
von Nitsrek
Benjamin Franklin war ein großer Mann. Er schrieb einst ein Buch namens „Poor Richard’s Almanac“ und eines der berühmtesten Zitate dieses Buches lautete „Frühes Zubettgehen und frühes Aufstehen machen einen Mann gesund, wohlhabend und weise.“
Nun, Draco Malfoy war gesund. Draco Malfoy war extrem wohlhabend, aber er war das absolute Gegenteil von weise. Er war so weit entfernt von „weise“, dass er es nicht einmal mit einem Kompass würde finden können. Wenn er in einem Wörterbuch nach dem Gegenteil von „weise“ suchen würde, würde dort stehen „siehe Draco Malfoy“.
Er liebte sie. Wirklich. Er liebte sie so sehr, dass sein Herz brach, weil sie glaubte, es wäre zu spät. Verfickt und zugenäht. Ehrlich gesagt würde er sie gerne… naja… aber das war eine andere Geschichte.
Er wachte früh auf, sie lag neben ihm und er wusste, dass er Recht hatte. Er streichelte ihr Haar und sie dort. Er löste sich aus ihrer Umarmung und watschelte in ihr Esszimmer. Es war erst 6:15 Uhr. Er hatte Zeit. Er stellte ihren Wecker aus, damit sie ausschlafen konnte. Er hatte einen Haufen zu tun.
Er machte sich an seinen neuesten Artikel. Er schrieb darüber, dass jeder einen Traum hatte. Der Traum vom perfekten Leben und dem perfekten Partner war nicht ausschließlich Frauen vorbehalten. Männer träumten auch oft genug davon. Er schrieb, dass er eine Ehefrau wollte, ein Kind, einen Hund oder vielleicht auch eine Katze. Er schrieb, dass es für Männer schwerer wäre, diese Träume auszudrücken und sie doch nicht in die Realität umsetzen zu können, weil Männer im ‚Hier und Jetzt’, nicht im ‚Eines Tages’ lebten. Er schrieb, dass nur, weil Männer nicht herumliefen und über ihr zukünftiges Haus und ihre zukünftige Familie sprachen, das nicht hieß, dass sie es sich nicht genau so sehr wünschten wie Frauen. Vielleicht wollten sie es sogar noch mehr. Vielleicht hatten sie nur einfach zu viel Angst davor, über ihre Träume zu reden. Nicht, weil sich jemand darüber lustig machen könnte, sondern weil sie Angst hatten, dass sie sich nicht erfüllten.
Er fand einen Umschlag, steckte den Hand geschriebenen Artikel hinein und benutzte seinen Zauberstab, um den Brief in ihren Briefkasten wandern zu lassen. Dann ging er nach unten um zu duschen, sich zu rasieren und sich auf ihr Date vorzubereiten, was seiner Schätzung nach in zwei Stunden, also um neun Uhr morgens beginnen würde. Er sprach einen kleinen Zauber, um sicher zu stellen, dass sie ihre Wohnung nicht verlassen konnte, dann bereitete er den Tag vor.
Hermine wachte überrascht auf. Sie blickte auf ihre Uhr und bemerkte, dass es schon nach Acht war. Normalerweise war sie um diese Zeit schon auf der Arbeit. Sie wachte doch sonst immer um halb Sieben auf! Beunruhigt sprang sie aus dem Bett und rannte in ihr Badezimmer, um zu duschen. Sie zog sich in Rekordzeit an und fütterte Iggy, dann schnappte sie sich eine Banane. Sie packte ihre Tasche und lief zur Tür. Als sie den Griff berührte, stolperte sie rückwärts auf ihren Hintern.
„Was?“, fragte sie niemand bestimmtem.
Sie stand auf, griff erneut nach der Türklinke und wurde wieder von einer unsichtbaren Kraft auf ihren Hintern befördert. Diesmal tat es etwas weh. Sie stand noch einmal auf und versuchte es mit ihrem Zauberstab. Keine Chance.
Sie war mehr als verstört. Sie lief zum Flohnetzwerk, um sich beim Tagespropheten zu melden. Ihre Assistentin beantwortete ihren Anruf.
„Hi, Hermine. Wie fühlst du dich?“, fragte das Mädchen.
„Okay, außer, dass ich zu spät bin, aber aus irgendeinem Grund komme ich nicht aus meiner Wohnung“, sagte sie. „Ich werde das Flohnetzwerk benutzen, kannst du also bitte sicherstellen, dass die Verbindung zu meinem Büro offen ist?“
„Ich dachte, du wärst krank“, sagte das junge Mädchen.
„Wie kommst du denn darauf?“, fragte Hermine.
„Naja, normalerweise melden Leute sich nur krank, wenn sie krank sind. Mach dir keine Sorgen um uns; wir schaffen schon einen Tag ohne dich. Erhol dich einfach. Durchfall mit Brechreiz ist nie eine gute Kombination und um ehrlich zu sein war der Chef froh, dass du nicht trotzdem kommst und alle ansteckst.“
„Brechreiz? Durchfall? Wer hat behauptet ich hätte das?“, fragte Hermine.
„Draco Malfoy. Und nun ruh dich aus.“ Das Mädchen brach die Verbindung ab. Hermine stampfte mit dem Fuß auf. Aus irgendeinem Grund wurde sie als Geisel gehalten und das gefiel ihr nicht im Geringsten. War das die Rache für ihre Abfuhr letzte Nacht? Sie suchte nach ihrem Telefon, um Harry anzurufen. Sie wusste, dass er immer erreichbar war.
Wo war ihr Telefon? Es war weg! Sie suchte in ihrer Handtasche nach ihrem Handy, aber auch das war weg.
Sie setzte sich in den bequemen Sessel neben dem Sofa und wartete. Draco Malfoy steckte gewaltig in der Tinte.
Draco stand in seiner Wohnung und ging seine gedankliche Check-Liste durch. „Okay, ich habe die Kekse, Popcorn, Filme und Bücher, Spiele, Peitsche und Ketten“, lachte er. „Okay, die letzten beiden streichen wir. Was brauche ich sonst noch? Oh, Eis!“ Er packte die Verpflegung und lief zu ihrem Apartment.
Er nahm den Zauber von ihrer Tür und trat sie mit einem Fuß auf, da seine Hände voll waren. Sie saß in ihrem Sessel, Arme und Beine verschränkt und starrte ihn voller Verachtung an. Er fand es putzig.
„Kidnapping ist gegen das Gesetz, Malfoy“, sagte sie mit ruhiger Stimme.
„Zum Glück ist das hier ein Date und keine Entführung. Ich bin nämlich zu hübsch für den Knast“, sagte er. Er leerte seine bepackten Arme auf dem Beistelltisch neben dem Sofa.
„Ein Date?“, fragte sie und löste ihre Arme und Beine.
„Du hast zugestimmt und soweit ich weiß, hast du deine Meinung bisher nicht geändert.“ Er lief mit einem Film in der Hand zu ihrem Fernseher. „Wie funktioniert das Ding?“
Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Das war ihr Date? „Was hast du für heute geplant?“ Sie stellte sich neben ihn und nahm ihm den Film aus der Hand.
„Ein Date. Filme, Snacks, ein Gedichtband und Eis, das du übrigens in die Gefriertruhe stellen solltest. Ein ganztägiges Date“, sagte er.
„Dem habe ich nie zugestimmt.“
„Du hast aber auch nie gesagt, dass wir das nicht machen werden“, sagte er.
„Du hast auf Arbeit angerufen und behauptet, ich wäre krank“, erinnerte sie ihn.
„Meine genauen Worte waren, dass dein Kopf in der Toilette steckt und du dich ständig übergibst und Durchfall hast und nicht weißt, ob du dich aufs Klo setzen oder dich davor knien sollst“, lachte er.
„Das ist nicht nett“, sagte sie verärgert.
„Hat dein Chef Harvey auch gesagt. Er hat gesagt, ich soll dir ausrichten, dass du erst Montag wieder kommen sollst.“
Er nahm die Snacks und das Eis und ging in ihre Küche. Als er ins Wohnzimmer zurückkehrte, war sie wag. Verdammt, er hatte die Tür nicht wieder zugesperrt. Er seufzte, ließ sich in den bequemen Sessel fallen, in dem sie gesessen war und schloss die Augen. Iggy sprang auf seinen Schoß. Mit geschlossenen Augen kraule er geistesabwesend die Ohren des fetten Katers.
Hermine kam ins Zimmer zurück. Sie hatte sich umgezogen und trug nun Jeans und einen Pulli, keine Schuhe und trat neben den Sessel. „Verzieh dich, Iggy, er ist mein Date und soweit ich informiert bin, steht er nicht auf Katzen.“ Draco öffnete seine Augen und beobachtete, wie sie den Kater von seinem Schoß scheuche. Sie setzte sich auf eine Armlehne und blickte ihn an.
„Nettes Outfit“, sagte er. Sie hatte sich nur umgezogen. Er konnte immer noch die Tür absperren.
„Ich wollte es bequem haben.“ Sie wollte aufstehen, doch er hielt sie am Arm fest.
„Können wir reden, bevor es los geht? So, wie wir es schon am Montag in deinem Büro hätten tun sollen?“, fragte er.
