Abseits des Pfades - Shut down to a whisper
von Miss-Snape
Mit raschen Schritten und noch leicht erröteten Wangen hastete Hermine bis ans Ende der Bibliothek und ließ sich in einen hölzernen Ohrensessel direkt am Fenster nieder.
An diesen Platz kam sie schon seit Jahren um ihre Hausarbeiten zu verrichten, in zahlreichen Büchern zu blättern oder für anstehende Prüfungen zu büffeln.
Hier studierte sie die Hexerei und Zauberei.
Doch nicht jedes Mal sank sie in die weinrote Polsterung des Sessels mit der Absicht zu lernen - manchmal besuchte sie diesen Ort der Stille, wenn sie schlicht und einfach ihre Ruhe haben wollte, zum Beispiel zum Nachdenken - wie jetzt.
AufgewĂĽhlt und stocksteif saĂź Hermine im Sessel und umklammerte immer noch ihre BĂĽcher, die sie in den Armen hielt.
So verharrte sie mehrere Minuten, bis sie den schweren BĂĽcherstapel auf ihrem SchoĂź realisierte. Sie atmete tief ein, befreite sich von der Last ihrer in Leder gebundenen LektĂĽren und befahl sich selbst ihre Gedanken zu ordnen.
’Hermine, reiß dich zusammen. Du hast nichts verbrochen!’, redete sie sich selbst gut zu. Trotzdem schwirrten ihr allerlei Fragen im Kopf herum.
Was hatte dieser Vorfall zu bedeuten? Warum war Snape so erzĂĽrnt gewesen, als er sie erblickt hatte? Hatte es etwas mit dem Foto in seiner Hand zu tun? Wenn ja, scheint die wichtigste Frage zu sein: Was war auf dem Foto?
Mit zusammengezogen Augenbrauen grübelte sie vor sich hin – und so wurde ihr erst jetzt bewusst, dass der eigentliche Grund ihrer Verstörung nicht auf Snapes Reaktion auf ihr Auftauchen – ’Wenn Blicke töten könnten...’ – zurückzuführen war, sondern auf sein Verhalten, bevor er sie entdeckt hatte.
‚Ich habe Snape noch nie so... so...’, krampfhaft versuchte sie sich Snapes Gesichtszüge ins Gedächtnis zu rufen und eine passende Beschreibung dafür zu finden, da ihr dieser Ausdruck im Gesicht ihres Zaubertranklehrers zuvor vollkommen fremd gewesen war.
'Ja, genau! Ich habe ihn noch nie so... verletzlich gesehen. Er hat auf mich fast gebrochen gewirkt... oder auf gut Deutsch: wie ein Häufchen Elend.’
Die Erinnerung an diesen Anblick zerriss ihr fast das Herz.
Nie hätte sie sich erträumen lassen, dass sich hinter dem furchteinflößenden Auftreten ihres Zaubertranklehrers und seiner gehässigen, boshaften sowie niederträchtigen Art auch nur ein Funken von Menschlichkeit liegen könnte – dass dieser kaltherzige Mann überhaupt zu Gefühlen fähig war.
Sie hatte ihn tatsächlich in einer Situation erwischt, wo er emotional war, und somit verwundbar. Eine menschliche Eigenschaft.
Diese Erkenntnis löste in Hermine Unsicherheit aus – immerhin brachte es ihr festgefahrenes Bild von Snape zum Bröckeln.
Plötzlich tippte ihr jemand von hinten auf die Schulter, Hermine zuckte zusammen – abrupt wurde sie aus ihren Gedanken gerissen.
„Hey Mine, ich bin es doch nur“, erklang Rons Stimme.
Seine Hände umfassten ihre Schultern und er beugte sich mit dem Oberkörper zu ihr hinunter, so dass sich ihre Blicke auf gleicher Höhe trafen. Er grinste sie an.
’Mine...’, Hermine seufzte innerlich. Sie liebte es, wenn er sie mit diesen Kosenamen ansprach.
Seine Finger ruhten immer noch auf ihren Schultern - ein wohliger Schauer lief über Hermines Rücken. Sie spürte, wie er langsam mit seinen Fingern von ihrer Schulter runter zu den Schulterblättern fuhr und sich jeder Finger einzeln wieder von ihren Körper löste.
Diese Bewegung spielte sich innerhalb von ein paar Sekunden ab, aber fĂĽr Hermine lief sie in Zeitlupe ab.
Wie sehr sie solche BerĂĽhrungen von ihm zugetan war...
„Ich hab mir schon gedacht, dass ich dich hier finde.“
Er holte sie wieder in die Wirklichkeit zurĂĽck.
„Woher...?!“ Doch Ron unterbrach sie. „Woher ich wusste, wo du steckst? Lass mich nachdenken...“, feixte Ron und nahm gekünstelt eine Denkerposition ein.
