überaus männlich wirkte.
Einen Moment lang schloss sie die Augen, sich selber tadelnd. Da draußen irgendwo war Severus, und sie wusste nicht wo er war und wie es ihm ging, und sie hatte solche Gedanken.
Das Stück fing sehr lustig an. Ein paar Teenager, die auf Weltreise waren und glauben sie wären in Mexiko und keiner von ihnen kam darauf, dass sie nicht Südamerika angekommen waren, sondern in Venedig. Es war ein Stück mit vielen Irrungen und Wirrungen, wobei sich auch zwei Liebespaare fanden.
„Mit ist egal, wo wir gelandet sind und wenn es der Mond währe, solange wir zusammenbleiben“, zitierte einer der verliebten Jungs. Dann neigte er sich nach vorn, um dem Mädchen einen Kuss zu geben.
Ohne es zu merken, hatte sich Sisilia an Charlie gelehnt und fieberte richtig mit. Bis jetzt hatte sich das Mädchen immer geziert. Würde sie sich jetzt küssen lassen? Die ganze Große Halle schien in den Moment die Luft anzuhalten.
Doch noch bevor seine Lippen, die des Mädchens berührten, erschallte eine sehr laute Stimme durch das ganze Schloss.
„HARRY POTTER!“
Jeder, aber auch wirklich jeder zuckte heftig zusammen und alle Köpfe ruckten herum, um nach der Quelle zu suchen. Als man die nicht fand, gingen die Blicke zu Harry, der aufgestanden war und sehr blass zu Ron und Hermine blickte.
„Ich hoffe, ich störe nicht bei der Halloweenfeier!“, es erklang ein hohes höhnisches Lachen und Professor McGonagall legte geschockt die Hand auf ihren Mund. Sie hatte wohl als einige der Wenigen sofort erkannt, wer da mit magisch verstärkter Stimme sprach.
„Wenn die Lehrer nicht wollen, dass wir die Schule angreifen, dann sollten sie mir Harry Potter ausliefern. Ich gebe euch 30 Minuten Zeit, dann soll Potter zum Verbotenen Wald kommen. Ist er nicht da, dann machen wir das Schloss dem Erdboden gleich und mit ihm alle, die darin sind.“
Als Beweis hörten sie lautes Geschrei und Gebrüll. Doch als die Schüler zur Türe rennen wollten, erschallte die verstärkte Stimme von Professor McGonagall. „Jeder bleibt auf seinem Platz sitzen. Wir werden nachsehen, was da lost ist.
Charlie war einer der Ersten, die aufgesprungen waren und nun gingen er und ein paar weitere Lehrer in die Eingangshalle. Charlie öffnete die Türe ein Stück, um hinauszusehen. Zuerst wollte Sisilia bei den Schülern bleiben, als sie aber sah, dass genug von den Lehrern bei ihnen zurückblieben, und versuchten die Schüler zu beruhigen, genauso wie die Vertrauensschüler das taten, folgte sie den andern und stelle sich hinter Charlie, um über seine Schulter nach draußen zu blicken. Schnell presste sie ihre Hand auf den Mund, als ihr ein entsetztes Keuchen entkam. Was sie da sah, verschlug ihr den Atem. Unten am Waldrand stand eine ganze Armee. Bestehend aus dunklen Gestalten mit Kapuzen und Masken, eindeutig Todesser. Und ganz vorn vor den ganzen Gestalten stand eine Person, die nicht zu verkennen war. Nicht besonders groß, er trug ein dunkles Gewand, das sich im Wind immer wieder aufbauschte. Die ausgemergelte Gestalt stand aufgerichtet da und als er erkannte, dass man ihn vom Schloss aus beobachtete, lachte er los. So laut, dass es über das Gelände bis in die engsten Nischen des Schlosses vordrang. Sisilia lief ein Schauer über den Rücken. Ihre Augen huschten über die anderen Gestalten hinter ihm. Ob Severus unter ihnen war? Ihr Magen verkrampfte sich und sie merkte, wie ihr übel wurde. Sie bekam schreckliche Angst und klammerte sich an Charlies Arm. Dann wanderte ihr Blick zu den anderen Figuren, es waren finstere, nicht maskierte Männer und vielleicht auch die ein oder andere Frau darunter. Verbrecher und aus der Gesellschaft Ausgestoßene. Glaubten sie wirklich „ER“ würde ihnen ein besseres Leben verschaffen können?
Was ihr dann aber einen besonderen Schrecken einbrachte, war die kleine Horde von Riesen, deren Köpfe hinter den Todessern, immer wieder mal aus dem Wald auftauchten und welche aus Langeweile versuchten, die Bäume aus dem Boden zu reißen, oder ihnen zumindest die Äste abzubrechen, die sie schließlich über ihren Köpfen schwangen.
„Verdammt“, fluchte Charlie und murmelte noch etwas von Werwölfen und genau in dem Moment konnten alle das Heulen von mind. drei oder vier von ihnen hören. Sofort ging Sisilias Blick in den Himmel und sie sah, wie der Vollmond am Himmel stand und das ganze Gelände um Hogwarts in ein silbernes Licht tauchte.
„Das sieht nicht gut aus.“ Charlie war sehr angespannt und schloss dann einfach die Türe wieder.
Plötzlich tauchte Harry bei ihnen auf und starrte aus der Türe.
„Ich ... werde mich ihm stellen“, sagte er tonlos und war blass bis unter die Haarspitzen.
„Das kommt nicht in Frage, Harry. Auf keinen Fall.“ Charlies Stimme war hart und er hatte nicht vor Harry Potter da einfach raus zu lassen.
„Charlie hat recht. Es gibt da immer noch das eine ...“ Sie sprach es nicht aus, denn die andern rundherum hatten ja keine Ahnung von den Horkruxen.
„Aber er wird sie bei sich haben. Vielleicht habe ja sogar ich die Chance beide gleichzeitig zu vernichten.“
„Du bist verrückt! Hast du gesehen, was für eine Armee er mitgebracht hat?“
Nun sah Harry in die Gesichter der Lehrer, die um ihn herumstanden.
