
von Elaine
„O-Oh E-Entschuldige..“ hastig ging Lily auf die Knie und sammelte ihre Bücher wieder ein. „Pass gefälligst auf, Schlammblut!“ höhnte die Stimme von niemand anderes als Severus Snape. Und obwohl sie Schulsprecherin war, konnte sie sich einfach nicht durchschlagen. All die Jahre hatte sie es ausgehalten, dann würde sie doch die letzten Zwei Jahre auch überleben oder? Aber es kam wieder dieser kleine Stich in ihrer Brust. Immer dann, wenn sie zu tiefst verletzt wurde. „Lass sie gefälligst in Ruhe!“ ertönte erneut eine Stimme, die so voller Zorn bebte. Lily erkannte sie sofort, sammelte die restlichen Bücher auf und drückte sich mit den Rücken an die Wand.
Erschrocken sah sie zu, wie Remus Lupin – ihr bester Freund – mit erhobenen Zauberstab auf Severus zu ging. Noch nie hatte Remus seinen Zauberstab gegen jemanden erhoben. Er sah anders aus. So voller Zorn und bebender Wut. In seinen Augen spiegelte sich der Blanke Hass wieder. Hatte Remus Lupin eigentlich schon einmal irgendjemanden so gehasst? So kannte man es von dem Gut aussehenden Streber nicht. „R-Remus... S-Schon g-gut...“ Seine Miene verwandelte sich von Hass zu Mitleid. Er wusste, dass Lily sich noch nie wehren konnte.Er ging auf die zu und nahm sie in den Arm, während Severus feige weg rannte. „Du musst dich wehren...“ flüsterte er in ihr Ohr und lies sie dann darauf hin los. Sie schaute in seine Augen.
„I-Ich k-kann nicht..“ murmelte sie und zitterte. „Du bist einfach zu gut für diese Welt..“ lächelte er nahm ihre Bücher ab und beide machten sich auf zum Gemeinschaftsraum. Wenigstens jetzt, wollten sie ein paar Stunden für sich und mal wieder einen Beste-Freunde-Tag machen. So wie sie es jetzt schon jeden Freitag gemacht hatten. „Ich habe ein neues Buch für dich...“ erzählte Lily in ihrer sanften, ruhigen Stimme, die so berauschend war, dass man ihr Stundenlang was zum reden gab. „Liest du mir wieder vor?“ fragte er lächelnd und lehnte sich ein wenig zurück. Auch Lily lächelte, öffnete ihr Muggelbuch: Stolz und Vorurteil und fing an zu lesen.
„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein alleinstehender Mann, der ein beträchtliches Vermögen besitzt, einer Frau bedarf. Wie wenig die Gefühle und Ansichten eines solchen Mannes bei seinem ersten Erscheinen in einer Gegend auch bekannt sein mögen, diese Wahrheit sitzt so fest in den Köpfen der Familien in der Nachbarschaft, daß er sogleich als das rechtmäßige Eigentum der einen oder anderen ihrer Töchter betrachtet wird.“
Wohlig seufzend schloss Remus seine Augen und lauschte der Wunderschönen Stimme von Lily.
„ »Mein lieber Bennet«, sagte dessen Gattin eines Tages zu ihm, »hast du schon gehört, daß Netherfield Park endlich verpachtet worden ist?« Mr. Bennet erwiderte, das habe er nicht. »Aber so ist es« entgegnete sie, »Mrs. Long war nämlich gerade hier und hat mir alles erzählt.« Mr. Bennet sagte nichts dazu. »Willst du denn gar nicht wissen, wer es gepachtet hat?« rief seine Frau ungeduldig. »Du möchtest es mir doch erzählen, und ich habe nichts dagegen, es zu hören.« Das war Aufforderung genug. »Also, mein Lieber, Mrs. Long sagt, daß Netherfield von einem sehr vermögenden jungen Mann aus dem Norden Englands gepachtet worden ist; und daß er am Montag in einer vierspännigen Kalesche hier herkam, um sich den Besitz anzusehen; und er war so begeistert davon, daß er sofort mit Mr. Morris übereinkam, es noch vor Michael in Besitz zu nehmen, und einige seiner Diener sollen schon Ende nächster Woche dort sein.«“
Und so vergingen die Stunden, in denen Lily ihrem besten Freund vor lies. Auch sie liebte es vorzulesen, zu wissen das ihr jemand zuhörte. „Das war wunderschön...“ lächelte Remus und erhob sich. „Ich Liebe es wenn du mir vor liest!“ Auch Lily erhob sich. „Danke Remus..“ lächelte sie zurück und nahm ihn kurz in den Arm. „Danke nicht dafür...“ flüsterte er so leise, dass Lily es kaum verstand.
„Gute Nacht und Hab dich Lieb, Remus..“ sagte sie noch ehe sie verschwand. Lily war ein so nettes Mädchen. Ihre sanfte Stimme, ihre liebliche Art. Remus mochte es und deswegen war auch sie seine Beste Freundin. Manchmal in den Ferien hatten sie Stunden damit verbracht ein neues Klavierstück zu komponieren. Meistens saß Remus am Klavier und Lily sang oder Lily saß dort und meisterte beides. „Hab dich auch Lieb...“ flüsterte er noch ehe auch er hoch in den Jungenschlafsaal ging und sich schlafen legte.
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aus der Leseprobe: Stolz und vorurteil. Quelle
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