
von Nitsrek
Draco schrieb seinen Namen neben Hermines auf den Vertrag und trat dann zurück um zu beobachten, wie Hermine nervös die Schatulle anstarrte.
„Soll ich dir zeigen, wie man sie öffnet?“, fragte er kühl.
Ihre Augen huschten zu ihm und verengten sich, fixierten ihn mit ihrer Abscheu. Er hob nur eine amüsierte Augenbraue.
Schließlich streckte sie die Hand aus und öffnete den Verschluss, starrte hinein.
Draco seufzte ungeduldig. „Los, Granger. Ich habe nicht die ganze Nacht Zeit.“
Sie verzog ihr Gesicht, nahm jedoch letztendlich das Armband und legte es um, dann schob sie die Schatulle zu Draco, damit er den Ring nehmen konnte. Er bewegte sich sehr langsam, genoss ihre Angst und ihre Verachtung. Sie wusste, dass er es ihr nicht leicht machen würde. Sie wusste, dass ihr vermutlich der schlimmste Monat ihres Lebens bevorstand. Sie wusste, wozu er fähig war. Er sah ihr direkt in die Augen und grinste, als er den Ring anlegte, das leichte Kitzeln der Magie und das berauschende Wissen spürte, dass er völlige Kontrolle hatte. Er konnte praktisch alles mit ihr machen.
„Ich kann das nicht zulassen“, sagte Nott ruhig und Dracos Kopf wirbelte herum zu dem anderen Slytherin, der nun mit dem Vertrag in der Hand da stand. Nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, hatte er ihn gelesen und den Rest zusammengereimt.
„Das ist nicht deine Entscheidung“, stieß Draco hervor. „Es ist vorbei. Sie hat selbst zugestimmt.“
„Du weißt, dass ich dich nicht länger als Assistenten einsetzen kann, wenn du das tust?“, fragte Nott.
Draco nickte. „Das dachte ich mir.“
„Und das ändert nichts?“
Draco schüttelte langsam den Kopf. Nein. Manche Dinge waren es einfach wert.
Nott seufzte. „Du lässt mir keine Wahl. Ich werde mit Dumbledore sprechen. Du stehst vor dem Rauswurf.“
Dracos Lippen wurden dünn und er erblasste. „Ich hatte gehofft, dass es nicht dazu kommt.“
„Aber es ändert immer noch nichts?“, fragte Nott und klang, als wüsste er die Antwort bereits.
„Nein.“
„Sei vernünftig, Draco. Wenn du hier weg bist, kannst du es eh nicht mehr verwenden.“
„Ach nein?“, fragte Draco und seine Augen funkelten gefährlich. „Du kennst diese Magie nicht, Theo. Du weißt nicht, wozu sie fähig ist.“
„Du würdest also deine Ausbildung wegwerfen, um dich an irgendeinem Mädchen zu rächen, das dich geärgert hat? Merkst du nicht, wie dumm das ist?“ Nott warf das Pergament zu Boden und starrte Draco an, der von dem Ausdruck in den Augen des anderen überrascht war. Er hatte noch nie so viel Emotion bei Nott gesehen.
„Ich habe zugestimmt“, sagte Hermine ruhig. Dracos Augen wanderten zu ihr. Sie war blass und starrte auf das Armband um ihr Handgelenk. Er wusste, dass sie Angst vor seinen Plänen für sie hatte. „Ich habe zugestimmt“, wiederholte sie. „Und wenn du ihn verrätst, musst du auch mich verraten, und dann werden wir… wir beide rausgeworfen.“ Tränen traten in ihre Augen.
Nott blinzelte. „Sei nicht albern, Granger. Das hier ist deine erste Fehlentscheidung; Dumbledore wird nachsichtig sein.“
Hermine hob langsam ihren Kopf und sah Nott an. „Nicht mein erstes Vergehen, nein. Ich habe das Armband vor ein paar Tagen an Draco ausprobiert, gegen seinen Willen. Das wird er Dumbledore sicher sagen, wenn er deshalb rausfliegt.“
Draco starrte sie mit offenem Mund an, erstaunt von ihrer Ehrlichkeit. Merkte sie denn nicht, dass sie ihn - wenn sie mit Nott mitspielte – ohne den kleinsten Kratzer an ihrem Ruf endlich weghaben könnte? Er wusste irgendwie, dass sie das wusste, und das erstaunte ihn noch mehr. Er konnte sich nicht einmal genug sammeln, um Nott anzugrinsen; er starrte nur seinen willigen, Muggel-geborenen Sklaven an.
Nott sah sehr wütend aus. Es war nicht vorteilhaft. „Willst du das Armband tragen, Granger?“, fragte er. „Willst du, dass er dich missbraucht und demütigt? Denn das garantiere ich dir – er wird es tun.“
Hermine schniefte und schluckte, kämpfte sichtbar mit ihren Tränen. „Nein, das will ich nicht“, antwortete sie schließlich mit zitternder Stimme. „Und ich wünschte, ich wäre heute Nacht nicht hierher gekommen. Aber ich bin hier, weil ich dachte, ich würde gewinnen. Es war ein fairer Wettbewerb. Ich muss den Preis bezahlen.“
Draco schloss den Mund und runzelte die Stirn. Er wusste nicht, was er davon halten sollte, dass sie die Wette verteidigte. Nun, wenn sie glaubte, er würde dafür nachlässiger ihr gegenüber sein, hatte sie sich geschnitten!
Nott lächelte spöttisch. „Dumbledore wird dich nicht rauswerfen, wenn ich ihm alles erzähle. Egal, was du getan hast, so schlimm kann es nicht sein. Wenn du etwas echt Schlimmes getan hättest, hätte Draco mir davon erzählt – stundenlang.“ Draco sah seinen Mitschüler böse an, weil er Granger so offensichtlich helfen wollte. Was sollte das?
„Vielleicht nicht“, räumte Hermine ein. „Aber ich werde keine Schulsprecherin mehr sein und bevor ich diese Schande erlebe, werde ich Hogwarts lieber ganz verlassen.“
Nott schüttelte den Kopf. „Würdest du nicht. Dafür ist dir deine Zukunft zu wichtig.“
„Meine Integrität ist mir wichtiger.“
„Warum bist du so verdammt stur?“, schrie Nott fast. Draco hatte in den sechs Jahren, die er Nott jetzt kannte, nicht einmal erlebt, wie er seine Stimme hob.
Hermine stand auf und legte die Fäuste auf den Tisch, neigte sich zu Nott. „Weil ich Stolz haben“, zischte sie. „Ich weiß, dass das Konzept für euch fremd ist und ich bin sicher, dass Malfoy hier das Armband schon längst wieder abgelegt hätte, aber ich habe zugestimmt und zweimal einen Vertrag unterschrieben und ich werde dieses Ding tragen, auch wenn es mich umbringt!“
„Wie du willst“, knurrte er. „Aber komm nicht angekrochen, wenn er einen Weg um jede einzelne dieser Klauseln gefunden hat.“ Er lief zu seinem Schreibtisch und ignorierte beide.
Sie hatte Theo übertrumpft? Hut ab, Granger! Das war wohl das erste Mal.
„Und er bleibt auch Assistent“, sagte Hermine zu Notts Rücken.
Verdammt, Granger, jetzt forderst du es aber heraus.
Nott wirbelte herum. „Was?“
„Du kannst seinen Status nicht grundlos aufheben. Ich werde Dumbledore die Dinge nicht erklären.“
„Ich sage einfach, ihr vertrag euch nicht.“
„Und ich werde es abstreiten“, sagte Hermine ohne zu blinzeln. „Und wie willst du beweisen, dass wir nicht besser miteinander klarkommen? Ich denke, ich werde in den nächsten dreißig Tagen viel Zeit mit Malfoy verbringen ohne zu streiten. Du wärst stolz auf uns.“
Nott lächelte höhnisch, dann sah er Draco an. „Raus“, keuchte er, bevor er sich wieder seinen Pergamenten zuwandte.
Draco wusste, dass der Rauswurf nur ihm galt. Anscheinend mochte Theo Granger wirklich und er kannte Draco gut genug, um wütend bei dem Gedanken daran zu werden, was er tun könnte und nun auch würde. Theo hatte – kurz gesagt – seine Seite gewählt.
Draco trat einen Schritt näher zu Hermine, die ihn scheinbar vollkommen vergessen hatte, während sie Theo nachdenklich anstarrte. „Kluger Zug“, flüsterte er nahe ihrem Ohr und sie zuckte fast zusammen vor Schreck. „Vielleicht werde ich jetzt nicht ganz so hart zu dir sein.“
Sie sah ihn aufgebracht an. „Tu mir keinen Gefallen, Malfoy.“
Er grinste. „Vorsichtig, Granger, oder ich werde denken, du magst es hart“, sagte er zu leise für Notts Ohren. Dann gähnte er und sagte lauter, „Ich gehe dann mal ins Bett. Gute Nacht, Theo.“
Theo antwortete nicht. Granger jedoch blickte auf ihre Uhr und keuchte. „Oh, nein, Ron wartet wahrscheinlich noch“, murmelte sie und sammelte ihre Pergamente und Federn ein.
Weasley wartete auf sie? Um die Zeit? Kein Einmischen in persönliche Beziehungen, hätte Draco unterschreiben sollen und grinste jetzt. Zu köstlich. „Gewöhn dich besser daran, das Armband zu tragen, Granger. Ich denke, du solltest heute Nacht nicht in den Gryffindor-Turm zurückkehren.“
Sie starrte ihn leer an. „Was?“
„Mir ist egal, wo du hingehst oder ob du schläfst… Aber es wird nicht der Gryffindor-Turm sein. Gute Nacht.“ Er drehte sich um und verließ mit einem fröhlichen Pfeifen den Raum.
„Ist es zu früh für ein ‚Ich hab’s dir doch gesagt’?“, fragte Nott trocken ohne sich umzudrehen.
Hermine runzelte die Stirn. „Das ist sein Recht. Und er hätte Schlimmeres verlangen können.“ Sie blickte zum Sofa. Das würde reichen müssen. Ron würde sauer sein, aber sie konnte ihm erzählen, dass sie beim Arbeiten eingeschlafen war. Wäre nicht zum ersten Mal.
„Du kannst in meinem Bett schlafen“, sagte Nott.
Hermines Augen weiteten sich. „Was?“, krächzte sie.
Nott grinste leicht und drehte den Kopf. „Die Schulsprecher haben Privaträume, schon vergessen? Und ich werde heute Nacht nicht dort schlafen. Wenn du also ein Bett willst, kannst du meins nehmen.“
Warum bot er ihr nach allem immer noch sein Bett an? Hermine schüttelte den Kopf. „Danke“, murmelte sie. „Aber… Ich kann keine ganze Nacht in den Jungen-Schlafsälen der Slytherins verbringen!“ Sie errötete bei dem Gedanken.
Nott zuckte mit den Schultern. „Wie du willst. Und sei vorsichtig, was du in Dracos Nähe sagst. Wenn er deine Bemerkung gerade gehört hätte, würde er dir befehlen, dort zu schlafen.“
Hermine schüttelte wieder den Kopf. „Im Vertrag steht -“
„Schlafen ist nichts Sexuelles, Granger“, unterbrach Nott. „Ihm wäre es auch egal, wenn du deine Nächte auf dem Badezimmerboden verbringen müsstest. Sei einfach vorsichtig.“
„Dort stand auch, dass er nichts tun darf, was meinen Rauswurf zur Folge hätte“, erklärte sie.
„Ein paar Vorfälle würden dich kaum zum Rauswurf bringen. Außerdem gäbe es sicher eine halbwegs plausible Erklärung, da der Schulsprecher und sein Vertreter dort leben. Ich brauche nur die Lampe hier; das sollte dich nicht stören, wenn du auf dem Sofa schläfst.“
Hermine wusste, dass sie entlassen war und trat mit einem Seufzen zur Couch, um etwas Ruhe zu finden.
*****
Am nächsten Tag lag Draco mit einem selbstzufriedenen Grinsen im Slytherin-Gemeinschaftsraum. Theo kam durch die Wand, gähnte und sah den anderen Jungen finster an. Draco forderte ihn wortlos zu einem weiteren Vortrag heraus.
„Was Besseres ist dir nicht eingefallen?“, fragte Theo und setzte sich Draco mit ausdruckslosem Gesicht gegenüber.
Draco war eine Sekunde lang durcheinander. „Besser als was?“
„Sie auf der Couch im Büro schlafen zu lassen? Findest du das nicht etwas erbärmlich?“
Dracos Grinsen kam zurück. „Ich habe ihr nicht gesagt, wo sie schlafen soll. Ich bin überrascht, dass du ihr nicht dein Bett angeboten hast.“
„Habe ich“, sagte Nott. „Sie wollte aber nicht.“
Draco war überrascht. „Du hast was?“
Theo zuckte mit den Schultern. „Du hast meine Frage nicht beantwortet.“
Draco warf dem anderen Slytherin einen finsteren Blick zu. Er musste aufpassen, dass Nott sich zukünftig nicht einmischte. Ein böses Grinsen trat auf sein Gesicht. Vielleicht war es gut, dass er jetzt vorsichtig war. „Vielleicht war es erbärmlich“, gab er zu. „Aber heute tut ihr der Rücken weh, ihr Nacken ist steif und sie hat Kopfweh, weil sie den ganzen Morgen mit Weasley gestritten hat. Ich denke, das ist ein ziemlich gutes Ergebnis, meinst du nicht?“
Theo sah ihn merkwürdig an. „Du hast sie schon gesehen?“
„Nein, ich habe das Frühstück ausfallen lassen, und auch wenn ich den Ring benutzen könnte, um sie zu rufen, weiß ich nicht, ob sie den Ruf verstehen würde. Sie ist zwar klug, aber ich habe ihr nicht gesagt, dass der Ring das kann.“
„Woher weißt du es dann?“, fragte Theo.
Draco sah ihn fragend an. „Woher weiß ich was?“
„Woher weißt du, dass sie Schmerzen hat und mit Weasley streitet?“
„Oh.“ Draco winkte ab. „Simple Schlussfolgerung. Aber ich wette, ich habe Recht.“
„Nein, danke“, sagte Theo trocken. „Ich wette nicht mit dir.“
*****
Hermines Rücken tat weh, ihr Nacken war steif und sie hatte Kopfweh, weil sie die letzte Stunde mit Ron gestritten hatte. Und sie war ausgelaugt. Das Sofa im Büro der Vertrauensschüler war nicht sonderlich bequem und gleich nach dem Mittagessen wollte sie auf ihr Zimmer und ein Nickerchen machen.
„Auf ein Wort, Granger.“
Verdammt, sie war noch nicht in der Großen Halle. Zu spät fiel ihr ein, dass im Vertrag nichts darüber stand, dass er sie nicht verhungern lassen durfte. Andererseits: Wozu bräuchte er schon einen toten Sklaven? Er kicherte leise und sie hatte den Eindruck, er wusste genau, was sie dachte. Naja, ihre Gedanken waren nur logisch.
„Was willst du, Malfoy?“
„Ich gebe dir eine kurze Unterweisung, was das Armband kann und wie du mir gehorchst, und wenn du lieb bist…“, er beugte sich vor. „Lasse ich dich hinterher sogar essen.“
Hermine wollte antworten, aber in dem Moment knurrte ihr Magen und enthüllte, dass sie nicht gefrühstückt hatte. Ihre Lippen formten eine dünne Linie und sie funkelte ihn an.
Er grinste. „Wir werden uns super verstehen“, sagte er. „Es ist wirklich ganz einfach. Wenn ich einen direkten Befehl habe, wirst du dich verpflichtet fühlen, zu gehorchen. Sind meine Absichten klar, wirst du den starken Drang verspüren, zu tun, was ich will – du kannst diesem Drang jederzeit folgen. Wenn ich deine Anwesenheit wünsche, wirst du Ort und Zeit wissen, und du verspürst eine Anziehungskraft, die stärker wird, je länger du sie ignorierst. Ignoriere sie nicht, es sei denn, vor deiner Nase verblutet jemand und nur du kannst ihn retten.“
Hermine verschränkte die Arme und blickte ihn finster an. „Sonst noch was?“
Er grinste und verriet ihr damit, dass es noch Dinge gab, von denen sie nichts wusste. „Derzeit nicht, nein.“
„Und hättest du mir diese Zusatzfunktionen verraten, wenn ich gewonnen hätte?“
Er hob eine Augenbraue. „Warum sollte ich das tun?“
„Wer hätte gedacht, dass ein dummes Armband so fies sein kann?“, grummelte sie.
Draco starrte sie an.
„Was?“, fragte sie.
„Tut mir leid“, sagte er unaufrichtig. „Manchmal vergesse ich, wie gewöhnlich du bist.“
Sie funkelte ihn an, sagte aber nichts.
„Das hier“, sagte er, als würde er mit einem Kind sprechen, „ist ein Platinarmband. Diese Dinger da nennt man Diamanten. Selbst ohne die magische Wirkung wäre es gute 500 Galleonen wert, vielleicht noch mehr, da es inzwischen ziemlich alt ist.“
Hermine starrte es an. „Du machst Witze!“, rief sie aus. „Es ist nur ein blödes Armband; soviel kann es nicht wert sein!“
„Richtig, es ist keine 500 Galleonen wert“, stimmte er zu. „Mit der Magie und im Set zusammen mit dem Ring kostet es eher 5000 Galleonen. Vielleicht auch mehr, aber die Magie ist für den Geschmack der meisten Leute zu archaisch, außerdem ist sie höchst illegal. Wie du also siehst… Es ist mehr Wert als mehrere Ausgaben von dir und ich bin ziemlich froh, dass du es auf keinen Fall verlieren kannst, ohne dass du deine Hand verlierst.“
Er ließ sie zurück, während sie das Armband anstarrte, das ihrer Meinung nach auch aus poliertem Nickel und Kleister hätte bestehen können.
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