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Fanfiction

Augenblicke - 6.

von jujube58

Wie immer ein riesiges Danke an die Reviewer! Ich freu mich wirklich sehr über jede Rückmeldung :)
Ganz frohe Ostern mit hoffentlich viel Sonnenschein und viel Freude beim Lesen, wünscht euch jujube
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Eine große Eule erreichte das Fenster von Lily Evans im Haus von Tante Susan. Sie trug einen dicken Brief aus schwerem Pergament, der mit smaragdgrüner Tinte an sie adressiert war. Lily öffnete ihn sofort neugierig, freute sich schon auf ihre neuen Schulbücher, die sie ablenken konnten vom öden Alltag, bis die Schule wieder begann. Erwartungsvoll ließ sie ihren Blick über den Brief gleiten. Da! Da stand es! Grün auf Weiß: Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass Sie aufgrund Ihrer Verdienste für die Schule ausgewählt wurden für das Amt der Schulsprecherin. Laut lachend hüpfte sie in ihrem Zimmer umher.

Ein neues Schuljahr, ihr letztes. Wehmütig sah Lily in ihren großen Koffer, der offen auf dem Boden stand. Darin stapelten sich schwarze Umhänge, Pergamentrollen, Federkiele, Tintenfässchen und die verschiedensten Bücher. Von Zaubertrankgeheimnissen über die Regeln der Arithmantik und die Trollkunst bis hin zu einigen dicken Romanen, war fast alles zu finden. Stöhnend fragte sich das junge Mädchen, wie sie denn bloß ihren Koffer schließen und vor allem hinterher noch alleine anheben können sollte.

Am Bahnsteig 93/4 herrschte ein riesiges Gedränge. Mit ihrem schweren Koffer auf einem Rollwagen kämpfte Lily sich durch die Menschenmassen. Es war kurz vor elf, doch trotzdem schien der Zug noch so gut wie ausgestorben; alle Eltern wollten ihre Kinder noch ein letztes Mal umarmen, ihnen einschärfen bloß vorsichtig zu sein und sich vergewissern, dass mindestens alle zwei Tage ein Brief zu Hause ankommen würde.
Lily war alleine, also nutzte sie die Gunst der Stunde, ihren tonnenschweren Schrankkoffer nicht im allgemeinen Abfahrtsstress einladen zu müssen. Gerade hievte sie ihn die Stufen des Waggongs empor, in dem sich das Schulsprecherabteil befand, als sie von der Seite angesprochen wurde. „Hey, brauchst du Hilfe? Ich muss auch hier rein.“ Überrascht drehte sie sich um. Neben ihr stand James Potter, an seiner Brust ein glänzendes Schulsprecherabzeichen.

Staunend stand sie in der Tür der kleinen Wohnung, die für die Schulsprecher etwas Abseits vom Getümmel der Gemeinschaftsräume lag, damit sie hier in Ruhe ihren Schularbeiten, aber auch ihren Verpflichtungen als Schulsprecher nachkommen konnten. „Evans, schlag keine Wurzeln, ich bin müde und will ins Bett!“ Lily trat einen Schritt beiseite, funkelte ihren Partner jedoch böse an. „Ich nehme das Zimmer rechts! Und ich will morgens als Erste ins Bad, okay?!“ James nickte nur, drehte sich dann nach links zu seiner Tür, blickte sich aber noch einmal um: „Gute Nacht!“

„Mr Potter, Miss Evans! Es wäre sehr freundlich von Ihnen, wenn sie Ihren Mitschülern ein Vorbild wären! Anstatt sich um diese Zeit öffentlich anzuschreien, sollten Sie sich lieber um Ihre Aufgaben kümmern! Und es wäre sehr freundlich, wenn Sie sich beim Vornamen nennen würden, zumindest untereinander. Das verbessert das Arbeitsklima!“ Schnaubend blickte Professor McGonagall auf die beiden Schulsprecher, die sich im Korridor einen handfesten Streit über einen Streich der Rumtreiber geliefert hatten. Beschämt blickten die beiden zu Boden, nickten dann. Als Lily sich zu James umschaute und seinen Blick kreuzte, konnten beide ein Lachen kaum unterdrücken. Professor McGonagall im karierten Morgenmantel und mit Haarnetz, morgens um drei vor sich stehen zu haben war nicht halb so beängstigend, wie gedacht.

Lily brütete über ihren Verwandlungshausaufgaben. Sie kam nicht weiter, steckte eindeutig fest. Hatte sich zu sehr von den Gesetzen in den Büchern verwirren lassen. Sie schaute sich um, es gab keine andere Möglichkeit als James zu fragen, der seinen Besen polierte. „Ähm… James? Ich glaub, ich hab da ein Problem mit Verwandlung… Könntest du mir das vielleicht noch mal erklären?“ Er wirkte verdutzt, kam aber sofort rüber, um ihr den Unterrichtsstoff noch einmal zu verdeutlichen. Und siehe da, es half! Der Wirrwarr der verschiedenen Gesetzmäßigkeiten lüftete sich, auf einmal ergab alles einen Sinn. Lily lächelte vorsichtig, während sie James die Hand auf den Arm legte. „Danke!“

Mitternacht. Lily und James saßen im Arbeitszimmer ihrer Schulsprecherwohnung auf dem Teppichboden und diskutierten hitzig über die bessere Umsetzung der Comics über Martin Miggs, den mickrigen Muggel. Beide hatten einen anderen Lieblingszeichner und versuchten nun den anderen von den jeweiligen Vorteilen zu überzeugen. „Aber da sind die Geschichten einfach viel besser! Nicht ganz so platt und klischeehaft!“, versuchte Lily zu argumentieren, doch James schüttelte nur lachend den Kopf. Dann fragte er: „Ist dir eigentlich aufgefallen, dass wir uns schon zwei Stunden unterhalten, ohne uns zu streiten?“ „Tja, du bist eben doch nicht ganz so schlimm, wie ich gedacht habe“, Lily grinste. „Aber du hast trotzdem einen grausigen Geschmack, was Comics betrifft!“ Das ließ sich James nicht bieten, mit einem bösen Grinsen stürzte er sich auf das rothaarige Mädchen und kitzelte sie am ganzen Leib, bis sie um Gnade bettelte. „Nur, wenn du zugibst, dass du Unrecht hast!“, verlangte James.

„ZAUBEREIMINISTERIUM STEHT VOR BISHER GRÖßTER KATASTROPHE SEINER EXISTENZ. TODESSERANGRIFFE IMMER HÄUFIGER.“

Alice und Rose besuchten ihre Freundin in ihrem Zimmer. „Das ist einfach zu schön hier! Du hast es ganz für dich alleine, kannst dekorieren wie du willst und wenn du schnarchst, weil du erkältet bist, nervt dich keiner den ganzen nächsten Tag damit!“, seufzte Alice. „Und“, fügte Rose hinzu, „ Du schläfst fast Tür an Tür mit dem Typen deiner Träume!“ Lily lief rot an. „Wir sind nur Freunde oder so. Wir verstehen uns, es ist doch nicht so schrecklich, wie ich früher gedacht habe. Aber mehr auch nicht, Rosie!“ „Noch nicht…“

Lily rannte. Hinter ihr lief eine große Gestalt, in einen schwarzen Umhang gehüllt. Lily rannte. Die Gestalt hatte vor dem Gesicht eine Maske, durch die Augenschlitze funkelten blutrote Augen. Lily rannte. Die Gestalt lachte schrill, zog den Zauberstab. Lily rannte. Die Gestalt verfolgte sie, lachte immer wieder. Und Lily fiel.
„Lily, Lily! Pst, ist ja gut, das war nur ein Traum!“ Kreidebleich lag sie im Arbeitszimmer der Schulsprecher auf dem Boden. Die Hände aufgeschürft, die Augen weit geöffnet. In ihrer Kehle steckte noch ein Schrei.
James setzte sie aufs Sofa, sie lehnte sich an ihn. Er schloss die Arme um sie, strich ihr die Haare aus dem Gesicht. Das war zu viel für sie; die Tränen flossen. „Hey, schon gut, willst du mir sagen, was passiert ist?“ „V-v-v-voldemort… Er… er hat m-mich verfolgt.“ Sie schluchzte. „Schon gut Lily, es war nur ein Traum. Das wird nicht passieren. Das würde ich nicht zulassen!“
Nach und nach beruhigte Lily sich, die leisen Worte James' immer im Ohr. Sie lag an seiner Brust, fühlte seine Arme um ihren Rücken. Ihre Haut kribbelte auf ganz eigenartige Weise, auf eine schöne Weise. Sie schloss die Augen, dämmerte langsam weg.
„Lily? Schläfst du?“ Sei antwortete nicht. Wollte nicht, dass es vorbei war. Plötzlich spürte sie seinen Arm unter ihren Kniekehlen, den anderen in ihrem Rücken. Ihr Kopf lag an seiner Schulter, die Arme waren um seinen Hals geschlungen. Tief atmete sie seinen Duft ein; so fremd und vertraut, gleichzeitig beruhigend und aufwühlend.
Vorsichtig legte er sie auf ihr Bett, schlug die Decke um sie. Seine Nähe fehlte ihr jetzt schon. Er beugte sich über sie, strich ihr die roten Strähnen aus dem Gesicht, berührte ganz vorsichtig ihre Wange. „Ich werde nie zulassen, dass er die etwas antut Lily! Nie!“
Mit seinen Worten im Ohr und dem Abdruck seiner Berührung schlief sie ein, träumte von ihm und ihr - gemeinsam.

