
von Nitsrek
Der Frühling war bereits eingetroffen und Ron und Hermine hatten immer noch nicht wieder über ihre Beziehung mit Draco gesprochen. In der Öffentlichkeit wirkten sie wie Freunde: Sie aßen und lernten gemeinsam und sprachen liebevoll miteinander. Aber ihre Gespräche handelten nie von Persönlichem und waren durch eine Beschämung gekennzeichnet, die es schwer machte, allein miteinander zu sein. Hermine gab sich selbst gegenüber zu, dass es so besser war als mit Ron zu streiten oder gar nicht mit ihm zu sprechen, aber sie spürte, dass sie weit davon entfernt war, dass er es akzeptierte oder ihr vergab.
Seit ihrem Zwölf-Stunden-Streit und ihrem darauf folgenden Vertragen waren Draco und Hermine in eine Art Normalität in ihrer Beziehung zurückgekehrt. Draco besuchte nachts oft ihr Zimmer oder bat sie, ihn im Raum der Wünsche zu treffen. Manchmal blieb er und schlief neben ihr ein, aber am Morgen war er immer verschwunden.
Es gab keine Diskussionen mehr über Ron, den Krieg oder die Zukunft. Hermine zwang sich, Dracos erneute Abwehrhaltung zu ignorieren, ebenso wie die Tatsache, dass das Mal auf seinem Arm manchmal dunkler wirkte als zuvor. Sie fühlte sich, als würde sie permanent und nervös darauf warten, dass alles zerbrach, während sie gleichzeitig so tat, als würde es nicht passieren.
Als sich jedoch alles plötzlich veränderte, war es aus einem Grund, den Hermine inzwischen völlig vergessen hatte. An einem warmen Frühlingsabend lernte sie nach dem Abendessen in der Bibliothek, als Ron sie aufsuchte. Sie wollte im Moment nicht mit ihm sprechen. Die Dinge waren zwischen ihnen immer noch so peinlich und zerbrechlich.
„Hermine“, rief er, als er sich dem Tisch näherte. Sein Gesicht zeigte ein Gefühl, das sie nicht sofort ausmachen konnte.
„Nicht jetzt, Ron.“ Sie versuchte, ihn mit einem Wink auf die Bücher und das Pergament, das vor ihr auf dem Tisch ausgebreitet lag, abzuwimmeln. „Ich versuche gerade, meinen Arithmantikaufsatz zu beenden.“
„Es geht um Harry.“
Sie ließ ihre Feder fallen und sah Ron fest in die Augen. Ihr Herz schien einen Moment auszusetzen, starr vor Kälte.
Bei ihrem Gesichtsausdruck fuhr Ron schnell fort. „Es geht ihm gut.“
Hermine atmete die Luft aus, die sie unbewusst angehalten hatte. Typisch Ron, sie zu Tode zu erschrecken, indem er ihr diese Information nicht zuerst weitergab. „Was ist es dann?“
„Er hat einen gefunden.“ Er warf ihr einen bedeutungsvollen Blick zu, sich Madam Pince’s Anwesenheit bewusst. Er konnte nur eines meinen. „Er braucht unsere Hilfe, um dran zu kommen.“
Ihre Gedanken begannen, wild zu rasen. „Wo? Welcher ist es?“ Sie schüttelte ihren Kopf, wissend, dass er diese Fragen nur unter vier Augen beantworten konnte. „Aber die Schule ist bald vorbei! Was ist mit unseren Prüfungen? Wie sollen wir es erklären?“
Ein kleines Lächeln zog Rons Mundwinkel nach oben, als er ihr zuhörte. Das erste echte Lächeln, das sie auf seinem Gesicht sah, seit er von Draco erfahren hatte. Und dann wurde sein Gesicht wieder ernst.
„Ich weiß es nicht. Aber wir müssen gehen.“ Er hielt inne, erinnerte sich an ihr derzeitiges Verhältnis. „Ich meine, ich werde gehen. Aber er hat auch nach dir gefragt. Er hat das hier geschickt.“
Ron hielt ihr einen Brief mit ihrem Name entgegen, eindeutig in Harrys Handschrift. Sie nahm ihn wortlos an sich.
„Ich habe ihn nicht geöffnet“, sagte Ron nach einer kurzen Pause, und Hermine nickte, als sie das Siegel brach und das Pergament entfaltete.