Sie stand auf, nahm seine Hand und führte ihn zur Couch. „Sprich.“
„Die Sache mit Kristen tut mir leid, das wollte ich nur klarstellen.“
„Zur Kenntnis genommen“, sagte sie lächelnd.
„Bist du dir nun wirklich nicht mehr sicher, was du für mich fühlst?“, fragte er.
„Bist du dir nun wirklich sicher, was du fühlst?“
Er dachte einen Moment nach. Die Wahrheit war, dass sie ihm eine Heidenangst machte. Bevor sie da war, gab es nur eine Art von Frau, die ihn interessierte, und zwar die Sorte, mit der man Spaß hatte und sie dann vögelte. Noch nie zuvor wollte er mit einer von ihnen zuerst befreundet sein, weder vorher, noch währenddessen oder hinterher. Er hatte bisher noch nicht einmal an Ehefrau und Kinder gedacht.
Egal, in welchem Sinn.
Er hatte einfach angenommen, dass das Schicksal so etwas für ihn nicht bereit hielt, da er sich nie danach gesehnt hatte. Er hatte es akzeptiert. Er hatte bisher noch nie seinen Lebensstil oder seine Entscheidungen in Frage gestellt.
Und dann, vor drei Monaten, hatte er Hermine Granger auf einer Weihnachtsparty gesehen. Sie war mit Lavender und Mike da und er hatte mit Mike gesprochen. Er hatte gefragt, „Ist das die, für die ich sie halte?“
„Ja, Hermine und Lavender sind gut befreundet“, sagte Mike. Und damit hatte alles angefangen. Hermine und Lavender hatte zu ihnen rüber geblickt, gewunken und er fand, dass Hermine das süßeste Lächeln hatte, das er je gesehen hat.
Ohne, dass er es damals wusste, hatte sie zum ersten Mal gesagt, dass sie ihn heiraten würde.
Lavender hatte sich zu ihr gebeugt und gefragt, „Was ist mit ihm? Draco Malfoy. Würdest du mit ihm ausgehen?“
Woraufhin Hermine antwortete, „Ich werde ihn eines Tages heiraten.“
Lavender machte einen Witz darüber, dass Hermine sich lieber schnell beeilen sollte, bevor er weg wäre.
Am nächsten Tag aßen er und das glückliche Paar zusammen Mittag und sie luden ihn zu ihrer Sylvesterparty ein. Er fragte sie, ob Hermine da sein würde und bemerkte dabei nicht den kleinen Blick, den das Duo wechselte, während sie ihm antworteten, dass sie definitiv da sein würde. Dann erzählten sie ihm, was Hermine an der Weihnachtsparty gesagt hatte. Sobald er zu Ende gehört hatte, sicherte er sich eine Einladung zur Sylvesterparty. Auch wenn sie ihre Bemerkung als Witz ausgaben, war er sich nicht sicher, ob es nur das war. Er versuchte sich davon zu überzeugen, weil einfach niemand solche Erklärungen völlig ernst meinte.
Jetzt wusste er, dass sie es so meinte, weil er, wenn er in den tiefen Rissen in seinem lange aufgegebnen Herz suchte, zugeben musste, dass er in dem Moment, als er sie auf der Weihnachtsfeier gesehen hatte, zum ersten Mal in seinem Leben den gleichen flüchtigen Gedanken gehabt hatte, und das machte ihm Angst.
Deshalb verhielt er sich so verwirrt und sorgenvoll. Auch wenn es ihm schwer fiel, es zuzugeben, war er auch nur ein Mensch.
Er blickte sie an, wie sie neben ihm auf der Couch saß, unwissend, was sie gerade gesagt hatte. „Ich war so in Gedanken verloren, ich habe keine Ahnung, was du gesagt hast“, gab er zu.
„Das ist nicht sehr ermutigend“, sagte sie. „Ich habe dich gefragt, ob du dir deiner Gefühle für mich sicher bist.“ Sie wollte aufstehen, doch er hielt sie fest.
„Warte einen Moment“, sagte er, weder im Befehlston, noch abgehackt. Sie setzte sich wieder. „Ich kann nicht sagen, dass ich dich liebe, weil ich noch nie verliebt war und nicht einmal weiß, ob ich Liebe erkennen würde, wenn sie mir direkt ins Auge spucken würde. Aber ich habe noch nie mit einer Frau soviel Spaß gehabt wie mit dir, vom Sex mal abgesehen.“ Sie verlagerte leicht ihr Gewicht und hörte ihm noch aufmerksamer zu.
Er fuhr fort. „Liebe ist etwas so Objektives, es hat für unterschiedliche Menschen unterschiedliche Bedeutungen und manchmal werfen die Leute dieses Wort einfach so in den Raum, ohne dass etwas dahinter steckt. Das kann und will ich nicht tun. Ich will jedoch eine Beziehung mit dir führen, die über Freundschaft hinausgeht und ist das nicht genau das, was du von Anfang an wolltest? Dass du für mich mehr als nur eine Freundin bist?“
Sie war einen Moment still. „Weißt du, es ist einfach so, dass ich noch nie ein voreiliger Mensch war, Draco Malfoy. Als ich Lavender an der Weihnachtsfeier gesagt habe, dass ich dich heiraten will, war das zuerst nur Spaß. Ich habe es zwar so gemeint, aber nicht wirklich, weil ich dich ja auch nicht richtig kannte. Als ich es dann den nächsten dutzend Leuten erzählt habe, habe ich die ganze Geschichte nur weitergeführt. Ich habe es immer noch nicht WIRKLICH gemeint. Ich wollte es vielleicht, weil ich eines Tages heiraten will, aber jetzt, wo ich Zeit hatte, über meine Gefühle nachzudenken, weiß ich, dass ich soweit bin.“
„Egal mit wem?“, fragte er.
„Natürlich spielt die Person eine Rolle. Ich drücke mich nicht richtig aus.“ Sie stand auf und entfernte sich von der Couch, versuchte herauszufinden, wie sie ihre Gefühle artikulieren sollte. „Ich bin eine starke, unabhängige Person.“ Sie drehte sich zu ihm um. „Ich sage nicht Frau, ich sage Person. Ich brauche keinen Mann, um meinem Leben einen Wert zu geben. Aber manchmal denke ich, es wäre nett, einen Mann um mich zu haben, der für mich Spinnen tötet, Gläser öffnet, bei meinem Auto einen Ölwechsel durchführt und sich um die Reparaturen kümmert.“
Draco lächelte. „Klingt als bräuchtest du einen Diener, keinen Mann. Ein Hauself würde reichen.“
Sie lachte. „Ich meine nur, dass ich trotz meiner Unabhängigkeit jemanden will, der sich manchmal um mich sorgt, ich will jemanden, der daheim auf mich wartet und mit mir über meinen Tag spricht, der mir Tee macht, meinen Kopf streichelt, wenn ich traurig bin, mit mir meinen Lieblingsfilm guckt und der mich nicht verurteilt oder sich über mich lustig macht.“ Sie setzte sich wieder und nahm seine Hand.
„Glaubst du, ich könnte diese Person sein?“, fragte er.
„Ich weiß es nicht. Ich glaube, ich will, dass du es bist, aber ich habe mich noch nie jemandem gegenüber geöffnet, zumindest nicht wirklich, also vielleicht hätte ich das schon alles, wenn ich nur jemandem die Chance gegeben hätte.“
„Gib mir die Chance.“
„Bettelst du etwa, Draco Malfoy?“, fragte sie mit einem schiefen Lächeln.
Er grinste sie an. „Malfoys betteln nie. Das war ein Befehl. Willst du nie einen Mann um dich haben, der dir Befehle gibt? Bring mir meine Hausschuhe und meine Zigarre! Koch mir Eier! Komm und hab Sex mit mir! Siehst du, Befehle.“
„Du bist so lustig“, seufzte sie mit einem falschen Lachen. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter. „Wir sind letzte Nacht etwas weit gegangen.“
„Oder nicht weit genug, kommt ganz drauf an, wen du fragst.“
Sie ignorierte seinen Kommentar und beugte sich über ihn, um an die Taschen zu kommen, die er auf den Beistelltisch platziert hatte. Er mochte es, wenn ihr Körper so an seinen gedrückt war, egal aus welchem Grund. „Was haben wir denn da?“ Sie stellte die Tasche auf seinem Schoß ab und nahm die Sachen heraus.
„Kekse?“, fragte sie und hielt sie hoch.
„Ja, die brauchen wir eventuell, auch die anderen Süßigkeiten da drin“, sagte er und angelte sich eine Tüte heraus.
Sie griff wieder in die Tasche und nahm den Gedichtband. „Yeats?“
„Wäre dir Browning lieber?“, fragte er.
„Yeats ist ein bisschen ermüdend und deprimierend. Vielleicht sollten wir zuerst was trinken.“
„Sagst du das, weil er ein Ire ist? Ich wusste nicht, dass du Vorurteile hast“, lächelte er.
„Mein Urgroßvater kam aus Irland, Malfoy; Ich meinte nur, dass mich das vielleicht in die richtige Stimmung versetzen würde.“ Sie warf das Buch neben dem Sofa auf den Boden.
