
von Nitsrek
Hermine saß am Besprechungstisch und arbeitete an einem weiteren nervigen Dienstplan. Es war schwierig, zu weit voraus zu planen, weil immer etwas dazwischen kam. Quidditch-Training, Erkältungen, Nachsitzen… Vertrauensschüler sollten eigentlich kein Nachsitzen bekommen! Und sie musste immer ein Mädchen mit einem Jungen zusammen einteilen, weil – natürlich – nicht zwei Jungs oder zwei Mädchen zusammen gehen konnten! Es war im Bestfall nervtötend, aber ihr wurde immer wieder gesagt, dass es schon immer so war, dass Junge und Mädchen die Verantwortung teilten, also warum stellte sie das in Frage? Und natürlich wollte niemand zu oft dran sein und wo sie gerade dabei war, warum steckte sie nicht auch noch Schüler verschiedener Häuser zusammen? Sie bemerkte, dass sie sich selbst falsch einteilte und strich verärgert alles durch.
„Bist du sicher, dass du morgen nicht kannst?“, fragte sie Nott. Ich schenke dir auch mein Erstgeborenes!
„Ja“, antwortete er sehr ruhig. „Ich war gestern und muss jetzt für eine Prüfung lernen. Das habe ich dir bereits drei Mal gesagt.“
Hermine stöhnte. Stimmt. Ihre Finger waren voller Tinte und ihre Feder war zerzaust, weil sie darauf herumkaute. Sie würde Malfoy fragen müssen, ob er es übernahm. Er war ihre letzte Hoffnung. Sie seufzte.
„Schreibt Malfoy auch die Prüfung?“
„Nein, er hat Tiefergehende Geschichte der Zauberei nicht belegt.“
Hermine schnaubte, bevor sie sich abhalten konnte und Nott hörte mitten im Satz auf zu schreiben und sah sie von seinem Schreibtisch aus an.
„Äh, gut“, sagte sei eilig. „Dann kann er ja meinen Tag retten.“
Sein Blick verriet deutlich, dass er ihr das nicht abkaufte, aber er sagte nichts und kritzelte wieder weiter.
Plötzlich öffnete sich die Tür und ihre unliebste Person trat ein. Er war früh dran. Er war wohl ungeduldig oder vielleicht hoffte er auch, sie ohne Liste zu erwischen, so dass er eine Ausrede hatte, einen von seinen Freunden zu wählen. Tja, Pech. Sie hatte eine Liste.
Ohne Gruß zog Draco einen Stuhl zu Hermine und setzte sich. Er stützte die Ellbogen auf dem Tisch ab, starrte sie an und wartete darauf, dass sie von ihren Plänen aufsah, die plötzlich ihre gesamte Aufmerksamkeit beanspruchten.
„Sei nett, Draco“, sagte Theo, überhaupt nicht überrascht, dass Draco da war. „Stör sie nicht.“
Verärgerung blitzte über Dracos Gesicht, bevor er selbstgefällig grinste. „Ich störe sie nicht. Granger und ich sind die besten Freunde. Nicht wahr, Granger?“
Hermine konnte nichts dagegen tun, dass sich ihr Kopf abrupt hob. Draco grinste sie an. Verdammt. Sie funkelte ihn an und das Grinsen wurde noch breiter.
„Ja…“, sagte sie schließlich. „Wir sind Busenfreunde.“ Sie lächelte ihn sehr süß an und seine Gesichtszüge entgleisten. „Also, Freund… Kannst du morgen Patrouille laufen?“
Draco rümpfte angewidert die Nase. „Nein.“
Hermine hob eine Augenbraue. „Und warum nicht?“
Weil ich absolut keine Lust dazu habe.
„Ähm…“ Er sah Theo an. „Quidditch-Training.“
Hermines Augen funkelten. „Hufflepuff hat morgen Training.“
Oh, Mist. Sie war wohl auf dem Laufenden.
„Ich muss lernen“, sagte er.
„Oh, du meinst für die Prüfung in Verwandlung?“, fragte Hermine.
„Ja, genau.“
„Es gibt keine Prüfung in Verwandlung“, informierte sie ihn kühl. „Ich teile dich ein.
Draco blickte Nott hilfesuchend an. „Das kann sie nicht machen, oder?“
„Ich fände es gut, wenn ihr mich hier raushalten würdet. Aber doch, kann sie.“
Hermine grinste und Draco stöhnte. Er wollte morgen nicht Runden laufen. Er hatte erst vor ein paar Tagen seine Strafarbeit beendet. Er hatte sich auf einen Haufen Nächte ohne Verpflichtung gefreut.
„Sieh es positiv, Malfoy“, sagte Hermine selbstgefällig. „Vielleicht wirst du schon nach kurzer Zeit von irgendetwas Bösem getötet.“
Er schnitt eine Grimasse. „Sag mir bitte, dass ich nicht mit dir gehe.“
Hermine zögerte und Draco wurde panisch. „Nun, es tut mir leid…“, fing sie an. Seine Finger gruben sich in seine Arme, während er fieberhaft betete, etwas anderes zu hören als ‚Doch, mit mir’. „Deine Partnerin ist… Tara Stanwood!“ Sie grinste. „Fünftklässlerin in Hufflepuff. Sehr freundlich, du wirst keine ruhige Sekunde haben. Du wirst es lieben.“ Ihr Grinsen weitete sich bei dem Gedanken an die nervige Hufflepuff, mit der sie ihn eingeteilt hatte.
Er atmete langsam aus und schloss erleichtert die Augen. Er würde mit dem unerträglichen Schlammblut erst wieder reden müssen, wenn einer von ihnen sozusagen an der Leine hing.
„Ist mir egal, solange es nicht du bist“, sagte er aufrichtig. „Hast du etwas für mich?“
Hermine zog das Pergament hervor und gab es ihm. Er starrte es ein paar Sekunden an, bevor er endlich antwortete.
„Granger“, sagte er und klang sehr angespannt, „da stehen nur zwei Namen.“
Sie nickte. „Ja, das ist korrekt.“
„Du hast fast eine ganze Woche gebraucht, bis dir zwei Leute eingefallen sind?“
„Nun, es ist nicht so leicht, wenn drei Häuser schon von Vornherein ausfallen“, erwiderte sie empört.
„Drei… Und warum sind drei Häuser ausgeschlossen?“, fragte er, seine Stimme wurde langsam lauter.
Sie blickte ihn ungläubig an. „Bitte. Du akzeptierst Gryffindor nicht, ich akzeptiere Slytherin nicht, und du bist immer gegen Hufflepuff.“
„Also hast du bereits entschieden, wen ich akzeptieren würde und wen nicht?“, fragte er verärgert.
Sie rollte mit den Augen. „Hey, immerhin sind meine Vorschläge gut!“
„Ich habe fast Angst, zu fragen…“ unterbrach sie eine nachdenkliche Stimme.
Nott. Sie hatten ihn beide vorübergehend vergessen. Hermines Kopf schwang herum, um ihn anzublicken, dann wieder zu Malfoy, die Augen groß, die Lippen geöffnet, während sie überlegte, ob er etwas verraten würde und wie sie darauf reagieren würde. Nichts lag Draco jedoch ferner. Theo war vermutlich der einzige Slytherin, der Draco für sein Vorhaben anschwärzen würde. Das war der Nachteil daran, dass er ihn so gut kannte. Eine kurze Panik glitt über Dracos Gesicht, und als er merkte, dass Hermine ihn ansah, schüttelte er den Kopf. Also blieben sie beide still.
Notts Augenbrauen hoben sich. „Okay.“ Er klang fast belustigt. „Nun, wenn ihr zwei einer Meinung seid, kann es eigentlich nicht gut sein, und ich ziehe es vor, nichts zu wissen. Versprecht mir nur, dass es nicht gegen die Schulregeln ist.“
Hermine und Draco warfen sich einen Blick zu und Nott stöhnte.
„Nicht… Nicht wirklich“, wagte Hermine. Die Wette selbst und ein Wettkampf waren nicht gegen die Schulregeln. Einen Mitschüler zu versklaven allerdings könnte einiges Stirnrunzeln hervorrufen.
Draco musste ähnlich denken, denn er hob eine abschätzende Augenbraue und blieb ruhig.
„Warum korrumpierst du die Schulsprecherin, Draco?“, seufzte Nott.
Draco klappte entrüstet der Mund auf. „Ich? Ich tue gar nichts!“
Hermine schnaubte und erntete einen neugierigen Blick von Nott und einen drohenden von Malfoy.
Malfoy nahm das Pergament und stand auf, bevor Nott noch weitere Fragen stellen konnte. „Okay, dann überlasse ich das euch. Viel Spaß.“
„Dir auch bei deinen Runden morgen“, antwortete Hermine zuckersüß und Malfoy sandte ihr noch einen mörderischen Blick zu, bevor er ging.
*****
Hermine rollte ihren Hals, als sie das Klassenzimmer für Verwandlung verließ. Es war ein langer, langer Tag in einer langen, langen Woche gewesen und sie war froh, dass er endlich rum war. Sie war mehr als bereit für ein gemütliches Wochenende mit ihren Freunden im Gemeinschaftsraum. Vielleicht würde sie Ron helfen, zu lernen, Dinge nicht zu entzünden oder mit Schuppen zu bedecken. Sie lief um eine Ecke und rümpfte angewidert die Nase, als sie Malfoy mit seiner Tasche über der linken Schulter an der Wand lehnen sah. Anscheinend wartete er auf jemanden. War es wirklich zuviel verlangt, mal ein paar Momente nicht dieses gehasste Gesicht sehen zu müssen?
„Du hast lang gebraucht, Granger. Ich dachte schon, ich würde den ganzen Tag hier stehen müssen.“
„Was willst du, Malfoy?“, fragte sie, nicht allzu begeistert, dass er Zeit ihres Wochenendes stahl.
„Es ist alles bereit. Also morgen Nacht nach meinem Dienst im Büro der Schulsprecher.“
Hermine schüttelte den Kopf. „Was? Du… Was? Hast du jemanden gefunden?“
Er seufzte und rollte mit den Augen, als wäre sie schwer von Begriff. „Ja, und zwar einen der vielen, vielen Kandidaten, die du mir gegeben hast. Cornfoot, glaube ich.“
„Aber er muss noch die Fragen entwerfen“, protestierte sie. „Genügend, dass sie nicht ausgehen!“
„Er sagt, er macht es heute“, antwortete Draco gelassen. „Du hast ihn selbst auf die Liste gesetzt, also hab etwas Vertrauen zu ihm.“
„Wir brauchen auch eine Art Vertrag“, beharrte Hermine.
„Einen was?“
Sie winkte ab. „Um sicherzustellen, dass bestimmte Grenzen nicht überschritten werden.“
Seine Augen funkelten gefährlich. „Dafür ist es etwas zu spät, oder nicht?“
Hermine seufzte und schüttelte den Kopf. Sie hatte nichts Schlimmes getan. Warum kam er nicht darüber hinweg, dass sie ein paar Sachen gefragt hat? „Nein, im Ernst, Malfoy. Es gibt ein paar Dinge, die keiner von uns tun können dürfte!“
„Angst, dass du verlierst?“, grinste er.
Sie starrte ihn an. „Vielleicht habe ich Angst, dass ich gewinne“, antwortete sie kühl. „Und dass ich irreparablen Schaden anrichte, wenn mich nichts stoppt.“
Draco nickte. „Gut, wir machen so einen kleinen Vertrag.“
Hermines Augen weiteten sich vor Überraschung, dass er so schnell nachgab. Sie studierte ihn, aber er schien ehrlich zu sein; er wirkte vollkommen ernst. Merkwürdig. Das gefiel ihr nicht.
„Dann brauche ich Zeit dafür.“
Er zuckte mit den Schultern. „Du hast viel Zeit, oder? Nimm mit, was du hast, und ich schaue nach den verdammten Runden, die du mir aufgezwungen hast, drüber.“
Ihre Augen verengten sich. „Warum machst du so Stress?“
„Weil ich keine Zeit mehr verschwenden will“, antwortete er, stieß sich von der Wand ab und drehte ihr den Rücken zu. „Komm heute Nacht, einer von uns wird das Armband tragen!“
*****
Der Gryffindor-Gemeinschaftraum war halb voll. Hermine blickte auf die Uhr. Es war ein Uhr früh und Dracos Runden würden bald enden. Sie hatte versprochen, da zu sein, und hasste es, nicht pünktlich zu sein. Außerdem konnte sie es nicht erwarten, dieses arrogante Grinsen von seinem Gesicht zu wischen. Als erstes würde sie verlangen, dass er der neue Ansprechpartner für alle Hufflepuff-Erstklässler wurde. Das würde er lieben. Der Gedanke machte sie fast hibbelig.
Sie stand auf, sammelte ihre Papiere von dem kleinen Tisch, an dem sie saß und machte sich fertig.
„Gehst du ins Bett?“, fragte Ron und wirkte etwas enttäuscht.
Sie schüttelte den Kopf. „Ich muss mich um etwas kümmern. Ich weiß nicht, wann ich zurück bin, also warte nicht auf mich.“
„Was, jetzt?“, fragte er und beugte sich zu ihr. „Kann das nicht bis morgen warten? Schau dich um, Hermine. Wir haben hier heute wirklich Spaß!“
Sie seufzte. „Ich weiß, Ron. Ich versuche, mich zu beeilen, aber es muss jetzt sein. Tut mir leid.“ Sie küsste ihn auf die Wange. „Bis später.“
Ron antwortete nicht, lehnte sich in seinem Sessel zurück und blickte sie finster an.
Sie drehte sich um und lief gegen Harry.
„Whoa“, sagte er fröhlich. „Wohin so eilig?“
„An einen Ort, wo wir nicht sind“, grummelte Ron.
Sie sah ihn an. „Das ist nicht fair, Ron. Ich muss meine Aufgabe erfüllen. Es ist eine Ehre, Schulsprecherin zu sein und ich trage Verantwortung.“
„Ach ja?“, fragte er und stand auf. „Manchmal wünsche ich mir, du wärst nicht Schulsprecherin, dann hättest du vielleicht noch Zeit für einen Freund!“ Er stürmte an ihr vorbei in seinen Schlafsaal.
Hermine stand für ein paar Momente geschockt da, bevor Harry ihren Arm berührte.
„Er vermisst dich einfach. Es kommt wieder in Ordnung, wenn du dir mehr Zeit für ihn nimmst.“
Sie seufzte. „Ich fühle mich so mies.“
„Nein“, sagte Harry mit einem selbstironischen Grinsen. „Es ist genau so mein Fehler. Mit Ginny und allem… Ron ist meistens allein unterwegs. Wahrscheinlich langweilt er sich.“
Hermine wusste keine Antwort. „Ich beeile mich. Aber ich muss jetzt…“
„Natürlich.“ Harry lächelte und umarmte sie. „Bis morgen.“
*****
Das Büro war fast komplett dunkel, als Hermine eintrat, aber natürlich war es zuviel verlangt, dass Malfoy pünktlich war.
„Du bist spät dran“, bemerkte er müde und leicht verärgert von seinem Sessel am Kamin aus. „Und danke übrigens, dass du mich mit dieser nervigen kleinen Kuh eingeteilt hast. Dafür räche ich mich.“
Hermine zuckte mit den Schultern und verbarg ein Lächeln. „Es war nicht so leicht, loszukommen“, sagte sie und ignorierte absichtlich die unhöflichen Kommentare über Tara und Rache. Sie lief zum Tisch und breitete die Pergamente aus. „Wo ist Cornfoot?“
Draco winkte hochmütig ab. „Der wird gleich hier sein. Er hatte keinen Grund, hier auf uns zu warten. Wobei, nachdem du zu spät bist, musste er vielleicht doch warten.“
Sie warf ihm einen genervten Blick zu. „Weißt du, ein paar von uns haben Freunde. Was sollte ich sagen? Dass ich mich hier mit dir treffen will?“
Draco schnaubte. „Ich warte nicht gern“, grummelte er. „Wenn ich hier gewinne, führst du meine Befehle besser schneller aus.“
Ihr Kopf zuckte von den Pergamenten hoch. „Im unwahrscheinlichen Fall, dass du gewinnst, stehe ich dir nur zu gern zur Verfügung“, höhnte sie und verlor ihre Geduld. „Aber jetzt – hör auf zu nerven und schau dir das hier an.“
Er hob eine Augenbraue, sagte aber nichts. Stattdessen gehorchte er ihr. Sie schaltete eine Lampe an, während er sich an den Tisch setzte und ihren Vertragsentwurf ansah. Er rieb müde seine Augen und fing an, zu lesen. Er wurde komplett still, dann grinste er. Bevor Hermine ihn fragen konnte, was denn so lustig war, brach er in Lachen aus.
„Was?“ Sie runzelte die Stirn. Sie mochte nicht, dass er ihre Anstrengungen auslachte.
„Das ist dein Vertrag?“ Er schüttelte lachend den Kopf. „Dazu sage ich nur: Davon träumst du wohl!“
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