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The Bracelet - Kapitel 102

von Nitsrek

Stöhnen kam Draco langsam zu sich. Sein Kopf brachte ihn um und ihm war schlecht. Ein kurzes Nachdenken verhalf ihm zu dem Schluss, dass das wahrscheinlich daher kam, dass er schon viel zu lange nichts gegessen oder getrunken hatte. Er öffnete die Augen und blickte zur Uhr. Vier Uhr. Wahrscheinlich morgens, wenn man die Dunkelheit bedachte.

Er wusste nicht einmal, ob die Anderen noch im Schloss waren. Er war einfach direkt auf sein Zimmer gegangen, wo er sich aufs Bett geworfen hatte.

Ihm war egal, ob alle Anderen weg waren. Solange es noch etwas zu Essen gab, war er ganz glücklich damit, der einzige Bewohner von Hogwarts zu sein.

Wobei, vielleicht wüssten seine Eltern ganz gerne, dass es ihm gut ging. Naja, die Eulerei würde schon nicht leer sein.

Wobei kurz nachdem er die Küche verließ deutlich wurde, dass das Schloss noch nicht verlassen war, und sobald er bemerkt wurde, wurde er mitgenommen und befragt.

Zum Glück hatte er eine wasserdichte Geschichte, was er während dem Kampf getan hatte, eine Geschichte, die Theo, Pomfrey und sogar Hermine bestätigen konnten. Leider waren all diese Leute stundenlang unerreichbar, also saß er nur da und… saß. Unter Aufsicht.

Es amüsierte ihn, wenn man bedachte, wie frei er sich direkt nach der Schlacht bewegt hatte.

Er wurde nicht als Einziger befragt. Die Halle war geleert worden und überall standen kleine Grüppchen. Ein Schüler wurde in jeder Gruppe befragt. Er war erstaunt, als er merkte, dass Astoria auch dazu gehörte.

„Diese Schüler… sind sie es, die… Sie wissen schon?“, fragte er leise ‚seinen‘ Auror, eine junge Frau, deren Mund verbittert zusammengekniffen war. Er konnte ja nicht direkt fragen, ob sie diejenigen waren, die ihre Mitschüler verraten hatten. Die Erinnerung an den Schmerz und die sterbenden Kinder war noch zu frisch.

„Woher weißt du davon?“, fragte sie scharf.

„Habe ich doch schon gesagt. Ich war die Nacht im Krankenflügel. Sind… sind Sie sich wirklich sicher bei allen? Wirklich?“ Er fand es schwer, nicht wieder zu Astoria zu blicken. Würde sie so etwas wirklich tun? Leute dazu bringen, ihr zu vertrauen und sie dann verraten – töten?

Die Aurorin wollte zuerst anscheinend nicht antworten, aber dann sagte sie, „Bei den meisten schon. Ein paar sind aber nur Nachzügler. Wir werden früh genug über sie – und dich – Bescheid wissen.“

„Was ist mit ihr?“ Er zeigte auf Astoria.

„Darf ich nicht sagen. Wenn Hermine Granger deine Geschichte bestätigt, kannst du sie ja fragen.“

Lieber nicht. Er überlegte, dass er es früher oder später erfahren würde – im Notfall aus dem Tagespropheten. „Ich kann nicht glauben, dass Astoria so etwas tun würde“, murmelte er vor sich hin.

„Tja, das sagten alle Überlebenden hinterher über ihre Angreifer. Deshalb war es so wirkungsvoll.“

„Ah. Trotzdem.“

„Sie können diesen Trottel gehen lassen“, sagte eine kühle Stimme hinter Dracos Schulter. „Er hat weder die Fähigkeit, noch die Überzeugung, wirklich hinter einer Sache zu stehen.“

Draco zuckte zusammen. Theo wusste, wie man Dinge ausdrückte. Wenn er nur wüsste.