„Er will mich. Mich alleine. Es mussten schon genug Leute wegen mir sterben. Ich werde nicht zulassen, dass es noch mehr Tote gibt. Ich werde rausgehen und mich ihm stellen, jetzt gleich.“
„Nein, warte Harry. Ich habe den Orden informiert und sie werden bald hier sein. Und wenn du wirklich da raus gehen willst, dann werden wir dich begleiten.“ Diesmal hatte Professor McGonagall gesprochen und ihr Gesichtsausdruck war sehr, sehr ernst. Ihre Lippen waren so schmal, als sie zusammen gepresst hatte, dass sie fast nicht mehr zu sehen war.
„Und was dann? Was, wenn ihn das wütend macht und seine Leute uns angreifen? Es wird Tote und Verletzte geben. Das will ich nicht.“
„Ich denke, wer sich dieser Gefahr aussetzen will oder nicht, musst du schon uns überlassen. Harry wir brauchen auch etwas Zeit, um die Schüler in Sicherheit zu bringen, nur für den Fall dass ... dass „Du weißt schon wer“, doch noch das Schloss angreifen will.“
Nach kurzem Überlegen nickte Harry dann.
„Gut, dann werde ich warten, aber nur, weil ich die andern in Sicherheit wissen will.“
Charlie verschloss die Schlosstüre wieder sorgfältig, während McGonagall zurück in die Große Halle ging und die Schüler informierte.
Harrys Hände zitterten kaum merklich und als er das merkte, steckte er sie in die Hosentasche. Kurz darauf tauchten Ron, Hermine, Ginny, Neville und auch Luna neben Harry auf.
„Wir werden bei dir bleiben“, sagte Ron und legte seine Hand auf Harrys Schulter. Die andern nickten und stimmten dem, was Ron gesagt hatte, zu. „Wir lassen dich nicht im Stich.“
„Kapiert ihr denn nicht. Er will nur mich. Das ist etwas, was ich alleine mit Voldemort regeln muss!“
Jetzt war es Ginny, die den Arm um Harry legte. „Doch, das wissen wir alle. Doch keiner von uns wird dich im Stich lassen. Wir weichen nicht von deiner Seite.“
„Nein Ginny, ihr müsst hier bleiben. Er wird euch als Druckmittel benutzen oder sonst was mit euch anstellen. Ihr helft mir am meisten, wenn ihr hier bleibt.“
Sisilia beobachtete das alles, doch wurde ihr sofort klar, dass sich Harrys Freunde nie und nimmer hier verstecken würden. Auch Charlie war entschlossen, sich nicht im Schloss zu verschanzen.
„Hört zu. Ich werde mir den Drachen schnappen und wenn ihr mir ein Zeichen gebt, komme ich vor das Schloss mit ihm.“
Harry sah Charlie mit großen Augen an und wollte zuerst protestieren, doch Charlies Blick war so entschlossen, dass er nichts darauf erwiderte.
Im Hintergrund sahen sie, wie die Schüler in den Kerker gebracht wurden, von wo aus, sie durch einen Geheimgang, der nur der Schulleitung und dem Hausmeister bekannt war, aus dem Schloss, in die Berge, in Sicherheit gebracht wurden.
Schließlich nickte Harry. „Dann bleibt wenigstens hinter mir. In einem gewissen Abstand.“
Zuerst wollten Ron und Hermine protestieren, doch Sisilia legte beiden die Hände auf die Schulter.
„Wir bleiben zurück, wie du es möchtest, Harry.“
„Danke“, Harry versuchte seine Stimme kräftig klingen zu lassen, doch jeder hörte die Angst in ihr und keiner konnte es ihm verdenken oder würde mit ihm tauschen wollen.
In dem Moment erschienen die Ordensmitglieder auf der Treppe.
Remus und Kingsley führten die kleine Gruppe an, denen Professor McGonagall sogleich entgegen ging und ihnen Bericht erstattete, während Remus gleich noch mal mit Harry sprach und ihm auch nochmals erklärte, dass sie ihn nicht alleine da rausgehen lassen würden.
Der junge Potter sagte daraufhin nichts, doch man sah, dass es in seinem Kopf heftig arbeitete.
„Sis, ich werde jetzt zu dem Drachen gehen. Bitte schicke mir eine Nachricht, wenn ihr das Schloss verlasst. Ich brauche nur wenige Minuten, um dann bei euch zu sein.“
„Ist gut. Charlie? Bitte gib auf dich acht“, sagte sie leise. Dieser nickte, packte Sisilia einfach, schlang seine Arme um sie und gab ihr einen Kuss. Es war so überraschend, dass sie sich nicht wehrte, aber wahrscheinlich hätte sie sich auch nicht gewehrt, wenn sie es vorher gewusst oder erahnt hätte.
„Viel Glück“, flüsterte sie noch leise, als er sie wieder losließ.
„Du wirst mir Glück bringen“, gab er ebenso zurück, dann verließ er, ihr noch mal zuzwinkernd, das Schloss.
Nun merkte sie, dass sie sehr angespannt war. Charlie war unterwegs zu diesem Drachen, Harry starrte nachdenklich ins Leere, während seine Freunde heftig diskutierten und ihre Gedanken wanderten zu Severus.
War er mit da draußen? Wartete er neben Voldemort darauf, dass Harry herauskam? Würde er mit den andern das Schloss stürmen, wenn der Dunkle Lord es befehlen würde?
Sie spürte einen heftigen Schmerz in der Brust. Sie würde das nicht können. Spätestens dann würde sie zusammenbrechen und diesem Monster nicht mehr vorspielen können, auf seiner Seite zu sein. Sie wollte mit Severus nicht tauschen müssen. Es war erstaunlich, wie er das überhaupt die ganze Zeit ertragen konnte.
Sisilia wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Remus eine Hand auf ihre Schulter legte und sie ansprach.
„Gehst du mit den Schülern oder bleibst du hier?“, wollte er von ihr wissen.
„Ich bleibe!“
„Gut. Sobald alle weg sind, die hier nichts zu suchen haben, gehen wir raus. Hagrid versucht seinen Bruder herzubringen. Zwar weiß ich nicht, ob die beiden überhaupt eine Chance haben, im Fall des Falles die Riesen irgendwie aufzuhalten, aber wir brauchen jeden Mann, den wir bekommen können. Und wenn Charlie den Drachen wirklich lenken kann, dann haben wir schon mal eine gute Waffe.“
„Ich hoffe, dass sie das beeindrucken wird“, sagte Sisilia leise und hatte dennoch verdammt große Angst, egal wie sie es drehte oder wendete.
Nach einigen Minuten trat Professor McGonagall zu ihnen und verkündete, dass die Schüler alle das Schloss verlassen hatten und von Professor Sprout und Professor Flitwick in die Berge geführt wurden.
Erschrocken fuhr Sisilia herum, als noch mehr Leute die Stufen nach unten kamen. Es waren Auroren, die ebenfalls informiert worden waren und den Kamin im Schulleiterbüro benutzt hatten, um ins Schloss zu gelangen.
Dennoch war es fast lächerlich, diese Handvoll Menschen, gegen die gewaltige Armee, die dort draußen auf sie wartete.
Kingsley informierte seine Leute, darunter war auch Tonks, die sehr nervös wirkte, und als Remus sie am Arm packte und etwas zur Seite zog, begannen sie heftig zu diskutieren. Sisilia wollte nicht lauschen, doch sie bekam mit, dass es Remus nicht gefiel, dass sie hier war, und deutete mehrmals auch auf ihren Bauch. Sie war doch nicht etwa … Da fiel ihr der Spruch von Sirius ein.
‚Sag Remus, er soll seinem Sohn einen anständigen Namen aussuchen, weil dieser ja sein Leben lang damit rumlaufen muss.’
Tonks war schwanger und deshalb regte sich Remus auch so auf, dass sie hier war. Ja, das musste es sein. Doch Tonks ließ sich nicht überreden, sie bestand darauf, hier zu bleiben. Sie war Auror und sie würde hier ihre Arbeit tun, wie alle andern auch, verkündete sie lautstark. Remus blieb nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren, verdonnerte sie aber dazu, hinten zu bleiben und auf keinen Fall in der ersten Reihe zu stehen. Schnaubend stimmte sie schließlich zu und Remus kam zu ihnen zurück.
„Wo ist Harry?“, fragte er sich umsehend.
Auch Sisilia sah sich um, denn Harry hatte doch gerade noch neben ihr gestanden.
Noch bevor sie etwas sagen konnte, fluchte Remus auf und war sofort neben Kingsley und berichtete ihm von Harrys Verschwinden. Dass dieser sehr wütend auffluchte, bekam Sisilia nicht mehr wirklich mit, denn sie war, vermutend, dass Harry sich alleine Voldemort stellen wollte, zur Türe gelaufen, war hinausgeschlüpft und rannte die Stufen nach unten. Noch im Rennen verwandelte sie sich in eine Eule, flog hoch und suchte die Gegend ab. Sie brauchte nicht lange, bis sie Harry ausmachte, der mit zielsicherem Schritt den Verbotenen Wald ansteuerte, wo noch immer die Todesser warteten, wobei sie in kleinen Gruppen zusammenstanden und leise miteinander flüsterten.
„Da kommt jemand“, verkündete schließlich eine dunkle Reibeisenstimme und alle drehten sich um, Harry entgegenstarrend.
Eine große Gestalt löste sich aus der Gruppe, seine Maske schimmerte silbergrau und seine Kapuze hing tief in sein Gesicht, als er sich links neben den Dunklen Lord aufbaute.
„Er ist tatsächlich gekommen. Wer hätte das gedacht“, erklärte er mit melodiöser, fast sarkastischer, aalglatter Stimme und zog schließlich die Maske und die Kapuze vom Kopf.
Lucius Malfoy!
Er war blass, hatte leicht eingefallene Wangen und seine Haar, dessen Farbe stumpf wirkte, hing nicht so gepflegt, wie man es sonst von ihm kannte, an seinem Kopf herunter. Askaban schien ihm nicht wirklich bekommen zu sein.
„Genauso wie Severus es vorher gesagt hat.“ Auch diese Stimme löste in Sisilia eine Gänsehaut aus. Sie klang hoch und eiskalt. Berechnend war nicht nur ihr Ton, sondern auch der Blick der Person, welche die Worte ausgesprochen hatte. Und diese winkte mit einer knappen Handbewegung einen weiteren Mann, zu sich heran.
Auch dieser war groß, doch viel hagerer, als Lucius. Fast hätte Sisilia laut aufgeschrieen, als dieser sich neben Voldemort stellend, ebenfalls die Maske vom Gesicht zog und sie in das ihr so vertraute Gesicht von Severus blickte.
„Ich habe doch von Anfang an gesagt, dass er alles tun würde, um seine Freunde zu schützen“, erklärte er selbstzufrieden und warf Lucius einen ‚hab ich’s dir nicht gesagt’ Blick zu.
„Ja, er ist nicht anders, als alle die andern gefühlskranken Narren“, antwortete der Lord und lachte auf, wobei sein hohes Lachen im Wald widerzuhallen schien und dort auch ein paar Vögel von den Bäumen aufjagte und davon fliegen ließ.
„Hier bin ich. Es wird Zeit, dass wir das ein für alle Mal klären, Voldemort“, verkündete Harry mit fester, ruhiger Stimme und baute sich drei Meter vor den drei Männern auf. Er warf allen einen bösen, drohenden Blick zu, doch an Severus Augen, blieb er am längsten hängen.
Sisilia war es, als würde Harry ihm ein stummes Versprechen geben. Das Versprechen mit ihm wegen Dumbledores Tod abzurechnen, nachdem er Voldemort in die Hölle geschickt hatte.
Severus entgegnete dem Blick mit undurchdringlicher Miene. Seine Augen wirkten in dem Moment so gefühllos und kalt, dass sogar Sisilia für einen Moment nicht mehr sicher war, ob sie sich nicht in ihm getäuscht hatte. Doch dann schüttelte sie heftig den Kopf. Nein! Sie war sich sicher, dass Severus auf ihrer und Harrys Seite stand. Sie vertraute ihm, denn sie liebte ihn. Wieder mischte sich Angst in ihre Gefühle und sie konnte kaum mehr sagen, wovor die Angst am größten war.
