
von Nitsrek
Was Harry und Ron niemals wussten:
Ich saß seufzend an einem Schreibtisch in der Bibliothek. Mein Kopf dröhnte vom vielen Lernen, doch mir blieb einfach nichts Anderes übrig. Wenn ich – im Gegensatz zu Harry und Ron – einen ordentlichen Schulabschluss erreichen wollte, musste ich meine UTZe bestehen. Ich hätte jedoch niemals erwartet, dass ich den Tag erleben würde, an dem selbst mir das Lernen zuviel werden würde. Und ich würde es auch nie einem anderen Menschen gegenüber zugeben.
Mit einem lauten Seufzen ließ ich mich in meinem Stuhl zurückfallen, schloss meine Augen und legte meinen Kopf in den Nacken. Als Antwort bekam ich ein verärgertes Räuspern. Innerlich um Geduld ringend öffnete ich meine Augen und erblickte die Quelle all meiner Probleme. Draco. Auf dem Kopf. Mir wurde schwindlig und ich setzte mich wieder normal hin.
Als ich mich dazu entschieden hatte, meine schulische Ausbildung zu Ende zu bringen – unter anderem auch wegen der Bitte Professor McGonagalls – hätte ich niemals damit gerechnet, dass ich ihn hier treffen würde.
Ich hatte geglaubt, dass er, wie Harry und Ron, einfach die Schule abbrechen würde. Gut, er hatte wahrscheinlich nicht wie Harry vom Zaubereiministerium das Angebot bekommen, sofort Auror werden zu können, oder das Glück, wie Ron Teilhaber eines gut gehenden Scherzartikel-Ladens zu werden, aber… Herrgott, er war ein Malfoy! Wozu hatten seine Eltern das ganze Geld? Er hätte eigentlich nie wieder einen Finger krumm machen müssen!
Aber aus irgendeinem Grund war auch er an die Schule zurückgekehrt. In dem Moment, als ich es zum ersten Mal realisiert hatte, hatte ich Harry und Ron beneidet. Aber ich war eben eher der konventionelle Typ. Erst Schule, dann Arbeit. Was, wenn ich mich später umorientieren wollte und dann nicht einmal einen Schulabschluss vorweisen konnte? Keineswegs.
Das Schuljahr lag zu einem großen Teil hinter mir. In zwei Wochen würden dann die Abschlussprüfungen stattfinden und damit auch der letzte Schultag, da die Ergebnisse, wie schon bei den ZAGs, per Eule an die Privatadresse geschickt wurden.
Dieses Schuljahr war alles andere als angenehm gewesen. Harry und Ron fehlten mir. Und Draco… er machte es nicht gerade gemütlicher. Wenn er da war, fehlte mir Ron am meisten. Wäre Ron nämlich hier, müsste ich nicht diese Unmenge an Selbstbeherrschung aufbringen, jedes Mal, wenn Draco in meiner Nähe war. Was er einfach verdammt oft war. Wir hatten fast identische Wahlfächer und in den Grundkursen saßen wir sowieso gemeinsam.
Nicht, dass ich ihn anspringen wollte oder etwas ähnlich Peinliches. Ich wollte ihm sagen, dass es mir Leid tut. Dass ich bereue, dass ich ihn fortgeschickt habe, dass ich ihn angelogen hatte, dass ich mich jeden Tag aufs Neue anlog und dass es mich innerlich zerriss, so tun zu müssen, als hätte ich wirklich einen Schlussstrich gezogen.
Aber dieses Geständnis wäre fatal gewesen. Es hätte nur dazu geführt, dass am Schluss nicht nur einer von uns verletzt würde, sondern auf meiner Seite auch noch Ron.
Manchmal hatte ich auch den Verdacht, dass Draco genau wusste, was in mir vorging. Viel zu oft erwischte ich ihn dabei, wie er mich ansah, nur um dann schnell wegzusehen, während ich rot wurde und ein (un-?) angenehmes Prickeln durch meinen ganzen Körper schoss. Und viel zu oft kamen wir uns physisch zu nah: Wir berührten uns zwar nie, aber selbst, wenn seine Hand oder sein Arm unter dem Vorwand, etwas zu brauchen, was in meiner Nähe lag, einige Zentimeter entfernt an mir vorbei glitt, knisterte die Luft.
Mit einem resignierten Seufzen schlug ich das Buch laut zu und schob meinen Stuhl zurück. Ich gab es auf. Heute würde sich keine Information mehr in meinem Kopf festsetzen.
Ich wollte gerade aufstehen, als ich zwei warme Hände an meinen Schläfen spürte. Mit einem Schnurren ließ ich meine Augen zufallen und genoss für einen kurzen, verbotenen Moment die Berührung. Selbst seine Hände gaben diesen speziellen Duft ab, der nur ihm gehörte.
Ich spannte meinen Körper an und rief mir ins Gedächtnis, wer wir waren. Ich durfte mich nicht verlieren, fallen lassen.
„Entspann dich“, raunte er mit seiner tiefen, verführerischen Stimme in mein Ohr und für ein paar Sekunden war ich wirklich versucht, es zu genießen.
Seine Finger massierten meinen angestrengten Kopf und zum ersten Mal seit Tagen vergaß ich alles um mich herum. Alles. Schulaufgaben, Prüfungen, Harry, Ron…
Hör auf, bevor du nachgibst!
Ich schreckte zusammen und spürte, wie auch Draco sich hinter mir wieder aufrichtete.
Mit einem entschuldigenden Lächeln drehte ich mich zu ihm um. „Vielen Dank, Draco. Aber mir geht es schon besser, du musst also nicht weiter machen.“
Seine Augen wurden eiskalt. „Klar, ich glaube dir aufs Wort.“
Angestrengt versuchte ich, die Wut in meinem Bauch nicht hoch kochen zu lassen. Mit einem – wie ich hoffte – unbeeindruckten Gesichtsausdruck blickte ich an ihm vorbei, während ich ihm antwortete.
„Zum Glück ist es nicht wichtig, was du glaubst.“
Ich wandte mich wieder ab, um meine Tasche zu packen und war zufrieden, dass unser Gespräch anscheinend vorbei war.
Erst an der Tür vernahm ich sein Flüstern. Ich wusste nicht einmal, ob es für meine Ohren bestimmt war.
„Seit wann verabscheust du mich so?“
Ohne mir anmerken zu lassen, dass ich ihn gehört hatte, trat ich durch die Tür und ließ sie hinter mir ins Schloss fallen.
Dann rannte ich los.
*****
Die Tage danach versuchte ich wieder mein Bestes, um ihm aus dem Weg zu gehen. Es klappte hervorragend. Auch er schien keinen großen Wert darauf zu legen, in meiner Nähe zu sein.
Wäre doch gelacht, wenn ich dieses Bisschen Zeit, in der ich ihn noch sehen musste, nicht problemlos bewältigen könnte.
Ich hatte damals, als das Schuljahr losging, eigentlich erwartet, dass er, nachdem, wie wir uns das letzte Mal „verabschiedet“ hatten, nicht mehr sehen wollen würde. Dass er mir, wie früher auch so oft, das Leben schwer machen würde. Es wäre nicht schön gewesen, aber ich hätte damit umzugehen gewusst.
Ich hatte nicht damit gerechnet, wie sehr es mich treffen würde, dass er mich nicht einmal im Ansatz wahrnahm. Es war, als würde ich nicht existent… oder unsichtbar. Wobei das ja wenigstens heißen würde, dass es mich in seiner Welt noch gab.
Er hatte mich nicht angesehen, nicht mit mir gesprochen… wahrscheinlich hätte er mich umgerannt, wenn ich ihm irgendwo im Weg gestanden wäre, nur, um nicht meine Anwesenheit registrieren zu müssen.
So war es bis zu jener Zaubertrankstunde nach den Weihnachtsferien, in der Professor Slughorn uns zu einer Partnerarbeit zusammen gewürfelt hatte. Uns blieb plötzlich keine Wahl mehr. Wir mussten miteinander sprechen. Es war, als würde uns das Schicksal einen grausamen Scherz spielen. Ich war die Puppe in einem sadistischen Theaterspiel.
Die ersten Sätze, seitdem ich ihn fort geschickt hatte:
„Ich werde die Zutaten aus dem Schrank holen. Du kannst dir ja schon einmal die Anweisungen durchlesen.“
Und damit war das Kartenhaus zusammen gestürzt. Das halbe Jahr bewusst gewählter Ignoranz, das halbe Jahr vorgegebener Zufriedenheit mit diesem Zustand, alles umsonst.
Ich hob meinen Blick und traf seinen. Eine Millisekunde, in der das gesamte Universum nur um uns rotierte. Draco-zentrisch. Hermine-zentrisch. Ich nickte mit einem angedeuteten Lächeln und stieß langsam, als er sich wegdrehte und damit unseren Blickkontakt beendete, den angehaltenen Atem aus.
Nur ein Gedanke füllte meinen ganzen Kopf: Es ist noch nicht vorüber.
Und seitdem dieser Gedanke meinen Verstand besetzt hatte, war ich auf der Flucht. Vor ihm. Vor mir. Vor uns.
Ich war damals seit circa einem halben Jahr mit Ron glücklich zusammen. Oder zumindest das, was andere Menschen als glücklich bezeichnen würden. Ich bezeichnete es als zufrieden. Ich wusste, das klang nicht gerade nach einer traumhaften Romanze. Nicht erfüllend. Aber es war… es gab mir Halt.
Und diesen Halt konnte ich einfach nicht aufs Spiel setzen. Was ich zweifellos ohne einen Gedanken zu verschwenden getan hätte, wenn ich mich nicht irgendwie zurückhielt.
Also hüllte ich mich, auch wenn Draco und ich wieder miteinander sprachen, in einen unsichtbaren Käfig. Nicht um ihn fern zu halten, sondern um mich zu kontrollieren.
Das Problem war nur: Je besser wir uns wieder verstanden, je näher wir uns kamen, desto freier fühlte er sich. Er berührte mich, immer wie zufällig, am Arm, an der Hand, an der Taille… und hinterließ jedes Mal einen brennenden Abdruck, den ich immer noch den Rest des Tages spüren konnte.
Zum Glück schaffte ich es jedes Mal, mein geschocktes Zurückweichen und mein Keuchen vor ihm zu verbergen. Zu verräterisch wären diese winzigen Zeichen bereits gewesen.
Mein Blick fiel auf das Buch vor mir, welches mich aus meinen Träumereien und meinen Erinnerungen riss. Ich sah mich um und bemerkte, dass die Bibliothek inzwischen menschenleer war. Wie spät war es denn?
Verdammt, Hermine, konzentrier dich! Morgen ist die letzte Prüfung, der letzte Schultag! Dann ist alles vorbei und du kannst zurück zu deinen Freunden.
Niedergeschlagen verschränkte ich meine Arme auf dem Tisch vor mir und ließ meinen Kopf darauf sinken. Nur ein paar Minuten ausruhen, dann hätte ich neue Energie und könnte weiter lernen…
Ich erwachte, als etwas meine Wange kitzelte. Wärme. Luft. Die kleinen Härchen in meinem Nacken stellten sich auf. Dieser Geruch… erfrischend, leicht herb. Meine Augen blieben geschlossen, doch meine Lippen formten ein Lächeln.
Ein weicher Finger fuhr meine Unterlippe nach und ich öffnete vorsichtig die Augen, um Draco dabei zu beobachten, wie er seine eigene Bewegung verfolgte.
Ich blinzelte kurz und machte ihn damit darauf aufmerksam, dass ich inzwischen wach war.
Seine Augen weiteten sich kurz und er versuchte, schnell seine Hand wegzuziehen, doch ich griff danach und bekam sie zu fassen, während ich mich aufrichtete.
Verlegen blickte er auf seine Hand, die ich festhielt, und dann in mein Gesicht. Er räusperte sich.
„Du bist eingenickt“, formulierte er laut, was ich auch schon bemerkt hatte.
„Wie hast du mich gefunden?“ Es war keine unfreundliche Frage.
Er schluckte. „Du bist seit einem Monat jeden Abend in der Bibliothek. Wo solltest du sonst sein?“, fragte er mit einem Lächeln.
Ich hob fragend eine Augenbraue. „Ja, ich bin jeden Abend hier gewesen. Du aber nicht, also woher weißt du, was ich tue?“
Seine Wangen färbten sich leicht rot. „Ich war auch jeden Abend hier.“
„Aber -“
„Ich habe versucht zu lernen, aber meistens habe ich dann doch nur dich beim Lernen beobachtet.“ Er grinste. „Du streckst die Zunge raus, wenn du dich auf etwas konzentrierst.“
Ich spürte, wie mein Gesicht ganz heiß wurde. Ganz toll. Schön, dass das endlich jemand gemerkt hatte.
Schweigend sah ich ihn an. Nach einer kurzen Weile wurde er leicht unruhig.
„Granger, du hältst mich immer noch fest…“ Er schielte auf unsere Hände.
Oh, peinlich. Ich entließ seine Hand und strich mir über die Haare, während ich mich im Raum umsah. Und was jetzt?
Als ich spürte, wie er mit seinem Finger meinen Arm entlang strich, sprang ich auf und warf dabei meinen Stuhl um, der mit einem lauten Klappern zu Boden fiel.
Mit einer Entschuldigung auf den Lippen blickte ich ihn und bemerkte, dass er mich böse anstarrte.
Mit einem spöttischen Lächeln schüttelte er den Kopf. „Ich dachte, darüber wären wir hinaus.“
Ich runzelte die Stirn. „Worüber?“
„Vergiss es, Granger“, sagte er und stand auf, weil er gehen wollte.
Erneut packte ich seine Hand. „Schon wieder?“, fragte er leicht ungeduldig.
Ich ignorierte die Frage. „Worüber sind wir hinaus?“
Draco sah sich unbehaglich im Raum um, während er überlegte, ob er sich auf diese Diskussion einlassen sollte. Mit einem Seufzen gab er schließlich auf.
„Ich dachte, du würdest mich nicht mehr hassen.“
Es war kein Schlag in die Magengrube. Es waren ein Dutzend Schläge, gefolgt von ein paar Ohrfeigen und kombiniert mit ein paar heftigen Tritten gegen meine Schienbeine. Was sagte er da?
Ich schnaubte. „Und wann habe ich dich jemals gehasst?“
Draco rollte mit den Augen. „Bitte, Granger. Was für eine Erklärung hast du sonst für dieses herablassende Verhalten? Du schaust mir kaum ins Gesicht, du hältst unsere Gespräche so kurz wie nur möglich, du zuckst jedes Mal weg, wenn ich dich anfasse, als wäre ich giftig… Es ist ziemlich offensichtlich!“
Ich taumelte leicht. Und ausgerechnet er sollte nach mir der Klassenbeste sein? Wie hatte er das geschafft? Anscheinend nicht mit seinem Verstand.
Ich ließ seine Hand los und riss meinen Arm zurück, als ob ich mich verbrannt hätte.
„Und was ist mit dir? Nur weil du dich endlich dazu herabgelassen hast, mit mir zu sprechen, soll ich jubeln? Du hast mich ein halbes Jahr wie Dreck behandelt!“
Er knurrte. „Du spinnst doch! Wie soll ich dich denn schlecht behandeln, ich habe dich ignoriert so gut es ging!“
Und damit riss mein Geduldsfaden. Ebenso wie der Damm, der meine Tränen zurückgehalten hatte. „Was glaubst du, wovon ich spreche, du Volltrottel?“, schrie ich ihn an, während mir die ersten Tränen übers Gesicht strömten. Draco warf mir einen erstaunten Blick zu. „Du hast mich behandelt, als gäbe es mich nicht einmal! Als wäre ich nichts! Als wäre ich noch weniger wert als das Schlammblut, das ich für dich vor langer Zeit einmal gewesen bin!“
Er wich ein paar Schritte zurück, als ich schluchzte. „Ich weiß, dass ich mich dir gegenüber nicht fair verhalten habe, als wir uns damals nach der Schlacht gesehen haben“, fuhr ich fort, „und dass ich ganz sicher kein Recht auf eine freundliche Behandlung hatte! Aber was du getan hast… Es war schlimmer als alles, was jemals zwischen uns vorgefallen ist! Ich habe nachts im Bett gelegen und geweint, weil ich nicht wusste, was mit mir los ist. Warum es mir soviel ausmacht, dass du mich nicht einmal mehr registrierst…“ Meine Stimme verlief sich.
Ich hob meinen Blick und erkannte, dass auch seine Augen glänzten. Natürlich würde er niemals weinen. Aber gut zu wissen, dass auch er nicht aus Stein war. Er schluckte, sagte jedoch nichts.
„Und? Denkst du jetzt immer noch, dass ich dich hasse?“
Der Satz stand im Raum und wartete auf eine Antwort. Langsam machte Draco wieder ein paar Schritte auf mich zu, bis er direkt vor mir stand. Ich starrte auf seine Brust, zu ängstlich, um die Erkenntnis auf seinem Gesicht zu entdecken. Ich bemerkte am Rande, wie er den Kopf schüttelte. Sein Körper, meinem viel zu nah, strahlte eine unglaubliche Hitze aus.
„Aber warum weichst du mir aus?“, fragte er leise.
Ich lachte kurz. „Im Ernst, du sollst nach mir der Klügste hier an der Schule sein?“
Er hob mein Gesicht mit einem Finger unter meinem Kinn an und schüttelte erneut den Kopf, als ich ihn schließlich ansah. „Spiel jetzt keine Spielchen, Granger… Warum?“
Ich schloss meine Augen, während meine Tränen versiegten, und atmete tief durch. Atmete seinen Duft ein. Die Luft, die er bereits wieder ausstieß. Mein Kopf warnte mich davor, wirklich auf diese Frage einzugehen, aber es war mein Herz, das antwortete.
„Weil ich dich liebe…“ Meine Stimme, sowieso schon unnatürlich leise, versagte. Gleich würde er davon rennen.
Das Gefühl seines Mundes auf meinen Lippen bewies mir jedoch, dass meine Vermutung nicht stimmte. Er rannte nicht. Er küsste mich. Seufzend gab ich nach und lehnte mich ihm entgegen. Seine Hände wanderten an meine Taille und meinen Nacken. Meine lagen bereits auf seine Brust.
Sein Herz schlug fast so schnell wie meins. Seine Zunge teilte meine Lippen und drang in meinen Mund ein und ich hieß sie willkommen. Wieder daheim. Endlich.
Wir küssten uns langsam und intensiv, eine seiner Hände kraulte meinen Nacken und ich gurrte zufrieden.
Als die andere vorsichtig unter meine Bluse glitt, hatte ich jedoch einen kurzen Moment der Zurechnungsfähigkeit. Ich stoppte sie auf ihrem Weg und lehnte mich leicht zurück, um ihn anzusehen.
„Draco, was wir hier tun, ist falsch. Schon morgen Abend werde ich zurück zu -“
Er legte einen Finger auf meine Lippen. „Nur heute Nacht“, flüsterte er heiser und zog mich wieder an sich.
Ich versuchte, zu protestieren, aber wem wollte ich etwas vormachen? Es fühlte sich so gut an, so vertraut, so… richtig.
Sein Mund eroberte erneut meinen, diesmal jedoch deutlich verlangender und hungriger als bei unserem vorherigen Kuss. Ich nahm seine Unterlippe zwischen meine Lippen und saugte leicht daran, was ihn stöhnen ließ und mir einen wohligen Schauer über den Rücken jagte.
Er führte uns, während wir den Kuss nicht einen Moment unterbrachen, an einen nahen Tisch und packte mich an der Taille, um mich auf den Tisch zu heben. Sobald ich auf der Kante saß, öffnete er leicht meine Beine und trat in die ihm angebotene Lücke. Seine Erektion berührte meinen Schritt. Wir zitterten zeitgleich.
„Granger…“ Seine Stimme war rau. Mit einem spitzbübischen Grinsen schlang ich meine Beine um seine Hüfte und zog ihn fester an mich.
Er beugte sich an meinen Hals und verteilte kleine, heiße Küsse darauf, während er begann, meine Bluse aufzuknöpfen. Nachdem er den letzten Knopf erreicht hatte, streifte er den leichten Stoff von meinem Oberkörper.
Ich zitterte und spürte die Gänsehaut, die sich über meinen Oberkörper zog. Unsicher warf ich ihm einen Blick zu. Er ließ für einen kurzen Moment von mir ab, richtete sich auf und entfernte dann sein Hemd.
Mein Blick fiel auf die schwarze Stelle an seinem Unterarm. Er bemerkte es und wartete darauf, wie ich reagieren würde. Zu meiner eigenen Überraschung merkte ich jedoch, dass ich es nicht abstoßend fand. Es bedeutete nicht mehr das, was es noch vor einem Jahr ausgedrückt hätte.
Ich legte eine Hand an seinen Hals und zog ihn wieder zu mir, um ihn erneut zu küssen. Während unsere Lippen aufeinander trafen, strich ich mit meinen Fingerspitzen seinen Oberkörper entlang, was ihn erschauern ließ.
Seine Hand fuhr unter meinen Rock und zeichnete kleine Kreise auf meine Unterwäsche. Ich keuchte und küsste ihn mit mehr Nachdruck.
„Steh auf“, sagte er nach einer Weile und ich hüpfte vom Tisch. Als ich vor ihm stand, griff er mit beiden Händen unter meinen Rock und zog mein Höschen nach unten. Ich wollte gerade den Reißverschluss vom Rock öffnen, als er meine Hand festhielt.
„Den nicht“, stieß er hervor, hob mich wieder auf den Tisch und stürzte seinen Mund auf meine stoffbedeckten Brüste. Er zog das Material leicht zur Seite und nahm meine Brustwarze in den Mund, um daran zu saugen. Mit einem Stöhnen krallte ich meine Hände in seinen Oberkörper und versuchte, mich aufrecht zu halten.
Ich spürte, wie er grinste und neigte mich zu seinem Ohr. „Ich wollte schon immer einmal unanständige Dinge in der Bibliothek machen.“
Er hob seinen Kopf und sein Grinsen wurde noch breiter. „Hätte ich ja nie von dir erwartet“, antwortete er leicht ironisch.
Als meine Hand sich um seine Erektion schloss, verschwand sein Grinsen jedoch abrupt. Er stöhnte. Ich küsste ihn und öffnete währenddessen seine Hose, zog sie zusammen mit seiner Unterhose nach unten.
Ich wollte ihn erneut streicheln, doch er hielt meine Hand fest. „Nicht jetzt… zu lange her“, erklärte er, während er leicht rot wurde. Ich sah ihn fragend an. Er lächelte. „Ich muss in dir sein.“
Ich spürte, wie Hitze durch meinen gesamten Körper waberte und zog ihn an mich heran. Draco brachte sich vor mir in Position und nur wenige Sekunden später fühlte ich es endlich wieder. Dieses Gefühl, als würde ich fliegen.
Er fühlte sich groß in mir an, und andererseits doch genau so, als wären wir füreinander gemacht. Perfekt ineinander passend. Ich stieß ein Keuchen aus und legte meinen Kopf in den Nacken. Kurz darauf bemerkte ich seine heiße, feuchte Zunge an meinem Hals und wimmerte, als ich spürte, wie quälend langsam er sich aus mir zurückzog, nur um ebenso langsam wieder in mich einzudringen.
„Mistkerl!“, schimpfte ich und grinste. Mein ganzer Körper fing an zu zittern, während er immer wieder in Zeitlupe in mich trieb.
