
von jujube58
Die Reste des Nachtischs verschwinden von den goldenen Tellern auf dem langen Tisch. Zum Bersten vollgestopft mit Braten, Kartoffeln, Pudding, Plätzchen, Knallbonbons und Kuchen erheben Tatze, Remus, Peter und ich uns von der Bank, um in den Gemeinschaftsraum zu gehen. Da werde ich dann ein bisschen Zeit haben, um mich vor dem Kamin zu entspannen, dann zu duschen und mich in dicke Sachen einzupacken. Denn um fünf habe ich eine Verabredung mit Lily.
Bereits um kurz vor fünf stehe ich am Porträtloch und warte auf meine Freundin. Ah, da kommt sie ja schon, in ihren Wintermantel gemummelt, den Gryffindorschal bis über die Nase gewickelt, die Hände in dicken Handschuhen und auf dem Kopf eine grüne Wollmütze unter der ihre langen Haare hervorschauen. Sie ist einfach wunderschön, meine Lily!
Gemeinsam gehen wir auf die Länderein, die von einer dicken Schneeschicht bedeckt sind. Hier draußen sind es gefühlte minus 30 Grad und ein eisiger Wind pfeift uns um die Ohren. Ich hasse solches Wetter! Aber was tut man nicht alles, damit die schönste, klügste und sowieso beste Freundin der Welt dem Weihnachtsmann einen Schutzengel auf den Boden zaubern kann. Ich meine, wir sind 17, an den Weihnachtsmann glauben wir schon lange nicht mehr, also ich zumindest nicht. Und Lily doch wohl auch nicht – oder?
„Lily, du glaubst aber doch nicht mehr an den Weihnachtsmann oder?“, wage ich einen verzweifelten Versuch. Mit schreckgeweiteten Augen, wie ein verstörtes Kaninchen, sieht sie mich an. Ihre Unterlippe zittert. „A-aber… den Weihnachtsmann gibt es doch… oder etwa nicht?“ Beunruhigt, so würde ich meinen Zustand gerade beschreiben. Das durfte doch nicht wahr sein! Die kluge Lily glaubt als Erwachsene noch an den Weihnachtsmann? Oh Hilfe! „Ähm…“, stottere ich. „James! Das glaubst du doch wohl nicht wirklich! Ich weiß, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, genauso wenig wie den Osterhasen! Das war nur ein Scherz.“ Ihre smaragdgrünen Augen funkeln schelmisch. Oh Gott, ich könnte wieder mal in ihnen versinken, sie sind wie schwarze Löcher, nur dass sie grün sind, die meinen Blick wie magisch anziehen. „Trotzdem, es ist einfach eine schöne Tradition. Ich habe das schon immer gemacht seit ich zwei bin. Du musst ja auch nicht mitkommen, du kannst ruhig wieder reingehen und auf mich warten. Es dauert auch nicht lange!“
Ja klar, als ob ich jetzt reingehen würde. Also schüttele ich nur den Kopf und drücke ihr einen Kuss auf das, was von ihrem Gesicht noch zu sehen ist.
Auf einmal zieht sie mich am Ärmel. „Hier! Hier ist es perfekt.“ Nebeneinander legen wir uns auf den Boden, breiten Arme und Beine aus, um sie dann auf und ab zu bewegen. Hm, macht schon irgendwie Spaß. Aus der Tasche ziehe ich eine kleine Kamera. „Die habe ich mir von Sirius ausgeliehen. Wir können ein paar Fotos machen, als Erinnerung.“ Lily sieht begeistert aus und beginnt gleich einige Bilder zu knipsen.
Wir haben sie entwickelt, die Fotos. Es gibt eines, das mir ganz besonders gefällt. Lily und ich sind beide darauf zu sehen, wir sitzen in unseren Engeln, ihr Kopf ist an meine Schulter gelehnt. Das pure Glück. Rotschopf und schwarzes Wuschelhaar dicht aneinander, die Nasenspitzen und Wangen rot vor Kälte, ein seliges Lächeln in den Augen und auf den Lippen.
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