In dem Moment wurde sie durch ein Geräusch aus ihren Gedanken gerissen. Es kam vom Schloss oben her. Sie wendete den gefiederten Kopf und blickte durch das Laub, von dem Baum aus, auf dem sie saß, und sah die kleine entschlossene Gruppe auf sich zukommen, die bereit war, sich Voldemort und seinen Anhängern zu stellen.
Doch auch aus dem Verbotenen Wald kamen nun Geräusche. Immer mehr Gestalten traten auf die kleine Lichtung vor den Bäumen und scharten sich hinter den Todessern zu Gruppen zusammen. Viele verwahrloste Männer und auch einige Frauen zählte Sisilia und zuckte erneut heftig zusammen, als ein Geräusch, wie berstendes Holz an ihre Ohren gelangte.
Auch die Riesen traten aus dem Wald heraus, so als hätte sie jemand im selben Moment gerufen.
„Nun, Harry Potter? Bereit zu sterben?“, fragte die hohe Stimme in die ansonsten spannungsgeladene Stille hinein. Der Mann in dem dunklen Gewand, eingerahmt von Lucius und Severus, blickte Harry, mit seinen roten Augen und seiner schlangenartigen Nase siegessicher an. Er schien überhaupt keine Angst zu haben, dass nicht Harry, sondern er der Unterlegene in diesen Kampf sein könnte.
„Ich bin bereit. Doch werde ich dich mitnehmen“, gab Harry zischend zurück und blickte auf die Schlange, die nun zwischen Voldemorts Füßen und denen der andern beiden Männer umher kroch, Harry nicht aus den Augen lassen, in der Hoffnung, dass dieser ihre nächste Mahlzeit sein würde. Nur schwach funkelten ab und an die Edelsteine an Naginis Schwanzspitze auf, die diese Schlange so unverkennbar und zu etwas ganz Besonderen machten.
Doch noch etwas machte diese Schlange zu etwas Besonderem.
Harry war sich sicher, dass diese, das jetzt letzte, noch existierende Horcrux war. Das bedeutete, zuerst musste die Schlange vernichtet werden, vorher würde Harry Voldemort nicht töten können.
Die kleine Truppe vom Schloss war nun schon auf wenige hundert Meter an sie herangekommen und als Harry an den Blicken der Todesser erkannte, dass er wohl nicht mehr alleine hier war, drehte er den Kopf und sah auch kurz zurück.
„Bleibt stehen. Das ist eine Sache zwischen mir und Voldemort. Es muss kein weiteres Blut vergossen werden, wenn wir das unter uns regeln.“
Kingsley hob den Arm und stoppte die Gruppe, die sich stattdessen etwas weiter auseinander fächerte und die Todesser, wie die andern Menschen und Wesen argwöhnisch betrachteten. Alle hatten nun ihre Zauberstäbe in der Hand und ihre Augen fixierten die ihrer Gegner.
„Harry Potter, der Held, der sich für seine Freunde opfern will. Wie edel.“ Voldemorts Stimme klang höhnisch, ja förmlich sarkastisch, als wollte er Harry sagen, dass auch sein Opfer ihn nicht aufhalten würde.
Harry mit seinen roten Augen musternd, hob er die Hand mit dem Zauberstab und richtete sie ihm entgegen. Auch Harry riss seine Hand mit dem Stab hoch und nun deutete die Spitze seines Zauberstabes auf Voldemorts Brust. Doch das schien den Dunklen nicht zu beeindrucken, stattdessen löste er sich aus der kleinen Gruppe und ging ein paar Schritte auf Harry zu.
„Bringen wir es zu Ende, Harry Potter. Ich bin es leid. Zuerst werde ich dich töten, dann werden meine Leute deine Freunde umbringen, sollten sie sich weiterhin gegen mich stellen. Und ich werde zusehen, wie sie alle, einer nach dem anderen sterben und dir in den Tod folgen.“
In dem Moment bewegte sich Snape und machte einen Schritt nach vorn. Auch Voldemort nahm die Bewegung wahr, sie schien ihn zu irritieren, doch machte er nur eine knappe Handbewegung, die Snape stoppen sollte. Dieser hielt auch inne, doch wandte er sich an Harry.
„Mit den Brüderzauberstäben, haben Sie nie eine Chance, Potter!“, warnte er ihn und deutete auf Harrys Zauberstab.
Voldemort stieß ein gefährliches Zischen aus, wirbelte herum entriss Lucius seinen Stab und richtete diesen auf den immer noch verdutzten Harry Potter.
Doch genau in diesem Moment passierten mehrere Dinge auf einmal.
Neben Harry erschien eine Gestalt aus dem nichts. Sie trug einen langen hellen silbergrauen Umhang und gleich nachdem der Mann sich mit einer Hand die Kapuze vom Kopf gerissen hatte, warf er Harry seinen Zauberstab zu, der ihn reflexartig auffing wie einen Schnatz, den er beim Quidditch fing.
Doch nicht das Erscheinen des Mannes alleine, ließ alle … wirklich alle, bis auf einen Mann - was in dem Moment aber keiner registrierte -, hier anwesenden Kreaturen erstarren. Diesen Moment nutzte der alte, schon längst tot geglaubte Weißhaarige aus.
„Harry, das ist deine Chance“, rief Albus Dumbledore ihm zu und wandte sich dann an Snape.
„Severus, die Schlange! Du musst sie töten“, wies er den ehemaligen Lehrer an, der sofort, ohne zu fragen seinen Zauberstab auf diese richtete.
Doch die Schlange hatte wohl die Gefahr erahnt, oder hatte Voldemort ihr einen Befehl auf Parsel gegeben? Sie richtete sich vor dem schwarzgekleideten Mann auf, zischte mit der gespaltenen Zunge und zeigte ihre spitzigen scharfen Zähne, die sie eine Sekunde später in Severus Seite stieß. Der Schmerz musste höllisch sein, dennoch drang nicht mehr als ein ersticktes Keuchen aus seinem Mund. Mit schmerzverzerrtem Gesicht richtete er seinen Zauberstab auf das Tier, dessen Zähne sich immer noch in sein Fleisch bohrten. Ein dunkelroter, nach außen hin gelber werdender Feuerstrahl schoss aus seinem Stab hervor und umschloss den Körper der Schlange, die sich noch versuchte von Snape loszumachen, um dem tödlichen Fluch zu entkommen.
Ein lauter, schriller und sehr wütender Aufschrei klang in dem Moment über das Gelände und mit einem teuflischen Blick, wandte Voldemort sich jetzt Harry zu.
„Erst werde ich vollenden, was ich vor 17 Jahren begonnen habe, dann ist der alte Mann dran“, zischte er und jagte einen Fluch auf Harry, der diesen aber geschickt abwehrte.
Der Aufschrei von Voldemort riss Sisilia aus ihrer Schreckensstarre. Sie stieß sich ab und flog von dem Baum herunter, wo sie schließlich zwischen ihrem Großonkel und Severus landete, sich dann sofort zurückverwandelte und im selben Moment neben Snape war, als dessen Knie nachgaben und er keuchend auf dem Boden sank.
Sie bekam nur am Rande den erbitterten Kampf mit, den sich Harry Potter und Voldemort lieferten. Sie selber zog Severus in ihre Arme und begann seine Jacke zu öffnen. Sie musste ihm helfen, so schnell wie möglich.
„Was tust du?“, keuchte er leise und sah zu ihr hinauf, den Kopf in ihrem Schoß gebettet.
„Die Jacke öffnen, ich muss die Blutung stillen. Dann bring ich dich in den Krankenflügel.“
Doch Severus fing ihre Hand ein und hielt sie auf. Er schüttelte kaum merklich den Kopf. „Ich habe bereits viel zu viel von dem Gift der Schlange in meinem Körper. Du … kannst nichts mehr tun. Ich konnte Nagini nur so töten, weil nur in dem Moment, wenn sie zubiss, der Schutzzauber von Voldemort, den er auf sie gelegt hatte, nicht mehr wirkte.“
„Nein, das … kann nicht sein. Wir werden dir helfen. Albus ist der größte Magier der Zeit, er wird dich retten, so wie du ihn gerettet hast.“ Sie entwand ihm ihre Hand und öffnete die Jacke, die sie dann einfach zur Seite schob. Das Hemd darunter war blutdurchtränkt und die Wunde sah noch schlimmer aus, als sie zuerst gedacht hatte. Nagini hatte ihm das Fleisch förmlich herausgerissen und schubweise, im Takt, wie sein Herz schlug, quoll neues Blut aus der Wunde. Hektisch presste sie die Hand darauf, wollte damit den Blutverlust aufhalten.
Hinter ihr fand ein heftiger Kampf statt und weder Voldemort noch Harry, waren bereit klein bei zu geben.
„Harry wird es schaffen. Er muss es schaffen. Denn sonst wäre alles umsonst gewesen“, flüsterte Severus leise und Sisilia merkte bereits, wie ihm die Kräfte weiter schwanden.
Sie hatte sich so auf Severus konzentriert, dass sie nicht mitbekam, dass Harry und Voldemort sich von ihnen entfernt hatten. Auch nicht, dass die anderen Todesser sich in den Kampf mit eingemischt hatten, und auch nicht, dass eine Gruppe von Schülern, angeführt von Neville Longbottom den Auroren und den Ordensmitgliedern zur Hilfe kamen.
Die DA. Dumbledores Armee.
Charlie, der wohl den Kampflärm gehört hatte, war auch ohne das Signal mit dem Drachen aufgebrochen und das keine Sekunde zu spät, denn die Riesen, rannten aus dem Wald und wollten den Anhängern des Lords helfen. Aber der Drache trieb sie mit seinem heißen langen Feuerstrahl, immer wieder zurück in den Wald.
Selbst die von Albus Dumbledore gerufenen Zentauren, die den Todessern in den Rücken fielen, bemerkte sie nicht.
Hätte Dumbledore nicht mit Hilfe eines Zauberstabes, den er einem Toten abgenommen hatte, einen Schild um die beiden aufgebaut, hätte der eine oder andere verirrte Fluch, die zwei Menschen mit Sicherheit getroffen.
Sisilia riss das Hemd von Severus auf, richtete ihren Zauberstab auf die Wunde und versuchte sie zu schließen, wenigstens soweit, dass er nicht noch mehr Blut verlor und mit der Zeit gelang es ihr auch. Severus hingegen ließ sie machen, er beobachtete ihr Gesicht, blickte in ihre grünen Augen und auch, wenn er wusste, dass er die nächste Stunde nicht überleben würde, lächelte er.
Heftig atmend sah sie ihn wieder an, sah in seine dunklen Augen, die sie so sehr faszinierten.
„Küss mich, Sil. Küss mich noch einmal“, flüsterte er. Sie war immer noch den Tränen nah, tief in sich drin, wusste sie, dass er sterben würde, auch wenn ihr Herz und ihr Verstand sich weigerten, das zu akzeptieren. Zitternd neigte sie sich zu ihm hinunter und küsste ihn, was sie vorsichtig tat. Er hingegen schob eine Hand in ihren Nacken und zog sie fester zu sich herunter, presste seine Lippen fordernder auf die Ihren und stahl ihr diesen letzten, wunderbaren Kuss. Entkräftet ließ er sie dann los und sein Kopf sank wieder in ihren Schoß zurück.
„Hello darkness my old Friend, … I’ve come to talk to you again”, begann er leise und sichtlich heißer zu singen. Dann wurde sein Körper von Kämpfen geschüttelt, ausgelöst durch das Gift der Schlange. Dennoch lächelte er weiterhin Sisilia zu.
„Diesmal werde ich wohl meinen alten Freund begleiten. Sil …“, er begann zu husten und verzog für einen Moment unter Schmerzen das Gesicht. „Danke, danke dafür, dass du mich gelehrt hast, was wirkliche Liebe ist.“ Seine Finger glitten sanft über ihre Wange, wischten ihr die Tränen aus dem Gesicht, die sie nun nicht länger hatte zurückhalten können.
