
von Nitsrek
Unfaire Methoden
Hermine schloss die Tür hinter sich und begutachtete ihr neues Zuhause. Vor ihren Augen befand sich ein großes, gemütliches Zimmer mit allem ausgestattet, was sie sich gewünscht hatte. Ein großes, rotes Sofa stand, flankiert von zwei smaragdgrünen Ohrensesseln, vor einem Kamin, in dem bereits ein warmes Feuer knisterte. An der anderen Seite des Raumes standen sich zwei Eckschreibtische direkt gegenüber. Daneben befand sich je ein großes Bücherregal, das bereits mit ein paar Exemplaren, die Hermine aus der Bibliothek kannte, gefüllt war, aber trotzdem noch genug Platz für ihre eigenen Nachschlagewerke bot. Zwei große Fenster, die bis zur Decke reichten, tauchten den Raum in das freundliche Licht des draußen stattfindenden Sonnenuntergangs.
Malfoy kam gerade aus einem Zimmer zu ihrer Rechten zurück. „Dort drin ist die Küche. Wie es aussieht, haben wir genug Vorräte an Tee und Keksen bis zum Ende des Jahres“, erklärte er und biss ein Stück von seinem Marmeladenplätzchen ab.
Hermine, die darauf keine Antwort wusste, öffnete eine Tür an der linken Wand. Sie sog hörbar die Luft ein.
„Was gibt’s denn?“, fragte Malfoy, der hinter sie getreten war.
Vor Hermine befand sich das schönste und größte Badezimmer, das sie jemals gesehen hatte. Noch um einiges luxuriöser als die Bäder der Vertrauensschüler. Die Badewanne ähnelte eher einem kleinen Schwimmbecken, an ihrem Rand befanden sich dreißig goldene und silberne Wasserhähne, die gerade dazu verlockten, sie auszuprobieren. Über der Badewanne war die Zimmerdecke ebenso verzaubert wie in der Großen Halle. Im Moment konnte man den orange-roten Himmel des Abendrots bewundern.
An der gegenüberliegenden Wand befand sich eine große Duschkabine, an der auch mehrere Wasserhähne und Wasserdüsen sichtbar waren. Die Toilette fand sich in einem kleinen, separaten Raum.
Sie merkte, wie auch Malfoy staunend den Mund öffnete. Er musste solchen Luxus eigentlich noch von Zuhause gewöhnt sein. Allerdings war er seit über zwölf Monaten nicht mehr dort gewesen. Und nach dem Leben am Grimmauld Platz schien das hier wie der Himmel.
„Ich bade heute Abend!“, sagten beide wie aus einem Mund.
Hermine funkelte Malfoy, der ein nerviges Grinsen auf dem Gesicht trug, böse an. „Ich werde baden!“
„Geht in Ordnung“, antwortete er gut gelaunt.
Ihr Mund, der schon zu einem Widerspruch geöffnet gewesen war, klappte zu. Was sollte das denn? Malfoy würde doch sicher nicht einfach so nachgeben. Sie sah ihn abwartend an.
„Ehrlich, Granger, ist kein Problem. Ich habe nichts gegen Begleitung in der Badewanne. Wäre auch mal eine Premiere, dich nur in Badekleidung zu sehen.“ Malfoy zog herausfordernd eine Augenbraue hoch.
Hermine verzog angewidert das Gesicht. „Warum sollte ich freiwillig in eine Badewanne steigen, in der bereits Dreck schwimmt?“, erwiderte sie und verließ den Raum.
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Draco grinste in sich hinein. Es machte einfach zuviel Spaß, sie zur Weißglut zu treiben. Die Funken, die aus ihren Augen sprühten, das angespannte Zittern in ihrer Stimme… Er kannte es nun schon seit Jahren und wusste, dass ihm das mal fehlen würde. Vor allem hatte sie mit der Zeit echtes Talent für fiese Antworten entwickelt. Gut, vielleicht nicht fies, aber sie brachten ihn zum Lachen, auch wenn er das nie zugeben würde. Aber es half nichts, er würde sich wohl oder übel jemand Neues zum Ärgern suchen müssen.