„Oh, Miss Evans, das ist ja ganz wunderbar!“ Professor Slughorn sah aus, als würde er am liebsten ein Tänzchen aufführen. „So einen perfekten Liebestrank habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Dagegen ist sogar der von Mr Snape nur halb so gut! Wunderbar, einfach wunderbar! 50 Punkte für Gryffindor, da muss ja jemand ganz glücklich sein im Moment, sonst kann dieser Trank nicht so gut gelingen!“ Severus schoss sie mit Blicken ab, die hätten töten können, James sah sie von der Seite her belustigt an. Lily atmete tief ein. Im Duft, der von ihrem Kessel aufstieg roch sie dreierlei: die staubige Luft einer alten, sonnendurchfluteten Bibliothek, geschmolzenes Wachs und - James Potter.

„MAGISCHE WELT BETRAUERT DEN TOD DER FAMILIE HORRINGHAM. NACH TAPFEREM KAMPF DOCH VERLOREN.“

„Ich weiß einfach nicht, was los ist. Ich mag ihn! Mag ihn wirklich, Lizzie, aber ist er auch der Richtige?“ „Lily, er fragt dich seit der fünften Klasse nach einem Date! Jeder andere Typ hätte es längst aufgegeben! So oft, wie du ihn abgewiesen und angeschrieen hast, ist es eigentlich ein Wunder, dass er noch nicht an gebrochen Herzen gestorben ist! Versuch es. Wenn es nicht klappt, dann eben nicht. Aber versuch es. Wenn du es nicht tust, dann wirst du es dir dein ganze Leben vorwerfen. Außerdem ist er doch nett. Er kümmert sich um dich, macht sich Sorgen, will dass es dir gut geht. Und er hat sich verändert, ist nicht mehr der arrogante Schnösel, der meint alle verhexen zu können, nur weil sie da sind. Er mag dich wirklich, da bin ich mir ganz sicher! Du magst ihn auch. Also, wo ist das Problem? Versuch es, Lily!“

Die Sonne warf ihre Strahlen durch das große Fenster des Krankenflügels. Remus sah blass aus, wie er da in dem weißen Bett lag, dunkle Schatten unter den Augen, die blonden Haare verwuschelt. Lily setzte sich auf die Bettkante, nahm seine Hand. „Hey, wie geht's dir?“ Remus lächelte nur schwach. „Danke, Lily! Danke, dass du immer da bist. Außer James und Sirius ist sonst keiner, der kommt, um zu reden. Selbst Peter bringt es nicht übers Herz. Danke, dass du für mich da bist, obwohl du weißt, was für ein Monster ich bin.“

Lily rannte. Hinter ihr eine hochgewachsene, Frau mit blonden Haaren. Lily rannte. Die Frau beschimpfte sie: „Abschaum! Freak! Mörder!“ Lily rannte. Die Frau kam näher, die Stimme wurde immer lauter. Lily rannte. Die Frau hatte sie fast eingeholt, streckte die Arme nach ihr aus. Und Lily fiel.
Doch sie berührte nicht den Boden. Zwei Arme umfingen sie, ein warmer Körper, der ihr Halt gab. „M-m-m-meine Schwester. Sie ha-ha-hat mich verfolgt! S-S-sie ha-ha-hasst mich!“ „Alles wird gut, Lily!“ Sie fühlte sich sicher, in seinen Armen war der einzige Ort der Welt, an dem sie noch sicher war. Frei und unbeschwert von jeglicher Sorge.
„Lily, weißt du, wieso du immer Albträume hast?“ „Ich habe Angst, James! Ich gehöre nirgendwo hin. Hier bin ich die Schlammblüterin, der Abschaum, der es nicht verdient eine Hexe zu sein. Und dort bin ich der Freak, die Verrückte, die es nicht verdient normal behandelt zu werden. Ich weiß nicht, wo ich hingehöre, ich fühle mich nicht mehr sicher. Hier verfolgen mich Voldemort und seine Männer, dort wird meine Schwester für immer hinter mir her sein. Nur jetzt, gerade, in diesem Moment habe ich das Gefühl an der richtigen Stelle zu sein.“ James sah sie lange an. Nahm sie noch fester in den Arm.

„ERNEUTER ANGRIFF DER TODESSER. ST. PETER CHAPEL GESPRENGT. MUGGEL WERDEN MISSTRAUISCH.“

„Mr Potter! Miss Evans! Sind Sie wirklich der Meinung, dass das jetzt der richtige Zeitpunkt für Unterhaltungen ist? Immerhin besprechen wir gerade wichtige Fakten für Ihre Hausaufgaben, die sicherlich sehr wichtig für Ihre Vorbereitungen für die UTZ-Prüfungen sein werden! Also, reißen Sie sich am Riemen! Das ist nun wahrlich kein angemessenes Verhalten für Siebtklässler!“ Professor Williamsons Blick war durchdringend auf die beiden Schulsprecher gerichtet, die gemeinsam an einem Tisch am Fenster saßen und sich angeregt über das Vertrauensschülertreffen am Abend unterhielten. Vom Arithmantikunterricht bekamen sie nur sehr wenig mit. James sah Lily an, beide grinsten, mussten sich ein lautes Lachen verkneifen, da der Professor bereits wieder in ihre Richtung sah.

Vollmond. Unruhig saß Lily im Arbeitszimmer der Schulsprecher. Sie konnte nicht schlafen, da sie wusste, dass Remus da draußen die schlimmste Zeit des Monats verbrachte. Und weil James dort draußen sein Leben riskierte. Immer wieder warf sie Blicke aus dem Fenster, beobachtete den Wald. Ihre Augen wurden immer kleiner, sie juckten, ich Rücken schmerzte von der unbequemen Sitzposition vor dem Fenster. Lily döste weg.
Die Tür klappte, Lily wachte auf und fuhr hoch. James stand im Raum und schaute sie verwirrt an. Dann wurde sein Gesichtsausdruck besorgt. „Lily, was machst du hier? Ist was passiert? Hast du wieder schlecht geträumt?“ Sie schüttelte nur den Kopf. „Nein, ich hab auf dich gewartet. Ich hab mir Sorgen gemacht, dass was passiert. Ist ja immerhin nicht so ganz ungefährlich sich mit einem Werwolf auf den Ländereien rumzutreiben.“ James wurde blass. „Du weißt es? Woher?“ „Remus hat es mir gesagt. Obwohl, eigentlich wusste ich es schon vorher. Und ich habe euch gesehen, dich, Sirius und Peter.“ Er ließ sich auf das Sofa fallen, immer noch einen verunsicherten Ausdruck im Gesicht. „James, keine Angst. Ich erzähle es keinem weiter. Ich will nicht, dass ihr Ärger bekommt! Ich habe mir nur Sorgen gemacht, dass etwas passiert. Und… und das wollte ich nicht. Jetzt kann ich in Ruhe schlafen, wenn ich weiß, dass du wieder heile angekommen bist. Also, gute Nacht, James!“ Sie lächelte schüchtern und ging dann in ihr Zimmer.

Immer wieder eine Hand auf ihrem Arm, ein zärtliches Lächeln, ein nettes Wort. Immer wieder vielsagende Blicke von Rose, Alice, Sirius, Remus und Peter. Immer wieder ein warmes Gefühl in ihrem Bauch, Vorfreude auf bestimmte Augenblicke am Tag, abwesende Blicke. Immer wieder grün und braun, versunken, wie in einer innigen Umarmung.

Severus Snape lief mit finsterem Blick durch die Schule. Sie waren erwischt worden. Er, Mulciber, Avery und noch einige andere. Sie waren erwischt worden, als sie eine Zweitklässerin aus Hufflepuff, die von Muggeln abstammte, verhext und gequält hatten.
Lily konnte es nicht glauben. War Severus wirklich schon so tief in die Dunklen Künste hineingerutscht?

„TODESSER VERWÜSTEN MUGGELDORF. ALLE EINWOHNER TOT. MINISTERIUM STEHT VOR ERKLÄRUNGSPROBLEMEN.“

Sie flogen. Es war lange her, dass Lily das letzte Mal auf einem Besen gesessen hatte. Erst jetzt bemerkte sie, wie sehr ihr das Gefühl gefehlt hatte. Freiheit und Leichtigkeit in einem. Die Unendlichkeit des Horizonts entdeckend.
James flog neben ihr. Seine Haare sahen noch unordentlicher aus als sonst. Sein Blick war träumerisch in die Ferne gerichtet.
Sie landeten, Lily brachte den Schulbesen zurück in die Kammer. James zog sie vor sich, um mit ihr zurückzufliegen zum Schloss. Er drehte noch eine Runde über den Ländereien. Sie genoss den Wind in ihren Haaren, die Arme um sich, die warme Brust, an die sie sich lehnen konnte und die ihr Halt gab. Lächelnd drehte sie sich um, blickte in seine haselnussbraunen Augen, die zu schmelzen schienen. In ihnen stand so viel. Wärme, Liebe, aber auch ein bisschen Angst. Genau diese Mischung war es, die Lily dazu brachte ihre Stirn an seine zu lehnen, sich ganz dem Gefühl ihrer ungestörten Zweisamkeit hinzugeben. Sie standen jetzt direkt über dem Nordturm in der Luft. James legte seine Hand an ihre Wange, blickte ihr tief in die Augen. Wartete einen Moment, wie um ihr Einverständnis zu holen, aber auch, als wolle er diesen einen ganz besonderen Moment noch ein wenig hinauszögern. Ihn noch ein wenig genießen, um ihn nie zu vergessen. Seine Lippen näherten sich ihren, legten sich sanft darauf. Lily durchströmte eine grenzenlose Glückseligkeit. Es war richtig, es war das, was sie gewollt hatte, was sie sich nie eingestanden, aber doch gesucht hatte. Es war Liebe.

„Guten Morgen, Lily!“ „James!“ Glücklich fiel sie ihm um den Hals. Seine Hände vergruben sich in ihren langen roten Strähnen, sein Blick versank in ihrem.
Als sie in die Große Halle kamen, wurden sie von allen Seiten angestarrt. Ein Geflüster, das sich anhörte wie ein wildgewordener Bienenschwarm hob an. James Potter, der Quidditchstar, der Mädchenschwarm, der, der nur bei einer abgeblitzt war: Lily Evans, die Verantwortungsvolle, die Fleißige, die, die es gewagt hatte den großen James Potter in aller Öffentlichkeit zu schlagen. James Potter und Lily Evans, die Schulsprecher, die Jahrgangsbesten, die, die sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die Haare gekriegt hatten. Sie sollten ein Paar sein? Doch der Schein trog nicht. Sie gingen Hand in Hand nebeneinander, die Finger verschränkt. Von ihren Freunden wurden sie mit einem breiten Grinsen und einem erleichterten „Endlich!“ begrüßt.

„Oh mein Gott! Was ist das denn?“ Lily wusste nicht, ob sie entsetzt oder belustigt sein sollte. Das Schulsprecherzimmer war über und über mit rosa Herzchen bedeckt. „Sirius Black! Komm sofort her!“ „Lily, was ist los?“ James kam mit verstrubbelten Haaren und verschlafenen Augen ins Zimmer. „Wieso schreist du hier so rum?“ Lily sah ihn an und brach dann in lautes Lachen aus. Jedes Mal, wenn James den Mund öffnete, flogen kleine Herzchen heraus, die perfekt zur Zimmerdeko passten.


Jeder Kuss, jede Berührung war so voller Zärtlichkeit. Jeder Blick, jedes Wort die kleinen Freuden des Alltags. Jede Minute, jede Sekunde ein kostbares Geschenk.

„SCHÜTZEN SIE SICH UND IHRE FAMILIE DURCH EFFEKTIVE ZAUBER. MINISTERIUM STELLT INFORMATIONEN ZUR VERFÜGUNG.“

Über den Hausaufgaben war es wieder einmal Abend geworden. Die beiden Schulsprecher saßen nebeneinander auf dem Sofa. Lily hatte ihren Kopf auf seine Schulter gelegt, in ihr schien es heftig zu arbeiten. „Was ist los? Was macht dir Sorgen?“ „Die ganzen Todesserangriffe in letzter Zeit. Ich weiß nicht, wie ich später in dieser Welt überleben soll. Mich werden sie genauso verfolgen wie alle anderen. Ich habe Angst, James!“ Er schaute ihr nur tief in die Augen, sah ihre Furcht und ihre Sorgen. Liebevoll nahm er sie in den Arm. „Ich werde immer da sein, um auf dich aufzupassen, solltest du einmal Hilfe brauchen.“

Er küsste sie. Ihre Hand verschwand unter seinem T-Shirt, so wie seine auf ihrem bloßen Rücken lag. Er drehte sich, sodass er nun auf ihr lag, ihr direkt in die smaragdgrün schimmernden Augen sehen konnte. „Ich liebe dich, Lily Evans!“ „Ich liebe dich auch, James Potter!“ Dann zog sie sein Gesicht wieder zu sich hinunter, küsste ihn leidenschaftlich.

Etwas atemlos lag sie in seinen Armen. Die Decke war über sie beide gezogen wie eine kleine Höhle, in der sie ungestört waren, abgeschnitten von allem Bösen der Welt, von allen Sorgen und Unsicherheiten. Nur sie beide, traute Zweisamkeit. Lange Blicke, aus denen tiefempfundene Liebe sprach.

„Was macht ihr nach der Schule? Immerhin ist Hogwarts in zwei Monaten für uns Geschichte!“ Lily, Alice und Rose saßen zusammen mit den Rumtreibern im Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Allen war wehmütig zumute, wenn sie an ihren Abschied von der Schule dachten.
„Frank und ich ziehen zusammen, wir wollen beide eine Ausbildung zum Auror beginnen!“
„Ich gehe nach Amerika, auf das Hexeninstitut von Salem. Ich möchte praktische Verwandlung studieren.“
„Ich werde mir erst einmal ein Jahr freinehmen, dann gehe ich wahrscheinlich magisches Recht studieren.“
„Ich möchte eine Ausbildung im Ministerium anfangen.“
„Als erstes werde ich mir ein Motorrad kaufen, es zum Fliegen bringen und dann die Welt angucken.“
„Was ist mit euch, Lily? James?“ Fünf fragende Gesichter schauten ihnen entgegen.
„Wir ziehen auch zusammen. Und dann werden wir wahrscheinlich auch erst mal ein Jahr freinehmen, um unsere Freiheit zu genießen!“

Der letzte Abend. Die Abschlussfeier der Siebtklässler. Sie würden ihre UTZ-Zeugnisse bekommen, ihre Noten, mit denen sie ins wahre Leben starten würden. Lily war ganz blass, James hingegen wirkte sehr gelassen und versuchte auch seine Freundin zu überzeugen, dass sie sicherlich nichts zu befürchten haben würde.
„Eine besondere Auszeichnung geht an Lily Evans, die ihre UTZ-Prüfungen mit Bestnoten bestanden hat! Herzlichen Glückwunsch!“ Professor Dumbledore überreichte ihr das Zeugnis, schüttelte ihr mit einem Lächeln die Hand. Sie fühlte sich einfach unendlich erleichtert. Sie hatte bestanden, hatte bewiesen, dass die Zaubererwelt die richtige Entscheidung für sie war. Das bestätigten auch James' liebevoller Blick, seine freudige Umarmung und der zärtliche Kuss, den er ihr auf die Nasenspitze drückte.

Wieder auf Gleis 93/4 .Hier hatte das Abenteuer Hogwarts begonnen, hier würde es enden. Freundschaften hatten sich gebildet, andere waren zerbrochen. Lily stand nicht mehr verängstigt und überwältigt neben ihrem einzigen Freund Severus und ihren Eltern, die ihr Halt gaben. Jetzt stand sie neben Alice und Rose, ihren besten Freundinnen, den Menschen, mit denen sie viele schöne Momente erlebt hatte. Neben Sirius, Remus und Peter, die ihr gute Freunde geworden waren und sie so manches Mal zum Lachen gebracht hatten. Neben James, dem sie ihr Leben anvertrauen würde, den sie liebte und mit dem sie das neue Abenteuer ihres Lebens beginnen würde. Jetzt, in diesem Moment, der gleichzeitig ein tränenreicher, schwerer Abschied war, aber auch ein freudiger, erwartungsvoll herbeigesehnter Neuanfang.
Eine letzte Umarmung mit Rose und Alice, dann nahm sie James' Hand. Gemeinsam schritten sie aus der magischen Welt Hogwarts' in das magische Leben eines erwachsenen Zauberers.


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Emma ist eine natürliche Schönheit – wenn sie also die ,normale‘ Hermine in ihrer Schuluniform spielt, müssen wir ihr Aussehen unter dem Make-up eher herunterspielen. Aber der Weihnachtsball erfordert natürlich das genaue Gegenteil – da konnten wir uns mit dem Make-up richtig austoben.
Amanda Knight, Maskenbildnerin