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The Fool, the Emperor and the Hanged Man - Kapitel 4

von Nitsrek

Ich warf einen Blick in den Spiegel und runzelte die Stirn. Mein Kopf hatte eine schöne Form, aber ich sah aus wie das Opfer einer Folter mit Narben auf der Kopfhaut, dunklen Ringen unter den Augen, immer noch gesprungenen Lippen und dem sauberen Nachthemd, das an meinen spitzen Knochen herunter hing. Ich war nie hübsch gewesen, aber das, was ich da im Spiegel sah, war erschreckend.

Nach drei Tagen dringend-nötigem Schlaf war ich in der Lage aufzustehen und umherzuwandern. Narcissa hielt mich am Arm fest, während ich in das marmorne Badezimmer ging und dabei zu welchem Gott auch immer betete, dass ich nicht doch irgendwie hinfiel. Das Badezimmer war nicht gerade fallsicher. Jeder Rand und jedes Schränkchen bot sich als Möglichkeit für meinen frühzeitigen Tod an. Und in Anbetracht meiner Schwäche verdoppelten sich meine Ängste, meinen Kopf an dem schönen, grünen Marmor anzuschlagen noch.

Ich nahm ein Bad, nach fast zwei Wochen Reinigunszaubern, und es fühlte sich himmlisch an. Ich hatte eine ordentliche Mahlzeit und mir wurde beinahe schlecht davon… doch das köstliche Essen blieb drin. Ich schaffte es zu einem der großen Fenster zu laufen und blickte über die Gärten hinter dem Anwesen. Dennoch war ich während der ganzen Zeit nicht einmal außerhalb meines Zimmers oder außen an der frischen Luft. Es war März und bald wäre Tag- und Nachtgleiche. Normalerweise feierte ich sie zu Hause mit ein paar Flaschen Feuerwhiskey und einem Trinkspruch auf einen milden Frühling für meinen Garten. Bei der letzten Sonnenwende verwöhnte ich mich sogar mit einem Abendessen auswärts…

Narcissa saß tagsüber bei mir, brachte mir Bücher, von denen ich wusste, dass sie vom Ministerium verboten waren, und wir sprachen nicht über Harry, obwohl ich mich nach Neuigkeiten sehnte. Ich vermisste meine Hütte und die Abgeschiedenheit. Malfoy war erst einmal hier gewesen, seitdem ich wieder zu Kräften gekommen war, und das auch nur um mir zu sagen, dass ich eine weitere Woche nicht nach Hause zurückkehren dürfte.

Heiler Wiscombe kam immer morgens vorbei, erstaunt darüber, wie gut ich verheilte. Ich sagte nichts. Meine Brustwarze war zugeheilt, aber es würde immer eine Narbe auf der Unterseite geben, eines von mehreren ewigen Erinnerungsstücken. Der Schaden an meiner Gebärmutter und meiner Klitoris war fast verheilt; es gab keine Anzeichen, dass die Wunden wieder aufreißen würden. Die nächsten paar Tage würde ich verschiedene Tränke nehmen müssen, um das Trauma und die seelischen Schäden zu beseitigen. Die blauen Flecken verblassten langsam und auch meine Haare wuchsen nur langsam nach.

Ich hatte keine Lust mehr, nur Nachthemden zu tragen und im Bett zu liegen.

„Darf ich eintreten, Miss Granger?“

Ich hatte mich wieder ins Bett gelegt und es mir mit meinem Gefährten und dem Buch ‚Dunkle Schamanen des Amazonischen Beckens’ gemütlich gemacht. Es war später Nachmittag und die Sonne tauchte die weiße Ausstattung des Zimmers in ein glühendes, orangenes Licht. Ich sah auf und erkannte Lucius Malfoy im Türrahmen, sein Gesicht, wie immer, unlesbar. Er trug eine rauchgraue Hose, modische Stiefel und ein sahne-farbenes Hemd, die Ärmel zu den Ellbogen hochgerollt und den obersten Knopf offen. Sein langes, silbernes Haar wurde von einem Band zusammengehalten und hing über seine linke Schulter. Lucius Malfoy sah aus wie ein Gauner und ich biss mir auf die Lippe…

Ich nickte langsam, meine Augen bemerkten das Buch in seiner rechten und den Zauberstab in seiner linken Hand. Als er näher kam, konnte ich gerade die Verfärbung an der Innenseite seines linken Unterarms ausmachen… Ich war immer noch äußerst vorsichtig gegenüber dem Patriarchen der Familie Malfoy, doch er hatte mich während meiner Zeit hier auf dem Anwesen nicht einmal verletzt oder schlecht gemacht…

Lucius Malfoy schritt durch den Raum und blieb an der Seite meines Bettes stehen, prüfte mich mit kalten, blassen Augen. Mit einer raschen Bewegung setzte er sich in den Stuhl, den sonst immer Narcissa besetzte. Wir starrten uns für einige Momente lautlos an und ich unterbrach die Stille, indem ich ein Lesezeichen in mein Buch steckte und es in meinem Schoß zuklappte.
„Wie ich sehe, genesen Sie sehr schnell“, sagte er mit dem gewohnt arroganten Unterton in seiner Stimme.

„Ich kann selbst laufen, essen und baden“, antwortete ich, unsicher, warum Lucius Malfoy ohne Narcissas Anwesenheit mit mir sprechen wollte.

„Ist der Schmerz erträglich?“

Es war keine Frage, die zu einer sorgenvollen Unterhaltung führen würde, also antwortete ich.

„Er ist jetzt minimal.“

„Ah…“, sagte er und neigte seinen Kopf, um mich von oben herab anzusehen, die Vorderseite meines Nachthemds und dann meinen rasierten Kopf.

Ich seufzte und streichelte Malfoy, der zufrieden in meiner Hüftbeuge schlief.

„Gibt es etwas Bestimmtes, was Sie mit mir besprechen wollten, Mr. Malfoy?“

Auf den Punkt gebracht… Ich spürte, dass er gehen und vergessen wollte, dass ich jemals existiert hatte.

„Ich bin in der Bibliothek auf die Beschreibung eines Fluches gestoßen. Natürlich scheint, was auch immer es für ein Fluch gewesen sein sollte, inzwischen gekontert worden zu sein, also bin ich wohl etwas spät dran…“

Ich spürte eine Andeutung; eine Spur Bedauern… und sie schockierte mich.

Lucius Malfoy streckte seinen Arm aus um mir das Buch zu geben, dass er bei sich trug. Ich zögerte; ich bemerkte, dass er immer noch seinen Zauberstab in der anderen Hand hielt. Doch ich nahm das Buch und öffnete es an der Stelle, an der ein rotes, samtenes Band zwischen den Pergamentseiten ruhte.

Ich las die Wörter, stellte fest, dass es Deutsch war, und übersetzte es schnell in meinem Kopf. Ich blinzelte die von Hand geschriebenen Worte an, eine flüssige Handschrift. Das Blut wich aus meinem Gesicht, während ich las… und las.

„Was ist das für ein Buch?“, atmete ich, unfähig, normal zu sprechen oder meine Augen von der Tinte auf dem Pergament abzuwenden.

„Es heißt ‚Der Gehängte’, doch sein wirklicher Titel ging im Laufe der Zeit verloren.“

Ich schluckte, als ich das Buch schloss und es zu ‚Dunkle Schamanen des Amazonischen Beckens’ in meinen Schoß fallen ließ, doch ich wollte es eigentlich durch den Raum werfen, so weit weg von mir wie es nur ging.

„Es sind die Memoiren eines Dunklen Zauberers, der es bevorzugte, wie Sie selbst gelesen haben, seine Liebhaber und Opfer sexuell zu zerstören.“

Die ‚120 Tage von Sodom’ des Marquis de Sade verblassten, was die Grausamkeit anging…

„Die markierte Passage handelt von einem Fluch, dessen Folgen den Ihnen zugefügten Verletzungen in vielerlei Hinsicht ähneln. Ihre Verletzungen erinnern außerdem an Severus’ ‚Sectumsempra’ und meiner Schlussfolgerung nach war das, was Ihnen angetan wurde, eine Kombination der beiden Flüche… ein Spruch, den Potter selbst kreiert hat.“

Ich nickte langsam, meine Hände ballten sich so, dass ich spürte, wie meine Fingernägel sich in meine Handflächen bohrten.
„Potter hatte vor, Sie wortwörtlich zu markieren, Miss Granger, und zwar so tief, dass Sie niemals…“

Lucius hielt inne und fuhr sich mit einer Hand über den Mund. Ich sah auf und erkannte, dass seine Bewegung das leichte Zittern seiner Lippen verbergen sollte. Ich zog meine Augenbrauen zusammen… sogar Lucius Malfoy, Mörder, ehemaliger Todesser, war auf gewisse Weise bestürzt. Ob vor Ekel oder einem anderen Gefühl konnte ich nicht sagen.

„‚Der Gehängte’ ist ein verbotenes Buch, Miss Granger, und ich denke Sie wissen weshalb. Die Flüche und Tätigkeiten, von denen auf diesen Seiten berichtet wird, sind die schwärzeste Magie, die sich Zauberer nur vorstellen können. Ich kann nicht sagen ob Potter dieses Buch in die Hände gefallen ist, doch Merlin stehe uns bei, wenn dies der Fall sein sollte. Ich habe dieses Buch vor meiner Familie und meinen einstigen Verbündeten verborgen…“

Mit einem Wink seines Zauberstabs schwebte das Buch aus meinem Schoß wieder in seine Hand zurück.

„Und ich hatte vor es zu zerstören, was ich schon von Anfang an hätte tun sollen. Dennoch könnte dieses Buch im Kampf gegen Potter nützlich sein… so ist das Buch allerdings gefährlich und sollte daher zumindest versiegelt werden.“

Ein geflüsterter Zauber kam von Lucius Malfoys Lippen und ich keuchte als das Buch in einem schrecklichen Rotton aufleuchtete, die Seiten miteinander zu verschmelzen schienen und es damit für jeden unmöglich machten, es zu öffnen. Ich schluckte als Lucius Malfoy mir in die Augen sah, Grausamkeit in diesen silbernen Kugeln sichtbar. Er gab mir das Buch zurück und ich zögerte bevor ich es berührte und es dann schnell neben mein Bett legte. Es würde dauern, an dem Zauber, den Lucius auf das Buch gelegt hat, vorbeizukommen, doch ich wusste bei Merlin, dass ich einen Weg finden würde, wenn ich es bräuchte…

„Was meine Frau Ihnen noch nicht erzählt hat, Miss Granger, ist, dass Potter seit Ihrer Ankunft hier zwei weitere Morde begangen hat. Als Draco Sie befragt hat, geschah der dritte, gestern der vierte. Wir hatten Angst, dass Sie aufgrund Ihrer Verletzungen Nummer Fünf werden würden.“

Ich schloss meine Augen. Ich konnte Blut in meinen Handflächen spüren. Große Nimue…

„Wenn Ihr Leben bereits in Gefahr war, wird es das jetzt nur noch mehr sein.“

Ich weinte lautlos, zu müde, um meinen wahren Kummer auf die Art aus mir heraus fließen zu lassen, wie ich es eigentlich tun sollte. Mein Körper bebte, doch Lucius bewegte sich nicht. Ich erwartete nicht, dass er mich tröstete. Es schien nicht zu seinem Wesen zu passen. Doch auf eine tröstliche Art bestärkte mich Lucius’ Kälte. Sie erinnerte mich daran, dass ich ihm sehr ähnlich war. Ich war geschwächt worden, ohne etwas dafür zu können.

Ich schluckte meine Tränen und ließ das Zittern abklingen, bis ich wieder völlig still war. Ich musste mich zusammen nehmen.
Ich wischte eilig meine Tränen weg und öffnete meine Augen, um Lucius’ Blick zu erwidern.

„Ich brauche meinen Zauberstab, Mr. Malfoy.“

Ich wusste nicht warum ich diese Worte sagte, doch ich fühlte mich ohne meinen Zauberstab unglaublich nackt. Wenn uns Gefahren bevorstanden, würde ich ihn brauchen, und bei Merlin, ich würde ihn nicht loslassen.

„Ich werde mit Draco sprechen.“

„Ich würde lieber selbst mit ihm sprechen… Ich brauche Informationen, Mr. Malfoy, und ich bezweifle, dass es Ihrem Sohn gefallen würde, wenn Sie mir die Informationen ungefragt weiterleiten würden. Ich hoffe, Sie haben ihn über das Buch, das sie gerade versiegelt haben, informiert?“

Eis, Sarkasmus, Stärke… sie kehrten in meine Stimme zurück. Ich brauchte nur noch Macht, dann würde Horace mich wortwörtlich zur Slytherin-Ehrenschülerin ernennen.

„Er ist sich dessen bewusst.“

„Ich würde gerne sobald wie möglich mit ihm sprechen. Ich stehe immer noch irgendwie unter Arrest, kann ich also darauf vertrauen, dass Sie es ihm ausrichten?“

Er hob eine Augenbraue und ich verengte meine Augen zu Schlitzen. Einst hatte ich vor diesem Mann Angst gehabt, doch damals war ich noch ein Mädchen.

Lucius’ Lippen formten sich zu einem, wie ich interpretierte, gezwungenen Lächeln. „Das werde ich tun, Miss Granger, und was Ihren Arrest betrifft: Sie können sich in meinem Zuhause nach Belieben bewegen.“

Ich blinzelte einmal. Die gerade gegebene Erlaubnis hatte scheinbar ein schweres Gewicht von meinen Schultern genommen, da ich ursprünglich wirklich nur das Schlafzimmer und das anschließende Badezimmer zur Verfügung gehabt hatte. Merkwürdig…

Er stand auf und glättete seine Hose, seine Haare rutschten über seine Schultern und fielen seinen Rücken herunter. „Ich weiß, dass Sie Ihr Wissen über dieses Buch niemandem außerhalb dieses Hauses gegenüber erwähnen werden, Miss Granger, es wäre nicht gerade dienlich für meinen angeschlagenen Ruf - oder auch Ihren - wenn das Ministerium herausfinden würde, dass es einmal mir gehört hat.“

In seinen Worten schwang eine versteckte Drohung mit, doch ich konnte nur grinsen.

„Ich leihe mir Bücher von Horace Slghorn aus, Mr. Malfoy. Ich sage nichts, wenn Sie nichts sagen…“

Ich wusste, dass ich den Ausdruck auf Lucius Malfoys Gesicht lange in Ehren halten würde. Schock, dann Respekt, wenn auch nur ein Quäntchen; etwas, dass ich nie von Lucius Malfoy erwartet hätte.

„Ich werde Draco vorbeischicken, sobald es geht“, sagte er und seine Stimme wurde um ein paar Grad wärmer.

Und mit nur drei Schritten von Lucius Malfoy war ich wieder allein mit meinem Gefährten und meinem Gedanken. Ich öffnete meine Hand mit einem Zucken und seufzte. Ich versteckte die nun versiegelte Ausgabe ‚des Gehängten’ mit dem anderen Buch, das ich las, unter meinem Kissen. Ich stemmte mich aus dem Bett, das nun für fast zwei Wochen mein Zuhause gewesen war, zuckte dabei zusammen und tappste langsam ins Badezimmer.

Ich blickte in den großen Spiegel über dem Waschbecken und versuchte, mich anzulächeln, doch mein hageres, ramponiertes Gesicht schaffte nur eine Grimasse. Ich wusch meine Hände und studierte die halbmondförmigen Male in meiner Handfläche. Ich wünschte, ich hätte meinen Zauberstab gehabt. Ich musste mich mit einer Tube Heilsalbe, die ich in einer kleinen Truhe, die in der Wand steckte, fand, zufrieden geben und würde bald nur noch mehr Narben haben.

Ich war immer noch unruhig. Ich lehnte mich gegen das Waschbecken, meine Hände lagen auf der marmornen Oberfläche, und starrte in meine eigenen, vertrauten Augen. Honigfarbene Augen, lange Wimpern und dunkle Ringe darunter… und in diesen Augen verlor ich mich und dachte nach.

‚Der Gehängte’ hatte viele Bedeutungen. Die Tarotkarte, Teil der Großen Arkana… Vielleicht hätte ich Wahrsagen doch nicht sausen lassen sollen. Odin auf dem Weltbaum, Jesus Christus am Kreuz, zwei Männer, zwei Bäume… Was bedeutete diese Karte noch einmal?

Opfer… Akzeptanz… Warten… neue Sichtweisen… Wahrheit… Anpassung…

Ich blinzelte. Ich konnte es beinahe greifen… Verdammt. Etwas lag außerhalb der Reichweite meines Verstandes und es machte mich wütend. Ich griff nach Rauch. Es musste ein Motiv geben, einen Grund für… für Harrys Wahnsinn, die Morde und sein Streben nach dem Stein der Auferstehung. Es konnte nicht so etwas Einfaches sein, wie dass er die Verstorbenen, die ihm wichtig waren, wieder sehen wollte; es war nie so einfach mit Harry. Andererseits war Harry verrückt.

Ich seufzte und merkte, dass meine Lippen wieder zuckten. Ich stieß mich vom Becken ab, ging ein paar Schritte rückwärts, um mich auf den Badewannenrand zu setzen und starrte immer noch auf mein Spiegelbild.

‚Der Gehängte’… Die Passage hatte mich erschüttert, so pervers, so abscheulich… aber ich musste die Information vor Augen behalten, sie war sachdienlich.

‚Um den eigenen Namen in die Gebärmutter der Wichtigsten einzugravieren… damit sie niemals vergisst, wem sie ihr ganzes Leben lang dienen wird. Diese Gebärmutter wird nur einem Herren zur Verfügung stehen, der sie entweder mit Samenflüssigkeit füllen oder sie herausreißen und die Frau zur Strafe zwingen wird, sie zu verschlingen.’

Mein Magen verkrampfte sich.

‚Das Blut aus dieser Quelle zu trinken ist, als würde man Macht trinken…’

Mein Herz schien sich in meiner Brust zusammenzuziehen und ich klammerte mich an die Vorderseite meines Nachthemds.
‚Sie wird bis zum bitteren Ende dem Herren ihres tiefsten Herzen dienen, wenn sie vor Schmerz und Lust geschrien hat…’
Ich wollte schreien.

Der Fluch war nicht genau der gleiche gewesen, aber ähnlich, beide gleich dunkel und schrecklich. Es war mir einfach nicht möglich zu glauben, dass mein bester Freund, mein Harry, mir etwas antun würde, etwas, dass meine Seele verletzen würde! Wie sehr ich ihn hassen wollte…

Seit so vielen Jahren hatte ich Liebe gewollt, welches junge Mädchen träumte nicht von Liebe? Ich liebte Viktor Krum, spontan und viel zu kurz, eine einfache Vernarrtheit. Ich liebte Ron, konnte aber nicht seine Geliebte sein. Ich liebte Harry, er war wie ein Bruder für mich; zumindest kam er an meine Vorstellung von einem Bruder sehr nah heran. Selbst zu der Zeit, als Ron uns während der Suche nach den Horkruxen verlassen hatte, hielt ich Harry nur, wie eine Mutter ein Kind halten würde oder eine ältere Schwester einen kleinen Bruder.

Diese Arten von Liebe kannte ich. Und ich wusste, dass sie mich auch liebten, doch es hatte nicht gereicht.
Meine Hand glitt an meinem Körper runter zu meinem Bauch, meiner Gebärmutter und ich fragte mich, ob ich wohl noch Kinder bekommen könnte. Hatte Harrys Fluch meine Möglichkeit, Kinder zu bekommen, wenn ich welche wollte, zerstört? Merlin, ich könnte ihn hassen, wenn er so etwas getan hätte…

Ich fühlte mich als hätte ich etwas schrecklich Falsches getan, doch das Gefühl verging, als ich genauer in den Spiegel sah.
Ich hatte nur meine Ruhe gewollt. Ich wollte die magische Welt nicht verlassen, die Muggelwelt war mir inzwischen viel zu fremd. Ich hätte jedoch leicht aufgeben können. Vielleicht wäre ich nicht in dieser Situation, wenn ich aufgegeben hätte… Nein, er hätte mich in der Muggelwelt genau so leicht gefunden.

Wir können vor unserer Vergangenheit nicht davon laufen.

Nein, meine Gute, das können wir nicht… sagte Severus Snape und zum ersten Mal konnte ich spüren, wie seine Präsenz meinen Gedanken innewohnte.

„Bitte sei nicht mein Gewissen“, betete ich… mit einem Lächeln und merkte, dass meine Augen sich für einen Moment zu verändern, zu verdunkeln, schienen.

Er antwortete nicht und ich hatte es auch nicht von ihm erwartet… er war da und auch nicht.

Ich wünschte, er hätte mich geliebt. Ich wünschte so viele Dinge, doch sie würden niemals wahr werden. Manchmal wünschte ich mir, dass ich beim Kampf gegen Voldemort gestorben wäre, doch so war es nicht. Es musste immer jemand mit den Erinnerungen an diese Zeit leben und ich gehörte eben zu diesen Personen. So wie Harry… Und es war offensichtlich, was daraus geworden war…

Bin ich auch geisteskrank? Ich hörte immerhin Severus Snapes Stimme in meinem Kopf…

Ich kicherte, spürte mein Lachen in meinem Bauch unter meiner Hand.

Ich bin definitiv nicht normal, das konnte nicht sein.

„Was machst du, Granger?“

Ich fiel beinahe rückwärts in die leere Wanne. Ich riss meine Augen von meinem Spiegelbild los und sah zur Quelle der Stimme, die mich im zweiten Jahr als ‚dreckiges, kleines Schlammblut’ bezeichnet hatte. Aber dort stand kein dürrer, bleicher Junge im Türrahmen, sondern ein breitschultriger, wenn auch bleicher, Mann. Ich atmete ein und ließ die Hand auf meinem Bauch auf meine Hüfte fallen.

„Ich denke nach…“

„Du denkst seit Stunden hier drin nach… Ist dein Arsch noch nicht taub vom auf dem Badewannenrand-Sitzen?“

Er neckte mich, aber er hatte Recht, mein Po kribbelte.

Stunden? Ich stand unsicher auf, strich über mein Nachthemd und fror von der ganzen Zeit im marmornen Badezimmer. Ich warf einen letzten Blick auf mein Spiegelbild und bedauerte meine fehlenden Haare… Ich sah wirklich furchtbar aus.

Malfoy trat zur Seite, um mich in das verdunkelte Schlafzimmer zu lassen, die Sonne ging langsam auf der, wie ich annahm, anderen Seite des Anwesen unter. Ich lief über den Teppich zu meinem normalen Platz im Bett, merkte, dass mein Gefährte wie sonst auch verschwunden war… wahrscheinlich um nahe der Küche herumzustromern. Ich steckte meine nackten Füße unter die weiche Decke des Bettes und legte mich auf meine linke Seite; meine Haltung, die ich für gewöhnlich annahm, wenn ich mit jemandem neben dem Bett sprach. Malfoy jedoch setzte sich nicht in den Stuhl neben dem Bett, sondern auf den Bettrand, in die Nähe von meinen Füßen, lehnte sich an das Fußteil, seine Hände auf seiner grauen Hose gefaltet. Am Tag von Minervas Beerdigung hatte er einen ähnlichen Anzug getragen. Wenn ich mich recht erinnerte, hatte ich ihn fast nur in dunkelgrauen Anzügen gesehen, manchmal mit Nadelstreifen, manchmal nicht. Die Krawatte war immer aus dunkelgrüner Seide und die Manschettenknöpfe, die sein Outfit fast zu formell oder zu altmodisch wirken ließen, waren Smaragde.

Er sah furchtbar aus. Abgesehen vom tadellosen Schnitt seines Anzugs hing sein Hemd zur Hälfte raus und auf dem Aufschlag seines Mantels war ein dunkler, feuchter Fleck zu sehen. Sein Haar war zerzaust, die platinblonden Spitzen hatten etwas an Höhe verloren und sein Mund formte eine grimmige Linie.

„Hast du deinen Manschettenknopf gefunden?“, fragte ich, glücklich darüber, die Stille zu unterbrechen, während seine Augen mit offensichtlichem Abscheu auf meinen geschorenen Kopf gerichtet waren.

„Ich habe ihn nicht verloren.“

Ich seufzte. „Nachdem ich dich im Treibhaus angespuckt hatte, ist mir aufgefallen, dass dir ein Manschettenknopf fehlt. Das sind Smaragde, oder?“

Malfoy schürzte seine Lippen, bevor er sagte, „Ich habe ihn nicht verloren.“

Ich wollte nicht streiten, aber ich wusste, dass er entweder Unrecht oder mehr als ein Paar Smaragd-Manschettenknöpfe hatte. So, wie ich Malfoy kannte, hatte er mehrere Paar.

„Aber du…“, fing ich an.

„Ich habe ihn nicht verloren, weil ich genau wusste, wo er war… weil ich ihn dort platziert habe.“

Mein Gesichtsausdruck war sicher komisch, doch Malfoy lachte nicht, sondern hob eine Augenbraue und verschränkte seine Arme vor seiner Brust.

„Ich habe ihn in deine Manteltasche gesteckt, als du ohnmächtig wurdest. Du erinnerst dich an das Ortungsgerät, das ich erwähnt habe?“

Andeutung, Andeutung, konnte ich ihn fast sagen hören…

„Oh“, war alles, was ich hervorbrachte.

„Vater hat erwähnt, dass du deinen Zauberstab möchtest. Ich kann ihn dir bis morgen beschaffen, wenn es dir nichts ausmacht noch einen Tag zu warten.“

„Ich bin nur froh, dass er nicht zerstört worden ist.“

„Ja. Vater hat mir auch ausgerichtet, dass du mit mir sprechen wolltest.“

Ich nickte langsam. Ich musste mehr wissen…

„Wegen dem Elderstab…“

Malfoy unterbrach mich wieder, doch ich blieb ruhig und hörte zu.

„Wir haben deine Theorie bestätigt, Granger. Potter hat ihn.“

Ich hatte gehofft, dass ich mich irrte.

„Er hat seine Tätigkeiten ziemlich gut verhüllt, was einige in unserer Abteilung glauben lässt, dass Potter nicht so ‚gestört’ ist, wie viele glauben würden. Ich glaube, dass er auf die Portraits im Büro der Direktorin mit dem Elderstab für ein paar Minuten einen Confundo-Zauber gelegt hat. Ich habe mit Albus Dumbledores Portrait gesprochen und die Theorie könnte durchaus stimmen. Der Fluch, mit dem die Direktorin getötet wurde… ist dunkler Natur und unrein. Diese Art von Flüchen wurde nur an einer Stelle erwähnt…“

„Im ‚Gehängten’…“, antwortete ich mit einem abwesenden Flüstern. Mein Blick war in die Dunkelheit gerichtet und ich konnte es sehen…

Ginny war in den Fuchsbau geflohen, nachdem Harry handgreiflich geworden war… Ron klopfte an die Tür von Harrys Arbeitszimmer… und Harry saß auf einem Teppich vor dem tobenden Feuer, ‚der Gehängte’ offen auf seinem Schoß…

Es war nur ein Gedanke, aber er schien möglich…

„Woher weißt du davon?“

Mein Blick richtete sich wieder auf das Hier und Jetzt. Die Wut hinter dieser Frage hatte mich überrascht und ich wusste, dass ich zuviel gesagt hatte. Ich blickte Malfoy, der immer noch am Fuß des Bettes, an das Fußstück gelehnt, saß, an, seine Arme verschränkt, doch seine Augen lodernd und seine Hände an seine Oberarme geklammert, dass die Fingerknöchel weiß hervortraten.

Ich versuchte zu lächeln. „Ich bin eine Alleswisserin, schon vergessen?“

Malfoy entspannte sich scheinbar, doch seine Augen brannten in mich.

„Das hier ist nicht die richtige Zeit für Lügen, Granger.“

Ich wusste, dass ich nicht so offensichtlich war. Und dann spürte ich es, einen Schups genau zwischen meinen Augenbrauen.

Achtung, Jane, ich habe ihn besser unterrichtet als Potter, flüsterte Severus.

„Mir wurde von einem Fluch erzählt, der dem, der meinen Zustand verursacht hat, ähnelte; er war genau beschrieben im ‚Gehängten’.“

„Mein Vater hat dir davon erzählt.“

Ich sagte nichts. Ich wollte Malfoy sagen, dass Lucius versuchte mir zu helfen und dass das Buch versiegelt war, aber es gab sicher noch andere versteckte Ausgaben. Horace hatte wahrscheinlich eine, alles andere in seiner Bibliothek war Dunkel… und mir wurde plötzlich schlecht beim Gedanken daran, dass ich so verbotene Bücher wie den ‚Gehängten’ gelesen hatte.

„In dem Buch gab es also einen Fluch?“

Ah ja, lenk den Kurs ab… Ich wollte Malfoys durchdringenden Ärger nicht länger spüren. Und ich wollte nicht, dass er eine Schwäche in meinem Verstand fand.

„Einen Erstickungsfluch, einen von drei möglichen. Wenn du den ‚Gehängten’ kennst, weißt du auch, dass viele der aufgeführten Sprüche sexueller Natur sind.“

Der Ärger in seiner Stimme verebbte, doch seine Augen hielten meine fest, als würde er durch mich hindurch sehen. Sicherlich suchte er nach einem kleinen Spalt, um etwas zu erkennen, was er für wichtig hielt, doch ich war schon genug misshandelt worden…

„Einige der Sprüche können zur Tötung verwendet werden. Der Erstickungszauber dritten Grades wurde auf die Direktorin angewandt.“

Ich sagte nichts, drückte nichts aus. Ich konnte nur die zurückgebliebene Leere spüren, da ich meinen Kummer über meine Freundin bereits ausgeschüttet hatte. Alles was blieb war eine wachsende Wut, wachsender Hass für den Mann, der Harry Potter war und auch nicht war.

„Und die letzten Opfer?“, fragte ich trocken, meine Augen wanderten zu einem von Malfoys Manschettenknöpfen.
Malfoy verlagerte sein Gewicht und ich wusste, dass es ihm lieber gewesen wäre, wenn ich davon nichts gehört hätte…

„Dir wird nicht gefallen, was ich zu sagen habe, Granger.“

Ich hob meinen Blick… und die Ernsthaftigkeit dessen, was er sagen würde, bereitete mich darauf vor, das Schlimmste zu erwarten.

„Am Tag deiner Befragung wurde Sybill Trelawney auf Hogwarts getötet. Die Schule ist nun geschlossen.“
Trelawney? Die Zahnräder an der dunkelsten Stelle meines Gehirns setzten sich in Bewegung, brauchten dringend Öl.

„Wie?“

Kein Flüstern, kein Keuchen, meine Stimme klang stärker als die letzten paar Wochen.

„Sie wurde gehäutet, ist verblutet…“

Süße Nimue!

„Longbottom fand sie in dem Sessel in ihrem Klassenzimmer, nackt, umgeben von Teeblättern und Tarotkarten.“

„Und die Haut?“

„In einem Stapel zu ihren Füßen. Nur ihr Rumpf war gehäutet, nicht die Gliedmaßen.“

Ich biss in meine Lippe. Nur Teile der Informationen ergaben einen Sinn, der Rest war Wahnsinn. Vielleicht sollte es das auch sein, aber ich konnte nicht über alles hinwegsehen.

„Sonst noch etwas, Malfoy? Markierungen, Zeichen?“

Malfoy schüttelte den Kopf und fuhr sich mit einer Hand übers Gesicht, legte sie dann auf seiner Brust ab.

Sicher hatte es etwas gegeben… etwas, dass einen Hinweis darauf gab, warum Harry so… Ich schloss meine Augen, die Übelkeit überwältigte meinen Verstand. Was hatte Trelawney mit dem Stein der Auferstehung zu tun? Wenn überhaupt, hatte diese bekloppte Frau etwas mit der Prophezeiung zu tun, die wir im Fünften Jahr im Ministerium gefunden hatten, sonst nichts. Trelawney war harmlos.

„Und das letzte?“

Malfoy stand auf.

„Ich habe dir schon zuviel gesagt, Granger.“

Ich schürzte meine Lippen und atmete tief ein.

„Wer ist es, Malfoy?“

Er wandte sich von mir ab, seine Hände zu Fäusten geballt. Er zitterte vor Wut, ich konnte spüren, wie sie von seinen Schultern rollte und Malfoy darunter pulsierte…

Ich setzte mich auf, hob mich von den Kissen an die ich mich gelehnt hatte.

„Wer?“, fragte ich wieder, Magie durchsetzte meine Stimme, ließ mich finster dreinblicken. Ich hatte schon zuvor Magie in meiner Stimme gespürt, jedoch nie so stark. Das war keine Absicht…

„George Weasley.“

Die stählerne Distanziertheit erbebte kurz, hielt jedoch. Mein Gesicht fiel langsam in sich zusammen, doch ich hielt es auf, ebenso wie die Tränen. Tränen konnten später kommen.

Malfoy sah mich über seine Schulter hinweg an, vielleicht um zu erkennen, ob ich emotional aus der Fassung gebracht war. Als er anscheinend glaubte, es wäre sicher genug, sich mir zu nähern, kehrte er zu seinem Platz am Fuß des Bettes zurück, kreuzte sein rechtes Bein über sein linkes Knie und veschränkte auch seine Arme wieder. Ich spürte, dass er immer noch wütend war und es, so wie ich, geschafft hatte, seine Gefühle hinter einem gelassenen Äußeren zu verbergen.

Ich öffnete meinen Mund um zu sprechen, doch Malfoy rollte mit den Augen und fing an. Er hatte mit meiner Frage gerechnet.

„Weasley wurde in seinem Laden in der Winkelgasse angegriffen, spät abends nach Ladenschluss. Er war unfähig gemacht und gefoltert worden, dann auf dem Kopf aufgehängt und anschließend wurde seine Kehle durchgeschnitten. Er war nicht sofort gestorben, seine Frau Angelina fand ihn und kümmerte sich um ihn, rannte dann los um uns zu verständigen. Weasley wurde ins St. Mungos gebracht, wo er immerhin lang genug lebte um mir zu sagen was passiert war und wer verantwortlich war. Er erlag schließlich seinen Wunden. Kein Trank oder Zauber konnte die Blutung stoppen oder die Wunde schließen…“

„Aber dein Gegenfluch…?“

„Hat auch nicht funktioniert, ich hab’s versucht, Granger, glaub mir, ich hab’s versucht.“

Malfoy sah mich nicht mehr an, war in Gedanken verloren. Ich studierte sein Gesicht, sah den verschwommenen Rand eines Zaubers unter seinen Augen, die offensichtlich die Ringe verdecken sollten. Ich hatte im Moment auch Ringe unter den Augen und hatte sie auch sonst oft genug schon wegen meiner Arbeit, doch ich versteckte sie nie. Andererseits war ich in keiner gehobenen Stellung wie Malfoy, und Erscheinung bedeutete solchen Männern sehr viel…

„Also ein anderer Fluch.“

„Wieder eine Abwandlung aus dem ‚Gehängten’. Diesmal eine Änderung eines Geißelungszaubers, wieder ein Fluch mit Abstufungen. Dieser Fluch war höchsten Grades… nie dazu gedacht, auf einen anderen Körperteil als den Rücken oder den Po angewandt zu werden. Wie der Fluch, den er benutzt hat, um deine Gebärmutter zu brandmarken, aber absichtlich so verändert, dass es keinen Gegenfluch oder –trank gibt, der die Blutung stillen oder die Wund schließen würde. Als Potter dich verflucht hat, war er anscheinend nicht fähig den Fluch vollkommen wirksam zu machen, daher war es mir möglich ihn zu kontern. In der Zeit zwischen dem Angriff auf dich und auf Weasley hat Potter sich verbessert… er ist gründlicher.“

Ich sagte nichts, blickte auf meine Fäuste in meinem Schoß. Ich grub nicht meine Fingernägel in meine Handflächen, doch meine Knöchel waren weiß und meine Handflächen pochten.

„W-Was hat George gesagt?“

Malfoy seufzte beunruhigt. „Das sollte ich dir nicht sagen, Granger, aber du musst es wissen.“

„Um meiner eigenen Sicherheit willen?“

Unsere Blicke trafen sich wieder. „Ja.“

Ich konnte tief in diese silbernen Kugeln blicken, sehr tief. Frust lag darin, Wut. Ich konnte Sorge sehen, um sich selbst, seine Familie, seine Kollegen, und…

„Vor Weasleys Tod gelang es den Heilern kurz seine Stimmbänder zu reparieren. Blut wurde aus Beuteln so schnell in ihn gepumpt, wie es auch wieder herauskam, doch er sagte mir in wenigen Worten, dass Potter nach Ronald suchte. Als Weasley Potter nicht den Aufenthaltsort seines Bruders sagen konnte, wurde er gefoltert. Ich erspare dir die Details…“

„Nein!“ Ich schluckte. „Nein, ich muss es wissen, Malfoy.“

Er seufzte wieder und verlagerte sein Gewicht so, dass beide Füße komplett auf dem Boden standen, dann lehnte er sich vor und stützte seine Ellbogen auf seine Knie, faltete seine blassen, langfingrigen Hände vor sich.

„Er wurde ausgezogen und gefesselt. Seine Finger und Arme wurden methodisch gebrochen, dann seine Füße und Beine. Erst danach wurde er an seinem rechten Fußgelenk aufgehängt, sein Kopf ca. ein Meter über dem Boden des Ladens. Als er hing, fing Potter an, ihn über dich zu befragen. Wo du bist… wer bei dir ist… Natürlich wusste Weasley nichts. Bevor seine Kehle aufgeschlitzt wurde, sagte Potter etwas, das Weasley immer wieder wiederholte, bis direkt vor seinen Tod. Er sagte, dass Potter ihn beneidet hatte. Potter sagte, dass er alles richten würde… ‚Hab kein Mitleid mit den Toten.’ ‚Hab kein Mitleid mit den Toten.’“

Malfoy hielt inne, seine Hände zitterten, sein linkes Auge zuckte.

Ich lehnte mich wieder an die Kissen, öffnete meine Hände, so dass meine verschwitzten Handflächen an meinen Beinen lagen.

‚Hab kein Mitleid mit den Toten.’

‚Du wirst mir helfen, den Stein zu finden!’

Ich fragte mich, ob meine Logik auch nur annähernd an der Wahrheit dran war. Ich war über den Punkt hinaus, wo ich dachte, dass ich nur einen Albtraum hatte…

„Wo sind die Weasleys?“

„Wir haben sie außer Landes gebracht. Ronald ist zu ihnen geschickt und angewiesen worden, nicht nach Großbritannien zurück zu kehren. Er hat mich bereits dreimal über das Flohnetzwerk kontaktiert, mich angeschrien, dass ich ihn zurück kommen lassen oder dich an einen sicheren Ort bringen sollte“, sprach Malfoy typisch gedehnt.

„Warum hast du mich nicht fortgeschickt?“

Malfoys höhnisches Lächeln verschwand, als er sich mir zuwandte. „Du bist hier sicher. Abgesehen davon bist du verletzt worden, ich konnte es nicht riskieren, deinen Zustand zu verschlimmern, indem ich dich fortschaffe.“

Das gab Sinn, doch ich fühlte mich sehr viel besser.

„Und dich jetzt fortzuschaffen, könnte ungewollte Aufmerksamkeit mit sich bringen“, fügte er hinzu, als ob er meine Gedanken gelesen hätte.

Ich seufzte. Ich würde das Land unter keinen Umständen verlassen. Harry musste gefasst und behandelt werden. Oder eingesperrt… obwohl ich diesen Gedanken verabscheute. Ich fragte mich, ob noch etwas von meinem alten Freund übrig war, ob es immer noch einen freundlichen, liebenden Teil gab, der ihn stoppen würde… Ich fragte mich, was Ron dachte…

„Wo ist er jetzt?“

„Wir sind uns nicht ganz sicher, aber wir glauben, dass er nach Süden geht…“

Nach Wiltshire.

„Du bist dir also darüber im Klaren was dir zustoßen könnte, Granger?“

Ich nickte. „Ich hätte wirklich gerne meinen Zauberstab zurück, Malfoy.“

„Morgen Früh als allererstes.“

*****
Ich schlief unruhig, lebhafte Träume plagten mich, ließen mich schreiend aufwachen. Mein Gefährte versteckte sich unter dem Bett und wollte nicht heraus kommen, als ich nach ihm rief. Niemand kam in mein Zimmer und ich fühlte mich schrecklich einsam. Es war Jahre her, dass ich so schlecht geschlafen hatte. Schließlich erlaubte mir mein Gehirn doch einen traumlosen Schlaf, da es zu erschöpft war, um sich einem weiteren Albtraum zu stellen.

Als ich wieder aufwachte, strömte Sonnenlicht durch die Fenster auf der einen Seite des Bettes; es war nach Sonnenaufgang. Ich setzte mich langsam auf und rieb meine Augen. Mit meinem linken Auge sah ich etwas, dass meine Stimmung hob… meinen Zauberstab.

Ich hatte den gestohlenen Walnussholz-Stab vermisst. Ich trug Bellatrix Lestranges Zauberstab, seitdem Greynack mich ‚gegriffen’ hatte… und zu eben diesem Haus gebracht hatte, in dem ich derzeit gemütlich saß. Der Stab aus Walnussholz und Drachenherzfaser passte inzwischen besser zu mir als der aus Weinrebenholz und Drachenherzfaser… und Merlin bewahre, dass ich jemals jemandem sagen sollte, wessen Zauberstab ich trug.

Auf einem Stapel sauberer Wäsche lag mein Walnussholz-Zauberstab und schien im morgendlichen Licht zu leuchten. Ich kroch darauf zu. Als ich ihn in die Hand nahm, pulsierte mein ganzer Körper. Sofortiges Wiedererkennen. Ich war kurz davor meinen Zauberstab fest zu umarmen und zu streicheln, als ob ich Malfoy, den Kater, streicheln würde. Dieser Zauberstab gehörte nun mir; er hatte mich Bellatrix Lestrange vorgezogen…

Ich stand aus dem Bett auf, sammelte den Haufen Kleidung ein und lief mit meinem Zauberstab in Richtung Badezimmer. Irgendwer, höchstwahrscheinlich Malfoy, hatte ein komplettes Outfit aus der Hütte geholt. Ich versuchte nicht daran zu denken, wie er durch meine Unterwäsche-Schublade wühlte, wusste aber, dass es so gewesen sein musste. Schwarzes Baumwollhöschen, mein schwarzer Lieblings-BH, meine Lieblingsjeans, stone-washed, meine Lieblingsseidenweste, grau und mein Lieblingspullover aus grobmaschiger, grauer Wolle… mein normales Outfit für Daheim… sogar bis auf die schweren grauen Wollsocken. Das einzige, was fehlte, waren meine Militärstiefel und der mir vererbte Mantel.

Ich wusch mein Gesicht und tupfte es mit einem dicken, teuren Handtuch trocken. Mein Spiegelbild sah fast aus wie ich. Die Haare waren drastisch verändert, nun ein Millimeter langer, karamellbrauner Flaum auf einem vernarbten, aber schön geformten Schädel. Die Blutergüsse waren fast verschwunden, aber die dunklen Ringe und eingesunkenen Wangen waren geblieben. Ich sah nicht sehr gesund aus und Merlin bewahre, dass meine Eltern mich je in diesem Zustand sahen… sie würden denken, ich hätte eine Essstörung…

Ich bürstete mir die Zähne mit der neuen Zahnbürste, die ich im Wandschrank fand und spürte, wie die Tränen in meinen Augen brannten.

Ich könnte einfach zu meinen Eltern nach Australien gehen und diesen Albtraum dem Ministerium überlassen.

Aber was, wenn Harry sich darin erinnerte, dass ich einmal von Australien gesprochen habe?

Ich spülte meinen Mund aus und wischte die Tränen mit meinem Ärmel weg. Ich konnte nicht einfach weglaufen, nur weil mir etwas Schreckliches zugestoßen war…

Endlich richtig angezogen lief ich sofort zur Schlafzimmertür, öffnete sie quietschend und fand einen mit Parkett ausgelegten Korridor, dunkel und ruhig. Als ich über die Türschwelle trat, bemerkte ich einen Stuhl neben der Tür. Ich berührte die aufgepolsterte Rückenlehne und konnte noch die Wärme des derzeit verschwundenen Körpers spüren. Ich fragte mich, wer…

Ich verrutschte meinen Zauberstab, der in meinem Ärmel steckte und beschloss, rechts lang zu gehen, in Richtung Norden, oder wie ich annahm, den Nordgang entlang. Meine Füße sanken in einen schweren Teppich während ich lief. Ich versuchte nicht zu schleichen oder leise zu sein, ich war ja kein Eindringling, aber abgesehen von dem Schlafzimmer, das hinter mir lag, fühlte ich mich so.

Schummrige Wandleuchten erhellten den Flur, leuchteten von den dunklen Holzwänden. Es gab ein paar Gemälde, jedoch keine Portraits. Ich nahm die Landschaften und die Stillleben zur Kenntnis, ebenso wie auch die Anzahl der Türen auf beiden Seiten des Ganges, an denen ich vorbei ging. Ich spitzte in den angrenzenden Flügel, fand ihn dunkel vor und begann meinen Weg die Treppe nach unten, wo ich auf dem Absatz der zweiten Etage innehielt. Diese Gänge waren heller, mit hellerem Holz und stärkeren Wandleuchten… und stummen Portraits an den Wänden, die mich beim Vorbeigehen böse ansahen. Vielleicht der Familienflügel?

Über weitere Stufen nach unten kam ich in eine weitläufige Empfangshalle mit weißem Marmorboden und großen Fenstern, die auf sanft geschwungene Hügel, die von einzelnen Wäldchen bedeckt waren, blickten. Der Himmel hatte einen unglaublichen Blauton und große, bauschige Wolken trotteten über die morgendliche Szenerie.

„Vater… hast du?“

Schnipsel von Malfoys Stimme drangen aus dem Hauptkorridor, der rechts vom letzten Treppenabsatz lag. Ich ging zwei Schritte, bevor ich stehen blieb… Ich konnte kaum glauben, dass ich in diesem lächerlich großen Haus zu Gast war.

„Granger hat…“

Mein Name. Ich bewegte mich auf die Quelle von Malfoys Stimme zu. Meine Socken waren auf dem Marmor etwas rutschig, aber lautlos. Ich kam an zwei Türen, die vermutlich in zwei unterschiedliche Zimmer führten vorbei und stand schließlich vor der letzten Tür zu meiner Linken. Ein Strahl Morgenlicht kam aus einem Spalt zwischen Tür und –rahmen und ich lief hindurch, um mich an die Wand zu drücken, mein rechtes Ohr nahe an der Tür. Ich roch den leichten Duft von Pfeifenrauch und Kaffee.

„Sie mag vielleicht ein Schla - eine Muggelgeborene sein, Draco, aber sie ist nicht dumm.“

Hatte Lucius Malfoy ihr gerade ein Kompliment gemacht?

„Granger steht unter Schock, Vater! Eine normale Reaktion darauf, fast vergewaltigt und umgebracht zu werden!“, knurrte Malfoy.

Malfoy war verärgert… nein, dieses Adjektiv war eine Untertreibung… er kochte vor Wut.

„Meiner Meinung nach ist sie stark genug, Sohn. Ihr Verstand ist berechnend, sie kann ihren Schmerz, ihre Gefühle, ihre Bedürfnisse voneinander trennen… außerdem kommt es mir so vor, als würde sie genauso sehr wie du Potter stoppen wollen“, schoss Lucius zurück.

Ich hörte, wie Möbel verschoben wurden und dachte für eine Sekunde, dass es ein Handgemenge zwischen Vater und Sohn gab. Als ich durch den hellen Spalt spitzte, merkte ich, dass ich falsch lag. Lucius Malfoy saß auf einem Lehnstuhl mit edlem, grünem Samt bezogen neben einem Kamin, seine nackten Füße auf einer Ottomane, eine Pfeife in seinem Mund und eine Zeitung in den Händen… eine bulgarische… Er trug einen Pyjama, dunkelblaue Seide mit einem passenden Hausrock darüber. Malfoy hingegen hatte sich wohl in den dazugehörigen Sessel fallen lassen, da ich nur noch seinen Hinterkopf sehen konnte, seine Wange in die linke Handfläche gestützt. Er trug keinen Pyjama, sondern einen schwarzen Rollkragenpullover, sein Zauberstabhalfter sichtbar darüber. Auch er hatte die Beine hochgelegt, bis zu den Knöcheln, schwere schwarze Stiefel baumelten über die Lehne. Ein langer Finger hakte sich in den Henkel einer großen Tasse mit dampfendem Kaffee.

Ich versuchte mehr von dem Raum zu erkennen, aber ich konnte nur einen langen schwarzen Ledermantel über einem Stuhl hinter einem großen Schreibtisch, der mitten im Raum stand, hängen sehen. Der Stuhl stand etwas näher an den Flügelfenstern. Die Sonne war zu hell, als dass ich mehr hätte sehen können.

Schnell schlüpfte ich zurück an die Wand und entspannte mich, damit ich wieder normal atmen konnte.

„Das mag sein, Vater, aber du schlägst da etwas vor, was gegen die Regeln meiner Abteilung verstößt.“

„Oh, zur Hölle mit diesen Regeln, Draco. Du hast es schon in Betracht gezogen, lange bevor ich es vorgeschlagen habe, gib es zu!“

Das Rascheln von Zeitungspapier unterstrich Lucius’ harte Worte und ich biss die Zähne zusammen. Der verdammte Todesser hatte einen Plan…

„Ich kann Granger nicht als Köder benutzen, Vater. Das hier sind nicht mehr die alten Zeiten. Außerdem habe ich es dem Kriminalkommissar schon ausgeredet…“

Dämliches Frettchen!

„Was schlägst du also vor, Draco? Potter kommt in diese Richtung und Merlin allein weiß, wen er auf seinem Weg töten wird.“

„Er wird das Anwesen nicht finden, und selbst wenn, würde er nicht durch die Schutzschilder kommen.“

„Potter hat sich auch in Hogwarts sehr leichtfüßig bewegt… er ist durch die Schutzschilder von Granger gekommen…“

Malfoy knurrte laut genug, dass sogar ich es hinter der Tür hören konnte.

„Er ist nicht allmächtig, Vater. Er ist geistesgestört und er wird einen Fehler machen.“

„Er hat den Elderstab, Sohn.“

Malfoy schnaubte. „Soll ich mich wiederholen, Vater?“

Es entstand eine Pause und ich wartete… und wartete.

„Was wirst du mit Granger machen?“

Malfoy seufzte. „Die Sicherheitsabteilung möchte sie außer Landes schaffen, aber das würde die Lage nur verschlimmern. Es könnte Potter ins Ausland führen…“

„Dann wäre er das Problem eines anderen Ministeriums…“

Malfoy seufzte erneut. „So einfach ist das nicht, Vater. Die Presse hat einen Heidenspaß. Meine Männer werden schikaniert, verdammt, selbst ich werde von Leuten aus meinen eigenen Reihen schikaniert. Die Leute haben Angst, sind verwirrt und es hilft nicht gerade, dass der Prophet das Feuer noch mit eigenen, wilden Spekulationen anschürt.“

„Du kennst alle meine Pläne, Sohn. Ohne die Regeln zu brechen, wirst du ihn vielleicht nicht stoppen können…“, sagte Lucius sanft und ich fragte mich, wie sein Gesicht in diesem Moment aussah. Seine Worte klangen beinahe zart… väterlich.

„Deshalb habe ich auch Granger alles erzählt… sie kennt Potter besser als alle anderen. Und nachdem, was er ihr antun wollte, halte ich es für offensichtlich, dass sie irgendwie der Ausgangspunkt für Potters Pläne ist.“

Lucius schnaubte. „Und du hast mich angeschrien, weil ich ihr ‚den Gehängten’ gegeben habe!“

„Das war zu früh und zu viel auf einmal, Vater…“

„Dieses kleine Schla- diese Muggelgeborene hätte es letztendlich selbst herausgefunden! Besser von mir als von jemand anderem! Ich habe das verfluchte Ding sogar versiegelt; es würde Tage dauern, bis sie um diesen Zauber herumkommt… Jahrzehnte, wenn es eine andere Person wäre.“

Eine weitere lange Pause und mein Rücken tat weh, die Vertäfelung drückte in mein Kreuz.

„Sohn, das alles… Potter, ‚der Gehängte’, es fühlt sich so… es fühlt sich an wie früher.“

Malfoy atmete so tief ein, dass ich es hier außen hören konnte. „Nur noch schlimmer, Vater. Aber diesmal sind wir auf der Siegerseite.“

„Ja, diesmal…“

Ich spürte, dass ich böse vor mich hin starrte. Aber eine Bewegung in meinen Augenwinkeln erschreckte mich und ich rutschte beinahe auf dem Marmorboden aus. Narcissa kam schnell auf mich zu, ihre Augenbrauen verwundert zusammen gezogen. Ich legte einen Finger auf meine Lippen, als sie näher kam und brachte lautlos etwas Abstand zwischen mich und die Tür. Als ich nah genug war, packte Narcissa meine Hand und zog mich noch weiter fort, in die andere Richtung, und blickte zurück auf die angelehnte Tür.

Nach einer weiteren Tür und ein paar Stufen hinunter merkte ich, dass Narcissa mich in eine große Küche gezogen hatte, überall huschten Elfen, manche kochten, andere wuschen ab, manche erledigten in einem Nebenzimmer die Wäsche. Die Elfen sahen auf, als würde sie auf Narcissas Anweisungen warten. Mit erhobener, blasser Hand schien Narcissa die Elfen anzuweisen zurück an die Arbeit zu gehen, während sie mich durch den Raum zog. In der hintersten Ecke war ein kleiner Alkoven, ein Separee groß genug für zwei Leute, die sitzen und unbemerkt bleiben wollten. Ein winziges Fenster an der Rückwand blickte auf einen kleinen Kräutergarten und es war leicht geöffnet, ließ kühle Luft in die fast stickige Küche.

„Worüber haben sie gesprochen?“, fragte Narcissa laut, ihre Stimme ging im Lärm der Küche beinahe unter.

Ich blinzelte sie an… Sie trug einen langen, weißen Morgenmantel über einem weißen Seidenunterkleid, weiße Slipper an den Füßen und ihre langen blonden Haare hingen in einem Zopf über ihre rechte Schulter. Sie strahlte im Sonnenlicht, und zum ersten Mal erkannte ich, wie schön Narcissa war, vor allem, wenn sie eine Verbündete war.

„Ich habe nicht…“, begann ich.

Narcissa nahm meine beiden Hände, fest, ihre Augen vor, wie ich dachte, Angst, geweitet.

„Ich weiß, dass Draco Ihnen von Sibyll Trelawney und George Weasley erzählt hat… Ich weiß, dass Lucius Ihnen dieses… dieses schreckliche Buch gezeigt hat…“

„Mrs. Malfoy… Narcissa, ich…“

Ich war verwirrt.

„Hermine, bitte… bitte sagen Sie mir, worüber sie gesprochen haben…“

Ich blinzelte schnell. Etwas in mir stürzte langsam zusammen und plötzlich schluchzte ich.

„Das Ministerium… will mich fort schicken...“, schluchzte ich und schnaufte alle paar Wörter tief ein. „Malfoy hat abgelehnt… zu viel Arbeit… und Harry… Harry könnte hierher kommen…“

Narcissa wischte meine Tränen mit einem Taschentuch, dass sie aus ihrem Morgenmantel zauberte, weg und streichelte abwechselnd meine Wangen und meinen geschorenen Kopf. Ich vermisste meine Mutter, als sie mein Gesicht berührte, und meinen Vater, als sie diese traurige Entschuldigung für eine Frisur berührte.

„Sch, Liebes… Er wird nicht hierher finden. Du bist hier sicher…“, gurrte sie, ihre Finger fuhren meine eingesunkene Wange entlang. Ich wusste, dass sie mich scheußlich finden musste, ich fand mich ja selbst abscheulich…

„Lucius, er… Er hat vorgeschlagen, mich als Köder zu benutzen…“

Narcissas Gesicht verfinsterte sich sofort. „Draco wird das nicht zulassen.“

Ich schluckte noch ein paar Mal Luft herunter, bevor ich antwortete.

„Nein… er hat gesagt, das würde er nicht.“

„Draco ist kein Monster, Her – Miss Granger. Lucius auch nicht, aber er hat manchmal ungeheuerliche Ideen…“

Ich antwortete nichts, diese dunklen Räder drehten sich wieder in meinem Kopf.

Aber es könnte klappen, kleine Jane Granger. Denk dir selbst eine Falle aus, biete dich selbst als Köder an und fang den Teufel im Sack…flüsterte Severus bösartig.

Nein. Einmal von meinem besten Freund gefoltert zu werden, reichte aus, Merlin allein wusste, was er tun würde, wenn er eine weitere Chance bekommen würde. Ich glaubte nicht, dass ich diesen Wahnsinn noch einmal ertragen würde.

„Sonst noch etwas?“, fragte Narcissa, ihre Sorge ihrer Stimme entnehmbar.

„Nein…“

Die Tränen waren versiegt, ebenso wie das Schluchzen, und ich konnte die Brise aus dem Kräutergarten einatmen. Vielleicht, nur vielleicht, gab es eine Sache an Lucius’ Idee, die funktionieren könnte.

Was sollte ich für Harry tun?

‚Du wirst mir helfen, den Stein zu finden!’

Den Stein der Auferstehung. Aber warum ich… warum brauchte er mich dazu?

Ich konnte mir Harry mit dem Elderstab vorstellen, wie er den Stein der Auferstehung heraufbeschwor und ihn doch nicht bekam… Wenn ich nicht den Harry im Kopf gehabt hätte, der mich angegriffen hatte, wäre der Gedanke fast lustig gewesen.

Ich hatte so wenig mit dem Stein der Auferstehung zu tun gehabt und hatte von seiner Existenz sowieso erst erfahren, nachdem er fort war. Ich kannte nur die Erwähnung durch Beedle den Barden, da mir das Buch vermacht worden war, ich kannte nur die Zusammenhänge, die Zusammenwirkung…

Ich wusste so wenig über den Stein und ich bezweifelte, dass es jemanden gab, der mehr wusste als ich… durch Harrys Erzählung, durch Dumbledores Erzählung… Ich wusste nur, dass der Stein es einem gestattete, verstorbene Menschen zu sehen. Das Schlüsselwort hierbei war ‚sehen’.

Außer… außer…

„Miss Granger?“

Ich biss mir in die Lippe. Ich war wieder auf einem gedanklichen Wanderweg gewesen und hatte völlig vergessen, wo ich war und wer meine Hand drückte. Deshalb lebte ich allein…

„Es… es geht mir gut, Mrs. Malfoy, ich habe nur…“

„Sprechen Sie darüber, Miss Granger, wenn sie möchten.“

Ihre Augen waren nicht grau oder silber wie Malfoys, sondern das blasseste Blau, dass ich je gesehen hatte. Ich musste mich zusammenreißen und die Information in meinen gedanklichen Aktenschrank sperren.

„Nein, das wäre Unsinn… Ich brauche mehr Informationen.“

Narcissa blinzelte und lächelte matt. Ich wusste, dass sie meine Ausflüchte wie eine Glasscheibe durchschaute, aber sie drängte mich nicht und dafür war ich dankbar.

„Zuerst einmal Frühstück, und dann lassen Sie Ihren Verstand etwas ruhen. Wenn Sie mir ähneln, machen Sie sich zu viele Sorgen.“

„Gut möglich“, sagte ich mit einem angedeuteten Lachen. Ich machte mir wirklich zu viele Sorgen, aber so war ich schon immer.

Narcissa rief einen Elf, flüsterte sanft, während ich meine Aufmerksamkeit auf das kleine Fenster richtete und auf den azurblauen Himmel starrte. In wenigen Momenten erschienen Teller mit Eiern, Schinken und Toast auf dem runden Tisch, zusammen mit halben Grapefruits, Kaffee, Saft und Marmelade. Wir aßen langsam, unterhielten uns nicht und ich genoss das köstliche Frühstück, putzte meinen Teller leer, als ob ich seit Tagen nicht mehr gegessen hätte. Ich lehnte mich mit meinem Kaffee zurück und merkte, dass Narcissa Tee bevorzugte; ich starrte in den großen Raum. Die Aktivitäten beruhigten mich, erinnerten mich an das Frühstück auf Hogwarts mit all den anderen Schülern, die redeten und aßen, lachten und zusammen paukten, um noch einen Aufsatz rechtzeitig fertig zu bekommen.

Ich war tief in meiner tröstlichen Erinnerung verloren, bevor ich bemerkte, dass Malfoy durch die Küche auf mich zukam, sein Gesicht streng und seine Augen stechend.

„Mutter, Miss Granger, darf ich mich setzen?“

Ich runzelte über dem Rand meiner Tasse meine Stirn, als Narcissa einen Stuhl für Malfoy herauf beschwor, damit er sich vor dem Alkoven hinsetzen konnte. Ich nahm einen Schluck schwarzen Kaffee und konzentrierte meine Augen auf einem Punkt hinter Malfoys Gesicht.

Mein gedanklicher Aktenschrank öffnete sich völlig von selbst…

‚Der Gehängte’ bestimmte meinen Gedankengang und es gefiel mir, dass ich diesen Pfad in der Sicherheit der warmen Küche in der Reichweite von Malfoy und seiner Mutter begehen konnte.

Gab es irgendeinen Weg sich zu vergewissern, dass Harry das Buch gelesen hatte? Natürlich würde er nicht an so ein Buch kommen, solange er im St. Mungo war. Woher konnte er ein so böses Buch, das gebannt war und auf der schwarzen Liste stand, nur herhaben? Hatte er es selbst gefunden, bevor er eingewiesen wurde? Was hatte er - in seinem Arbeitszimmer eingeschlossen - getan? Er hatte sicherlich nicht nur Trübsal geblasen…

Ich spürte, wie sich mein Stirnrunzeln verstärkte, während ich einen weiteren Schluck trank. In der Ferne hörte ich Narcissa sprechen, doch ich drängte ihre Stimme in den Küchenlärm zurück… Hintergrundgeräusche.

Gab es eine offizielle Aufzeichnung zu Harrys Einlieferung ins St. Mungo? Ron… woran erinnerte er sich?

Was war mit Harrys Heilern? Gab es Aufzeichnungen zur Behandlung, zu Therapiesitzungen?

Ich hielt inne. Ich überstürzte etwas.

Ich konzentrierte mich auf die Möglichkeit, dass Harry ‚den Gehängten’ gelesen hatte.

„Granger!“

Finger gruben sich in meine Oberarme und schüttelten mich. Zum Glück war kaum noch Kaffee in meiner Tasse…

Meine Blick verschärfte sich und ich konnte nur Malfoys stürmisches Gesicht sehen. Ich blinzelte und setzte meine Kaffeetasse heftig auf dem Tisch ab, versuchte Malfoys schmerzhaften Griff abzuschütteln.

„Komm zurück, Granger“, knurrte er, sein Marmeladen-Atem an meinen Wangen.

„Es geht mir gut, Malfoy. Nimm bitte deine Hände weg“, stieß ich hervor.

Malfoy entließ mich, nachdem er vorsichtig mein Gesicht studiert hatte, richtete sich wieder auf, so dass er nicht mehr über dem Tisch lehnte.

„Merlin, Granger, Mutter wollte schon wieder nach Wiscombe rufen lassen…“, murmelte er, fiel in seinen Stuhl zurück und fuhr mit einer Hand durch seine aufgestellten Haare.

Ich atmete ein und wandte meine Aufmerksamkeit Narcissa zu, die angeschlagen aussah, ihre großen Augen wanderten von mir zu ihrem Sohn. Ich fühlte mich plötzlich schuldig und senkte meinen Blick um meine Kaffeetasse zu leeren.

„Wenn du auf gedankliche Wanderschaft gehst, dann tu’s nicht beim Frühstück… das ist unhöflich.“

Ich öffnete meinen Mund zur Antwort, doch ich wusste eigentlich, dass Malfoy Recht hatte.

Das Frühstück ging weiter und ich verhielt mich still und lauschte Narcissas leichter Unterhaltung. Malfoy sprach, wenn er angesprochen wurde, doch ich spürte seine Augen auf mir und ein leichtes Ziehen zwischen meinen Augen, dem ich jedoch leicht widerstand.

„Nun gut, ich werde euch beide jetzt allein lassen, ich muss mit Lucius sprechen…“

Ich nahm Narcissa kaum wahr, lächelte nur abwesend, als sie ging. Die vorigen Gedanken bewegten sich langsam in die erste Reihe.

„Ich weiß, dass die Gesprächsthemen meiner Mutter etwas belanglos und albern sind, Granger, aber sie gibt sich Mühe.“

Ich drängte die Gedanken zurück und hob meinen Kopf, um Malfoy dabei zu beobachten wie er mir noch einmal Kaffee nachschenkte, bevor er sich selbst etwas einschenkte.

„Sie ist eine wunderbare Ablenkung.“

Malfoy grinste. „Findest du?“

Ich nickte.

„Sie ist nicht deine Mutter, also musst du nicht ihre nett verpackten Andeutungen und verhüllten Drohungen ignorieren. Aber aus irgendeinem Grund mag sie dich, was mich und meinen Vater etwas aus der Fassung bringt.“

Ich trank einen kleinen Schluck und versuchte mir weder die Lippen, noch die Zunge zu verbrennen. Ich grinste, als ich das starke Getränk schluckte.

„Sie lebt alleine als Frau in einem Haus mit zwei Männern…“, antwortete ich.

Malfoy schnaubte über dem Rand seiner Tasse. „Sie ist eine Black.“

Ich konnte nicht sagen, dass ich so ganz verstand, was ihre Herkunft mit all dem zu tun hatte, aber ich grinste weiter.

„Wirst du mir sagen, wo du warst?“

Ich verschluckte mich beinahe und griff nach einer Serviette, um meine Lippen abzutupfen.

„W-was?“

Malfoy lächelte, was mich sofort auf der Hut sein ließ. Ich hatte Malfoy nicht oft lächeln sehen, aber normalerweise resultierte es in einer Form von Bosheit. Ich erinnere mich besonders an die fünfte Klasse, als er bei diesem Inquisitionskommando half…

„Diese geistige Wanderung, die du unternommen hast, während Mutter versucht hat mit dir zu sprechen. Sie dachte, du hättest wieder einen Anfall…“

Ich spürte wie Blut meine Wangen erhitzte. Ich fühlte mich wirklich schuldig.

Ich kämpfte darum wieder Haltung einzunehmen und mich nicht zu schämen.

„Ich…“, begann ich, hielt jedoch inne und setzte meinen Kaffee ab. „Du bist der Chief Inspector.“

Malfoy hob eine blasse Augenbraue, schluckte seinen heißen Kaffee herunter und lehnte sich in seinem Stuhl vor um seine Tasse neben meine zu stellen.

„Scharfsinnige Beobachtung, Granger… Ja, ich bin der Chief Inspector und ich muss in einer Stunde zur Arbeit. Wenn du also sonst nichts weiter zu sagen hast, mache ich mich fröhlich auf den Weg zum Ministerium.“

Vorlautes Frettchen.

„Ich… du…“

Verdammt, warum brachte ich es nicht raus?

„Hast du irgendwelche Aufzeichnungen zu Harrys Einlieferung ins St. Mungo? Berichte über sein Haus… sein Arbeitszimmer?“

Malfoy starrte mich an, als wären mir in einer Sekunde lange Haare gewachsen…

„Irgendwo in den Akten vielleicht.“

„Vielleicht?“, fragte ich, meine Stimme nur einen Atemzug von Frustration entfernt.

„Flint hat alles, was mit Potter zusammenhängt, bevor er McGonagall ermordet hat, zusammen geschrieben. Wir mussten uns aus anderen Abteilungen Dokumente beschaffen und sie einzeln zusammensetzen. Warum bist du an den Aufzeichnungen interessiert?“

Ich seufzte, meine Finger spielten mit dem Rand meiner Kaffeetasse. „Was hat er zwischen dem Tag seiner Hochzeit und seiner Einlieferung ins St. Mungo gemacht? Vielleicht sogar schon vor der Hochzeit…“, sagte ich abwesend und versuchte mich daran zu erinnern… an irgendwas…

„Vielleicht gibt es Aufzeichnungen, Berichte über das Haus, seinen Geisteszustand… aber du weißt, dass ich sie dir nicht zeigen kann, oder, Granger?“

„Was?“, quiekte ich ungläubig.

Malfoy lehnte sich in seinem Stuhl zurück und hob die Arme, um seine Finger hinter seinem Kopf zu verschränken.

„Du hast keine Berechtigung, du gehörst nicht zur Polizei…“

„Ich bin eine Unsägliche! Mein Genehmigungslevel ist höher, als es deines jemals sein wird!“

Ich rauchte vor Wut. Das Frettchen würde mir nicht so einen Mist vorsetzen und dann erwarten, dass ich einfach schluckte! Ich hatte zu allen Abteilungen Zugang, wenn ich wollte…

„Dieser Fall betrifft, unter anderem, dich, also gilt Paragraph 22“, murmelte er selbstgefällig.

Paragraph 22 am Arsch. Wenn wir in der Ministeriumshalle stehen würden, könnte ich ihn zerquetschen, indem ich nur atmete und meinen Unsäglichen-Umhang trug.

Meine Wut verebbte. Im Moment war ich keine Unsägliche und ich saß in seiner Küche. Ich musste mir etwas anderes einfallen lassen um an diese Informationen zu kommen. Vielleicht konnte Ron mir helfen, aber wie sollte ich ihn kontaktieren, wenn er und seine Familie unter Zeugenschutz standen? Offensichtlich konnte ich nicht Malfoy fragen.

„Denk nicht mal dran, Granger.“

Ich schloss meine Augen und atmete beruhigend ein, öffnete meine Augen und funkelte Malfoy an.

„Da könntest du gleich Potter sagen, wo Ronald Weasley ist… oh, und gleich selbst ein grelles Leuchtschild über deinem Kopf tragen.“

Das Frettchen übertrieb.

„Also, ich geh…“, sagte er, stand auf, wirkte erstaunlich jünger als letzte Nacht.

Er drehte sich um und ging… voller Absicht.

„Malfoy!“

Ich hatte nicht schreien wollen.

„Ja, Granger?“

„Prüf das nach, ja? Vor allem Bücher… und nicht nur ‚den Gehängten’.“

Malfoy lief weiter, hob eine Hand als ob er Winken würde, tat es jedoch nicht. Als ich diese platinfarbenen Haarspitzen nicht mehr sehen konnte, fluchte ich.

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Am schwierigsten fand ich, das Tauchen technisch zu bewältigen und dabei auch noch zu spielen. Ich durfte nie vergessen, dass Harry Kiemen hat, also gar nicht atmet. Also hatte ich sorgsam darauf zu achten, dass ich keine Luftblasen ausatmete. Um mich herum konnte ich überhaupt nichts erkennen, ich hörte nur Jamies völlig unwirkliche Stimme. Ein absolut bizarres Erlebnis, aber ich fand es echt toll.
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