Seufzend ging er ein paar Schritte in Richtung Badewanne. Er entledigte sich seiner Kleidung, faltete sie ordentlich auf einem Hocker zusammen und drehte schließlich das Wasser an. Er stieg in die Wanne und watete rüber zu den Hähnen. Unentschlossen, was er tun sollte, gab er Zimt-, Fichten- und Orangenduft hinzu.
Er glitt bis zu den Schultern ins Wasser und entspannte seine Muskeln. Er schwamm ein paar Bahnen hin und her, tauchte schließlich ganz unter und genoss die Wärme, die ihn nun völlig umspülte. Als er wieder auftauchte, atmete er tief die wohltuenden Düfte ein. Irgendetwas fehlte. Er schwamm wieder zu den Wasserhähnen und setzte schließlich noch Vanilleduft hinzu. Schon besser. Der süße Geruch machte ihn zufrieden.
Nach einer halben Stunde stieg Draco aus der Wanne und wickelte sich ein Handtuch um die Hüfte.
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Hermine saß auf dem großen roten Sofa und war vertieft in ein Buch über Verwandlungszauber. Sie bemerkte nicht einmal, dass die Tür aufgegangen war und Malfoy sich hinter sie gestellt hatte, um ihr über die Schulter zu gucken.
Sie nahm einen unterschwelligen, süßlichen Geruch war und fühlte sich an Weihnachten erinnert. Sie lächelte wohlig.
„Granger?“
Hermine zuckte zusammen und ließ das Buch zu Boden fallen. Sie drehte sich mit einem wütenden Gesicht Malfoy zu und wollte ihm gerade sagen, dass er sich nicht so an sie heranschleichen sollte, als sie abrupt inne hielt. Er hatte nur ein Handtuch um. Seine Haare hingen ihm strähnig ins Gesicht und einzelne Tropfen liefen an seinem langen, blassen Oberkörper herunter. Über seinen Bauch. Hermine schluckte. Jahrelanges Quidditch-Spielen schien sich auszuzahlen. Er war zwar nicht extrem durchtrainiert, dennoch zeichneten sich unter seine Haut feine, definierte Muskeln ab. Über dem Rand des Handtuchs zog sich vom Bauchnabel eine dünne Linie dunkelblonder Harre nach unten bis zu… Sie fragte sich, ob er unter dem Handtuch etwas trug. Geschockt vom Gang ihrer Gedanken kam sie zurück in die Wirklichkeit und stellte fest, dass Malfoy ihrem Blick gefolgt war. Er grinste.
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Draco hatte interessiert beobachtet, wie sie ihn zuerst als Gesamtbild wahrgenommen hatte und ihren Blick zu seinem Kopf gehoben hatte, von wo aus er langsam immer weiter nach unten gewandert war. Überraschung zeichnete sich auf ihrem feinen Gesicht ab, dann eine Spur – Bewunderung? Konnte das sein? – und schließlich eine bezaubernde Röte und deutliche Scham.
Sie hatte ihm erschrocken in die Augen gesehen, ertappt bei ihrer Beobachtung und ihren Mund zu einer schmalen Linie zusammen gepresst, als sie bemerkt hatte, dass er sie ansah. Sie rechnete mit einer schnippischen Bemerkung.
Draco wäre jedoch kein richtiger Malfoy gewesen, wenn er sich so vorhersehbar verhalten würde. Er lief um sie herum, setzte sich lässig auf einen der grünen Sessel und sah von einer üblichen Antwort ab. Er würde ihre Reaktion einfach überspielen. Es gab auch andere Wege, sie zu reizen.
„Welches Schlafzimmer willst du haben?“
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Hermine, die sich gerade erst von ihrem Schrecken erholt hatte, traute ihren Ohren nicht. Es konnte nicht sein, dass er sie damit nicht aufziehen würde. Er ließ doch keine Gelegenheit aus, sie in die Pfanne zu hauen.
Verwirrt bückte sie sich von ihrem Sitzplatz aus nach unten und nahm ihr Buch wieder in die Hand. Als sie sich wieder aufrichtete, verstand sie jedoch, wieso er sie mit einer Antwort verschont hatte. Er hatte andere Pläne.
Malfoy hatte in der Zeit, in der sie weggeschaute hatte, seine beiden Beine, die fest auf den Boden standen, in eine geöffnete Haltung gebracht. Ihr Blick verfing sich kurz an der Stelle zwischen seinen Beinen und schnellte dann an die Zimmerdecke nach oben.
Sie fühlte, wie ihre Wangen dunkelrot anliefen, während sie versuchte, ihm zu antworten.
„Ich… äh…“ Ihre Augen huschten zum Kamin und sie schluckte.
„Kann ich das größere haben?“, fragte Malfoy, bevor sie ihm eine richtige Antwort gegeben hatte.
Hermine beobachtete interessiert ihre Finger. „Ja, klar, kein Problem, wenn du willst, kannst du es haben“, sprudelte es aus ihr hervor. Das Schlafzimmer, die ganze Wohnung, ihretwegen konnte er alles haben, was er wollte, solange sie nicht in seine Richtung sehen musste.
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Draco grinste von einem Ohr bis zum anderen. Anscheinend hatte er sie mit seiner Aktion sehr aus der Fassung gebracht. Es war sehr lustig, zu beobachten, wie ihre Augen in alle Richtungen schossen, Hauptsache, von ihm weg.
„Find ich echt nett von dir, Granger. Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte er scheinheilig.
Wieder nickte sie kurz, während sie mit ihren Augen ein Loch in den Teppich brannte.
Er konnte sich mit Mühe und Not noch das Lachen verkneifen. Natürlich hatte er sie kalt erwischen wollen, aber dass sie so extrem reagieren würde, hatte er nicht vorhergesehen. Sie hatte ihn noch nie nackt gesehen, wie denn auch. Aber er war sicher nicht der erste Mann, den sie ohne Kleidung gesehen hatte.
Draco beobachtete, wie sie nervös mit ihren Fingern spielte. Oder doch? Sein Interesse war geweckt, aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um der Klärung dieser Frage nachzugehen. Dennoch war er sich sicher, dass er das bald herausfinden würde. Wenn Granger wüsste, was noch auf sie zukommen würde.
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Erleichtert nahm Hermine aus den Augenwinkeln wahr, wie Malfoy aufstand und aufs Badezimmer zuging. Gleich hätte sie wieder ihre Ruhe.
An der Tür hielt er jedoch noch einmal inne und drehte sich zu ihr um.
„Weißt du, Granger, am Anfang fand ich die Idee, mit dir zusammen zu wohnen, wirklich grässlich. Aber langsam glaube ich, dass das ganz lustig wird mit dir.“ Er grinste ihr zu und zwinkerte. Dann betrat er das Bad und schloss die Tür hinter sich.
Hermine, die jetzt erst merkte, dass sie vorher die Luft angehalten hatte, atmete tief aus. Sie zog Dracos Taschentuch aus ihrer Umhangtasche und tropfte sich die kleinen Schweißtropfen von ihrer Stirn.
Sie konnte zwar nur für sich sprechen, aber für sie würde es sicher kein Spaß werden.
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@richgirl26: Ja, auf die beiden wird noch einiges zukommen. Keiner von beiden ist bereit, nachzugeben.
@morla79: Ja, Draco beschützt Hermine, auch wenn keiner von beiden genau weiß, weshalb.
@Rose_Weasley: Draco wird ihr das Leben trotzdem (erstmal) nicht leicht machen. Er hat nun ihren wunden Punkt entdeckt und wird dieses Wissen wohl ausnutzen.
Danke an Eponine, meine Beta-Leserin.
Liebe Grüße
Nitsrek
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