
von johnprewett
Ich werd euch mal nicht so lange auf die Folter spannen. Es geht weiter. Hoffe, es gefällt euch.
Auf einmal war ein lauter Knall zu hören. Jemand hatte die Tür aufgesprengt und eine schwarzgekleidete Gestalt schoss herein. Die Überreste der Tür krachten zu Boden. Ennis wirbelte herum und griff nach seinem Zauberstab. Ein Kampf entbrannte. Hermine lag kraftlos da und konnte nur zusehen, wie sich die beiden duellierten. Blitze zuckten durch den Raum, prallten an den Wänden ab, schlugen das Mobiliar entzwei und ließen das Kaminfeuer aufflackern. Wie unter einer Ganzkörperklammer musste Hermine tatenlos mit ansehen, wie sich die beiden verbissen duellierten. Noch immer war sie an die Bettpfosten gefesselt.
Der Fremde gewann die Oberhand und Ennis ging mit einem Schockzauber belegt zu Boden. Ein länglicher Schnitt zierte sein Gesicht. Sein Zauberstab flog durch die Luft und der Fremde fing ihn geschickt auf. Mit einem Mal glaubte sie den Fremden zu kennen. Seile schossen wie aus dem Nichts hervor und fesselten Ennis. Dann wandte sich der Fremde ihr zu.
Es war die Person, die sie hinter dem Kamin gesehen hatte. Und jetzt erst erkannte sie ihn. Die in schwarz gekleidete Gestalt war niemand anderer gewesen als ihr Harry. Er hatte sich offenbar in dieser unscheinbaren Ecke versteckt, um den Raum gut überblicken zu können. Sie hätte sich ohrfeigen können, dass sie es nicht sofort erkannt hatte. Offensichtlich hatte er Ennis gesucht. Schnell war er bei ihr und schnitt ihre Fesseln entzwei. Dann nahm er sie in seine Arme.
„Hermine, was machst du denn hier?“ Seine Augen glitten über ihren Körper um sich zu vergewissern, dass sie nicht verletzt war. Seine Hand strich vorsichtig über ihre Wange. „Bist du verletzt?“
„Nein.“, sagte sie sie mit schwacher Stimme. „Es tut mir so leid, aber ich habe dich so vermisst. Ich wollte dich sehen.“ Hinter ihnen regte sich Ennis wieder.
„Du hättest sterben können. Weißt du, wer dieser Kerl ist? Das ist der, hinter dem ich die ganze Zeit her bin. Hat eine Vorliebe für schöne und attraktive Frauen. Nicht wahr, Tom?“
Harry stieß Ennis mit der Zehnspitze an. Hermine wurde ganz schwindlig bei dem Gedanken, was ihr beinahe passiert wäre. Um ein Haar wäre sie eine von Tom Ennis` Opfern geworden. Dass Harry sie beide gesehen hatte, war wohl der einzige Grund, weshalb sie noch am Leben war.
„Oh, Harry. Es tut mir so leid. Du hast mir das Leben gerettet.“ Sie küsste ihn zärtlich. „Aber warum hat das solange gedauert, bis du mich gefunden hast? Du hast mich doch mit ihm weggehen sehen.“
„Er sollte nicht merken, dass ich euch folge. Und ich wusste zuerst nicht, in welchem Zimmer ihr verschwunden ward. Und mir war klar, dass er einen Schweigezauber über den Raum gelegt haben musste.“
„Und wie hast du mich nun gefunden?“, fragte Hermine neugierig. Wie hatte er erkennen können, dass sie ausgerechnet in diesem Raum waren.
„Das Kaminfeuer. Der Schein drang durch den Türschlitz. Und da alle anderen Gäste unten waren und kein anderes Zimmer beheizt wurde, musstet ihr hier drinnen sein.“
„Aber was wäre gewesen, wenn er kein Feuer gemacht und sich einfach auf mich gestürzt hätte?“, fragte sie.
„Das war nicht sehr wahrscheinlich. Denn unser lieber Tom Ennis hier ist ein Gentleman. Wenn er tötet, dann mit Stil. Er wiegt eine Frau erst in Sicherheit und dann zeigt er sein wahres Gesicht.“
„Ich hatte solche Angst. Wenn du nicht rechtzeitig dagewesen wärst...“
„Shh. Ist schon gut, Hermine. Ich bin ja da.“
Er hielt sie in seinen Armen fest. Er würde nicht zulassen, dass jemand ihr wehtat. Niemals. Was er jetzt mehr als alles auf der Welt wollte, war, mit seiner Hermine alleine zu sein. Zu lange und zu oft hatte er sie alleine zurücklassen müssen.
Alles ging sehr schnell. Das schwedischen Zaubereiministerium wurde alarmiert und Tom Ennis abgeführt. Nachdem Harry Hermine erstmal auf sein Zimmer gebracht und sie beruhigt hatte, berichtete er seinen schwedischen Kollegen, was vorgefallen war. Erstaunt hörten sie ihm zu.
„Da hat ihre Verlobte ja noch mal Glück gehabt.“, sagte einer von ihnen, der offenbar der Einsatzleiter war. „Danke, Potter. Das schwedische Zaubereiministerium steht tief in ihrer Schuld.“
„Ach was. Das war doch selbstverständlich.“, sagte Harry wie nebenbei und schüttelte seinem Kollegen die Hand. „Vielleicht könnt ihr uns eines Tages ja mal weiterhelfen.“
„Sicher. Ich hab hier übrigens eine Nachricht ihres Ministeriums, Potter.“ Damit gab er Harry ein Stück Pergament. „Und das hier. Es lag bei seinen Sachen.“ Damit reichte er ihm einen kleinen Stoß Pergamente. „Gute Heimreise.“
Harry bedankte sich. Dann begleitete er die Auroren noch hinaus und sah, wie sie mit Tom Ennis im Schlepptau nach Stockholm disapparierten. Den letzten Blick jedoch, den Ennis ihm zuwarf, würde er sicher nicht vergessen. Etwas Merkwürdiges lag in seinen Augen. Als sie verschwunden waren, kehrte Harry in die Wärme zurück. Er stieg die Treppe hinauf und betrat sein Zimmer. Als er eintrat, sah er Hermine mit ihrem Mantel über den Schultern vor dem Kamin sitzen. Sie starrte stumm in die Flammen. Erst nach einigen Minuten sah sie erschrocken auf. Sie lächelte zaghaft. Harry schloss die Tür, setzte sich zu ihr und nahm sie in seine Arme. Sie legte den Kopf auf seine Schulter und schmiegte sich an ihn.
„Es ist vorbei.“, sagte er und küsste sie auf die Stirn.
„Ich habe wirklich gedacht, er bringt mich um.“ Sie sah zu ihm auf. „Was wird jetzt mit ihm geschehen?“
„Wir werden mit den Schweden über seine Auslieferung verhandeln. Wenn alles geklärt ist, wird er nach London überführt, wo ihm der Prozess gemacht wird. Und dann kommt er nach Askaban. Ich hoffe für den Rest seines Lebens.“
Hermine nickte. Sie fühlte seine Wärme. Seine Zärtlichkeit. Sie sah kurz auf den Boden, wo das Pergament lag, was Harry hatte fallen lassen, als er sie umarmte.
„Was ist das?“
„Eine Nachricht aus London.“, sagte Harry. „Sie gratulieren mir zu meinem Erfolg.“
„Du bist eben ein Held.“, hauchte sie.
„Ein gefährlicher Killer ist hinter Gittern und ich habe ganz Nebenbei die britisch-schwedischen Beziehungen verbessert. Sieht so aus, als würden wir in Zukunft enger zusammen arbeiten. Und ich freue mich schon auf ein wenig Schlaf.“ Er sah müde aus.
„Und die Belohnung?“, fragte Hermine.
„Die will ich nicht.“ Sie starrte ihn an.
