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Fanfiction

Okklumentik bei Professor Snape - Die Entschuldigung

von Lilly10

Nach seiner Rückkehr wollte Snape wieder seinen Forschungsarbeiten nachgehen und ging in der Pause ins Labor, das schon seit Wochen sein Hauptaufenthaltsplatz war. Alles lag noch so herum, wie er es vor dem Besuch bei Voldemort zurückgelassen hatte.
Er ging zum Regal und holte einige Kräuter, doch als er sie in den Mörser gelegt hatte und den Stößel in die Hand nahm, ließ er ihn mit einem leisen Aufschrei wieder fallen.
„Verdammt!“, fluchte er.
Es bereitete ihm trotz der Bandagen noch immer große Schmerzen, wenn er etwas anfasste, denn die Verletzungen waren ziemlich schlimm. Er hatte schon alle Salben und Mittel verwendet, um die Heilung zu beschleunigen, aber der Heilungsprozess war bei Verbrennungen generell langwierig. Trotzdem, Snape riss sich zusammen und hob den Stößel auf. Er würde sich doch von so einer Verletzung nicht von seiner Arbeit abhalten lassen.
Er probierte es weiter, doch nach kurzer Zeit gab er auf. Es war nicht möglich, er konnte die Zutaten nicht selber bearbeiten, denn seine Handflächen schmerzten bei jeder Berührung. Er konnte kaum etwas in der Hand halten, geschweige denn, Druck auf etwas ausüben. Wütend stand er da und starrte die Kräuter an, doch sie zerkleinerten sich nicht von selbst.
Manchmal wäre es von Vorteil, einen Hauselfen zu haben, dachte er, doch er verwarf den Gedanken sofort wieder. Hauselfen waren für niedere Dienste geeignet, aber bestimmt nicht dafür, Zaubertränke zu brauen...
Schlecht gelaunt verließ er schließlich das Labor und machte sich auf in die nächste Stunde, in der er zwei Schüler zum Nachsitzen verdonnern und den Häusern, ausgenommen den Slytherins natürlich, insgesamt 90 Punkte abziehen würde.

Schließlich wurde es Mittag und nach dem Essen machte sich Marianne auf den Weg zu „Verteidigung gegen die dunklen Künste“. Seit Lupin den Unterricht hielt war es ihr Lieblingsfach und sie freute sich jedes Mal darauf, denn sie war auch ziemlich gut darin.
Die Mädchen gingen in einer geschlossenen Gruppe durch die Gänge an den Porträts und den Fackeln vorbei, bis sie schließlich an der Klassentür Halt machten. Sie wollten eintreten, doch die Tür war verschlossen und sie erblickten einen kleinen Zettel, der daran klebte.

„Professor Lupin ist leider krank, deshalb entfällt bis auf Weiteres der Unterricht.
Grüße, A. Dumbledore.“

Die Mädchen waren enttäuscht, aber sie dachten sich nichts weiter dabei und drehten wieder um. Doch Marianne fragte sich, warum Remus plötzlich krank war, zwei Tage zuvor hatte sie ihn gesehen und er war noch putzmunter gewesen... Gleichzeitig mit diesem Gedanken ging ihr ein Licht auf: diese Nacht war Vollmond gewesen. Bestimmt gab es einen Zusammenhang damit, aber es kam ihr ungewöhnlich vor. Normalerweise war er am nächsten Tag nicht mehr krank, wenn er den Wolfsbanntrank nahm. Hatte Snape ihm den Zaubertrank nicht gebraut?
Da sie jetzt eine Freistunde hatten, verabschiedete sich Marianne von ihren Freundinnen und machte sich gleich auf zu Remus' Büro. Sie kam vor seiner Tür an und klopfte. Sie wartete, doch nichts rührte sich, daher zog sie ihren Zauberstab aus ihrem Mantel und richtete ihn auf das Schloss.
