
von niobe87
Einen wunderschönen Tag, ihr Lieben!
Ich hoffe, ihr hattet eine schöne Woche.
Bei unserem Dreiergespann geht es heute ein wenig träger weiter.
Bisschen Kitsch muss ja auch mal sein (wobei ich nicht unbedingt Fan davon bin).
Ich wünsche euch ganz viel Spaß damit und danke Fwuuper und Gini für ihre Kommentare.
Sie gehen wie immer runter wie Öl...
So, jetzt aber los...
Kapitel 12 - Tränen
Auch in Verteidigung gegen die Dunkeln Künste hatte sich Harry von Draco sagen lassen, dass er bereits mehr wusste, als der jetzige Lehrer, Professor Samuel Ribb, der nach seiner Aurorenausbildung relativ jung nach Hogwarts gekommen war.
Harry hatte Draco darüber aufgeklärt, warum die Lehrer für Dunkle Künste nach einem Jahr immer wieder das Schloss verließen, starben oder auf wundersame Weise verschwanden und beide fragten sich, ob der Fluch nun aufgehoben war, nachdem Voldemort in der Hölle schmorrte und sich die Radieschen von unten besah.
Eigentlich war Professor Ribb ein innovativer, freundlicher Lehrer, der die Schüler experimentieren ließ (solange es den Rahmen nicht sprengte), sie zum Lernen animierte und Spaß am Unterricht vermittelte, doch er war immer noch jung, hatte im Krieg nicht direkt an der Seite der Auroren in Hogwarts gekämpft, sondern war einer der Köpfe, der an streng geheimen Operationen in der Mysteriumsabteilung arbeitete.
Er war ein strategisch agierender Typ, der wusste, was in den Köpfen der Einzelnen vorging und diese zu manipulieren wusste.
Und dennoch war er nicht der erfahrene Kämpfer, wie Harry es beispielsweise war.
Dieser hatte direkte Kampferfahrung gesammelt.
Okay, das war untertrieben.
Denn Voldemort gegenüber zutreten war mehr als Kampferfahrung.
Zwei Todesser in einem schmuddeligen Cafe zu entkommen, war Kampferfahrung.
Voldemort gegenüber zutreten, ihm mehrere Male zu entkommen, ihn zu besiegen, das war...
Das war einfach Harry.
Wer, in der Zaubererwelt, hätte das vollbringen können?
Kingsley Shackelbolt? Der jetzige Zauberereiminister? Ehemaliger Bewacher des Premierministers?
Sirius Black? Der Ungeduldige? Der durch seine Cousine den Tod fand?
Albus Dumbledore? Der Beschützer der Muggelgeborenen? Der Zauberer, dessen Schwäche darin bestand, nur das Gute in jedem Menschen zu sehen?
Hätte Albus Dumbledore Voldemort getötet?
Vermutlich nicht. Dumbledore hätte Voldemort büßen lassen, hätte ihn bereuen lassen.
Doch Harry hatte erkannt, was Dumbledore übersah und was alle anderen, die zu schwach waren oder zu feige, um ihm gegenüber zutreten, schon längst wussten.
Voldemort würde nie bereuen.
Und Voldemort übersah Kleinigkeiten, die von essenzieller Bedeutung waren.
Zum Beispiel die Liebe.
Die Liebe, die Harry am Leben erhielt, weil seine Mutter sich für ihn geopfert hatte.
Die Liebe, die Harry dazu bewog, nach Sirius zu suchen und letzten Endes dafür sorgte, die Prophezeiung vor Voldemorts Augen zu schützen.
Die Liebe, die Harry davor bewahrte, von Voldemort in Bestitz genommen zu werden.
Die Liebe, die Draco dazu brachte, Harry bedingungslos zu vertrauen, ihn selbst zu lieben, bis er selbst irgendwann in der Hölle schmoren würde, für das, was er getan hatte, für das, an das er geglaubt hatte.
"Du wirst niemals in der Hölle landen.", sagte Harry, als Draco einmal aussprach, was er dachte.
"Ich habe ihm gedient. Ich habe an diese Ideologien geglaubt. Ich hätte Dumbledore fast getötet.", antwortete Draco, nachdem er einige Minuten schweigend aus dem Fenster gesehen hatte.
"Das ist genau der springende Punkt, Baby.", antwortete Harry. "Du hättest es fast getan. Aber du hast es nicht. Dumbledore hat mir einmal erklärt, dass es nicht darauf ankommt, wer wir sind oder wo wir herkommen, sondern dass unsere Entscheidungen bestimmen, was wir sind."
Draco schnaubte.