Liebe Hermine,
ich habe einen gefunden. Kann hier nicht viel darüber erzählen. Ich weiß, dass es schlechtes Timing ist, jetzt, wo das Ende des Schuljahres bevorsteht, und ich verstehe es, wenn du warten und später nachkommen willst, aber ich könnte deine Hilfe hierbei wirklich gebrauchen. Ich habe festgestellt, wie selbstverständlich deine Anwesenheit für mich gewesen war, nicht nur wegen deines Verstandes.
Ron hat mir von Malfoy erzählt. Mach es ihm nicht zu schwer. Ich habe einen weniger voreingenommenen Bericht von Ginny erhalten, nachdem er es mir gesagt hat. Du weißt, was ich von Malfoy halte und ich werde nicht so tun, als wäre es mir egal. Aber das ändert nichts daran, was du mir bedeutest. Für Ron auch nicht. Ich glaube, er ist nur so aufgebracht, weil er sich solche Sorgen macht. Wir wollen beide, dass du glücklich bist, auch wenn es hart ist, dem Drang zu widerstehen, zur Schule zurück zu eilen und dieses Frettchen zu verhexen. Und Ron und ich wissen beide, dass wir nicht das Recht haben, dir vorzuschreiben, was du tun sollst.
Ich kenne Rons Absicht, dich in Sicherheit zu bringen, aber wir würden uns beide besser fühlen, wenn du bei uns wärst, und wir wissen, dass du auf dich aufpassen kannst. Fühl dich nicht bedrängt, sondern geschmeichelt.
Harry
Hermine musste über ihre Augen wischen, während sie das Pergament wieder zusammen faltete und es in ihre Tasche packte. Ron, der still neben ihr gestanden hatte, während sie den Brief gelesen hatte, zappelte verlegen und sah aus, als würde er gleich gehen. Hermine stand auf und griff sanft um sein Handgelenk, zog ihn in eine Umarmung. Nachdem er sich von seiner anfänglichen Überraschung erholt hatte, streichelte er mit seiner Hand tröstend über ihren Rücken, bis die wenigen, kleinen Schluchzer verklungen waren. Sie vermisste Harry furchtbar und sie vermisste es, Ron nahe zu sein.
Sie mussten zu Harry. Nichts war wichtiger als seine Sicherheit und ihre Mithilfe bei der Zerstörung der Horkruxe. Egal, welche Differenzen sie gerade mit Ron hatte, sie waren sich in ihrer Sorge um ihren Freund einig.
Erst als Hermine nachts zu ihrem Zimmer zurückkehrte, gestattete sie sich, was all das für ihr Abkommen mit Draco heißen würde. Es war das erste Mal, dass sie erleichtert war, die Nacht durchzuschlafen, ohne aufzuwachen und ihn an ihrem Fenster zu sehen.
*****
Der nächste Tag war eine Qual. Ein Teil ihres Gehirns versuchte unaufhörlich, jede Alternative zu überdenken, während ein anderer bereits akzeptiert hatte, dass es nicht anders ging. Es ging nicht nur um das Schicksal ihrer Welt. Es ging um Harry. Sein Schicksal war mit dem jeder Hexe und jedes Zauberers in ganz England und der Welt verbunden, aber was Hermine am meisten kümmerte, war, dass sie alles tun würde, was sie konnte, um ihren Freund – oder fast ihren Bruder – zu beschützen.
Und dennoch wusste sie, dass Harry zur Hilfe zu kommen gleichzeitig das Ende von was-auch-immer sie mit Draco hatte bedeuten würde. An Harrys Seite zu stehen würde bedeuten, dass sie ein für allemal akzeptieren würde, dass sie im Krieg standen und dass die Person, die sie –
Ein Schluchzen, der sich mit einem bitteren Lachen vermischte, erschütterte ihren Körper, als sie sich endlich die Wahrheit eingestand. Sie klammerte sich haltsuchend an einen ihrer vier Bettpfosten. Ihre Absicht, zum Abendessen zu gehen, war plötzlich vergessen. Die Person, die sie liebte, war in allen Punkten und Ansichten auf der gegnerischen Seite. Ob er wollte oder nicht.
Vor Monaten, als sie und Draco zum ersten Mal miteinander geschlafen hatten, war sie Ginnys Frage, ob sie Draco liebte, ausgewichen. Damals hatte sie nicht wirklich gewusst, was sie fühlte. Alles war vermischt gewesen: Lust und Zuneigung schienen so unterschiedlich, aber es war schwer zu sagen, welche ihrer Handlungen von welchem Gefühl geleitet worden waren. Sie hatte sich einfach unwiderruflich und unwiderstehlich von Draco angezogen gefühlt.
Sie wusste nun, dass sie ihn damals noch nicht geliebt hatte. Sie hatte ihn nicht gut genug gekannt. Sie war sich immer noch nicht sicher, ob sie ihn gut kannte, aber sie hatten soviel gemeinsam durchgemacht. Sie vertraute auf seinen Trost und seine Bestätigung. Sie wollte ihn um sich haben. Sie hatte sich nicht gestattet, darüber nachzudenken, was das bedeutete oder wie es ausgehen würde.
Die Tatsache war, dass es nur schlecht ausgehen konnte. Selbst wenn er für sie dasselbe fühlen würde, wie sollten sie darüber hinwegsehen, dass sie die rechte Hand der letzten Hoffnung für die Erlösung der Zaubererwelt war, während er der Sohn eines von Voldemorts treuesten Anhängern und obendrein freiwillig ein Todesser war?
Er hatte das alles hinter sich gelassen. Er hatte es ihr eines Nachts gesagt, vor Jahren, wie es schien, und sie hatte ihm geglaubt, bevor sie überhaupt gewusst hatte, dass sie ihn lieben konnte. Sie glaubte ihm immer noch. Aber er hatte weder die Freiheit noch den Mut, Harry und dem Orden des Phoenix zu helfen. Sie konnte ihn nicht um dieses Opfer bitten, selbst, wenn er es tun würde. Sie konnte nicht verlangen, dass er seine Familie verriet. Nicht für die magische Welt und sicherlich nicht für sie selbst.
Anstatt vor Freude über ihre festgestellte Liebe zu glühen, fühlte Hermine, wie er Herz unter dem Gewicht der Realität zerbrach. Sie war ein vernünftiger Mensch, und sie hatte sich lange genug vor der Wahrheit versteckt: Sie liebte Draco Malfoy. Und obwohl ihr dies im Moment wie die wichtigste Sache der Welt vorkam, wusste sie, dass es angesichts der zukünftigen Ereignisse nichts bedeutete.
Sie war sich sicher, dass es für sie kein Happyend geben würde.
*****
Lieber Harry,
natürlich komme ich mit dir und Ron! Du weißt, wie ich es hasse, die Schule so kurz vor dem Abschluss zu verlassen, aber ich weiß, dass es das Wichtigste ist, dir zu helfen. Abgesehen davon, wenn ich nicht jetzt den Abschluss mache, muss ich zurückkommen und dich und Ron mit mir zerren, damit ihr auch euren Abschluss macht, oder?
Ich habe dich mit dem Großteil meines Wissens losgeschickt, aber ich habe weitere Informationen, die uns helfen könnten. Wenn wir jetzt planen, sollten wir in ein paar Wochen zu dir stoßen können. Damit solltest du genügend Zeit haben, wie wir uns sicher treffen können.
Sei bitte vorsichtig, jetzt noch mehr als sonst. Es fühlt sich an, als würde sich alles anhäufen, und wir müssen schnell und vorsichtig arbeiten, um der anderen Seite voraus zu sein.
Ich freue mich auf dich!
Alles Liebe, Hermine
Na also. Kein Wort von Draco. Und sie entschied sich, ihn nie wieder zu erwähnen. Nicht ihren Freunden oder irgendwem anders gegenüber. Alles wäre bald vorbei und so wäre es wahrscheinlich für alle am besten.
Beim Abflug der Schuleule sammelte Hermine ihre Sachen ein und zwang sich, ihren Kopf frei zu machen und sich auf den Unterricht vorzubereiten. Obwohl jede Arbeit, die sie erledigte, keine Rolle mehr spielen würde, mussten sie so tun, als ob sich nichts geändert hätte. Sie konnten nicht riskieren, dass jemand außer Ginny wusste, dass sie gingen, bevor sie weg waren.