„Alohomora.“
Sofort sprang die Tür auf und sie ging vorsichtig hinein.
„Remus?“
Sie bekam keine Antwort.
Vorsichtig ging sie durch seine Räume, um seine Privatsphäre nicht zu stören, falls er hier war, doch sie konnte ihn ohnehin nirgends finden. Gedankenverloren ging sie in Richtung Ausgang, als ihr Blick auf den Kamin fiel.
Natürlich, er war bestimmt am Grimmauld Platz, dachte sie. Sofort nahm sie etwas Pulver aus der Schale und stieg in das Feuer hinein, um gleich darauf mit einem ‚Puff‘ in Sirius‘ Schlafzimmer wieder herauszukommen. Sie stieg aus dem Feuer und putzte sich die Asche von der Kleidung, als sie plötzlich ein Poltern und hastige Schritte draußen im Gang hörte. Sie sah erschrocken auf und ging auf die Tür zu, die offen stand.
„Sofort stehen bleiben!“, hörte sie Sirius rufen. „Wer ist da?“
„Ich bin es, Marianne.“, rief sie schnell.
„Steck deinen Zauberstab weg und komm langsam nach vorne, sodass ich dich sehen kann.“
Marianne war zunehmend verunsichert, doch sie tat sofort, was Sirius sagte, und trat langsam in die Tür. Schließlich erblickte sie Sirius, der mit erhobenem Zauberstab dastand und sie grimmig ansah.
„Sirius, ich bin‘s.“, sagte Marianne noch einmal.
„Wie heißt dein Vater?“, fragte er.
„Aaron.“, antwortete sie.
Endlich ließ er den Zauberstab sinken und sein Gesicht nahm wieder freundliche Züge an. Er lächelte sie an und sagte:
„Sorry, es ist nur zur Sicherheit. Man kann nie wissen, wer sich hier einschleichen möchte.“
Marianne atmete auf und Sirius schloss sie in die Arme. Sie umarmten sich für ein paar Momente und dann sah er sie an.
„Komm mit, du bist sicher wegen Remus hier, oder?“
Marianne nickte und ließ sich von ihm ins nächste Zimmer führen. Sie sah Remus in einem Bett liegen und ging zu ihm hin.
„Hallo, Marianne.“, sagte er matt.
Er hatte Wunden im Gesicht und sah völlig fertig aus. Marianne sah ihn bestürzt an und sagte:
„Was ist passiert?“
„Letzte Nacht war Vollmond.“, erklärte Sirius.
„Ja, das weiß ich!“, erwiderte Marianne ungeduldig und mit Tränen in den Augen. „Aber er nimmt doch den Zaubertrank!“
„Naja, letzte Nacht nicht...“, erwiderte Sirius.
„Snape konnte den Zaubertrank nicht herstellen.“, sagte Remus mit matter Stimme, doch er versuchte ein Lächeln. „Es wird schon wieder, in ein paar Tagen kann ich bestimmt wieder unterrichten.“
Marianne schüttelte den Kopf, denn es tat ihr weh, ihn so zu sehen.
„Warum hat er ihn nicht gebraut?“, fragte sie.
„Er war ein paar Tage weg und der Trank braucht ziemlich lange, bis er fertig ist.“, erklärte Remus.
Sirius legte seinen Arm um sie und tätschelte sie.
„Er wird schon wieder. Auch Werwölfe können zähe Hunde sein, wenn sie wollen.“, witzelte er und lächelte sie an. „Ich mach dir einen Tee, ja?“
„Nein, Sirius.“, kam es vom Bett her. „Marianne dürfte gar nicht hier sein, du musst sie wieder zurückschicken.“
Sirius wandte sich zu Remus um.
„Ist das dein Ernst? Sie ist extra gekommen, um dich zu besuchen, und du schickst sie wieder weg?“
„Sirius, sei nicht egoistisch.“, erwiderte Remus. „Du weißt, dass es verboten ist.“
„Nun, was haben wir damals nicht alles gemacht, was verboten war. Wir hätten nicht halb so viel Spaß in unserer Schulzeit gehabt, wenn wir uns immer an die Regeln gehalten hätten.“
Remus war zu schwach um sich durchzusetzen und gab auf.
„Na gut, ein Tee. Aber danach muss sie zurück.“, bestimmte er.
Marianne blieb bei Remus, bis Sirius mit einem Tablett zurückkam und ihnen Tee einschenkte.
Eine halbe Stunde später stand Marianne auf und verabschiedete sich von den beiden, um Remus‘ Nerven nicht weiter zu strapazieren. Sie merkte, dass es ihn nervös machte, dass sie hier war. Sie versicherte sich, dass sich Sirius um ihn kümmerte und er bald wieder gesund werden würde, und ging dann zurück.

Als sie nach Hogwarts gefloht war, verbrachte sie noch Zeit mit ihren Freundinnen, doch sie wurde immer nervöser, wenn sie daran dachte, dass sie bald zu Snape gehen musste, um ihre Strafe abzuholen. Sie hatte sich entschieden, sich noch einmal bei ihm zu entschuldigen, und hoffte, dass er ihr dadurch ein wenig milder gestimmt wäre und die Bestrafung nicht so hart ausfallen ließ. Ihre Freundinnen wussten natürlich Bescheid und versuchten, sie zu beruhigen, als sie sahen, wie nervös Marianne war.
„Du schaffst das schon.“, sagte eine von ihnen und klopfte ihr auf die Schulter.
„Lass dich nicht unterkriegen, du weißt, dass er dir nichts wirklich Schlimmes auftragen darf, sonst bekäme er Probleme mit Dumbledore.“
„Er findet bestimmt etwas, das schlimm genug ist, um mich zu bestrafen, ohne dass Dumbledore etwas dagegen sagen kann.“, entgegnete Marianne gedrückt.
„Nein, so darfst du nicht denken. Und egal was es ist, es geht vorüber, und wenn du zurück bist, trinken wir gemeinsam ein Butterbier!“
„Was?“, fragte Marianne überrascht.
Lisa zog hinter ihrem Rücken eine Flasche hervor und hielt sie vor ihre Nase.
„Eigentlich dürften wir das ja nicht, aber es muss ja niemand wissen...“, grinste sie.
Marianne war gerührt, dass sie so viel Unterstützung bekam und ihre Freundinnen so viel Anteil nahmen, und sie machte sich mit etwas mehr Mut auf in die Kerker. Doch je weiter sie die Wendeltreppe nach unten kam, desto zögerlicher wurde sie. Wer wusste schon, welche Strafe er sich ausgedacht hatte, Marianne traute ihm alles zu. Schließlich kam sie vor seiner Tür an, blieb stehen und atmete tief durch. Dann klopfte sie zaghaft und trat ein, mit der Hoffnung dass seine Wut über die letzten Tage schon etwas verraucht war.
Snape saß wie immer an seinem Schreibtisch und sah auf, als sie näher kam.
„Professor...“, begann sie und nahm all ihren Mut zusammen. Er sah sie an und sie sagte kleinlaut:
„Ich wollte mich entschuldigen, dass ich den Zeitumkehrer benützt habe. Es tut mir wirklich leid und ich weiß, dass es nicht richtig war.“
„Setzen Sie sich.“, sagte er knapp, ohne auf ihre Entschuldigung einzugehen.
Sie tat, was er sagte und wartete zittrig, bis er fortfuhr. Schließlich richtete er das Wort an sie.
„Wo waren Sie heute Nachmittag?“, fragte er forsch.
Verwundert fragte sich Marianne, was diese Frage sollte. Es ging doch hier darum, dass sie nachsitzen musste, weil sie den Zeitumkehrer verwendet hatte.
„Im Gemeinschaftsraum.“, antwortete sie verwirrt.
„Ach ja!?“, sagte er und stand auf, um sich über den Tisch zu beugen. „Hören Sie auf mit den Spielchen, Richis, und sagen Sie mir sofort, wo Sie heute waren.“, zischte er.
Seine Stimme war immer lauter geworden und sie spürte die unterdrückte Wut in ihm. Doch sie hatte keine Ahnung, worauf er hinaus wollte und was ihn so zornig machte.
„Ich... ich war außerdem in der großen Halle und in der Bibliothek.“, stotterte sie verängstigt. Snape wirkte so bedrohlich, als er vor ihr stand, dass sie heilfroh war, dass wenigstens der Tisch zwischen ihnen war.
„Ist das alles?“, sagte er mit leiser, drohender Stimme. „Denken Sie gut nach Richis, und dann antworten Sie mir noch einmal.“
Marianne dachte nach. Er konnte doch unmöglich darüber Bescheid wissen, dass sie am Grimmauld Platz gewesen war. Niemand außer Remus und Sirius wussten davon, und beide befanden sich immer noch dort. Und selbst wenn er es wusste, warum machte es ihn so wütend?
Schließlich entschied sie, dass es besser war, es zu verraten, denn Snape wartete immer noch auf eine Antwort und er schien auf etwas bestimmtes hinaus zu wollen. Und wenn er es wirklich wusste, war es besser, es gleich zuzugeben.
„Ich war am Grimmauld Platz.“, sagte sie leise.
„Am Grimmauld Platz...“, wiederholte er und funkelte sie an. „Und was hatten Sie dort zu suchen? Dachten Sie, Sie könnten mal kurz einen Ausflug machen!?“, fuhr er sie an.
„Es tut mir leid.“, hauchte Marianne eingeschüchtert. „Ich wollte nur Remus besuchen...“
„Und die Tatsache, dass es Schülern untersagt ist, Hogwarts zu verlassen, ist Ihnen eben mal entfallen!?“, schrie er.
Marianne klebte in ihrem Sessel und sie fühlte, wie der Schweiß ihren Rücken hinunter lief.
„Nein...“, flüsterte sie.
Natürlich wusste sie, dass es verboten war, aber sie hatte niemals damit gerechnet, dass es jemand herausfinden würde und es war ihr immer noch schleierhaft, wie er es wissen konnte. Verängstigt saß sie da und starrte zu ihm hoch.
„Ich war nur eine halbe Stunde dort.“, wollte Marianne sich verteidigen, doch Snape lachte spöttisch auf und Marianne wusste, dass er es überhaupt nicht lustig fand.
„Es ist mir völlig egal wie lange Sie dort waren, Richis.“, zischte er. „Was bilden Sie sich eigentlich ein! Glauben Sie, Sie sind alleine auf der Welt und können die Regeln einfach nach Belieben missachten?“
Er wartete auf eine Antwort und Marianne schüttelte schnell den Kopf. Er war so drohend über ihr, dass sie es nicht wagte, sich zu bewegen. Wie erstarrt saß sie da und betete, dass er nicht seinen Zauberstab ziehen und ihr einen Fluch aufhalsen würde. Sie konnte sehen, wie sein Körper bebte, aber sie verstand immer noch nicht, warum es ihn so aufregte.
„Was wollten Sie damit erreichen, Richis, verraten Sie es mir!“, bluffte er sie weiter an. „Wollen Sie jede einzelne Schulregel brechen, bis Sie zufrieden sind? Ist es das?“
„Nein, natürlich nicht.“, hauchte sie und sah ihn verzweifelt an. „Aber... ich verstehe nicht. Woher wissen Sie, dass...“
„Das das einzige was Sie interessiert, ja!?“, fuhr er dazwischen. „Dass ich es herausbekommen habe? Ist Ihnen noch nie der Gedanke gekommen, dass die Regeln einen Sinn haben?!“
Seine Brust hob und senkte sich und für Marianne verschwamm der ganze Raum vor ihren Augen, sie sah nur mehr Snape vor sich, der sie anfunkelte, und brachte kein Wort heraus.
