
von Lilly10
Marianne hatte etwa eine halbe Stunde in derselben Position verbracht, bis sie endlich ein Geräusch hörte. Sofort sah sie auf. Plötzlich hörte sie den Knall einer Tür. Jemand war gekommen, endlich! Sie sprang auf und rannte durch die Tür und die Treppe hinunter. Sie war unheimlich erleichtert, als sie Sirius unversehrt in der Tür stehen sah. Er sah zwar ziemlich mitgenommen aus, aber er lebte. Doch die Erleichterung über sein Erscheinen wurde von der Wut verdrängt, die sie überkam.
„Verdammt, warum hast du mir nichts gesagt!?“, rief sie und rannte auf ihn zu.
„Wie kannst du einfach so verschwinden, ohne mir Bescheid zu sagen?!“
In ihrem Zorn packte sie ihn an den Armen und wollte ihn gegen die Wand pressen, doch Sirius war stärker. Er bekam ihre Arme zu fassen und hielt sie fest, während er versuchte, sie zu beruhigen.
„Marianne, es war zu deiner eigenen Sicherheit!“
„Ach ja? Glaubst du, ich bin in Sicherheit, wenn meine Freunde gegen Voldemort kämpfen?“
Sirius starrte sie an.
„Woher weißt du davon?“, fragte er verwirrt.
„Was glaubst du denn?“, schrie sie. Wollte er sie nun auch noch für dumm verkaufen? „Glaubst du nicht, dass das offensichtlich ist? Dass du mich hier festhältst, damit ich nicht kämpfe?“
„Tut mir Leid, Marianne. Ich wollte nicht, dass du dir Sorgen machst...“
Marianne lachte verzweifelt auf.
„Warum sollte ich mir auch Sorgen machen!?“
Sirius sagte nichts mehr. Er wusste nichts darauf zu erwidern und gleichzeitig war er völlig erschöpft von dem Kampf vorhin. Mariannes Wut klang etwas ab und sie besann sich der anderen. Plötzlich fiel ihr auf, dass Remus nicht da war. Geschockt blickte sie Sirius an.
„Wo ist Remus?“, fragte sie tonlos und sie begann zu frieren.
Was, wenn... wenn er...
„Es geht ihm gut.“, sagte Sirius schnell. „Er hilft mit, die Verletzten zu Poppy zu bringen.“
„Die Verletzten?“
Marianne hatte plötzlich ein Bild vor ihren Augen: Severus am Boden liegend, blutüberströmt, Wunden an seinem Körper, das Gesicht schmerzverzerrt. Sie wusste nicht, ob sie ertragen konnte, was sie nun erfahren würde.
„Wer ist verletzt, Sirius?“, fragte sie nach, auch wenn es sie immense Kraft kostete, diese Worte auszusprechen.
„McGonagall ist schwer verletzt. Aber sonst weiß ich es nicht genau. Es herrscht großes Chaos, und es sind noch nicht alle zurück. Ich hab mich sofort hierher aufgemacht.“
Dass Sirius ihr nichts über Severus sagen konnte, beruhigte sie kein bisschen. Sie musste selbst nach ihm suchen.
„Kann ich jetzt gehen?“, fragte sie nur.
Sirius nickte.
„Dann sag deinem verdammten Elfen, dass er mir den Zauberstab zurückgeben soll.“, sagte sie gereizt.
„Kreacher?“, rief er.
Sofort erschien die Elfe an der Treppe.
„Ja, Master?“
„Du hast gehört, wonach sie verlangt hat.“
Kreacher kam langsam die Treppe herunter. Marianne dauerte das zu lange, deshalb ging sie ihm entgegen und entriss ihm dann unsanft den Zauberstab. Ohne ein Wort an ihn zu richten, drehte sie sich wieder um.
„Die Verletzten sind in der großen Halle.“, sagte Sirius, dann eilte Marianne in den Raum mit dem Kamin, wo sie sofort nach Hogwarts flohte.
Sie sah die Gänge kaum, durch die sie rannte, denn ihre einzigen Gedanken galten Severus. Wie würde sie ihn wiedersehen? Sie war völlig atemlos, als sie in der großen Halle ankam. Dort waren der Reihe nach Betten aufgebaut und Poppy und einige Ärzte kümmerten sich um die Verletzten, während viele andere zwischen den Betten hin und her eilten. Marianne lief mit klopfendem Herzen an den Verletzten vorbei und hielt Ausschau nach Severus, als sie plötzlich Tonks sah. Sie schien am Oberschenkel zu bluten und Remus half ihr gerade, sich aufs Bett zu legen.
