
von Selena
Cho liefen die Tränen über das Gesicht, als sie davon stürmte. Weg von Cedrics totem Körper, weg von den geschockten Gesichtern ihrer Mitschüler, hinein in den verbotenen Wald. Sein Gesicht, die bewegungslosen kalten Augen wollten ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen. Vor ein paar Stunden hatten sie noch miteinander gescherzt und gelacht. Er hatte ihr einen Kuss auf die Stirn gegeben, sie angelächelt und gesagt „Bald bin ich wieder da.“ Und jetzt war er tot. Cho stolperte über eine Wurzel und fiel auf den Boden. Sie versuchte gar nicht erst wieder aufzustehen. Schluchzend rollte sie sich zusammen und vergrub ihre Hände im dreckigen Boden. „Cedric.“ Flüsterte sie leise und schloss die Augen. Sie spürte die Kälte um sie herum nicht. Sie bemerkte auch nicht, wie es immer dunkler wurde und wie mehrere Stimmen ihren Namen brüllten.
Sie konzentrierte sich einzig und allein auf Cedrics Stimme, auf seinen Geruch und seine Berührungen. Warum er? Warum nicht Potter? Cho schüttelte langsam den Kopf. Was dachte sie da nur? Harry war ihr sehr wichtig, aber sie liebte Cedric. Sie hatte Cedric geliebt. Denn jetzt war er nicht mehr da. Die Erkenntnis traf sie wie ein Schock. „Cedric!!“ schrie sie so laut sie konnte in die Schwärze des Waldes hinein. Der Schmerz in ihrer Stimme mischte sich mit der Trauer und dem Wunsch alles herauszulassen. Wütend schlug sie mit den Händen in die Erde. Dreck und Schlamm spritzte auf, aber ihre Wut wurde immer größer. „Verdammter Idiot!“ Sie schlug mit ihren bloßen Händen auf die Bäume ein, bis ihre Hände mit Splittern übersät waren und Blut daraus hervortrat.
Keuchend lehnte sie sich an einen Baum und richtete ihren Blick auf den Himmel, wo der helle Mond ganz alleine am Himmel schien. Er hatte zwar tausend Sterne um sich herum, aber sein Licht ließ alle anderen verblassen. Cedric war eher die Sonne gewesen. Wo er war, stellte er die anderen in den Hintergrund. Ein Lächeln von ihm und jedes Mädchen fiel in Ohnmacht. Eine Träne und jeder wollte ihn trösten. Ein verletzter Blick und alle wollten den Ursacher dieses zur Rede stellen. Er war ihr Schicksal gewesen und hatte sie immer wieder zum Lachen gebracht. Die gemeinsamen Abende mit ihm zogen an ihrem inneren Auge vorbei. An einen erinnerte sie sich besonders.
Sie waren zum See gegangen, an dem sie schon so viele Abende gewesen waren. Aber heute lag eine Spannung in der Luft, die schwer zu beschreiben war. Cedric zog sie dicht zu sich heran und legte einen Arm um sie. „An was denkst du gerade?“ Cho lächelte glücklich und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. „Was ich doch für ein Glück habe neben dir zu sitzen.“ Cedric lachte kurz und leise auf. „Nicht du hast Glück, sondern ich. Du bist mein kleiner süßer Mond.“ Cho griff nach seiner Hand und drückte sie leicht. „Und du meine Sonne.“ Es war Cedrics Verdienst, dass sie viel mehr lachte, als früher. Es war sein Verdienst, dass sie sich nicht mehr alleine fühlte. Sein Verdienst, dass sie nach langer Zeit endlich wieder das Gefühl hatte zu leben. „Ich bin einer Sonne so unähnlich, wie du einem Todesser. Du hast mich erst zu dieser Sonne gemacht.“ Erwiderte er ernst und sah ihr in die wunderschönen Augen. „Ich liebe dich.“Cho sah ihn sprachlos an, unfähig eine halbwegs sinnvolle Antwort zu geben.
Cedric grinste nur und schüttelte den Kopf über seine Freundin. „Genau dafür liebe ich dich.“ Er legte eine Hand in ihren Nacken und küsste sie sanft. Er wurde immer leidenschaftlicher und hätte wahrscheinlich nie geendet, wenn Cho nicht nach Luft hätte schnappen müssen. „Okay, okay. Ich gebe auf.“ Gestand sie lachend. „Ich liebe dich doch auch, du Vollidiot.“ Cedric beugte sich über sie und sie ergab sich endgültig.
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