
von pada
Schnell ließen sie die ersten Gänge und Korridore ihrer großen Schule hinter sich.
Beide sprachen auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum kein Wort miteinander, sie waren viel zu sehr in Gedanken versunken.
Ginny dachte angestrengt darüber nach, warum ihr Bruder in letzter Zeit so kalt zu ihr war und warum er Hermine ständig misstraute. Sie schüttelte sich leicht, als sie sich vorstellte, wie sie reagieren würde, wenn sie, anstelle von Ron, mit Hermine zusammen wäre.
Doch sie beschloss diesen Weg nicht weiter zu verfolgen, da Hermine ja schließlich mit Ron zusammen war.
Hermine bemerkte indes, dass sich Ginny ab und schüttelte: „Was sie wohl gerade denkt? Gedankenlesen wäre doch ganz nützlich.“
Doch dies war für sie nur eine kurze Ablenkung, zu sehr nagte Rons übertriebene Reaktion an ihr.
Egal aus welchem Winkel sie die Situation analysierte, es ergab keinen Sinn.
Immer wieder blickte sie aus den Augenwinkeln zu Ginny, doch diese war zu sehr mit Nachdenken beschäftigt und nahm davon keine Kenntnis.
Hermine verstand schon, dass es auch sehr an ihr nagte, da Ron schließlich ihr Bruder und seitdem sie mit ihm zusammen war, benahm er sich Ginny gegenüber sehr seltsam.
Ständig raste seine Eifersucht und auch das Gelöbnis über Besserung von vor einer Woche war dahin.
Auch wenn es Ron mit seiner Eifersucht übertrieb, so hatte sie doch immer wieder Momente in denen sie sehr glücklich war. Es waren die Momente in denen sie mit Ginny allein war. Dabei war es egal, ob sie einfach nur Gänge entlang liefen oder gemeinsam aßen.
Diese Momente lösten tief in Hermine etwas aus, wobei sie nicht verstand, warum sie so empfand.
Mit Ginny hatte sie ein gänzlich anderes Gefühl, als mir Ron. Natürlich war ihr schon immer klar, dass sie gewisse Sympathien für Ginny empfand, doch diese wurde, zusammen mit der immer stärker werdenden Bindung zwischen ihnen, auch immer stärker.
„Das ist echt komisch. Ich kann mir das Gefühl einfach nicht erklären, was ist nur los mir?“ Plötzlich waren ihre Gedanken nicht mehr Ron, sondern bei ihr selbst. „Ob Ginny auch so denkt?“
Wieder wanderten ihre Augen rüber zu Ginny, dabei verlor sie den Weg vor ihr aus den Augen und so geschah es, dass sie ins stolpern geriert und plötzlich stürzte. Blitzschnell kniff sie die Augen zusammen und bereitete sich auf den Aufprall vor, doch dieser blieb aus.
Sie spürte, wie sie plötzlich von der Seite her gehalten wurde. Sofort wusste sie, wer ihren Sturz hinderte. Es war nicht ihr Freund, der sie vor allem beschützen wollte, sondern Ginny, ihre beste Freundin.
Schnell rappelte sie sich wieder auf und schaute Ginny in die Augen: „Danke Ginny. Damit steht es wohl 3:0 für dich.“ Sie grinste.
Ginny schaute erst perplex, doch dann zog sie auch die Mundwinkel nach oben. „Keine Sorge, du wirst dich sicher noch revanchieren können.“ Nun fing sie an zu lachen. Auch Hermine stimmte dem bei.
Und wieder spürte sie die Gefühle des Glückes, die in letzter Zeit immer seltener wurden.
„Komm, lass uns weitergehen, wie sind ja gleich wieder da.“
Hermine nickte nur eifrig.
Den Rest des Weges gingen sie zügiger als zuvor und es dauerte nicht mehr lange, bis se schließlich den Gemeinschaftsraum erreichten.
Wie zu erwarten, war der Raum fast vollständig leer, bis auf ein paar Siebtklässler, die ihre freie Zeit nutzten.
Als sie im Raum waren, zogen sie sofort die neugierige Blicke auf sich und ein paar begannen leise zu tuscheln.
Doch Hermine und Ginny ignorierten dies gekonnt.
„Du, ich muss noch einen Aufsatz für Geschichte der Zauberei fertig machen. Du kannst ja Bins, der lässt keine Ausrede zu. Falls du mich brauchst, ich bin in der Bibliothek.“
„OK, mach das.“, gab Hermine zurück und drückte ihre Freundin kurz.
„Bis später.“, sagte Ginny und rannte hoch in den Mädchenschlafsaal um ihre Sachen zu holen. Kaum war sie wieder unten, sauste sie an Hermine vorbei und hat auch schon den Gemeinschaftsraum verlassen.
So war sie nun fürs Erste allein und wusste daher nicht so recht, was sie nun mit der restlichen Zeit anfangen sollte.
Dennoch verspürte sie den Drang zum Unterricht zu gehen, auch wenn es nur Zaubertränke war.
Mit einem leichten Seufzer machte sie sich auf zum Mädchenschlafsaal. Wie zu erwarten war, war der Saal vollkommen leer. Sie suchte in ihre Kommode ihre sieben Sachen zusammen und begab sich, nachdem sie alles gefunden hatte, was sie brauchte, wieder in den Gemeinschaftsraum, welcher diesmal auch leer war.
Sie durchquerte ihn und wollte gerade durch das Portraitloch steigen, als sie ein lautes Räuspern hörte.
Schnell drehte sie sich um und war sichtlich überrascht. Vor ihr stand, immer noch mit rotem Gesicht, Ron, der sie fixierte.
„Hallo Hermine“, sagte er und versuchte dabei ruhig zu bleiben. Doch Hermine konnte deutlich seine Wurt hören. Seitdem sie zusammen sind, hat sich sein Verhalten schlagartig geändert.
„Ron… Jetzt erklär mir mal, was mit dir die ganze Zeit schon los ist?“, fragte sie mit besorgter Mine.
„Sag mir lieber, was DU mit Ginny machst!“, platzte es aus ihm heraus.
„Wie meinst du das? Was soll ich den mit ihr gemacht haben?“
„Tu nicht so, als wüsstest du nichts! Du weißt es ganz genau!“, sagte er und war diesmal lauter. Die bemühte Ruhe war nun vollends verschwunden.
„Nein Ron, das weiß ich nicht und ehrlich gesagt gehst du mir mit deinem ganzen Getue so langsam auf die Nerven.“ Sie blieb ruhig, doch innerlich fing sie an zu brodeln.
„ICH gehe dir auf die Nerven. Warum tust du all das? WARUM verbringst du soviel Zeit mit Ginny und nicht mit mir. Bist du mit ihr zusammen oder mit mir?“
Das hatte gesessen, Hermine war sprachlos. Was war nur mit Ron passiert. Er konnte in letzter Zeit so verletzend sein. Anfänglich war sie ja stolz darauf mit ihm zusammen zu sein, doch dieser Stolz war mittlerweile fast vollständig verflogen.
Viel zu sehr litt sie unter seiner Eifersucht.
„Natürlich bin ich… bin ich mit dir zusammen. Wie kommst du auf die absurde Idee, dass ich mit Ginny zusammen sein sollte?“, sagte sie mit zittriger Stimme. Ihre Selbstsicherheit war verflogen und ihr Magen war flau.
„Wie ich darauf komm? Ihr verbringt soviel Zeit mit einander und umarmt euch ständig. Da wunderst du dich noch.“ Er schrie und rannte plötzlich auf sie zu.
Hermine stockte der Atem. Sie blieb wie angewurzelt stehen.
Er rannte immer noch auf sie zu und wurde dabei schneller. Doch er stieß sie weder um noch streifte oder beachtete er sie. Ron rannte an ihr vorbei und verließ den Gemeinschaftsraum wortlos, er schenkte ihr noch nicht einmal einen Blick.
Paralysiert schaute sie auf das Portraitloch und wartete darauf, dass etwas passiert. Doch nichts geschah.
Sie schüttelte ihren Kopf und versuchte dabei, dass eben erlebte abzuschütteln.
Sie wusste nicht wie, doch sie schaffte es. Ihre Freude, dass sie endlich den Krankenflügel, zusammen mit Ginny, verlassen hatte, war größer als der Unmut über Rons Eifersucht. Auch wenn es immer noch an ihr nagte, und jetzt etwas schlimmer, wollte sie dennoch nicht darüber nachdenken.
„Was auch immer mit Ron los ist, es ist nicht mein Problem. Er hat sich das alles selbst eingebrockt. Seine verdammte Eifersucht nervt mich tierisch. Wenn das so weiter geht, sehe ich schwarz für unsere Beziehung.“
Die Schulsachen, die sie vor Schreck losgelassen hatte und somit auf den Boden fielen, hob sie wieder auf.
Noch einmal schüttelte sie komplett durch und ließ es so hinter sich.
Sie verließ den Gemeinschaftsraum und machte sich auf den Weg zu den Kerkern. Zaubertränke - genau das Richtige um sich abzulenken.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel