
von Lilly10
Am nächsten Tag, es war Donnerstag, ging Marianne mit ihren Freundinnen gemeinsam zum Unterricht. Sie war nicht weniger schweigsam als sonst, aber dieses Mal lächelte sie zufrieden, denn ihre Gedanken galten allein dem Konzert am Wochenende. Sie verfolgte den Unterricht mit wenig Interesse, aber sie hatte es leicht, mit ihrem Desinteresse nicht negativ aufzufallen, denn aufgrund des bevorstehenden Konzerts war so viel Aufruhr unter den Schülern, dass die Professoren genug damit zu tun hatten, die Schüler ruhig zu halten.
Nachdem Marianne die ersten Stunden überstanden hatte, sah sie auf ihrem Stundenplan, dass sie in der nächsten Stunde Zaubertränke hatte. Es war ihr klar, dass er wusste, dass sie letzten Abend zu spät zum Nachsitzen gekommen war.
Wenig erfreut ging sie hinunter in seine Klasse und setzte sich neben eine Kollegin in der letzten Reihe, mit der Hoffnung, weniger aufzufallen. Sie musste nicht lange warten, da kam Snape herein, rauschte zwischen den Tischen hindurch und stellte sich vor die Tafel.
Diesmal kam er Marianne besonders blass vor. Was hatte er wohl in den letzten beiden Tagen getrieben? Hatte seine Abwesenheit mit Voldemort zu tun gehabt oder war er vielleicht sogar bei ihm gewesen?
Sie hatte keine Zeit, um weiter darüber nachzudenken, denn ohne eine Begrüßung oder sich mit anderen überflüssigen Worten herumzuschlagen kam er sofort zum Punkt:
„Sie werden heute die Mischungen, die wir letzte Woche durchgenommen haben, selbst ausprobieren. Diese Aufgabe wird jeweils zu zweit an einem Kessel erfüllt - Bücher brauchen Sie dafür keine, ich setze voraus, dass Sie alle den Stoff wiederholt haben und über die Tränke Bescheid wissen.“
Marianne verhielt sich still und hoffte, dass ihre Banknachbarin gelernt hatte.
Sie hatte Glück, denn das Mädchen sprang sofort auf und erklärte sich bereit, die Zutaten für sie beide zu suchen. Marianne dankte ihr und blieb so unauffällig wie möglich an ihrem Platz sitzen. Einer der Schüler sprach gerade mit Snape, daher nutzte sie die Chance. Sie durchblätterte das Buch, ohne es aus ihrer Tasche zu nehmen und suchte nach der Anweisung für die Mischung.
Plötzlich riss sie Snapes Stimme aus der Konzentration, denn diese war verdächtig nahe, eindeutig zu nahe. Als sie realisierte, dass er mit ihr sprach, setzte sie sich erschrocken auf.
Er stand bereits vor ihr und sah sie an:
„Da Sie meine Sprache verstehen, nehme ich an, dass Sie sich absichtlich meinen Anordnungen widersetzen.“, stellte er ruhig fest. „Dummheit, Miss Richis, ist entschuldbar, aber was Sie hier tun, sehe ich als bewusste Missachtung meiner Worte...“, zischte er.
„N...nein.“, wollte Marianne widersprechen.
„Dann stecken Sie sofort Ihr Buch wieder ein und erklären Sie mir, was Sie darin zu suchen hatten.“, bluffte er sie an.
Marianne starrte ihn an und wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. Egal was sie sagte, es würde wieder mit Nachsitzen enden, da war sie sich sicher. Trotzdem versuchte sie, etwas zu sagen, das ihn nicht wütend machte:
„Es tut mir Leid, Professor, ich bin nicht dazu gekommen, den Stoff zu wiederholen.“
Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, dann sagte er:
„Sie bleiben nach der Stunde hier, Miss Richis, ich habe noch ein Wörtchen mit Ihnen zu reden.“
Damit drehte er sich um und ging an den anderen Bänken vorbei um zu kontrollieren, ob die Schüler alles richtig machten.
Marianne saß den Tränen nahe in ihrer Bank, als ihre Kollegin mit den Zutaten kam. Sie legte sie neben den Kessel und sagte:
„So, das müssten eigentlich alle sein. Fangen wir an?“
„Tut mir leid, ich kann nicht.“, flüsterte Marianne und verließ die Klasse, so schnell sie konnte.
Sie lief zur Toilette und kühlte ihr Gesicht mit dem Wasser. Ein paar Zornestränen rollten über ihre Wangen. Sie verstand ihn einfach nicht. Sie wusste nicht, was geschehen war, dass er in letzter Zeit immer auf ihr herumhackte. Sie versuchte doch alles, um es ihm Recht zu machen, aber er schien jede Kleinigkeit wahrzunehmen, die sie falsch machte. Aber noch eigenartiger fand sie die Tatsache, dass es ihr so nahe ging, wenn er sie anfuhr. Es konnte ihr doch egal sein, was ihre Mitschüler dachten. Marianne sah sich im Spiegel an und holte tief Luft. Sie hatte sich wieder etwas beruhigt, deshalb trocknete sie sich ab und wartete, bis ihre Augen nicht mehr gerötet waren, dann ging sie in die Klasse zurück, als wäre nichts gewesen.
Das Experiment war bereits vorüber und Snape erklärte gerade etwas, als Marianne leise herein glitt und sich auf ihren Platz setzte.
Als die Stunde endlich aus war, verließen die Schüler den Raum, nur Marianne blieb auf ihrem Stuhl sitzen, wie er es angeordnet hatte. Snape saß an seinem Schreibtisch und schrieb etwas.
Nach kurzer Zeit sagte er beiläufig:
„Ich habe Ihnen für das heutige Experiment eine Fünf eingetragen – die einzige Fünf, die ich heute vergeben habe.“
Marianne gab es einen leichten Stich, als sie seine Worte vernahm, aber sie nahm sie schweigend zur Kenntnis. Sie wusste genau, dass er es darauf ansetzte, sie fertig zu machen – aus welchen Gründen auch immer. Sie wollte ihm nicht zeigen, dass es ihr etwas ausmachte und wartete nur darauf, dass sie endlich gehen durfte.
Nach einer Weile stand Snape auf und ging auf sie zu.
„Sie sind gestern um eine halbe Stunde zu spät zum Nachsitzen gekommen. Wenn Sie gedacht haben, dass mir das verborgen bleibt, haben Sie sich getäuscht. Das wird auf jeden Fall Konsequenzen haben.“
Marianne nahm sich zusammen und erwiderte ruhig:
„Ja, Professor.“
„Sie werden also auch am Wochenende nachsitzen.“
„Nein!“, platzte es aus Marianne heraus und gleich darauf schlug sie sich mit der Hand auf den Mund.
Snape sah sie angriffslustig an und zog die Augenbrauen hoch:
„Nein?“
„Alles, nur nicht am Samstag, Professor...“
„Und warum nicht?“, fragte er.
„Weil... weil...“
Marianne wusste, dass es keinen Sinn hatte, es ihm zu erklären, er würde sowieso kein Mitleid haben, aber er wartete immer noch auf ihre Erklärung. Sie senkte den Blick und sagte leise:
„Weil am Samstag das Konzert ist...“
Sie sah nicht auf, denn sie wollte Snapes hämischen Blick nicht sehen.
„Ach.“, erwiderte er. „Sie hatten also tatsächlich vor, dort hinzugehen?"
Er verzog kurz den Mund und Marianne war sich sicher, dass er geahnt hatte, wie gern sie dort hingehen wollte.
"Nun, das hätten Sie sich vorher überlegen müssen, es bleibt so, wie ich es gesagt habe. Guten Tag, Miss Richis.“
Wie in Trance stand sie auf und ging zur Tür.
„Und heute Abend um sieben Uhr, keine Minute später, verstanden?!“, fügte er hinzu.
Marianne nickte und verließ die Klasse.
„Verdammt!“, fluchte Marianne und ging in den Speisesaal, während sie verzweifelt grübelte, wie sie das bloß hinbekommen sollte.
Sie wusste, dass sie sich niemals nehmen lassen würde, mit Myron am Samstag auf der Bühne zu stehen, doch das konnte sie nur, wenn sie das Nachsitzen schwänzte. Das Nachsitzen schwänzen? Marianne lachte bitter bei dieser Vorstellung, doch während sie sich geröstete Kartoffeln und Salat auf ihren Teller schaufelte, wurde sie immer entschlossener:
Sie würde sich das nicht mehr bieten lassen, es war ungerecht, dass Snape sie so sehr bestrafte, dachte Marianne. Sie würde am Samstag schwänzen und nicht einmal Snape konnte ihr solche Angst einjagen, dass sie sich das Konzert ihrer Lieblingsband nehmen ließ!!!
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel