
von Lilly10
Zur selben Zeit als Marianne bange wartete, dass Sirius und Remus zurückkamen, stand Voldemort im ersten Stock eines ausgewählten Hauses.
Der Saal war groß, aber seine Todesser waren so zahlreich, dass er voll gefüllt war. Die wichtigsten der Todesser saßen an einem Tisch in der Mitte, die anderen hatten sich um sie herum verteilt. Ihre Blicke hingen an ihrem Meister, der am Ende dieses Tisches Platz genommen hatte. Alle warteten gespannt, denn Voldemort hatte die Versammlung als letzte Besprechung geplant, um seine Anhänger auf den Angriff auf Hogwarts vorzubereiten.
Es gab jedoch einen Umstand, der die Euphorie des dunklen Lords gedämpft hatte und ihn vorerst von seinem Vorhaben ablenkte: Ein Vertrauter hatte ihm berichtet, dass Xavier Malfoy in Hogwarts gesehen worden war und niemand genau wusste, warum er dort gewesen war. Voldemort stand daher verärgert von seinem Stuhl auf und eröffnete die Versammlung mit eisiger Kälte. Seine Anhänger erfuhren den Grund für seine schlechte Laune und anschließend begann der dunkle Lord, den jungen Malfoy zu verhören. Er stand vor dem Tisch, an dem seine Todesser saßen, und fuhr den Jungen an:
„Was hattest du dort zu suchen, Xavier!?“
Er fixierte ihn mit seinen stechenden, geschlitzten Augen, doch als Xavier nicht sofort antwortete, stand Narzissa auf, die neben ihrem Sohn saß, und sagte flehend:
„Mein Herr, Xavier hat bestimmt keine bösen Absichten gehabt. Er würde niemals...“
„Still, Narzissa!“, unterbrach Voldemort sie in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. „Das ist eine Sache zwischen mir und deinem Sohn.“
Narzissa wagte es nicht, ihn noch weiter zu stören und verstummte. Sie setzte sich wieder, während Voldemort sich an Xavier wandte.
„Ich warte immer noch auf eine Erklärung, Xavier.“, sagte er mit drohender Stimme.
„Ich... ich habe bloß eine Freundin besucht.“, kam es von einem eingeschüchterten Xavier.
„In den Sommerferien?“, erwiderte der dunkle Lord und zog eine Augenbraue in die Höhe.
„Er ist ein Verräter!“, rief plötzlich einer der Todesser.
„Ruhe!“, fuhr Voldemort ihn an. „Das werde ich selbst entscheiden!“
Plötzlich änderte sich sein Gesichtsausdruck und er glich einer Schlange, die bereit war, jeden Moment zuzubeißen.
„Ich dulde keine Lügen, Xavier...“, hisste er, während er um dessen Stuhl herumglitt. „Ich kann in deinem Gesicht lesen als wärst du ein offenes Buch, also sprich, wenn du nicht willst, dass ich härtere Maßnahmen anwende!“
Im selben Moment ertönte ein lauter Knall und die Eingangstüre im Erdgeschoß sprang aus der Verankerung. Ein paar der Todesser sprangen vor Schreck von ihren Stühlen auf und auch Voldemort fuhr herum.
Remus, Tonks, Sirius, Hagrid, Moody, Diggel, Doge, Severus, die Weasleys und viele andere rannten in das Haus hinein. Als Voldemort erkannte, dass Dumbledores Ordensmitglieder ins Haus eindrangen, wurde seine Gestalt riesig und drohend und er fuhr mit Geheul zwischen seine Todesser hinein.
„Derjenige, der mich verraten hat, wird den schlimmsten Tod sterben, den ein Mensch jemals erlebt hat!“, schrie er.
Die Todesser standen wie gelähmt da und wussten scheinbar nicht, vor wem sie mehr Angst haben sollten: Vor den Feinden oder vor ihrem Herrn, dem sie dienten.
Zur selben Zeit kamen die Ordensmitglieder über die Treppe herauf gelaufen.
Auch Severus war unter ihnen und er erkannte auf den ersten Blick, dass Voldemort und die Todesser tatsächlich unvorbereitet waren. Xavier Malfoy hatte also die Wahrheit gesagt, so wie Dumbledore es vorhergesehen hatte. Er war unglaublich erleichtert darüber, denn die Überraschung verschaffte ihnen den Vorteil, den sie so sehr nötig hatten, und er begann ohne zu zögern den Kampf.
