
von Nitsrek
Hermine fühlte sich so blöd. Sie hatte keine Angst im Dunkeln gehabt, seit sie ein kleines Mädchen gewesen war, aber das Anwesen war riesig und alt; voller fremder, quietschender Geräusche. Es schien, als ob einige der Portraits sie beobachteten, wenn sie nicht hinsah und sie konnte einfach nicht schlafen, egal wie sehr sie es versuchte.
Es wäre eine schlechte Idee. Eine sehr schlechte Idee, wegen so etwas zu Malfoy zu rennen. Ehrlich gesagt gab es in diesem Haus nichts, vor dem man Angst haben musste, vielleicht mal abgesehen von Narcissa Malfoy. Okay, das stimmte nicht ganz. Der Ort könnte angefüllt sein mit schwarzen Objekten, die das Ministerium und der Orden nicht gefunden hatten. Nein, nein, sie machte sich lächerlich. Es war ja nicht so, als ob irgendein verfluchtes Objekt, das im Keller versteckt war, die Stufen herauf kriechen würde und…
Es gab kein Drumherum. Ihre unvernünftigen Ängste gewannen schließlich und Hermine stand so schnell sie konnte auf und verließ das Zimmer, tapste ruhig den verlassenen Flur zu Malfoys Zimmer. Sie öffnete die Tür und trat ein, gab ihren Augen einen Moment Zeit, um sich anzupassen, da es in seinem Zimmer sogar noch dunkler war als in ihrem oder dem Flur.
Da sie dachte, dass er schlief, schlich sie langsam zum Bett. Ihr Herz schlug wie verrückt. Nun, wo sie hier war, schien Malfoy genauso Furcht erregend wie jede andere erdachte dunkle Kreatur oder Sache und sie war sich nicht ganz sicher, ob sie ihn überhaupt wecken wollte. Trotzdem konnte sie mit ihrer Angst vor dieser bekannten Person leichter umgehen als mit der vor Furcht vor den unbekannten Schrecken, die Malfoy Manor bereithalten konnte. Würde er auf sie wütend sein, wenn sie zu ihm schlüpfte wie ein kleines Mädchen, das wegen einem Albtraum zu seinen Eltern rannte?
„Und? Dir muss kalt sein. Na, komm schon.“
Das bekannte und leicht selbstgefällige Schnarren von Malfoys Stimme erschreckte Hermine, aber sie verkniff ihr überraschtes Keuchen. Er klang, als hätte er schon seit Stunden wach gelegen und wäre kein bisschen überrascht, dass sie da war. Sie zögerte einen Moment, unsicher, in was für eine Lage sie sich da brachte. Dennoch war ihr jetzt, da sie außerhalb ihres Bettes war, kalt und ihr Nachthemd war zu dünn, um großen Schutz zu bieten.
Zu kalt. Sie musste entweder seine Einladung akzeptieren oder in ihr eigenes Bett zurückkehren. Ein Teil von ihr wunderte sich verärgert, warum eine Zaubererfamilie es nicht schaffte, ihr Haus daran zu hindern, dass es darin zog. Aber als sie hörte, wie Malfoy zur Seite rutschte, um ihr Platz zu machen, waberte sein Duft zu ihr und sie entschloss sich. Sie ging zum Bett, gegenüber seiner Seite, zog die Decke zurück und kletterte hinein. Beide waren für ein paar Momente still, nachdem sie es sich bequem gemacht hatte.
„Entschuldige“, flüsterte Hermine, und versuchte eifrig zu erklären, „Dein Haus ist so groß und ich… ich konnte nicht schlafen.“
„Ich fange an zu glauben, dass diese ganze Gryffindor-Mut-Sache ein Mythos ist“, schimpfte Malfoy, als er sich zu ihr drehte. Hermine konnte ihn in der Dunkelheit des Zimmers kaum sehen.
„Ich bin alte, magische Häuser immer noch nicht gewöhnt“, antwortete Hermine mit klappernden Zähnen, zitternd, weil ihr immer noch nicht warm war. „Der Fuchsbau – Rons Haus, meine ich – war schlimm genug, und das Hauptquartier des Ordens verbarg hinter jeder Ecke Schreckliches.“
Malfoy knurrte als Reaktion und Hermine zuckte unwillkürlich zusammen. „Sprich nicht von ihm“, befahl er und fuhr mit sanfterer Stimme fort, „und komm her, du zitterst ja.“
Für einen Moment herrschte Stille, während diese letzten beiden Worte Echos einer anderen Nacht in einem anderen Bett schufen.
Hermine fühlte sich albern, weil sie Ron erwähnt hatte, aber war von Malfoys scheinbarem Besitzanspruch angetan. So sehr sie darauf bestand, dass sie niemandem gehörte, es war irgendwie berauschend, wenn er Eifersucht zeigte. Sie gehorchte ihm gerne, bewegte sich unter dem warmen Laken und der Decke näher zu ihm. Zu ihrer Überraschung legte er einen Arm um sie und zog sie an seine Brust. Sie war nackt. Er war sehr warm und sein Geruch war so vertraut und gemütlich wie immer. Nach ein paar Momenten war ihr weder kalt, noch hatte sie länger Angst.
„Danke“, sagte sie leise an seiner Brust und fühlte sich mehr Zuhause als bei dem Besuch bei ihren Eltern. Das war ein sehr schlechtes Zeichen.
„So hatte ich es nicht gemeint, als ich mir vorgestellt habe, mein Bett mit dir zu teilen“, sagte Malfoy als er grob über Hermines Rücken strich, um sie aufzuwärmen.
Hermine runzelte schuldbewusst die Stirn, aus der Bahn geworfen von seiner Anspielung. „Tut mir leid, ich hatte einfach Angst. Ich kann gehen, wenn du willst.“
Draco bemerkte den Widerwillen in ihrer Stimme und hielt sie zurück, als sie aus dem Bett klettern wollte. „Bleib.“
Dieses eine Wort zog sie zurück an ihn und sie unterdrückte ein Lächeln, als sie sich wieder neben ihm entspannte. Hermine konnte nun durch die Dunkelheit Formen an der Wand entlang erkennen. „Wie schläfst du neben all diesen gruseligen Portraits, die sich bewegen und dich ansehen?“
Malfoy zuckte die Schultern und folgte ihrem Blick. „Sie waren schon immer da, also ist es für mich nicht fremd.“
„Ich denke nicht, dass ich mich jemals an sich bewegende Bilder gewöhnen werde.“
Draco versuchte für einen Moment, sich stille Bilder vorzustellen und machte sich in seinem schläfrigen, zufriedenen Zustand über Granger lustig. Sie war nun warm und roch gut. Es war merkwürdig, sie zu Hause in seinem Bett zu haben. Es war schwierig, sich darum zu sorgen, was für ein Chaos er damit verursacht hatte, dass er sie hierher brachte. Vielleicht würde sie sich, ohne jemanden, der sie erwischen könnte, sogar ein wenig entspannen.
Er zögerte und sagte dann, „Manchmal vergesse ich, dass du ein Schlamm- eine Muggelgeborene bist.“
Hermine verkrampfte sich verteidigend, doch sie schätzte es, dass er es vermied, sie Schlammblut zu nennen. Ein paar Monate – vielleicht sogar ein paar Wochen – zuvor hätte er keine Skrupel gehabt, diesen Begriff zu verwenden. „Warum? Weil ich gut zaubern kann?“ Ihre Stimme verriet einen Hauch Ärger.
„Teilweise, denke ich“, antwortete Draco, ungerührt von ihrem Ärger. „Aber auch, weil du so an Magie gewöhnt scheinst. Es dauert bei den meisten Muggelgeborenen sehr viel länger, bis sie dazu passen.“
„Ich lese einfach viel.“ Hermine errötete leicht in der Dunkelheit aufgrund des merkwürdigen Kompliments, das sie gerade bekommen hatte. „Ich finde Magie faszinierend. Auf jeden Fall sehr viel interessanter als Dinge wie Mathematik und Französisch zu lernen…“ Sie unterbrach sich, versuchte, ihre Aufregung über das Thema zu dämpfen.
„Mathematik?“, fragte Draco mit ehrlicher Neugier. Er hatte sich nie sehr für die Muggel-Lebensart interessiert, dennoch merkte er, dass es ihn in letzter Zeit immer mehr interessierte, wie Granger vor ihrem Eintritt in die Zaubererwelt gelebt hatte. Es war schwierig für ihn, sie sich als jemand anderen vorzustellen als die Hexe, die in jedem Bereich von Magie, den sie ausprobierte, führte. Die Hexe, die manchmal seinen schulischen Neid geweckt hatte. Er hatte es nie gerecht gefunden, dass eine Muggelgeborene so gut in Magie sein konnte.