„Aber Harry. Das sind fünfhundert Galleonen.“
„Ich habe genug Geld, um nicht arbeiten zu müssen. Und ich tue es trotzdem. Außerdem“, sagte er und küsste sie zärtlich auf die Wange „habe ich bereits alles, was ich will.“
Hermine sah ihn mit strahlenden Augen an. Sie zog ihn in einen leidenschaftlichen Kuss und steckte alles, was sie an Liebe für ihn aufbringen konnte, dort hinein. Sie liebte ihn so sehr. Mehr als alles andere auf der Welt. Als sie sich wieder voneinander lösten, sah sie ihm in die Augen und sah nichts als grenzenlose Liebe.
„Ohne dich hätte ich es nie geschafft.“, sagte er. Sie hob die Brauen.
„Wieso?“
„Naja, wenn du nicht gekommen wärst, dann wäre Ennis nie aus sich herausgekommen und ich hätte sicher Monaten warten müssen. Er hat eine Schwäche für attraktive Frauen wie dich. Und als er dich so sah, hat er seine Maske abgelegt und ich konnte zuschlagen. Ohne dich wäre mir das nie gelungen.“ Er nahm sie wieder in seine Arme. „Ich hatte solche Angst um dich. Und wenn er dich getötet hätte, dann hätte ich mir das nie verzeihen können. Mein Leben wäre nicht mehr lebenswert gewesen ohne dich.“ Hermine trieb es die Tränen in die Augen.
„Ich liebe dich, Harry.“, hauchte sie.
„Ich liebe dich auch.“ Er küsste sie und sie gab sich seiner Zärtlichkeit hin. Als sie sich wieder voneinander lösten, sah sie ihm in die Augen. Immer noch konnte er Furcht ich ihnen erkennen.
„Harry, ich will nach Hause.“ Beruhigend strich er über ihren Kopf und küsste sie auf die Stirn.
„Morgen, Hermine. Morgen werden wir nach Hause zurückkehren. Und dann lasse ich mich nicht mit einem einfachen Wochenende abspeisen.“
Gegen Abend, als Hermine eingeschlafen war, kehrte Harry in den Schankraum des Wirtshauses zurück, der nun fast leer war. Kurz sah er sich prüfend um. Dann wandte er sich den Pergamenten zu, die Tom Ennis zurückgelassen hatte. Er musste herausfinden, warum diese Pergamente so wichtig für Ennis waren. Denn ansonsten würde er sie sicher nicht mit sich herumtragen. Er besah sich das erste Blatt. Die Notizen waren mit einer säuberlichen Handschrift versehen. Er las sich alles aufmerksam durch.
Tabellen, Randnotizen und einige Zeichnungen, die offenbar einen menschlichen Schädel und einmal das Gehirn darzustellen schienen. Einiges war in Latein, einiges in einer Art Code geschrieben. Doch Harry brauchte kein Latein oder den Code zu entschlüsseln, um zu erahnen, was dort geschrieben stand. Mit jeder Zeile, die er lesen konnte, wurde er bleicher. Es war grauenvoll, was dieser Mensch, wenn man ihn denn als Menschen bezeichnen konnte, geschrieben hatte. Als Harry die Pergamente wieder niederlegte und vorsichtig einsteckte, wusste er alles. Er wusste nun, an was für einer grauenhaften Sache Ennis die ganze Zeit über gearbeitet hatte und noch arbeiten würde. So wie die Dinge standen, war er ein noch rücksichtsloserer Mörder, als er zunächst angenommen hatte.
Schließlich kehrte er zu seinem Zimmer zurück. Doch etwas sagte ihm, dass es noch nicht überstanden war. Er kannte Ennis gut genug um zu wissen, wie weit er gehen würde, um seine Aufzeichnungen wieder zu bekommen. Wenn er sich nicht täuschte, so hielt er in seinen Händen Ennis` Lebenswerk. Etwas, für das Ennis bereit wäre, alles zu tun.
Ihr denkt, hier ist schon Schluss? Weit gefehlt. Jetzt geht es erst so richtig los. Ihr werdet sehen. Aber vorher würde ich mich über ein paar Kommis freuen.
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