
von Nitsrek
Was Harry und Ron niemals wussten:
Hallo Draco…
Lange her, dass wir das letzte Mal miteinander zu tun hatten, was?
Und wenn ich mich daran erinnere, wie falsch unser letztes Treffen auseinander gegangen ist, würde es fast an ein Wunder grenzen, wenn du diesen Brief nicht an Ort und Stelle in Flammen aufgehen lässt.
Aber vielleicht hat das Schicksal (oder was auch immer für eine höhere Macht es da gibt) ja tatsächlich ein Einsehen mit mir.
Drei Jahre ist es nun her, dass… dass wir unseren Abschluss gemacht haben. Drei Jahre, in denen wir uns so gut wie nie gesehen haben. Ich weiß nicht einmal, ob du mich die wenigen Male, die ich dich irgendwo in einer Menge von Zauberern während unserer Ausbildung ausmachen konnte, gesehen hast. Vielleicht wolltest du mich ja auch gar nicht sehen… Könnte ich auch verstehen.
Wie geht es dir so? Ja, ich weiß, eine dämliche Frage und wahrscheinlich schnaubst du gerade und dein ach so typisches, spöttisches Draco-Lächeln ziert dein Gesicht.
Ich… ich weiß selbst nicht genau, warum ich dir eigentlich schreibe. Ich habe dich vor einer Woche zufällig im Zaubereiministerium entdeckt und seitdem… Ich krieg dich nicht aus meinem Kopf.
Nicht nur diesbezüglich. Seit drei Jahren frage ich mich, ob mein Verhalten damals nicht ein riesiger Fehler war. Und NEIN, ich meine nicht das, was wir miteinander getan haben. Das war… naja, spielt jetzt keine Rolle. Ich meine, dass es vielleicht falsch war, einfach davon zu rennen.
Andererseits hätte ich es nicht noch einmal ertragen, mit dir darüber zu sprechen. Du hast ja schließlich schon in der betreffenden Nacht gesagt, was es für dich war: Nur eine Nacht… Vielleicht hat es dir ja auch deshalb nichts ausgemacht, dass wir uns nicht einmal voneinander verabschiedet haben. Ja, ich weiß, ich bin die, die so überstürzt aufgebrochen ist, aber anscheinend hat dich das ja nicht gestört. Immerhin hast du dich nie gemeldet…
Wie ich höre, lebst du inzwischen mit Astoria Greengrass zusammen. Meinen Glückwunsch, es freut mich für dich, dass du anscheinend jemanden gefunden hast, mit dem du mehr als nur eine Nacht verbringen willst. (Und NEIN, das ist kein Sarkasmus und ich bin NICHT verbittert… warum rechtfertige ich mich eigentlich überhaupt???)
In zwei Wochen werde ich Mrs. Ronald Weasley sein. Zwei Wochen. Ich habe mit Ron niemals darüber gesprochen, was damals, nein, was jemals zwischen uns passiert ist. Bin ich glücklich damit, seine Frau zu werden? Ich weiß es nicht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht… Aber es ist besser, als ein Leben lang einem Wunschtraum nachzutrauern, der sich ja doch niemals erfüllen wird.
Ich wünsche dir alles Gute, Draco.
In Liebe,
Hermine
*****
Der Brief lag inzwischen, nur zwei Tage später, auf einem Schreibtisch in seinem Elternhaus.
„Etwas Wichtiges, Liebling?“, hatte Astoria gefragt, als sie bemerkt hatte, dass auch er Post bekommen hatte.
„Nein, nur Werbung“, hatte Draco aus seinem Zimmer gerufen. Danach hatte er den Brief gelesen. Und noch einmal… und wieder und wieder und wieder. Fünf Mal insgesamt. Trotzdem hatte er immer noch keine Idee, wie er darauf reagieren sollte.
Hermine hatte wie immer Recht gehabt: Als er den Absender erkannt hatte, war er tatsächlich kurz davor gewesen, das Pergamentstück zu verbrennen. Doch wie so oft im Leben hatte die Neugier über die Vernunft gesiegt. Damit hatte er sich keinen Gefallen getan.
Seitdem er den Brief erhalten hatte, verging keine Stunde, in der er nicht darüber nachsann, was der Brief eigentlich aussagte, ob und vor allem was er darauf antworten sollte.
Sein Magen hatte sich auf beunruhigende Art zusammengezogen, als er gelesen hatte, dass sie letztendlich wohl doch diesen Schwachkopf heiraten würde, der ihr jahrelang das Leben vermiest hatte. Sollte ihm nur Recht sein… War es aber nicht.
Und wie naiv war sie, zu glauben, dass dieses unbedachte „Nur eine Nacht…“ seine freie Entscheidung gewesen war? Es war sein letzter Strohhalm gewesen, in der Hoffnung, dass Hermine nicht doch ein schlechtes Gewissen wegen Ron bekäme. Es war nicht sein Wunsch gewesen, dass es nur eine Nacht andauerte. Wäre es nach seinem Willen gegangen, wäre es der Rest seines Lebens gewesen.
Gut, er lebte mit Astoria zusammen und war… glücklich? Naja, er hatte sich an die Umstände angepasst. Man gewöhnte sich eben doch an alles. Aber wenn er die Wahl hätte…
Seufzend setzte er sich an seinen Schreibtisch.
Sieh mal einer an… Granger!
Die Hölle muss zugefroren sein, oder wie könnte es sonst sein, dass du mir nach so langer Zeit und scheinbar aus freien Stücken schreibst?
Aber ich will mich nicht beschweren. Wenn ich mich recht erinnere, war Briefe schreiben bzw. hinterlassen schon immer deine Stärke.
Herzlichen Glückwunsch, ich wusste bisher gar nicht, dass du inzwischen sogar verlobt bist. Anscheinend verbreiten sich Gerüchte nicht annähernd so schnell, wie immer behauptet wird. Ich wünsche dir und dem Wiesel natürlich alles… Nein, eigentlich wünsche ich euch gar nichts. Weasley hat keine weiteren Wünsche nötig, immerhin hat er mit dir ja schon alles bekommen, was ein Mann sich wünschen kann. Mehr kann ich ihm nicht noch zugestehen.
Was dich betrifft: Dir wünsche ich einen Zeitumkehrer. Ja, ich weiß, vielleicht ein ungewöhnlicher Glückwunsch. Aber ich werde es dir erklären: Ich wünsche dir einen Zeitumkehrer, damit du in die letzte Nacht auf Hogwarts zurückkehren kannst. Ich wünsche dir, dass du da die Augen aufmachst und erkennst, was und warum ich es getan habe. ICH wollte dich nicht nur für eine Nacht.
Gott, Granger, ich habe fast sieben Jahre damit verbracht, dir zu verstehen zu geben, dass ich… dass du mir wichtig bist. Und nicht ein einziges Mal hast du mir geglaubt. Und wenn ich einmal so eine Aussage treffe, glaubst du sie mir aufs Wort? Wo ist dein Verstand, der immer alles hinterfragt, wenn man ihn einmal braucht????
Und falls du immer noch nicht verstehst, was ich dir hiermit sagen will, kann ich dir auch nicht weiterhelfen.
Ich wünsche dir, dass deine Nerven stark genug sind für eine Ehe mit dem Rotschopf.
Draco Malfoy
*****
Hermine blinzelte ein paar Mal, um die Tränen aus ihren Augen zu verbannen. Einige von ihnen hatten bereits das Pergamentstück, das sie in den Händen hielt, getroffen und die Schrift verschmiert.
Seine Handschrift.
Allein das Gefühl, etwas in den Händen zu halten, was ihm gehörte; etwas, das (vielleicht bildete sie sich das auch nur ein, sie war sich nicht sicher) nach ihm roch… Ihr Herz schlug bis zu ihrem Hals und ein wohlbekanntes Kribbeln beherrschte ihren ganzen Körper.
Sie musste eine Entscheidung treffen. Jetzt oder nie.
Aber vielleicht verstand sie das, was er geschrieben hatte, ja auch ganz falsch. Sie kaute auf ihrer Unterlippe. Dann würde sie sich zum Narren machen.
Sie musste sicher gehen.
*****
Nur einen Tag später starrte Draco erneut auf einen Brief von Hermine. Er war sehr viel kürzer und prägnanter als ihr letzter. Mehr auf den Punkt. Das machte die Antwort jedoch keinesfalls leichter.
Mit hochgezogenen Augenbrauen las er die drei Worte noch einmal.
Liebst du mich?
*****
Hermine spürte selbst, wie unruhig sie war. Zum Glück schob ihr Umfeld das auf ihre Aufregung wegen der bevorstehenden Hochzeit. An die wollte sie jedoch gerade überhaupt nicht denken.
Als die Posteule kam, sprang sie auf und warf dabei ihren Stuhl um. Zum Glück war sie allein in ihrem Schlafzimmer.
Sie entriss dem armen Vogel sofort das Pergament, woraufhin dieser leicht strauchelte und sie anschließend in den Finger biss. Gut, das hatte sie wohl verdient.
Sie brach das Siegel und rollte das Pergament auseinander. Es war ihr Brief. Für einen kurzen Moment glaubte sie, er hätte ihn einfach so zurück gesendet. Doch dann sah sie seine Antwort. Winzig klein geschrieben, in der linken unteren Ecke des Pergaments.
Sie richtete ihren Zauberstab darauf und murmelte „Engorgio“. Der Schriftzug vergrößerte sich.
Sie runzelte die Stirn und schüttelte leicht genervt den Kopf aufgrund seiner ausweichenden Antwort. Was hatte sie eigentlich von ihm erwartet?
Würde das etwas ändern?
*****
Draco las ein letztes Mal, immer noch ungläubig, ihren Brief.
Du solltest an Rons Stelle stehen. Wir treffen uns morgen im Drei Besen. Neun Uhr.
Morgen, inzwischen heute, war ihr Hochzeitstag. Es war noch früh am Morgen, aber vielleicht wollte sie sich zur Sicherheit einfach noch die Option mit Weasley offen halten. Er hätte nicht gedacht, dass sie zu den Menschen gehört, die gerne noch ein Ass im Ärmel haben.
Er blickte auf die Uhr. Acht Uhr fünfundvierzig. Es wurde Zeit.
Mit einem unsicheren Blick auf seine noch schlafende Freundin verließ er das Schlafzimmer und apparierte zu den Drei Besen.
+++++
Hallo ihr Lieben!
Ja, diesmal hat es etwas gedauert, aber ich bin zur Zeit auch auf Arbeit etwas mehr eingespannt. Hier nun das vorletzte Kapitel. Es folgt noch eines und dann der Epilog. Ich hoffe, dass das nächste Kapitel nicht ganz so lang braucht.
@Draco__Malfoy: Da bist du nicht die Einzige ;) Aber keine Panik, da wird sie nicht enden!
@Evelin1: Danke!
@Hermiine-Ginny: Find ich ja toll, dass du meine Geschichte liest, auch wenn du das Pairing eigentlich nicht magst.
@Kairi Weasley: Kein Problem, ich brauch ja auch manchmal länger ;)
@morla79: Weil er ein Mann ist ;-p Und vielleicht etwas überfordert war...und auch das Gefühl hatte, dass das trotzdem nichts an ihrer Entscheidung ändern würde.
@Mia: Hihi, deine Kommentare finde ich immer lustig... So, Folter ist jetzt vorerst vorbei.
Liebe Grüße
Nitsrek
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