
von Nitsrek
Draco war verwirrt.
Wieder einmal hatte er genau das getan, was Hermine wollte, hatte ihr genau das gegeben, was sie wollte, und nun wich sie ihm aus. Mal wieder. Es dauerte einige Zeit, bis er es überhaupt bemerkte, da er selbst etwas Zeit gebraucht hatte, um sich von den unsäglichen Schmerzen, seine Fantasie für die Realität aufgeben zu müssen, erholt hatte, aber sie wich ihm definitiv und offensichtlich aus.
„Du hast es also endlich bemerkt“, kommentierte Blaise trocken, als er Dracos Stirnrunzeln sah, nachdem Hermine nicht allzu unauffällig einen Umweg gelaufen war, um Dienstagnachmittag nach Zaubertränke nicht an ihm vorbeilaufen zu müssen. „Ich schwöre dir, ich dachte schon, du würdest den Kopf nie aus deinem Arsch ziehen. Das geht schon seit Wochen!“
„Wochen?“ Draco starrte Blaise an. Wich sie ihm also wegen ihrer gemeinsamen Nacht aus? Und… war das wirklich schon so lange her?
Er erinnerte sich vage an ein beunruhigendes Gefühl, dass irgendwas mit ihr nicht stimmte, bevor sie aus seinem Zimmer verschwunden war, aber er war ehrlich gesagt zu deprimiert gewesen, um es richtig wahrzunehmen.
„Was zur Hölle stimmt nicht mit dir, Draco?“, knurrte Blaise. „Wie konntest du so lange nichts tun?“
Draco war nicht sicher, wie er das erklären sollte, ohne seine Männlichkeit zu verlieren. „Du weißt nicht, was passiert ist.“
„Du meinst abgesehen davon, dass du wieder mit ihr geschlafen hast und dann -“ Blaise brach plötzlich ab, sprach dann aber doch weiter. „Und dann nicht bemerkt hast, dass sie dir seitdem aus dem Weg geht?“
Draco brauchte etwas länger, war dann aber sehr froh, dass sonst niemand mehr im Klassenzimmer war. „Ich erinnere mich gar nicht, dass ich dir erzählt hätte, mit ihr geschlafen zu haben.“
„Ähm, das war offensichtlich, meinst du nicht auch?“, murmelte Blaise.
Draco starrte Blaise an, dann verschränkte er die Arme vor der Brust. „Nein. Das meine ich nicht. Hat sie etwas zu dir gesagt?“
„Nein. Das musste sie nicht.“ Blaise wandte den Blick ab.
„Du hast nicht nur geraten“, sagte Draco. „So schlau bist du nicht. Du hast es das erste Mal nicht gewusst und diesmal auch nicht! Woher weißt du davon?“
Blaise wirkte verwirrt, dass Draco ihn so beschuldigte. „Ich habe sie gesehen, okay? Ich habe sie gesehen, nachdem sie dein Zimmer verlassen hatte. Sie war ganz zerknautscht und man musste wirklich kein Genie sein.“
„Und das hast du mir bisher verschwiegen? Ich hätte nie gedacht, dass du so lang durchhalten würdest!“, bemerkte Draco trocken.
„Nun, du hast in letzter Zeit kaum etwas bemerkt, und du hast es auch nicht angesprochen, und… so lustig schien es gar nicht zu sein.“ Blaise wich Dracos Blick sehr vorsichtig aus.
„Nicht lustig? Du hältst alles für lustig!“ Draco war misstrauisch. Sein gesunder Menschenverstand sagte ihm, dass Blaise sein Misstrauen nicht verdiente, aber… Hermine hatte Draco damit aufgezogen, dass sie Blaise ihre Jungfräulichkeit geschenkt hätte. Wie war sie überhaupt darauf gekommen?
„Ja…“, murmelte Blaise. „Sonst schon. Aber warum verträgst du dich nicht wieder mit ihr?“
„Okay, was genau hast du gesehen?“
„Nichts! N-… Schau, es ist Wochen her, Mann. Du bist seitdem ein Zombie und sie weicht dir so sorgfältig aus, dass alle wissen, dass irgendwas vorgefallen ist.“ Blaise sah aus, als würde er sich gleich die Haare ausreißen.