*****
Draco seufzte erleichtert, als er sich in das heiße Badewasser sinken ließ. Es war ihm nicht länger gestattet, dass Bad der Vertrauensschüler zu benutzen, nachdem ihm sein Titel aberkannt worden war, aber er war auch für das sehr viel weniger üppige Badezimmer der normalen Schüler dankbar.
Er blickte auf das Mal an seinem linken Arm, seine Form verzerrt durch das klare Wasser. Zum ersten Mal seit zwei Tagen waren die Schmerzen erträglich. Jeder Muskel in seinem Körper war durch das Feuer, das unter seiner Haut brannte, angespannt. Manchmal hatte Draco ernsthaft darüber nachgedacht, sich den Arm am Ellbogen abzutrennen oder die brennende Haut aus seinem Arm herauszuschneiden.
Dracos Verstand wanderte hin und her zwischen der Frage, was dem Dunklen Lord diese Wut oder Freude – es war unmöglich zu sagen, was es war – verursacht hatte, und ob Er manchmal absichtlich extra Schmerzen zu Draco sandte, um ich zu bestrafen und daran zu erinnern, was der Dunkle Lord mit Verrätern machte.
Das heiße Wasser betäubte die gezeichnete Haut und Draco stellte erleichtert fest, dass die Hitze auch die Muskeln etwas entspannen ließ. Er wünschte sich inbrünstig, dass er Hermine bitten könnte, die Kopfschmerz verursachenden Knoten in seinem Rücken und seinem Nacken zu massieren, aber er war zu stolz um zuzugeben, dass ihn etwas so verspannt werden ließ.
Er dachte an ihre weichen, warmen Handflächen, die über seine Haut glitten und sehnte sich nach ihrem Bett. Dort war alles warm und weich und ihr Duft und ihre Nähe lullten ihn in den Schlaf, bis ihn die Albträume wieder einmal zu Bewusstsein brachten.
Wenn sie nicht da war, war es wieder genau so wie in der sechsten Klasse. Er aß und schlief viel weniger, als er sollte, und die Gesundheit, die er unter dem Schutz des Ordens und während des Schuljahres zurückerlangt hatte, verschwand wieder. Eine so aufmerksame Hexe wie Hermine musste das Gewicht, das er verloren hatte, und die dunklen Ringe unter seinen Augen bemerkt haben. Er war hin- und her gerissen zwischen Dankbarkeit, dass sie keine Fragen stellte, und Sehnsucht nach ihrer Sorge und Trost. Aber sie hatte in den letzten paar Wochen nüchterner gewirkt. Weniger geneigt, zu lächeln. Vielleicht auch zerbrechlicher. Vielleicht beschäftigten sie ihre eigenen Sorgen so sehr, dass sie sich um ihn keine Gedanken machen konnte.
Die Briefe seiner Mutter waren kürzer und seltener geworden. Er vermisste sie sehr und sorgte sich um ihre Sicherheit. Er vermisste sogar seinen Vater und die Art, wie seine Bestätigung ihm das Gefühl gab, dass er alles schaffen konnte. Egal, wie streng seine Eltern sein konnten, Draco hatte sich immer geliebt gefühlt. Er hatte nicht gemerkt, wie viel es ihm bedeutete, bis er aus dem Haus verbannt worden war, in dem er immer bekommen hatte, was er wollte.
Er war so müde. Alles tat weh. Als sich sein Körper an die Temperatur des Wassers gewöhnt hatte, fühlte er die innere Kälte aus Angst und Sorgen in seine Knochen zurück kriechen. Er fragte sich, was er tun, wohin er gehen würde, wenn die Schule erst einmal vorbei war. Er konnte nicht nach Hause. Er konnte nicht bei ihr bleiben. Er konnte nirgendwo hin.
Ein bekannter Schmerz wuchs in seiner Kehle und er schluckte die Andeutung von Tränen herunter. Er weigerte sich, nachzugeben. Er würde genießen, was er hatte, solange er es hatte, und wenn es vorbei wäre, würde er es überleben. Der Krieg würde auf die eine oder andere Art zu Ende gehen, und zwar bald. Wenn er ihn überlebte, würde er sich über den Rest Gedanken machen. Es war besser, dass seine Mutter nicht allzu viel schrieb. So wäre sie sicherer.
Draco stieg aus der Wanne und fing an, seine Haare grob mit einem lilafarbenen Handtuch, auf das ein H geprägt war, zu trocknen. Er fuhr sich damit über seinen Körper und griff nach seiner Kleidung. Der Stoff seines Hemds kratzte über seinen Unterarm wie Schmirgelpapier über einen Sonnenbrand. Er dachte wieder an Hermines sanfte Hände und biss seine Zähne gegen den Schmerz zusammen.
*****
Draco verbrachte einige Stunden des Abends damit, sich mit sich selbst darum zu streiten, ob er zu Hermines Zimmer gehen sollte. Zu seinem Verdruss merkte er, dass er an diesem Abend keine Lust auf Sex hatte. Nicht einmal, um seine Ängste zu vergessen. Er war hundemüde und brauchte unbedingt einen guten Schlaf. Und den bekäme er nicht, wenn er alleine schlief.
Als er durch das Fenster stieg, war es kurz nach Mitternacht und er fand sie schlafend vor. Er trat seine Schuhe aus und schlüpfte so schnell er konnte unter die Decke. Ihr vertrauter Duft umwehte ihn und er entspannte sich gegen das Kissen, welches er als seines ansah. Er dachte schon, dass er es geschafft hatte, sie nicht zu wecken, aber als die Decken ihn langsam wärmten, bewegte sie sich.
Sie sagte nichts. Sie sah ihn nicht einmal an. Sie kuschelte sich einfach an ihn, ihre Wange an seiner Schulter. Er zögerte einen Moment, aber wer A sagte, musste auch B sagen. Er bewegte sich und zog sie näher an sich. Ihr Arm ruhte an seiner Brust und sie seufzte verschlafen. Nach kurzer Zeit war sie wieder eingeschlafen, als ob es völlig normal wäre, dass er da war. Und das war es irgendwie auch.
Während er auf den Rhythmus ihrer langsamen, gleichmäßigen Atmung hörte, schlief er ein. Er wachte plötzlich drei Stunden später auf, sein Herz raste unter ihrer kleinen Hand. Sein Unterarm pulsierte, als er die bekannten Bilder abschüttelte – das schlangenartige Gesicht des Dunklen Lords, wie es grausam lachte, seine Mutter leblos im Dreck liegend, Hermine schreiend, während der Cruciatusfluch ihren Körper zerbrach.
Zu diesem Zeitpunkt ging er für gewöhnlich. Normalerweise würde er jetzt seinen Schlaf aufgeben und zurück in seinen Schlafsaal gehen, dort in seinem Bett liegen, bis die Sonne aufging - erschöpft, aber hellwach - und den Baldachin anstarren.
Aber dieses Mal hielt er den Gedanken, zu gehen, nicht aus. Nicht, wenn sie so warm an ihm lag und die Tatsache, dass sie unverletzt war, bewies, dass seine Albträume noch nicht Wirklichkeit geworden waren. Er würde einfach noch eine Stunde oder so bleiben. Niemand würde merken, dass er fort gewesen war.
Er war später überrascht, als er merkte, dass er einfach bis zum Morgen durchgeschlafen hatte.
*****
Licht flutete durch das einzige Fenster im Raum herein. Hermine streckte sich und öffnete ihre Augen. Welcher Tag war heute? Wie spät war es? Montag. Sie hatte Unterricht. Sie sollte also besser aufstehen.
Sie versuchte, sich zu bewegen, aber das Gewicht von Dracos Arm hinderte sie daran. Warum war er noch hier? Sie erinnerte sich, dass er sie mit seiner Ankunft mitten in der Nacht kurz geweckt hatte, aber er war bisher noch nie bis zum Morgen geblieben. Er sollte morgens nicht dort sein: Man könnte ihn sehen, wenn man nach ihr suchte oder wie er aus dem Fenster flog!
Er öffnete seine Augen und sah sie an, blickte dann durch das Zimmer, als ob er nicht genau wüsste, wie er dorthin gekommen war. Als er den erschrockenen Ausdruck in ihren Augen sah, setzte er sich kerzengerade auf.
„Es ist Morgen“, sagte er überrascht, während er sich hastig den Schlaf aus den Augen rieb.
„Ja, und wir haben heute Unterricht!“ Hermine sprang aus dem Bett und durchwühlte ihren Kleiderschrank.
„Fuck!“, fluchte Draco, als er seine Schuhe anzog. Seine Kleidung war ein verkrumpelter Haufen. Wie sollte er zurück in seinen Schlafsaal kommen, ohne gesehen zu werden? Er konnte auf keinen Fall fliegen, wenn es außen hell war. Es blieb ihm nur ein Ausweg: Er musste durch den Gryffindor-Turm schleichen.
Hermine hielt beim Zuknöpfen ihrer Bluse inne und starrte ihn an. „Wie wirst du gehen, ohne gesehen zu werden?“
Draco grummelte verärgert. „Ich werde nach dir rausschleichen müssen.“
„Und wie genau stellst du dir ’rausschleichen’ vor?“ Ihre Stimme klang herablassend.
Draco rollte mit den Augen, nahm seinen Besen in die eine, den Zauberstab in die andere Hand. Er richtete ihn auf sich und übte einen ungesagten Zauber aus.
Hermine keuchte, als er vor ihren Augen verschwand: Stab, Besen, alles.
„Du weißt, wie man einen Unsichtbarkeitszauber spricht?“, fragte sie beeindruckt.
„Ich war nicht umsonst ein verdammter Todesser“, knurrte die körperlose, deutlich verärgerte Stimme Dracos. „Jetzt beeil dich. Ich werde sowieso zu spät kommen, und McGonagall braucht nicht noch einen Grund, um mich nachsitzen zu lassen.“
Hermine zog sich schnell fertig an. Sie war noch nicht bereit, mit ihm zu reden. Sie musste noch herausfinden, wie sie ihm beibringen sollte, dass sie ging, falls sie es ihm überhaupt sagen würde.
Nachdem sie ihre Haare einigermaßen gezähmt und ihre Sachen zusammen gesammelt hatte, spürte sie ein Gewicht auf ihrer Schulter. Sie zuckte zusammen und fühlte die Zweige von Dracos Besen an ihrem Bein.
„Schleich dich nicht so an mich ran!“
Sein tiefes Kichern rumpelte neben ihrem linken Ohr. Hermine seufzte erschöpft und warf sich ihre Büchertasche über die Schulter.
„Bist du soweit?“
„Yeah“, antwortete Draco, verstärkte seinen Griff an Hermines Schulter, damit er nahe genug an ihr bleiben konnte, um ihr durch die Türen zu folgen und sicherzustellen, dass niemand gegen ihn lief.
Sie verließen das Zimmer, stiegen ohne Zwischenfall die Treppen hinunter und durch das Portraitloch. Scheinbar waren die meisten Gryffindors bereits beim Frühstück. Als sich das Portrait hinter ihnen schloss, ließ Draco Hermines Schulter los.
„Wo bist du?“, flüsterte Hermine zögernd und rückte ihre Tasche zurecht.
Draco bewegte sich hinter sie und legte eine Hand auf ihre Hüfte. Es war wohl besser, nicht zu sprechen, falls ihnen jemand durch das Portraitloch gefolgt sein sollte und sie jetzt zufällig hörte.
Hermine zögerte. „Wollen wir uns heute Abend treffen?“
„Wo?“ Das leise Flüstern war heiß an ihrem Ohr und sie zitterte. Sie konnte seine Wärme an ihrem Rücken spüren. Vielleicht wäre es besser, es ihm nicht zu sagen. Vielleicht könnte sie einfach gehen.
Aber dann wäre sie wirklich der Feigling, als den er sie bezeichnete.
„Raum der Wünsche“, sagte sie so laut sie sich traute.
Sie hörte und fühlte, wie er sich bewegte, dann wurde
„Okay“ gegen ihre Lippen geflüstert, bevor er sie küsste. Sie musste ihre Augen schließen, weil es zu seltsam war, ihn nicht vor sich zu sehen. Der Schmerz, den er immer in ihr entfachte, regte sich, als er kurz sanft in ihre Unterlippe biss, und sie zog sich zurück. Sie wollte nicht mit vor Lust verdunkelten Lippen und Augen zum Unterricht erscheinen.
Als sie ihre Arme ausstreckte, um festzustellen, wo er war, war er bereits fort.
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