Die Todesser erwachten aus ihrer Erstarrung, als die Ordensmitglieder auf sie zurannten, und begannen sofort, Flüche auf die Angreifer zu schießen. Binnen Sekunden entstand ein riesen Chaos, die Luft war erfüllt von Schreien und Flüche zischten scheinbar wahllos hin und her. Der Kampf wurde schnell unüberschaubar, doch es dauerte nicht lange, bis Voldemort Harry Potter unter den Kämpfenden ausmachte. Er hielt sofort inne und achtete nicht mehr auf die anderen. Er bahnte sich einen Weg durch die Menge, indem er Flüche auf die schoss, die ihm im Weg standen, und sah gerade noch, wie Harry dem Todesser Jugson durch eine Türe folgte.
Als er selbst durch die Türe glitt, wirbelte Jugson, von Harry’s Stupor getroffen, durch die Luft. Er schrie auf und blieb am Boden zusammengesackt liegen, scheinbar bewusstlos, doch Voldemort hatte nicht einmal einen Blick für ihn übrig. Es war ihm völlig egal, was mit seinem Todesser geschah, seine ganze Aufmerksamkeit war auf den Jungen mit der Narbe auf der Stirn gerichtet.
„Harry!“, hisste er laut, nachdem er die Tür verriegelt hatte. „Wie töricht von dir, hierher zu kommen. Du bist dem Tod direkt in die Arme gelaufen.“
Harry drehte sich um und sah ihm mutig entgegen. Draußen hörte er den Kampf toben, doch die Laute wurden durch die geschlossene Türe gedämpft.
„Es wird sich erst entscheiden, wer von uns den Tod findet.“
„Du, Harry.“, erwiderte Voldemort. „Wahrscheinlich auch deine törichten Freunde, aber du ganz bestimmt.“
Bevor Harry noch etwas sagen konnte, begann der dunkle Lord den Kampf. Sie duellierten sich, bis plötzlich ein lauter Knall ertönte. Die Tür wurde aus der Verankerung gehoben und sprang zur Seite, gleichzeitig rannte Dumbledore in den Raum. Als Voldemort ihn erblickte, wurde sein Gesicht blass, noch blasser als seine Haut bereits war, und er hielt erschrocken inne.
„Du wirst Harry nichts antun, Tom!“, rief Dumbledore wütend und zielte mit dem Zauberstab auf ihn. „Er steht unter meinem Schutz!“
Da Voldemort einen Anti-Apparierfluch auf das Haus gelegt hatte, konnte er nicht sofort fliehen, doch seine Angst vor Dumbledore war so groß, dass er blitzartig zum Fenster floh. Er hatte nicht den Mut gegen die Beiden gleichzeitig anzutreten und wusste sofort, dass eine Flucht seine einzige Chance war. Harry erkannte, was er vorhatte, und rannte auf dasselbe Fenster zu, so schnell er konnte.
„Harry, nicht!“, schrie Dumbledore und wollte ihn zurückhalten, doch Harry stürzte dem dunklen Lord durch das Fenster nach.
Er bekam ihn gerade noch am Umhang zu fassen, im selben Moment, als Voldemort apparierte. Voldemort verschwand plötzlich und Harry mit ihm. Dumbledore blieb stehen und starrte auf den Fleck, an dem die beiden aus dem Fenster gestürzt waren. Sein Atem ging schnell. Was hatte er getan? Er hatte diese Situation heraufbeschworen. Er fürchtete um das Leben seines Schützlings, aber er konnte Harry nicht helfen. Voller Sorge wartete er noch einige Augenblicke, doch als sie nicht wiederkamen, drehte er sich um, um den anderen im Kampf beizustehen. Gleichzeitig kam ihm Severus entgegengelaufen.
„Wo ist er?“
„Er ist appariert.“, antwortete er. „Mit Harry.“
Severus sah die Besorgnis in Dumbledores Gesicht, doch er konnte ihm nicht helfen. Es war jetzt nicht die Zeit, um ihn zu beruhigen, denn in den anderen Räumen und vor dem Haus tobte der Kampf, daher verließen sie den Raum.
Dumbledore sah mit Schrecken, dass Minerva McGonagall verletzt am Boden lag. Sie versuchte verzweifelt, zwei Todesser abzuwehren. So schnell er konnte, eilte er ihr zu Hilfe.
Gleichzeitig wurde Severus von einem schrillen Schrei aufgerissen. Er erkannte diese Stimme sofort und wandte sich in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war. Er erblickte Xavier Malfoy auf der anderen Seite des Raumes. Er stand an die Wand gepresst da und zitterte am ganzen Körper, während er versuchte, sich mit einem Protego vor dem Angreifer zu schützen. Crouch jr. stand vor ihm und Severus schnappte im Lärm nur ein paar Worte auf, die er Xavier an den Kopf warf.
„... Lügner ... bereuen.“
Scheinbar wusste der Todesser, dass Xavier für den Überfall verantwortlich war. Er musste ihm sofort zu Hilfe eilen! Der Raum war voll von Kämpfenden und er sah, dass es fast unmöglich war, den Raum rechtzeitig zu durchqueren. Er hatte alle Hände voll zu tun, sich vor den umherschwirrenden Flüchen zu schützen und kam kaum einen Schritt vorwärts. Zum weiteren Übel hatte Rabastan Lestrange ihn ausgemacht und warf sich mit größter Wut auf ihn.
„Du Verräter! Du wirst noch bereuen, was du getan hast!“, beschimpfte Rabastan ihn, während er ihn mit den unverzeihlichen Flüchen bombardierte.
Severus antwortete nicht auf die Beleidigungen, sondern versuchte, ruhig zu bleiben und sich zu verteidigen. Immer wieder wehrte er die Flüche ab, die ihm entgegen schossen.
Im Augenwinkel bekam er mit, dass Xavier die Treppen hinunter und aus dem Haus rannte, gefolgt von Crouch. Doch es war unmöglich für ihn, ihnen nachzueilen, denn Rabastan war ein guter Kämpfer und er musste sich anstrengen, um die Oberhand zu erlangen.
Severus wehrte Rabastan's Flüche mit kleinen Handbewegungen ab und griff dann sofort wieder an. Er schwitzte, doch schließlich gelang es ihm, Rabastan mit einem Stupor zu überraschen und ihn außer Gefecht zu setzen. Noch während Rabastan durch die Luft flog, rannte Severus bereits in Richtung Ausgang, während er immer wieder Flüche von sich abschirmte, die auf ihn zurasten.
Er hatte nur den einen Gedanken: Er musste Xavier zu Hilfe kommen. Er durfte nicht zulassen, dass Xavier mit seinem Leben bezahlte, dass er Severus vertraut und die Todesser verraten hatte. Er konnte kaum mehr einen klaren Gedanken fassen, denn er wusste, dass er es nicht ertragen könnte, ein weiteres Leben auf seinem Gewissen zu haben.
Er rannte die Treppen hinab ins Erdgeschoß und als Severus endlich die Tür erreichte, durchfuhr ein schmerzhafter Blitz sein Knie und er schrie auf. Er stolperte und schaffte es gerade noch, sich an der Wand abzustützen. Er hatte den Fluch nicht kommen sehen - er hatte nur noch an Xavier gedacht, doch nun war er wieder vollkommen bei sich. Ohne auf die Schmerzen zu achten fuhr er herum und sah Yaxley mit glühendem Blick auf ihn zugehen. Er hatte seinen Zauberstab auf ihn gerichtet, bereit für den nächsten Fluch. Severus nahm blitzartig seinen Zauberstab in die Höhe und schaffte es gerade rechtzeitig, den nächsten Fluch abzuwehren. Mit einem lauten Zischen fuhren die Blitze auseinander, doch Yaxley ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Seine Augen waren grau und seine blonden Haare fielen seinen Rücken hinunter. Er trug sie immer zusammengebunden, sodass sie ihn beim Kampf nicht störten. Sein Gesicht war kalt und arrogant. Severus wusste, wie gefährlich Yaxley war. Er kämpfte nicht wie die anderen mit Wut und Aggression, sondern mit tödlichem Kalkül. Und er war Severus auf jeden Fall ebenbürtig.