Draco blickte Blaise, der nicht den Eindruck machte, als würde er noch mehr sagen, mit zusammengekniffenen Augen an. Er hatte wahrscheinlich Recht. Draco war wirklich ein Zombie. Er kam nicht gut damit klar, seine Träume aufgeben zu müssen.
Aber irgendwas passte hier nicht. Hatte er sie versehentlich beleidigt? Er wusste, dass es ihr gefallen hatte. Er hatte es gefühlt. Es war unglaublich gewesen, sie so fühlen zu dürfen.
„Hat… hat sie irgendwas gesagt?“, fragte er Blaise.
Blaise zuckte mit den Schultern. „Ich, ähm, ich habe sie eventuell unterschwellig als Schlampe bezeichnet und sie hat sich vermutlich gewehrt?“
„Du hast was?“
„Hätte ich das nicht tun sollen?“
„Nein! Lass sie allein, verdammt!“
„Das sagst ausgerechnet du!“
„Was zur Hölle soll das heißen?“
Blaise sagte nichts, sondern knirschte nur mit den Zähnen und funkelte Draco an.
„Ich geh nicht zu ihr und beleidige sie!“, fuhr Draco fort.
„Nein, du machst das nur jedes Mal, wenn sie dir etwas entgegenkommt, stimmt’s? Machst du es dir absichtlich schwer? Macht es dir Spaß, sie immer wieder wegzustoßen?“
Draco wirkte trotzig. „Wenn du mir etwas zu sagen hast, dann sag es.“
Blaise zog eine Grimasse, dann warf er sich seine Tasche über die Schulter. „Das habe ich gerade, du Vollidiot.“
Mit finsterem Blick sah Draco Blaise nach und versuchte, sich daran zu erinnern, was genau in jener Nacht passiert war. Er hatte Hermine genau das gegeben, was sie wollte… oder? Er hatte sie gehen lassen. Er hatte die Tür abgesperrt und den Zauberstab quer durchs Zimmer geworfen, damit er ihr nicht folgen und sie anflehen würde, zurück zu kommen, damit er… sie einfach noch etwas länger halten konnte.
Nein, diesmal hatte er alles richtig gemacht. Ein klarer Schnitt. Wie sie es gewollt hatte.
+++++
Hermine saß in der Bibliothek und zeichnete gedankenverloren auf ein Blatt Pergament. Sie hatte keine Lust, zu lernen, aber sie wollte auch nicht in ihren Gemeinschaftsraum gehen. Es war schon okay, hier zu sitzen, wirklich. Friedlich. Sie konnte endlich ihren Kopf freikriegen und nichts tun.
Es war ja nicht so, als würde ihr das ganze Lernen im Leben weiterhelfen. Sie hatte Malfoy so falsch verstanden, es war… schlimm. Gott sei Dank hatte sie nie wirklich darüber nachgedacht, mit ihm zusammen zu sein. Nur Sex. Immer nur Sex. Nicht einmal ein Kuss, nachdem… nachdem… danach. Nur Danke und Tschüss.
Sie hatte gedacht, es wäre befriedigender, ihm nachzugeben, aber sie fühlte sich nur leer. Als hätte sie etwas anderes erwartet. Als hätte sie erwartet, dass er sich anders verhielt. Sie überlegte, dass sie erwartet hatte, dass er sich wie das letzte Mal verhalten würde, was albern war. Er stand damals noch unter den Nachwirkungen sehr mächtiger Magie, die ihn glauben ließ, er wäre in sie verliebt.
Wenigstens schien er es nicht rumzuerzählen. Damit hatte sie eigentlich auch nicht gerechnet. Es war aber so oder so egal, weil er sie auf eine Art getroffen hatte, die sie ursprünglich niemals hatte zulassen wollen, ob bewusst oder unbewusst.
Solange Zabini jedoch den Mund hielt, würde Malfoy nie herausfinden, wie sehr er sie verletzt hatte. Sie hoffte wirklich, dass er es nie herausfinden würde. Sie glaubte nicht, dass er sie verspotten würde; schlimmer noch, sie glaubte, er würde sich entschuldigen, weil er ihr falsche Hoffnungen gemacht hatte. Das hatte er gar nicht. Er hatte deutlich gesagt, was er wollte und was nicht. Sie war nur durcheinander gekommen, das ist alles.
Aber jetzt sah sie klar.
„Du bist so vorhersehbar, es ist nicht mal mehr lustig“, sagte eine von Hermines ungeliebtesten Stimmen.
„Parkinson“, antwortete Hermine so freundlich sie konnte, „wem oder was schulde ich diese Belästigung?“
„Oh, ich habe eigentlich nach Draco gesucht. Aber natürlich wissen wir alle, dass du keine Ahnung hast, wo er sein könnte.“ Die Freude in Pansys Stimme war fast unerträglich.
„Ich wünschte, ich wüsste auch nicht, wo du bist. Komm zur Sache.“
„Oh, sei kein Miesepeter, Granger. Es hätte schlimmer sein können. Er hätte mit dir schlafen können, bevor er das Interesse verliert.“
Was? Er hatte es ihr erzählt? Hermine versuchte, ihre Reaktion zu verbergen, aber es war einen Moment zu spät. Ihre geweiteten Augen, ihre geöffneten Lippen und ihr beunruhigter Blick ließen selbst für so ein Sumpfhuhn wie Pansy nur eine Folgerung zu.
„Oh, Merlin! Er hat es wirklich getan?“ Pansy wirkte eine Sekunde erstaunt, und ein undefinierbarer Ausdruck huschte über ihr Gesicht, bevor sie eine Hand an den Mund hob und damit nicht gerade wirkungsvoll ihr Lachen verbarg. „Jetzt kenne ich meinen Liebling wieder. Erzähl mal, Granger. Hat er mit dir geschlafen, bevor oder nachdem er das Interesse verloren hat? Jungs bleiben Jungs. Denen ist egal, wer in ihrem Bett liegt. Hat er dir erzählt, dass er dich liebt, um dich rumzukriegen? Ich wette, ja. Und du hast ihm auch noch geglaubt?“
Nein, sie hatte ihm nicht geglaubt! Zumindest anfangs nicht. Aber warum sollte sie Pansy sagen, was wirklich passiert ist? Sie war nichts weiter als ein boshaftes Miststück. Und anscheinend hatte Malfoy ihr nichts gesagt, aber vielleicht wollte Pansy sich auch nur selbst schützen. „Ich weiß nicht, wovon du-“
„Lass den Mist, Granger, und nimm dir Schauspielunterricht. Mein Draco hat dich reingelegt. Ich bin stolz auf ihn. Ich wünschte nur, er hätte mir davon erzählt. Ich hätte es herumerzählen können.“
Hermine bezweifelte immer noch, dass Draco Pansy nichts gesagt hatte, aber sie würde nichts dazu sagen. Es war besser, so zu tun, als würde das Misstrauen nicht höllisch wehtun. „Und warum hat er das wohl nicht gemacht?“, fragte sie. „Könnte es daran liegen, dass es dich nichts angeht?“
Pansy zuckte nur mit den Schultern. „Wahrscheinlich, um Astoria zu schonen. Er kam vor ein paar Wochen wieder angekrochen. Diesmal wirklich. Die Verträge sind schon fast unterzeichnet.“
Hermine blinzelte. „Verträge? Was für Verträge?“
„Die Eheverträge, Dusselchen. Es ist keine lockere Angelegenheit, die Greengrasses und die Malfoys zusammenzuführen. Beide Familien müssen sicherstellen, dass ihre Interessen gewahrt werden.“
Hermine schnaubte. „Behauptest du ernsthaft, dass er jetzt heiratet?“
„Naja, natürlich nicht jetzt“, motzte Pansy. „Aber ich glaube, Astoria hat Weihnachten ins Auge gefasst. Draco ist das egal, er will nur, dass es voran geht, jetzt wo… er sich um das Geschäftliche gekümmert hat.“
Hermine war nicht dumm; sie kaufte ihr nicht ab, dass Draco aus heiterem Himmel einfach seine Exfreundin heiraten würde, aber die Worte klangen trotzdem ein wenig zu sehr nach Draco für ihren Geschmack. Hatte er sich wirklich zu so einer Dummheit entschlossen?
Aber wen störte es schon, wenn er wieder mit Astoria Greengrass zusammen war? Sie wusste, dass es ihr egal war. Sie hatten… das Geschäftliche erledigt und das war’s.
Bevor sie das plötzliche Ziehen in ihrer Brust untersuchen konnte, sagte Hermine, „Ach ja? Na, dann beglückwünsche ich ihn dazu, dass er nicht dich gewählt hat. Ich wusste, dass sich sein Geschmack verbessert hat.“
„Das sagst ausgerechnet du. Ich an deiner Stelle würde ihm aber erst in einem Monat gratulieren. Es soll vorerst ein Geheimnis bleiben.“
„Würdest du Ärger bekommen?“, fragte Hermine hoffnungsvoll.
„Nein… aber es könnte dazu führen, dass Astoria herausfindet, wie weit du und Draco gegangen seid, und während der eigentlich schönsten Zeit ihres Lebens verletzt wird. Wenn… du natürlich ein unschuldiges Mädchen, das sich - schon kurz bevor Draco bereit dazu war - in ihn verliebt hat, verletzen willst…“
Hermine funkelte Pansy an. Diese manipulative kleine Hexe verbarg ihre Lügen wirklich geschickt, was? „Schon verstanden! Wäh, ich verstehe nicht, was Ron in einer gehässigen Schlampe wie dir siehst.“
„Ich schon, aber ich bin zu hübsch für einen Weasley.“ Pansy warf ihre Haare nach hinten. „Ihr zwei solltet zusammen sein. Ihm fehlt das Gehirn, dir das Aussehen…“
„Aber vielleicht gefällt ihm deine fehlende Persönlichkeit?“
Pansy zeigte ein unfreundliches Lächeln. „Immerhin habe ich etwas, was für mich spricht. Ich habe nie so ganz verstanden, warum jemand wie Draco sich jemanden wie dich aussuchen sollte. Du bist nicht nur hässlich, du bist auch nur halb so klug, wie du glaubst. Du bist auf Dracos Lügen reingefallen? Bitte. Du hättest wissen müssen, dass er nie wirklich Gefühle für jemanden von so niederer Herkunft, mit diesem erbärmlichem Aussehen und so nervigen Gewohnheiten haben würde. Du warst nichts weiter als ein kleines Spielzeug. Wie lustig muss es für ihn sein, dass er dir scheinbar tatsächlich das Herz gebrochen hat?“
Hermine klappte der Mund auf. Von allen lächerlichen Dingen, die Pansy sagen konnte, schlug diese letzte Bemerkung dem Fass den Boden aus. Nichts, gar nichts an Hermine war gebrochen. Vielleicht war ihr Selbstbewusstsein etwas angeschlagen und hatte ein paar Risse hier und da, aber das war alles!
„Halt den Mund, Pansy!“ Keine von beiden hatte Ron hinter Pansy stehen sehen, bis er genau das sagte, was Hermine gerade sagen wollte. Hermine fragte sich, was er gehört hatte. Nach der Wut in seinen Augen zu urteilen vermutlich genug. Es tat ihr leid, dass er von der Hexe, die er mochte, solche Dinge mit anhören musste. Ernüchterung war meistens scheiße.
„Weasley?“, fragte Pansy mit einem verwirrten Stirnrunzeln. „Verfolgst du mich wieder?“
„Nein“, antwortete Ron sehr viel kälter, als man es von jemandem erwarten würde, der mit seinem Schwarm sprach. „Ich habe Hermine gesucht und dich gehört.“
„Klar.“ Pansy zuckte mit den Schultern, als wäre ihr alles egal. „Es wird dich nicht groß überraschen, dass ich euch beide nicht mag.“
„Nein“, erwiderte er kühl, trat vor und stellte sich neben Hermines Stuhl. „Ich verstehe langsam, dass sich das nicht ändern wird. Aber wage es nicht, Hermine zu beleidigen. Sie ist sehr viel klüger und innerlich auch schöner, als du es je sein wirst.“
Hermine zog an Rons Ärmel. „Du musst das nicht tun.“
Ron reagierte nicht. Er schien entschlossen, diesen Streit zu haben. Er war ein loyaler Freund, aber das war nicht das erste Mal, dass Hermine mit Pansy Parkinson aneinander geriet, und wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal.
Pansy schnaubte. „Das meinst du nicht ernst, Weasley.“
„Oh, doch, tue ich“, knurrte Ron. „Und wenn dein Draco eine Chance hatte, mit ihr zusammen zu sein, und sie weggeworfen hat, dann ist er noch sehr viel dümmer als ich es je sein werde!“
Hermine schloss die Augen. Das klang so, so falsch und Ron sollte es wirklich nicht zu der Hexe sagen, bei der er eine Chance wollte.
Pansys Blick huschte zwischen Ron und Hermine hin und her. „Oh… so ist das…“ Ihre Stimme bebte etwas. „Ich verstehe. Nun, trifft sich das nicht gut? Gryffindors vertragen sich sehr schnell miteinander.“ Sie klang eher verwirrt als sarkastisch.
„Bist du fertig?“, fragte Ron Hermine knapp, ohne Pansy von ihrem Irrtum zu befreien. Vielleicht hatte er keine Ahnung. Oder vielleicht glaubte er, er konnte Pansy so eifersüchtig machen? Das wäre vermutlich nicht der beste Plan.
Hermine nickte nur und stand auf, da sie nicht wusste, was sie sonst tun sollte.
„Gut, dass du endlich kapiert hast, dass ich zu gut für dich bin“, sagte Pansy, als sie an ihr vorbeiliefen.
Ron blieb stehen, drehte sich halb um und starrte Pansy böse an. „Du scheinst es nicht zu verstehen. Du bist nicht zu gut für mich. Auch nicht zu hübsch. Du bist wahrscheinlich die schlimmste und hässlichste Hexe, die ich je getroffen habe. Ich habe es nur bisher nicht bemerkt. Danke, dass du mir das gezeigt hast, bevor ich noch mehr Zeit verschwenden konnte.“
Das machte Pansy sprachlos. Hermine konnte es ihr nicht verdenken; ihr ging es nicht anders.
+++++
„Moment!“, rief Harry aus und Hermine war froh, dass der Gemeinschaftsraum fast leer war. „Die mysteriöse Frau war Pansy Parkinson? Draco Malfoys Exfreundin Pansy Parkinson?“
„Nein, die andere Pansy Parkinson!“, sagte Ron trocken. Er hatte gleich nach dem Vorfall in der Bibliothek beschlossen, Harry von Pansy zu erzählen. Hermine fand diese Entscheidung etwas übereilt, aber es lag nicht an ihr, das zu beurteilen.
„Oh. Richtig. Tut mir leid. Warum hat es mir niemand gesagt?“
„Das hat er doch gerade“, bemerkte Hermine.
„Naja, schon, aber er hat auch gesagt, dass es jetzt vorbei ist, also macht es keinen Spaß mehr.“
Hermine sah Ron an, der im Moment ziemlich niedergeschlagen wirkte. „Ist es vorbei?“, fragte sie leise.
Er zuckte mit den Schultern. „Ich denke, es muss, oder? Ich meine, ich mochte das Mädchen, das sie sein könnte, wenn sie wollte, aber… heute Abend hat sie gezeigt, dass sie das nicht will. Sie war so boshaft… Es tut mir leid, Hermine.“
Hermine tat es auch leid. Sie hätte Ron gerne glücklich gesehen. „Vielleicht kann sie immer noch dieses Mädchen sein?“
„Spielt das eine Rolle? Ist es richtig, jemanden zu verändern, den man mag? Vielleicht ist sie mit ihrer Art glücklich. Ich dachte nur… und als ich sie geküsst habe…“
„Warte, du hast sie geküsst?“ Harry funkelte Ron und Hermine an. „Warum sagt mir niemand irgendwas?“
Ron seufzte. „Niemand wusste es, okay? Es war nur einmal und sie hat mich nicht sofort weggestoßen und da dachte ich…“
„Vielleicht meint sie es gar nicht so böse“, schlug Hermine vor. „Vielleicht ist es nur ein… ein… Verteidigungsmechanismus?“
„Das ist egal! Mir ist jedenfalls egal, was sie über mich sagt; mich stört, wie sie mit dir gesprochen hat! Ich könnte nie akzeptieren, dass eine Hexe so mit meinen Freunden spricht!“
„Was genau hat sie gesagt?“, fragte Harry.