"Du hättest Dumbledore töten können. Aber du hast es nicht getan.", flüsterte Harry und küsste Draco so zärtlich, als würde er Dankbarkeit ausdrücken wollen.
"Aber nur, weil Dumbeldore gesagt hat, dass wir, meine Familie und ich, sicheren Unterschlupf bekommen könnten. Es ging nicht um das Kämpfen auf der richtigen Seite, um das Kämpfen gegen Voldemort. Das war Selbstschutz."
"Du wolltest deine Familie schützen.", sagte Harry leise. "Ich hätte wer weiß was getan, um meine Eltern zu schützen. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, meine Familie vor ihrem Schicksal zu bewahren, sie an meiner Seite zu wissen..."
Harry stoppte.
Er wusste, dass dies eine Unmöglichkeit war. Er wusste, dass seine Eltern niemals zurückkehren würden. Doch hätte er die Möglichkeit, hätte er die Wahl, zu entscheiden, ob seine Eltern leben würden oder nicht, hätte selbst er sich einem Dämon, einem Untier unterworfen.
"Wie kannst du mich lieben, Harry?"
Perplex starrte Harry in seine geliebten sturmgrauen Augen, die besorgt und betrübt nach unten blickten.
"Selbstzweifel, Baby?", fragte Harry mit einem amüsierten Lächeln, was keineswegs abwertend klingen sollte. Er liebte Draco mit jeder Faser seines Körpers. Dass dieser an sich selbst zweifelte, machte ihn nur noch liebenswürdiger.
Sanft nahm er das Gesicht des Blonden in seine Hände und streichelte beruhigend mit dem Daumen über dessen Wangen bis hin zu den zartrosé-farbenen Lippen, doch noch immer konnte Draco ihn nicht ansehen.
"Manchmal...", flüsterte er.
Vorsichtig zog er ihn in seine Arme und blickte in scheu zurückblickende Gewitterwolken, die sich voller Sorge in Dracos Augen aufbauschten.
"Ich dachte, wir hatten daran gearbeitet?", wisperte Harry an Dracos Lippen, bevor er seine sachte darauf platzierte.
Draußen tobte ein wilder Sturm.
Große, schwere Regentropfen benetzten die Fenster in Harrys Schlafsaal und durch die alten Rahmen der Fenster und Türschlitze zog ein kalter Wind.
Schweigend lagen sie auf Harrys Bett und hatten sich in eine große, samtrote Decke gekuschelt.
Nachdem Harry sich wieder von Draco gelöst hatte, lehnte er sich an die Lehne des Bettes und schlug die Decke über Dracos Knie, die dieser, an Harrys Körper gelehnt, an die Brust gezogen hatte.
Mit der einen Hand hielt er die Stoffenden der Decke zusammen, um sie beide warm zu halten und mit der anderen Hand streichelte er unter Dracos Pullover beruhigend über dessen Bauch.
"Ich weiß...", hauchte Draco und lehnte sich enger an Harry, während er den Kopf zur Decke richtete, als wolle er um Kraft für sich selbst bitten.
Harry legte seinen Kopf auf Dracos Schulter und schnurrte leise.
"Ich helfe dir gern ein wenig auf die Sprünge.", sagte er und küsste die warme Haut des Blonden.
"Ich liebe dich, weil du mich sein lässt, wer ich bin.", begann er und küsste dessen Halsbeuge. "Ich liebe dich, weil du mir das Gefühl gibst, zu leben."
Er küsste sich am Hals entlang.
"Ich liebe dich, weil ich dir vertrauen kann. Ich liebe dich, weil du aufregend bist. Ich liebe dich, weil du mich vergessen lässt."
Sanft leckte er über das Ohrläppchen, dass er nun erreichte und ignorierte die Gänsehaut, die Draco erfasst hatte.
"Ich liebe dich, weil du mir jeden Tag eine neue Facette deines Lebens zeigst. Ich liebe dich, weil du mich an deinem Leben teilhaben lässt. Ich liebe dich, weil du mein Seelenverwandter bist."
Er blies die feuchte Spur auf Dracos Ohrläppchen hauchzart nach und löste somit ein leichtes Beben in Dracos Körper aus. Fester umschlang er ihn und neigte sich dann ganz nah an sein Ohr.
"Ich liebe dich, weil du mein Leben bist.", flüsterte er.
"Ich liebe dich, weil du du bist."
Als er geendet hatte, hatte er die Hand, die die Decke umklammerte, vorsichtig an Dracos Wange gelegt, um ihn endlich zu zwingen, Harry anzusehen.