„Es ist ein bisschen wie Arithmantik“, versuchte Hermine zu erklären, „aber ohne Magie.“
Draco stöhnte. Da er Muggelkunde nie in Betracht gezogen hatte und in Wahrsagen schlafen konnte, wenn er unauffällig genug war (und das war er), war Arithmantik immer sein meist gehasstes Fach gewesen. „Das klingt beunruhigend langweilig.“
Hermine kicherte unfreiwillig. „Es ist ziemlich langweilig, jetzt wo du es sagst.“
„Bist du sicher, dass du nicht in einer Zaubererfamilie geboren und dann von Muggeln adoptiert wurdest, nachdem deinen Eltern irgendeine Tragödie passiert ist wie bei Potter?“, neckte Draco, obwohl er wusste, dass die Wahrscheinlichkeit groß war, dass Granger ihn ernst nahm.
Hermine starrte Malfoy finster im Dunkeln an, antwortete aber mit fester Stimme „Ich bin sicher. Ich sehe genauso aus wie meine Eltern. Außerdem passen unsere genetischen Züge und ich bin sicher, dass ein DNA-Test -“
Sie brach mitten im Satz ab, weil Malfoy sie leise auslachte, während sie sprach.
„Worüber in Slytherins Namen redest du da, Granger?“ Draco konnte nicht anders, als über sie zu lachen. Es klang, als ob sie eine andere Sprache sprechen würde, und sie schien keine Ahnung zu haben, dass er sie wirklich nur triezte.
Hermine schnaubte verärgert. Sie mochte es nicht, ausgelacht zu werden, vor allem nicht von dem Jungen, der es zu seiner Lebensaufgabe gemacht hatte, sie bis vor Kurzem immer wieder lächerlich zu machen. „Es ist nur Genetik. Es geht darum, wieso Leute wie ihre Eltern aussehen und wie die verschiedenen Tierarten miteinander verwandt sind und so weiter…“
Sie stoppte sich, als Malfoy sie verständnislos ansah.
„Das klingt lächerlich! Warum sollte das jemanden interessieren?“, höhnte Draco. In seinem Kopf war die Sache mit der Abstammung sehr leicht. „Entweder hast du Blut oder nicht.“
Hermine seufzte, gab es auf, es zu erklären und zwang sich, nicht auf seine Reinblüter-Bemerkungen zu antworten. Er konnte nichts für die Denkweise, die ihm anerzogen worden war. Welchen Nutzen hatte die magische Welt für etwas wie Genetik? Selbst für sie klang es nun ein wenig merkwürdig. Aber sie war froh, dass sie diese Unterhaltung führten. Es war eins dieser seltenen Male, bei denen es sich anfühlte, als wären sie neben allem anderen (Feinde, Liebhaber, zwei Menschen in einem Riesenchaos) auch Freunde. Sie fühlte sich in solchen Zeiten wohl bei ihm. Verspielt. Sie sah Malfoy an und lächelte boshaft.
„Ich zeige dir, was lächerlich ist.“ Ohne Warnung sprang Hermine auf Malfoys Bettseite und fing an, ihn rücksichtslos an den Seiten zu kitzeln. Vielleicht konnte sie diese aristokratische Schutzmauer für nur einen Moment durchbrechen. Was war das Schlimmste, was passieren konnte?
Überrascht von Grangers plötzlicher Aktion fing Draco an, unkontrolliert zu lachen; ein Laut, den man nicht oft von ihm hörte. Die spitzen Finger des Mädchens attackierten die empfindliche Haut an seinem Bauch und er wollte ihr nicht wehtun, indem er sich zu stark wehrte. Im Moment war er sich sicher, dass er sie schlagen oder treten würde mit seinem ganzen Gezappel. „Granger – Stop! Zur Hölle – Aaah!“
Die beiden rauften auf dem Bett, brachten die Laken durcheinander und warfen Kissen in alle Richtungen. Leises Kichern und Kreischen vermischten sich in der Luft: eine Sinfonie freudiger Leidenschaft. Schließlich schaffte Draco es, zuerst Grangers rechtes Handgelenk zu packen, dann ihr linkes, und sie dann auf seinem Bett zurück auf den Rücken zu drücken, ihre Handgelenke über ihrem Kopf gehalten. Er starrte für einen Moment auf sie runter, während beide um Atem rangen. Er kniete sich über ihre Hüften und war sich plötzlich sehr der Tatsache bewusst, dass er sie seit einer sehr langen Woche nicht gevögelt hatte.
Granger leckte ihre Lippen, die von ihrer schweren Atmung trocken und ebenso rot wie ihr restliches Gesicht waren. Sie hatte wahrscheinlich keine Ahnung, wie verführerisch sie aussah, wie verletzlich sie gerade war, unfähig, sich zu bewegen, ihm völlig ausgeliefert. Draco grinste innerlich.
