
von Nitsrek
KAPITEL VIER: Mutmaßung
Hermines Vernunft wollte Malfoy bekämpfen, ihn irgendwie dafür zu bestrafen, was er ihr angetan hatte. Was für eine Frechheit von ihm! Sie bezweifelte jedoch, dass das Problem gelöst wäre, wenn sie zu einem Lehrer ginge. Ihr eigener Ärger schien ihm nichts auszumachen, und falls doch, dann hatte sie sich zweifellos selbst untergraben, indem sie so leicht nachgegeben hatte.
Sie war zusätzlich frustriert aufgrund der Tatsache, dass dieser Kuss sie so scharf gemacht hatte, dass sie direkt zu ihrem Zimmer zurückkehren musste, um sich zu befriedigen, nur damit sie ihn lange genug aus ihrem Kopf herausbekommen konnte, um ihre Hausaufgaben vor dem Abendessen fertig zu machen. Und natürlich war alles, was sie sehen konnte, während sie sich berührte, Malfoy. Malfoy, der sie in der Bibliothek an die Wand drückte, sich an sie presste, sie begrabschte, sie dazu brachte, ihm ihre Fantasien zu zeigen und sie küsste, wie sie noch nie zuvor geküsst worden war. Das tollste und abschreckendste an der ganzen Sache war, dass sie nun von Erinnerungen und nicht von Fantasien kam.
Als Ron und Ginny kurz vor dem Abendessen vom Quidditch zurückkamen, bedeckt von Schlamm und Gras, hatte Hermine festgestellt, dass sie die beiden kaum ohne Schamgefühl ansehen konnte. Sie war sich sicher, dass beide angeekelt von ihr wären, wenn sie wüssten, was in der Bibliothek passiert war.
Als sie beim Abendessen über ihren Tag sprachen, war es nicht wirklich eine Lüge, zu sagen, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hatte, trotzdem fühlte sich Hermine schuldig. Wie auch immer, sie stellte fest, dass, je mehr Ron sprach, desto mehr wurde ihre Schuld von Verärgerung und Selbstgerechtigkeit ersetzt. Es war tatsächlich Ron, der sie hierzu getrieben hatte! Die Leute sagten ihr immer, wenn sie nur lange genug darauf warten würde, dass er den Mut aufbrachte, würde er den Schritt wagen. Aber er hatte schon so viele Möglichkeiten gehabt und nichts getan! Sie begann langsam zu denken, dass er überhaupt kein Interesse an ihr hatte. Das tat weh, denn sie glaubte wirklich, ihn zu lieben. Aber falls irgendetwas zwischen ihnen passieren sollte, würde es eindeutig nicht so schnell passieren.
Hermines Verstand wanderte als Ron immer weiter über das Quidditch-Training quatsche. Wenn es klar war, dass zwischen ihr und Ron in naher Zukunft nichts passieren/laufen würde, warum sollte sie sich dann schuldig fühlen, wenn sie zuließ, dass Malfoy sie küsste? Es war ja nicht so, als hätte sie einen Freund, den sie betrügen würden. Wenn jemand, der so gut aussehend und allgemein begehrt, wie Malfoy war, sie attraktiv finden konnte, was war dann Rons Problem? Da sie zweifelsohne keine Verpflichtungen gegenüber Ron hatte, konnte sie mit Malfoy experimentieren, solange sie wollte. Aber was, wenn es zum Sex führte? Dieser Gedanke machte Hermine nervös. Sie hatte immer gewollt, dass ihr erstes Mal mit jemand Besonderem sein sollte… jemandem, den sie liebte. Sie hatte gehofft, es würde Ron sein, aber wie sollte sie sicher sein, dass er sie liebte?
Was würde passieren, wenn sie ihre Jungfräulichkeit letztendlich an jemanden wie Draco Malfoy verlor? Wenn Ron es sich wirklich irgendwann, vielleicht in Jahren, anders überlegte, würde er ihr vergeben? Also ehrlich, sie war doch immerhin 17 Jahre alt! Jeder, der sie in dem Alter für eine Jungfrau halten würde, wäre unvernünftig, also können zukünftige Freunde kein Problem damit haben. Und falls doch, waren sie es vielleicht nicht wert. Ron konnte bei vielen Dingen dickköpfig sein, aber Hermine wollte hoffen, dass er, wenn sie ihm wirklich etwas bedeutete, ihr vergeben würde mit einem anderen geschlafen zu haben… Sie könnte ja das Detail, dass es Draco Malfoy sei, weglassen.