Böse blickte Hermine ihn an, doch ein leichtes Schmunzeln huschte trotzdem über ihre Lippen. Ron grinste mit einem breiten Lächeln zurück.
Jedoch wandelte sich sein Gesichtsausdruck im nächsten Augenblick, und er schaute sie halb ernst, halb beunruhigt an.
„Du hast deine Hausaufgaben doch schon seit gestern Nachmittag fertig... Warum bist du dann so früh hier? Ist... ist irgendwas... los?“
Besorgt blickte er ihr in die Augen.
Überrascht über sein Verhalten zog Hermine die Augenbrauen hoch. Ihr war aufgefallen, dass es Ron einige Überwindung gekostet hatte diese Worte auszusprechen – immerhin war er ja sonst nicht so sensibel für das Innenleben seiner Mitmenschen.
„Oh, ähm...“, stammelte sie, „Ich... ich war mir nur wegen einer Formulierung nicht ganz sicher“, und tippte auf einen Pergamentbogen, der zwischen ihren ganzen Büchern hervorlugte.
Ron beäugte Hermine kritisch. Betreten senkte Hermine ihren Blick auf die antiken Dielen des Fußbodens. Nach einer halben Ewigkeit brach Ron die Stille.
Kaum merklich flüsterte er: „Mine, ich bin immer für dich da.“
Urplötzlich hob sie ihren Kopf und starrte Ron einfach nur an – ihr Herz raste.
Ein Glücksgefühl überwältige sie.
’Interessiert er sich für mich vielleicht doch mehr als ich angenommen habe?’
Ihr Herz machte einen freudigen HĂĽpfer.
„Ich weiß, Ron“, flüsterte sie gerührt zurück.
Andächtig blickten sich beide in die Augen – doch dieser Moment sollte nicht lange halten: Madam Pince tauchte zwischen den Regalen auf und räusperte sich auffallend deutlich. Sie warf den beiden einen strengen Blick zu – anscheinend störten sie die Ruhe der Bibliothek.
Rasch stand Hermine auf, kramte ihre BĂĽcher zusammen und setzte sich mit glĂĽhenden Wangen in Bewegung.
„Komm schon, Ronald, wir wollen doch nicht zu spät zum Frühstück erscheinen.“ Stirnrunzelnd folgte er ihr.
Letztendlich entschied er sich wohl, die Sache auf sich beruhen zu lassen, denn kaum hatten sie die Bibliothek verlassen, neckte er sie auch schon wieder.
„Du bist auch unverbesserlich.“
Nervös schaute sie Ron an. „Wie meinst du das?“
„Na, dass du eine unverbesserliche Streberin bist“, und zwinkerte ihr schelmisch zu.
Hermine verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen: „Jaah...“
Und somit verschwanden sie in die GroĂźe Halle, wo sie zusammen mit Harry frĂĽhstĂĽckten.
Nach dem Frühstück begann der Unterricht und ihre erste Stunde an diesem Tag war ausgerechnet Zaubertränke.
Doch ihre Befürchtung, dass Snape sie während der ganzen Unterrichtsstunde schikanieren würde, trat nicht ein. Im Gegenteil, er schien sie gar nicht wahrzunehmen, zu ignorieren. Sie machte sich nicht weiter Gedanken darüber, so dass ihr gar nicht auffiel, wie auffallend bewusst Snape sie mied.
Sie war einfach nur froh darĂĽber, nicht seinen Launen ausgesetzt zu sein.
Am Ende der Stunde räumte sie wie gewohnt ordentlich ihre Sachen zusammen. Harry und Ron waren schon davongeeilt. Sie wollten keine Sekunde zuviel in den dunklen Räumen der Kerker verbringen, schon Recht nicht, wenn Professor Snape anwesend war.
Sie war fast fertig, als sie noch eine zurĂĽckgebliebene Affodillwurzel auf Nevilles Pult bemerkte - Neville war schon weg.
'Kein Wunder, dass sein Trank nichts geworden ist. Er hat mal wieder die wichtigste Zutat vergessen.’
Sie schnappte sich die vergessene Ingredienz und brachte sie zum Lehrerpult. Snape stand immer noch dahinter und ordnete irgendwelche Zettel.
Hermine wollte gerade wieder das Pult verlassen als sie Snapes Stimme vernahm.
„Einen Moment noch, Miss Granger“, tönte es barsch zu ihr rüber.
Hermine blieb stehen und lieĂź ihre Augen schnell durch den Raum schweifen. Sie war die Einzige, die noch da war.
„Ich weiß nicht, was Sie glauben, heute früh gesehen zu haben, aber ich verspreche Ihnen, dass nichts so ist, wie es scheint. Besonders nicht, wenn man jemanden bespitzelt.“ Seine Worte schienen die Luft zu schneiden.
Empört erhob Hermine ihre Stimme: „Ich habe Sie nicht besp...“, doch Snape schnitt ihr gereizt das Wort ab.