Aber bevor er planen konnte, wie sie ihre Woche in Trennung wieder gut machen konnten, überraschte sie ihn wieder. Ohne ein Wort hob sie ihren Kopf und küsste ihn. Granger hatte nie einen Kuss zwischen ihnen initiiert, kein einziges Mal seitdem sie sich trafen. Es schien Draco, als hätte er sie hunderte Male geküsst. Aber bis zu diesem Moment hatte er nicht bemerkt, dass sie ihn nie geküsst hatte. Es fühlte sich sehr merkwürdig an. Der Kuss war weich und vorsichtig, fast liebend. Er fühlte sich zerbrechlich an, als ob etwas Schlimmes geschehen würde, wenn Draco ihn in einem dieser groben, drängenden Küsse verwandeln würde, die er vorzog. Er fühlte sich, als ob er ihr wehtun würde, wenn er zu heftig wäre. Er erwiderte den Kuss vorsichtig und sah sie aus verwunderten Augen an. Sein Griff um ihre Handgelenke lockerte sich unbewusst.
Nach einem Moment brach Granger den Kuss ab und schlang ihre Arme um Dracos Rücken, zog ihn nach unten in eine Umarmung. Draco tolerierte das für einen Moment, drückte sie dann fort und rollte von ihr und zurück auf seine Seite des Bettes.
„Ich bin nicht dein verdammter Teddybär, Granger“, sagte er kühler, als er es wollte.
Hermine entfernte sich von Malfoy, sich bewusst, dass sie zu weit gegangen war. Er hätte den Kuss toleriert, sogar genossen, aber der Umarmung fehlte es so deutlich an Sexualität, dass sie hätte wissen müssen, dass es ihn verärgern würde. Sie umarmten sich nur, wenn sie Sex hatten, hauptsächlich, weil ihre Körper sich sowieso schon so nahe waren, dass es so bequemer war. Sie war dumm. Sie behandelte Malfoy, als wäre er ihr Freund, aber das war er eindeutig nicht. Dazu würde er sie mindestens mögen, wenn nicht sogar lieben müssen.
Und obwohl Malfoy fast sicher seine Familie liebte und vielleicht sogar andere Hexen geliebt hatte, schien es nicht sehr wahrscheinlich, dass er Hermine lieben konnte. Selbst, wenn er sich von ihr angezogen fühlte, gab es immer noch soviel an ihr, was gegen die Dinge stand, die er mochte, schätzte und an die er glaubte. Nur, weil er nicht länger ein Todesser war, hieß das nicht, dass er sich ändern und Hals-über-Kopf in eine Muggel-geborene Hexe verlieben würde, die ausgerechnet die beste Freundin von Harry Potter war. Und wie konnte eine Muggel-geborene Hexe jemals einen Zauberer lieben, der sie jahrelang gequält hatte, der früher ein Todesser war und von Muggelhassern abstammte?
Es war unmöglich, und dennoch war es so. Sie war erst seit weniger als einem Tag in seinem Haus und trotzdem musste sich Hermine mit der unvermeidlichen Schlussfolgerung abfinden, dass sie sich in Draco Malfoy verlieben konnte. Wenn sie ehrlich mit sich war, hatte sie das bereits schon vor Wochen vermutet. Es war alles andere als vernünftig, und würde sicher unerwidert bleiben, aber sie konnte nichts tun. Sie konnte sich nicht von ihm berühren und küssen lassen, mit ihm all die Male Liebe (ihr fiel kein passenderes Wort ein) machen, ohne etwas zu fühlen. So sehr sie sich auch wünschte, dass sie es könnte. Sie hatten so viel Zeit miteinander verbracht, und sie hatte die Möglichkeit gehabt, mit ihm richtige Gespräche zu führen. Sie hatte das Gefühl, dass sie langsam begann, ihn ein bisschen zu verstehen. Nach allem, was sie durchgemacht hatten, sollte sie wenigstens in der Lage sein, ihn als Freund zu sehen, wenn schon als nichts anderes. Wäre sie zufrieden, wenn sie das hätte?
Draco seufzte und stand im inneren Konflikt. Granger hatte sich von ihm abgewandt und auf ihrer Seite des Bettes zusammengerollt, ihm Raum gegeben. Es hatte ihn geärgert, dass sie so an ihm hing, aber er hatte nicht so grausam sein wollen. Es war komisch, von ihr so geküsst und berührt zu werden. Wenn sie nicht wollte, dass er sexuell reagierte, wusste er nicht, wie er sonst reagieren sollte. Sie versuchte so verzweifelt, ein Quäntchen Zuneigung von ihm zu bekommen, das wusste er. Er wollte nicht, dass sie wütend auf ihn war, oder traurig. Er wollte die Dinge einfach so, wie sie immer waren, aber etwas hatte sich verändert.
Hatte sie sich in ihn verliebt? Dachte sie, dass sein Einladung, während der Ferien bei ihm zu übernachten, ein Zeichen der Zuneigung oder Bindung war? Wenn Bindung bedeutete, sich mit niemand anderem einzulassen, dann leistete er gute Arbeit. Er hatte, ein paar Wochen, nachdem das mit Granger angefangen hatte, nicht mal an eine andere Hexe gedacht. Was die Zuneigung betraf: Er mochte sie auf jeden Fall. Sie war lustig, auch, wenn sie das nicht immer beabsichtigte. Und natürlich intelligent. Sie war schön und sexy und etwas an ihr ließ ihn immer wieder zurückkommen… Draco überlegte, dass das Zuneigung sein könnte. Aber Liebe? Das war ein Wort, das Draco sehr selten benutzte.
„Es tut… mir leid.“ Draco kämpfte mit den Worten, zwang sie aber heraus. Granger bewegte sich nicht und sagte nichts, immer noch von ihm abgewandt. Wenn sie ihn wirklich gut kannte, wäre sie ziemlich geschockt, wenn sie diese Worte aus seinem Mund hörte. „So habe ich es nicht gemeint. Ich bin nur… nicht an solche Sachen gewöhnt.“
Hermine bewältigte ihre anfängliche Reaktion über Malfoys Entschuldigung und drehte sich langsam zu ihm zurück, sah ihn durch die Dunkelheit an, aber sprach nicht.
Draco seufzte erneut, versuchte, es so taktvoll wie möglich zu Ende zu bringen. „Trotzdem sind wir jetzt lange genug wach, meinst du nicht auch? Komm schon, Gr – Hermine, lass uns schlafen.“
Hermine lächelte ein wenig und nickte, gähnte und machte es sich wieder bequem. Es war ein kleines Zeichen guten Willens, ihren Namen zu benutzen, aber immerhin ein Zeichen.
„Gute Nacht… Draco“, flüsterte sie.
„Gute Nacht.“ Draco beobachtete ruhig, wie Hermine ihre Augen schloss. Nach ein paar Momenten verlangsamte sich ihre Atmung und Draco wusste, dass sie eingeschlafen war.
Was wollte sie von ihm? Zuneigung? Beziehung? Liebe…
Das Wort hallte mit großem Gewicht durch Dracos Bewusstsein. Sicher, er wusste, was Liebe war. Er liebte seine Eltern. Er wollte, dass sie in Sicherheit und glücklich waren, selbst wenn er wusste, dass das manchmal unmöglich war. Er sorgte sich darum, was ihnen passieren würde. Er wollte bei ihnen sein, meistens.
Fühlte er diese Dinge nicht auch bei Granger? Sicher, und mehr. Es wurzelte alles in dem starken Bedürfnis, sie um den Verstand zu vögeln, jedes Mal, wenn sie ihm in Sicht kam und wurde dadurch noch verkompliziert. Gewiss war das Verlangen zuerst da gewesen. Er hatte sie so sehr gewollt, und so war es immer noch. Sie war eine Geliebte, das war Tatsache. Und vielleicht eine Freundin. Er redete gern mit ihr. Sie waren also Freunde. Wieso nicht? Freunde, die es nicht schafften, ihre Finger voneinander zu lassen. Nein, Freunde hatten nicht diese Leidenschaft.
Sie hatten jedenfalls Leidenschaft. Aber Draco war nicht dumm genug um zu denken, dass Leidenschaft gleich Liebe war. Er kannte sich gut aus mit Leidenschaft; er hatte sie im Laufe der Jahre mit vielen Hexen geteilt, und er hatte keine von ihnen geliebt. Liebe war ihm mit ihnen nicht einmal in den Sinn gekommen.
Granger hatte ihm von Anfang an ihre Leidenschaft angeboten. Dann langsam ihre Freundschaft. Und nun gab es noch ein weiteres Angebot. Er konnte es sehen, wenn sie ihn auf eine Art ansah, die nicht bedeutete, dass sie sich ihn nackt vorstellte. Er hatte es heute Nacht in ihrem Kuss gespürt, und in der Umarmung, die er abgewehrt hatte.
Sie bot ihm Liebe. Und er hatte keine Ahnung, was er damit tun sollte. Er wollte, dass die Dinge so weiterliefen wie bisher. Aber eine Hexe wie Granger… wie Hermine. Sie würde nicht für immer mit ihm rummachen, wenn er ihr nichts im Gegenzug anbot. Und das sollte sie auch nicht.
Er war also ziemlich am Arsch.
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