„Na gut“, sagte die zynische, namenlose Aurorin. „Du kannst gehen.“

„Warten Sie, Sie glauben ihm?“, musste Draco einfach fragen. „Haben Sie nicht seine gruselige, gefährliche Aura bemerkt? Und sein Vater ist Todesser.“

Theo schlug stärker gegen Dracos Hinterkopf, als es hätte sein müssen. „Ich hatte ein Messer im Bauch, du dummer Idiot, und Hermine vertraut mir völlig, was diesen Leuten reicht. Jetzt hau ab und verschwende nicht ihre Zeit.“

Draco stand gehorsam auf. „Was ist mit ihr?“, fragte er Theo und nickte zu Astoria.

„Weiß nicht, ist mir egal“, sagte Theo nur und wandte sich zum Gehen. Draco bemerkte, dass er nur eine Seite belastete und immer noch vorsichtig lief.

Draco folgte ihm. „Meinst du, du könntest es für mich herausfinden?“, fragte er locker.

„Nein.“

Draco fand Theo sehr ungerecht. Theo hatte das Mädchen, warum tat er Draco nicht diesen winzigen Gefallen? „Komm schon, Theo, ich finde es schwer zu glauben, dass sie es getan hat, und sie verdient es echt nicht -“ Er brach mit einem überraschten Keuchen ab, als er plötzlich gegen die Wand gestoßen wurde.

Theo sah wütend aus – was schon an sich beängstigend war – und hielt Draco nur mit seinem Zauberstab an der Wand fest. „Es ist mir egal“, fauchte er. „Verstehst du das jetzt, Draco, oder soll ich noch deutlicher werden?“

Die Magie drückte unangenehm auf Dracos gesammelte Gliedmaßen, ließ seine Muskeln schmerzen und machte das Atmen fast unmöglich. „W-was?“, keuchte er. „Warum bist du…?“ Er stöhnte, als die Magie noch enger zudrückte.

„Gestern bist du wieder einmal davon gelaufen, ohne die ganze Geschichte zu kennen, und hast Hermine wieder einmal verletzt. Dafür könnte ich dich umbringen.“

Die Magie wurde noch stärker und Draco war so darauf konzentriert, die Schmerzen zu ignorieren und immer noch Luft zu bekommen, dass er nicht antworten und auch sonst nichts tun konnte. „Kann nicht… atmen…“

„Du bist zu dumm zum Atmen.“

„N-nein, ich wollte nicht…“

„Du willst nie. Aber du tust es trotzdem, weil du ein zu großer Feigling bist, um auch nur die kleinste Zurückweisung zu riskieren.“

„Ich… werde es… ihr sagen…“

„Oh, tu mir keinen Gefallen.“ Theo nahm plötzlich den Druck weg und Draco fiel zu Boden, keuchte nach Luft. Theo beugte sich über ihn und flüsterte, „Du bist zu erbärmlich, als dass ich deinetwegen nach Azkaban gehen würde, aber sei sicher, dass ich dich umgebracht hätte, wenn nicht so viele Auroren hier wären.“ Er wandte sich ab, um zu gehen.

„Ich hatte sie mit dem Armband“, stieß Draco hervor. „Ich habe sie sagen lassen, dass sie mich liebt.“

„Ich weiß. Diese Erinnerung habe ich leider auch gesehen.“

„Ich konnte alles fühlen, was sie fühlte… ich habe keine Liebe gespürt.“

Theo lachte. „Und du denkst, dein Schmuck ist unfehlbar? Hast du jemals ihre Liebe zu ihren Freunden gespürt?“

„Was?“

„Sie vergöttert ihre Freunde. Hast du das gespürt?“

Draco grunzte, als er versuchte, aufzustehen, aber seine Beine krampften und er fiel wieder. „Nein, aber das ist schwer zu definieren. Ich habe andere-“

„Und Liebe ist leicht zu definieren, ja? Nicht so wie Lust, Freude, Zärtlichkeit… aber ich bin sicher, dass du auch das nicht gespürt hast.“

„Warte…“, keuchte Draco und Theo blieb in der Drehung mit erhobener Augenbraue stehen. „Ich dachte… sie hat dich geküsst!“

„Und was für ein leidenschaftlicher Kuss es war!“, bemerkte Theo sarkastisch. „Du hast völlig Recht. Noch nie hat jemand einen Kuss mit geschlossenem Mund gegeben, der keine Liebeserklärung war.“ Dann drehte er sich weg und ging.

„Fuck!“ Draco kämpfte sich auf die Beine und stöhnte, als sie immer noch widerstrebten. „Warte! Theo, warte!“ Er humpelte ihm nach. „Sag mir, wo sie ist!“

„Nicht mein Problem“, sagte Theo kühl und blieb weder stehen, noch verlangsamte er sein Tempo für Draco. „Pansy, andererseits, ist schmollend zu ihren Eltern gefahren, nachdem sie aufgewacht ist und gemerkt hat, dass du sie verlassen hast. Du bist echt toll.“

„Wenn deine Worte wahr sind und du mich nicht nur reinlegst-“, begann Draco und ignorierte den Teil mit Pansy. Er würde ihr nachher eine Eule schicken.

„Siehst du, das ist das Problem“, unterbracht Theo. „Es ist egal, ob es wahr ist oder ob ich dich reinlege. Du bist immer noch ein Arschloch, das nur noch atmet, weil ich wirklich nicht nach Azkaban und meinem Vater dort Gesellschaft leisten will.“

„Ich will es richten!“, stritt Draco, spannte den Kiefer an und humpelte eilig, um Theo nicht zu verlieren.

„Das willst du immer. Aber deine Versuche sind fast noch schlimmer als die ursprünglichen Fehltritte. Lass das arme Mädchen einmal in Ruhe. Sie wird es verkraften. Sie war überall, hat sich um alle gekümmert, nach eurem kleinen Gespräch. Sie braucht dich nicht.“

„Und wenn ich sie brauche?“

„Das könnte mir nicht mehr egal sein.“

„Komm schon, Theo!“ Draco fühlte sich verzweifelt. „Selbst wenn sie beschlossen hat, dass ich der größte Trottel in der Geschichte und es nicht wert bin, darf sie nicht falsch über mich denken, we-wenn sie tatsächlich…“

„Warum nicht? Es ist das Richtige, dass du ein Trottel bist.“

„Ja, das gebe ich zu, aber ich habe meine Mutter gar nicht darum gebeten, es mit Astoria ernst werden lassen zu dürfen.“

Theo blieb abrupt stehen und drehte sich mit mordlustigen Augen zu Draco um. „Das hast du ihr gegenüber behauptet?“

„Ja, das habe ich ihr gesagt, aber in Wahrheit habe ich meine Mutter gebeten, mit Hermine zusammen sein zu dürfen. Um zu beweisen, dass ich es ernst meine. Ich dachte nur… sie würde sich unbehaglich fühlen, wenn sie das wüsste. Weil ich… Schlüsse gezogen habe.“ Draco verzog das Gesicht. Es klang nun alles so dumm.

„Und jetzt fühlt sie sich wahrscheinlich benutzt und an der Nase herumgeführt.“ Theo sah aus, als hätte er gerade in etwas sehr Ekliges gebissen.

„Ja, und willst du wirklich, dass sie sich so fühlt?“, fragte Draco eilig.

„Nein. Aber ich bin nicht überzeugt, dass du es je besser hinbekommen würdest.“

Draco funkelte ihn eher wirkungslos an. „Ich brauche nicht deine Erlaubnis, um mit ihr zu sprechen.“

„Nein, aber du musst wissen, wo du sie findest. Du kannst ja schauen, ob dir jemand anders sagt, wo sie ist.“ Theo sah zu zufrieden mit sich aus.

„Wenn ich es noch schlimmer mache, darfst du mir einen Fluch auf den Hals hetzen.“ Draco griff nun offiziell nach Strohhalmen.

Das schien Theos Interesse zu wecken. „Ehrlich?“

„Sicher, jeder Fluch deiner Wahl!“

Theos Lächeln war langsam und sehr, sehr boshaft. „Nun, in dem Fall…“

Das würde garantiert auf mehr als eine Art schmerzhaft werden.

+++++

Hermine wachte erschrocken auf, als sie die Tür aufgehen hörte. Wie lang schlief sie schon? Sie rollte auf ihre Seite, um die Uhr auf ihrem Nachttisch anzuschauen, und fiel fast vom Sofa.

Oh. Richtig. Sie war nicht in ihrem Bett.

Immer noch etwas desorientiert setzte sie sich auf und gähnte; sie fühlte sich, als hätte sie gerade mal fünf Minuten geschlafen.

Wahrscheinlich war es so.

Als sie ihre Augen rieb, erstarrte sie, als sie die Nässe bemerkte. Ach ja. Die riesige Menge an Kummer und Stress trugen noch zu ihren Kopfschmerzen bei.

Es war schwer, so viele Freunde und Helden ihrer Kindheit zu verlieren. Vor allem, weil sie noch keine Zeit gehabt hatte, es richtig zu verarbeiten. Es fühlte sich an, als hätten sie alle es verdient, intensiver betrauert zu werden, aber sie hatte wirklich noch keine Zeit gehabt.

„Tut mir leid“, sagte der Eindringling leise. „Ich wusste nicht, dass du schläfst.“

Hermine erstarrte im Sich-Strecken. Sie hatte wirklich ihr Bestes versucht, um Draco Malfoys Existenz vorübergehend zu vergessen, obwohl sie bisher nicht sehr erfolgreich gewesen war. Sie wollte gerade echt nicht mit ihm reden. Er war zusätzlicher Stress, den sie nicht brauchte. Weil ihr nicht gefiel, dass sie durch ihre sitzende Position im Nachteil war, stolperte sie auf ihre Füße.

„Schon okay“, sagte sie, ihre Stimme rau vom Schlaf. Deshalb bin ich hier im Büro. Wenn man mich braucht, bin ich verfügbar. Also, was gibt’s?“

Plötzlich stand er direkt vor ihr und nahm ihre Hand. Sie versuchte, sich zu befreien, als sie plötzlich das vertraute Gefühl von Metall auf ihrem Finger spürte, aber er war sehr entschlossen und hatte sie überrumpelt.

Sie wollte ihn nicht tragen; das Letzte, was sie derzeit wollte, war ihn zu fühlen. Es war schlimm genug, dass er im Prinzip ihre Hand hielt.

„Ich liebe dich“, sagte er gefasst.

Sie zuckte zusammen und sah ihn an. Musste er auch noch in ihren Wunden rumstochern?

„Bitte glaube mir. Du hast gesagt, ich habe mich immer schuldig gefühlt, wenn ich gelogen habe, also weißt du doch, dass ich gerade die Wahrheit sage.“

„Warum tust du das?“, flüsterte sie. Sie zitterte am ganzen Körper und konnte spüren, dass sie kurz vor einem Zusammenbruch stand. Sie hing am seidenen Faden. Es war zu viel. Alles war zu viel.

„Weil es mir wichtig ist. Sag mir bitte einfach, dass du mir glaubst, auch wenn du mich nie wieder sehen willst.“

Sie schüttelte langsam den Kopf und hörte ihn den Atem anhalten, der Schmerz war deutlich durch den Ring. „Es ging nie ums Glauben, Draco. Du hättest mir nicht wieder den Ring aufzwingen müssen; ich hätte dir auch so geglaubt. Ich weiß von deiner Zuneigung und ich nahm an dieses… neueste…“ Die Worte brachen erstickt ab. „Es ist egal.“

Sie spürte Verwirrung durch den Schmerz. „Aber Theo-“ Er brach ab, als ihm ein Gedanke kam. „Verdammter Theo. Er hat mich schon wieder reingelegt. Es tut mir leid. Wenigstens musst du mich nie wieder sehen.“ Er fiel in einen Sessel und starrte auf das Armband um sein Handgelenk.

Theo hatte etwas gesagt? Sie schluckte. „Du warst ehrlich, also werde ich es auch sein. Gestern dachte ich, die Dinge könnten anders sein. Ich glaube nicht, dass Theo dich a-absichtlich anlügen wollte. Ich dachte wirklich, es könnte anders sein, bis du mir gesagt hast, dass…“ Wieder blieben die Worte aus.

„Es war eine Lüge“, flüsterte Draco und rieb sein Gesicht, als wäre er genauso müde, wie sie sich fühlte. „Ich schwöre es. Im Brief ging es um dich. Ich habe andere Briefe, die das beweisen. Ich dachte nur, du hättest dich für Theo entschieden. Ich wusste nicht, dass ich dich verletze; ich wollte dich schonen.“

Schonen? Wovor? Sie schüttelte den Kopf. „Du hast generell keine Ahnung.“

„Wohl eher nicht…“ Er ließ seine Hände fallen und sah sie so sehnsüchtig an, dass sie den Blick abwenden musste. Es half jedoch kaum, da sie seine Augen immer noch spürte. „Hätte es geholfen, wenn ich ein besserer Mensch gewesen wäre?“

„Ich denke nicht, dass das-“

„Antworte einfach, Hermine“, bat er.

Sie konnte dieses Gefühl der Verzweiflung von ihm kaum ertragen. Fühlte er wirklich so? Sie musste seinen Schmerz lindern. Auch wenn er ein ahnungsloser Blödmann war. „Du bist nicht fair zu dir“, sagte sie. „Du warst am Anfang echt mies, aber du hast dich sehr verbessert. Du hast dich stundenlang um Hilfsbedürftige im Krankenhaus gekümmert, wobei du auch einfach hättest fliehen oder Leute töten können. Du bist ein guter Mensch. Ich denke schon länger nicht mehr, dass du schlecht bist.“

Er starrte sie dumm an. „Also ist das ein Nein.“

Sie schüttelte den Kopf. „Warum tust du das? Ich habe schon gesagt, dass ich dachte, es könnte anders sein, oder? Also warum sagst du immer wieder, da-dass ich nicht…“ Sie konnte es nicht sagen. Wenn sie es aussprach, wissend, dass es nichts ändern würde, würde es sie zu sehr verletzen. Sie würde wieder verlieren.

„Nicht was?“, flüsterte er.

„Nein“, sagte sie fest. „Ich habe schon gesagt, dass es nichts bringt.“

Sein Kiefer spannte sich an und seine Augen wurden hart, während sie Verärgerung und sogar Wut in ihm aufflackern spürte. Warum sollte er sich plötzlich ärgern? Sie war so verwirrt.

„Ich weiß nicht, wie ich das interpretieren soll“, stieß er hervor. „Aber wenn du meinst, was ich glaube, dass du meinst, dann hast du vielleicht Gefühle für mich, aber du hast beschlossen, sie zu ignorieren, weil du mal eben so annimmst, dass es nicht funktionieren wird. So wie ich es schon monatelang mache und dabei uns verletze. Willst du wirklich genauso dumm sein?“

„Wer hat gesagt, dass das dumm von dir war?“, konterte sie. „Vielleicht mussten wir verletzt werden, damit wir es nicht weiter verfolgten?“

Er sprang auf. „Weiter inwiefern, Hermine? Weiter als Liebe machen und sich verlieben? Wie viel weiter kann es noch gehen?“

„W-wir haben nicht Liebe gemacht; wir-“

„Bring diesen Satz bloß nicht zu Ende! Wage es nicht, mir wegzunehmen, was passiert ist! Vielleicht hast du nicht das Gleiche empfunden, aber das ändert nichts an meiner Erfahrung!“ Er war jetzt sehr wütend.

Hermine bemerkte auf irgendwie losgelöste Art, dass ihr Zittern noch schlimmer geworden war. Sie spürte ihre Beine nachgeben und sank auf das Sofa. Zum Glück stand da ein Sofa. Sie wollte ihren Mund zur Antwort öffnen, aber ihre Zähne klapperten nur.

Dracos Wut verpuffte plötzlich. „Hermine, was ist mit dir?“, fragte er und machte zögernd einen Schritt auf sie zu. „Habe ich etwas Falsches gesagt? Warum weinst du? Bitte hör auf. Ich habe wahrscheinlich überreagiert. Ich bin nur so verwirrt und… weine nicht…“

Sie weinte doch nicht, oder? Sie hob eine Hand, berührte ihre Wange und spürte die Nässe. Seltsam. Sie verstand nichts mehr. „D-der Ring…“, brachte sie hervor.

Er nahm schnell – und sehr viel sanfter als zuvor – ihre Hand und zog den Ring ab.

„Tut mir leid“, murmelte er und massierte ihre bebende Hand. „Ich wollte dich nicht zum Weinen bringen. Ich hätte nicht hierher kommen sollen. Ich hätte dir nicht von meinen Gefühlen erzählen und dich erst recht nicht darunter leiden lassen dürfen. Ich habe nur… gehofft…“ Er schluckte und senkte den Blick. „Ich kann nicht aufhören zu hoffen, dass sich etwas ändert. Aber ich versuch’s, das verspreche ich dir. Warum weinst du immer noch?“

Warum weinte sie immer noch? Sie wusste es nicht. Sie umarmte sich, versuchte, die Tränen und das Zittern zu stoppen. Sie war so ein verwirrtes Chaos. Sie hatte noch nicht einmal richtig bemerkt, dass der Ring ab und Dracos Emotionen weg waren, weil in ihr selbst schon zu viele Emotionen waren, um sie in sich zu halten.

Plötzlich spürte sie seine Arme um sich, die sie an ihn zogen. „Vergib mir“, murmelte er. „Du brauchst Trost, nicht Streit… sag mir, wen ich für dich holen soll, dann gehe ich weg. Weit weg. Und ich komme nicht wieder.“ Er streichelte ihre Haare. „Ich will nur, dass du glücklich bist.“

Die Tränen strömten noch stärker. Er würde gehen? Sie wollte ihn um sich, um den Schmerz zu spüren und die Möglichkeit zu haben, einfach nach ihm rufen zu können…

Natürlich konnte sie das nicht. Er meinte es gerade nett, aber er würde sie schließlich so sehr verletzen, dass sie daran zerbrechen würde.

Sie wollte nur nicht, dass er ging.

Sie spürte, wie ihr Körper sich langsam beruhigte, während er sie hielt, sie wiegte, ihr Haar streichelte und Entschuldigungen murmelte. Sie blickte zu ihm auf und verlor sich eine Sekunde in seinen Augen.

„Sag mir, wen du brauchst“, flüsterte er. „Ich kann nicht bleiben. Ich muss gehen.“

Nein! Sie klammerte sich an seinen Arm. Nein. Seine Anwesenheit tröstete sie. „Nur noch ein paar Minuten.“

Er schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht. Ich bin nicht gut in sowas. Ich will dich an mich ziehen, deine Haare und deinen Hals küssen, dir sagen, dass ich dich liebe. Ich bin ziemlich sicher, dass das in deiner momentanen Verfassung verheerend wäre, also… muss ich gehen.“

Nein! Er konnte nicht gehen! Bevor sie es genau durchdacht hatte, drückte sie ihre Lippen auf seine. Es war wahrscheinlich einer der salzigsten Küsse, den sie je hatte, aber es war trotzdem schön und beruhigend. Nach nur ein paar Sekunden jedoch beendete er den Kuss mit einem Stöhnen.

„Das ist wirklich grausam, Granger“, flüsterte er.