Schon in der nächsten Sekunde schoss ein weiterer Fluch auf ihn zu, und Severus schützte sich blitzartig mit einem Protego.
Er spürte die Schmerzen in seinem Bein und bekam plötzlich so etwas wie Angst. Er wusste, dass die Möglichkeit bestand, dass er den Kampf nicht überlebte. Früher war er oft in solchen Situationen gewesen, doch es war das erste Mal, dass er Angst hatte zu sterben. Es war nicht so wie früher, wo er sich bereits aufgegeben hatte und nur mehr lebte, um sich von einem Teil der Schuld zu entlasten. Jetzt hatte er plötzlich etwas zu verlieren. Was, wenn er Marianne niemals wieder sah? Er begann noch mehr zu schwitzen , doch Yaxleys Stimme riss ihn aus der Erstarrung.
„Was?“, fragte er. „Hast du plötzlich Angst, Snape? Fürchtest du dich? Tja, du hast allen Grund dazu. Du kommst hier niemals lebend wieder raus!“
Severus schluckte. Yaxley war intelligent. Er hatte sogar erkannt, wie es in Severus aussah. Er wusste, dass er plötzlich verunsichert war.
Severus konnte kaum auf dem rechten Bein aufsteigen und suchte nach einem besseren Halt an der glatten Wand, während er seinen Zauberstab auf Yaxley gerichtet hielt – bereit, sich sofort zu verteidigen, wenn der Todesser angriff.
„Du irrst dich, Yaxley. Der, für den du kämpfst, ist bereits geflüchtet und ihr seid in der Unterzahl.“, zischte Severus, aber er wusste, dass er bloß versuchte, sich selbst Mut zuzusprechen.
Yaxley lachte nur verächtlich.
„Nur, wenn du die Minderjährigen dazurechnest, die ihr mitgebracht habt.“
Severus wollte etwas erwidern, doch plötzlich sah er Yaxleys Augen flackern – nur für den Bruchteil einer Sekunde – aber das genügte und er wusste sofort, dass er im Begriff war, anzugreifen. Gleichzeitig zischten die Flüche aus ihren Zauberstäben und fuhren in der Mitte auseinander.
„Gut erkannt.“, meinte Yaxley anerkennend. „Aber nicht gut genug, Snape, nicht gut genug.“
Yaxley feuerte die unverzeihlichen Flüche auf ihn ab. Severus gelang es, sie abzuwehren, aber sein verletztes Bein machte es ihm unmöglich, sich schnell und wendig zu bewegen.
„Du glaubst doch nicht etwa, dass du das durchhältst, hm?“, spottete Yaxley.
Im selben Moment griff Severus ihn an, doch der Todesser schleuderte seinen Fluch weg und lachte dabei höhnisch.
„So leicht mache ich es dir nicht, Snape.“
Severus wurde wütend. Er wusste, dass er im gesunden Zustand mindestens ebenbürtig mit Yaxley war, und dessen Spott war weniger als gerechtfertigt.
„Fahr zur Hölle, Yaxley!“, zischte er und er schleuderte ihm mehrere Flüche entgegen.
Gleichzeitig feuerte Yaxley auf ihn und die Zauber stießen mit einem lauten Krachen zusammen und fuhren auseinander. Die beiden Zauberer feuerten wie wild aufeinander los, sodass es schwer war, den Überblick zu behalten. Severus wusste, dass es aus war, wenn er nur einen Fluch übersah und sich nicht rechtzeitig verteidigte - wenn er nur eine Sekunde innehielt. Er fühlte, wie er an der Wand immer weiter abrutschte. Er musste unbedingt in eine bessere Position kommen, er durfte nicht den Halt verlieren, denn jede noch so kurze Unaufmerksamkeit konnte ihm zum Verhängnis werden! Yaxley kam immer weiter auf ihn zu, doch er konnte weder vor noch zurück.
„Crucio!“, hörte er Yaxley zischen.
„Stupor!“, rief er gleichzeitig und die beiden Flüche lenkten sich ab.
Yaxley grinste.
„Hast du die unverzeihlichen Flüche verlernt, Snape?“, sagte er höhnisch.
„Expelliarmus!“, zischte Severus und ließ sich durch Yaxleys Spott nicht ablenken.