Ein nervöses Lächeln huschte über Hermines Gesicht, als sich der Entschluss in ihrem Verstand festigte/formte. Sie würde ihr Arrangement mit Malfoy fortführen, selbst wenn es zum Sex führte, und sie würde keine Zeit mehr damit verschwenden, sich schuldig zu fühlen. Na ja, nicht zuviel Zeit. Sie war nun volljährig und mehr als fähig, solche Entscheidungen allein zu treffen.
„Was ist so lustig, Mine?“ Ginny, die Hermines Lächeln bemerkte, schaute sie neugierig an.
Hermine kehrte überrascht in die Wirklichkeit zurück, errötete und versuchte so zu tun, als hätte sie der Unterhaltung die ganze Zeit zugehört.
„Nichts! Ich habe nur… Ich habe nur an etwas gedacht, was ich gelesen habe.“ Geniale Ausrede.
Ron rollte mit den Augen. „Du und deine Bücher, Hermine. Ehrlich, du solltest wirklich mal ausgehen und ab und zu ein wenig Spaß haben.“
Hermine funkelte Ron an. „Ehrlich gesagt, Ronald, lese ich zufällig gern. Und nur, weil du nicht siehst, wie ich Spaß habe, heißt das nicht, dass ich überhaupt keinen hab.“
Ihre Bücher eilig zusammenpackend, stürmte sie davon und ließ einen erstaunten Ron und Ginny am Gryffindortisch zurück, die sich fragten, was gerade passiert war.
*****
Das Mädchen hatte keine Ahnung, worauf sie sich eingelassen hatte.
Draco wusste aus Erfahrung, dass der einfachste Weg war, ein Mädchen loszuwerden, sie wirklich selbstsüchtig zu ficken und sie anschließend raus zu werfen, bevor sie sich wieder angezogen hatte. Wenn man wollte, dass sie körperlich, aber nicht emotional, anhänglich war, dann fick sie ein bisschen weniger egoistisch, was allen anderen Sex im Vergleich blass aussehen lässt, und wirf sie dann raus, bevor sie sich wieder angezogen hatte. Aber wenn man wollte, dass sie an einem hing, körperlich und geistig, und sich jede Minute, in der du sie nicht berührst, nach dir verzehrt, dann musstest du langsam vorgehen.
Er würde sicherstellen, dass Granger sich so nach ihm sehnte. Draco wollte ihr Bewusstsein quälen, so wie sie seins gequält hätte. Sie würde am Ende nach ihm betteln. Bis jetzt hatte er genau die richtigen Dinge getan, um sicher zu stellen, dass es eintraf. Wenn er in diesem Tempo mit ihr weiterspielte, würde sie vollständig ihm gehören, wenn er die kleine Jungfrau endlich in Besitz nahm. Was er dann tun würde, wusste er nicht. Vielleicht würde das Spiel langweilig werden, wenn er sein Ziel erreicht hatte. Wahrscheinlich würde er es spontan beenden und die arme Granger mit gebrochenem Herzen - aber einem Vorrat an sexueller Erfahrung, die jeden Mann, der mit ihr zusammen sein würde, glücklich machte - zurücklassen.
Aber der Gedanke daran, dass ein anderer Mann Granger berührte, ließ Malfoy leise knurren. Offensichtlich würde er diese Idee nicht in Betracht ziehen, bis er ihrer müde wurde. Seine Besessenheit von ihr hing eindeutig mit seiner natürlichen Besitzgier zusammen. Granger gehörte ihm, solange er wollte, und er würde jede erdenkliche Maßnahme ergreifen, um sicher zu gehen, dass sie nicht nur das genau begriff, sondern auch, dass sie ihm so vollständig verfallen würde, dass sie nicht mal mehr in Betracht ziehen würde, sich von irgendjemand anderem anfassen zu lassen.
*****
Der Montag brach trüb und dunkel an, gedämpft durch schweren Herbstregen. Das Schloss war kühl, aber den kalten, feuchten Ländereien bedeutend vorzuziehen. Nachdem der Unterricht vorbei war, entschieden Ron und Ginny, den Abend im Gemeinschaftsraum an ihren Hausaufgaben zu verbringen, die sie wegen dem Quidditch am Wochenende nicht geschafft hatten. Hermine war immer noch wütend auf Ron (auch wenn er keine Ahnung hatte, wieso) und weigerte sich, ihm mit seinen Aufgaben zu helfen, also verbrachte sie ihren Abend in der Bibliothek.
Sie hatte vorgehabt, etwas über einige besonders schwierige Arithmantik-Gleichungen zu lesen, um sicher zu gehen, dass sie sie richtig hatte, konnte sich allerdings nicht konzentrieren. Immer, wenn sie etwas mehr als ein paar Absätze las, begann ihr Verstand sich mit den Erinnerungen zu füllen, die sie schon am Abend zuvor beschäftigt hatten: Malfoy, wie er sie hinter den Stapeln küsste, ihre Gedanken las, um ihre Fantasien zu sehen, sie berührte und sich an sie drückte, in einer Art, die sie bisher nicht gekannt hatte, aber immer noch um einiges weniger, als sie wirklich wollte.
Sie wurde so von diesen Erinnerungen eingehüllt, dass sie in Fantasien überliefen. Nun küsste Malfoy ihre Brüste, fingerte sie, leckte ihren Kitzler, ergoss sich in ihren Mund. Sie konnte nur sein Gesicht sehen, kein anderes, und kam nicht umhin , daran zu denken, was er getan hatte und was er noch mit ihr tun sollte. Die Lernversuche waren sinnlos! Dieses gemeinsame Arrangement würde am Ende noch ihre UTZe beeinflussen, wenn sie nicht aufpasste.
„Das muss ein wirklich gutes Buch sein, Granger.“
Hermine keuchte überrascht, als Malfoy leise in ihr Ohr flüsterte was dazu führte, dass ihr Herz kurz aussetzte. Sie schob ihren Stuhl schnell ein paar Zentimeter von ihm weg, genervt von seiner Nähe.
„Warum so schreckhaft? Es sieht so aus, als ob das, was da in deinem Kopf abläuft, gar nicht so schlecht ist.“
Hermine wunderte sich einen Moment, woher Malfoy wissen konnte, über was sie nachdachte, ohne Legilimentik benutzt zu haben, und öffnete ihren Mund, um ihm diese Frage zu stellen, doch Malfoy war schneller.
„Der Ausdruck auf deinem Gesicht sagt mir alles, was ich wissen muss.“ Malfoy grinste befriedigt. Und tatsächlich war Hermines Gesicht gerötet. Ihre Lippen waren viel dunkler als sonst und ihre Ohren fühlten sich an, als würden sie brennen. „Hast du an mich gedacht, Schätzchen?“
Hermine versuchte vergebens, ihr Erröten unter Kontrolle zu bringen, als Malfoy sich neben sie setzte und näher an sie rückte. Sie konnte sein verdammtes Grinsen nicht ertragen! Es gab ihr das Gefühl, als würde nichts, was sie sagte, ihn nicht im Geringsten entmutigen, während alles, was er sagte, sie in Sprachlosigkeit versetzte, egal, wie sehr sie sich ins Gedächtnis rief, was für ein arroganter Arsch er war.
„Antworte mir“, befahl Malfoy, legte seine Hand unter dem Tisch auf Hermines Knie und glitt langsam ihren Schenkel nach oben. Sie wünschte sich auf der Stelle, sie hätte ihren Schulrock nach dem Unterricht ausgezogen, war aber froh, dass sie wenigstens Strumpfhosen darunter trug, auch wenn sich die nicht wirklich wie ein Schutz gegen seine große, warme Hand anfühlte.
„Ich… Ich habe nur versucht, zu lernen“, stammelte Hermine trotzig und hielt praktisch ihren Atem an, als seine Hand höher wanderte. Sie war schon das halbe Bein hoch, kurz davor, unter dem Rock zu verschwinden.
„Das ist keine Antwort auf meine Frage.“ Malfoys Stimme war fest, fast bedrohlich. Seine Hand war nun unter ihrem Rock.
„Ich…“ Hermines Augen fielen zu, halb vor Genuss, halb vor Furcht. Sie war so wütend, dass er ihr sagte, was sie tun sollte, aber aus irgendeinem Grund hatte ein anderer Teil von ihr Angst, ihm nicht zu gehorchen, und sie flüsterte, kaum hörbar, „Es war…“
Malfoy grinste und flüsterte heiß in ihr Ohr, als seine Finger die Innenseite ihrer Schenkel erreichten und sie zittern ließ. „Tut mir leid, Liebling, aber den letzten Teil hab' ich nicht ganz mitbekommen. ?Es war' was?“
Hermine schauderte und gab nach, antwortete flüsternd, „Du… warst es… an den ich gedacht habe.“
„Braves Mädchen.“ Malfoys Lippen wurden zu einem triumphierenden Lächeln. Hermine dachte, dass er seine Hand wegnehmen würde, jetzt, wo sie getan hatte, was er wollte, aber stattdessen umfasste er plötzlich den warmen Hügel zwischen ihren Beinen und strich fest ein paar Mal durch ihre Strumpfhose und ihr nasses Höschen über ihren Kitzler, bevor er seine Hand zurückzog. Sie keuchte, erst überrascht, dann genüsslich, dann wegen dem Verlust. Woher wusste er so genau, wo er unter dem Stoff war? Hermine nahm an, dass er bereits Dutzende, vielleicht Hunderte Mädchen vor ihr berührt hatte. Er benahm sich, als kenne er ihren Körper in- und auswendig, dabei hatte er sie bis jetzt nicht einmal nackt gesehen.
Malfoy kicherte düster. „So heiß da unten, Granger! Und alles wegen einer albernen Fantasie?“
Hermine errötete und presste ihre Knie beschämt zusammen. Malfoy stand auf und streckte sich, forderte sie auf, es ihm gleichzutun. „Pack deine Sachen weg und komm mit.“
„Aber-“. Hermine fing an zu protestieren, dass sie noch nicht fertig war mit Lernen, aber Malfoy benutzte wieder die zum Schweigen bringende Geste, die bei ihr so gut funktionierte.
„Tu, was ich dir sage“, befahl er steif, und in seinen Augen lag keine Belustigung.
Hermine zögerte, nickte dann und packte ihre Bücher weg, wobei sie ihn die ganze Zeit böse anstarrte, da sie ihm anscheinend nicht widerstehen konnte. Als sie fertig war, nahm Malfoy ihre Hand und führte sie aus der Bibliothek. Bei jedem anderen Jungen hätte sie dieses Händchenhalten als ein Zeichen der Zuneigung gesehen. Bei Malfoy jedoch war es gebieterisch, fast herablassend. Er tat es wie ein Elternteil ein ungezogenes Kind führen würde.
Auf ihrem Weg trafen sie keine anderen Schüler, aber eine Siebtklässlerin aus Ravenclaw sah sie überrascht und misstrauisch an, als sie vorbeilief und zwei Fünftklässlerinnen aus Slytherin warfen Hermine hasserfüllte, eifersüchtige Blicke zu, bevor Malfoy die beiden fixierte und sie schnell davonliefen. Hermine fragte sich gedankenverloren, ob Malfoy wohl mit einer von ihnen oder beiden geschlafen hatte und entschied, dass es vermutlich so war. Wahrscheinlich gab es kein halbwegs attraktives Mädchen über 15 Jahren in Slytherin, das Malfoy nicht schon in den Fingern hatte, oder schlimmer. Vielleicht war es eine Art perverser Initiationsritus, oder er war einfach so gut.
Draco führte die Schulsprecherin durch die Gänge bis zu dem Flur vor dem Raum der Wünsche. Lustig - sie hatte alle Autorität, die ein Hogwartsschüler haben konnte und hatte bisher nicht einmal versucht, sie gegen ihn einzusetzen. Er hatte sie bereits um den Finger gewickelt. Perfekt. Gerade, als Granger erkannte, wo sie waren, brachte Draco sich vor dem unsichtbaren Raum in Position und dachte deutlich, ?Ich brauche einen Platz, wo ich diesem Mädchen beibringen kann, wie man fickt, ohne dass uns jemand stört.'
