
von Nitsrek
Die Tür ging auf und Stephen Cornfoot betrat den Raum der Schulsprecher. Die Schulsprecherin hatte ihre Arme verschränkt und starrte den stellvertretenden Schulsprecher, der grinsend vor einem Stapel Pergamente saß, böse an.
„Äh… schlechter Zeitpunkt?“, fragte er und erregte ihre Aufmerksamkeit.
„Nein, überhaupt nicht“, sagte Hermine. „Malfoy hier lebt nur gerade sein inneres Kind aus – wie immer.“
„Und Granger hier hat Wahnvorstellungen – wie immer“, erwiderte Draco.
„Äh…“ Stephen fühlte sich etwas unwohl.
Draco zeigte auf die Couch. „Gib uns eine Minute.“
Erleichtert, dass er aus der Schusslinie war, lief Stephen zum Sofa und setzte sich, ordnete seine Papiere. Er hatte keine Ahnung, warum es Draco Malfoy so wichtig gewesen war, dass er hier mitmachte, aber Malfoy hatte ihn bezahlt und Stephen war sofort bereit.
„Okay, Malfoy“, stieß Hermine hervor. „Was ist so lustig?“
„Okay, erstens“, antwortete er, nahm ihre Feder und strich etwas durch, „muss das hier raus.“
Hermine blickte über seine Schulter und keuchte empört. „Auf keinen Fall! Das kannst du nicht streichen!“
„Ich kann und ich werde“, antwortete er verärgerte. „Oder wir lassen den ganzen Vertrag weg.“
„Also hast du vor, mich von der Schule schmeißen zu lassen, indem du mich von den Hausaufgaben abhältst?“, fragte sie.
Er rieb müde an einer Stelle zwischen den Augen. „Nein, Granger, und das wird dir sowieso nicht passieren. Du könntest vermutlich morgen die UTZe schreiben, wenn es sein müsste. Aber wenn ich nicht die Zeit nutzen dürfte, die du für Hausaufgaben einplanst, hätte ich ja gar keinen Spaß daran, zu gewinnen, da ich dich dann nur fünf Minuten pro Woche rumkommandieren dürfte.“
Hermine öffnete ihren Mund zum Protest, aber er unterbrach sie.
„Die Bedingung verschwindet und Schluss!“
Hermine schmollte. „Gut. Aber warum darfst du die Bedingungen festlegen?“
Draco starrte sie an. „Ich habe überhaupt nichts festgelegt!“, motzte er. „Das sind alles deine Bedingungen! Ich schwöre dir, manchmal habe ich echt keine Ahnung, wo du deine Logik her hast.“
Hermine errötete etwas. „Ein paar von ihnen sind zu deinen Gunsten!“, verteidigte sie sich. „Schau, keine persönlichen Fragen.“
Er strich die Zeile durch und ihr klappte der Mund auf.
„Warum hast du das gemacht?“, stammelte sie. „Du hast so einen Aufstand wegen der paar Fragen gemacht! Ich dachte, dir gefällt die Klausel!“
„Ich bin gerührt, Granger“, antwortete er und klang nicht wirklich so. „Aber ich habe nichts weiter zu verbergen. Aber zu wissen, dass ich dich fragen kann, was ich will, wenn ich gewinne, ist eine schöne Aussicht.“
Hermine rollte mit den Augen und schaute zu, wie er immer mehr Punkte ihrer perfekten kleinen Liste strich.
„Gibt es irgendetwas, was du stehen lässt?“, fragte sie voller Verachtung.
„Nicht wirklich, nein. Aber ich lasse dich ein paar Punkte behalten.“
„Es ist auch zu deinem Schutz, weißt du“, bemerkte sie.
„Was uns bringt zu… Keine Aufforderung zu sexuellen Akten jeglicher Art“, las er laut mit einem Grinsen. „Ich würde nur zu gern wissen, wen das schützen soll.“
„Mich“, antwortete sie einfach.
Er schnaubte. „Wie schon gesagt: Davon träumst du wohl.“
Sie rümpfte die Nase. „Nein, ganz sicher nicht. Und als würdest du nicht verlangen, dass ich zum Beispiel den armen Neville küssen soll, oder etwas ähnlich Gemeines, wenn du könntest!“
Er wirkte interessiert. „Ist mir noch gar nicht eingefallen. Aber verdammt gute Idee. Ziemlich hinterhältig. Hätte mir einfallen sollen.“
„Er bleibt“, zischte Hermine. „Dieser Punkt bleibt.“
Draco seufzte wehmütig, aber nickte. „Ich denke ich verstehe, warum du nicht willst, dass ich das tue. Außerdem kann ich nicht zulassen, dass du mich eventuell ausnutzt.“
Hermine schloss die Augen und zählte langsam bis zehn, während ihre Hände sich zu Fäusten ballten. Es juckte sie förmlich, ihn zu verprügeln.
„Sei nicht traurig“, fügte er hinzu, als sie nichts sagte. „Die Entscheidung ist getroffen und der Punkt bleibt. Du wolltest es so, weißt du noch?“
Sie funkelte ihn stumm an und er grinste, während er damit fortfuhr, ihre Arbeit zu ruinieren.
„Okay“, sagte er nach einer Weile. „So können wir es lassen.“
Sie nahm ihm das Dokument ab und las.
„Toll, danke“, grummelte sie. „Sicher, dass du nichts vergessen hast?“
„Willst du deinen Vertrag oder nicht?“, fragte er mit einem Seufzen. „Entscheide dich; ich denke, Cornfoot hat nicht die ganze Nacht Zeit.“
Hermine war klug genug, um nicht wegzuwerfen, was sie bekam, aber das hieß nicht, dass sie glücklich war. Also funkelte sie ihn nur an, setzte sich und schrieb die restlichen Punkte auf ein frisches Blatt Pergament, dann gab sie ihm die Feder.
„Unterschreib!“
Er machte ein verärgertes Geräusch, gehorchte ihr aber tatsächlich. Hermine fragte sich kurz, ob man ihm – wie auch einem Hund - antrainieren konnte, auf einen bestimmen Tonfall zu gehorchen, und musste grinsen. Er starrte sie finster an, während er auch unterschrieb.
Draco stand auf und lief zu Cornfoot, während er dem Ravenclaw etwas zu murmelte, was Hermine nicht hören konnte. Er stand auf und lief mit seinen Pergamentrollen zu Hermine. Draco selbst wandte sich dem Beistelltisch zwischen den beiden Sesseln zu und nahm die Truhe, die Hermine bisher erst einmal gesehen hatte.
Sie würden es wirklich durchziehen. Sie würden wirklich diese Wette eingehen. Sie beäugte die Truhe aufmerksam, während Draco sie zu ihr brachte und über ihren Gesichtsausdruck kühl lächelte.
„Nervös, was?“, fragte er samtig. „Du darfst jederzeit aufgeben; vielleicht ist es dann leichter.“
Sie schniefte. „Schnauze, Malfoy. Setz dich, damit wir anfangen können.“
Er sah sie aus engen Augen an, lief um den Tisch und setzte sich mit verschränkten Armen gegenüber von ihr hin.
„Ähm… gut“, sagte Stephen und räusperte sich. „Die Regeln lauten wie folgt. Einem von euch wird eine Frage gestellt, und wenn die Antwort korrekt ist, wird dem Anderen die nächste gestellt. Sollte einer von euch falsch antworten, bekommt der andere die Chance, die richtige Antwort zu geben, und wenn er das macht, gewinnt er. Fragen?“
„Fang schon an“, motzte Draco. „Ein paar von uns würden heute Nacht gerne noch schlafen.“
„Ja, beeil dich“, setzte Hermine hinzu. „Malfoy braucht seinen Schönheitsschlaf sehr dringend.“
„Du auch, Granger“, erwiderte er.
Stephen räusperte sich wider. „Ohne Unterbrechungen geht es schneller“, wies er sie zurecht.
Beide sahen ihn böse an und er zuckte ein wenig zusammen. Nächstes Mal sollte er daran denken, dass er Malfoys Galleonen nicht soooo nötig hatte. Bevor er jedoch anfangen konnte, öffnete sich die Tür und der Schulsprecher trat ein. Draco sank in seinem Sessel zusammen und stöhnte.
„Was macht ihr hier?“, fragte Nott behutsam.
„Wir hängen miteinander rum?“, versuchte Draco ohne große Hoffnung.
„Genau“, antwortete Nott. „Ich habe deine neu entdeckte… Freude… an der Anwesenheit der Schulsprecherin bereits bemerkt.“
Draco funkelte ihn an, sagte aber nichts. Es war beeindruckend, wie er sich unter Kontrolle zu haben schien.
„Granger?“, fragte Nott.
Sie seufzte. „Wir haben nur einen kleinen Wettkampf. Wer sich besser in Geschichte der Zauberei auskennt. Nicht weiter wichtig.“
„Okay, das erklärt immerhin Cornfoots Anwesenheit. Aber es erklärt nicht, warum ihr es erst mitten in der Nacht macht. Noch dazu Freitag.“
Draco sah ihn düster an. „Musst du nicht wo anders hin, Theo?“
„Nein.“ Er setzte sich. „Macht ruhig weiter.“
Draco deutete Cornfoot mit einem bösen Blick, fortzufahren.
„Ähm… Gut… Granger. Wann wurde St. Mungo’s gegründet?“
„1603“, antwortete sie und wirkte von der Frage gelangweilt.
„Wer hat das Flohpulver erfunden?“, fuhr Stephen fort.
Draco gab ihr Recht. „Ignatia Wildsmith. Frag etwas Schwereres, Cornfoot.“
„Wer war der erste Zauberer, der von einem afrikanischen Erumpent aufgespießt wurde?“
Hermine rollte mit den Augen. „Wilfred Elphick.“
„Malfoy, wann?“
„1199.“ Er grinste, als Hermine ihn böse ansah, weil er eine so leichte Antwort kannte. Sie hatte tatsächlich geglaubt, es würde leicht werden, was? Er ignorierte Nott absichtlich und hoffte hoffnungslos, dass er gehen würde.
Cornfoots Fragen wurden spezieller. Aber noch immer zögerte keiner der beiden Wettstreiter. Mehrere Fragen wurden gestellt und beantwortet, ohne dass einer von ihnen groß nachdenken musste. Er übersprang welche.
„Wer hat den Jubelzauber erfunden?“
„Felix Summerbee.“
„Wer hat zuerst den Gebrauch von Dianthus-Kraut entdeckt?“
„Elladora Ketteridge…“
Stephen seufzte und übersprang noch mehr Abschnitte.
„Wann kam Gorgott an die Macht?“, fragte er Draco.
Draco blinzelte. Gorgott? Das war ein Koboldname. Seine Familie hatte nie viel mit Kobolden und dem Koboldaufstand zu tun gehabt. Er bemerkte, dass Hermine sich aufsetzte, und ein langsames Grinsen breitete sich bei seinem Zögern auf ihrem Gesicht aus. Fuck. „Äh…“ Er versuchte, seine Gedanken zu sammeln. Denk nach, Draco! „1667?“, riet er. Er glaubte sich zu erinnern, dass es um die Zeit gewesen sein dürfte.
„Falsch“, sagte Stephen.
Draco fühlte sich, als hätte ihn jemand geschlagen, und erblasste. Das gehörte nicht zu seinem Plan. Er sollte nicht ihr Sklave sein. Merlin, wer wusste, was so eine widerliche Weltverbessererin ihn tun lassen würde? Was sie ihn enthüllen lassen würde? Er brach in Schweiß aus und war gefährlich nah am Hyperventilieren.
„Granger?“
Sie runzelte die Stirn, während sie sich konzentrierte und versuchte, sich an die Nummern zu erinnern. Draco hielt den Atem an und bat um ein Wunder. „1659?“
Stephen sah etwas erstaunt, aber auch belustigt aus. „Auch falsch. Die richtige Antwort ist 1669.“
Draco atmete aus und schloss die Augen, während er zusammensackte. Sie hatte es vermasselt. Er glaubte, sich noch nie so erleichtert gefühlt zu haben.
„Immerhin war ich näher dran“, sagte Hermine und errötete leicht, weil sie falsch lag.
Draco knirschte mit den Zähnen. „Was meinst du mit näher? Ich lag zwei Jahre daneben und du zehn!“
Sie winkte herablassend ab. „Meins klang ähnlicher.“
Das ergab doch keinen Sinn! Naja, nichts Neues…
Die Fragen gingen weiter.
Und weiter.
Und weiter…
Stephen hatte fast Angst, dass ihm die Fragen ausgehen würden, aber so verärgert, wie die beiden Wettstreiter inzwischen aussahen, schien das womöglich sein geringstes Problem zu werden. Er war mitten im Krieg. Er hätte nein sagen sollen, als Malfoy ihn angesprochen hatte.
„Wann prophezeite Morrigan der Weise die Geburt von Oswald Beamish?“
Hermine war dran. Oswald Beamish. Auch er hatte was mit Koboldrecht zu tun, oder? Und er war im 19. Jahrhundert geboren, also betraf die Prophezeiung wohl eine Zeit nach dem Koboldaufstand. Ja, sie glaubte, gerade erst darüber gelesen zu haben. Da stand… „1760“, sagte sie.
Ein Ausdruck erstaunter Freude breitete sich langsam auf Malfoys Gesicht aus und sie blickte Cornfoot an.
„Das ist nicht korrekt. Malfoy?“
„1750“, antwortete er ohne Zögern.
„Korrekt.“
Und einfach so… hatte sie verloren.
„D-das kann nicht sein“, murmelte sie.
„Beamish wurde 1850 geboren, die Prophezeiung entstand 100 Jahre zuvor, genau an dem Tag, an dem der Koboldaufstand endete. Es ist korrekt“, sagte Stephen.
Hermine blickte Nott an und suchte nach Bestätigung, er nickte. Es stimmte. Sie hatte verloren. Gegen Malfoy. Sie fühlte sich, als würde ihr schlecht werden, und schluckte schwer.
Malfoy neigte sich über den Tisch und flüsterte, „Ich habe dir gesagt, die dritte Auflage ist besser.“
Er lehnte sich zurück und weidete sich an ihrem Unglauben und ihrer Panik. Er sollte wirklich bald in seinen Schlafsaal zurückkehren. Er war schon viel länger wach, als er es wollte, und dennoch – trotz der fehlenden Nachtruhe – hatte er Hermine Granger tatsächlich in einem Wissenswettbewerb geschlagen. Das war doch etwas. Natürlich hatte er von Anfang an damit gerechnet… Er ignorierte das Gefühl riesiger Erleichterung, dass sein Selbstvertrauen Lügen strafte.
„Die Show ist zu Ende“, sagte er an Theo gewandt, der leicht die Stirn runzelte. „Ich habe gewonnen.“
Er wollte wirklich nicht, dass Theo den nächsten Teil mitbekam.
„Ja, das habe ich bemerkt“, antwortete Theo. „Meinen Glückwunsch. Aber was hast du gewonnen?“
„Einen Haufen Galleonen? Immerwährenden Ruhm?“ Er gab es auf. Theo würde nirgendwohin gehen, und wie er ihn kannte, würde er es sowieso bald herausfinden. Draco seufzte bei dem Gedanken daran, seine Stellung zu verlieren, aber er hoffte, dass Theo nichts darüber hinaus unternehmen würde.
„Apropos Galleonen…“, warf Cornfoot ein.
Draco nickte und stand auf, zog Cornfoot mit sich. Geld wechselte den Besitzer. Hermine starrte mit offenem Mund.
„Du hast ihn bestochen?“, fragte sie ungläubig, als Draco zum Tisch zurückkehrte. „Wenn du denkst, dass ich -“
„Ich habe ihn nicht bestochen“, unterbrach er genervt. „Ich habe ihn für seine Zeit und Arbeit bezahlt. Wenn du dich damit besser fühlst: Du schuldest mir 10 Galleonen.“
„Du hast ihm 10 Galleonen gezahlt?“
„Nein, 20.“ Er schüttelte den Kopf, während sie ihn anstarrte. Dachte sie wirklich, jemand würde so ein Theater für ein paar Fremde mitmachen, nur weil sie ‚bitte’ sagten?
„20 Galleonen! Aber das… das ist…“, stotterte sie.
„Genug, dass er den Mund hält. Jetzt hör auf zu jammern und leg das Ding an!“
Sie erstarrte und blickte zur Truhe. Er verschränkte die Arme und wartete. Ein wunderbarer Anfang, zuzusehen, wie sie das Armband anlegte.
„Zuerst… müssen wir den Vertrag noch einmal unterschreiben, damit die Magie in Kraft tritt“, murmelte sie, legte den Zauber auf das Pergament und setzte ihren Namen direkt unter die Stelle, wo sie zum ersten Mal unterschrieben hatte.
Zitterte ihre Hand? Er glaubte, noch nie gesehen zu haben, wie sie sich vor ihm fürchtete. Das gefiel ihm. Es gefiel ihm sehr.
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