„Weine nicht, mein Sonnenschein. Du … warst das Beste, was mir je passiert ist und … hab keine Angst. Ich … hab auch keine mehr. Um die Worte deines Onkels zu gebrauchen. Der Tod ist nur eine Reise zu neuen Abenteuern, in einer andern Welt.“
Nun war es mit Sisilias Beherrschung vorbei. Dass hinter ihr die Menschen aufjubelten, einige Todesser die Flucht ergriffen, weil Harry ihren Meister diesmal endgültig besiegt hatte, drang nicht in ihr Bewusstsein vor. Doch Severus merkte es … sein Mal auf dem linken Unterarm … es hatte aufgehört zu brennen. In dem Moment, als Lord Voldemort seinen letzten Atemzug getan hatte.
„Es ist vorbei. Er hat es geschafft. Die Welt kann von nun an in Frieden leben“, flüsterte er kaum hörbar.
„Ich liebe dich.“
„Ich … liebe … dich.“ Seine Worte waren nur noch ein Hauchen, dann schloss er das letzte Mal die Augen und sein Körper erschlaffte ganz in ihren Armen.
„Nein! Nein … Severus. Lass mich hier nicht so zurück. Das kannst du nicht machen.“ Sie begann ihn verzweifelt zu schütteln, doch er reagierte nicht mehr. Er war tot, war von ihr gegangen, hatte sie einfach alleine zurückgelassen. Vom Schmerz überrollt, zog sie ihn erneut in ihre Arme und hielt ihn fest. Sie begann sich mit ihm hin und her zu wiegen, wie eine Mutter, die ihr Kind im Arm wiegte, bis sie irgendwann eine Hand auf ihrer Schulter spürte, was sie heftig zusammenzucken ließ.
„Sisilia, es ist vorbei“, sagte Albus leise, kniete sich neben sie und versuchte ihr den toten Körper mit seiner gesunden linken Hand aus den Armen zu ziehen. Doch sie klammerte sich immer noch an ihn, wollte es einfach nicht wahrhaben, wollte den Schmerz nicht fühlen, und schüttelte nur heftig den Kopf.
Dann trat noch eine Gestalt neben sie.
Charlie.
Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und zwang sie dazu, ihn anzusehen.
„Ich habe es schon lange geahnt, dass du ihn liebst. Irgendwie wusste ich es. Sis… Ich denke er hat jetzt seinen Frieden verdient. Lass ihn … gehen, Kleines. Um deinet und seinet Willen. Lass ihn gehen!“
„Ich kann nicht … Ich kann nicht.“
„Doch du kannst. Sis. Es ist vorbei. Harry hat den Lord besiegt und der Krieg ist vorbei. Genau das war es, was Snape doch wollte. Er wollte helfen, dass Harry tun konnte, was dieser tun musste.“
Albus Dumbledore entzog Sisilia nun den toten Körper sanft und legte ihn vorsichtig auf dem Boden vor sich ab.
„Er war der mutigste und tapferste Mann, den ich kannte. Er hat einmal in seinem Leben einen fürchterlichen Fehler gemacht und dafür den Rest seines Lebens gebüßt. Er hat seine Schuld mehr als beglichen. Auch wenn ich mir für ihn gewünscht hätte, dass er auch noch ein glückliches Leben ohne Schuld hätte führen können. Aber eines ist klar. Er war am Ende glücklich. Glücklich durch dich mein Kind.“
Dumbledores Stimme hatte so etwas Vertrautes, etwas Tröstendes, so dass sie schließlich nickte und sich von Charlie aufhelfen ließ. Noch einmal ging ihr Blick zu Severus, sie wollte sich erneut aus einem Impuls heraus neben ihn werfen, doch Albus, sowie Charlie hielten sie davon ab und führten sie schließlich ins Schloss zurück.
Alle wollten von dem ehemaligen Schulleiter eine Erklärung haben, doch dieser bat sich Zeit aus. Er versprach später in die Große Halle zu kommen und ihnen alles Nötige und Wichtige erzählen.
Charlie und Albus führten Sisilia hinauf in ihr Zimmer. Ein Hauself brachte auf Albus Dumbledores Befehl hin eine Kanne Tee und als Sisilia neben Charlie, der seinen Arm um ihre Schulter gelegt hatte, auf dem Sofa saß und sie an dem Tee nippte, setzte sich Dumbledore ihnen gegenüber.
„Was ist mit Severus Leichnam“, fragte sie schließlich mit schwacher Stimme in die Stille hinein.
„Keine Sorge, es wird sich jemand um ihn kümmern.“ Dumbledore blickte seine Großnichte einen Moment sehr besorgt an. „Dir geht es gut?“
„Ich … weiß nicht. Wie soll es einem gehen, dem das Herz aus dem Leib gerissen wurde“, sagte sie leise und starrte wieder in die Teetasse, doch dann sah sie auf. „Wirst du mir sagen, warum du alle in dem Glauben gelassen hast, dass du tot bist? Warum alle denken sollten, dass Sev dich ermordet hat?“
Ihre Frage war direkt und klang fast wie eine Anschuldigung.
„Ich denke, ich bin nicht nur dir eine Antwort schuldig, sondern allen. Sisilia, ich hatte mit Severus das Ganze abgesprochen. Es war alles geplant.
Ich wusste das ganze letzte Schuljahr über schon, dass jemand immer wieder versuchte, mich zu töten. Ich hatte einige Vermutungen, wovon eine sich schließlich bestätigt hatte. Ich hatte Severus gebeten, mich zu töten, wenn es notwendig werden würde. Na ja, so zu tun, als ob.
Wie du ja weißt, wirkt ein Todesfluch nur, wenn man es wirklich so meint.
Auf dem Turm war ich von Draco entwaffnet worden. Er hatte den Auftrag mich zu töten. Diese Last, diese Bürde war zu viel für den Jungen. Die Maulende Myrte hatte mir schließlich von den Gesprächen erzählt, die Draco Malfoy mit ihr geführt hatte. Ich wusste, er würde es nie tun können und der Lord würde den Jungen dafür büßen lassen. So fasste ich den Entschluss und bat Severus um seine Hilfe. Zuerst erklärte er sich bereit, doch irgendwann wurde ihm bewusst, was für Auswirkungen diese Tat auf ihn und sein Leben haben würde, er wollte es nicht mehr, doch ich ließ ihm keine andere Wahl, ich zwang ihn sein Versprechen, das er mir am Anfang gegeben hatte, zu halten.
Er war der Einzige, der gewusst hatte, dass ich noch lebe. Auch wenn ich meinen Tod so theatralisch inszeniert hatte, dass sogar er am Anfang glaubte, ich wäre wirklich gestorben. Ich stürzte ja, wie du weißt vom Turm. Doch wartete Fawks auf mich, der mich auffing und verhinderte, dass mein Körper am Boden zerschellte. Auch heilte er mich von dem Gift, das in meinen Adern floss. Ich bekam davon nichts mit, da ich das Bewusstsein verloren hatte. Alle die mich später unten am Fuß des Turmes liegen sahen, glaubten natürlich, dass ich nicht mehr lebte. Und so auch Severus. Er glaubte, dass etwas schiefgelaufen war, dass er einen Fehler gemacht hatte.
Das war wohl gerade die Zeit, als du ihn das erste Mal getroffen hast, wie er mir später berichtete. Du erinnerst dich sicher, dass er sich hatte gehen lassen, dass er fast schon aufgegeben hatte? Nun ja. Ich setzte mich mit ihm dann in Verbindung und von da an … nun du weißt es ja selber.
Zu Beginn war ich nicht wirklich erfreut, dass du gerade jetzt nach England zurückgekommen warst. Aber nachdem du Harry angeboten hattest, in das Gästehaus zu ziehen, war ich mehr als froh darüber. So konnte ich über euch beide wachen und dich auch ab und an auf Harry ansetzen, um ein Auge auf ihn zu haben. Deshalb wollte ich dich auch damals treffen. Weißt du noch auf der Klippe?“
„Auf der Klippe?“, fragte sie jetzt überrascht nach, nachdem sie ihm bei seiner Ausführung genau zugehört hatte. „Aber dort war doch nur Sev …“, dann weiteten sich ihre Augen. „Du warst das? Du hast seine Gestalt angenommen?“
Jetzt huschte kurz ein sanftes Lächeln über das Gesicht des alten Mannes, der den Ärmel seines Umhangs wieder ein Stück weiter über seinen schwarzen Arm zog, um diesen zu verbergen.
„Das war nicht das einzige Mal, dass ich das Gespräch mit dir gesucht hatte. Und es fiel mir weiß Gott nicht immer leicht, dich nicht einfach in meine Arme zu schließen und dir zu sagen, wer ich wirklich bin. Einmal musste ich mir auch einen Trick einfallen lassen, wie ich in dein Haus kam, denn nur Severus konnte es ja betreten. Aber meine alten Gehirnzellen hatten sogar eine Idee, auf die du zu meinem Glück hereingefallen bist.“
Jetzt wurde Sisilia etwas verlegen und ihre Gedanken rasten wie ein Wirbelwind. Wie oft war ihr Großonkel in der Gestalt Severus bei ihr gewesen? Was hatte er mitbekommen von ihnen beiden? Sie zupfte nervös an ihrem Rock herum.
„Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich irgendwann dahinter kam, dass du und er … dass ihr beide Gefühle füreinander entwickelt hattet. Doch einmal, nach einer sehr … stürmischen Begrüßung von dir, die ich wohl sehr distanziert erwidert hatte, bat ich Severus um Aufklärung.“
„Dann warst du auch der vierte Mann, der mit Großvater, Harry und mir den Fidelius auf mein Haus gelegt hat?“
Der alte Mann nickte und lächelte leicht.
„Du hast mir Informationen über die Bilder zukommen lassen, und du hast auch das Bild von Harrys Eltern und dir ins Haus geschmuggelt?“
Wieder ein Nicken von Dumbledore, der kurz auch zu Charlie blickte, der einfach nur da saß und den beiden bei ihrem Gespräch folgte.
„Und Severus Einbruch in Hogwarts …“
„Nein, das war seine Idee. Ich war zu Anfang nicht wirklich begeistert davon, doch er hat mich schließlich überzeugt und recht gehabt. Der Plan ging ganz und gar auf. Doch die Idee mit der Katze, die kam von mir und kostete mich auch eine Menge Überredungskunst, aber ich denke am Ende war er mehr als froh, diesen Vorschlag durchgeführt zu haben, denn so konnte er auf dich aufpassen und in deiner Nähe sein.“
„Er war diese schwarze Katze?“, hakte Charlie nach, dem nicht nur ein Licht, sondern ein ganzer Kerzenleuchter aufzugehen schien.
„Deshalb war es auch möglich, dass Snape und die Katze gleichzeitig auf meinem Sofa saßen. Du warst er und er war eine Katze. Deshalb legte er sich auf deinen Schoß und ließ sich von dir kraulen.“
„Ja, das ist richtig. Auch damals, als ich dich in den Verbotenen Wald gebeten hatte. Ich hatte das getan, ohne mit Severus darüber zu reden, er war dir gefolgt, ist dir das aufgefallen?“
„Ich … stimmt ich hatte irgendwo in der Dunkelheit für einen Moment ein Augenpaar entdeckt gehabt.“
„Ja, das war Severus. Er … hat dich wirklich geliebt. Es gab davor nur einen Menschen, den er ebenso geliebt hatte. Eine Jugendliebe, die unter anderem durch seine Schuld ums Leben kam und auch der Grund war, warum er sich schließlich und endlich von Voldemort abgewendet hatte. Das Wissen über seine Gefühle war es, was mich dazu gebracht hatte, ihm zu vertrauen. Von Beginn an. Doch auch die Jahre der Loyalität, die er mir gegenüber bewiesen hatte, verstärkten mein Vertrauen und festigten sich in dem Moment, als er mir mein Leben gerettet hatte, das ich durch meine eigene Dummheit aufs Spiel gesetzt hatte.“ Sein Blick ging zu seinem schwarzen Arm. „Ein niedriger Preis, für ein paar weitere Monate Leben, findest du nicht?“
„Er hat den Tod verkorkt“, flüsterte Charlie jetzt und sein Blick wanderte von Albus Dumbledores Hand in dessen Gesicht.
„Ja. So kann man es wohl ausdrücken. Er war ein exzellenter Magier, der es sicher noch hätte weit bringen können, mit der richtigen Anleitung und vielleicht der richtigen Frau an seiner Seite? Ich habe ihn noch nie so glücklich gesehen, wie in den letzten Wochen, glaube mir.“
Die hellblauen Augen von Albus glänzten leicht, aber er versuchte seine Gefühle nicht zu verbergen. Er hatte das Gefühl, als hätte er einen guten Freund oder gar einen Sohn verloren.
„Severus Zauber wird nicht ewig halten. Es ist eher eine Art Aufschub, ein Geschenk um noch einige wichtige Dinge in meinem Leben zu ordnen, bevor ich mich auf die Reise in das nächste Leben begeben werde. Ich fürchte mich nicht davor. Im Gegenteil. Es steckt auch etwas Freude darin, weil ich dann hoffentlich die Menschen wieder sehen werde, die diese Reise schon vor mir antreten mussten.“
Keiner sagte daraufhin ein Wort und als Sisilia leicht zu zittern begann, zog Charlie sie vorsichtig in seine Arme und spendete ihr vorsichtig Trost.
Das tat er nicht nur an diesem Tag, nachdem Dumbledore sich verabschiedet hatte, um die andern unten in der Großen Halle zu informieren. Er tat es auch die nächsten Tage und Wochen. Er war immer an ihrer Seite, wenn sie jemanden brauchte, und gab ihr ihre Freiheiten, wenn sie danach verlangte.
Es gab einige Beerdigungen, von Freunden, die ihr Leben lassen mussten im Kampf gegen Voldemort und seine Leute. Doch keine war für Sisilia so hart und so schmerzvoll, wie die von Severus.
Sie selber hatte darauf bestanden alles zu organisieren, sogar die Hilfe ihres Onkels hatte sie abgelehnt. Nur Charlie durfte sie ab und an begleiten. Sie wählte den Ort, den Tag und auch den Grabstein mit seiner Inschrift, suchte sie selbst aus. Schwarzer Marmor, mit einer schwarzen Rose an der Seite. Schlicht, nicht zu auffällig.
Severus Snape
9. Januar 1960 – Mai 1997
Liebe
stärker als der Tod
erschafft sie wahre Helden
Das waren die Worte, die auf dem Grabstein standen. Menschen, die Bescheid wussten, wussten, was diese Worte sagen sollten.
Als dann auch diese Beerdigung vorbei war, die große Trauerfeier in Hogwarts in der Großen Halle beendet war, gingen Sisilia und Charlie über das Schlossgelände etwas spazieren.
„Du hast nach Severus Tod gesagt, dass du geahnt hattest, dass ich und er …“, fragte sie ihn schließlich direkt. Sie sprachen seit dem Endkampf immer offen und ehrlich miteinander, und jeder schien vom andern alle Geheimnisse zu kennen. Nun ja, fast alle.
„Ja. Ich weiß auch nicht. Du … hast mich immer nur bis zu einem gewissen Punkt an dich herangelassen und dann auf einmal wieder weggeschickt, wie jemand, der ein schlechtes Gewissen hatte. Dann Snapes Patronus, eure … Vertrautheit. Dein blindes Vertrauen in ihn. Ich … konnte mir einfach nicht vorstellen, dass du ihm so aus heiterem Himmel vertraust, vor allem, nachdem doch jeder glaubte, er hat deinen Großonkel getötet.“
„Ich war wohl sehr naiv, was?“, fragte sie mit einem sanften Lächeln.
„Nein, du warst verliebt, doch du konntest es gut verstecken.“
„Aber nicht vor dir.“
„Nein, nicht vor mir. Vielleicht weil ich …“
Nun blieb sie stehen und sah ihn an. Ihr Blick blieb an seinen Augen hängen. Sie waren so klar, so offen und sie konnte die Worte, die er nicht aussprach, so deutlich in ihnen lesen, als wären sie ein offenes Buch.
„Charlie … ich … auch ich habe Gefühle für dich. Die hatte ich schon vom ersten Tag an, auch wenn mir das erst jetzt bewusst wird, doch …“
„Ich habe schon verstanden. Mehr als Freundschaft wird wohl nie zwischen uns sein.“
„Würdest du mich vielleicht ausreden lassen, bevor du irgendwelche Schlüsse ziehst?“
Nun war sein Blick irritiert und unsicher, was ein Schmunzeln auf ihre Lippen zauberte.
„Charlie ich empfinde mehr für dich, als nur für einen Freund. Und wer weiß, vielleicht, wenn du weiterhin so hartnäckig bleibst …“
„Heißt das, ich darf weiter um dich werben? Willst du damit sagen, dass du dir vorstellen könntest, dass du und ich, dass wir … eventuell?“
Anstatt einer Antwort nahm sie sein Gesicht in ihre Hände und gab ihm einen sanften Kuss auf die Lippen.
Sein Blick war Gold wert. Zuerst runzelte er die Stirn und schien die Worte, die sie ihm gerade gesagt hatte noch einmal zu durchdenken, dann hellte sich sein Blick auf, seine Augen wurden groß und er zog sie an sich, um sie noch einmal zu küssen.
„Hey. Langsam mit den Pferden“, stoppte sie seinen Enthusiasmus etwas. „Ich … brauche noch ein bisschen Zeit.“
„Du bekommst alle Zeit der Welt, Sisilia. Alle Zeit der Welt. Doch dann werden wir heiraten und Kinder haben. Sagen wir zwei. Ich will keine ganz so große Familie, wie wir es bei mir zuhause waren, aber ein Kind ist zu …“
Nun stemmte Sisilia die Hände in die Hüften und sah Charlie warnend an.
„Charlie Weasley. Das ist ja schrecklich mit dir. Ich reiche dir den kleinen Finger und …“
„Und ich nehme mir gleich die ganze Frau“, beendete er den Satz und sah sie mit einem liebevollen unschuldigen Hundeblick an, der einen Stein erweichen lassen würde. „Böse?“
Das Lachen, das jetzt bis über den See zu hören war, war hell und wunderschön.
„Nein, Charlie. Dir kann niemand böse sein. Ganz sicher nicht.“
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Als ich das Buch las, sah ich es sofort vor mir. Für mich war klar, wie der Film aussehen würde.
Alfonso Cuarón über den dritten Harry-Potter-Film