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Fanfiction

Abseits des Pfades - Unglück und Glück kommen aus dem selben Tor

von Miss-Snape

Erhitzt stürzte Snape in sein Büro, schloss hektisch die Tür hinter sich und lehnte sich mit angespannter Miene dagegen.
Er atmete tief ein und schloss seine Lider. Er versuchte den Anblick der jungen Miss Granger zu vergessen - wie sie verängstigt da stand, mit bebendem Brustkorb und ihn ungläubig anstarrte.

Schlagartig öffneten sich Snapes Lider wieder. In seinen stechenden Augen loderte der pure Zorn.
'Sie ist doch selber schuld! Ihre vorlauten Antworten... wie Potter. So unverfroren.’
Sein Blick wurde immer finsterer.
'Sie hat mich geradezu herausgefordert, dieses einfältige Gör!'
Ein höhnisches Schmunzeln breitete sich auf seinen Lippen aus, als er vor seinem inneren Auge nochmals ihr Aufbegehren, nein... ihren Widerstand ablaufen ließ.
'So naiv...'
Er spürte immer noch ihre intensiven rehbraunen Augen - Snape schüttelte verärgert den Kopf und besann sich eines besseren - nein, ihren aufdringendlichen... lästigen Blick auf ihm.

Wieder schloss er seine Augen, sein Brustkorb erhob sich behutsam als er nochmals tief durchatmete. Er versuchte die Szene, die sich vorhin abgespielt hatte, zu verdrängen. Es in die Tiefen seiner Seele zu verbannen. Es abzutöten.
Langsam schlug er seine Lider wieder auf.
Seine rabenschwarzen Augen zierten wieder diese unnahbare Leere, die man von ihm vertraut war.
Ja, wer in Severus Snapes Augen blickte, blickte in zwei lange stockfinstere Tunnel... nur das Licht am Ende des Tunnels suchte man vergeblich.

Snape straffte seine Schultern, zog seinen Umhang zurecht und ergriff filigran den Türgriff - doch als er durch die Tür glitt, schwebte immer noch der Duft von einem Hauch Jasmin in seiner Nase – der Duft ihres Haares.

Er wollte wieder zurück zu seinen Unterrichtsräumen - noch ein bisschen aufräumen bevor die nächste Klasse mit Dummköpfen wieder alles durcheinander brachte. Außerdem musste er noch einen Liebestrank vorbereiten zur Veranschaulichung.
Als er eintrat, stellte er zu seiner Erleichterung fest, dass sich die Granger vom Acker gemacht hatte.

Gerade war er dabei die notwendigen Zutaten für den Liebestrank zusammen zu sammeln, als hinter ihm eine wohl bekannte Stimme ertönte.

„Severus.“
Missmutig schaute Snape zu McGonagall hinüber, die gerade den Unterrichtsraum betreten hatte. Mit hochgezogener Augenbraue blickte er sie auffordernd an.
„Ich habe etwas mit dir zu besprechen, jedoch... auf den Weg in die Kerker hat mich eine ziemlich aufgewühlte Hermine Granger fast umgerannt. Leider wollte sie mir nichts Näheres zu ihrem Zustand erläutern. Weißt du etwas?“
„Nein“, erwiderte er barsch.
Streng blickte Minerva zu ihm rüber. Snape verdrehte genervt die Augen.
„Wahrscheinlich gehen nur pubertäre Gefühle mit ihr durch... Minerva“, spottete Snape abfällig. „Hat sich wohl eine Abfuhr eingefangen.“
Minerva blickte ihn nur undeutbar an und wechselte das Thema: „Nun Severus, der eigentliche Grund weshalb ich den Weg zu dir runter auf mich genommen habe, ist dass ich heute Morgen auf etwas gestoßen bin. Ich war damit heute früh schon bei Albus und er meinte, dass ich es dir zum Aufbewahren geben sollte.“

Grimmig ruhte seine Augen auf seiner Kollegin. Nachdem diese nicht auf seinen durchbohrenden Blick reagierte, räusperte Snape sich und erwiderte harsch: „Und was, bitteschön, soll ich aufbewahren?“

„Diesen Schlüssel hier.“ Sie zeigte einen schweren, kohlenfarbigen Schlüssel.
„Ich denke, er ist dir bekannt, nicht wahr?“
„Ja... na... natürlich.“ Severus war für einen Moment so perplex, dass er doch tatsächlich ins Stottern geriet. Doch er hatte sich schnell wieder gefangen.
„Lächerliche Frage“, blaffte er.
Dieser Schlüssel war ihm zweifellos bekannt. Und hätte er McGonagall beim morgendlichen Gruß angeschaut, dann wäre er nicht erst jetzt alarmiert.
Diese Information setzte ihn sichtlich in Erregung.

Der Schlüssel baumelte immer noch in McGonagalls Hand.

McGonagalls feste Stimme unterbrach seinen Gedankengang. „Ich war gestern Abend im Raum der Wünsche. Ich habe ein paar Erstklässler mit den Feuerwerkskörpern von den Weasley-Zwillingen erwischt und konfisziert. Damit kein weiteres Unheil angerichtet werden kann, wollte ich sie verstecken... du kannst dir ja denken wo. Auf jeden Fall bin ich dabei am Verschwindekabinett vorbeigekommen und da steckte doch tatsächlich der Schlüssel im Schloss.“ Sie machte eine Pause.
Snape schwieg, sein Gesichtsausdruck ließ keine Schuld erkennen. Und doch, er war schuld.