Seine Augen, die vorher beobachtet hatten, wie wir uns miteinander verbanden, hoben sich und trafen meine. „Tut mit Leid, Liebes, ich muss das hier auskosten.“ Es tat ihm nicht Leid. Ganz sicher nicht. Mir tat es nämlich auch nicht Leid.
So sehr er sich auch anstrengte, irgendwann war auch bei ihm der Punkt erreicht, an dem er die Kontrolle über sich verlor. Seine Bewegungen wurden schneller, heftiger, intensiver.
Unser Stöhnen wurde lauter und als er seine Hand auch noch an meinen Kitzler führte, explodierte ich wenige Sekunden später.
Gerötet, keuchend und mit Schweiß bedeckt klammerte ich mich an ihm fest, um nicht vor lauter Schwindelgefühl vom Tisch zu fallen.
Draco bewegte sich weiter in mir, rein und raus, und als ich wieder die Kraft hatte, meinen Kopf zu heben und ihm in die Augen zu sehen, schmolz ich unter dem Blick, den er mir schenkte. Die Wärme in seinen Augen. Das Lächeln auf seinen Lippen, das durch ein Stöhnen geteilt wurde.
Ich erschauerte.
„Hermine… Ich… kann nicht länger“, keuchte er und schließlich spürte ich die warme Flüssigkeit, die sich in mich ergoss.
Er lehnte seinen Kopf an meinen und schloss die Augen, während ich ihm sanft über den Rücken strich und damit eine Gänsehaut bei ihm verursachte.
„Tut mir Leid“, flüsterte er und ich fragte mich, was er meinen könnte, bis er weiter sprach. „Dass es nicht länger gedauert hat.“
Ich lachte und bemerkte erst kurz darauf, dass genau das womöglich die falsche Reaktion war. Ich räusperte mich verlegen.
Er blickte mich an, als ob er auf eine Antwort warten würde, und ich strich ihm die feuchten Haare aus dem Gesicht.
„Dir muss absolut nichts Leid tun. Ich wollte es mindestens ebenso sehr wie du.“
Er schien einen Moment zu überlegen, ob er mir glauben konnte, lächelte dann aber zufrieden.
Ein wenig tollpatschig zog er sich schließlich aus mir zurück, säuberte auf magische Weise den Tisch und uns, und wir zogen uns an, wobei wir uns zwischendurch immer wieder Blicke zuwarfen.
Als wir beide wieder bekleidet waren, bot er mir an, mich zu meinem Gemeinschaftsraum zu bringen und ich gab mein Einverständnis.
Vor der Portrait-Tür blieben wir stehen und schwiegen betreten. Ich versuchte, das Eis mit einem Witz zu brechen.
„Danke, Draco. Genau das, was ich zur Entspannung gebraucht habe.“
Er grinste. „Ja, ich fühle mich auch um einiges gelassener.“
Schalk glitzerte in seinen Augen und wir fingen beide an, zu lachen.
Als wir uns wieder beruhigt hatten, machte ich einen Schritt auf ihn zu, um den wenigen Abstand, der überhaupt zwischen uns bestand, noch etwas zu verringern.
„Gute Nacht, Draco.“
Ich stellte mich auf die Zehenspitzen, damit mein Mund auf einer Höhe mit seinem war, und küsste ihn sanft.
Er erwiderte den Kuss und ich schnurrte zufrieden, bis ich mich von ihm löste.
„Ich wünsche dir für deine Prüfung morgen viel Glück.“
Er rollte mit den Augen. „Musst du immer an die Schule denken?“
Ich schlug leicht mit meiner Faust gegen seine Schulter.
„Ich werde mich nochmal bei dir melden, bevor ich abreise, okay?“
Er nickte lächelnd.
Nochmal gab ich ihm einen Kuss und verschwand dann durch das Portrait.
*****
Was hatte ich mir dabei gedacht? Ich war mit Ron zusammen! Und in wenigen Minuten würde ich wieder bei ihm im Fuchsbau sein! Ich saß ja bereits schon wieder im Hogwarts-Express auf dem Heimweg. Wie sollte ich ihm unter die Augen treten?
