
von Lilly10
Plötzlich fand sich Marianne in einem Wald wieder. Der Ort war von Blitzen und Rufen erfüllt und Marianne wusste sofort, dass erneut ein Kampf stattfand. Erschrocken sah sie sich um, doch sie konnte die Gestalten um sich herum nicht erkennen. Sie wusste nicht, ob sie Freunde oder Feine waren und begann, wegzulaufen. Sie rannte zwischen den Bäumen hindurch, als sie mehrere Meter vor sich Severus erblickte. Er kämpfte gegen eine dunkle Gestalt und sein Gesicht war merkwürdig verzerrt. Plötzlich tauchte hinter ihm eine weitere Gestalt auf und richtete den Zauberstab auf ihn!
„Nein!“, rief Marianne und rannte auf ihn zu so schnell sie konnte.
Doch je schneller sie lief, desto weiter schienen sie sich von ihr zu entfernen.
„Severus!“, rief Marianne und ihr Atem raste.
Sie merkte, wie anstrengend es war, ihre Beine nach vorne zu setzen, aber sie versuchte verzweifelt, Severus näher zu kommen und ihm beizustehen.
Immer mehr wurde er von den dunklen Gestalten eingekreist und sie konnte ihn kaum noch sehen. Sie sah tausend Blitze um sich aufleuchten und sie alle flogen auf Severus zu. Marianne schrie laut auf.
Mit einem Ruck setzte Marianne sich auf und starrte in die Dunkelheit. Sie blinzelte ein paar Mal und musste sich erst zurecht finden.
Schließlich merkte sie, dass sie in Severus' Bett saß und ihr Atem raste. Sie hatte bloß geträumt! Doch der Schweiß stand ihr noch auf der Stirn und sie zitterte. Gleichzeitig verspürte sie eine Bewegung neben sich und sie vernahm Severus‘ vertraute Stimme.
„Marianne, ist alles in Ordnung?“
Wie in Trance nickte sie, doch sie war immer noch aufgelöst und starrte in die Dunkelheit. Der Traum zeigte genau das, wovor sie die letzten Tage am meisten Angst gehabt hatte: Dass Severus starb.
„Ja.“, flüsterte sie schließlich. „Es geht mir gut.“
Sie legte sich wieder zurück und legte ihren Kopf auf seine Schulter. Es tat ihr gut, seine Nähe zu spüren und zu wissen, dass es ihm gut ging. Gott sei Dank war alles nur ein Traum gewesen! Sie war aufgewühlt und versuchte, die schrecklichen Bilder wieder aus ihrem Kopf zu bekommen. Nach einer Weile beruhigte sie die Wärme seines Körpers und sie schlief wieder ein.
Als sie am nächsten Morgen aufwachte, lag sie alleine im Bett, wie fast jedes Mal, wenn sie bei Severus aufwachte. Sie stand auf und ging ins Bad, um sich frisch zu machen, dann trat sie ins Wohnzimmer, mit der Hoffnung, ihn dort anzutreffen.
Severus saß wie erwartet an seinem Schreibtisch, sein verletztes Bein unter dem Tisch. Bestimmt wäre es gut, wenn er sich schonen würde, dachte sie. Aber Severus schien nichts davon zu halten, sich etwas zurückzunehmen. Am Tag davor war er sogar zur Versammlung gekommen und umher gegangen, obwohl er Nähte im Bein hatte. Doch Marianne sprach ihn nicht darauf an. Sie hatte das Gefühl, nicht das Recht dazu zu haben und sie bezweifelte ohnehin, dass er auf ihre Bedenken eingehen würde.
Stattdessen ging sie zu ihm und wünschte ihm einen guten Morgen. Er lächelte leicht und deutete auf den zweiten Stuhl, der am Tisch stand.
„Setz dich doch. Möchtest du einen Kaffee?“
"Nein, ich... ich will dir keine Umstände machen.", sagte sie.
Severus runzelte die Stirn.
Auf einen Wink seines Zauberstabs flog eine Tasse mit dem dunklen Gebräu zu ihnen herüber und stellte sich vor sie auf den Tisch.
„Danke.“, sagte Marianne. "Ich dachte nur, wegen deinem Bein..."
"Das ist nicht der Rede wert.", erwiderte er.
Sie nahm die Tasse und nippte an dem heißen Kaffee.
„Was war das heute Nacht?“, fragte Severus. „Hattest du einen Alptraum?“
Marianne nickte, doch sie wich seinem Blick aus.
„Ich habe von dem Kampf geträumt...“, sagte sie leise. „Ich habe davon geträumt, dass du gegen die Todesser gekämpft hast.“
Marianne sah auf und blickte ihn an.
