
von Lilly10
Nachdem Marianne einige Male Erfolg gehabt hatte und Snape von ihren Gedanken abgeschirmt hatte, erwachte in ihr der Ehrgeiz. Endlich sah sie das Ziel näher kommen – das Ziel, wieder nach Hogwarts zurück zu kehren und ihre Freunde wiederzusehen. Trotzdem vergingen zwei weitere Wochen, in denen sie ihre Fähigkeiten in Okklumentik vertieften.
Snape ging während dieser Zeit immer öfter abends weg und ließ Marianne allein im Haus. Jedes Mal hatte sie Angst, denn die Hütte war aus altem Holz, das oft knarrte oder andere eigenartige Geräusche machte. Gerade am Abend, wenn es dunkel wurde und der Wind an den Fenstern ruckelte, fürchtete sie sich besonders. Sie fühlte sich schutzlos in dieser Hütte, denn sie könnte sich nicht verteidigen, falls sie die Todesser fanden. Suchten sie vielleicht sogar nach ihr, nachdem sie in Voldemorts Gedanken eingedrungen war?
Jedes Mal, wenn der Wind an der Eingangstür rüttelte, glaubte sie, es würde ein Todesser versuchen sie aufzubrechen. Sie rechnete damit, dass er zur Tür herein stürmen und sie töten wollte und war überaus erleichtert, wenn das Rütteln wieder verstummte. Marainne hätte es niemals vor Snape zugegeben, doch jedes Mal hoffte sie insgeheim, dass er nicht weggehen würde.
Eines Abends, als Snape sie wieder einmal allein gelassen hatte, setzte sie sich in den Wohnraum ans Feuer und versuchte zu lesen. Da das Feuer im Wohnraum die einzige Wärme- und Lichtquelle im Haus war, hielt sie sich abends fast nie in ihrem Zimmer auf. Es wurde bereits Winter und diesmal zog ein heftiger Schneesturm auf. Sie spürte, wie die Hütte schwankte und das Feuer im Kamin loderte, als der Wind hinein fuhr, die Flammen warfen eigenartige Schatten an den Wänden.
Marianne schauderte vor Angst und hielt es nicht lange aus, deshalb flüchtete sie in ihr Zimmer und verkroch sich in ihrem Bett. Sie zog die Decke über ihren Kopf und in der Dunkelheit dauerte es nicht lange, bis sie einschlief.
Plötzlich wurde die Tür aufgeschlagen und Voldemort stürzte herein. Sein Lachen war wie ein fernes Donnergrollen und er kam immer näher. Marianne erstarrte, als sie ihn erblickte. Als er auf sie zukam versuchte sie, aus dem Bett zu fliehen, doch sie schien in die Bettdecke verschnürt zu sein. Sie kämpfte damit, aber sie konnte sich nicht befreien.
Gleichzeitig sah sie, dass hinter Voldemort einige Todesser erschienen. Sie traten hervor und umzingelten Marianne.
„Nun habe ich dich endlich gefunden, Marianne.“, sagte Voldemort mit rollender Stimme.
„Du wirst jetzt dafür büßen, in meine Gedanken eingedrungen zu sein!“, sagte er und hob ruckartig seinen Zauberstab.
„Avada...“
Marianne ließ einen gellenden Schrei los und setzte sich auf. Sie blinzelte und starrte in die Dunkelheit, in der ihr Schrei eben verklang. Niemand war hier, sie fühlte lediglich, wie sie zitterte.
Gott sei Dank, es war nur ein Traum, dachte sie erleichtert. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und eine Gestalt stand vor ihr, die Marianne in der Dunkelheit nicht erkennen konnte. Vor Schrecken brachte sie keinen Ton heraus.
Eine Sekunde später flammte ein Licht auf und sie erkannte Snapes Gesicht. Er hatte noch immer die Türklinke in der Hand und schien außer Atem zu sein.
„Alles in Ordnung, Miss Richis?“, fragte er besorgt.
„Ja, Professor...", hauchte sie erleichtert. Es war nur Snape.
"Ich... ich habe schlecht geträumt.“
Sie konnte seine Züge im flackernden Licht kaum erkennen.
„Gut, dann schlafen Sie jetzt und schrecken Sie mich nicht noch einmal aus meinem Schlaf!“
Damit war die Tür wieder geschlossen und Marianne starrte in die Dunkelheit. Noch immer ging ihr Atem schnell, der Traum war so real gewesen und sie fühlte den Schweiß in ihrem Nacken. Nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, ließ sie sich zurück aufs Bett fallen und schlief bald wieder ein.
Als der Unterricht am nächsten Tag begann, verlor Snape kein Wort über die vergangene Nacht. Doch der Traum spukte noch immer in Mariannes Kopf und ließ sie nicht los, er war einfach zu real gewesen. Sie erinnerte sich, wie sie Schweiß gebadet aufgewacht war, welche Angst sie gehabt hatte und wie sie gezittert hatte und es schlich sich die Besorgnis ein, dass sie wieder eine Vision gehabt hatte.
Marianne wagte es nicht, Snape darauf anzusprechen, denn sie befürchtete, dass er zornig werden würde. Es war bestimmt kein gutes Zeichen, wenn es tatsächlich eine Vision war und würde ihre Fähigkeiten in Okklumentik sehr in Frage stellen. Daher hielt sie den Mund und der Unterricht verlief völlig normal.
Je näher der Abend kam, desto nervöser wurde Marianne. Sie hoffte, dass Snape diesmal nicht gehen würde, sie nicht alleine lassen würde. Was, wenn sich ihr Traum bewahrheiten würde?
Doch ihr Wunsch erfüllte sich nicht.
„Wir beenden für heute den Unterricht, Miss Richis, Dumbledore braucht mich heute in Hogwarts.“, sagte Snape.
Als er zur Eingangstür ging und öffnete, bemerkte Mariannes Blick und sah sie an.
„Alles in Ordnung?“
Sie sah ihn an und wusste nicht, was sie sagen sollte.
„Ja...“
Snape machte Anstalten, hinaus zu gehen.
„Es ist nur...“
Snape hielt inne und sah sie wieder an: „Ja?“
„Wann kommen Sie wieder?“, flüsterte Marianne.
Es war ihr peinlich, dies zu fragen, doch sie wollte nicht wieder alleine sein, noch dazu nach dem Albtraum letzte Nacht. Snape musterte sie und dann kräuselten sich seine Lippen.
„Haben Sie etwa Angst, alleine zu bleiben?“
Marianne schüttelte den Kopf, sie wollte sich vor Snape keine Blöße geben.
„Was dann, Miss Richis?“, hakte er nach.
Marianne wusste nicht, wie sie es sagen sollte und suchte nach einer Ausrede. Scheinbar neugierig geworden schloss Snape die Tür und ging auf sie zu.
„Na los, sagen Sie schon, was ist das Problem!“
„Ich...“, begann sie. „Ich habe seit Wochen meine Freunde nicht mehr gesehen. Ich... ich fühle mich einsam.“
Sie schlug die Augen nieder. Nun hatte sie es ausgesprochen. Es war zwar nicht der eigentliche Grund, aber wenigstens ein Teil der Wahrheit. Sie erwartete den höhnischen Kommentar von Snape, doch es kam nichts. Zögernd blickte sie ihn wieder an und als sich ihre Blicke trafen, wandte Snape sich ab. Er ging mit großen Schritten zur Tür.
„Ich werde in ein paar Stunden wieder da sein, Miss Richis. Ich denke, die werden Sie auch ohne meine Anwesenheit überleben.“, sagte er sarkastisch und verschwand.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel