
von Lilly10
Am nächsten Tag aßen sie noch gemeinsam zu Mittag, doch dann reisten die Weasleys wieder ab. Sie verabschiedeten sich voneinander und einer nach dem anderen umarmte Marianne.
„Bis bald.“, sagten die Zwillinge zu ihr und zwinkerten ihr zu, dann traten sie durch die Tür ins Freie und apparierten.
Die Ferien schritten voran und es geschah nichts weiter Aufregendes , doch Marianne fand es schön, Zeit mit Remus und Sirius zu verbringen und sie führten viele interessante und lustige Gespräche.
Oft, wenn sie in der Küche saßen, lehnte Harry in einem der Stühle und schrieb Briefe, die er anschließend mittels einer Eule wegschickte. Marianne war sich ziemlich sicher, dass er an Cho schrieb, doch leider saß er immer so, dass sie keinen Blick auf die Zeilen erhaschen konnte. Das ärgerte sie und sie fragte sich ob Harry wusste, wie neugierig sie war.
Als sie zwei Tage vor Schulbeginn gemeinsam beim Tee saßen klopfte es plötzlich an der Tür und sie sahen auf. Wer konnte das bloß sein?
Remus und Sirius waren sofort alarmiert und zogen die Zauberstäbe, schließlich war es eine gefährliche Zeit. Sirius ging voran in den Gang und rief:
„Wer ist da?“
„Ich bins, Aaron.“
Marianne riss die Augen auf: Ihr Ziehvater war hier!
Sofort stürmte sie zur Tür und riss sie auf. Sie achtete weder auf Sirius‘ wachsamen Blick noch auf seinen Zauberstab, den er zur Sicherheit auf die Tür gerichtet hielt. Remus und Harry standen direkt hinter ihm und hielten ebenfalls ihre Zauberstäbe in der Hand, um im Notfall bereit zu sein. Doch es war tatsächlich Mariannes Vater, der im Eingang stand, und sie fiel ihm sofort um den Hals. Aaron lachte herzlich über ihre ungestüme Begrüßung und umarmte sie fest.
„Hallo mein Mädchen.“, sagte er zu Marianne.
Als Sirius erkannte, dass es tatsächlich Aaron war und keine Gefahr bestand, nahm er den Zauberstab schnell herunter und die Anspannung fiel von Harry und den beiden Ordensmitgliedern ab.
Marianne ließ ihn nicht mehr los und schließlich sagte Sirius schmunzelnd:
„Lass ihn doch erst mal hereinkommen.“
Marianne gab ihren Vater frei und trat zurück, damit er auch die anderen begrüßen konnte. Sie stellten ihm Harry vor und die Beiden schüttelten sich die Hand. Marianne bemerkte überrascht, dass er bereits vereinzelt graue Haare bekommen hatte. Aber es war ja eigentlich auch kein Wunder, er war immerhin zehn Jahre älter als Remus und Sirius... Schließlich gingen sie durchs Vorzimmer und in die Küche hinein.
„Tut mir leid, dass ich es nicht geschafft habe, zu Weihnachten hier zu sein.“, sagte Aaron zu ihr.
„Nicht so schlimm, Dad. Ich freu mich dafür umso mehr, dass du jetzt hier bist.“, erwiderte Marianne und kam aus der Freude nicht mehr heraus.
Aaron überreichte ihr ein Geschenk und sagte:
„Leider etwas verspätet, aber ich hoffe, es gefällt dir trotzdem.“
Marianne umarmte ihn erneut.
„Das wär doch nicht nötig gewesen.“, sagte sie.
Sie setzten sich zusammen und Marianne packte das Geschenk aus. Es war eine wunderschöne Halskette mit einem tropfenförmigen Rubin in silberner Fassung. Marianne war verblüfft, sie hatte noch nie so etwas Wertvolles bekommen.
„Es ist nicht nur eine Kette.“, sagte Aaron und Marianne sah ihn an.
„Was dann?“, fragte sie ihn.
„Wenn du den Stein mit deinem Zauberstab berührst und den Revelio-Zauber aussprichst, kannst du die Erinnerungen sehen, die ich hineingelegt habe. Es sind Erinnerungen von Dingen, die wir beide miteinander erlebt haben. Sie eröffnen sich nur dir alleine.“
Marianne starrte ihn an und konnte es kaum glauben; es war das wundervollste Geschenk, das sie je bekommen hatte. So konnte sie immer ihren Vater sehen, wenn sie ihn vermisse und sie wusste, dass sie diese Kette wie einen Schatz hüten und immer bei sich tragen würde.
„Danke, Vater.“, sagte sie leise und er lächelte, denn er sah ihr an, dass sie sehr ergriffen war.
Marianne legte die Kette sofort um und schließlich begann Aaron von den Reisen zu erzählen, die er dieses Jahr unternommen hatte, denn als Politiker kam er viel herum. Als sie schließlich ins Bett gingen war es schon ziemlich spät und Marianne schlief überglücklich ein.
Am nächsten Morgen, es war Sonntag vor Schulbeginn, flohten Harry, Remus und Marianne zurück nach Hogwarts. Schweren Herzens verabschiedete sich Marianne von ihrem Vater und von Sirius, doch dann stieg sie in den Kamin. In Remus‘ Büro bedankte sie sich noch einmal für die schönen Ferien und ging dann durch die Gänge zum Gemeinschaftsraum der Ravenclaws. Sie freute sich darauf, ihre Freundinnen wieder zu sehen, die Neuigkeiten auszutauschen und die Geschenke zu sehen, die ihre Freundinnen bekommen hatten.
Doch als sie mit ihnen zusammensaß, warf sie immer wieder ein Auge auf Cho, denn sie war neugierig, wie sie sich verhielt. Als sich schließlich die Gelegenheit ergab, zog sie sie zur Seite und sprach sie an:
„Ich habe das mit Harry gehört.“, flüsterte sie.
"Oh..." Cho's Gesicht wurde tiefrot und Marianne erkannte sofort, dass Harry die Wahrheit gesagt hatte.
„Du bist also in ihn verliebt?“, fragte Marianne weiter.
Sie lächelte nur und endlich rückte sie mit der Sprache heraus:
„Er war so süß und hat mich angesprochen. Er hat wohl gemerkt, dass er mir schon lange gefiel.“
Marianne war verblüfft. Er gefiel ihr schon lange? Naja, eines stand fest: Cho war nicht die Mitteilungsbedüftigste, wenn sie verliebt war.
„Seit wann geht das denn mit ihm?“
„Ach, wir haben uns nur ein paar Mal in einem der verlassenen Gänge getroffen... aber dann, kurz vor den Ferien, hat er mich geküsst. Seitdem schreiben wir uns regelmäßig Briefe, aber ich habe ihn seit Weihnachten nicht gesehen.“
„Wow, ich freu mich so für dich, Cho.“, sagte Marianne.
Wenn ihre Freundin mit ihm glücklich war, dann würde sie ihr bestimmt nicht im Weg stehen, es war ja Mariannes Sache, dass sie ihn nicht mochte – aber scheinbar war Harry wirklich nett zu Cho.
Am nächsten Tag begann schließlich wieder der Unterricht und sie ging mit ihren Freundinnen von Klasse zu Klasse. Marianne hatte keine Ahnung wieso, aber als sie in die Kerker trat und sich an einen Tisch setzte, war sie aufgeregt und sie freute sich darauf, Snape wiederzusehen. Sie fragte sich warum - schließlich würde er ihre Freude bestimmt nicht teilen - aber sie konnte ihre innere Unruhe einfach nicht ablegen. Es war einfach komisch, dass sie ihn so lange nicht gesehen hatte, die letzten Monate zuvor war sie ihm schließlich fast jeden Tag entweder im Unterricht oder beim Nachsitzen begegnet. Nicht, dass er ihr irgendwie abgegangen wäre... oder?
Im selben Moment, als sie sich diese Frage stellte, betrat Snape den Klassenraum. Sie sah auf und als er direkt an ihr vorbeirauschte, nahm sie seinen Geruch wahr und ihr Herz klopfte noch höher. Gleichzeitig vergaß sie völlig, worüber sie gerade nachgedacht hatte. Es war derselbe herbe Duft, den sie eingeatmet hatte, als er sie beim letzten Mal Nachsitzen aufgefangen hatte, dachte sie nur. Sein Mantel bauschte sich auf, als er sich ruckartig umdrehte und sich an die Schüler wandte.
Die ganze Stunde lang folgte Marianne aufmerksam seinen Worten und schrieb mit, was er sagte. Sie sah ihn aufmerksamer an als sonst, während er einen Zaubertrank erklärte, doch er erwiderte ihren Blick nicht. Er verhielt sich so wie sonst auch und das war auch nicht weiter ungewöhnlich, nur dass es Marianne irgendwie enttäuschte. Sie konnte nicht sagen, was sie erwartet hatte. Dass er sie persönlich nach den Ferien willkommen hieß? Bei diesem Gedanken lachte sie innerlich auf: Als ob Snape sie vermissen würde!
Als sie in der zweiten Stunde Zaubertränke zubereiten mussten, strengte sie sich wirklich an, um ihn so gut wie möglich hinzubekommen, und es gelang ihr auch. Sie war stolz, denn sie empfand sich nun als eine Art Assistentin von Snape. Wenn er ihr eine solch eine wichtige Aufgabe anvertraute wie Zaubertränke für Dumbledore zu brauen, musste er doch bestimmt viel von ihr halten.
Als Snape durch die Reihen schritt, hatte er allerhand an den Ergebnissen auszusetzen und erteilte so manchen Punkteabzug, doch er nickte anerkennend, als er Mariannes Zaubertrank begutachtete. Und dann, endlich, warf er ihr einen kurzen Blick zu. Marianne freute sich und obwohl er bereits zum nächsten Kessel weiter gegangen war, blieb da dieses eigenartige Kribbeln in ihrem Bauch zurück.
Die Woche verging ohne nennenswerte Vorfälle und als das Wochenende näher kam, stand auch das Nachsitzen wieder an. Am Abend machte sich Marianne schließlich auf in die Kerker und als sie eintrat, überreichte ihr Snape das bekannte Buch und sagte:
„Sie werden heute den Zaubertrank auf Seite 167 zubereiten.“
Marianne hatte bemerkt, dass er keine Verbände mehr um seine Hände trug, sondern nur mehr kleine Pflaster auf den Handflächen hatte. Sie war froh darüber, denn seine Verletzungen schienen zu heilen - nicht so wie die des Direktors. Bevor Snape ihren Blick bemerken konnte schlug sie das Buch auf und las die Anleitung.
Schneiden Sie fünf rote Keulenknollen in kleine Streifen und pressen Sie den Saft heraus, lautete der erste Satz.
Snape setzte sich wie immer an seinen Schreibtisch und arbeitete an irgendetwas. Unsicher, wo sie die Keulenknollen finden sollte, ging Marianne zum Vorratsschrank und las die Beschriftungen der vielen Lädchen durch. Es waren jedoch so viele, dass sie nicht wusste, wo sie zu suchen anfangen sollte.
„Die Knollen befinden sich ganz unten links.“, kam es von hinten.
Erschrocken, dass er sie beobachtete und dankbar zugleich vernahm sie seine Anweisung. Sie sah nach unten und erblickte die Lade.
„Vielen Dank.“, sagte sie, nahm die Knollen heraus und trug sie zum Kessel.
Sie verstand immer weniger, was hier vor sich ging. War es alles ein Trick, wollte er sie nur in Sicherheit wiegen um sie sofort niederzumachen, wenn sie etwas falsch machte?
Mit nervösen Händen setzte sie das Messer an der ersten Knolle an und versuchte, sie zu scheiden. Sofort flutschte ihr die Knolle weg und sprang auf den Boden. Peinlich berührt hob Marianne sie schnell auf und versuchte es noch einmal. Doch sie scheiterte erneut. Als sie nach einigen Versuchen bemerkte, dass es einfach nicht klappte, überwand sie sie und sprach Snape an:
„Professor, würden Sie...“
Snape sah auf und Marianne brach mitten im Satz ab.
Sie hielt den Atem an, denn sie erwartete, angeschnauzt sie werden. Doch nichts passierte. Snape sah sie erwartungsvoll an, daher sprach Marianne mit neuem Mut weiter:
„Würden Sie mir zeigen, wie ich diese Knollen schneiden kann...?“
Snapes Blick wanderte zu der Knolle in ihren Händen, dann nickte er und stand auf. Marianne war nervös, als er auf sie zuschritt und sich neben sie stellte. Es war immer noch eigenartig, dass er nett zu ihr war und sie traute dem noch nicht so recht.
Snape nahm das Messer und setzte es an der Knolle an.
„Halten Sie das Messer in einem flachen Winkel zur Knolle und schneiden Sie nur kleine Stücke ab: So.“
Sie beobachtete, wie er es machte, und wirklich glitt das Messer ganz einfach durch die Knolle hindurch. Er gab ihr das Messer zurück und Marianne versuchte es selbst. Sie legte das Messer schräg, wie er es ihr gezeigt hatte, und drückte leicht an. Sofort platzte das Messer ab.
„Versuchen Sie es mit mehr Druck und einem engeren Winkel.“, ordnete Snape an, der es genau beobachtet hatte.
Marianne wurde unter seiner Begutachtung noch nervöser und sie vermasselte es erneut, das Messer rutschte ab. Ängstlich erwartete sie, dass er sie niedermachte und verspottete.
„Man muss genau den richtigen Druck finden, um die Knolle schneiden zu können, aber es erfordert etwas Übung.“, erklärte er seelenruhig.
Er trat hinter sie und Marianne wurde nervös. Was hatte er vor?
Plötzlich legte er seine Hand auf die ihre. Marianne erschrak, sie erstarrte unter seiner sanften Berührung und hielt die Luft an. Ihr Herz raste, sie nahm nichts anderes mehr wahr als seine Finger, die sanft auf den ihren lagen. Sie verlor durch die Berührung komplett den Boden unter den Füßen und hatte Mühe, aufrecht stehen zu bleiben und sich zu konzentrieren. Er führte ihre Hand an die Knolle und Marianne musste daran denken, das Messer festzuhalten und nicht fallen zu lassen.
„Sie legen das Messer so auf die Knolle.“, erklärte Snape, aber sie hörte kaum zu.
Er drehte ihr Handgelenk ein wenig und übte mithilfe ihrer Hand Druck auf das Messer aus. Sofort glitt es durch die Knolle hindurch. Marianne fühlte, dass ihre Hände schweißnass waren und es überall an ihrem Körper kribbelte.
Snape, ihr Professor, stand dicht hinter ihr, sie konnte sogar die Wärme seines Körpers an ihrem Rücken spüren. Als er sie losließ, merkte Marianne, dass sie die ganze Zeit über nicht geatmet hatte und sie atmete leise, aber tief durch.
„Verstanden?“, hörte sie ihn plötzlich sagen.
„Ja, Sir...“ , hauchte sie.
Marianne konnte sich nicht mehr erinnern, was er gesagt hatte.
„Und nun versuchen Sie es.“
Marianne hatte schweißnasse Hände, als sie das Messer anfasste und sie wusste, dass sie es komplett falsch machte. Sie versuchte sich an seine Erklärung zu erinnern und zögerte.
„Geht es Ihnen gut?“, hörte sie Snape sagen und sah auf.
„Ja, alles in Ordnung.“, erwiderte Marianne mit rauer Stimme und war erleichtert, als er nickte und zurück zu seinem Arbeitsplatz ging.
Sie verbarg ihre Aufregung, indem sie auf ihre Hände starrte und sich an der Knolle zu schaffen machte. Gott sei Dank: Es gelang ihr, die Knolle so zu schneiden, wie er es ihr gezeigt hatte. Doch ihre Wangen waren gerötet und ihr Herz schlug noch immer wie verrückt. Was hatte das zu bedeuten?
Sofort erinnerte sich Marianne an ihre Zeit in der einsamen Hütte, als Snape sie in Okklumentik unterrichtet hatte. Es schien so lange her und doch erinnerte sie sich an die eine Nacht, als wäre es gestern gewesen. Es war ein Schock für sie gewesen, dass sie nach einigem Alkoholkonsum in seinen Armen aufgewacht war. Es war nichts weiter geschehen und doch konnte sie dieses Gefühl der Nähe nicht mehr vergessen, das sie verspürt hatte, als sie in seinen Armen lag. Lange Zeit war es begraben gewesen; sie hatte nicht mehr daran gedacht, da Snape sie andauernd so fies behandelt hatte, dass nur mehr Hass für ihn übriggeblieben war. Doch nun erinnerte sie sich genau. Es war dieselbe Situation - nur, dass Snape diesmal absichtlich in ihre Nähe getreten war. Ging es ihm denn genauso? Dachte er noch manchmal daran oder hatte er es aus seinem Gedächtnis gelöscht?
Da sie nicht wusste, wie sie reagieren sollte und was dieser Vorfall bedeutete, vertiefte sie sich so gut wie sie konnte in ihre Arbeit und sah nicht auf. Etwa eine Stunde später hatte sie den Trank fertig zubereitet, sie hatte genau darauf geachtet, keinen Fehler zu machen, und war zuversichtlich, dass ihn das Ergebnis zufriedenstellen würde.
„Professor... ich bin fertig.“, sagte sie und versuchte, ihre Unsicherheit zu verbergen.
Als Snape aufstand und sich neben sie stellte, um den Trank zu überprüfen, begann ihr Herz erneut vor Aufregung zu klopfen. Sie konnte Snape nur schwer einschätzen und das gab ihr ein mulmiges Gefühl, doch sie spürte auch ein aufgeregtes Kribbeln im Bauch. Was ging bloß in ihm vor? War es denn normal, dass ein Lehrer die Hand seiner Schülerin anfasste, um ihr zu helfen? Und würde er es erneut tun?
Marianne wusste irgendwie, dass sie nichts dagegen hätte. Sie bemerkte kaum, dass Snape eine Probe aus dem Kessel entnahm und ihren Zaubertrank untersuchte. Sie fühlte nur das Kribbeln in ihrem Körper und die Atemlosigkeit, die davon ausgelöst wurde, dass er ganz dicht neben ihr stand.
„Sie haben einen sehr brauchbaren Trank hergestellt, Miss Richis.“, sagte er und riss sie aus ihrer Trance. „Holen Sie mir bitte vier von den Phiolen.“
Marianne nickte und ging zum Glasschrank. Sie bemühte sich, nicht zu zittern und womöglich noch ein Glas fallenzulassen und nahm die Fläschchen aus dem Schrank. Langsam und sicher brachte sie sie zum Tisch und reichte Snape das erste. Er füllte den Trank mithilfe einer Pipette in das Glas und gab es ihr zurück. Es war unvermeidbar, ihn nicht dabei zu berühren und Marianne zwang sich dazu, nicht nervös zu werden. Als sie das Glas ergriff, trafen sich ihre Finger, doch Marianne ignorierte es und konzentrierte sich darauf, das Glas nicht fallen zu lassen. Sie verkorkte es und reichte ihm das nächste. Sie war heilfroh, als alle Gläser voll waren, denn ihre Anspannung war unerträglich.
„Gut, Sie können jetzt gehen.“, sagte er. „Guten Abend, Miss Richis.“
„Guten Abend.“, erwiderte sie und ging.
Sie war heilfroh, als sie die Türe hinter sich geschlossen hatte. Mit klopfendem Herzen ging sie die dunklen Gänge entlang. Sie war immer noch aufgeregt. War es normal, dass ein Professor seine Schülerin in dieser Weise anfasste? Immer wieder dachte sie darüber nach, selbst als sie schon im Bett lag, doch Marianne konnte es nicht einschätzen und grübelte noch lange darüber nach. Es war schwer, einzuschlafen, denn sie war immer noch aufgeregt. Doch warum fühlte sie keine Abscheu? Warum war sie vor seiner Berührung nicht geflohen? Immerhin war er ihr Lehrer und bis vor kurzem hatte sie ihn noch gehasst... Sie verstand weder Snape noch sich selbst, daher gab sie das Grübeln nach einiger Zeit auf und schlief ein.
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