Wieder umspielte seine Lippen ein zartes Lächeln, als er sah, dass die Gewitterwolken sich nun in großen Tränen über Dracos Lider entluden und Dracos Augen so aussahen, wie der Himmel draußen aussehen musste. Sturmgraue Wolke, die den Regen niederwarfen.
Er fing dessen Lippen zu einem erneuten, vorsichtigen Kuss ein.
Gedankenversunken streichelte er Dracos Hüfte, indem er immer wieder mit zwei Fingern über die erhitzte Haut strich.
Irgendwann lösten sie sich voneinander und Harry begann aus dem Fenster zu sehen und durch das Wirrwarr von Farben hindurch dachte er den See zu erkennen, wie der Regen große Blasen auf die Oberfläche schlug, wie er das Ufer überschwemmte, seine Lieblingseiche mit Feuchtigkeit überzog und die Browtuckels sich am Rande des Verbotenen Waldes unter den Tropfen schüttelten.
Von der Seite her konnte er erkennen, dass Draco die Augen geschlossen hatte. Er atmete ruhig und gleichmäßig.
Im Schlaf sah Draco immer unschuldig aus.
Wie ein Engel, der im Himmel auf einer flauschigen Wolke saß und stumm meditierte.
Harry könnte ihn ewig betrachten, wenn der Blonde schlief.
Wie auch jetzt, als er den Bick nicht von dessen Profil lösen konnte.
Als er auf eine Bewegung an der Tür aufmerksam wurde, hob er den Kopf und sah Ginny, die gerade den Schlafsaal betreten wollte.
Sie stoppte, als sie sah, wie Draco an Harrys Brust gekuschelt schlief und schaute unsicher zu ihrem Exfreund.
Dieser lächelte ihr warmherzig zu und stumm verstanden sie einander.
Langsam ging sie rückwärts wieder aus dem Raum und schloss die Tür lautlos hinter sich.
Ein paar Minuten später schloss Harry die Tür zum Schlafsaal hinter sich und betrat den Gryffindorgemeinschaftsraum.
Ginny saß auf der Couch direkt vor dem Kamin.
Einige Schüler saßen hier und da verteilt, machten Hausaufgaben, besprachen Quidditchtaktiken oder ließen sich über einzelne Unterrichtsstunden aus.
Er ging auf Ginny zu, die verträumt ins Feuer starrte und erst aufsah, als Harry direkt vor ihr stand.
"Hey...", flüsterte sie.
"Hey. Darf ich?"
Sie nickte, nahm ihre Beine, die sie auf die Couch gelegt hatte herunter und machte Platz für Harry, der sich neben sie setzte.
Eine Weile blickten sie stumm in die Flammen, die sich im Kamin nach oben schlängelten.
"Schläft er?", fragte Ginny.
Harry nickte.
"Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Vergangenheit ihn einholt."
"Das tut sie bei jedem von uns.", war die Antwort Seiten Ginnys.
Er legte einen Arm um ihre Schulter und zog sie an sich.
"Holt sie dich oft ein?", fragte Harry und sah wieder in die Flammen.
"Nur, wenn ich allein bin."
"Wie geht es George?", fragte er leise.
"Er hält sich am Leben, indem er all seine Kraft in den Laden steckt."
Harry nickte.
"Hast du etwas von Teddy gehört?", fragte Ginny nun Harry.
"Ja, es geht ihm gut. Er fühlt sich sehr wohl bei Dädalus."
Jetzt war es an Ginny zu nicken.
"Wie geht es dir, Ginny?", fuhr Harry fort.
"Ganz gut."
Eine kleine Pause entstand, weil Ginny sich ein wenig von ihm entfernte.
"Du lügst.", sagte er matt und resigniert.
Er sah in ihre Augen, suchte ihren Blick und wusste sofort, dass er recht hatte.
"Also, was ist los?"
"Ich...keine Ahnung. Irgendwie läuft alles aus dem Ruder."
"Geht es um Padma?"
Sie nickte.
"Sie ist...ich weiß nicht. So komisch in letzter Zeit. Ich glaube, sie betrügt mich."
Harry war etwas platt, angesichts dieser eher nüchternen Feststellung, konnte dann allerdings Tränen in Ginnys Augen glitzern sehen.
Wieder zog er sie an sich heran, doch sie stoppte ihn und wehrte ihn ab.
"Nicht Harry. Das ertrage ich jetzt nicht.", flüsterte sie, während eine einzelne Träne an ihrer Wange hinabrollte.
Sie wollte sie hastig wegwischen, doch Harry stoppte ihre Bewegung, indem er ihre Hand abfing und die Träne selbst wegwischte.
"Das wirst du müssen. Ich werde dich jetzt wohl kaum allein lassen.", antwortete er knapp.
Und dies schien alle Dämme in ihr brechen zu lassen.
Sie klammerte sich an sein Shirt und begann, haltlos zu schluchzen.
"Ich...Wie kann sie nur? Ich dachte, wir lieben uns.", jammerte sie gedämpft an Harrys Seite.
Harry war in dem Moment nicht so taktlos, um sie darauf hinzuweisen, dass sie das wohl am besten wissen müsste, weil sie selbst schon einmal zur Betrügerin geworden war.
"Ich weiß, das willst du vielleicht nicht hören, aber vielleicht ist sie unzufrieden.", sagte Harry und streichelte ihr behutsam über den Kopf.
"Aber warum denn nur? Ich versuche doch, ihr alles recht zu machen. Sie zufrieden zu stellen. Ihr alles zu geben, was sie will.", sagte sie brüchig. Noch immer ließen ihre Tränen nicht nach und Harry spürte, wie sie das Shirt durchweichten.
"Aber vielleicht ist es genau das, was sie unzufrieden macht. Vielleicht klammerst du zu sehr."
Sie schluchzte noch lauter auf und weinte, weinte, weinte...
Harry versuchte, sie so gut es ging, zu beruhigen und redete leise und aufmunternd auf sie ein.
Dann sah er Draco, der verschlafen die Treppe herunterkam und sich die Augen wischte.
Ihre Blicke trafen sich, lösten sich, Draco blickte auf Ginny und für den Bruchteil einer Sekunde zogen sie sich zu Schlitzen zusammen. Allerdings entspannten sie fast sofort wieder.
Müde schüttelte Harry den Kopf, so dass Draco verstand und sich wieder auf den Weg nach oben machte.
"Du hast recht, Harry.", sagte Ginny nun gedämpft, die sich einigermaßen gefangen zu haben schien. "Ich werde mit ihr reden. Es nützt ja alles nichts."
Sie löste sich von ihm und besah sich sein Shirt.
"Oh nein.", sagte sie theatralisch. "Jetzt habe ich dein T-Shirt versaut."
"Kein Problem, Ginny. Und deine Entscheidung ist die Richtige. Rede mit ihr. Frag sie, was los ist, was sie sich wünscht und wie es weiter gehen soll."
Ein paar Mal schluchzte sie noch trocken auf, erhob sich dann aber und zog Harry mit hoch.
"Danke.", flüsterte sie und sah ihm in die Augen. "Dass du für mich da warst."
"Das bin ich immer.", antwortete er aufrichtig und lächelte.
Auch sie versuchte ein zaghaftes Lächeln.
"Ach ja, warum wolltest du mich vorhin denn sprechen?", fragte er nun, als ihm Draco wieder einfiel, zu dem er jetzt gehen wollte.
"Achso. Ja. Ich habe Aja getroffen.", sagte sie. "Ich soll euch ausrichten, dass ihr heute nach dem Abendessen ihre Hausaufgaben zu sehen bekommt."
Harry unterdrückte ein Lachen angesichts dieser offensichtlichen Halbwahrheit und versteckten Botschaft.
"Kontrolliert ihr ihre Hausaufgaben?", fragte sie, so dass Harry aus seinen Gedanken hochschreckte, die bis eben noch bei Aja und Zabini waren.
"So was in der Art.", antwortete er und nahm den Arm von ihrer Schulter.
"Ich werd mal sehen, was Draco macht.", verabschiedete Harry sich von Ginny und ging hinauf in den Schlafsaal.
Dort angekommen schloss er die Tür und sah, dass Draco am Fenster stand und gedankenversunken nach draußen starrte.
Der Regen hatte nachgelassen.
Nun konnte man wieder deutlich erkennen, was der Sturm versteckt hatte.
Er trat von hinten an Draco heran und legte seine Hände auf dessen Taille.
"Was war los?", fragte dieser, während er weiterhin nach draußen sah.
"Probleme mit Padma."
"Wenn sie jetzt versuchen sollte...", setzte Draco schneidend an, doch Harry schnitt ihm das Wort ab.
"Nichts wird sie versuchen. Sie brauchte nur jemanden zum Reden. Außerdem hatte sie eine Nachricht von Aja für uns."
Draco versteifte sich.
"Die wäre?"
"Wie sagte Ginny? Wir bekommen heute nach dem Abendessen ihre Hausaufgaben zu sehen."
Ein amüsiertes Lächeln legte sich um Draco Mundwinkel und seine Augen begannen zu funkeln, wie Harry von der Seite her erkennen konnte.
"Ich bin gespannt, ob sie sie ordentlich gemacht hat."
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