Ich schluckte und versuchte, die Panik zu bekämpfen. Zu meiner Erleichterung befand Draco sich nicht im Zug. Am letzten Schultag hatten die Schüler die Möglichkeit, sich von ihren Eltern direkt am Schloss abholen zu lassen. Im Gegensatz zu mir hatte er diese Option genutzt.
Ich fragte mich, ob er inzwischen wohl meinen Brief gelesen hatte. Ich habe ihm gesagt, er sollte damit noch bis zu meiner Abreise warten. Ob er da schon gespürt hatte, was in mir vorging?
Das stand in dem Brief:
Lieber Draco!
Vielen Dank für einen wundervollen letzten Abend auf Hogwarts! Niemals hätte ich gedacht, dass wir irgendwann… dass wir uns irgendwann nicht mehr hassen würden.
Danke. Du hast mir gezeigt, dass ich damit Recht habe, dass in jedem Menschen etwas Gutes liegt.
Ich werde Dich niemals vergessen! Aber ich muss, zumindest für die Außenwelt.
Bitte melde Dich nicht bei mir. Ich muss das Leben führen, das zu mir passt.
Leb wohl,
Hermine
Ich hatte geweint, als ich den Text geschrieben hatte, und war mir sicher, dass das auch jetzt noch erkennbar sein würde.
Ich konnte selbst nicht genau sagen, woher ich die Entschlossenheit genommen hatte, die ich so dringend brauchte. Aber letztlich war sie da gewesen.
Und so war es auch besser. Zumindest versuchte ich, mir das einzureden.
Er hatte es immerhin selbst gesagt. Nur heute Nacht.
Und er hatte auch nicht geantwortet, als ich ihm sagte, was mich bis dahin innerlich aufgefressen hatte.
Dass ich ihn liebe… Ich spürte einen dicken Kloß im Hals und versuchte schnell, ihn herunter zu schlucken.
King’s Cross rauschte an den Fenstern vorbei und ich machte mich darauf gefasst, auszusteigen. Warum hörten diese verdammten Tränen nicht auf?
Als der Zug anhielt, nahm ich meine Truhe und stieg aus dem Abteil auf den Bahnsteig. Nach nur ein paar Schritten schlangen sich bereits zwei lange Arme voller Sommersprossen um mich.
„Hermine!“ Ron drückte mir einen Kuss auf die Wange, zog sich jedoch erstaunt zurück, als er die Feuchtigkeit an seinen Lippen spürte.
„Du weinst ja“, stellte er fest.
Ich nickte, schluckte und zwang mich zu einem Lächeln. „Ich freue mich so, dich wieder zu sehen.“
Ron blickte mich erstaunt an und zog mich dann wieder in seine Arme.
„Willkommen zu Hause, meine Liebe!“
Er drückte mich fest und ich schloss meine Augen und ließ den Tränen freien Lauf.
+++++
Bevor ihr mich steinigt oder Ähnliches: Nein, es ist NICHT das letzte Kapitel. NIEMALS würde ich die beiden zusammenbringen ;)
@Evelin1: Sorry, hat etwas länger gedauert.
@Draco_Malfoy: Ganz außer Acht lassen werde ich sie nicht. Aber wie du gemerkt hast, haben sie sich schon sehr viel früher wieder getroffen.
@Mia: Das Happy-End kommt noch, keine Angst. Danke für das Kompliment :)
@morla79: Okay, dunkel. Und ja, du hast Recht: Es nervt NIE :)
Also, hier das siebte und aller Wahrscheinlichkeit nach vorletzte Kapitel. Dann vielleicht noch ein Epilog. Aber vertraut mir, es wird schon.
Etwas Werbung in eigener Sache: Ich empfehle Euch die beiden Fanfictions "Silencio" (bisher sechs Kapitel von mir übersetzt; Passwort lautet Akasha) und "The Bracelet" (noch keines übersetzt, steht aber an). Zwei herrliche Dramione-Storys der wundervollen Akasha the Kitty.
Freue mich wie immer über Kommentare (hier und auch bei den anderen Fanfics).
LG
Nitsrek
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