„Das dachte ich mir. Dafür reicht Ihr Gehirn nicht aus, nicht wahr?!“, sagte er verächtlich.
„Können Sie sich eigentlich annähernd vorstellen, was Sie damit ausgelöst haben? Ist Ihnen klar, dass der Direktor und ich überall nach Ihnen gesucht haben, dass wir gedacht haben, Sie seien entführt worden?“, fragte er sie.
Marianne schüttelte den Kopf.
„Natürlich nicht.“, stellte er geringschätzig fest.
Betroffen saß Marianne da und fragte sich, wann es endlich aufhörte. Warum mussten sie immer wieder aneinander geraten? Die Reibereien zwischen ihnen schienen nicht aufzuhören und es fand sich immer wieder ein Grund dafür. Sie fühlte sich, als könnte sie einfach nichts richtig machen. Sie hatte noch nicht einmal eine Bestrafung für das eine Vergehen bekommen, da saß sie schon wegen dem nächsten hier.
Snape hatte sich wieder etwas beruhigt und atmete durch, während er sie ansah. Schließlich fragte er ruhig und, wie es schien, aus ehrlichem Interesse:
„Haben Sie nicht langsam genug vom Nachsitzen, Miss Richis?“
Seine Stimme war leise, doch die Frage verursachte ein immer mulmigeres Gefühl in ihrem Bauch. Marianne antwortete nicht, sie war immer noch zu geschockt von seinem Wutausbruch.
Schließlich griff Snape in seine Manteltasche und zog ein verblichenes Pergament daraus hervor, um es vor sie auf den Tisch zu schmeißen.
„Wissen Sie, was das ist?!“, fragte er.
Marianne schüttelte nur benommen den Kopf.
„Das ist die Karte der Rumtreiber.“
Sie starrte das Pergament an. Sirius hatte ihr einst davon erzählt. Die Rumtreiber hatten diese Karte entworfen, sie zeigte alle Menschen in Hogwarts an und wo sie sich gerade befanden. Langsam ging Marianne ein Licht auf. Also hatte Snape auf der Karte gesehen, dass sie plötzlich verschwunden war. Und er hatte gedacht, sie sei entführt worden. Aber wer sollte sie denn entführen wollen?
„Sie werden die nächsten Wochen nicht nach Hogsmeade gehen, jegliche Ausflüge draußen sind Ihnen von jetzt an untersagt.“, zischte er und Marianne sah wieder zu ihm hoch.
Es würde keine große Umstellung sein, denn in den letzten Wochen hatte sie ohnehin keine Zeit gehabt, nach draußen zu gehen. Sie ahnte aber, dass dies nur ein kleiner Teil ihrer Strafe war.
Snape sah sie an und schließlich sagte er:
„Wissen Sie eigentlich, was da draußen vorgeht? Haben Sie einen blassen Schimmer davon?“
Ohne eine Antwort abzuwarten fuhr er fort:
„Der Direktor sorgt täglich dafür, dass Hogwarts der sicherste Ort Großbritanniens ist und Sie verschwinden einfach mal kurz, um einen Köter und einen Werwolf zu besuchen...? Wollen Sie sich damit über ihn lustig machen?“
„Nein.“, flüsterte sie schnell und ließ die Beleidigung ihrer beiden Freunde unerwidert. Jetzt war nicht der richtige Moment, um sie zu verteidigen.
Sie wartete still, bis Snape wieder etwas sagen würde und die schlimmsten Szenarien gingen ihr durch den Kopf. Würde er sie weiterhin jeden Tag nachsitzen lassen? Und woraus würde die Strafe bestehen?
