
von Nitsrek
Das HP-Lexikon führt Hermines Zweitnamen inzwischen als Jean an, nicht Jane. Im Lexikon ist ersichtlich wann und wo die Änderung durchgeführt wurde, aber ich bevorzuge Jane. Seid gewarnt vor diesem Kapitel, es ist in keinster Weise angenehm zu verstehen. - Anmerkung der Autorin
„Warum versteckst du dich da drin? Ich werde dir nicht wehtun…“
Ich hatte geträumt. Harry…
„Komm her, Kätzchen… Harry wird dir nicht wehtun…“
Fauchen…
Ich schmeckte Blut und öffnete meine Augen. Immer noch Mondschein, Harry… Ich schloss meine Augen, bis mich das Klappern und Zerbrechen von Geschirr zwangen zu akzeptieren, dass ich nicht träumte.
„Verdammt!“
Seine Stimme kam aus der Küche. Ich lag auf dem Bett, meine Hände auf meine Brust gebettet, als wäre ich tot. Ich konnte immer noch Blut schmecken… und irgendwas verklebte die Wimpern meines linken Auges. Mein Mantel hing neben der Tür… aber der Zauberstab war außer Reichweite. Portschlüssel… dämlicher Portschlüssel, wenn ich still wäre, käme ich vielleicht dran.
Komm, Kätzchen… Harry wird dir etwas Fisch geben…“
Seine Stimme widerte mich an, weich, fast sanft, aber ich wusste es besser. Ich rutschte vom Bettrand und bemerkte, dass meine Stiefel nun auch bei der Tür standen.
Ruhig… unauffällig…
„Du bist aber nicht Krummbein. Nein, du bist ein neues Kätzchen…“
Ich zuckte zusammen. Harry erinnerte sich an Krummbein… und er erinnerte sich an Draco Malfoy, hatte meinen Kater für diesen abscheulichen Mann gehalten. Ich kroch über den Steinboden und kippte fast wieder um, weil mein Kopf sich so drehte. Ich wusste, dass ich im harmlosesten Fall eine Gehirnerschütterung hatte, sie aber aushalten musste, wenn ich überleben wollte. Und ich wollte überleben…
„Bist du Malfoy? Warum würde sie dich so nennen?“
Ich hörte wieder das vertraute Fauchen und Harrys Lachen.
Meine Fingerspitzen erreichten den Mantel und ich zog, versuchte, völlig lautlos zu agieren. Als der Mantel auf meinem Schoß lag, suchte ich… und suchte… und fand nichts, absolut gar nichts!
„Was machst du da, Hermine?“
Er stand mit einer halb-geöffneten Dose Lachs in der Hand im Türrahmen, Aberforths Stab in der anderen Hand. Mit einem Schwenken erhellten sich die Kerzen im Raum und ich konnte endlich seine Augen sehen. Diese schönen, smaragdgrünen Kugeln funkelten wütend.
Plötzlich lagen Mantel und Dose auf dem Boden und Harry hielt mich an den Haaren, hob mich hoch, der gestohlene Zauberstab an meinem Hals. Meine Arme waren nutzlos; mein ganzer Körper war nutzlos, als ich den Wahnsinnigen, der einst mein bester Freund gewesen war, mit großen Augen anstarrte.
„Du hast nach dem Portschlüssel gesucht, nicht wahr?“
Hinter Harry lag auf der Inseltheke der gesamte Inhalt meiner Manteltasche; der Ananaskuchen zur Hälfte gegessen, offensichtlich von dem Mann, der mein Leben wortwörtlich in den Händen hielt.
„Heißt dein Kater Malfoy?“
Unter den Umständen schien diese Frage sehr absurd.
„Ja…“, keuchte ich, als er mir schmerzhaft einige Haare ausriss.
„Witzig, Hermine…“
„Fan-fand ich auch…“
Er lächelte, aber es war nicht sehr aufheiternd, da die Zauberstabspitze noch tiefer in meinen Hals drückte. Und das Lächeln verschwand als er mich weiter in den Raum stieß, endlich meine Haare losließ, aber dennoch die Spitze fest gegen meinen Kehlkopf drückte.
„Ich habe nach dir gesucht.“
Ich blinzelte langsam. „Warum denn, Harry?“
„Ich wollte dich sehen… und Ron. Wo ist Ron?“
Ich versuchte zu schlucken, schmeckte aber Blut in meiner Kehle. „Er arbeitet auf Bali, Harry.“
Harry runzelte die Stirn und die Spitze ließ etwas nach. „Bali? Haben seine Eltern ihn dorthin geschickt?“
Ich war verwirrt, erinnerte mich jedoch langsam daran, was Arthur gesagt hatte…
„Ja… bis sich alles etwas beruhigt hat.“
„Warum bist du nicht gegangen?“
Ich hatte plötzlich Tränen in den Augen… „Ich konnte dich nicht allein lassen, Harry. Wir müssen noch den letzten finden…“
Horkruxe… Die Erkenntnis in Harrys Augen ließ meine Tränen überquillen und plötzlich war die Spitze seines Zauberstabs fort und sehnige Arme hielten meinen Körper in einer Umarmung. Er begann, in meine Schulter zu heulen und ich versuchte ihn zu berühren, aber er glitt an meinem Körper hinab und kniete schließlich vor meinen Füßen. Ich versteifte mich, als er sein Gesicht in meine Schenkel drückte und seine schmutzigen, unrasierten Wangen an dem Satin meines Kleides rieb. Meine Hände hoben sich und ich überlegte, ob ich meinen Zauberstab herbeirufen sollte… bis sein Gesicht sich so drehte, dass seine Nase an meinem Schritt war und seine Hände unter meinem Kleid meine Beine hinauf wanderten.
„Hermine… Gott, Hermine, ich habe dich so vermisst…“
Ein Schluchzen entkam mir, teils aus Kummer über den Mann, der früher Der Junge, der überlebte gewesen war, teils weil seine dreckigen Hände das Gummiband meiner Unterhose gefunden hatten.
Wo war sein Zauberstab? Ich versuchte mich nicht zu bewegen, während meine Augen suchten, bis ich ein Stück Holz nahe der Tür entdeckte. Ich fragte mich, ob ich ihn, ohne Harrys Aufmerksamkeit zu erregen, beschwören könnte, Harry dann verfluchen und weglaufen könnte… Ich hätte lieber meinen Zauberstab, aber ein fremder würde reichen müssen…
Ich verkniff mir einen Schrei, als Harry meine Unterhose meine Beine herab zog und versteifte mich, als er meinen Rock nahm, ihn langsam hob und seine raue Wange an meinem Oberschenkel entlang bewegte.
„Harry… was hast du…“, keuchte ich, als kühle Luft die Innenseite meiner Schenkel traf… und meine….
„Hermine… Hermine“, schluchzte er an meinem Bein.
Ich konnte es nicht mehr zurückhalten. Ich krümmte mich, kippte in Harrys fester Umklammerung meiner Beine fast um. Und als seine Nase die kurzen Haare an meiner… verdammt… meiner Mitte durchkämmte, versuchte ich, mich loszureißen. Ich kam nicht weit und Harry warf mich aufs Bett, knurrend wie ein wildes Tier.
„Weißt du… weißt du…“, atmete er; sein Haar fiel ihm ins Gesicht und eine grobe Hand strich sie achtlos beiseite. „Weißt du, Hermine, diese scheuen Tricks haben vielleicht bei Ron funktioniert… aber ich bin es langsam Leid!“
Merlins Arsch! Warum hatte ich keinen Ersatzzauberstab?
„Accio!“ Ich rief es aus purer Panik, aber Aberforths Zauberstab kam auf mich zu… Ich hatte es nicht aussprechen wollen! Als er schon fast in meiner Hand war, wurde er zur Seite geschlagen und fiel klappernd zu Boden, zerbrach und sprühte rote Funken, als er in die Küche flog.
„Nein! Nein, Hermine, so wird hier nicht gespielt!“
Angst, furchtbare Angst. Voldemort oder der Gedanke an ihn hatte mich nie so zittern lassen wie jetzt Harry Potter. Und die Angst verwandelte sich schnell in Ekel, als er sich auf mich warf, mich auf meinem eigenen Bett gefangenhielt, und in mein Gesicht schielte. Er hielt meine Handgelenke über meinem Kopf fest und ich konnte seine Knie zwischen meinen Beinen spüren… und ich wusste, dass ich in der Falle saß.
Warum hatte ich die Schutzhaft verweigert?
Wegen deinem albernen Gryffindor-Stolz, sagte Severus Snape deutlich.
Ich stöhnte, als Harry sein Gesicht zu meinem senkte und sein Geruch meine Sinne überwältigte. Er war dreckig, verschwitzt und ich versuchte, nicht zu würgen.
„Du wirst mir helfen, Hermine…“
Ich drehte mein Gesicht weg, konnte nicht in diese Augen sehen.
„Du wirst mir helfen, ihn zu finden…“
Harrys Worte bedeuteten mir nichts, ich hörte nicht hin. Ich dachte nur an Verteidigungszauber, etwas, dass mir Zeit verschaffen würde, um an den Notfall-Portschlüssel auf der Inseltheke zu kommen. Ich hatte nicht die Zeit zu überlegen, woher er von dem Portschlüssel gewusst hatte. Es war eine Holzspindel mit Garn, harmlos und deutlich ‚unmagisch’ in ihrer Erscheinung. Aber ich konnte sie gerade so auf der Theke sehen… und wenn meine Hände frei wären, könnte ich sie auch aufrufen.
Harry verlagerte sein Gewicht und ich schrie auf, als er meine Handgelenke in einer Hand zusammenquetschte und dabei meine kleinen Knochen brach. Die Knochen fühlten sich wie Tausende von Glasscherben an.
„Du hörst mir nicht zu, Hermine. Pass gefälligst auf oder ich werde…“, zischte er, verlor sich jedoch, als er seine Nase an meinem Hals entlang bewegte und tief einatmete.
Ich versteifte mich und kniff meine Augen fest zu. Harry und ich waren nie miteinander intim gewesen, zumindest nicht auf körperlicher Ebene, und ihn auf mir zu spüren, wie er an meinem Hals roch und mich auf mein eigenes Bett drückte… Ich fühlte mich mehr und mehr geschändet. Dieser Harry war nicht mein Harry. Mein Harry würde mir nie wehtun; mein Harry würde mich nie bluten lassen.
„Du wirst was?“, flüsterte ich und versuchte, nicht so erschüttert zu klingen, wie ich es war… „Mich töten?“
Er stöhnte und seine Zunge leckte über meinen Puls. Ich zitterte.
„Wie du auch Minerva getötet hast?“
„Nein, nein, Hermine… nicht so…“, flüsterte er, während seine linke Hand über mein Schlüsselbein zur Vorderseite des zerknitterten Kleids wanderte. Mit einem kräftigen Ziehen riss der Satin bis zu seinem Taillen-Gürtel, entblößte meinen schwarzen BH.
Tränen blendeten mich. Wenn ich ihn ruhig halten könnte… wenn nur…
„Aber… aber du wirst mich töten?“, schluchzte ich, unfähig mich zurückzuhalten.
Harry sagte nichts, senkte sein Gesicht zu meiner Brust, so dass sein zerzaustes Haar in mein Gesicht fiel. Die schwarzen Locken rochen nach Schlamm und Rauch, schmutzig, und ich drehte mein Gesicht gegen meinen Arm, vergrub meine Nase in dem intakten Ärmel von Minervas Kleid.
Er hörte ein paar Momente meinem schnellen Herzschlag zu, seine unsauberen Finger zogen Kreise auf meinen Rippen. Als ihm das nicht mehr ausreichte, öffnete er den Vorderverschluss meines BHs und riss an der Seide, bis sie irreparabel kaputt war. Ich versuchte nicht zu schreien, nicht zu atmen, als er seine raue Wange an meinen Brüsten rieb und tief einatmete, als ob er meinen Körpergeruch in sein ramponiertes Gehirn aufnehmen wollte. Harry summte zufrieden, als seine aufgesprungenen Lippen über die Spitzen meiner Brustwarzen glitten. Ich musste auf meine Lippe beißen, um nicht einen Laut zu machen, der meine Angst verraten würde… und meine erzwungene Erregung. Niemand, nicht einmal Ron, hatte mich bisher so berührt…
Und dann erschien Ginny Potters Gesicht vor meinem inneren Auge. Merlin… wie hatte er so verrückt werden können?
„Ich werde dich nicht töten, Hermine… ich nicht… aber du wirst mit mir sterben… und wir werden für immer zusammen sein. Ron auch… wir werden alle zusammen sein. Mum und Dad, Sirius und Remus, Dumbledore und McGonagall… wir alle für immer zusammen…“
Ich atmete ein, meine Brust bebte vor Angst. Harry schien von der Furcht angetrieben, und als sein Mund sich um meinen linken Nippel schloss, krächzte ich.
„Was ist mit Ginny?“
Harry sagte nichts; seine Zunge wirbelte um meine Brustwarze und ließ meine Schenkel unfreiwillig zittern. Zähne gruben sich in Fleisch und ich schrie, während mein Körper versuchte, meinen Angreifer abzuschütteln, der nicht länger der Harry Potter war, den ich kannte. Ich konnte wieder mein Blut riechen und es an der Seite meiner linken Brust aufs Bett tropfen sehen. Ich stieß mit den Beinen und endlich zog Harry sich zurück, eine verrückte Version eines jungenhaften Lächelns auf seinen blutigen Lippen.
„H-Harry… bitte…“, flüsterte ich durch meine Tränen… und bereute meine Worte sofort. Es war eine Bitte um Erbarmen gewesen, aber ich wusste, wie er es aufgefasst hatte.
„Ich werde es dich erkennen lassen, Hermine. Du wirst mein sein und dann hast du keine Wahl mehr…“
Er schob wieder den Rock des Kleides nach oben, und wenn nicht Harrys unmenschlich starker Griff um meine offenbar gebrochenen Handgelenke und sein Gewicht auf meiner Hüfte gewesen wäre, hätte ich mit allem gekämpft, was ich hatte. Aber zu meiner Schande, meiner Angst und meiner Wut, konnte ich mich nicht genug bewegen, um ihn zu beißen oder zu kratzen. Ich würde in meinem eigenen Bett vergewaltigt und ermordet werden…
Minerva… Merlin… bei Gott, irgendwer… hilf mir…
„Du… wirst… mir… helfen“, grunzte er und ich schrie.
Ich wurde in Stücke gerissen und konnte das Blut zwischen meinen Beinen und in mir spüren, als Harry drei raue Finger in meinen Körper rammte. Meine Angst hatte jede körperliche Feuchtigkeit und jedes Bewusstsein in mein Gehirn gezogen und die Penetration war trocken… Aber da war Blut, dunkles, schimmerndes Blut, als er seine kalten, groben Finger in mich stieß. Jede Bewegung seiner Finger brachte Schreie, so laut, dass ich dachte, es wäre noch jemand anderes im Zimmer, da es nicht ich sein konnte, die solche fuchtbaren Laute produzierte.
Es tat weh… so sehr, dass es sich anfühlte, als ob seine Finger meine Gebärmutter zerkratzten, sie Stück für Stück herauszogen. Ich konnte Magie in ihr spüren, eine kalte, schreckliche magische Welle…
„Du wirst mir helfen, den Stein zu finden!“, brüllte Harry mich an und zog seine Hand so brutal zurück, dass ich in voller Qual, die ich noch nie so verspürt hatte, kreischte. Das Blut schien aus mir hervorzuschießen und tropfte von seiner Hand wie flüssige Nacht.
Harry gab meine Handgelenke frei, kniete sich jedoch zwischen meine Knie und starrte auf meinen nackten, blutigen Körper. Seine blutige Hand hielt er wie etwas Wertvolles nah an seine Brust, während er mit großen Augen seine Lippen leckte. Ich war kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren, blutete am Kopf, an der Brust und nun auch noch an meiner privatesten Stelle… Ich hatte nicht die Kraft mich zu bewegen und ein Teil meines Gehirns beschimpfte mich in Severus Snapes Stimme, drängte mich, mich zu beruhigen, mich zu wehren… aber ich konnte nicht. Mir ging nur ein dummer Gedanke durch den Kopf… niemand würde mich jetzt noch wollen… nicht hiernach. Ich war beschädigt, vollkommen zerstört von dem Mann, den ich am meisten geliebt hatte… meinem besten Freund…
„Sag’s mir, Hermine, sag’s mir…“, flüsterte er, sein Körper neigte sich und sein Gesicht näherte sich der Stelle, wo meine Schenkel sich trafen.
Ich öffnete meinen Mund um zu sprechen, konnte es aber nicht. Es schmerzte zu reden, sich zu bewegen.
Seine Zunge schnellte als erstes hervor, fast als würde sie das wunde Fleisch trösten wollen, aber ich schrie wieder, lauter, als sein Mund sich um meine Wunde und meine Klitoris schloss. Erst leckte er, dann biss er wie ein verhungerndes Tier zu. Meine Hände zuckten und mein Gehirn machte einfach zu.
Nein, Hermine! Wach auf, verdammt! Kämpfe, kämpfe!
Ich wünschte, Severus Snape wäre wirklich hier, er hätte keine Skrupel, diesen Mann, der früher Harry Potter gewesen war, zu töten. Wenn Severus Snape leben würde… würde er mich sicher aus dieser Hölle befreien.
Ich ließ den Schmerz los und öffnete meine Augen, die zur Tür wanderten, zur Spindel. Ich deutete darauf so gut ich konnte, nahm all meine Kräfte zusammen und zwang sie gedanklich in meine Hand. Wenn es nur funktionieren würde…
„Granger? Granger! Verdammt, ich bin fast durch!“
Es war nicht Harrys Stimme, sondern eine männliche Stimme, die ich dunkel erkannte. Ein Licht blitzte im Hauptraum auf und ein nachhallendes Krachen, das mich die Augen schließen ließ, erklang, ließ meinen Arm taub vom Bett rutschen. Ich konnte nur noch hören, nicht mehr sehen oder spüren.
Der Klang eines mächtigen Zaubers, der über meinen Körper huschte, roch nach Ozon und ich hörte einen dumpfen Schrei. Glas zerbrach so laut, dass es mich taub machte, doch ich spürte, dass Scherben des Glases in meinem rechten Arm steckten und auch die rechte Seite meines Gesichts streiften. Ich hörte lautes Wutgebrüll und einen Schmerzensschrei, der sich immer mehr entfernte, und konnte den Wald riechen.
„Sergeant, haben Sie ihn gepeilt?“, knurrte diese vertraute Stimme gehetzt und verärgert.
„Nein, Sir, er war zu schnell. Ich glaube, er hat es vorhergesehen oder gespürt.“
„Egal, er wird nicht weit kommen. Sichern Sie die Schutzzauber, ich will diese Hütte unsichtbar, geschlossen… Sagen Sie die Forensik, die sollen ihren Arsch hierher bewegen!“
„Ja, Sir, schon dabei.“
„Und lassen Sie Heiler Wiscombe zum Schutzhaus kommen!“
„Ja, Sir.“
Es waren mindestens acht Leute in meinem Haus. Ich konnte das Flohnetzwerk riechen und mehr Leute kommen hören.
„Riegeln Sie das Schlafzimmer ab, wenn ich sie hier raus habe.“
Eine Stimme, näher, diese vertraute Stimme, die meinen Namen gerufen hatte…
„Ist es klug sie zu bewegen, Sir? Wir haben noch nicht…“
„Sie braucht einen Heiler und einen sicheren Ort, um sich zu erholen! Potter könnte zurückkommen und Granger darf nicht hier sein, wenn er das tut“, motzte die Stimme über mir.
Ich kannte die Stimme und meine Augen öffneten sich einen Spaltm um in ein stürmisches Gesicht mit stürmischen Augen zu blicken.
„Kannst du mich hören, Granger?“
Malfoy, Draco…
„J-ja…“
Er kam näher, sein Ohr nahe an meinen Lippen.
„Ich muss dich bewegen und dich hier raus schaffen. Verstehst du?“
„Ja…“, flüsterte ich wieder.
„Bei Merlin…“, keuchte jemand geschockt von der Tür aus, aber ich konnte nur Malfoy sehen, der mich in seinen Mantel wickelte und behutsam vom Bett hob. Ich schrie auf, als er meine Beine hob, weil der Schmerz zurückkehrte, und er hielt inne, blickte mich mit einem Ausdruck an, den ich nicht deuten konnte.
Mein Kopf rollte gegen seine Brust und ich hörte das heftige Schlagen seines Herzens. Ich konnte seine Augen auf mir spüren, merkwürdige Augen, und auch das Mitleid, das darin stand. Ich hätte mich am liebsten wieder auf Malfoy übergeben.
Malfoy… Oh Gott…
„Langsam, nicht herumfuchteln“, sagte er und seine Arme packten mich noch etwas fester.
„Malfoy…“, weinte ich. „Wo ist Malfoy? Ich glaube, er hat ihn verletzt…“
Malfoy blieb in der Küche stehen. „Was redest du da, Granger, ich bin doch hier…“
Ich seufzte, es wurde aber ein Keuchen. „Kater… mein Kater, Malfoy…“
Ich spürte, wie sein Körper sich versteifte.
„Hat irgendjemand einen Kater gesehen?“, rief er.
Ich hörte ein paar Stimmen, verstand aber nicht, was sie sagten.
„Hier, Sir…“
Ein sorgenvolles Miau ließ mir meine Umgebung bewusster werden und kurz darauf lag Malfoy in meinen Armen. Er zitterte genau so wie ich, sein Schwanz dicker als der Schläger eines Treibers, seine Augen eine besorgniserregende Mischung aus rot und silber…
Der menschliche Malfoy murmelte vor sich hin als er weiterlief; jeder entschlossene und schwere Schritt durchlief mich schmerzlich.
„Verdammt, Flint… Flint? Hol den Kamm aus meiner Hosentasche, okay?“
Ich verstand zuerst nicht, aber als Malfoy mich und meinen Kater in seinen Armen verlagerte, verstand ich sofort.
Portschlüssel…
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Ich schrie heiser, als ich an einem unbekannten Ort auf ein weiches Bett gelegt wurde. Malfoy, der Kater, lag in meiner Nähe, maunzte während ich schrie, und leckte die Fingerspitzen meiner rechten Hand von Zeit zu Zeit mit seiner rauen Zunge… Mein Kopf war völlig leer, abgesehen von den Schmerzen und Malfoys schrecklichem Miauen.
Ich wusste, dass Menschen da waren, hatte aber keine Ahnung, wer sie sein konnten. Als ich spürte, wie der Mantel von meiner Haut verschwand, schrie ich lauter, plötzlich frierend und verletzlich. Kurze Zeit später kamen keine Schreie mehr, als ich Magie in meinem Hals spürte. Silencio.
„… eventuell Hirntrauma… zwei ernste Gehirnerschütterungen, vielleicht mehr als…“
Etwas Kühles an meiner Stirn stoppte den Schmerz dort, aber der Rest meines Körpers pochte und meine Schreie blieben intensiv und lautlos.
„Ist sie vergewaltigt worden?“
„Nein, aber penetriert. Der vaginale Riss ist heftig, kann jedoch repariert werden. Ich werde diverse Antibiotika anordnen, da sich Speichel in ihrer Vagina befindet. Ihre Klitoris kann gerettet werden, aber dazu braucht sie mindestens zwei Wochen Bettruhe…“
„Sie meinen, er… erhat mit seinen Zähnen daran gezogen?“
„Ja, Sir. Die rechte Brustwarze auch… der Schaden an den Milchdrüsen ist nicht so leicht zu behandeln, wird aber mit der Zeit und den richtigen Tränken sicher verheilen.“
„Sonst noch etwas?“
„Ihre Handgelenke sind mehrfach gebrochen. Was auch immer er zum Fesseln benutzt hat, war furchtbar…“
„Seine Hand… es war seine Hand.“
„Eine Hand? Eine menschliche Hand?“
„Ja, Wiscombe.“
„Merlin…“
„Noch etwas?“
„Nun, ähm… hauptsächlich Blutergüsse, von der Schulter bis zu den Beinen. Schnitte. Sie hatten doch ein Fenster erwähnt? Die meisten sind oberflächlich und werden schnell verheilen, aber ihre Handgelenke, ihr Gesicht und ihre Hüfte werden länger brauchen. Dann ist da natürlich ihr Geisteszustand. Sie steht unter Schock, was nicht verwunderlich ist… Wäre es nicht besser, sie ins St. Mungo zu bringen, Chief?“
„Potter ist aus dem St. Mungo ausgebrochen, hier ist es besser. Wir sind weit weg von Schottland und die Schutzzauber um das Anwesen werden ihn außen und sie innen halten.“
„Ich verstehe, Sir. Ich werde mit der Behandlung beginnen. Wenn Sie Schwester Wronski hereinrufen, können wir anfangen…“
Ich hörte alles, konnte jedoch nichts sehen. Ich konnte das Gehörte nur in den Tiefen meines Gehirns verstauen und zu einem anderen Zeitpunkt darüber nachdenken. Ich ergab mich den Tränken, die meine Kehle hinunter liefen und dem unangenehmen Abtasten meiner Genitalien. Ich lag sehr still, als ich spürte, dass Fleisch und Knochen wieder zueinander fanden, hatte jedoch keine Ahnung, wie viel Zeit verging. Die Stimmen waren nicht mehr über mir, sondern fort, und ich fing nur Bruchstücke von Gesprächen auf. Die Personen waren mir unbekannt und ich fragte mich, ob Malfoy mich zurückgelassen hatte, um Harry zu jagen.
„… einen Tag, um wieder voll das Bewusstsein zu erlangen…“
„Ich muss ihre Aussage aufnehmen, Wiscombe.“
Wiscombe war der Heiler und ich wusste, dass die andere Stimme, kalt und streng, Draco Malfoy war. Ich fühlte mich sicher, als ich ihn hörte, und ein Teil von mir kam sich für diese Reaktion albern vor.
Manchmal spürte ich, wie sanfte Hände mich berührten und weicher Stoff um mich geschlagen wurde, der die Kälte von meiner Haut hielt. Manchmal spürte ich die kühle Nase meines Haustiers an meinen Knöcheln und sein Fell an meinen Zehen.
Und dann war ich wach. Natürlich war ich schon länger wach gewesen, aber ich sah wieder, als ob jemand eine Augenbinde aus meinem Gesicht entfernt hätte. Malfoy lag an meiner Seite zusammengerollt und ich bemerkte, dass ich in einem großen Bett lag, größer als mein Bett in der Hütte. Es war ein weiches, warmes Bett mit einer schweren weißen Decke, die bis an mein Kinn hochgezogen war. Mein Haar war… geschnitten.
Ich runzelte die Stirn und starrte den Baldachin aus cremefarbener Seide an. Ich konnte meine Haare nicht an meiner Schulter spüren und führte langsam eine Hand nach oben, um herauszufinden, wieso. Mein Kopf war rasiert und spürte wunde Stellen auf meiner Kopfhaut, Knoten und Narben…
Ich versuchte, mich aufzusetzen, konnte jedoch kaum den Kopf vom Kissen heben. Wo war ich? Welcher Tag war heute?
„Halt still, Liebes, ich werde Heiler Wiscombe rufen“, sagte eine sanfte Stimme neben dem Bett.
Ich erstarrte, als meine Augen wanderten und eine blasse Frau auf einem Sessel erfassten, die im Kerzenlicht ein Buch las. Es war ein Gesicht, das ich seit vielen jahren nicht gesehen hatte; ein Gesicht, von dem ich gedacht hatte, es nie wieder sehen zu müssen.
Sie stand langsam auf, ihr weißer Morgenrock fiel hübsch um ihre kleinen, nackten Füße. Als sie zur Tür zum Nebenzimmer lief, bewunderte ich ihr schönes, blondes Haar und die Art, wie es in einem perfekt geraden Wasserfall aus Platin nach unten strömte. Sie blickte zurück und lächelte, bevor sie in einen hellen Flur trat und die Tür offen ließ.
Narcissa Malfoy… warum wartete sie neben meinem Bett?
Die Information, die ich verstaut hatte, kam wieder hervor. Draco Malfoy hatte mich von meinem Zuhause aus an diesen Ort gebracht, der, nachdem, was er dem Heiler gesagt hatte, nur Malfoy Manor sein konnte.
Und dann kehrte die Information über meine Verletzungen zurück.
Ich spürte keinen Schmerz als ich in Malfoy Manor lag, hatte aber eine ausgeprägte Unschärfe in meinem Gehirn, dass ich sicher war, unter dem Einfluss eines schmerzlindernden Trankes zu stehen. Ich fühlte mich wund, aber es war erträglich. Der Verlust meiner Haare machte mit mehr Sorgen… und der Zustand meines Heims und meiner Arbeit.
„Ah, Miss Granger, es ist schön zu sehen, dass Sie wach sind!“
Narcissa kehrte mit einem drahtigen, älteren Herrn mit einer dicken Brille und Ministeriumsumhang zurück. Heiler Wiscombes Gesicht war sehr freundlich und als er meinte Hand vorsichtig berührte, wusste ich sofort, dass ich diesem Mann vertrauen konnte.
„Ich bin Ernest Wiscombe und habe Sie die letzte Woche behandelt. Ich arbeite für die Abteilung für Magische Strafverfolgung. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich mir gerne ansehen wie Ihre Wunden verheilen.“
Er hielt Abstand und ich spürte, dass er auf die Erlaubnis wartete, näherkommen zu dürfen. Wiscombe hatte sicher gelernt wie man sich Opfern von Gewaltverbrechen näherte. Ich schloss bei diesem Gedanken einen Moment meine Augen, öffnete sie jedoch schnell wieder.
„Ich…“, begann ich, aber meine Stimme krächzte.
„Ah ja, die Tränke, die Sie eingenommen haben, haben Ihren Hals irritiert und Sie waren für circa eine Woche bewusstlos. Ein wenig Wasser könnte helfen…“
Narcissa gab mir bereits ein Glas mit Strohhalm und ich stellte ihre Mithilfe nicht in Frage, zumindest so lange nicht, bis ich wieder richtig sprechen konnte. Ich nahm zwei große Schlucke und fühlte mich sofort besser.
„Es ist in Ordnung…“, schaffte ich, meine Stimme immer noch sehr heiser. „Muss ich mich ausziehen?“
„Nein, meine Liebe, ich muss nur diese Decke zurückziehen… und meinen Zauberstab benutzen.“
Ich nickte, als Wiscombe langsam die Decke zurückzog und sah, dass ich ein leichtes weißes Nachthemd mit kurzen Ärmeln, V-Ausschnitt und langem Rock trug. Ich lag sehr still, als Wiscombe seinen Zauberstab von meinen Zehenspitzen zu meinem Kopf und wieder zurück bewegte, über meiner Brust und meinen Schenkeln innehielt. Zuletzt fuhr er ein paar Mal mit dem Zauberstab über meinen Kopf und nickte, dann legte er vorsichtig die Decke wieder auf meinen Körper.
„Sehr gut. Sie verheilen sehr gut. Ihre Handgelenke sind geheilt und die Wunden auf Ihrem Kopf haben sich gut verschlossen…“
„Und… und meine Brust, meine…“, flüsterte ich mit bebenden Lippen.
„Verheilen gut. Keine Infektionen und innerhalb der nächsten ein, zwei Woche werden Sie völlig verheilt sein.“
„Kein dauerhafter Schaden?“, flüsterte ich und warf Narcissa, die auf ihre im Schoß gefalteten Hände starrte, einen Blick zu.
Wiscombes freundliches Gesicht wurde ernster und er atmete ein. „Es ist zu früh, um das festzustellen. Anfangs glaubten wir der Schaden wäre nur oberflächlich, aber es gibt auch Schäden an Ihrer Gebärmutter. Der Schaden ist magischer Natur und ich bin mir immer noch nicht sicher, was die Ursache dafür war oder wie es passiert ist…“
Ich zitterte und bevor ich es stoppen konnte, „Es fühlte sich an, als würde er versuchen, meine Gebärmutter mit Klauen herauszuziehen… Ich habe noch nie so etwas gespürt…“
Wiscombe nickte. „Wenn er gefasst ist, wird er es uns vielleicht sagen.“
Ich blinzelte und drehte mich zu Narcissa, die mich mit schwerem Ausdruck ansah.
„Vorerst werde ich Sie jetzt wieder ruhen lassen. DCI Malfoy wird am Morgen hier sein, ebenso wie ein paar andere Personen, die Sie gerne sehen würden, Miss Granger.“
Ich nickte langsam… versuchte, die Informationen zu verarbeiten. Wiscombe verbeugte sich vor Narcissa und wandte sich zum Gehen, als es mir wieder einfiel…
„Mein Haar… Mr. Wiscombe, war es notwendig, meinen Kopf zu rasieren?“
Wiscombe lächelte traurig in dem schwachen Kerzenlicht. „Sie waren schlimmer dran als wir dachten, Miss Granger. Ihre Entschlossenheit zu leben, hat uns überrascht… Sie hatten einen Schädelbruch und wir glaubten, Sie würden nicht wieder zu Bewusstsein kommen. Ihre Haare waren ein geringer Preis für Ihre Heilung. Sie werden nachwachsen. Und Sie können es sicher auch verwandeln, wenn es Ihnen wieder gut genug geht.“
Ich grinste, als Wiscombe sich diesmal vor mir verbeugte und den Raum verließ. Ich lag lange Zeit da, dachte nach, dann bewegte ich mich. Narcissa war sofort an meiner Seite und lautlos ließ ich sie mir dabei helfen mich aufzusetzen. Es fühlte sich gut an wieder sitzen zu können, obwohl ich nichts weiter zu tun hatte, jetzt, wo ich saß.
„Ist Malfoy gefüttert worden?“, fragte ich plötzlich und wandte mich an Narcissa Malfoy. Natürlich schien sie verwundert.
„Verzeihung?“
Ich verkniff mir ein Lachen. „Mein Kater“, sagte ich und zeigte auf das eingerollte graue Tier neben mir.
„Ah, ja. Die Elfen haben sich um ihn gekümmert… Malfoy…“, sagte Narcissa mit zusammengezogenen Augenbrauen. „Wir wussten nicht, wie er heißt.“
Ich lächelte, obwohl ich dabei leichte Schmerzen hatte. „Er ist ein Halb-Kniesel. Und ich meinte es nicht respektlos, als ich ihn Malfoy nannte… Ich hätte nicht gedacht, dass ich Ihrer Familie noch einmal begegnen würde.“
„Warum haben Sie ihn so genannt?“
Zu meiner Überraschung lag keine Kälte in ihrer Stimme, sondern nur Neugier.
„Seine Augen. Und er erinnerte mich an Malfoy… ein bisschen arrogant.“
„Ah, nach Draco…“
Wieder kehrte Stille ein und ich beobachtete, wie Narcissa wieder ihr Buch nahm. Ich seufzte. Das hier gefiel mir überhaupt nicht…
„Warum bin ich hier? Ich nehme an, ich befinde mich in Malfoy Manor.“
Narcissa hielt inne, ihre blasse Hand lag auf dem Cover eines in Leder gebundenen Buches auf dem Nachttisch.
„Das hier ist ein Stützpunkt für Dracos Abteilung. Es war Teil der Abmachung zwischen dem Ministerium und unserer Familie. Wir wurden in allen Kriegsverbrechen freigesprochen, dafür, dass wir in Ministeriumsangelegenheiten kooperierten. Und als Draco Detective Chief Inspector wurde, fing er an, das Manor als Stützpunkt zu benutzen.“
Ich bemerkte den Kummer in Narcissas Stimme, aber weshalb sie Kummer hatte, war mir unklar.
„Warum sind Sie hier, Mrs. Malfoy?“, fragte ich vorsichtig und faltete meine Hände auf meinen wunden Beinen.
„Ich… ich habe etwas Erfahrung mit Zaubertränken und Heilung. Ich habe kein Ausbildungszeugnis, also sind meine Methoden unorthodox. Mr. Wiscombe kann nicht immer hier sein… und ich…“
Ihre Stimme war reumütig und ich verstand. Sie hatte auf mich aufgepasst, sich um mich gekümmert. Der Reinblut/Schlammblut-Zwiespalt war seit dem Krieg immer mehr verblasst und ich konnte nur vermuten, dass Narcissa ihr Bestes versuchte, um sich anzupassen.
„Lucius kümmert sich um die Schutzzauber und unterstützt Draco und seine Männer strategisch, Seit Potters Flucht ist das Manor zu einem inoffiziellen Hauptquartier für solche Meetings geworden“, erklärte Narcissa und zog ihren Zauberstab aus ihrem Ärmel, um die restlichen Kerzen auch zu entfachen, den Raum fröhlicher zu machen.
„Warum hier und nicht im Ministerium?“
„Undichte Stellen in der Abteilung. Undichte Stellen in Richtung Prozesse. Der Detective Superintendent weiß, dass Draco seine Ermittlungen von hier aus steuert und es gab keine Probleme mit diesem Arrangement. Potters Flucht war von Anfang an ein brisantes Thema gewesen. Aber es gibt auch andere Fälle, andere Kriminelle, die gefangen und verurteilt werden müssen… Draco hat Potters Fall bekommen, weil Draco Potter kennt… und Draco ist ein sehr talentierte Polizist…“
Narcissa lächelte selbstgefällig, aber es war nicht auf mich gerichtet. Ich wollte mehr wissen, nicht über Harry, sondern über Malfoy. Wie ist er zur Abteilung für Magische Strafverfolgung gekommen, wie ist er so schnell aufgestiegen… aber Narcissa wechselte rasch das Thema.
„Ich weiß, dass ich nicht fragen sollte… aber wie fühlen Sie sich?“
Ich wusste, dass sie nicht nach meinem körperlichen Befinden fragte. „Taub.“
„Das war wohl zu erwarten.“
Ich nickte. „Glaube ich auch. Es gibt so vieles, über das ich nachdenken könnte und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll…“
„Am Anfang scheint mit am sinnvollsten…“
Ich lachte schnaubend und sah, dass Narcissa freundlich lächelte. Es war so merkwürdig, dass Narcissa Malfoy mich anlächelte, aber es ermutigte mich.
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Ich erwachte und fand Narcissa und Lucius Malfoy an meinem Bett stehend. Lucius hielt ein Frühstückstablett und Narcissa zwei Fläschchen Zaubertrank. Ich glaubte zu träumen…
„Guten Morgen, Miss Granger“, sagte Lucius leise, sein Gesicht aus Stein.
Ich setzte mich langsam auf, zuckte bei den Schmerzen in meinem Rücken und meiner Hüfte zusammen. „Guten Morgen?“
„Draco wird in einer Stunde hier sein, Miss Granger. Fühlen Sie sich gut genug, um zu frühstücken?“
Ich blinzelte den älteren Mann an. Er war seit unserem letzten Treffen kaum gealtert und ich betrachtete ihn vorsichtig.
„Ich glaube schon…“
Narcissa räusperte sich, sich der Tatsache bewusst, dass Lucius mich anstarrte und nicht das Tablett vor mir abstellte. Als er sich schließlich bewegte, umging er Malfoys schlafenden Körper und stellte das Tablett vorsichtig über meinen Schoß, zog sich langsam zurück, starrte mir jedoch immer noch ins Gesicht. Ich fragte mich plötzlich, wie schlimm ich wirklich aussah.
„Nehmen Sie etwas Toast und Tee zu sich, bevor Sie diese hier einnehmen“, sagte Narcissa und legte die Fläschchen auch auf das Tablett. Dann setzte sie sich auf den Bettrand und lächelte mich warm an.
„Danke, Mrs. Malfoy, Mr. Malfoy. Verzeihen Sie, dass ich so eine Belastung für Sie bin…“
„Ach was, wir haben so selten Besucher. Aber dass man Sie in einem solchen Zustand hierher bringt…“
„Lucius!“, zischte Narcissa und sandte ihrem Ehemann einen tadelnden Blick zu.
Ich war nicht beleidigt, war mir jedoch bewusst, dass die affektierte Aussage des älteren Malfoy weder auf mitleidige, noch auf willkommen heißende Weise gemeint war.
„Genießen Sie Ihr Frühstück, Miss Granger“, endete Lucius Malfoy, verbeugte sich steif und lief schnell zur Tür.
„Ich habe ihn gezwungen, zu kommen, Miss Granger. Er hatte jede Interaktion mit Ihnen gemieden, Miss Granger, und ich war der Meinung, dass er Sie zumindest begrüßen sollte…“, sagte Narcissa sanft, ihre Augen wanderten zu ihren gefalteten Händen.
Ich biss auf meine Lippe und starrte auf den Toast auf dem Porzellanteller. „Er hat allen Grund mich zu hassen… ebenso wie Sie und Ihr Sohn…“
Narcissa kicherte plötzlich und ich beobachtete, wie sie ihre Hand auf ihr Herz legte.
„Mein liebes Mädchen! Draco hatte mir erzählt, dass Sie sich von der Welt abgewandt hatten, aber dass Sie so ignorant wären… Wir hassen Sie nicht! Eher im Gegenteil, nachdem uns wegen Ihnen einige Schande erspart geblieben ist.“
„Ich… ich verstehe nicht“, stotterte ich.
„Sie haben es vergessen, oder?“
Ich runzelte die Stirn.
„In Hogwarts, als alles vorbei war, saßen wir Malfoys am Rand der Feier, aber Sie… Sie süßes Mädchen… Sie fragten, ob wir auch mitfeiern wollten. Die Weasleys und Potter hatten sich von den anderen Familien abgeseilt und Sie sagten, Sie wären ausgeschlossen worden. Sie setzten sich zu uns und brachten Essen und Getränke. Sie sprachen ehrlich mit uns, sagten uns, wir müssten anfangen, ehrlich zu sein, was unsere Mithilfe beim Dunklen Lord betraf. Sie deuteten an, was Sie wussten… der Unbrechbare Schwur, den ich mit Severus eingegangen war… Dracos Unvermögen, Dumbledore zu töten… Und dann wandten Sie sich Lucius zu und beschimpften ihn… oh, was haben Sie noch einmal gesagt?“
„Schwein“, seufzte ich.
„Ja. Niemand hatte ihn in seinem ganzen Leben jemals als etwas so Simples, Niederes bezeichnet!“, lachte Narcissa und ich stellte ihre geistige Gesundheit in Frage…
„Ich habe doch sicher nicht Lucius Malfoys Leben geändert, indem ich ihn als Schwein bezeichnete?“, fragte ich sarkastisch.
„Nein, aber es war ein Anfang. Seit Jahren hatte Lucius in einem Wahn gelebt. Während es mir darum ging mich der gewinnenden, der guten Seite anzuschließen, war Lucius sicher, dass er die Welt verändern würde. Man darf nicht vergessen, dass Lucius übermäßig altmodisch ist, und er ist zielstrebig… es war nicht nur die Letzte Schlacht, die ihm gezeigt hat, wie falsch er schon die ganze Zeit gelegen hatte. Sie war nur der letzte Tropfen für ihn. Wir haben den Krieg gerade noch so mit einem Namen, der nur noch einen Sickel wert war, einem Dach über dem Kopf und einer Familie, die den Namen Malfoy tragen konnte, überlebt.“
Ich nickte. Lucius Malfoy war kein Heiliger, aber soweit ich wusste, hatte er nicht vor der nächste Dunkle Lord zu werden. Ich erinnerte mich, wie er am Tag von Voldemorts Fall verzweifelt nach Malfoy gesucht hatte….
„Jetzt essen Sie. Das ist ein schmerzlindernder Trank und ein Aufpeppel-Trank. Wenn Draco geht, schauen wir mal, ob Sie schon wieder auf Ihren Füßen stehen können?“
Ich nickte wieder und fing an zu essen. Es war schwer zu verdauen, nachdem ich seit einer Woche keine feste Nahrung zu mir genommen hatte, aber ich aß. Narcissa beobachtete mich wie eine neugierige Krankenschwester und stellte sicher, dass ich auch meine Tränke einnahm. Als sie alles aufgeräumt hatte, sprach sie ein paar Zauber. Mein Gesicht war plötzlich sauber, mein Nachthemd gewechselt und meine Laken gesäubert. Ich fühlte mich um einiges besser, als ein Klopfen an der Tür erklang und Malfoy zusammen mit Arthur Weasley und Heiler Wiscombe eintrat. Narcissa stand auf und flüsterte mit Draco, bevor sie sich in ihren Sessel neben dem Bett setzte und Arthur kühl zunickte.
Malfoy und Arthur beschworen zwei Stühle und setzten sich nah an das Bett, während Heiler Wiscombe sich zu Narcissa stellte.
„Ich nehme an, ein ‚Guten Morgen’ wäre angebracht“, sagte ich und brach das sprichwörtliche Eis. Die Art, wie Malfoy mein Gesicht anstarrte, war nervig. Arthur sah, wie es schien, überall hin, nur nicht in mein Gesicht. Wieder wünschte ich, ich hätte einen Spiegel.
„Morgen, Granger. Wie fühlst du dich?“, fragte Malfoy und versuchte, den mechanischen Ton aus seiner Stimme zu halten. Ich spürte, dass er kein Morgenmensch war.
„Wund. Ein bisschen kahl. Aber ich krieg’s schon hin.“
Arthur schloss die Augen und seufzte. „Es geht mir gut, Arthur“, fuhr ich fort.
Erst da sah mich Arthur Weasley mit müden, geröteten Augen an. Es war offensichtlich, dass er eine schwere Zeit durchlebte. Wer würde das nicht an seiner Stelle?
„Ich bin hier, um deine offizielle Aussage aufzunehmen, Granger. Macht es dir etwas aus, dass Arthur Weasley und Heiler Wiscombe als Zeugen anwesend sind?“
Ich konnte nicht gerade sagen, dass es mich glücklich machte, vor allem Arthurs Anwesenheit, aber der Drang, die Ereignisse jener Nacht mitzuteilen war sehr viel wichtiger, ebenso wie die zusammenhänge, die ich letzte Nacht mit Naricssa hergestellt hatte.
„Ich habe nichts dagegen.“
„Gut.“
Damit zog Malfoy ein Klemmbrett und eine Flotte-Schreibe-Feder aus seiner Manteltasche, und wieder konnte ich seinen Zauberstab in seinem Brusthalfter ausmachen.
Malfoy sprach in den Federkiel, gab Ort, Datum und Zeit an, ebenso wie die Namen der Anwesenden. Dann kam die erste Folge von Fragen, alle pro forma, alle Malfoy bekannt, manche von ihnen schon an Minervas Beerdigung beantwortet. Wann und wo hatte Harry Potter zum letzten Mal getroffen? Wann erfuhr ich zum ersten Mal von seinem Geisteszustand? Hatte ich vor seiner Flucht aus dem St. Mungo Kontakt zu ihm gehabt? Und schließlich meine Lieblingsfrage: Warum hatte ich Schutzhaft verweigert?
„Ich habe mich geweigert, weil ich glaubte, sicher zu sein. Ich lebe zurückgezogen und umgeben von vielen Schutzzaubern, die auch die Ortung meines Hauses schützen. Zehn Schichten Magie schützen mich vor äußeren Eingriffen und auch das Flohnetzwerk ist geschützt“, antwortete ich.
„Ja, mit fünf Schichten, die ich nach Paragraph 43 des Kodex für Magische Strafverfolgung, Abschnitt Festnahmeprozeduren abbauen musste.“
Malfoys Worte sagten mir gar nichts…
„Paragraph 43 besagt, dass ein Beamter die legale Autorität besitzt, Anti-Apparier- und Flohnetzwerk-Schutz eines Privathaushalts brechen darf, wenn es um die Festnahme eines Kriminellen geht, der gerade dabei ist ein Verbrechen zu begehen. In Ihrem Fall Körperverletzung und versuchte Vergewaltigung, Miss Granger.“
Ich runzelte die Stirn. „Aber woher wusstest du…“
„Ein einfacher Peilsender hat mich zu Ihrem Heim geführt, und als ich meinen Kopf durch das Flohnetzwerk steckte, konnte ich Potter durch Ihre Schlafzimmertür sehen.“
Ich biss meine Lippe, was für ein Peilsender?
„Darf ich fortfahren, Miss Granger?“, fragte Malfoy und sah mich zum ersten Mal an diesem Morgen an. Ich nickte seufzend und hob mir meine Fragen für später auf.
„Würden Sie bitte die Ereignisse vom Zeitpunkt Ihrer Rückkehr nach Hause an bis zum Eintreffen der Polizisten erzählen?“
Ich hielt inne und warf Arthur, dessen Augen auf meinem Gesicht lagen, einen Blick zu. Das hier würde hart werden, vielleicht am schlimmsten, aber ich schloss meine Augen und fing an.
Es schien ewig zu dauern jedes Detail einzubauen, an das ich mich erinnerte, jedes kleines Wörtchen, das Harry gesagt hatte. Ich wagte es nicht, meine Augen zu öffnen; ich könnte es nicht ertragen, Arthurs Gesicht zu sehen.
Und dann fiel mir Harrys Stimme ein: „Du wirst mir helfen, den Stein zu finden!“
Meine Augen schossen auf und ich begann, zu husten. Etwas fühlte sich falsch an. Ich konnte immer noch Harrys Stimme hören und seine Worte wiederholten sich immer und immer wieder… Was geschah da?
Heiler Wiscombe war sofort bei mir, ebenso wie Narcissa, die versuchte meine Arme festzuhalten, während Wiscombe einen Trank in meinen Rachen kippte. Die Schmerzen… die Schmerzen waren furchtbar. Ich konnte sie in meinen Handgelenken spüren, in meiner Brust, in meiner Gebärmutter…
„Raus! Alle!“, brüllte Heiler Wiscombe Malfoy und Arthur an.
Ich hüstelte, weil der Trank so bitter war und krümmte mich unwillkürlich wegen der Schmerzen in meiner Gebärmutter. Es fühlte sich an, als ob meine Innereien explodieren würden… und mein Gehirn… es brach in sich zusammen.
Nein, das machst du nicht, Hermine Jane Granger… brüllte Severus Snape in der Schwärze meines Verstands. Und plötzlich konnte ich wieder atmen, wieder sehen und die Schmerzen und Krämpfe ließen nach. Ich hatte mein Tier verängstigt, es kauerte nun unter einem Sideboard nahe der Badezimmertür, Narcissas Haare waren durcheinander und Schweiß lief über Wiscombes Gesicht.
„Was war das? Wiscombe!“, weinte Narcissa und strich mir etwas von der Stirn.
Ich lag sehr still auf meinem Rücken, während Narcissa die Decke zurückschlug und keuchte.
Blut… Ich konnte es riechen und spüren.
„Merlin… hol Lucius, Narcissa. Ich muss sie untersuchen. Schnell!“
Ich war hilflos und Tränen liefen aus meinen Augenwinkeln. Was passierte nur mit mir?
Das Blut verschwand auf magische Weise, ebenso wie die versauten Laken. Ich konnte gerade sehen, dass meine linke Brust wieder blutete, aber der Schaden war nicht derselbe. Ich hörte hastige Schritte, aber die Zeit schien sich um mich zu dehnen…
„Die Wunden haben sich wieder geöffnet, genug um sie genauso bluten zu lassen wie in jener Nacht, als sie ankam“, sagte Wiscombe zu Narcissa. Ich hatte ihre Rückkehr gar nicht bemerkt. „Der Schaden war oberflächlich verheilt, aber dennoch… es ist, als ob jemand die frisch verheilte Haut aufgeschnitten hätte, gerade genug um das hier passieren zu lassen…“
„Wie? Wie ist das möglich?“, fragte Narcissa in einem eiligen Flüstern, verstummte jedoch, als die Tür aufflog und Lucius Malfoy eintrat, als ob ihm der Teufel persönlich auf den Fersen wäre. Wiscombe warf ein Laken über meinen Körper, als ob ich eine Leiche wäre… Ich wollte kreischen!
„Dunkle Magie, meine Liebe. Du spürst es, oder?“
Narcissa nickte langsam, ihre Augen trafen meine und wurden weicher.Sie fuhr mit einem Finger an meiner Wange entlang und wandte sich wieder Lucius zu.
„Es könnten unzählige Flüche sein, Lucius. Woher sollen wir wissen, welcher es ist?“
Lucius sah mich an und ich bemerkte das Mitleid und den Ekel in seinen Augen. Er hatte seinen Zauberstab in der Hand, als würde er gegen ein unbekanntes Monster kämpfen müssen.
„Das ist Dracos Aufgabe, Cissa. Lass ihn mit seiner Befragung fortfahren. Jede Erinnerung von Miss Granger könnte ihm einen Hinweis geben. Ich werde zurück in die Bibliothek gehen, ich muss…“, sagte er sanft, seine Stimme verklang und sogar seine Augen wurden ein wenig leichter, bevor er sich Wiscombe zuwandte und den Satz unbeendet ließ. „Sie muss sprechen können, Wiscombe. Sie ist bisher die einzige Überlebende…“
Ich blinzelte und blickte Narcissa an, die den Kopf schüttelte. Was hatte er damit gemeint?
Wiscombe seufzte und schloss mit einer knappen Entschuldigung die tropfenden Wunden an meinem Kopf und meiner Brust. Nach einer komplizierten Serie von Zauberstabbewegungen über meinem Bauch stoppte die Blutung. Ein weiterer Trank lief meine Kehle hinunter und mir wurde ein frisches Nachthemd angelegt.
Eine gute Stunde verging, bevor Malfoy und Arthur zurückkehrten, Arthurs Gesicht kreidebleich, Malfoy Gesicht voller Frustration. Bevor Malfoy seine nächste Frage stellen konnte, sprach ich. Ich wusste, dass ich es sagen musste, bevor ich nicht mehr dazu in der Lage war.
„Er will den Stein.“
Es klang nicht richtig, aber es war meine Stimme. Ich wusste, dass ich es sagen musste…
„Welchen Stein?“
„Den Stein der Auferstehung, eines der drei Heiligtümer des Todes.“
Narcissas hand stieg an ihren Mund und Malfoys Augen weiteten sich.
„Er hatte ihn…“
„… und hat ihn vor fast zehn Jahren im Wald verloren“, endete Malfoy.
Ich fühlte mich schwach, fuhr aber fort.
„Ich kann nur spekulieren, warum er ihn wieder will, nachdem er ihn doch zusammen mit dem…“
Blitze zuckten durch mein Gehirn und Severus Snapes Gelächter füllte meinen Kopf.
„Albus… Bei Merlins Eiern! Der Elderstab… Gott, ich bin so dumm!“
Narcissa schob sich an Malfoy vorbei, um sich auf den Bettrand zu setzen und ein feuchtes Tuch gegen den größten Riss meiner nackten Kopfhaut drückte.
Ich sprach um Malfoys Mutter herum und sah ihm in die Augen. Ich musste schnell sprechen, die Schmerzen kamen zurück. „Du musst Albus’ Grab überprüfen, Malfoy! Es würde so vieles erklären! Es würde erklären, wie er an den Portraits im Büro vorbei in Minervas Zimmer gelangt war…“
Ich hielt inne, spürte, wie Narcissa zu weinen anfing, als Blut mein Nachthemd vorne durchweichte. Ich musste es ignorieren, musste Arthurs aschgraues Gesicht und Malfoys prüfende Augen ignorieren.
„Er ist an Aberforth vorbeigekommen… durch das Portrait in den Raum der Wünsche. Er muss zu Albus’ Grab geschlichen sein und hat es wohl mit Aberforths Zauberstab gesprengt… Er hatte die ganze Zeit den Elderstab. Er hatte ihn dabei… vielleicht in seiner Kleidung versteckt; nur so konnte er an meinen Schutzzaubern vorbeikommen…“
Ich wurde schwächer, Narcissa schluchzte und versuchte, das Blut aus meinen Augen zu halten. Wiscombe war bereit zum Einsatz, bereit Malfoy und Arthur rauszuschicken…
„Wenn er den Zauberstab hat… wirst du ihn nicht finden können. Ron vielleicht … oder ich… sonst niemand.“
„Aber warum würde er dir das hier antun, wenn er glaubt, er braucht dich?“, fragte Arthur schluchzend, verstört.
„Ich weiß es nicht… warum sollte er Minerva töten? Aberforth? Es ergibt keinen Sinn… Versprich mir nur… Versprich mir, dass du Ron nicht zurückrufst! Sie werden sich töten, Arthur…“, keuchte ich.
„Miss Granger, Sie müssen sich hinlegen…“, begann Wiscombe.
Ich schlug seine Hand fort und traf wieder Malfoys Blick. „Finde heraus, welcher Fluch Minerva getötet hat, Malfoy… es ist ein Hinweis…“
Malfoy packte seine Flotte-Schreibe-Feder und sein Klemmbrett, steckte sie in seine Tasche. Ich fiel aufs Bett zurück, beobachtete wie Malfoy Arthur aus dem Raum schob.
Es fühlte sich an, als stünde mir mein letztes Stündlein bevor… und ich wollte lachen. Vor einem Monat hatte mein Leben noch so viel Sinn gehabt. Ich war gesund, einfach, nur Jane Granger. Ich lebte allein mit meiner Katze, schrieb Kurzgeschichten und arbeitete in meinem Garten. Ich trank regelmäßig Tee mit Rubeus Hagrid und Minerva McGonagall. Ich sprach mit Albus Dumbledores Portrait und tauschte mit Horace Slughorn seltene Zaubertrankzutaten gegen Bücher auf dem Index. Sie waren meine einzigen Freunde… es gab keine Liebhaber. Es gab keine Liebhaber, weil ich einen Mann geliebt hatte, der nun tot war und der mich nie geliebt hätte… die unerträgliche kleine Besserwisserin.
Was nützte einem schon das Verliebtsein?
Es macht den Unterschied zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit aus, Miss Granger.
Ich hatte vergessen, seit wann ich seine Stimme schon in meinem Kopf hörte.
Wiscombe wuselte herum, Heilzauber sanken in meine Haut, zeigten aber kaum Wirkung. Narcissa schluchzte, rief aber Elfen, um Tränke aus ihrem persönlichen Vorrat bringen zu lassen. Ich war das Zentrum großer Aktivität, und schloss einfach meine Augen. Es war nicht wirklich sterben; ich war auch schon knapper davor gewesen. Mehr Tränke, manche in meiner Kehle, andere auf meiner Haut. Stunden um Stunden vergingen und ich schaltete meinen Körper aus. Der Schmerz juckte mich kaum noch…
„Raus.“
Meine Nase zuckte; da war eine neue Stimme, neue Wärme.
„Raus, beide!“
Die Aktivität stoppte und die Wärme der Körper um mich verschwand. Ohne sie war es kalt und ich öffnete meine Augen nur einen Spalt. Draco Malfoy stand über mir, betrachtete mich von meinen nackten Füßen über meine nackte Brust bis zu meinem kahlen Kopf.
„Potter hat im sechsten Jahr einen Fluch auf mich gehetzt, einen, den er von Severus hatte. Erinnerst du dich daran?“
Wenn ich die Energie gehabt hätte, hätte ich das nächste Stück Stoff genommen und mich bedeckt, aber ich hatte ja nicht einmal die Kraft, zu antworten. Seine Augen flogen kühl über meinen Körper. Ich konnte mein eigenes Blut in diesen silbernen Kugeln gespiegelt sehen.
„’Sectumsempra’, ein besonders hässlicher Fluch, so wie er nur von meinem früheren Hauslehrer erfunden sein konnte. Er war mehr als ein normaler Schneidezauber, sehr viel schädlicher. Und er konnte nicht durch konventionelle Methoden geheilt werden. Jedenfalls ist dieser Fluch, der dich nicht verheilen lässt, nicht exakt ‚Sectumsempra’, aber sehr ähnlich.“
Seine Stimme war sanft, nicht im Geringsten herablassend. Und als er sich auf den Bettrand setzte, wirkten seine kühlen Augen wie ein Balsam gegen die Schmerzen, die mir langsam wieder bewusst wurden.
„Potter ist während seiner Zeit in der Klapsmühle sehr kreativ geworden. Und wenn er auch noch den Elderstab hat, ist jeder Zauber möglich.“
Ich versuchte, etwas zu sagen, knirschte aber nur mit den Zähnen. Die Krämpfe kamen zurück und ich zitterte unkontrollierbar. Malfoy seufzte und legte eine kalte Hand auf meine Stirn. Der Kontakt zwischen seiner Handfläche und meiner blutigen Haut juckte.
„Ich kann den Gegenfluch ausprobieren, weiß aber nicht, ob er wirkt“, seufzte er, zog seinen Zauberstab aus seinem Brusthalfter und zog seine Hand von meiner Stirn zurück.
„Schließ deine Augen, Granger.“
Ich gehorchte, anders ging es einfach nicht.
Worte, tief und männlich, wuschen über mich, während Malfoy ein unbestimmtes Lied zu singen schien, das meinen Körper tröstete. Ich kannte ‚Sectumsempra’, aber nicht den Gegenfluch. Ich erinnerte mich daran, wie ich Harry geschimpft hatte, weil er die Ratschläge des Prinzen befolgt hatte. Ich erinnerte mich an Malfoy… und wie elend es ihm in jenem Jahr gegangen war. Ich konnte jedoch Severus nicht dafür hassen, dass er ‚Sectumsempra’ geschaffen hatte… ich könnte ihn nie hassen.
Das Lied eines Phoenix’… Zumindest kam es mir so vor, aber es war offensichtlich keiner. Das Lied ging weiter, bis ein tiefer und letzter Ton aus den Tiefen von Malfoys Oberkörper kam.
Als seine Hand meine Schulter berührte, öffnete ich meine Augen, um ihn anzuschauen. Das Mitleid in diesen Kugeln erschreckte und verärgerte mich.
„Wir werden es erst in ein paar Stunden sehen können, aber vorerst hat die Blutung aufgehört.“
Ich blinzelte langsam, fühlte mich als wäre ich einen Marathon gelaufen. „Mal…“, fing ich an, hielt jedoch inne, als er aufstand und ein Taschentuch aus seiner Tasche, um das Blut aus seiner Handfläche zu wischen.
„Erzähl niemandem davon. Okay, Granger?“, sagte er mit seinem Rücken mir zugewandt.
Ich sprach nicht. Er drehte sich um und zog eine Decke über mich, sah mir jedoch nicht mehr in die Augen. Lautlos lief er durch das große Schlafzimmer und glitt durch die Tür, während Wiscombe und Narcissa eintraten. Meine Augen folgten ihm, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte. Tränen, merkwürdig verwirrende Tränen füllten meine Augen und ich lehnte mich etwas weiter zurück, ließ den Schlaf meine Schmerzen und Sorgen stehlen.
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Ich hoffe, ihr ward ausreichend gewarnt. Im restlichen Teil der Geschichte wird nichts mehr dergleichen vorkommen, aber die Beschreibungen/Begehungen der Tatorte werden sehr anschaulich sein.
Liebe Grüße
Nitsrek
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