„Tonks!“, rief sie und eilte zu ihm.
Remus sah nur kurz auf und sie sah die Besorgnis in seinem Blick.
„Hi, Marianne.“, kam es matt von Tonks.
Marianne starrte sie an.
„Mach dir keine Sorgen, ich werde schon wieder gesund.“, erwiderte sie, als sie Mariannes Blick sah.
„Jetzt geht schon, ihr werdet gebraucht.“, sagte sie, als die Zwei bei ihr standen und sie bloß anstarrten. „Na los!“
Ein Arzt trat ans Bett, um sich Tonks Verletzungen anzusehen. Marianne nickte Tonks zu und blickte dann zu den anderen Betten. Sie konnte Severus nirgends sehen, aber sie wusste nicht, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war. Sie nahm ihren Mut zusammen und fragte Remus:
„Hast du irgendwo Professor Snape gesehen?“
Remus' Gesichtsausdruck schien bedrückt und er sah sie einige Momente lang stumm an. Marianne blieb beinahe das Herz stehen. Was würde er ihr jetzt sagen? Schließlich schüttelte er den Kopf.
„Nein, keine Ahnung. Aber sieh draußen nach, bis auf Harry müssten bald alle zurück sein.“
Marianne sah ihn alarmiert an.
„Warum ist Harry nicht hier?“
„Er ist mit Voldemort appariert. Wir haben keine Ahnung, wo er steckt und wie er zurückkommt...“
Marianne spürte, wie schwer es Remus fiel, ihr das zu sagen. Sie nickte nur und folgte Remus, als er nach draußen ging.
Im Hof rannten viele Leute umher, sie sah Dädalus Diggel völlig erschöpft auf einem Stein sitzen, dann sah sie einige Weasleys umher hasten und viele weitere, die sie nicht kannte. Doch sie konnte Severus auch hier nirgendwo sehen. Er muss noch dort sein, wo sie gekämpft hatten, dachte Marianne. Aber wo war dieser Ort? Was, wenn er verletzt irgendwo lag und sich nicht helfen konnte? Als sie sich zu Remus wandte, um ihn zu fragen, war er bereits weg. Sie sah sich um, aber konnte ihn nicht mehr sehen. Als Arthur Weasley an ihr vorbei eilte, hielt sie ihn auf und fragte:
„Arthur, wo hat der Kampf stattgefunden?“
Er sah sie bloß mit fahrigen Augen an und sagte:
„Sorry, keine Zeit...“
Bevor Marianne etwas sagen konnte, war er bereits vorbei. Marianne sah ihm hinterher. Normalerweise war er doch so hilfsbereit... Hoffentlich war seiner Familie nichts zugestoßen, dachte sie. Plötzlich wurde sie heftig angerempelt und als sie sich erschrocken umsah, erblickte sie Hagrid.
„Oh, tschuldigung.“, nuschelte er.
„Hagrid, kannst du mir sagen, wo der Kampf stattgefunden hat?“
Er zuckte die Schultern.
„Könnte ich, aber es hat keinen Sinn mehr, jetzt dorthin zu gehen.“
„Aber es sind noch nicht alle zurück!“, erwiderte Marianne verzweifelt.
Hagrid machte eine bedauernde Miene und nickte.
„Kann sein, aber wir sind gerade dabei, alle Verletzten hierher zu bringen. Und du solltest diesen schrecklichen Ort wirklich nicht sehen.“
Marianne schluckte.
„Außerdem ist es immer noch gefährlich.“, fügte Hagrid hinzu.
„Aber... ich dachte, der Kampf ist schon zu Ende!?“
„Schon, aber Voldemort ist verschwunden – gemeinsam mit Harry. Niemand weiß, wo sie wieder auftauchen werden.“, sagte Hagrid und Marianne sah, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen.
Die Gefühle übermannten ihn und er schluchzte auf, doch dann wischte er sich die Tränen schnell weg und riss sich zusammen:
„Tut mir Leid. Es ist nur – ich hab den Kleinen so lieb gewonnen, und er ist noch so jung...“
Marianne nickte und es fiel ihr schwer, selbst die Fassung zu bewahren. Auch Hagrid hatte einige blutende Stellen an seinem Körper und sein Gewand war zerfetzt. Sie fühlte das Ausmaß dieser Schlacht und ihre Angst um Severus stieg ins Unermessliche. Panisch suchte sie die Umgebung ab, als sie plötzlich am Himmel eine Bewegung wahrnahm. Als sie genauer hinsah, erkannte sie eine Gestalt, die sich rasend schnell fortbewegte.
„Hagrid, schau.“, sagte Marianne.
Als Hagrid sich umwandte, war die Gestalt schon beinahe bei ihnen angelangt und in der nächsten Sekunde erkannte sie Dumbledore. Er kam am Boden auf – und um seine Schultern lag Harry’s Arm. Harry hing erschöpft an ihm, aber er lebte. Als die Zauberer, die sich hier befanden, Harry erblickten, rannten sie alle auf ihn zu. Marianne lief ebenso auf die Beiden zu, denn sie musste wissen, welche Neuigkeiten es gab.
„Voldemort ist tot.“, erklärte Dumbledore.
Die Zauberer brachen in Hochstimmung aus und jubelten Harry zu. Dieser lächelte nur matt. Dumbledore zog Harry durch die Menge, die sich um sie gebildet hatte, und sagte:
„Lasst mich durch, er muss verarztet werden. Es ist jetzt nicht die Zeit dafür zu jubeln.“
Harry hatte zahlreiche Blessuren im Gesicht und Körper und war von Schmutz bedeckt, und Marianne fragte sich, was er wohl durchgemacht hatte. Er war Angesicht zu Angesicht mit Voldemort gestanden. Ihre Bewunderung für den Jungen stieg, doch sie verspürte immer noch dieses dumpfe Gefühl in der Magengegend, das es ihr schwer machte, ruhig zu bleiben. Am liebsten hätte sie laut auf sich aufmerksam gemacht und die Anwesenden angefleht, mit ihr nach Severus zu suchen. Doch sie unterdrückte den Drang und half mit, als ein paar Zauberer sie um Hilfe baten.
Nur wenige Minuten später erschien eine weitere Gestalt am Himmel und gleich darauf stolperte Sturgis Podmore in den Hof. Er hatte es gerade noch geschafft, bis zum Gelände von Hogwarts zu kommen, doch vor ihnen brach er nieder und blieb bewusstlos liegen. Sofort rannten alle zusammen und Marianne half, so gut es ging. Podmore bewegte sich nicht mehr und sie brachten ihn sofort hinein. Der Schock seines Anblicks saß tief in ihr. Sie beobachtete, wie die Ärzte zusammenliefen und ihn untersuchten und anschließend entschieden, ihn ins Krankenhaus zu bringen. Seine Verletzungen waren zu ernsthaft, um sie hier zu behandeln.
Marianne sah zu, wie sie ihn wegbrachten, und ihr Mund war völlig ausgetrocknet. Sie sah bereits Severus auf derselben Trage liegen - nicht ansprechbar und völlig am Ende. Sie konnte diese Ungewissheit, was mit ihm geschehen war, nicht mehr ertragen und fühlte, wie es ihr die Kehle zuschnürte. Plötzlich bemerkte sie, dass auch Sirius neben ihr stand.
„Sirius, wie kann es sein, dass Podmore erst jetzt kommt?“, fragte sie leise. „Warum hat ihm niemand geholfen?“
„Das Areal, wo wir gekämpft haben, ist sehr weitläufig. Die Kämpfe haben sich auf viele Stellen erstreckt, wir müssen erst alles absuchen um zu sehen, wo der Rest steckt.“
Mit dieser Erklärung wurde Marianne noch mulmiger. Wo konnte Severus bloß stecken? War er verfolgt worden? Hatte man ihm eine Falle gestellt? Lag er irgendwo hilflos und verblutete? Sie musste ihn unbedingt finden, dachte sie mit Tränen in den Augen.
„Ich mache mich nochmal auf, um zu helfen. Bis später.“, hatte Sirius gesagt, doch sie hatte ihm nicht zugehört.
Erst als er bereits aus der Halle schritt realisierte sie, was er gesagt hatte, und rannte ihm nach.
„Warte, nimm mich mit!“
Sirius schüttelte den Kopf und lief bereits über das Gelände bis zu dem Punkt, an dem er apparieren konnte.
„Sirius!“, hatte Marianne noch gerufen, aber er hatte es nicht mehr gehört.