Eines Tages hatte er diesen Schlüssel in Dumbledores Büro entdeckt und ihn heimlich eingesteckt. 'Immerhin war das der perfekte Plan, um...'
Wieder riss McGonagall ihn aus seinen Gedanken.
„Ich kann mir wirklich nicht erklären, wie er dahin gekommen ist, jedenfalls habe ich das Kabinett abgeschlossen und den Schlüssel mitgenommen. Die Sicherheit der Schule war gefährdet.“
Snape nickte, nahm den baumelnden Schlüssel vor seinem Gesicht jedoch immer noch nicht wahr.
Mit ernster Miene blickte McGonagall ihn nun an.
„Nun Severus, hast du ein Problem mit Albus' Anweisung?“
„Welcher Anweisung?“, gab Snape verwirrt zurück, jedoch konnte man trotzdem einen leicht säuerlicher Unterton in seiner Stimme heraushören.
„Den Schlüssel sicher aufzubewahren“, kam die nüchtern trockene Antwort.
„Oh, ja, natürlich. Gib ihn her“, und streckte ihr seine offene Handfläche entgegen. McGonagall ließ den Schlüssel geräuschlos in Severus’ Hand fallen.
„Einen schönen Tag noch, Severus“, wünschte sie ihm noch, bevor sie wieder mit aufrechtem Gang aus dem Kerker verschwand, aber nicht ohne ihn vorher noch einen tadelnden Blick zuzuwerfen.

Gereizt kehrte Severus wieder zu seinem Pult zurück und wollte an einem Trank weiterarbeiten, doch er konnte es einfach nicht. Immer wieder warf er einen Blick auf diesen Schlüssel. Das konnte doch nicht sein... Minerva meinte doch, dass sie das Kabinett damit doch schon gestern Abend... aber wie...?
Oder hatte sie das Schloss vielleicht doch nicht richtig verriegelt und das Kabinett war immer noch offen?
Er musste es überprüfen.

Kaum jagte dieser Gedanke durch seinen Kopf, verließ er mit großen Schritten die Kerker und machte sich auf zum Raum der Wünsche.

Nachdem er sich vergewissert hatte, dass ihn niemand sehen konnte, glitt er durch die große Pforte und fand sich in einem Raum voller alter und kaputter Dinge wieder. Suchend wandelte er durch den Raum bis er auf das Verschwindekabinett stieß. Mit einem Ruck blieb er stehen und näherte sich dem Verschwindekabinett.
Vorsichtig steckte er den Schlüssel ins Schlüsselloch, drehte ihn um und klick, die zur Decke emporragende Tür öffnete sich mit einem leisen Knarren.
Kein Zweifel, das Kabinett war abgeschlossen gewesen.
‚Aber... wie war es dann möglich, dass...?’
Schnell schüttelte er diese Frage wieder aus seinem Kopf. Es hatte ihn nicht zu interessieren.

Diesmal zog er den Schlüssel wieder hinaus - noch mal würde er nicht den gleichen Fehler begehen und ihn einfach stecken lassen. Er beschloss die Tür durchgehend offen zu lassen.
Für den Fall...
Rasch ließ er den massiven Schlüssel in seine Hosentasche gleiten, wo er schwer und spürbar an seinem Körper lag.
Er wollte gerade wieder den Raum verlassen, da erblickte er, dass etwas im Verschwindekabinett lag.
Langsam öffnete er die Tür noch einen Spalt weiter, kniff seine Augen zusammen und beugte sich, um besser auf den Boden des Kabinetts sehen können. Ein weißer Umschlag zierte den trostlos verstaubten Boden. War das ein Brief?
Seine schlanken Finger tappten danach, mit einem Griff hob er ihn hoch und faltete das quadratische Stück Papier auf.
Er erblickte eine feine geschwungene Handschrift, die Buchstaben leuchteten in einem dunklem Grün auf dem Briefpapier. Die Tinte schien noch frisch, denn als Severus mit seinem Daumen darüber strich, verwischten die Buchstaben leicht und sein Fingerkuppe wurde durch die Farbe leicht grünlich verfärbt.
„Lumos“, wisperte er.
Das Licht fiel auf das leicht verstaubte Briefpapier. Die feinen Körner wirbelten um Severus’ Gesicht herum – seine Nasenflügel zuckten kurz auf.
Mit zusammengekniffenen Augen überflog er die Zeilen.

"Hinterlasse mir eine Notiz, wenn ich mich heute nach Hogwarts wagen kann.
Z.M."


Mit einem prägnant scharfen Schwung seines Zauberstabes brannte Snape seine Initialen in das Stück Papier. Als er es zurück ins Kabinett legte, rauchte das angesengte Briefpapier immer noch. Kaum hatte er die Tür zum Inneren des Verschwindekabinett zugezogen, schritt er schon auf den Ausgang dieses Ortes zu.
Kurz bevor er aus den Raum flüchtete, murmelte er mit seiner unvergleichbar tiefen Klangfarbe: „Harmonia Nectere Passus“
Er machte sich auf in seine Gemächer.
Den Schlüssel wollte er mit einem Desillusionierungszauber belegen und irgendwo in seinem Büro verstecken.

***

Es war schon weit nach Mitternacht als Severus ein dezentes Klopfen wahrnahm. Er blickte zur Tür, ließ seine Unterlagen, an denen er gerade gearbeitet hatte, in eine Schublade verschwinden und schritt in Richtung des Klopfens.
Mit einem süffisanten Grinsen auf den Lippen öffnete er die Tür.
„Guten Abend, Narzissa.“

Der süßliche Opiumgeruch ihres viel zu stark aufgetragenen Parfüms drang in seine Nase.





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Vielen Dank an alle, die mir ein Kommentar auf das vorherige Kapitel hinterlassen haben :)


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