„Wenn ich wüsste, was wirklich passiert ist, Severus, dann müsste ich mir nicht andauernd vorstellen, was dort abgelaufen ist. Die schlimmsten Bilder sind in meinem Kopf entstanden, aber ich habe keine Ahnung, wie es wirklich war.“
„Du solltest dich glücklich schätzen.“, erwiderte Severus nur.
„Aber es bereitet mir Alpträume, Severus. Ich bin mir sicher, dass ich besser damit klar käme, wenn ich wüsste, was du erlebt hast...“
Severus verengte seine Augen zu Schlitzen und sah sie genau an.
„Worauf willst du hinaus, Marianne?“
„Ich... ich würde gerne deine Erinnerungen sehen.“
„Das kommt nicht in Frage.“, erwiderte Severus sofort.
Marianne hatte schon mit so einer Antwort gerechnet und senkte den Blick in ihre Kaffeetasse.
„Und wenn du mir davon erzählst?“
Severus‘ Blick war klar und aufmerksam und schließlich sagte er:
„Ich habe gegen einige der Todesser gekämpft. Was willst du noch hören?“
Marianne zuckte die Schultern. Sie wusste es selbst nicht genau.
„Wie ist das mit deinem Knie passiert?“, fragte sie schließlich.
„Der Fluch eines Todessers. “, antwortete Severus. „Du kennst ihn nicht - sein Name ist Yaxley.“
Marianne erinnerte sich, den Namen einmal gehört zu haben, aber sie konnte tatsächlich nichts damit anfangen.
„Was genau hast du dir verletzt?“, fragte sie weiter, denn sie merkte, dass sie über den Kampf nicht viel aus ihm herausbekommen würde.
Es war ungewohnt für Severus, dass ihn jemand nach seinem Empfinden fragte, und er wusste nicht, ob er es gut oder schlecht finden sollte.
„Die Kniescheibe ist gesprungen, außerdem hatte ich mehrere Quetschungen und Schnitte rund um das Knie, die Madam Pomfrey genäht hat.“
Marianne starrte ihn ungläubig an, denn es hörte sich wirklich schlimm an. Schließlich fand sie ihre Stimme wieder.
„Wird es wieder ganz heilen?“
Er nickte kurz.
„Ja. Madam Pomfrey sagt, es werden keine bleibenden Schäden zurückbleiben.“
Marianne war froh, das zu hören, aber sie hatte das Gefühl, dass er nicht weiter über sich selbst reden wollte.
„Ich habe in meinem ganzen Leben nie viel über meine Gefühle gesprochen, Marianne.", fuhr er plötzlich fort. Er hatte wohl ihre Unsicherheit bemerkt. "Entweder es hat niemanden interessiert oder ich musste sie geheim halten, deshalb ist es sehr ungewohnt für mich, darüber zu sprechen.“
Marianne dachte daran, was er ihr am letzten Abend von seiner Vergangenheit erzählt hatte.
„Ich verstehe.“, sagte sie und fragte sich, ob sie taktlos gewesen war. „Tut mir leid, ich werde dich nicht mehr fragen, wenn du es nicht willst.“
Severus lächelte belustigt.
„Das heißt nicht, dass du mich nicht fragen darfst. Aber du solltest dich nicht wundern, wenn du einmal keine Antwort bekommst.“
Marianne nickte.
Gut, damit würde sie klarkommen, dachte sie und war froh, dass er sie darauf vorbereitete. So würde sie mit der Situation besser umgehen können.
Severus ließ das Thema schließlich fallen und schnitt ein anderes an. Sie unterhielten sich, bis Marianne ihren Kaffee ausgetrunken hatte, und das Gespräch verlief leicht und nett. Danach verabschiedete sie sich von ihm. Sie musste zurück zum Grimmauld Platz, schließlich wusste niemand, wo sie war.
Es fiel ihr schwer, sich von ihm zu verabschieden. Am liebsten wäre sie von nun an jede Sekunde lang bei ihm geblieben, nur um zu wissen, dass es ihm gut ging.
Severus schien nicht zu spüren, wie sehr sie nun an ihm hing, nachdem sein Leben an einem seidenen Faden gehangen war. Für ihn schien es nur ein weiterer Kampf von vielen gewesen zu sein, aber für sie war es das Schlimmste, was sie jemals erlebt hatte - obwohl oder gerade weil sie selbst nicht dabei gewesen war.
Als Marianne den Grimmauld Platz betrat, begegnete sie erst Sirius auf der Treppe. Sie begrüßte ihn und ging danach in die Küche, wo sie auf Remus traf. Sie sah ihm kurz beim Kochen zu, doch er war noch ruhiger als sonst. Als sie auf ihr Zimmer gehen wollte, hielt er sie jedoch zurück.
„Marianne, hast du einen Moment?“, fragte Remus.
„Klar.“, erwiderte Marianne und drehte sich zu ihm um.
Er stand da und schien etwas unschlüssig zu sein. Sie fragte sich, was ihm wohl auf dem Herzen lag. War es etwas Gutes oder etwas Schlechtes?
„Ich weiß, wo du letzte Nacht gewesen bist...“, begann Remus.
Marianne sah ihn geschockt an.
Er wusste, dass sie bei Severus übernachtet hatte? Wieso? Wer konnte es ihm gesagt haben? Remus sah weder verärgert noch geschockt aus und sie begann zu glauben, dass er sich irrte. Er konnte nicht wissen, dass sie bei Severus gewesen war, sonst würde er doch vollkommen ausflippen.
„Ich habe selbst eine Freundin, die um einiges jünger ist, deshalb kann ich ihn gut verstehen.“, fuhr er fort. „Und wenn du ihn liebst, dann kann ich dir nur alles Gute mit ihm wünschen.“
Mariannes Herz raste. Noch immer war sie skeptisch, ob er tatsächlich von Severus sprach.
„Woher weißt du es?“, fragte sie vorsichtig.
„Nun, ich habe deine Reaktion bemerkt, als er nach dem Kampf in Hogwarts angekommen ist. Und ich habe gesehen, dass er dir gefolgt ist, als du davongelaufen bist.“
Marianne starrte ihn an.
„Wirklich?“
Es war nur ein Flüstern gewesen, denn Marianne war geschockt. Er wusste es tatsächlich.
„Als du dann letzte Nacht wieder in Hogwarts übernachtet hast, habe ich mir alles zusammen gereimt.“, erklärte er.
Er sah sie gutmütig an. „Du musst deine Beziehung zu Severus nicht vor mir verstecken, Marianne. Ich habe nichts dagegen.“
„Ich... ich habe keine Beziehung mit ihm.“, war alles, was Marianne noch sagen konnte.
„Nun, wie auch immer ihr es nennt, ich habe Severus noch nie so gesehen.", fuhr er unbeirrt fort. "Ich habe ihm nicht zugetraut, dass er sich jemals auf jemanden einlassen würde, aber sein Verhalten dir gegenüber hat mich überrascht. Er muss viel für dich empfinden.“
„Meinst du das wirklich?“, fragte Marianne hoffnungsvoll.
Da Remus so offen mit ihr sprach und nicht verärgert zu sein schien, versuchte sie nicht mehr, es zu leugnen.
„Oh ja.“, erwiderte Remus.
Schließlich verspürte sie eine immer größere Erleichterung, die sich in ihr breit machte. Es tat gut, von einer ihr so wichtigen Person Rückhalt zu bekommen.
„Aber du wirst es doch Sirius nicht erzählen, oder?“, fragte Marianne unsicher.
Sie war sich sicher, dass er nicht so reagieren würde wie Remus.
„Nein, ich sage es ihm nicht, er würde es wohl nicht verstehen.", meinte auch er. "Die beiden sind zu verwickelt in ihre gegenseitigen Hassgefühle und nachdem James gestorben ist, habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass sie sich irgendwann versöhnen werden.“
Marianne nickte.
„Aber bitte sag auch Severus gegenüber nicht, dass du etwas weißt. Er will nicht, dass jemand darüber redet...“
Remus klopfte ihr sanft auf die Schulter.
„Mach dir darüber keine Gedanken.“
Remus fand, dass Marianne etwas bedrückt aussah, deshalb fügte er hinzu:
„Severus war schon immer sehr speziell, weißt du, aber du darfst dich davon nicht abschrecken lassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Beziehung zu ihm nicht völlig normal sein wird, aber wenn er es bis jetzt zugelassen hat, dann zweifle ich nicht daran, dass du sehr wichtig für ihn bist.“
Marianne lächelte leicht. Sie war dankbar für Remus‘ Worte, denn er kannte Severus schon viel länger und wusste deshalb bestimmt, wovon er sprach.
„Obwohl ich natürlich nicht behaupten möchte, dass eine Beziehung mit mir völlig normal ist.“, sagte er und zwinkerte ihr zu. "Du brauchst nur Tonks zu fragen."
Marianne lächelte.
„Danke, Remus.“
Er zuckte die Schultern.
„Nichts zu danken.“
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel