
von Elaine
Das einzige in Sicht ist, was ich tun muss.
Wenn ich mich umdrehe, könnte ich fallen
Was mir dafür Kraft fürs klettern gibt
Ich erwachte blinzelnd, als ich wie die Abende zuvor sein röcheln vernahm. Ich saß kerzengerade und schielte zu ihm hin. Mein Herz schien zu springen und doch zu fallen. Seit einer ganzen Woche geschah schon das gleiche. Seit jener Nacht im Garten. James und Lily waren vorgestern nach Hogwarts gefahren, den schlimmen Zustand von Harry hatten sie nicht bemerkt. Schnell schlug ich meine Bettdecke beiseite und rannte auf ihn zu. Er hatte sich aus seinem Bett gehievt und saß nun mit dem Rücken gegen die Bettkante gelehnt. Ich kniete mich vor ihn und mein Herz drohte abermals zu fallen. Unter seinen Augen lagen tiefe Schatten. Seine Augen selbst wurden von Tag zu Tag matter und stumpfer. Seine Lippen waren Spröde, auch wenn er mit seiner Zunge über dieser hinüber fuhr. Seine Hautfarbe ging von Stunde zur Stunde ins tiefere Weiß.
Blass – das war der richtige Begriff. Seine Haare waren ebenfalls stumpf – und das, obwohl er sie versuchte jeden zweiten Tag zu waschen. Nun ja. Die Betonung lag auf versuchte. Harry war schwach. Konnte keine richtigen Kisten mehr tragen, geschweige denn, konnte er sich auf seinen Beinen halten. Ab und an tröpfelte Blut aus seiner Nase oder er begann zu fiebern. Jede Nacht wachte er schreiend und schweißgebadet auf. „Geht es?“ murmelte ich heiser und hielt ihm ein Glas Wasser an seine Lippen. Er nickte kaum merklich und trank. Natürlich waren wir schon bei einem Heiler. Die Testergebnisse würden noch ein wenig brauchen. Mit meinen Fingern fuhr ich sanft über seine Wange und konnte selbst nur schwer die Tränen zurück halten. „Ich werde sterben...“ murmelte er leise und ich hatte das Gefühl, alles um mich herum würde stehen bleiben. Die Welt, die Zeit … mein Herz. „Sag so was nicht!“ kreischte ich aufgebracht und sprang auf meine Beine.
„Du wirst nicht sterben, hast du gehört? Das wirst du nicht!“ Ich hatte nicht bemerkt, wie sich die Tränen einen Weg über meine Wangen suchte. Ich hatte nicht bemerkt, dass ich mir die Harre raufte, geschweige denn, dass ich voller Wut gegen den Schrank gehauen hatte. Ich spürte nicht den Schmerz, der nun in meiner Hand zu spüren war und ich bemerkte nicht, wie Harry mich selig anlächelte. „Verstehst du nicht?“ murmelte ich lautlos und lies mich abermals vor ihn auf die Knie fallen. Ich vergrub schluchzend meinen Kopf in meinen Händen, hoffte ich würde aus diesem schlimmen Traum erwachen. „Wie wissen es beide...“ seine Stimme war krazig, heiser und ich vernahm ein wenig Angst aus ihr. „Wir sollten uns .. n-nichts vormachen. I-Ich sterbe. Wir beide wissen, dass es mein Schicksal ist...“ Und ich weinte weiter. Selbst, als ich seine Hand sanft auf der meiner spürte.
Ich wusste, dass er recht hatte. Und es holte mich so schnell ein, dass ich mich nicht mehr umsehen konnte. Denn ich fiel … immer weiter.
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Ich öffnete die Augen und blickte in die Augen jener Kinder, die in mir eine Grandma sahen. Vier von ihnen, gehörten zu meiner Familie. Vier andere, waren die Besten Freunde von ihnen. Und die restlichen zwei, gehörten schon fast zur Familie. Jeder nimmt diese Situation anders auf. Mein Blick wanderte zu meiner linken Hand. Mein Ehering, der noch immer mit dem wundervollen blauen Saphir bedeckt war, glitzerte an meiner Hand. Doch etwas war anders. Der Ring leuchtete nicht mehr so hell wie damals. Wahrscheinlich, weil ich gealtert bin. Wahrscheinlich, weil meine Haut Falten bekommen hat. Weil ich alt bin und wahrscheinlich, weil ich Grandma bin. „Und was geschah dann?“ hauchte Rosalinda unheilvoll und schnäuzte sich kurz. Sie war die Tochter von jemand besonderen. Ich spürte seine Anwesenheit und wusste, er stand im Türrahmen und sah seinen Kindern dabei zu, wie ich ihnen meine Geschichte erzählte. - So wie ich einst dort stand und auf meinen Mann gesehen hatte. „Erzählst du uns weiter, Grandma?“ bat Nate und auch er war der Sohn von jenem, der zu meiner Familie gehörte. In Rosalinda sah ich noch so viel von Lily Lily und von Harry Potter. Manchmal sogar, habe ich das Gefühl nicht mehr in Lilys Augen zu schauen, sondern in Harrys. Wahrscheinlich, weil ich mich an seinen Glanz gewöhnt hatte. Wahrscheinlich, weil ich mich so sehr danach sehnte. „Natürlich ging es weiter ...“
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„Die Ergebnisse sind da!“ Ich sprang auf und entzog der empörten Eule, den Brief. Meine Hände öffneten zitternd den Umschlag und zogen das weiche Pergament heraus. Meine Augen flogen über die Zeilen. Und bei jedem einzelnen Wort wich meine Hoffnung und das Lächeln aus meinem Gesicht. Fassungslos lies ich mich auf einem Stuhl nieder, merkte nicht die Anwesenheit meines Mannes. „Ich werde sterben .. oder?“ hauchte er mit seiner rauen Stimme und es war die Wahrheit. Er würde sterben. Mich alleine lassen. Die Worte hallten in meinem Kopf wieder, liesen mich verzweifelt auf meinem Stuhl kleiner wirken. In mir zusammen gekauert, flossen Tränen über meine bleiche Haut. Das Gefühl von Einsamkeit übermahnte mich mit einem mal. Das Gefühl Gefangen in einer Welt zu sein, die ich nicht kannte. War es die Hölle? Nannte man sie so? „Du wirst nicht sterben...“ hauchte ich verzweifelt. Nein. Das konnte einfach nicht sein. Nicht er. Nicht den Mann, denn ich mein Leben und meine Liebe geschenkt hatte. Dem ich hoch und heilig, vor Gottes Anwesenheit versprochen habe, ihn zu lieben und zu ehren, bis das der Tod und scheidet … und nun … nun stand der Tod vor der Tür. Doch viel zu früh ... „Sieh' mich an...“ bat er müde und versuchte, meine zierlichen Hände in die seine zu nehmen. Aber es fühlte sich auf einmal so endlos falsch an. Einfach nicht richtig. Langsam öffnete ich meine – wahrscheinlich verquollenen - Augen und sahen ihn an. Das Grün seiner Augen glitzerte zwar nicht mehr so hell, wie es sonst immer war, aber ich sah die Hoffnung in ihnen. Den Glauben, dass er es schaffen würde. Fest war er anscheinend davon überzeugt. „Ich werde vielleicht sterben...“ raunte er nun mit fester Stimme. „... aber ich werde dich nicht verlassen. Ich habe vor so vieles Angst. Nur nicht vor dem Tod … komische Welt oder?“ Sachte und leicht nickte ich. War es doch nicht Hoffnung, dass er es schaffen würde. Sondern Hoffnung uns nicht allzu sehr weh zu tun, wenn er gehen würde?. „Hör mir zu, Liebste...“ sanft berührte er meine Wange. Dieses Gefühl von Sinnlichkeit und Sehnsucht prasselte auf mein Körper nieder und lies mich leicht erzittern. Ich konnte nichts dagegen tun. Die Tränen flossen einfach weiter. War es die Angst, die mir die Kehle zu schnürten und die Wut, die mich erblinden lies. Ich schloss abermals die Augen und sehnte mich nach mehr solch sinnlichen Berührungen. „... du bist stark – ich nicht. Du bist mutig – ich kann es nicht mehr sein. Und du wirst alt werden – ich nicht. Lebe einfach weiter. Versuche mich einfach gehen zu lassen...“ bat er heiser und als ich die Augen wieder öffnete, sah ich wie eine Träne seine Wange hinab lief. So selten hatte ich gesehen, wie er geweint hatte. So selten. Und just in diesem Moment wurde mir bewusst: Es war ein frühzeitiger Abschied. Zwar noch nicht für immer … aber für heute. Schluchzend brach der Damm meiner Gefühle und ich fiel ihm um den Hals. „Ich versuche es, hörst du? Aber du wirst nicht sterben, Harry. Du wirst leben! Bitte!“ Ich wusste selbst, was für eine bittere Lüge das doch war. Aber ich versuchte doch verzweifelt ihn zu halten. Was hätte ich denn sonst tun sollen? Ihn loslassen? Niemals.
Das einzige in Sicht ist, was ich tun muss.
Wenn ich mich umdrehe, könnte ich fallen
Was mir dafür Kraft fürs klettern gibt
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