
von Nitsrek
Es war spät.
Hermine lehnte mit zitternden Knien an der kalten Felswand vor Theos Schlafzimmer und überlegte, dass sie ins Bett gehen sollte. Etwas Schlaf würde wahrscheinlich Wunder bewirken. Vielleicht würde sie sogar vergessen, dass sie ihrem Freund nicht allzu subtil Sex angeboten hatte, Sekunden bevor er beschloss, Schluss zu machen.
Klar. Als würde sie diese Demütigung jemals vergessen.
Ein paar Tränen, die sie zurückgehalten hatte, entkamen. Sie konnte es einfach nicht. Vielleicht sollte sie generell keine Beziehungen mehr eingehen. Zumindest bis sie wusste, wie man feststellte, ob ein Junge wirklich meinte, was er sagte. Im Moment war es einfach nur verwirrend und verletzte sie. Sie hatte wirklich gedacht, dass Theo sie verstehen würde. Sie hätte nie damit gerechnet, dass er sie einfach so absägen würde.
Sie hatte ihm vertraut, verdammt. Ihm zugetraut, dass er sie verstehen und mit ihr sprechen würde, sollte es etwas zu besprechen geben. Ihm zugetraut, mit ihr daran zu arbeiten und nicht all seine Gedanken für sich zu behalten.
Sie hatte geglaubt, er wäre ein menschliches Wesen.
Als sie sich mit der Hand über die Augen wischte, bemerkte sie den Ring. Der verdammte Ring. Wegen so einer Dummheit verlor sie ihren Freund. Nun, jetzt gab es keinen Grund mehr, ihn zu tragen, oder? Es war ihr egal, wenn sie dadurch engstirnig war, aber warum sollte sie Theos Freundschaft zu Draco kitten wollen, wenn Theo sie so einfach wegwarf? Er hatte ihr nicht einmal die Chance gegeben, die Sache zu erklären. Nicht, dass sie gewusst hätte, was sie sagen sollte.
Der Plan war einfach nur gewesen, Malfoy dazu zu bringen, sich mit ihm zu vertragen und dann zu hoffen, dass sie von dort aus allein weiter kämen.
Die dämlichen Jungs konnten die Freundschaft beide brauchen, aber keiner von ihnen wollte es freiwillig zugeben, also hatte sie etwas getan, von dem sie wusste, dass es dumm war, um ihrem Freund zu helfen. Er musste geisteskrank sein, um zu denken, dass sie diesen Ring tragen wollte. Sie würde es ihm beweisen, indem sie die Sache sofort abbrach. Nicht, dass es noch eine große Rolle spielen würde, denn sie würde ihm nicht so schnell verzeihen, aber es wäre ein gutes Gefühl, ihm zu zeigen, wie falsch er lag. Vielleicht würde es sogar diese stechende Demütigung lindern.
Entschlossen und fast überzeugt, dass es nicht nur ein Versuch war, zu vergessen was gerade passiert war, marschierte sie zu Dracos Tür und klopfte. Sie konnte ihn genauso gut gleich über die Änderung informieren, wenn sie schon hier war. Als keine Antwort kam, runzelte sie die Stirn und klopfte wieder. Sie wusste, dass er da war. Sie konnte seine Präsenz und seinen wachsenden Ärger spüre. Schnaubend riss sie den Ring von ihrem Finger. So, das half. Irgendwie.
Okay, es half gar nichts, aber wenigstens musste sie jetzt nicht mehr in Malfoys Kopf sein.
Endlich wurde die Tür aufgerissen. „Was?“ Als er bemerkte, dass sie es war, staunte er. „Granger? Was ist los? Warum bist du hier?“
„Ich bin nicht deinetwegen hier“, sagte sie und schob sich an ihm vorbei, weil sie beschloss, dass ihre Unterhaltung niemanden etwas anging. „Aber nachdem ich in der Gegend war, wollte ich dir gleich sagen, dass die Sache geplatzt ist.“ Mit dem Rücken zu ihm legte sie den Ring auf seinen Schreibtisch.
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Draco unterdrückte ein Gähnen und versuchte, seinen Kopf klar zu schütteln. Er hatte es gerade erst geschafft, einige wirklich erotische Gedanken an Hermine loszuwerden um zu schlafen, und dann kam sie hierher? In sein Zimmer? Um ihre Abmachung abzublasen? Schon wieder? Wenn ihr so langweilig war, konnte sie sich dann nicht wenigstens etwas Neues einfallen lassen?
Er schüttelte den Kopf. „Diese Unterhaltung hatten wir bereits, Granger. Warum willst du unbedingt darüber streiten? Und um diese Uhrzeit?“
Sie drehte sich zu ihm um und er musste sich anstrengen, um weiterhin genervt und entspannt zu wirken. Etwas stimmte nicht. Etwas hatte sie aufgebracht. Er nahm an, dass sie hier war, um es an ihm auszulassen. Sollte ihn das nicht eher mehr aufregen als weniger?
„So spät ist es gar nicht“, bemerkte sie.
Er wusste nicht genau, ob das stimmte, aber er nahm an, dass sie Recht hatte. Er war nur einfach so müde, nachdem er die Nacht zuvor kaum geschlafen hat. „Du weißt, dass ich schon geschlafen habe“, konterte er.
„Und warum sollte mich das interessieren?“ Sie warf ihre Haare zurück und sah ihn von oben herab an.
Die Handlung ermöglichte Draco einen sehr viel besseren Blick auf ihr Gesicht und für einen Moment wusste er nicht, was er sagen sollte. Er hatte den merkwürdigen Drang, herauszufinden, was los war, aber er wusste, dass sie es ihm nicht sagen würde. „So willst du dich also an mir rächen?“, fragte er schließlich. „Indem du mich aufweckst? Lahm, Granger. Echt lahm. Soll ich dir ein paar Tipps geben, wie man das besser macht? Leute quälen ist meine Stärke, wie du weißt, deine hingegen ist… Was machst du eigentlich außer Bücher auswendig lernen und Leute küssen?“
Er lächelte fast über Hermines Gesichtsausdruck. Sie ließ sich wirklich zu den merkwürdigsten Momenten einfallen, sich von ihm ködern zu lassen. Er dachte einfach, dass wenn sie sich durch einen Streit mit ihm besser fühlen würde, er auch mitspielen konnte. Dafür war er wenigstens gut.
Sie reagierte aber nicht, wie er erwartet hatte. Nach einer Sekunde verschwand die Verärgerung aus ihrem Gesicht und sie sah aus, als wäre sie den Tränen nahe. Er fühlte sich etwas unbehaglich und hoffte, sie würde nicht weinen. Er war nicht sicher, dass er damit klarkommen würde. Er hatte Angst, dass er dann etwas Dummes tun würde, zum Beispiel, sie trösten. Er hatte noch mehr Angst davor, dass Trösten physische Nähe beinhalten würde und dass er versuchen könnte, sie zu küssen. Und am meisten hatte er Angst davor, dass er sie damit wieder überwältigen und sie es zulassen würde. Er war nicht sicher, ob er – auch wenn er wusste, dass es nicht real war – sich unter Kontrolle haben könnte.
Er betete verzweifelt, dass sie sich irgendwie zusammenreißen und einfach nur sauer auf ihn sein würde. Damit konnte er umgehen.
„Aber das mache ich wenigstens gut, oder?“, fragte sie leise.
Das überraschte ihn. Sollte er darauf antworten? Sie wusste genau, dass sie mehr tun konnte, als Bücher auswendig lernen, und dass der Gedanke an ihre Küsse ihn nachts wach hielt. Wollte sie wirklich, dass er es aussprach? Falls ja, wäre das wirklich merkwürdig, da sie bisher sehr darauf bedacht gewesen war, zu leugnen, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte.
„Du bist still“, bemerkte sie. „Wie soll ich das verstehen?“
„Du kennst du Antwort“, erwiderte er und spürte, wie seine Verwirrung zu Frustration, dann Wut umschlug. Wut auf sie, weil sie ihn so bloßstellte. Es war einfach nicht fair. Warum sollte er zugeben müssen, dass er sie wollte, wenn sie es doch gar nicht wissen wollte? Es ließ ihn nur dumm und verzweifelt aussehen und er hasste beides.
Sie machte einen Schritt auf ihn zu und er trat aus bloßer Verwirrung zurück und lief gegen die Tür. Was jetzt?
„Hast du jemals eine Strafe für etwas akzeptiert, was du nicht getan hast?“, fragte sie.
Was für eine Frage war das denn? „Sicher.“
„Wolltest du sie verdient haben?“
Hä? Er blickte sie unsicher an.
„Du willst, dass ich in meinen Racheakten kreativer werde?“, fragte sie mit tiefer Stimme, die überhaupt nicht nach ihr klang.
Etwas an ihrem Verhalten verstörte ihn. Noch verstörender war die Tatsache, dass sein müder, hormonüberladener Verstand im Moment ignorierte, dass sie sich komisch verhielt, zusammen mit allen möglichen Gründen dafür, und sich stattdessen darauf konzentrierte, dass sie hier war, allein mit ihm, in seinem Zimmer, viel zu nah. Er half nicht, dass ihre Haare etwas zerzaust waren und ihre Lippen… Es war nicht gerecht, dass er etwas so sehr wollte und es nicht haben durfte. „Worauf willst du hinaus?“ Seine Stimme klang heiser in seinen Ohren.
Sie machte einen weiteren Schritt und löschte damit fast jeden Abstand zwischen ihnen aus. „Es ist so merkwürdig“, sagte sie mit fast träumerischer Stimme, „wie oft die Leute Dinge haben wollen, die sie nicht haben können oder die ihnen nicht gut tun, findest du nicht?“
Er schüttelte langsam den Kopf. Wenn sie dachte, was er dachte, das sie dachte, musste es ihr wirklich schlecht gehen, um überhaupt an so etwas zu denken. So grausam war sie nicht. „Ich weiß bereits, dass ich dich nicht anfassen darf“, erinnerte er sie. „Es würde nichts bringen, mich daran zu erinnern.“ Es würde ihn nur um den Verstand bringen und vermutlich dazu führen, dass er die Kontrolle verlor. Dann würde sie von dem Ring mal wirklich interessante Signale empfangen. Es tat ihm fast leid, dass er wahrscheinlich nicht da wäre, um es zu erleben, weil sie ihn bis dahin schon umgebracht hätte.
Sie schüttelte den Kopf und legte ihre Hände auf seine Brust. „Das werde ich nicht tun.“
Sein Mund wurde trocken. Heute Nacht war sie anscheinend doch so grausam. „Was dann?“
„Hat dir nie jemand gesagt, man sollte mit seinen Wünschen vorsichtig umgehen?“, flüsterte sie und zog seinen Kopf nach unten.
Er versuchte, zu widerstehen. Sie wusste offensichtlich nicht, was sie tat. „Der Ring…“
„Liegt auf deinem Tisch.“
Er blickte zum Schreibtisch. Es war nicht gelogen. Wie traurig war es, dass allein der Gedanke, sie würde aus freien Stücken handeln, so ein mächtiges Aphrodisiakum für ihn war? Er versuchte, es zu verdrängen und den Kopf klar zu kriegen. Sie handelte nicht aus freien Stücken. „Ein Zauber…“
„Kein Zauber.“
„Betrunken?“
Sie schnaubte.
Sein Verstand wurde immer nebliger. „Also Zaubertrank?“
„Keine Ausreden!“
Sie zog seinen Kopf den Rest des Weges nach unten.
Sein Kopf wurde noch leer, bevor ihre Lippen seine berührten. Es war einfach so surreal, dass er es nicht verarbeiten konnte. Die Lippen auf seinen, die Rundungen gegen seinen Körper, selbst die unordentlichen Haare, durch die er plötzlich seine Finger wob… es fühlte sich alles so weich und ansprechend an. Er wollte mehr.
Sie war auch noch warm. Und viel zu echt, als dass es ein Traum sein könnte, was noch die einzige Alternative war, die ihm einfiel, wenn sie nicht unter irgendeiner Einwirkung von außen stand.
Ihr Mund öffnete sich unter seinem und er konnte den Laut puren Glücks nicht unterdrücken, als ihre Zungenspitze seine berührte.
Wenn sie ihn bis zur Schmerzgrenze reizen wollte, stellte sie sich schon sehr gut an. Das kümmerte ihn aber nicht, was das wirklich Erschreckende daran war. Wenn sie sich damit besser fühlte, gewannen alle, oder? Er benutzte sie nicht, wenn sie ihn benutzte, oder? Und er hatte nichts dagegen, ihre Stimmung durch Küsse zu verbessern, auch wenn es für ihn die Hölle sein würde, später – wenn sie den Ring wieder trug – nichts dagegen zu unternehmen.
Eine ihrer Hände fuhr von seiner Schulter über seinen Arm, packte sein Handgelenk und zog seine Hand aus ihren Haaren und auf ihre Brust.
Er konnte nicht anders. Er machte wieder so ein Geräusch und fing an zu erkunden, was sie so willig anbot. Es spielte keine Rolle mehr, dass es aus mindestens zehn Gründen eine schlechte Idee war.
Er vermutete langsam, dass das hier eine ausgeklügelte Art war, ihn zu töten, aber trotzdem beschwerte er sich nicht wirklich. Wie konnte er? Er würde am liebsten die ganze Nacht so hier stehen.
Sobald er das gedacht hatte, löste sie sich von ihm.
Er wollte widersprechen, hielt sich aber in der letzten Sekunde doch zurück. Es ging hier nicht um ihn. Das würde es nie. Beschwerden waren sinnlos, wenn nicht sogar kontraproduktiv.
Dennoch hätten ein paar Minuten mehr auch nicht weh getan.
„Komm“, sagte sie und zog an seinen Händen.
Immer noch etwas benebelt – sein Gehirn wurde gerade nicht durchblutet – folgte er ihr gedankenlos ein paar Schritte. Erst als sie sich auf sein Bett setzte, blinzelte er und versuchte, seine Gedanken zu sammeln. „Was tust du da?“, murmelte er.
„Das ist bequemer, meinst du nicht auch?“, fragte sie. Ihm entging nicht, dass sie ihm nicht in die Augen sah. Was war hier los?
Er wollte sie gerade fragen, als sie den obersten Knopf ihrer Bluse öffnete und ihn damit effektiv sprachlos machte. Sie würde es sogar noch weiter spielen.
Was wollte sie ihm da antun? Die Frage entfachte einen großen Konflikt in ihm. Da war der Teil, der vernünftig mit ihr reden wollte, sie bitten wollte, aufzuhören, bevor er den Verstand verlor. Und dann noch dieser andere Teil, der sagte, „Oh, Merlin, ja!“, der alles nehmen wollte, was er bekam.
Natürlich gewann der letztere Teil.
Hermine rutschte auf dem Bett etwas nach hinten und er krabbelte ihren Körper nach oben, bedeckte ihn mit seinem und bedeckte ihren Mund mit einem weiteren Kuss, bevor sie es sich überhaupt bequem gemacht hatten. Der Kuss war aggressiver als vorher und zeigte ihr, wie er nach ihr hungerte. Wenn sie es weiter treiben konnte, dann konnte er das auch. Wenn sie ihm den Verstand rauben wollte, dann war ihm egal, ob er ihr Angst machte.
Sie wehrte sich nicht. Sie entzog sich ihm nicht. Sie zögerte nicht einmal in ihrer Erwiderung.
Sein Verlangen durchbrach die Schallmauer.
Unter einiger Anstrengung unterbrach er den Kuss, bevor er flüsterte, „Das hat wirklich gut funktioniert, Liebes, aber du überschätzt vielleicht, wie weit du gehen kannst, bevor es aufhört, eine Strafe für mich zu sein.“ Er drückte sich gegen sie und hoffte, dass sie ich verstehen würde. Er könnte auf der Stelle kommen. Verdammt, das würde er wahrscheinlich auch bald, wenn sie nicht aufhörte, sich so an ihm zu reiben. Oh, Merlin, es fühlte sich zu gut an. Er schloss seine Augen und zitterte leicht. Viel, viel zu gut. Es könnte peinlich für ihn werden, wenn sie nicht aufpasste.
Sie lachte etwas außer Atem und er hatte den ironischen Gedanken, dass es gut war, dass er wenigstens zu ihrer Unterhaltung beitragen konnte. Dann liebkoste sie sein Ohrläppchen mit ihren Lippen und flüsterte, „Wer hat gesagt, dass ich vorhabe, aufzuhören?“
Ein Blitz durchzuckte ihn. Sie würde ihn kommen lassen?
Der Gedanke allein reichte schon fast aus.
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Vorschau
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Plötzlich hielt seine Hand inne und er entzog sich ihr ein Stück. Hermine war etwas verwirrt, bis sie spürte, wie sich das körperwarme Silber auf ihrer Haut bewegte. Er war auf ihren Schlange-Rose-Anhänger gestoßen und es hatte ihn überrascht, dass er sich bewegte, sonst nichts.
Er bewegte seine Hand und die Schlange ruhte. Er sah den Anhänger trotzdem noch mit leerem Blick an.
„Ich nehme sie schnell ab“, murmelte Hermine und zog an der Kette.
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