Der Todesser entschärfte den Fluch und kam noch näher auf ihn zu. Seine grauen Augen ruhten auf Severus und strahlten höchste Selbstsicherheit aus, während sein Mund zu einem boshaften Grinsen verzerrt war. In der selben Sekunde schützte Yaxley sich vor einem Fluch, der von der Seite auf ihn zugerast war, als wäre es ein Kinderspiel.
„Impedimenta!“, rief Severus.
Der Todesser wich mit einer kleinen Bewegung aus.
„Avada Kedavra.“, hisste der Todesser und ein roter Strahl schoss auf Severus zu.
„Protego!“, rief Severus.
Erneut feuerte der Todesser auf ihn. Severus spürte, wie er an Kraft verlor. Er musste den Kampf schnell beenden, sonst sah es nicht gut für ihn aus. Schneller als vorher schoss er die Flüche auf Yaxley, doch dieser tat es ihm gleich und Severus kam kaum mehr dazu, ihn anzugreifen. Er verteidigte sich mit einer ruckartigen Handbewegung und dabei geschah das Unvermeidliche: Er rutschte an der Wand ab. Schnell suchte er nach Halt und richtete sich wieder auf, doch als er seine Aufmerksamkeit auf Yaxley richtete, feuerte dieser bereits den nächsten Fluch auf ihn. Severus riss seinen Zauberstab in die Höhe, doch gleichzeitig erfasste ihn der Zauber, durchfuhr seinen Körper und warf ihn dann nach hinten um. Er schrie unterdrückt auf und landete dann unsanft auf dem Boden. Ein eigenartiges Gefühl erfasste seinen Körper und er zitterte. Er hatte den unverzeihlichen Fluch nur mehr halb abwehren können und er fühlte die Schmerzen in seinen Gliedern, doch es hatte Schlimmeres verhindert: Er lebte noch.
Am Boden liegend öffnete er die Augen und erblickte Yaxley nur wenige Meter von ihm entfernt mit einem grimmigen Gesichtsausdruck. Seinen Zauberstab hatte er hoch erhoben und er sah, wie Yaxleys Lippen die tödlichen Worte formten. Wie in Trance hörte er seine hissende Stimme:
„Avada Kedav...“
Severus wusste, dass er sich sofort verteidigen musste. Er wollte seine Hand hochreißen, die den Zauberstab hielt, doch der Fluch, der ihn getroffen hatte, wirkte noch nach und erschwerte jede Bewegung. Mit höchster Anstrengung befahl er seinen Muskeln, sich zu bewegen, doch er wusste, dass er sich nicht mehr rechtzeitig verteidigen konnte und rechnete mit seinem Ende. Mit vor Schreck geweiteten Augen starrte er Yaxley an und alles was er sah war dessen triumphierenden Gesichtsausdruck und seine Lippen, die sich wie in Zeitlupe bewegten.
Erst ein Schrei von Yaxley riss Severus aus seinem Schock. Er sah, dass Yaxleys Körper plötzlich von zahlreichen Wunden übersät war und ihn davon abhielt, den Fluch zu Ende zu bringen. Ein verirrter Zauber hatte ihn von der Seite her getroffen und Severus wusste sofort, dass es der Sectumsempra war. Yaxley japste nach Luft und ging dabei zu Boden. Severus hatte keine Ahnung, von wem der Fluch kam, aber das war im Moment egal. Er musste unbedingt wieder auf die Beine kommen.
Severus spürte, dass wieder Bewegung in seine Gelenke kam. Nun konnte er seine Hand wieder normal heben und er setzte Yaxley mit einem Stupor außer Gefecht, dann stützte er sich an der Wand ab und richtete sich mühsam wieder auf. Als er Yaxleys leblosen Körper ansah, war er sich vollkommen wusste, dass er mehr Glück als Verstand gehabt hatte. Er hätte nun genauso gut tot sein können. Doch nun galt es, sofort Xavier zu Hilfe zu kommen.
Ohne sich eine Pause zu gönnen und so schnell wie ihn sein verletztes Bein ließ, eilte er nach draußen und blickte sich um. Er fand die Spuren ihrer Schuhe im nassen Gras, die geradewegs in einen Wald führten. So schnell er konnte folgte er Xavier und Crouch und hoffte inständig, dass es noch nicht zu spät war.