Der Wunsch wurde erfüllt. Nach einem Moment erschienen ein Türknauf und der Umriss einer Tür auf der Wand und Draco öffnete sie mit seiner freien Hand, führte Granger an seiner anderen Hand hinein und schloss die Tür hinter ihnen. Draco sah sich um und musste zugeben, dass er von der Kreativität und Initiative des Raums beeindruckt war. Es ähnelte sehr seinem Schlafzimmer zu Hause. An einer Wand befand sich ein Kamin mit einem bequem aussehenden, schwarzen Sofa in sicherer Entfernung. Die Wände waren bedeckt von scheinbar handgewebten Wandteppichen, die berühmte Ereignisse der Zauberergeschichte zeigten. Ein schöner, seidener Orientteppich mit Schlangenmuster darauf bedeckte einen Großteil des Bodens. Schließlich stand in der Ecke stand ein großes Bett mit solidem Ebenholzrahmen, bedeckt von Decken und Kissen in verschiedenen Grüntönen, Silber und Schwarz. Seine Bewunderung des Zimmers wurde von einem Keuchen des Mädchens neben ihm unterbrochen.
Hermines Augen waren vor Ehrfurcht geweitet und sie hatte für einen Augenblick vergessen, aus welchem Grund Malfoy sie hierher gebracht hatte und studierte stattdessen die wunderschöne Ausstattung. Sie begann sofort die Wandteppiche zu überfliegen, versuchte herauszufinden, welches Ereignis sie einfingen, ihr intellektueller Verstand ganz in seinem Element.
„Ich hatte keine Ahnung, dass der Raum der Wünsche einen so detaillierten Raum erschaffen kann. Was hast du gesagt, das du brauchst?“
Malfoy antwortete nicht, und Hermine errötete, als sie bemerkte, was wahrscheinlich die Antwort auf ihre Frage war. Sie fragte sich im Nachhinein, ob Malfoy alle Mädchen, mit denen er schlief, hierher brachte.
Draco war ebenso beeindruckt von dem Zimmer. Er hatte tatsächlich noch nie daran gedacht, es für seine sexuellen Unternehmungen zu benutzen, nachdem er seine wahre Bedeutung erst vor kurzem erkannt hatte (er war bisher immer nur dort gewesen, wenn er verbotene Dinge enthielt, während er versuchte, das Verschwindekabinett zu reparieren). Normalerweise, wenn er mit einem Mädchen schlafen wollte, reichte ein leeres Klassenzimmer, das Bad der Vertrauensschüler, oder vielleicht auch ein Schlafsaal (wenn ihm egal war, wer ihn störte).
„Ich gebe zu, der Raum hat es geschafft, meinen Geschmack zu treffen“, kommentierte Draco in hochmütigem Tonfall. Als er bemerkte, dass er immer noch Grangers Hand hielt, ließ Draco los und lief hinüber zum Sofa, um sich bequem vor das Feuer zu legen. Er trat trägefaul seine Schuhe samt Socken aus, da er den luxuriösen Teppich das nächste Mal, wenn er stand, genießen wollte. Da der Unterricht für diesen Tag vorbei war, hatte er seine Schulsachen ausgezogen und trug nun eine schwarze Freizeithose und ein langärmeliges, blau-graues Hemd. Das Feuer war warm, aber der Raum selbst war noch ziemlich kalt, also musste er nicht die Ärmel hochkrempeln, um es sich bequem zu machen.
„Komm her, Granger“, Draco winkte herrisch, „und zieh deine Schuhe aus, bevor du den Teppich ruinierst.“
Hermine rollte mit den Augen, gehorchte aber ohne Protest, zog ihre Schuhe aus und stellte sie vorsichtig an die Wand neben der Tür. Das Feuer machte das Zimmer wärmer als die Gänge draußen, also zog sie den rot-goldenen Pullover, den Mrs. Weasley für sie gestrickt hatte, aus. Sie trug nun nur noch ihren knielangen Faltenrock, Strumpfhosen und ihre Uniform-Bluse. Ihre Krawatte hatte sie nach dem Unterricht abgenommen.
Draco sah das Mädchen von oben bis unten an, als sie zu ihm lief und sich bei seinen Füßen auf das Sofa setzte. Er rollte mit den Augen, als er den abgelegten Pullover sah und sagte mit schneidendem Hohn, „Musst du die ganze Zeit in diesen widerlichen Farben rumstolzieren?“
Hermine hatte gehofft, dass ihr Aussehen Malfoy gefallen würde, auch wenn sie ihre Uniform nicht ausgezogen hatte, und die Bemerkung traf sie. Sie schaffte eine bissige Antwort: „Immerhin dekoriere ich nicht alles mit Grün und Silber und Schlangen. Ich wette, dein eigenes Schlafzimmer sieht genau so aus!“
Draco starrte sie finster an. „Wenn du Glück hast, wirst du vielleicht irgendwann in diesem Raum enden. Nicht viele Mädchen haben sich als würdig erwiesen.“ Tatsächlich hatte bisher kein Mädchen daheim in seinem Bett geschlafen. Es gab keine, bei der er es in Betracht gezogen hatte, sie zu seinen Eltern nach Hause zu bringen, außer vielleicht Pansy, und sie war zu anstrengend, um den Sommer in seinem Haus zu verbringen, abgesehen davon, dass sie so schlecht im Bett war, dass er nur einmal mit ihr Sex gehabt hatte. Merlin stehe ihm bei, wenn seine Eltern wirklich darauf bestanden, dass er diese Kuh eines Tages heiratete. „Das wäre eine ziemliche Leistung für ein Schlammblut. Ich glaube, wir hatten seit Jahrhunderten keines im Haus.“
Draco hatte nicht vorgehabt, dieses Wort zu benutzen, aber die Reinblütergewohnheit hatte die Oberhand gewonnen. Er sah, wie Grangers Wangen brannten und Tränen sich bei der Beleidigung in ihren Augen bildeten. Sie hätte damit rechnen sollen, dass er ihre Spitze beantworten würde, aber sie war leidenschaftlich, und er hätte nicht so weit gehen dürfen. Es gab eine Grenze zwischen Ärgern und Foltern, die Draco mit diesem Mädchen nicht länger überschreiten wollte. Das hieß trotzdem nicht, dass er sich entschuldigen würde.
„Mach dir keine Sorgen - Ich steck dich und Grün und Silber und du wirst es lieben, bevor du es bemerkst.“ Draco versuchte, seinen Schlag durch Flirten abzuschwächen. Er mochte in Wirklichkeit, dass Granger immer ihre Hausfarben trug. Es bewies, dass er etwas in seinen Händen hatte, was dort nicht hingehörte. Gleichzeitig hatte es auch einen verdrehten Anreiz, sie in seine Hausfarben zu stecken…
Hermine wischte ihre Augen, da Malfoy nicht sehen sollte, wie sehr sie dieses dumme Wort traf. Warum sollte es auch? Malfoys stolze Reinblüterfamilie war in Ungnade gefallen und hatte kein Recht, auf sie herabzusehen. Sie war Schulsprecherin und Malfoy durfte nicht einmal mehr Vertrauensschüler sein! Dieser Gedanke heiterte sie auf und sie sah Malfoy entschlossen an, bereit für das, was als Nächstes kommen sollte.
Draco grinste und stellte sich Grangers schlanken Körper in besonders enthüllender, grüner und silberner Seidenunterwäsche vor. Er war froh, dass sie wegen seiner Beleidigung nicht in Tränen ausgebrochen war. Damit wollte er sich nun wirklich nicht beschäftigen. Er hatte fast erwartet, dass sie ihn schlagen würde, wie vor Jahren, aber sie tat es nicht. Sie sah ihn erwartungsvoll an, auf dem Sofa so weit von ihm entfernt, wie es möglich war. Es war irgendwie köstlich, dass er sie nun „Schlammblut“ nennen konnte, und sie nichts dazu sagen würde. Draco deutete ihr an, ihm näher zu kommen.
„Setz dich neben mich.“ Seine Stimme war fast ein Knurren. „Es wird Zeit für unsere erste Stunde.“
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Hier nun Kapitel 4, pünktlich zum neuen Jahr. Vielen lieben Dank an Mareen!
LG
Nitsrek
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