Hermine ballte die Fäuste in ihrem Schoß. Sie war noch nicht bereit für diese Unterhaltung.
„Egal“, sagte Ron. „Ein Haufen Beleidigungen.“
Harry runzelte die Stirn, sagte aber nichts. Hermine wusste, dass er sich ausgeschlossen fühlte. Es war nur manchmal so schwer, ihn in Dinge einzuweihen, weil er sie nicht verstand. Er war noch nie mit jemandem zusammen, den er eigentlich hassen müsste. Sie nahm an, dass sie es genauso gut hinter sich bringen konnte. „Sie, ähm, sie hat behauptet, dass Draco mir etwas vorgemacht hat, um mich ins Bett zu kriegen, und m-mich hinterher abserviert hat, weil ich seinen Ansprüchen nicht genüge. Sie war sehr glücklich darüber.“
„Aber das ist doch lächerlich!“, lachte Harry. „Du würdest nie mit diesem Mistkerl ins Bett gehen!“
Stille.
„Hermine?“, fragte Harry, plötzlich misstrauisch.
„Er hat mir nichts vorgemacht“, sagte Hermine nur, bevor sie von einer Reihe sehr lauter und sehr einfallsreicher Schimpfwörter unterbrochen wurde.
„Ruhig, Harry“, seufzte Ron. „Ich hasse ihn ebenso wie jeder andere, aber… wir haben doch damit gerechnet, oder nicht?“
Er wich jedoch Hermines Blick aus und wirkte alles andere als glücklich.
„Er hat nichts getan“, beharrte Hermine. „Es war meine Idee und wir waren auch gar nicht wirklich zusammen, also wie soll er mich da bitte abservieren?“
„Oh, ich weiß nicht“, sagte Harry sarkastisch, „vielleicht indem er dich monatelang mit dem liebeskranksten Blick, den ich jemals bei einem Kerl gesehen habe – und das beinhaltet die Zeit, als Ron unter Amortentia stand – und sich dann von dir abwendet, sobald er bekommt, was er wollte?“
„Es war meine Idee, ich habe es gewollt!“ Hermine blieb stur, sprang auf. „Er hat sich nicht abgewendet; er hat mir nichts vorgemacht; er hat mich nicht angelogen; er hat mir nicht-“ Ihre Stimme wankte leicht, aber es reichte aus, um Rons Aufmerksamkeit zu erregen. „Ich wusste, was ich tat“, sagte sie mit gesenktem Blick. „Ich wusste, worauf ich mich einließ. Ich wüsste es zu schätzen, wenn ihr nie wieder darüber sprechen würdet, mit niemandem.“
Sie murmelte irgendeine undeutliche Entschuldigung, in der es um Hausaufgaben und ihre Katze ging, dann floh sie in ihr Zimmer, bevor jemand die Tränen in ihren Augen sah.
Sie wollte nicht über den Grund nachdenken. Wirklich nicht. Es war nicht mehr wichtig.
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Vorschau
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Er lief um eine Ecke und ein explodierender Schmerz traf ihn plötzlich im Gesicht, als ihn plötzlich jemand so schnell schlug, dass er nicht sehen konnte, wer es war. Er schrie auf vor Schmerz, wurde dann jedoch von Angst gepackt. Waren sie wieder hier? Würden sie jemanden töten? Hermine. Er musste sie warnen, sichergehen, dass sie… was? Sicher war? Sie würde erhobenen Hauptes in die Schlacht rennen, sobald er ihr davon erzählte. Vielleicht konnte er-
„Das war dafür, dass du generell ein Mistkerl bist, und jetzt steh auf, damit ich dir geben kann, was du verdienst, weil du Hermine schlecht behandelt hast.“
Potter?
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