
von pada
Ohne Umwege begab sie sich zur Bibliothek. Schule – das war die Ablenkung die sie jetzt brauchte. Mittlerweile war alles zu viel für sie. Ron machte nur noch Terror, wenn er sie mit Ginny sah und mit Ginny hatte sie ihren ersten Kuss mit einem Mädchen.
All dies war zu viel.
Sie war bisher immer froh über ihre geordnete Gefühlswelt gewesen, Hermine wusste, wenn sie mochte und wenn nicht.
Doch all das wurde über den Haufen geworfen, als sie Ginny küsste.
Vermehrt hatten sie in ihrer Gegenwart seltsame Gefühle. Anfänglich waren sie kaum spürbar, doch je mehr Zeit sie mit ihr verbrachte, umso mehr kamen sie zum Vorschein.
Der Kuss war der vorläufige Höhepunkt dieser Gefühle. Noch nicht einmal mit Ron hatte sie etwas erlebt, wobei dies wiederum auch ein Kapitel für sich.
Während es mit Ron immer weiter bergab ging, woran nur er Schuld war, nahmen die Gefühle zu Ginny immer intensiver wurden.
Sie war so tief in Gedanken versunken, sodass sie darauf achtete, wo sie hin lief. Dennoch war ihr der Weg nach all den Jahren mittlerweile vertraut, daher erreichte Hermine die Bibliothek instinktiv.
Diese war wiederum leer und so saß sie sich an ihren Stammplatz. Hermine kramte in ihrer Tasche herum und hatte binnen kürzester Zeit mehrere Bücher und Pergamente vor sich liegen.
Anders als sonst war es ihr aber dennoch nicht möglich, etwas zu arbeiten. Ihre Gedanken ließen dies nicht zu, viel zu sehr war sie damit beschäftigt.
„Was ist nur los mit mir?“, platzte es aus ihr heraus. Erschrocken hielt sie plötzlich eine Hand vor den offenen Mund. Sie sagte etwas, obwohl niemand anwesend war. Sie sah sich um. Nichts, die Bibliothek war leer – zumindest dachte sie das.
Die Gestalt, die Hermine und Ginny beobachtete war ihr bis in die Bibliothek gefolgt und saß nun zwei Bücherreihen von ihr entfernt und bekam so jedes Wort mit.
„Was ist nur los mit mir?“, wiederholte sie erneut, nachdem sie sich versichte, dass niemand, außer ihr, anwesend war.
Doch sie fand keine Antwort auf ihre Frage. Alles in ihr war chaotisch.
„Erst Rons ganze Aktionen und dabei hat er doch Besserung versprochen. Dann Ginny…“ Eine kurze Pause setzte ein. „… ein Buch mit sieben Siegeln. Ich weiß nicht, was ich von all dem halten soll. Erst waren wir nur Freundinnen, dann beste Freundinnen und nun haben wir uns sogar geküsst und es fühlte sich einfach herrlich an…“ Sie schüttelte sich bei diesem Gedanken.
Ihr Verfolger lauschte gebannt und war entsetzt über Hermines letzte Worte. Der Abdruck auf seiner Wange glühte förmlich, genau wie er selbst. Ron war rasend. All seine Eifersucht, sie war, seiner Meinung nach, berechtigt.
„Aber Ginny hat ja gesagt, dass sie dabei nichts gefühlt hat. Doch mein Gefühl sagt mir, dass es doch anders sein muss. Sie hat etwas gefühlt, da bin ich mir sicher. Aber sie dennoch gelogen... Wobei, ich hab in diesem Falle auch gelogen, wohl aus Angst…“
Ron raste, lange konnte er sich nicht mehr halten. Hermine und Ginny hatten sich geküsst und hatten Gefühle. Dabei war sie seine Freundin und gehörte nur ihm. Niemand sonst.
„Und doch… sie küsst besser als Ron.“ Wohlig erinnerte sie sich an den Kuss. Doch das war zu viel.
Plötzlich stand Ron in Hermines „Gang“ und schnaufte vor Wut. Als sie Ron erblickte fiel sie vor Überraschung vom Stuhl und starrte ihn förmlich an.
„Was hast du mit Ginny gemacht?!“, fragte er sehr lauf. Seine Stimme hallte in der Bibliothek wieder. Sein Schnaufen war unüberhörbar.
Die anfängliche Überraschung hatte sich gelegt und Hermine betrachte das eifersüchtige Monster vor sich. Zunächst sagte sie nichts, sie verspürte auch weder Angst noch Mitleid. Ron hatte den Bogen schon überspannt und nun war die Sehne endgültig gerissen.
„Sprich!“, befahl Ron. „Ich will alles hören.“
„So, mein lieber Ron, so geht das nicht. Ich lass mir von dir keine Befehle erteilen. Ich dachte, ich hätte mich vorhin richtig ausgedrückt!“
Ron blickte verdutzt auf Hermine. Diese wiederum lies sich nun von Ginny muss inspirieren.
„Hör gut zu! Mir reicht es ein für alle mal. Ständig diese verdammte Eifersucht. Ich dachte du wärest einer meiner besten Freund und jetzt vor allem mein Freund. Doch die ganze Zeit nur Eifersucht. Du hast dich noch nicht mal für meinen Unfall interessiert…
Mir reicht es. Lass mich in Ruhe und ich will vor erst nichts mehr von dir hören. Gar nichts!“
Das hatte gesessen. Der Boden brach unter Rons Füßen weg, doch überraschenderweise knickten seine Beine nicht ein.
Mit ausdrucksloser Mine blickte er Hermine an, die demonstrativ die Arme vor ihm verschränkte.
„Warum tust du mir das an. Womit habe ich das verdient? Ich habe mir doch immer nur sorgen um dich gemacht. Ich hab all das für dich getan.“, sagte Ron und weinte plötzlich wie ein Schlosshund.
Die Wut, die Hermine noch zuvor verspürte, verflog plötzlich und blickte auf das Häufchen Elend, das vor ihr stand. In ihr machte sich das Gefühl breit, dass er endlich verstanden hatte, zumindest hoffte sie das.
Sofort schloss sie ihn die Arme, die Gefühle, die sie für ihn empfand waren doch zu groß und ihr Widerstand, den sie eben noch hatte, war zusammengebrochen.
„Schhh, ganz ruhig. Alles wird gut.“, sagte sie und versuchte ihn zu trösten. Obwohl ihr Herz wieder höher schlug, hatte sie so etwas, wie eine kleine Ahnung, dass etwas schrecklich falsch lief. Etwas passte ganz und gar nicht.
Obwohl Hermine dies spürte, ignorierte sie es und genoss die trügerischere Zweisamkeit mit Ron.
Ron beruhigte sich recht schnell und schaute erneut zu Hermine. Diese wischte ihm die Tränen aus dem Gesicht und gab ihm einen Kuss. Auch hier bemerkte sie, dass sich der Kuss irgendwie falsch anfühlte. Doch all diese Zeichen ignorierte Hermine, sie war wieder richtig glücklich, das sagte sie zumindest zu sich selbst.
„Alles wieder OK?“, fragte sie leicht besorgt.
„Ja, es geht wieder.“
„Bevor es jetzt so weiter geht, wie bisher, will ich dir eines sagen! Also pass auf!“
Diesmal lauschte Ron aufmerksam.
„Ich will, dass du mir etwas versprichst: Nie wieder will ich was von deiner Eifersucht hören. Ich will, dass dieses Thema nicht mehr nie wieder aufkommt. Kann mich darauf verlassen.“
„Ja“, sagte Ron kleinlaut.
„Versprich es!“, befahl Hermine.
„Versprochen.“, log Ron, ohne das es Hermine bemerkte.
Hermine glaubte jetzt endgültig, dass er es begriffen hatte und dass er nicht mehr mit der Eifersucht anfangen würde. Sie freute sich, doch diese Freude hatte auch einen bitteren Nachgeschmack, den sie gekonnt unterdrückte.
„Schön, dass nun alles geklärt ist. Aber ich brauche jetzt meine Ruhe. Ich muss noch Hausaufgaben machen und heut Abend noch die Strafarbeit von Snape.“
„Ist in Ordnung. Ich liebe dich, Hermine.“
„Ich dich auch, Ron.“
Diesmal gab er ihr einen Kuss, den sie nur zu gern erwiderte. Doch der Kuss hielt nicht lange an, da sich Hermine schnell von ihm löste.
Ron verstand zunächst nicht warum, doch Hermine versicherte: „Du ich hab viel zu tun und nur wenig Zeit. Morgen sieht es schon wieder anders aus.“ Dies nutzte sie auch als Vorwand, damit endlich das Gefühl der Falschheit verschwand.
„Tschau“, sagte er.
„Machs gut.“, gab sie zurück und schon verschwand er.
„Mein Ron… ich hoffe diesmal hält er sein Versprechen“, dachte sich Hermine.
Ron hatte mittlerweile die Bibliothek verlassen und sagte leise vor sich: „Hermine, du bist so durchschaubar. Was zwischen dir und Ginny genau passiert ist, werde ich schon noch herausfinden!“
Ein bösartiges Grinsen konnte er sich nicht verkneifen.
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