
von pada
„Du, was macht eigentlich Ron. Ich hab den vorhin durch die Gänge rasen sehen.“
Das Lachen verging Hermine und sie seufzte, eine Träne kullerte an ihr herunter.
„Entschuldige Hermine, ich wollte dich nicht verletzen.“
Nachdem sie sich die Träne weggewischt hatte, gab sie zurück: „Ach, er ist in letzter Zeit einfach nur komisch drauf. Er regt sich darüber auf, dass du und ich soviel Zeit miteinander verbringen und er meint, dass er dabei zu kurz kommt. Er hat sogar gesagt, dass er glaubt, ich wäre nicht mit ihm zusammen, sondern mit dir.“
Hermine schaute nun erwartungsvoll zu Ginny und wartete ab.
Die sonst so schlagfertige Ginny war diesmal sprachlos. Sie hätte nie gedacht, dass ihr Bruder auf solche Ideen kommen könnte.
„OK, in letzter Zeit haben wir schon viel Zeit miteinander verbracht. Aber es sind halt Dinge passiert, die uns beide zusammengeschweißt haben, wie ich finde. Oder?“
„Natürlich war es so. Doch ich frag mich wie er auf diese Idee kommt. Wir umarmen uns zwar häufig und haben auch so eine etwas engere Bindung, wie du ja sagtest. Aber wird sind ja auch seit geraumer beste Freundinnen und dies will ich auch nicht missen. Und nun sollen wir auch noch lesbisch sein, ich glaub der spinnt.“, antwortete Hermine.
Doch auch wenn sie eine selbstsichere Antwort gab, so blieb das Wort „lesbisch“ zwischen beiden in der Luft hängen.
„Natürlich sind wir nicht lesbisch.“, plötzlich spürte Hermine eine gewisse Unsicherheit. „Doch genau wissen tun wir es nicht.“, fügte sie noch flüstern hinzu. Hätte sich Hermine nicht auf ihre Freundin konzentriert, wären die Worte niemals bei ihr angekommen.
„Was hast du eben gesagt?“
„Genau wissen tun wir es nicht.“, wiederholte Ginny erneut
„Wie meinst du das?“
„Wie ich es sagte. Solange wir es nicht herausgefunden haben, werden wir es nie wissen.“
Hermine war baff, dass ihre Freundin so denkt, hatte sie nicht gewusst und doch schien es sie auf eine gewisse Weiße mitzunehmen.
„Und was sollen wir deiner Meinung nach tun? Uns küssen oder so?“ Sie verdrehte dabei die Augen.
Doch Ginny schien diese Ironie nicht zu bemerken und gab vollen Ernstes zurück: „Ja, warum nicht. So werden wir es herausfinden. Wann und wo?“
Hermine fühlte sich etwas überrumpelt. Eigentlich hatte sie dies nur scherzeshalber gesagt, doch Ginny hat ihre Aussage ernst genommen. Sie konnte es sicht nicht erklären warum, doch wollte auch sie herausfinden, ob an dem etwas dran war.
„Jetzt nach dem Essen, Mädchentoilette.“, sagte Hermine mit einer, ihr unbekannten, Entschlossenheit.
Ginny war überrascht über Hermines neu gefasste Entschlossenheit. „OK. So sei es.“
Sie nickten eifrig um so ihren Vertrag zu besiegeln.
Kaum hatten sie ihren Vertrag besiegelt ging die Tür des großen Saals erneut auf. Diesmal standen Ron und Harry in den Angeln.
Kaum hatte Hermine sie wahrgenommen, stieß sie einen kurzen Schrei aus und schaute in ihre Richtung.
Ginny, die wissen wollte, warum Hermine schrie, drehte sich um und verstand sofort warum sie schrie.
Die Blicke suchten sich gegenseitig und fanden sich recht schnell. Natürlich erregte die Tatsache, dass Hermine und Ginny zusammen am Tisch saßen wieder Rons volle Aufmerksamkeit. Wie von der Tarantel gestochen, lief er schnellen Schritts durch die Tischreihen auf sie zu.
Harry hatte Mühe mit Ron mitzuhalten.
„Oh Gott, das wird gleich was“, flüsterte Hermine zu Ginny, kurz bevor Ron deren Platz erreichte.
Panisch blickte er beide an. Das Gesicht blieb ausdruckslos und wie versteinert. Nur seine Augen bewegten sich.
So stand er vor beiden und sagte zunächst kein Wort.
Das er dabei die Aufmerksamkeit des Saales auf sich zog, war ihm schlichtweg egal.
„WAS machst DU hier mit meiner Schwester, Hermine?!“, brach es plötzlich aus ihm heraus.
„Essen natürlich, dass siehst du doch.“, gab sie zurück und verzog dabei keine Miene.
„Essen also. Und ihr macht hier keine Lesbenspielchen?“ gab er harsch zurück.
Nun riss Hermine endgültig der Faden. Mit säuerlicher Mine stand sie auf und schaute nun Ron direkt in die Augen.
„Hör mal zu, du Drecksack. Mir reicht deine verdammte Eifersuchtstour langsam. Ginny und ich sind keine Lesben, doch mit ihr verstehe ich mich besser als mit dir. Du benimmst dich wie der letzte Depp. Das geht mir alles tierisch auf die Nerven. Lass mich gefälligst in Ruhe, ich will dich vorerst nicht mehr sehen.“
Sie holte aus und gab ihm eine Backpfeife auf die linke Wange. Sie holte mit voller Wucht aus und das Geräusch des Aufschlages schallte durch den ganzen Raum.
Ron war geschockt und verlor durch die Wucht den Halt und landete auf dem Hosenboden.
Auf seiner Backe war Hermines Handabdruck deutlich zu sehen und pochte tierisch.
Doch Ginny nutzte die Gelegenheit. Sie nahm den Arm und zog sie Beiseite.
„Komm wir verschwinden.“
Hermine nickte nur und schon waren sie verschwunden.
Als Ron wieder zu sich kam und aufstand, konnte er keine Hermine mehr sehen. „Wo sind sie hin??“
„Keine Ahnung Ron. Keine Ahnung.“
Währenddessen waren Ginny und Hermine schon längst verschwunden und ließen die große Halle hinter sich. Ginny zerrte Hermine förmlich in Richtung Toilette, so sehr wollte sie es anscheinend hinter sich bringen. Sie spürte förmlich Ginnys Eifer.
Viel darüber nachdenken konnte Hermine nicht, da das Herumzerren ihre volle Aufmerksamkeit erforderte.
Doch lange rannten sie nicht durch die Korridore des Schlosses, da sie die Mädchentoiletten recht schnell erreichten.
Hermines Herz rutschte zu Boden, nur zu gut fürchtete sie die Erkenntnis, die sie aus dem Kuss heraus schließen könnten.
Sie verschwanden in der Toilette, ohne dabei von irgendwelchen Schülern beobachtet zu werden.
Wie zu erwarten, war die Toilette um diese Zeit leer, da sich die meisten Schüler beim Mittagessen befanden.
Während Hermine kurz stehen blieb und sehr zögerlich wirkte, suchte sich Ginny derweil schon eine Kabine heraus.
Noch einmal blickte sie zu Hermine, die immer noch am Eingang stand.
„Na komm schon. Wenn wir es jetzt nicht machen, werden wir nie Erkenntnis haben. Also komm.“ Mit ihrem Arm winkte sie Hermine herbei.
Diese stand immer noch da und blieb regungslos. Nachdem Ginny einige Momente wartete, verdrehte sie die Augen und ging zurück zu Hermine. Sie packte sie am Arm und schleifte sie zur Kabine.
„Und jetzt rein da!“, befahl sie. Hermine war wieder mal von ihrer besten Freundin beeindruckt. Sie bewies schon wieder mehr Mut, als Hermine selbst hatte. Doch das half alles nichts und schon wurde sie von Ginny in die Kabine gedrängt. Kaum war sie darin verschwunden, schlüpfte sie hinterher.
Als beide drin waren, schloss Ginny die Kabine ab. Die Kabine war schon für eine Person relativ klein, doch für zwei war nahezu kein Platz, daher wurden sie aneinander gepresst, nachdem sie Ginny zu Hermine drehte.
Ihre Gesichter lagen nur einige Zentimeter voneinander entfernt und beide Leiber waren aneinander gedrückt. Hermine fühlte deutlich, wie sich Ginnys Brust an ihre eigene drückte. Dabei spürte sie, dass diese sehr fest waren.
Unweigerlich musste sie an ihren Traum zurückdenken, indem sie von Ginny verwöhnt wurde. Auch dort merkte sie, was Ginny für einen festen Busen hatte. Obwohl es nur ein Traum war, war die jetzige Situation sehr real.
Und doch! Es war ihr nicht irgendwie unangenehm.
Doch sie verblieb nur kurze Zeit in dieser Traumwelt, da sie kurz anstupste und dann, nachdem sie wieder die Aufmerksamkeit hatte, fragte: „So hier sind wir nun, Hermine. Bist du bereit hierfür?“
Obwohl Ginny anfänglich sehr entschlossen schien, konnte Hermine etwas Unsicherheit aus ihrer Stimme heraushören.
Hermine schaute ihr tief in die Augen und sah, dass diese auch auf ihr ruhten.
„Jetzt, wo wir schon einmal hier sind, können wir es auch wagen.“ Sie nickte, um ihre Aussage zu unterstreichen.
„OK, dann wollen wir mal.“, sagte Ginny und machte den Anfang.
Sie legte ihre Arme um Hermines Schultern und drückte sie sanft näher. Hermine hörte Ginnys Herz heftig pochen und wie sie die Luft scharf ein und auszog. Der Lufthauch strich ihr sanft über die Lippe.
Auch Hermine lag ihre Arme um Ginny und so war die Umarmung vollendet.
Nur noch wenige Zentimeter trennten die Münder von einander.
Erwartungsvoll schaute Ginny Hermine an. „Bereit?“, flüsterte sie. „Ja, tun wir es.“
Beide schlossen ihre Augen und bewegten ihre Lippen aufeinander zu. Es dauerte nicht lange und schon pressten sie ihre Lippen aufeinander.
Die Gefühle, die in Hermine ausgelöst wurden, überwältigten sie. Es fühlte sich für sie so anders an, aber doch war es vertrauter, als wenn sie Ron küsste.
Die Enge der Kabine machte ihnen zwar etwas zu schaffen, doch Hermines Arme begannen zu wandern und strichen dabei sanft durch Ginnys feuerrotes Haar. Dies überraschte Ginny nun doch etwas und doch gefiel ihr es auf eine gewisse Weiße.
Auch ihre Hände begaben sich auf Wanderschaft und strichen sanft über den Rücken, denn sie durch ihre Bluse fühlen konnte.
Doch lange hielt dieser Moment nicht. Sie hörten schlagartig auf, als sich plötzlich die Tür öffnete und sie Mädchenstimmen hörten. Sofort ließen sie voneinander ab und starrten sich, mit pochendem Herzen, an. In beiden Gesichtern stand ein Ausdruck von Überraschung und einem Gefühl der Ertapptheit.
Sie blieben regungslos stehen und sagten nichts. Nach wenigen Minuten, was für sie eine quälend lange Zeit war, war die Mädchentoilette endlich leer.
Sofort öffnete Ginny die Kabine und beide eilten heraus. Langsam beruhigten sie sich wieder und der Herzschlag verlangsamte sich wieder.
„Und was hast du gefühlt dabei?“, fragte Hermine. Ginny sah überrascht auf, doch gab sie, lügend, zurück: „Ich weiß nicht, ich hätte es mir irgendwie anders vorgestellt. So gesehen, hab ich eigentlich nichts gemerkt. Und du?“ Denn dies stimmte nicht ganz. Ginny fühlte schon etwas, doch wollte sie es nicht zugeben. Sie hatte Angst davor, was passieren könnte und sie wollte Hermine nicht verlieren.
„Ich hab eigentlich auch nix gespürt. Damit haben wir das Thema wohl durch. Wir sind nicht lesbisch.“, auch Hermine log aus denselben Gründen, wie Ginny. Beide bemerkten nicht, dass sie sich gegenseitig anlogen.
Hermine spürte nun deutlicher als zuvor eine gewisse Veränderung in ihr.
Ginny nickte und schaute Hermine erleichtert an. Dass dies nur gespielt war, bemerkte Hermine aber nicht.
„Gut, lass uns gehen. Der Nachmittagsunterricht wartet.“, sagte Ginny und lenkte so vom Thema ab.
„Da wirst du ohne mich gehen müssen, ich habe heute keinen Nachmittagsunterricht. Ich werd mich aber in die Bibliothek zurückziehen und Hausaufgaben der letzten Woche nachholen. Schließlich will ich ja meine Noten halten.“
„Das ist die alte Hermine.“, sagte Ginny lachend.
Beide verließen die Mädchentoilette. „Wir sehen uns das heut Abend zu unserer Strafe.“ Sie umarmten sich kurz und schon gingen sie, vorerst, getrennter Wege.
Doch was weder Hermine noch Ginny bemerkten war der stille Beobachter, der sie aus der Ferne aufmerksam belauschte und beobachte.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel