
von Nitsrek
8 – Neugier ist der Katze Tod (aber nicht Iggys)
Neugier: Das Verlangen oder Streben, etwas zu wissen oder Informationen zu erlangen, das ausgeprägte Interesse an anderen Personen und deren Angelegenheiten.
Es gibt ein altes Sprichwort über Neugier und Katzen. Es beginnt mit „Neugier ist der Katze Tod“ und endet mit „doch die Befriedigung bringt sie zurück.“
Draco Malfoy brannte darauf, dass Hermine ihn berührte und er herausfinden könnte, ob er tatsächlich irgendwelche Gefühle für sie hegte. Falls ja, würde er irgendetwas unternehmen. Wenn nicht, konnte Michael Corner sie haben und er würde sich für die beiden freuen. Für gewöhnlich fand er über dieses alte „Berühr ihre Wange“-Ding heraus, ob eine Frau ihn mochte. Falls er einen Funken spüren sollte, wenn er ihre Wange berührte, konnte er einen Vorstoß wagen. Er brauchte jedoch eine Ausrede, damit er ihre Wange berühren konnte. Das hier war geradezu die perfekte Möglichkeit.
„Zeig mir, was du meinst“, bat er sie und lehnte sich näher an sie.
Sie sah müde aus. „Was meinst du damit, es dir zeigen?“
„Berühr mich so, wie sie mich angeblich berührt haben soll.“ Er wollte noch hinzufügen ‚und so, wie du Corner den ganzen Abend berührt hast’, ließ es dann aber bleiben.
Sie lachte. „Du bist eindeutig nicht mehr ganz bei Trost!“
„Komm schon! Wie soll ich wissen, wovon zur Hölle du sprichst, wenn du nicht einmal den Anstand besitzt, es mir zu zeigen? Es wäre nur fair. Ich meine, wenn ich mich da draußen zum Trottel mache oder so, habe ich doch wenigstens das Recht, zu erfahren, wie es aussieht?“ Er griff nach Strohhalmen. „Rette mich vor zukünftiger Blamage!“
Hermine nahm ihr Bier, trank einen großen Schluck und schnitt eine Grimasse. „Steh auf.“
Er stand auf. Sie blieb noch eine Sekunde auf der Couch sitzen, nahm noch einmal einen großen Schluck und stellte sich dann neben ihn. Sie überlegte, dass sie, wenn sie das hier wirklich machen würde, noch etwas mehr Alkohol bräuchte, um ihre Hemmungen zu überwinden. Sie wollte wieder etwas trinken, diesmal, um das Unvermeidliche hinaus zu zögern, doch er nahm ihr die Flasche weg und schluckte den Rest. Danach stellte er die leere Flasche auf den Boden.
„Bist du inzwischen Alkoholiker, Draco Malfoy?“
„Halt die Klappe und fass mich an.“
Sie atmete tief ein. „Es ist ziemlich simpel. Sie berührt zum Beispiel so deinen Arm“, Hermine berührte seinen Bizeps, „und drückt dann ein bisschen zu.“ Sie betonte ihre Aussage, indem sie etwas Druck ausübte. „Und auch, wenn das sehr unschuldig wirkt, sagt sie damit in Wirklichkeit ‚Wow, tolle Muskeln, ich bin beeindruckt’.“
„Findest du, dass ich tolle Muskeln habe?“, fragte er mit einem schiefen Lächeln.
„Sie sind ganz okay.“
„Fühl noch mal. Ich habe großartige Muskeln.“ Er hielt ihr seinen Arm hin, spannte seinen Bizeps an und sie fühlte noch einmal.
„Ich bin mir nicht sicher, ob es da einen Unterschied gibt“, witzelte sie.
Sie nahm ihre Hand von seinem Arm. Sie wusste, dass sie errötete. Draco lächelte. „Du solltest deine Autoren-Freundin einen Artikel hierüber schreiben lassen, damit jeder etwas von deiner Weisheit hat. Was noch?“ Er grinste immer noch. Sein Lächeln wollte nicht weichen und er wusste, dass er wie ein Trottel aussah. Er wusste nicht, ob es am Bier oder an der Gesellschaft lag; er wusste nur, dass er es mochte, wenn sie ihn berührte.
„Was noch?“, wiederholte sie seine Frage.
„Ja, was ist dann passiert?“, fragte er schließlich.
„Naja, manchmal hat sie, nachdem sie dich angefasst hat“, sie berührte wieder seinen Arm, „ihren Hals oder ihre Brust so berührt.“ Hermine legte eine Hand an ihren Hals und ließ sie dann zu ihrer Brust hinunter gleiten. „Das bedeutet ‚Ich bin offen und für dich bereit, und ich biete mich dir an’ und zieht außerdem Aufmerksamkeit auf einen Teil der weiblichen Anatomie, den die meisten Männer mögen.“
„Den Hals?“, fragte er mit einem breiten Grinsen.
„Tiefer“, sagte sie ungehalten.
„Das Schlüsselbein? Ich mag schöne Schlüsselbeine“, scherzte er.
„Ein bisschen tiefer.“
„Die Füße?“
„Höher, Idiot.“
„Ach, diese Teile.“ Seine Augen funkelten. „Siehst du, ich habe dir doch gesagt, dass du mir noch Einiges beibringen musst.“
„Nun, man kann viel durch eine Berührung ausdrücken.“ Er drehte sich um, nahm sein Bier vom Beistelltisch und nahm einen großen Schluck. Hermine nahm ihm die Flasche ab und trank ebenfalls. War es plötzlich heiß in der Wohnung? Ihm war heiß. War noch jemandem heiß?
Er beobachtete mit großem Interesse, wie ihre Lippen sich um die Öffnung der Flasche legten, und zwar der Flasche, die gerade noch an seinem Mund war, und fragte sich, wie sich ihre Lippen auf seinen anfühlen würden. Er löste die Bierflasche von ihrem Mund, trank selbst noch einmal und langte dann an ihr vorbei, um die Flasche auf den Kaminsims zu stellen. Dabei streifte sein Arm ihren Körper; sein Gesicht nur Zentimeter von ihrem entfernt.
„Du hattest genug“, behauptete er ernst, während er sich wieder aufrichtete. Er würde direkt zur Hölle fahren. Dessen war er sich sicher, weil er sich ihren nackten Körper vorstellte, während er so dicht bei ihr stand. Vielleicht hatte auch er schon genug.
„Ich dachte, ich habe deiner Meinung nach keinen Mann, weil ich nicht genügend trinke und jetzt sagst du, ich trinke zu viel.“ Er verwirrte sie.
„Lenk nicht vom Thema ab. Wo waren wir?“, fragte er, etwas benebelt.
„Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht einmal mehr, worüber wir gesprochen haben“, flüsterte sie rau.
„Ich weiß es noch: Du hast mir gezeigt, wie Marilyn mich berührt hat.“
„Madelyn“, verbesserte sie.
„Kommt aufs Gleiche raus.“
„Nicht wirklich.“
„Doch.“ Er lächelte. Stritten sie gerade über den Namen seiner Verabredung?
„Nein, weil das eine ihr Name ist und das andere nicht. Wie würde es dir gefallen, wenn man dich Drano nennen würde?“ Sie lachte. Bier machte sie glücklich. Drano – sie meinte Draco – auch. Sie wandte sich dem Sims zu, griff sich das Bier, nahm einen großen Schluck und bot ihm dann die Flasche an. Er nahm sie und trank den Rest. Er wollte nicht, dass sie noch mehr trank, also rettete er sie im Prinzip. So wie bei dem Heißwachs, überlegte er.
„Wovon haben wir noch mal gesprochen?“ Jetzt war Draco durcheinander, und ein klein wenig betrunken.
„Ich erklär’s dir: Du hast vorgeschlagen, dass ich dich so berühre, wie Marilyn es getan hat. Ich meine, Madelyn.“ Sie schüttelte ihren Kopf. Ihr war heiß und sie war durcheinander. Sie standen fast Nase an Nase, berührten sich aber nicht. Es hatte ihm keine Probleme bereitet, diese Frau heute Abend anzufassen. ‚Fass mich an!’, schrie sie in ihrem Kopf.
„FASS MICH AN!“, schrie sie. Oh, sie hatte es nicht in ihrem Kopf geschrieen. Großer Gott, sie hatte es laut gesagt.
„Wie bitte?“ Er hob eine Augenbraue.
„Das war keine Aussage, bei der man die Augenbraue hochziehen muss, also mach sie wieder runter“, sagte sie und berührte seine Augenbraue, um sie nach unten zu streichen. Und auch, wenn er nichts fühlte, wenn sie ihn berührte, spürte sie es doch hundertfach. „Ich meinte, du sollst mir jetzt zeigen, wie du sie berührt hast.“ Sie fand, das war eine gute Ausrede. Sie schwankte ein wenig und sagte, „Können wir uns dafür hinsetzen, Draco Malfoy? Mir ist so schwindelig.“
„Sicher.“ Er wäre lieber gestanden – und das nächste Mal, wenn sie geschwankt hätte, hätte er sie aufgefangen – aber ihm war selbst schwindelig, also sollten sie sich wirklich hinsetzen. Sie konnte direkt neben ihm sitzen. Er setzte sich auf ihr Sofa, klopfte auf den Platz direkt neben sich und sagte „Sitz, Hermine. Also, du behauptest, ich habe sie angefasst, ja?“ Sie ließ sich neben ihn aufs Sofa fallen, drehte sich zu ihm und er erwiderte die Bewegung. Sie hatte das Gefühl, nicht mehr richtig sehen zu können, weil er ihr so nah war.
„Ja, du hast ihre Wange berührt.“
„Ja, stimmt. So.“ Seine Fingerspitzen streiften sanft über ihre Wange, so leicht, dass sie es sich vielleicht nur eingebildet hatte, mal abgesehen von dem Kribbeln in ihrem Bauch. Das Kribbeln wurde zu einem Schmetterlingsschwarm, als er mit seiner Hand zu ihrer anderen Wange glitt und er mit seinem Handrücken und seinen Fingerknöcheln darüber strich. Großer Gott, sie mochte ihn so sehr. Vielleicht liebte sie ihn auch, und sie wollte ihn definitiv immer noch eines Tages einmal heiraten.
Sein Test funktionierte. Er mochte sie so sehr. Er mochte sie wirklich und das nicht nur als Freund. Er war in einer verzwickten Lage. Wie konnte er ihr sagen, dass er mehr sein wollte als nur ihr Freund, wenn er doch seit Wochen behauptete, dass sie eben nur das waren? Wie sollte er sicher sein, dass sie mehr wollte? Er neigte sich zu ihr und bedeckte ihre Wange mit seiner Hand. Sein Mund wanderte zu ihrem, schwebte dort eine Minute, bevor er sie berührte, und drückte dann einen sanften Kuss auf ihre Lippen. Er lehnte sich zurück, geschockt von seinem eigenen Verhalten. Dennoch wollte er es wieder tun.
„Warum hast du das gemacht?“, fragte sie leise. Sie konnte nicht klar denken. Er war so nah und sie war sich ziemlich sicher, dass er sie gerade geküsst hatte, außer, sie war so betrunken, dass sie bereits Halluzinationen hatte. Und sie musste SO dringend auf Toilette.
„Das mit der Wange? Bei ihr oder bei dir?“ Er fragte sich, ob er sie nervös machte. Er wusste, dass sie von dem kleinen Kuss und nicht von der Wangen-Sache sprach, doch er würde so tun, als meinte sie nicht den Kuss. Er wartete ihre Antwort nicht ab. „Ich habe es bei ihr als Test gemacht. Um zu sehen, ob die Chemie zwischen uns stimmt. Falls ja, sollten sich ihre Augen weiten und mein Herz schneller schlagen.“
„Hast du das im Propheten gelesen?“ Sie rückte ein winziges Stück von ihm ab. Das war genau das, was ihr geheimer Schreiberling gemeint hatte, und Draco wiederholte es wortgetreu.
Er würde sowieso schon in die Hölle kommen, also würde es auch nicht mehr stören, wenn er log. „Ja, ich habe den Artikel von diesem wunderbaren Autor gelesen, der über Beziehungen schreibt. Man berührt die Wange einer Frau und merkt, ob die Chemie stimmt.“
„Stimmt sie?“ Sie lehnte ihren Rücken an die Sofalehne und blickte hinauf zur Decke. „Der Autor sagt, dass die Berührung einer Wange eine intime Geste ist, und dass man sofort erkennen kann, ob man jemanden mag oder sich zu ihm hingezogen fühlt. Wenn man Funken oder einen Stromschlag spürt, oder sie zusammen zuckt und dein eigener Puls sich beschleunigt, dann ist da etwas. Also war es so bei dir?“ Sie atmete schwer und wirkte besorgt.
Draco fand, dass sie sehr viel sprach. Außerdem war er davon abgelenkt, wie sich ihre Brüste hoben und senkten. „Was?“ Wollte sie wissen, was er bei ihr oder bei Madelyn gefühlt hatte? Verdammt, war er betrunken.
„Stimmt die Chemie bei ihr?“, fragte sie.
Er war dankbar, dass sie sich klarer ausdrückte. „Nein, bei ihr nicht.“
Schließlich sah sie ihn an. „Glaubst du, dieser Test ist hundert Prozent idiotensicher?“
„Ja.“
„Du hast meine Wange an dem Abend berührt, als ich Lasagne gemacht habe.“ Sie wollte hinzufügen ‚und hast dabei nichts empfunden’, tat es aber nicht. Es war eine Feststellung, keine Frage. Er konnte sich ehrlich nicht daran erinnern, das an jenem Abend getan zu haben. War es wirklich so? Bevor er eine weitere Frage stellen konnte, fragte sie, „Wann hast du sie noch berührt, ich habe nur das mit der Wange gesehen?“
Er war sich nicht bewusst gewesen, dass sie das gesehen hatte. „Das hast du gesehen?“
„Ja.“
ER WOLLTE SIE IN DIESEM MOMENT SO GERN KÜSSEN, DASS ER GLAUBTE, ER WÜRDE STERBEN!
Hermine Granger war die einzige Frau, die er jemals als Freund betrachtet hat, und er würde es ruinieren, indem er sich an sie ranmachte und sie würde ihn dafür hassen. Sie würde nie wieder mit ihm befreundet sein wollen und wenn er jetzt Mist baute, hätte er keinerlei Chance mehr, falls sie eines Tages mehr wollen würde. Er wusste, dass er mehr wollen würde. Er wollte jetzt mehr.
Weil er nicht wusste, was er sagen sollte, log er wieder. „Ich habe mich einmal zu ihr gebeugt und so getan, als wollte ich ihr ein Geheimnis anvertrauen.“ Das war nie passiert.
„Du hast sie berührt, um ihr ein Geheimnis zu verraten?“, fragte Hermine. Dieses Glückskind. „Hast du denn eins?“
„Jetzt schon“, antwortete er.
„Was für eins?“ Er strich ihr vorsichtig eine Strähne von der Schulter und kämmte sie hinter ihr Ohr. Dann neigte er sich zu ihr, seine Lippen berührten fast ihre Haut, und flüsterte, „Du siehst heute Abend so unglaublich hübsch aus.“
Sie drückte ihn mit beiden Händen von sich, verwirrt über seine Aussage. Meinte er, dass sie hübsch aussah oder war es das, was er zu Madelyn gesagt hatte? Eine Sache wusste Hermine Granger sicher: Draco Malfoy verwirrte sie.
Als sie ihre Hände auf seine Brust legte, dachte er, dass sie sich vorbeugen und ihn vielleicht auch küssen würde, doch stattdessen stieß sie ihn weg. Er lehnte sich wieder an die Couch. Plötzlich stand er auf und zog sie mit sich. Sie war mehr als gefügig; fast, als stünde sie unter einem Zauber.
Er trat einen Schritt zurück, legte die Hände auf ihre Oberarme und zog sie mit sich. Ihre Augen waren so groß wie Untertassen. Sie hatte keine Ahnung, was er tat oder wohin er sie führte. Wieder legte sie ihre Hände auf seine Brust. Er wollte sehen, ob sie für einen Kuss empfänglich wäre, doch sie hatten beide zuviel getrunken und er spürte, dass sie beide durcheinander und desorientiert waren. Er war sich nicht einmal sicher, was er vorhatte. Er hielt seine Hände auf ihren Armen und trat einen weiteren Schritt zurück, stieg dabei jedoch auf die Bierflasche, die er vorhin auf den Boden gestellt hatte. Das Glas zerbrach unter seinem Fuß.
Er sah nach unten, die Hände immer noch auf ihren Armen, ließ jedoch jetzt los. „Tut mir Leid, ich habe Bier verschüttet und die Flasche kaputt gemacht.“ Außerdem riss er sie aus ihrem Zauber. Scheinbar war das die Zauberformel. Sie löste sich aus seiner Reichweite, rannte in die Küche und kam mit einem Lappen und Schaufel und Besen zurück. Er bückte sich und begann, die Scherben einzusammeln. Sie kniete sich neben ihn. Er legte die großen Stücke in ihre ausgestreckte Hand und wischte dann den Boden sauber. Sie lief wieder in die Küche und warf die großen Scherben in den Mülleimer.
„Hey, Hermine, ich glaube, ich habe mir in die Hand geschnitten“, rief er aus dem anderen Zimmer.
Sie hatte ihn nicht einmal gehört. Sie war in der Küche, benebelt, und fragte sich, was zum Geier zwischen ihnen passierte.
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Hier nun Kapitel 8. Wie immer vielen Dank an Heily!
@Emilia1990: Gerne ;)
@morla79: ach irgendwann bekommen sie das schon noch hin ;)
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