Das war es auch. Sie verstand sich selbst nicht. Sie sollte ihn gehen lassen, aber sie fühlte sich nicht in der Lage dazu. Soviel zum Thema Starksein. Diese manipulierende, egoistische Schwäche, die sie an Draco hängen und ihn küssen ließ.

„Tut mir leid“, sagte sie und zwang sich, ihn loszulassen. „E-es waren ein paar harte Tage.“

Er nickte und wandte den Blick ab. „Du solltest schlafen.“ Er löste sich von ihr.

„Bitte geh nicht!“ Sie wusste nicht, wo die Worte herkamen. Vielleicht vom Ring? Nein, den trug sie nicht mehr. Keine Ausreden. Sie wollte nur nicht, dass er sie wieder verließ.

Er schenkte ihr einen langen, schmerzerfüllten Blick. „Entweder bist du unglaublich egoistisch oder du hast Gefühle, die eine größere Rolle spielen, als du gedacht hast. Das hier ist deine letzte Chance – soll ich bleiben oder gehen? Wenn du sagst, ich soll bleiben… wird es nicht nur jetzt sein.“

Sie schluckte und wandte den Blick ab. Sie wollte ihm nicht die Macht geben, sie zu verletzen. Er hatte sie schon so oft und sosehr verletzt. Aber hieß das nicht andererseits, er hatte bereits die Macht, sie zu verletzen? Vielleicht hatte sie nur Angst, dass es wirklich, wirklich gut sein könnte, und dann würde sie eines Tages alles wieder verlieren.

Ihnen beiden diese Chance zu verwehren war ziemlich feige, oder? Aber es war so sicher, ein Feigling zu sein. Sicher, es tat weh, aber sie erwartete sowieso nichts anderes, also war es doch gar nicht so schlecht.

Das war nicht Hermine Granger. So schwer es auch sein würde, es zu riskieren, und so viel sie auch verlieren konnte, sie musste es versuchen.

„V-vielleicht könnten wir es versuchen?“, fragte sie.

Er starrte sie an. Nur so. Dann plötzlich neigte er den Kopf und küsste sie wieder. Sie wehrte sich nicht. Sie wollte es. Sie wollte diese Hand auf ihrem Rücken, wollte an ihn gepresst werden. Sie wollte, dass seine Lippen ihre liebkosten, als gäbe es nichts, was er lieber tun würde.

Er unterbrach den Kuss und flüsterte ihr ins Ohr, „Keine Panik. Wenn die Dinge nicht so laufen, wie du es willst, kannst du immer noch versuchen, mich loszuwerden.“

Erleichtert, dass er ihre Meinungsänderung so einfach und ohne Fragen akzeptierte, sah sie ihn an. „Mit Gift?“

Er grinste, aber dann verschwand das Grinsen und er wurde nachdenklich. „Ich hätte nicht lügen dürfen. Ich war wirklich ein Idiot, oder?“

Sie nickte enthusiastisch. „Das stimmt.“ Immerhin hatte er ihr die letzten Monate permanent die falschen Signale gesendet und die falschen Dinge gesagt. Wenn er nicht so ein Idiot wäre, hätten sie es schon längst lösen können.

„Wenn ich je wieder ein Idiot sein sollte, ohrfeig mich einfach!“, schlug er großzügig vor und lehnte seine Stirn an ihre.

„Oh, Süßer…“, sagte Hermine übertrieben schnurrend und freute sich über Dracos Zucken. Sie fuhr mit ihrer Hand durch seine Haare und an seine Wange, wo sie ihm einen leichten Klaps gab. „Das wirst du.“

Hermine war trotz allem ein Realist.

+++++

Vorschau

+++++

Es gibt keine Vorschau. Aber um was wird es wohl im Epilog gehen? Hmmmm.


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Die Entschlüsselung der Namen ist gut und schön, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass dem zuviel Bedeutung beigemessen wird. Überspitzt gesagt, könnte Malfoy auch Müller-Lüdenscheid heißen, er würde aber dieselbe finstere Figur bleiben.
Klaus Fritz