„Ach ja? Und warum sind Sie dann wie ein aufgescheuchtes Huhn davon geeilt als ich Sie über die Treppenbrüstung hängend entdeckt habe?“
„Ich... das... also...“ Hermine stockte. Verärgert biss sie sich in die Lippe.
Hämisch grinste Snape sie an.
„Dass ich das noch erleben darf. Die altkluge Miss Granger hat keine Antwort parat. Tja... zu schade.“
Sie kochte vor Wut: „Bilden Sie sich darauf nichts ein!“
Er erwiderte ihre Reaktion lediglich mit einem belustigten Blick.
Hermine starrte ihn an, in der Hoffnung mehr als das aus ihm herauslocken zu können. Jedoch schien er es wohl dabei belassen zu wollen.
Gerade wollte sie sich wieder umdrehen und den nasskalten Raum verlassen, da hörte sie noch einmal Snapes schnarrende Stimme: „Nicht so eilig, Miss Granger.“
Sie drehte sich wieder um und trat missmutig auf Snape zu.
Snape funkelte sie an: „Der kleine Vorfall heute Morgen bleibt unter uns, ansonsten...“, und bedachte sie mit einem eisigen Blick.
Sie schnappte nach Luft – wollte er sie bedrohen?!
„Ansonsten, WAS?“
„Ansonsten könnte es böse für sie enden“, zischte er.
Diesen Tonfall konnte sie sich einfach nicht gefallen lassen.
„Ach ja, und wenn nicht? Ich meine, angeblich habe ich ja nichts Bedeutsames gesehen.“ Seine Zornesfalte wurde immer tiefer.
„Glauben Sie mir, Miss Granger, Sie wollen mich nicht auf die Probe stellen.“
„Ach, will ich nicht?“, säuselte sie frech zurück.
Snape bewegte sich mit einem Schritt auf sie zu, packte sie mit einer Hand am Hals und presste sie gegen die kalten Mauern des Kerkers.
„Nein, das wollen Sie nicht!“
Erschrocken japste Hermine nach Luft. Er lieĂź sie los.
Doch jetzt trennten sie keine fĂĽnf Zentimeter mehr voneinander. Langsam beugte er sich mit seinem Kopf vor, hauchdĂĽnn strich seine Wange an ihrer vorbei. Hermine wagte es nicht zu atmen. Innerlich bebte es in ihr.
Sie waren sich so nahe, dass sie mit jeder Pore ihres Körpers seine Wärme wahrnahm. Und seinen Geruch.
Flach atmete sie die Düfte ein, die er verströmte - er roch nach einer Vielfalt von getrockneten Kräutern und frisch gepresstem Pergament, gemischt mit einem leichten Geruch wie er in Kellern üblich war. Doch da war noch ein winziger Hauch von etwas anderem... etwas Süßlichem. Sie konnte es nicht deuten.
Sie spürte seinen Atem an ihrem Ohrläppchen. Seine Finger umklammerten ihre Handgelenke und seine Brust drückte sich auf ihre.
Ein seltsames Kribbeln entstand in ihrem Magen.
„Haben... wir... uns... verstanden?“, hauchte Snape ihr ins Ohr. Obwohl er ihr diese Worte kaum vernehmlich zugeflüstert hatte, hatte sie jedes einzelne Wort verstanden.
Hermine zitterte, jedoch nicht vor Angst.
Sie löste ihren angehaltenen Atem und raunte ein leises Ja.
Ihr Puls raste.
Snape trat einen Schritt zurĂĽck und betrachtete sie noch ein letztes Mal.
Dann rauschte er mit wehenden Umhang aus dem Kerker.
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Sooo, da das letzte Kapitel eher kurz war, gibt es diesmal ein etwas längeres Kapitel. :) Ich hoffe es gefällt euch!
@_Ginny-Hermine_ Über deine regelmäßigen Kommentare freue ich mich jedes Mal wieder! :) Und freut mich auch, dass ich Snape für dich realistisch rüberbringe, bin da wirklich am Zweifeln gewesen. Und danke für das Spruchband *g*
@LinnyPotter Erstmal danke für dein Kommi! Und wo ich so schreiben gelernt habe? In der Schule haben wir in Englisch und Deutsch sehr viele Aufsätze und Texte geschrieben, außerdem lese ich viel ;) Schön zu hören, dass dir mein Schreibstil gefällt.
@hpdm Hoffe das war schnell genug :D
@minimuff Schön, dass du meine FF entdeckt hast und sie dir auch noch gefällt! Und du bist nicht blöde, ich habe lediglich noch nicht das Geheimnis gelüftet, was genau auf dem Foto war ;)
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Es hat mich beruhigt, zu sehen, dass eigentlich niemand die Szenen beim ersten Take schafft.
Evanna Lynch