Doch Snape ging ans Fenster und sagte nichts mehr. Marianne hatte keine Ahnung, was in ihm vorging, doch sie vermied es, ihn anzusehen, sie starrte nur auf den Boden vor ihren Füßen. Schließlich bemerkte sie, dass er sich umdrehte und wieder näher kam, doch sie hielt den Blick gesenkt.
Snape hatte seine Fassung wiedererlangt und sah sie prüfend an. Marianne sah mitleiderregend aus, als sie so vor ihm saß. Auch wenn sie versuchte es zu verbergen, sah er, wie eingeschüchtert sie war und plötzlich fragte er sich, warum hatte er jemals gedacht hatte, dass sie ihn nicht mehr achtete. Er hatte gedacht, dass sie den Respekt vor ihm verloren hatte, aber er sah nun, dass es keineswegs so war. Sie wollte ihn nicht herausfordern, im Gegenteil. Er sah sogar, dass sie leicht zitterte.
Fast stieg Mitleid in ihm auf und er musste beinahe lachen. Sie hatte Angst vor ihm - wo sie doch vor anderen Dingen viel mehr Angst haben musste.
Voldemort war hinter ihr her, aber das schien sie viel weniger zu beunruhigen. Es wäre eine gebührende Strafe, ihr davon zu berichten, dachte Snape, doch er hielt sich zurück. Er durfte sich nicht dazu hinreißen lassen, denn dieses Wissen würde sie nur noch weiter in Gefahr bringen.
Schließlich war sein Entschluss gefallen.
„Ich habe bereits über Ihre Strafe nachgedacht.“, sagte er.
Nun sah Marianne auf und wartete wie eine Angeklagte, dass er weitersprach und das Urteil verkündete.
„Sie werden mir dabei helfen, Zaubertränke zu brauen.“
Marianne starrte ihn nur an und fragte sich, was er damit meinte.
„Außerdem wird das Nachsitzen ab jetzt am Wochenende stattfinden.“
Es war eine Weile still und schließlich fand sie ihre Sprache wieder.
„Und... das ist alles?“, fragte sie vorsichtig.
„Ja, das ist alles.“
„Äh...danke, Professor.“, stotterte sie und konnte es kaum fassen. Nach seinem Wutausbruch hatte sie mit viel Schlimmerem gerechnet. Snape nickte.
„Sie werden mir helfen, Zutaten zu bearbeiten und nach meiner Anleitung zu verarbeiten. Aber sollten Sie sich einen Fehltritt erlauben, dann rechnen Sie nicht mehr mit meiner Nachgiebigkeit, haben Sie verstanden?“, sagte er streng.
Marianne fragte sich, ob sie träumte und sah ihn mit ungläubiger Dankbarkeit an. War das alles oder gab es noch einen Haken an der Sache, den sie nicht erkennen konnte? Snape sah sie erwartungsvoll an.
„Ja,“, erwiderte Marianne schnell. „Natürlich, Professor.“
Sie war unheimlich erleichtert und schließlich breitete sich in ihr ein Gefühl unglaublicher Erleichterung aus.
„Können Sie sich noch daran erinnern, was ich Ihnen damals während Ihres Okklumentik-Unterrichts über die Verletzung des Direktors gesagt habe?“, fuhr er fort.
Marianne nickte. Natürlich, wie hätte sie das auch je vergessen können.
„Gut.“, sagte Snape. „Es ist sehr schwierig, ein Gegenmittel zu finden und leider war bisher nichts erfolgreich. Ich brauche jemanden, der mir hilft, Zaubertränke zu brauen, denn die Zeit drängt. Die Ausbreitung der Verletzung konnte ich zwar stoppen, aber noch nicht rückgängig machen, Sie werden also erkennen, von welcher Wichtigkeit Ihre Aufgabe ist.“
Es war das erste Mal, dass Snape die Hütte wieder erwähnte, er hatte es danach tunlichst vermieden, darüber zu sprechen, schließlich war die Hütte verbunden mit einem Vorfall, den Snape gern verdrängte, aber den keiner von beiden wirklich vergessen konnte.
„Ja natü...“
Mariannes Blick fiel auf seine einbandagierten Hände und sie stockte. Erst jetzt hatte sie es bemerkt, denn vorhin war sie zu verängstigt gewesen, um darauf zu achten. Was hatte er sich nur getan? Als Snape bemerkte, wo Marianne hinstarrte, nahm er seine Hände von der Sessellehne und sah sie wütend an. Er hasste es, Schwäche zu zeigen oder gar bemitleidet zu werden.
„Was wollten Sie sagen?“, fragte er forsch.
„Sie sind verletzt, Professor.“, sagte sie bestürzt.
„Ach wirklich!“, zischte er sie an und sagte: „Sie merken aber auch alles, Miss Richis, oder sollte ich besser sagen, Miss Neunmalklug?!“
Das Mitleid, das sie für ihn gehabt hatte, war sofort wieder wie weggeblasen.
„Da gibt es viele andere, auf die das besser zutreffen würde, Professor ...“, sprudelte es aus ihr heraus, ohne dass sie vorher darüber nachgedacht hatte.
„Und wen meinen Sie damit?“, knurrte Snape etwas verblüfft.
„Hermine Granger zum Beispiel. Oder Ernie Macmillan.“, antwortete sie schnell.
Snape hob die Augenbrauen in die Höhe und sah sie forschend an.
„Da haben Sie in der Tat Recht.“, sagte er schließlich.
„Nun, Sie werden am Samstag pünktlich um sieben Uhr hier sein, verstanden?“, fuhr er fort und kam damit schnell wieder zur Sache. "Und seien Sie froh, dass diese Sache so dringend ist, sonst hätte ich noch ganz andere Strafarbeiten für Sie gefunden."
„Ja, Professor.“
„Gut. Und nun gehen Sie, bevor ich es mir wieder anders überlege.“, befahl er forsch.
Marianne nickte und war so schnell aus den Kerkern draußen wie schon lange nicht mehr. Sie lief alle Treppen hinauf bis in den Gemeinschaftsraum. Völlig außer Atem, aber glücklich kam sie oben an. Sie rief dem Porträt schon von weitem das Passwort zu und sprang dann hindurch. Ihre Freundinnen saßen am Sofa und unterhielten sich. Verblüfft sahen sie Marianne an, als sie herein stürmte, auf das Sofa sprang und dann den Mädchen in die Arme fiel.
„Es ist nichts schlimmes, ich muss nur Zaubertränke brauen!“, rief sie freudig.
Die Mädchen konnten es kaum glauben und freuten sich für Marianne.
„Wie gibt’s denn das? Gibt es einen Haken an der Sache?“, fragten sie durcheinander.
„Er braucht Hilfe, weil er verletzt ist und die Zaubertränke nicht selber machen kann.“, erklärte Marianne.
Die Mädchen waren erstaunt und fanden die Neuigkeiten toll.
„Das muss gefeiert werden!“, rief Lisa und holte sofort das Butterbier und Knabbergebäck aus ihrem Zimmer.
Endlich konnte Marianne wieder die Zeit mit ihren Freundinnen genießen. Cho, Lisa, Clarice, Lissie und Jacky saßen mit ihr zusammen im Gemeinschaftsraum und feiern mit ihr. Marianne war richtig gerührt, denn ihre Freundinnen waren so lieb zu ihr und freuten sich ehrlich, dass sie nun wieder mehr Zeit mit ihnen verbringen konnte. Sie hatte sich wohl getäuscht, als sie sich ausgegrenzt vorgekommen war. Nun war sie gleich wieder voll integriert und die Mädchen saßen noch lange zusammen und tranken Butterbier.

Zur selben Zeit saß Snape unten in den Kerkern und schüttelte den Kopf über sich selbst. Wie er es verabscheute, wenn er diese sensiblen Phasen hatte. Bereits jetzt bezweifelte er die Richtigkeit seiner Entscheidung. Marianne hatte es mehr denn je verdient, eine saftige Strafe abzusitzen, nachdem sie ihn mit dem Zeitumkehrer hintergangen hatte. Doch er würde natürlich zu seinem Wort stehen.
Irgendwie war ihm völlig die Lust daran vergangen, sie zu bestrafen, er war einfach nur froh, dass sie wieder da war.
Für Snape war die halbe Stunde ihrer Abwesenheit ein reines Horrorszenario gewesen. Selbst Dumbledore war sehr beunruhigt gewesen und zusammen hatten sie den Bereich des Schlosses abgesucht, in dem er Marianne über die Karte der Rumtreiber das letzte Mal gesehen hatte. Sie hatten sie nirgendwo finden können und automatisch hatte er sich vorgestellt, wie ein weiteres unschuldiges Mädchen sterben musste, weil er die Gefahr unterschätzt hatte. Weil er dem dunklen Lord den Plan ihrer Entführung nicht ausgeredet hatte.
Schon früher einmal hatte er einen ähnlichen Fehler gemacht und dann war es zu spät gewesen, er hatte den Tod des Mädchens verschuldet, das er am meisten geliebt hatte.
Lästigerweise hatte er sich heute Nachmittag nicht dem Eindruck erwehren können, dass er erneut denselben Fehler gemacht hatte, dass er die Gefahr unterschätzt hatte. Aber Gott sei Dank war es noch einmal gut ausgegangen und all die Aufregung war umsonst gewesen.
Snape seufzte.
Marianne machte ihn noch fertig. Es war ihr scheinbar egal, dass sie andauernd Nachsitzen musste, sie lernte einfach nicht daraus und beging immer wieder irgendwelche Regelbrüche. Da war es besser, er ließ sie zur Strafe Zaubertränke brauen, dann war sie ihm wenigstens nützlicher, als wenn er ihr irgendwelche unsinnige Aufgaben auftrug.
Doch dies war nicht der einzige Grund für die milde Bestrafung. Tief in seinem Inneren wusste Snape, dass es einen zweiten Grund gab, über den er lieber nicht nachdenken wollte. Er hasste nichts mehr, als wenn er Opfer seiner Gefühle wurde - was Gott sei Dank selten genug vorkam. Wenn er dann doch einmal eine sensible Phase hatte, dann wurde er plötzlich nachgiebig und viel zu weich, jedenfalls für seinen Geschmack.
Doch die Stimme in seinem Inneren erinnerte ihn daran, was der Direktor ihm erzählt hatte: Marianne hatte sich um ihn Sorgen gemacht, als er weg gewesen war.
Verdammt! Dumbledore hat genau gewusst, was er tut, fluchte er. Der Direktor hatte ihn absichtlich manipuliert, weil er wusste, dass es Snape nicht kalt lassen würde. Er war seiner Schülerin nicht egal.
Damit sah sich Snape einmal mehr bestätigt in seiner Abneigung, andere Menschen an sich heran zu lassen. Es machte einen beeinflussbar und der Direktor liebte es augenscheinlich, das Wissen über ihn auszunutzen.
Aber in einem Punkt hatte der Direktor ja recht, er hatte sie schon genug bestraft, denn Marianne war ja eigentlich doch ein liebes Mädchen...
Snape schrak auf. Was hatte er eben schon wieder gedacht? Sie war ein liebes Mädchen? Er schnaubte verächtlich. Es ging ihm auf die Nerven, dass sein Hirn in letzter Zeit vermehrt diesen Blödsinn zu produzieren schien. Bellatrix hatte recht, sagte er zu sich selbst, er wurde wirklich alt und sentimental...
Marianne war ja eine gute Schülerin, zugegeben, aber von mögen war er noch weit entfernt! Er mochte seine Schüler nicht, er unterrichtete sie...!


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