Sie langte wieder in die Tasche und Draco sagte, „Pass auf, was du mit deinen Händen machst. Die Tasche liegt auf meinem Schoß, weißt du.“ Sie zog ihre Hand raus und setzte sie auf dem Boden ab. Dann zog sie eine Weinflasche heraus. „Passend zu Yeats“, sagte Draco.
„Ha, du bist so witzig.“ Sie schaute noch einmal in die Tasche. „Sixteen Candles?“
„Ich dachte, wir können ihn zusammen anschauen, damit ich verstehe, was ich bei deinem perfekten Date falsch gemacht habe. Ich habe schon den anderen Film in das Abspiel-Dingens gesteckt, aber wir können auch den hier zuerst anschauen.“
„Wie heißt der andere Film?“
„Der weiße Hai.“ Sie fing an zu lachen und er schien völlig ernst. „Ich mache nur Witze.“
Sie stand auf und lief zum Fernseher. Sie nahm die Hülle in die Hand. „Zeit der Zärtlichkeit.“ Sie legte die Hülle zurück auf den Fernseher. „Das kommt dann nach Yeats.“
„Ist das kein Liebesfilm?“, fragte er. „Der Titel klingt romantisch. Die Frau im Videoladen sagte, es wäre einer ihrer Lieblingsfilme.“
Sie seufzte. „Wenn du denkst, dass ein Film über eine nörgelnde Mutter und ihre Tochter, die überhaupt nichts gemeinsam haben, romantisch ist, dann schon. Wenn du denkst, dass ein Film über ein Ehepaar, das sich betrügt, romantisch ist, auf jeden Fall, lass ihn uns gucken. Wenn du denkst, dass ein Film über eine Frau, die an Krebs stirbt und drei kleine Kinder zurück lässt, ein Liebesfilm ist, nichts wie los.“
„Himmel, Granger, ich glaube, wir sollten das Ding lieber verbrennen.“ Er stand auf und warf das Video durch aus dem Zimmer.
„Du musst das bezahlen, wenn du es kaputt machst.“
Er zuckte nur mit den Schultern.
„Okay. Was hast du in die Küche gebracht?“
„Eis und Knabberzeug“, erzählte er. „Außerdem habe ich hier noch zwei Kartenspiele.“
Er zog ein ‚Schwarzer Peter’ und ein normales Muggel-Kartendeck hervor. „Schwarzer Peter ist für dich.“ Er warf das Spiel nach ihr und sie schmiss die Karten einfach über ihre Schulter, wo sie neben der Videokassette landeten, die er schon geworfen hatte.
Sie zog noch eine Dose Sprühsahne und ein Paar Handschellen raus. Dann sah sie ihn sehr böse an.
„Die habe ich in letzter Sekunde noch da rein. Falls wir keine Lust mehr auf Schwarzer Peter haben. Vielleicht wären sie aber auch fürs zweite Date besser geeignet.“ Er nahm ihr die Sachen ab und steckte sie wieder ein. „Also, zuerst Gedichte, Gespräche oder Film?“
„Film.“ Sie nahm ‚Sixteen Candles’, steckte ihn in das Gerät und setzte sich neben ihn.
Der Film lief erst kurz, als er sich zu den Naschsachen beugte. Sie lag am anderen Ende des Sofas. Er öffnete die Tüte und legte dann ihre Füße in seinen Schoß. Sie lächelte ihn an und wandte sich wieder dem Film zu.
Er steckte seine Hand in ihre Hosenbeine, zu ihren nackten Knöcheln direkt über ihren Socken, und zeichnete kleine Kreise mit seinen Fingern. Sie war sich seiner Handlung schmerzhaft bewusst und wurde immer erregter. Sie sah ihn kurz an, doch er schien auf den Film konzentriert zu sein. Tat er nur so oder war es wirklich so? Es war ihr egal, so lange er nicht aufhörte.
Seine Hand fuhr mit ihrer scheinbar unbewussten Tour ihr Bein hoch und runter fort. „Dieser Film ist dumm“, sagte er.
„Ist er nicht.“
„Ich verstehe den Humor nicht.“
„Es ist amerikanisch“, antwortete sie.
„Oh, daran wird es wohl liegen.“ Er zog seine Hand aus ihrem Hosenbein und sie wollte sich gerade beschweren, als er sie auf ihrer Jeans an ihre Hüfte legte. Sein Daumen rieb langsam vor und zurück. „Weißt du, ich habe schon amerikanische Komödien gesehen und darüber gelacht, also glaube ich nicht, dass es daran liegt.“
„Naja, es ist ein älterer Film.“
„Daran liegt es auch nicht.“
„Draco, sei bitte still.“
„Kommen Jake und Samantha überhaupt jemals zusammen, weil wenn nicht, werde ich schreien“, sagte er.
Sie lachte.
Er fuhr fort. „Ich hasse Filme oder auch Bücher und Geschichten, bei denen das Paar erst ganz zum Schluss zusammen kommt.“
„Naja, erinnere dich mal an unsere Verabredung. Das ist das Filmende und ihre erste Interaktion, und sie dauert nur ein paar Minuten am Filmende.“
Seine Hand schlug auf ihren Hintern und sie setzte sich auf. „HEY!“
„Im Ernst, Granger.“ Er stand auf und stellte den Fernseher ab. „Ich verschwende keinen weiteren Moment meines Lebens damit, einen dummen Ami-Film aus den 80ern anzuschauen, wenn die beiden sich nicht einmal bis zum Ende küssen!“ Er fing an, ihre triste Filmsammlung zu durchforsten. „Hast du nicht ‚Der weiße Hai’?“
„Nein“, lächelte sie. „Das hier ist mein erstes Date mit dir und wir gucken uns nicht ‚Der weiße Hai’ an.“
„Dumme Muggel und ihre dummen Filme“, sagte er.
„HEY!“
Er entließ sie mit einem Winken und setzte sich neben sie. „Sei nicht beleidigt. Du machst keine Filme.“
„Der Muggel-Teil beleidigt mich.“
„Aber du bist kein Muggel.“ Er grinste schelmisch. „Lass uns die letzte Szene aus ‚Der weiße Hai’ nachstellen.“ er warf sich plötzlich auf sie, nagelte sie auf der Couch fest und kitzelte ihre Rippen.
Sie trat nach ihm und schrie vor Lachen. Er hörte auf sie zu kitzeln und sie sagte, „Niemand in dem Film kitzelt den Hai, Draco Malfoy.“
Sie seufzte. „Ich muss meine Post holen. Ich warte auf einen Brief von meinen Eltern. Sie machen Urlaub in Südamerika.“ Sie lief zur Tür und fiel wieder einmal auf ihren Hintern.
„Tut mir leid“, sagte er und berührte den Griff mit seinem Zauberstab. „Ich musste sicher gehen, dass du nicht wieder gehst.“ Als ihm wieder einfiel, dass sein Brief in der Post war, sagte er, „Ich werde die Post holen, ich woll schauen, ob ich auch etwas habe.“
Er kam zurück mit dem Brief ihrer Eltern und dem großen Umschlag mit dem Artikel.
„Was ist in dem großen, Hermine?“
„Ich weiß nicht“, sagte sie und öffnete ihn zuerst. „Vielleicht eine Bombe.“
„Kabumm!“, sagte er und ließ sich neben ihr auf das Sofa fallen.
„Oh, es ist der Artikel von meinem mysteriösen Schreiberling.“ Sie fing an zu lesen. „Dieser Kerl ist brillant.“
„Glaubst du?“, fragte er.
„Ja. Ich wünschte nur, er würde mir sagen, wer er ist. Er verdient es, für diese Artikel bezahlt zu werden.“
„Vielleicht schreibt er nicht des Geldes wegen. Ich weiß, was du tun solltest: Verkuppel ihn mit der Autorin und lass sie über ihr Date schreiben. Das wäre ein Brüller.“
Sie sah plötzlich auf. „Nein, das wäre nicht gut.“
„Sicher wäre es das. Wer ist die Autorin? Ich meine, du hast gesagt, du kennst sie, also ist es kein Geheimnis.“
„Nein, aber sie möchte lieber unerkannt bleiben“, log Hermine. „Draco, macht es dir etwas aus, wenn ich das hier schnell editierte? Es wird nicht lange dauern.“
„Während unserer Verabredung?“
„Komm schon, unser Date geht schon zwei Stunden.“
„Hast du mich schon satt?“, fragte er.
In Wirklichkeit wollte sie ihre Antwort schreiben, solange sie noch frisch war. Sie würde darüber schreiben, wie Frauen lieber auf der sicheren Seite blieben und Angst davor hätten loszulassen und den Stier bei den Hörnern zu packen. Sie hatten immer Angst, dass man dann schlecht von ihnen dachte. Sie hatten Angst, dass man sie nicht mochte. So ging es ihr zumindest. „Bitte, Draco.“
„Du musst mich nicht um Erlaubnis fragen.“
„Ich weiß.“ Verdammt, er bewies gerade ihren Standpunkt. Sie bat um Erlaubnis und hatte Angst ihn zu enttäuschen. „Gib mir eine halbe Stunde. Sie rannte ins Esszimmer.
Er fing an, durch ihre Wohnung zu lspazieren und untersuchte alles wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal die Welt erkundet. Er lief hinter ihr ins Esszimmer. Sie schrieb sehr viel und editierte nicht. Interessant. Sie schrieb ihren Artikel! Er lief in ihr Schlafzimmer und öffnete die Schubladen der Kommode. Alle. Er schaute kurz in Richtung der Bücher in ihren Bücherregalen, und fand schließlich ihr Tagebuch in einer der Schubladen. Oh, das wird sicher lustig. Er steckte das Buch unter sein Hemd, lief zur Schlafzimmertür und schloss sie. Dann setzte er sich davor und öffnete ihr Tagebuch.
Nachdem er etwas geblättert hat, fand er einen relativ neuen Eintrag. Dort stand „Ich glaube, ich könnte mich leicht in einen Mann wie Michael Corner verlieben, wenn ich nicht schon in Draco verliebt wäre.“ Das war am Dienstag, vor ihrer Verabredung mit Corner.
Gut, Draco würde ihr keine Chance geben, sich in Corner zu verlieben. Er wusste nicht, was in ihn vorging, aber er riss die Seite raus und steckte sie in seine Tasche. Dann stand er wieder auf und legte das Tagebuch zurück in die oberste Schublade ihrer Kommode, unter die Socken, wo er es gefunden hatte.
„Draco?“, hörte er sie rufen. Er schloss hastig die Schublade und ließ sich auf ihr Bett fallen. Sie öffnete die Tür.
„Was machst du in meinem Schlafzimmer?“
„Die letzte Nacht gedanklich wiederholen.“ Er hielt ihr seine Hand hin. „Komm, lass uns das zusammen machen. Die besten Stellen könnten wir nachstellen.“
Sie blieb an der Tür stehen. „Ich denke, das war ein Fehler.“
„Ja, ich weiß, du hast mich ziemlich grob abblitzen lassen. Hier ist es kalt“, sagte er, zog die Decke weg und krabbelte vollständig angezogen darunter.
„Draco, es wird nicht wiederholt, noch nicht. Ich habe dir gesagt, dass ich durcheinander bin.“
„Seit wann?“ Er hatte es satt. Er warf die Decke zurück und zog die Seite aus ihrem Tagebuch hervor. „Vor zwei Tagen hast du gesagt, dass du in mich verliebt bist. Was hat sich geändert?“
„Was?“ Sie entriss ihm das Stück Papier, blickte zu ihrer Kommode und dann zurück zu ihm. „Wie kannst du nur!“
„Du liebst mich!“
„Raus!“, sagte sie.
„Granger, gib es einfach zu.“
„Du bist so unsensibel.“ Sie setzte sich auf das Bett, zerknüllte das Papier und warf es auf den Boden. „Warum ruinierst du all unsere Verabredungen?“
„Jahrelange Übung“, lachte er. Dann krabbelte er hinter sie und steckte seine Beine rechts und links neben sie. Er legte seine Arme um ihre Taille und küsste ihre Haare. „Sag mir einfach, was ich tun soll.“
„ICH WEIß ES NICHT! DESWEGEN BIN ICH JA AUCH VERWIRRT!“, schrie sie und ließ ihren Kopf hängen. Er legte seine Arme noch fester um sie.
„Du hast deinen Zauberstab nicht bei dir, oder?“, fragte er sicherheitshalber.
„Nein“, sagte sie leise.
„Dann sag mir bitte, was ich für dich tun soll.“ Er war so nervös. Er brauchte ihre Führung, weil er wirklich nicht wusste, was sie wollte oder von ihm erwartete.
Ohne sich zu ihm umzudrehen, sagte sie, „Du weißt, was ich fühle. Du hast es gelesen. Ich bin in dich verliebt. Liebst du mich?“ Da, sie konnte mutig sein. Sie konnte sagen, was sie dachte. Sie konnte es ohne Angst oder Sorge aussprechen.
Sie würde kein ‚Ich weiß es nicht’ akzeptieren, aber so war es nun einmal. Er wollte sie. Er wollte mit ihr hier und jetzt Liebe machen. Nichtsdestotrotz, er wusste, dass es mehr als Sex war, aber war es Liebe?
„Was ist Liebe, Hermine?“, fragte er leise in ihr Ohr.
Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, drehte ihn ein bisschen, um ihm in die Augen zu schauen und sagte, „Was ist Liebe? Die perfekte Antwort auf eine verwirrende Frage. Liebe ist die Berührung eines Liebhabers, ein sanftes Lächeln, das nur zwei teilen. Was ist Liebe? Händchen halten und am Strand spazieren gehen oder zwei Leben, die zu einem verschmelzen? Was ist Liebe, Liebe ist Schmerz, Kummer, Leidenschaft und Lust auf einmal und man durchlebt sie nie allein. Was ist Liebe? Die Bibel sagt, dass Liebe sanft und freundlich ist, nicht eifersüchtig und nicht egoistisch. Was ist Liebe? Dein Leben und deine Erinnerung zu teilen und jemanden zu haben, der sich an den einfachen Dingen, die du sagst, erfreut und in den alten Erinnerungen schwelgt. Liebe ist jemand, der sich um dich sorgt, egal was kommt. Wenn du dir die Zeit genommen hättest, die Seite vor dieser, die du herausgerissen hast, zu lesen, hättest du das Gedicht gesehen, das ich geschrieben habe und das das alles und noch mehr sagt.“
„Fühlst du das alles für mich?“
Sie atmete tief ein und schloss ihre Augen. Sie ging nicht auf seine Frage ein. „Weißt du, wie die letzte Strophe meines Gedichts geht?“
„Wie?“, fragte er, schloss seine Augen und legte seine Wange an ihre.
„Was ist Liebe? Liebe ist, sie nie beim Namen nennen zu müssen, weil sie von denen, die sie teilen, sofort erkannt wird.“
Sie öffneten ihre Augen gleichzeitig. Sie schob seine Arme von ihrer Taille und drehte sich zu ihm um. Er sah sie mit leicht geöffnetem Mund an. Er schien beinahe geschockt.
„Siehst du, Draco, wenn du mich lieben würdest, müsstest du mich nicht fragen, was Liebe ist und würdest mich auch ganz gewiss nicht fragen müssen, ob ich dich liebe. Du würdest sofort wissen, dass es so ist.“ Sie verließ ihr Schlafzimmer und lief den Flur entlang, sammelte alles ein, was er mitgebracht hatte und steckte es zurück in die Tasche.
Als er seinen Schock bewältigt hatte und immer noch nicht wusste, was es war, kam er zu ihr. Sie gab ihm seine Tasche, „Ich behalte das Eis, ich brauche es wahrscheinlich“, sagte sie mit einem traurigen Lächeln.
„Granger“, sagte er, dann nichts mehr.
„Mach’s gut, Draco. Wir sehen uns auf der Hochzeit. Ich habe immer noch vor mit Mike, Lavender und Michael zu gehen. Ich denke, ich bin nicht mehr verwirrt, aber es scheint, mein lieber, süßer Freund“, sagte sie und streichelte seine Wange, „dass du immer noch durcheinander bist. Ich werde nicht auf dich warten, nicht noch länger. Ich muss herausfinden, was es da draußen noch so für mich gibt, okay?“
„Sind wir wenigstens noch Freunde?“
Sie lächelte, aber es war falsch. Sie schluckte und versuchte, die Tränen zurückzuhalten. Er trat direkt vor sie und diesmal war er es, der ihre Wange streichelte. Er beugte sich vor und gab ihr einen sanften, verlangenden Kuss, der voller Fragen und Erwartung war. „Bitte sag mir nicht, dass wir keine Freunde mehr sind.“
„Ich glaube nicht, tut mir leid. Ich liebe meine Freunde, aber im Normalfall bin ich nicht in sie verliebt und ich glaube, so zu tun, als wäre alles normal, würde zu sehr wehtun, weißt du?“ Sie ließ den Tränen freien Lauf.
Er wollte ihr sagen, dass er sie liebte, aber er würde es nicht tun, bevor er nicht sicher wusste, dass er nicht Lust mit Liebe verwechselte. Das würde er ihr nicht antun! Vielleicht war das ja Liebe. Könnte es Liebe sein, dass er ihre Gefühle vor seine stellte? Er würde es herausfinden und wenn er eine Million Menschen fragen müsste.
Sie liebte ihn und nun musste er herausfinden, ob er es erwiderte, und dazu müsste er eine Zeit lang von ihr fernbleiben. Ihr Raum geben. Sie Michael ‚dem Mistkerl’ Corner überlassen.
Nun schluckte er. „Sei dir bewusst, Granger, dass wenn ich dir sage, dass ich dich liebe, ich nicht durcheinander sein werde. Falls und wenn ich es dir sage, wird es wahr sein.“
„Dann lass uns nur hoffen, dass es nicht zu spät ist“, sagte sie und schloss die Tür zu ihrer Wohnung, ließ ihn allein auf dem Gang zurück, mit einer Tasche voller Filme, Süßigkeiten und dummen Gedichten.
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Auch diesmal gilt mein Dank wieder meiner lieben Beta Emilia für ihre sehr gute und hilfreiche Unterstützung!
Liebe Grüße
Nitsrek
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