Immer tiefer drang er in den Wald ein und die Äste knackten unter seinem Gewicht. Sein Bein machte es nicht möglich, dass er sich leise fortbewegte, deshalb war er noch wachsamer. Jeden Moment konnte Crouch auftauchen und ihn angreifen. Severus hielt den Zauberstab erhoben und ging immer weiter vorwärts, während er wachsam auf jedes Geräusch achtete. Plötzlich fuhr etwas im Dickicht neben ihm mit einem schrillen Schrei auf. Severus riss sofort seinen Zauberstab in diese Richtung. Nach dem ersten Schreck senkte er ihn erleichtert wieder – es war nur ein Vogel gewesen. Er spürte, wie sein Herz noch raste, doch er fasste sich schnell wieder und setzte seinen Weg fort. Der Wald war sehr dicht und es war mühsam, vorwärts zu kommen, und gänzlich unmöglich, wenig Geräusche zu verursachen. Crouch würde ihn kommen hören, dachte er und hoffte, dass Xavier immer noch dazu fähig war zu kämpfen und so lange durchhielt, bis er da war.
Als er durch den Wald irrte und nach ihnen Ausschau hielt, erblickte er weit und breit nur dünne Bäume, die in die Höhe ragten. Es ging bergauf und musste aufpassen, auf den nassen Blättern nicht auszurutschen.
Je weiter er vordrang, desto dichter wurde der Wald und Gestrüpp versperrte ihm den Weg. Er konnte keine Spuren mehr erkennen, aber das war egal. Er lief, so schnell ihn seine Beine trugen, kletterte mühsam über Äste und Baumstämme, die ihm den Weg versperrten und bahnte sich den Weg durch Büsche. Der Wald hatte einen harzigen, feuchten Geruch und es war vollkommen still, bis er nicht weit entfernt einen gellenden Schrei hörte. Er erstarrte für einen Moment, aber nachdem nichts mehr zu hören war, eilte er in die Richtung, aus der der Laut gekommen war. Er stolperte über Wurzeln und Äste, aber alles trieb ihn in diese Richtung. Als er auf einen Hügel kam, sah er zwischen den Bäumen hindurch in etwa 100 Metern Entfernung zwei Gestalten. Eine von ihnen lag am Boden und bewegte sich nicht. Severus eilte hinunter, ohne auf die stechenden Schmerzen in seinem Bein zu achten, doch als er näher kam, war die andere Gestalt verschwunden. Er verlangsamte seine Schritte und beobachtete die Umgebung. Sein Blick blieb bei dem leblosen Körper hängen, der nur mehr wenige Meter entfernt war. Es war Xavier Malfoy.
Severus‘ Puls begann zu steigen und der Drang, auf ihn zuzulaufen und zu sehen, ob er noch lebte, war immens. Aber er wusste, dass sich Crouch irgendwo versteckt hielt. Er durfte jetzt keine übereilten Schritte machen. Der Feigling wollte einem fairen Kampf aus dem Weg gehen und ihn hingerrücks überraschen, dachte Severus und die Wut in ihm wurde immer größer. Wenn er Xavier getötet hatte, dann würde auch er sich nicht mehr zurückhalten können und Crouch folgen, egal wohin er zu fliehen versuchte.
Da alles ruhig blieb, ging Severus langsam weiter, ohne die Umgebung aus den Augen zu lassen. Schließlich kam er vor Xavier zum Stehen. Er ging in die Knie, in der einen Hand seinen Zauberstab, bereit zur Verteidigung. Mit der anderen Hand tastete er nach Xaviers Arm und versuchte, seinen Puls zu fühlen. Er spürte ein leichtes Pochen. Er lebte noch, aber er musste so schnell wie möglich versorgt werden. Plötzlich hörte er ein Zischen hinter sich und als er sich umwandte sah er, dass in rasender Geschwindigkeit ein grüner Blitz auf ihn zuschoss. Er riss seinen Arm in die Höhe, um den Fluch abzulenken, doch die Wucht riss ihn in die Höhe und schleuderte ihn mehrere Meter zurück. Als er am Boden aufkam, blieb er reglos liegen.
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