Im selben Moment sah sie am anderen Ende des Innenhofes, wie einige Zauberer zusammen rannten. Scheinbar war erneut jemand angekommen. Mariannes Herz begann zu rasen. Vielleicht war es Severus! Oh Gott, bitte! Die Hoffnung lebte erneut in ihr auf und der Gedanke, dass sie enttäuscht würde, schnürte ihr beinahe die Luft ab. Die vielen Zauberer versperrten ihr die Sicht und sie ging auf die Stelle zu. Sie streckte sich, um genauer sehen zu können, und dann sah sie ihn plötzlich:
Severus.
Er kam in ihre Richtung – doch er sah sie nicht, denn er war von zu vielen Zauberern umringt. Er hielt Xavier Malfoy in seinen Armen und immer mehr Leute rannten auf ihn zu. Xavier hing leblos in Severus' Händen und er übergab ihn hastig einem der Anwesenden. Sein Blick flog zufällig in ihre Richtung, doch in der nächsten Sekunde sprach er mit den Zauberern und tauschte hastige Worte mit ihnen aus. Marianne hatte das alles wie in Trance beobachtet und merkte kaum, wie die Leute mit Xavier an ihr vorbeihasteten.
Severus war hier – er war zurück – er lebte!
Doch er schien eine schwere Verletzung erlitten zu haben. Er hinkte, seine Hose war zerrissen und die Stelle seines Knies war über und über mit Blut bedeckt, genauso wie Stellen in seinem Gesicht...
Der ganze Gefühlsstrudel kam in ihr hoch. Marianne hatte so gehofft, ihn lebend wiederzusehen, aber sie hatte solche Angst gehabt. Sie hatte befürchtet, er sei tot, hatte ihn im Geiste bereits am Boden liegen sehen, blutüberströmt. War es nur Glück, dass es nicht schlimmer ausgegangen war? Dass er noch lebte? Die Angst, die sie in den letzten Stunden erlebt hatte, fiel zwar von ihr ab, doch sie zitterte und ihre Beine waren wie gelähmt – sie ging keinen Schritt auf Severus zu, sie konnte es einfach nicht. Die Gefühle übermannten sie und Tränen liefen aus ihren Augen. Sie wusste nicht, ob es Tränen der Erleichterung oder des Schocks waren. Schnell verbarg sie ihr Gesicht in ihren Händen. Was hätte sie nur getan, wenn sie Severus nicht lebend wieder gesehen hätte? Wenn er getötet worden wäre?
Sie fühlte, wie ihre Beine langsam nachgaben und sie sank zu Boden. Sie schluchzte auf und ihr ganzer Körper zitterte, doch als sie die Augen öffnete, sah sie, dass Severus auf sie zukam, langsam, aber so schnell er mit seinem verletzten Bein konnte. Erschrocken und ohne darüber Nachzudenken nahm sie Reißaus – sie konnte es jetzt nicht ertragen, ihm nahe zu sein, sie konnte nicht ertragen, mit ihm zu sprechen. Sie lief vor ihm davon, vorbei an der großen Halle, durch einige Gänge. Erst als sie um mehrere Ecken gebogen war blieb sie wieder stehen. Die Tränen rannen über ihre Hände und sie schluchzte laut.
Sie ahnte nun immer mehr, wie viel während ihrer Abwesenheit geschehen war – welches Ausmaß die letzten Stunden angenommen hatten. Wie viele waren verletzt. Sie sah Severus‘ Knie vor ihren Augen – es tat ihr so leid, was ihm passiert war, dass er Schmerzen erleiden musste. Es tat ihr weh, dass sie es nicht verhindern hatte können.
Plötzlich vernahm sie ein Geräusch hinter sich. Sie wandte sich nicht um, aber sie spürte, dass jemand näher kam.
„Marianne.“, hörte sie Severus‘ leise Stimme.
Er legte seine Hand auf ihre Schulter, und Marianne’s Gefühle gingen mit ihr durch. Ihre Gefühle waren so durcheinander und Severus‘ Anwesenheit machte es nur schlimmer. Sie drehte sich um und rief verzweifelt zwischen ihren Tränen hindurch:
„Wie konntest du mir das nur antun?! Ich dachte, du seist tot!“
Als Worte ausgesprochen klang es noch schlimmer und Marianne schluchzte, während ihr Körper bebte.
„Es tut mir leid.“, erwiderte Severus und versuchte, sie zu beruhigen.
„Wie konntest du das nur zulassen!?“, schrie sie und versuchte, mit ihren Fäusten auf ihn einzuschlagen.
Severus hatte das Gefühl, dass ihr Zorn nicht ungerechtfertigt war, doch schließlich bekam er ihre Handgelenke zu fassen und packte sie.
„Marianne, ich durfte dir nichts sagen!“, sagte er laut und eindringlich. „Es war alles abgesprochen.“
„Du wusstest, was sie vorhatten!“, rief sie wütend. „Du hast gewusst, dass sie mich festhalten, dass sie mich nicht kämpfen lassen!“
„Ja, ich wusste davon...“, gab er zu.
Mit ungläubigen Augen sah sie ihn an. Es war tatsächlich wahr. Severus selbst hatte sich an dem Plan beteiligt.
Sie war geschockt, dass Severus all das zugelassen hatte. Es war seine Schuld, dass die letzten Stunden für sie wie die Hölle gewesen waren.
„Warum hast du sie nicht aufgehalten? Wie konntest du das zulassen?“, klagte sie ihn an.
Sie fühlte, dass ihr Vertrauen zu Severus einen Abbruch bekam.
„Marianne, ich wollte das Beste für dich. Ich wollte verhindern, dass du in Gefahr bist!“
„Denkst du wirklich, es ist das Beste für mich, wenn meine Freunde sterben, während ich ihnen nicht helfen kann?“, entgegnete sie feindselig.
„Keiner deiner Freunde ist gestorben, Marianne.“
Gleichzeitig war Severus bewusst, wie nahe er selbst dem Tod gewesen war – ein paar Millisekunden hatten über Leben und Tod entschieden – doch er verschwieg diese Tatsache. Es würde all ihre Anklagen nur bestätigen.
„Ach ja? Aber es hätte sein können! Hast du eigentlich jemals an mich gedacht? Wie es für mich sein würde?“
Sie wartete auf eine Antwort, doch sie kam nicht. Severus hatte sich keine Sorgen um sie machen wollen – aber was war mit ihr?
„Nur, weil es das Beste für dich ist, mich nicht mitkämpfen zu lassen, heißt das noch lange nicht, dass es das auch für mich ist.“
„Du hast doch überhaupt keine Ahnung was es bedeutet zu kämpfen, dem Tod gegenüber zu stehen.“, sagte Severus laut. „Wie es ist, vor den Todessern zu stehen und...“,
„Ja, weil ihr es nicht zugelassen habt!“, unterbrach Marianne ihn.
„Du solltest froh sein, es nicht miterlebt zu haben.“, entgegnete Severus. „Du solltest froh sein, dass wir dich davor bewahrt haben, das alles mitanzusehen!“, rief er und deutete in Richtung Ausgang.
„Ich bin aber nicht froh!“, rief sie. „Es hätte sein können, dass ich dich nie wieder sehe! Und du hast mir kein einziges Wort gesagt, du hast dich nicht einmal von mir verabschiedet!“
Die letzten Worte hatte sie immer lauter geschrien. Plötzlich fühlte sie, dass sie die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte, die in ihre Augen traten, daher riss sie sich von ihm los und lief davon, so schnell sie konnte. Die Tränen liefen aus ihren Augen und sie sah kaum, wohin sie rannte.
„Marianne!“, rief er ihr hinterher, doch mit seinem verletzten Knie konnte er ihr nicht nach.
Er blickte in die Richtung, in der sie davongelaufen war. Ihre letzten Worte hatten ihn getroffen. Er wusste, dass sie Recht hatte: Er hatte ihr die Möglichkeit genommen sich von ihm, von ihren Freunden zu verabschieden, aber er hatte keine andere Wahl gehabt. Es war wichtiger gewesen, sie zu schützen.
Marianne hatte keine Ahnung, wovor sie der Orden bewahrt hatte. Er kannte viele Zauberer, die nach so einem Kampf nie mehr dieselben gewesen waren... Er hoffte sehr, dass sie seine Handlungen verstehen würde, wenn sie sich beruhigt hatte.
Severus wandte sich schließlich um, denn im Moment galt es, den anderen zu helfen, doch seine Kehle war wie zugeschnürt. Als er an der großen Halle vorbei in Richtung Ausgang ging, erblickte Remus ihn und kam auf ihn zu.
„Severus. Komm, ich bring dich zu einem freien Bett. Madam Pomfrey wird dich gleich verarzten.“
Severus war nicht in der Stimmung bemuttert zu werden und wehrte Remus ab.
„Ich brauche keine Krankenschwester.", bluffte er. "Es gibt Wichtigeres zu tun.“
Sein Ton war unfreundlich und verfehlte seine Wirkung nicht.
„Wie du meinst...“, erwiderte Remus.
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