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The Fool, the Emperor and the Hanged Man - Kapitel 6

von Nitsrek

Drei Minuten, nachdem Malfoy mir von meiner bevorstehenden Abreise erzählt hatte, lief ich die Treppen herunter. Ich trug ein neues Paar schwere Stiefel und meinen vererbten Mantel, der gereinigt und mit dem Rest meiner ramponierten Kleidung in den Schrank gehängt worden war. Ich trug einen schweren Beutel über meiner Schulter, in dem sich das Buch befand, das ich gerade las, außerdem das versiegelte Buch, die Notizen, die ich mir gestern gemacht hatte und ein kleiner Kulturbeutel mit teuren Hygieneartikeln aus Frankreich, höchstwahrscheinlich von Narcissa.

Malfoy lief aufgebracht im Empfangsraum hin und her und drehte sich um, als meine neuen Stiefel geräuschvoll auf den Marmor trafen.

„Wir apparieren.“

Malfoy schritt zu der breiten Eingangstür und ich musste fast joggen, um ihm in die Kälte hinauszufolgen. Malfoy hielt direkt vor der Tür inne, um seinen Kragen hochzuschlagen, bevor er die weiße Kieseinfahrt hinunter lief. Ich zog den Beutel von meiner Schulter und schrumpfte ihn, stopfte ihn in meine bodenlose Tasche, was mich ein paar Schritte zurückfallen ließ.

Alte Erinnerungen an meinen letzten Besuch auf Malfoy Manor waberten durch meinen Verstand, während ich versuchte Schritt zu halten, aber ich hielt sie unter Verschluss, da es mir endlich gelang, nur noch eine Armlänge hinter Malfoy herzulaufen. Zusammen traten wir durch die gehämmerten Eisentore und ich spürte wie sich die Luft um mich veränderte. Die Schutzzauber ließen mich passieren und als ich zurückblickte, sah ich nur die verschwommene Einfahrt und statt dem Manor überwucherte und verbrannte Ruinen.

Zehn Schritte vom Tor entfernt, auf einem schlammigen, unbenutzten Weg, drehte Malfoy sich um und zog seinen Zauberstab… Ich blinzelte, blieb vor ihm stehen und starrte dümmlich auf das helle Stück Holz. Malfoy runzelte die Stirn und seufzte, während er mich am rechten Arm packte. Ich öffnete meinen Mund um zu protestieren, aber die Zeit hielt für einen Moment inne.

Die Welt zog sich um uns zusammen und ich wurde gegen seine Brust gestoßen, von seinem würzigen Duft überschwemmt. Mein Kopf wurde leichter und ich kauerte mich an ihn, fand es merkwürdig, dass mich Malfoys Arme hielten…

Seit-an-Seit-Apparieren.

Die Welt vergrößerte sich wieder und auch der Schmerz kam zurück, schnitt durch mein Gehirn wie ein stumpfes Beil. Apparieren war anders als Reisen mit dem Portschlüssel, und es war schon eine Zeit her seit ich das letzte Mal appariert hatte. Mein Kopf fühlte sich an als würde er gleich zerbersten, der Druck in meinem Schädel ließ mit einem entsetzlichen Pfeifen in meinen Ohren nach.

Malfoys Arme lenkten mich zu Boden, seine Hände bewegten sich über mein Gesicht um die Wunden auf meinem Kopf wieder zu heilen, die sich plötzlich geöffnet hatten. Meine Augenlider flatterten und kurz darauf ließ der Schmerz nach. Ich keuchte, desorientiert und müde, aber ich konnte sehen.

„Ruhig… ruhig“, flüsterte Malfoy und ich blinzelte, erstaunt über die Sanftheit seiner Stimme.

Er hielt meine Schultern fest während ich wieder normal atmete, und ich stellte fest, dass ich im Schnee saß. Ich ließ meinen Blick umherwandern und bemerkte, dass ich im Schatten der Heulenden Hütte saß.

Ich schubste Malfoy in meinem benebelten Zustand von mir und er landete mit einem dumpfen Aufprall im Schnee, starrte mich an als ob ich ihn irgendwie schwer verletzt hätte. Wenn mein Kopf nicht so stark gepocht hätte, hätte ich einen Lachkrampf bekommen. Stattdessen zog ich meinen Zauberstab und stolperte auf meine Füße.

Malfoy lächelte höhnisch, als er den Schnee von seinem Mantelrücken klopfte und sich umsah. Hier außen bei Hogsmeade schneite es vom Himmel, ein krasser Gegensatz zu der eisigen Kälte in Wiltshire.

Ich verwandelte meinen Umhang in einen langen, schweren Mantel. Malfoy folgte meinem Beispiel und setzte seine Kapuze auf, um sein auffallend helles Haar und sein Gesicht zu verbergen.

„Setz deine Kapuze auf, Granger, und zieh sie ins Gesicht. Bleib in meiner Nähe“, knurrte er und steckte seinen Zauberstab in das Halfter, das er über seinem schwarzen Pulli und unter seinem dunklen Mantel trug.

Ich nickte und zog meine Kapuze auf, so dass ich nur noch Malfoys lange Finger sehen konnte. Der Wind peitschte um das ächzende Haus wie eine Mauer aus Eis und ich zitterte, spürte den Zug in meiner Kapuze, um meinen geschorenen Kopf. Ich zog den Mantel um meine Schultern und konnte bald nur noch Malfoys Stiefel sehen.

Er lief los, seine Sohlen ließen den Schnee knirschen, und ich folgte ihm, gab mein Bestes um mich nicht von der Kälte abschrecken zu lassen. In Wiltshire war es nicht so bitterkalt. Meine Stiefel rutschten durch den teils losen, teils festgetretenen Schnee, als wir uns von der Hütte entfernten, den Weg nach Hogsmeade entlang.

Mein Atem erschien in weißen Wölkchen vor meiner Kapuze, während ich durch den Mund atmete. Malfoy lief zu schnell und ich rutschte zu oft im Schnee… mein Kopf tat immer noch weh und meine Brust schmerzte von dem Tempo, das Malfoy anschlug.

Wir näherten uns schnell Hogsmeade, das von der Schneemenge fast verschleiert war, als ich innehalten musste um meinen Kopf klar zu kriegen.

„Lauf weiter!“, sagte er knapp, als er ein paar Meter weiter stehen blieb.

Ich antwortete nicht, sondern bückte mich um meine Handflächen auf meinen Knien abzustützen und soviel eisige Luft aufzunehmen wie ich konnte. Ich war immer noch nicht bei bester Gesundheit. Normalerweise konnte ich Meilen durch das ungleichmäßige Terrain des Waldes zurücklegen ohne nach Luft zu schnappen. Ich war auch den Weg nach Hogsmeade schon mehrmals gegangen und hatte mich bisher dabei noch nie gefühlt als hätte ich nur noch eine Lunge.

Mir war schwindlig und ich spürte den kalten Schweiß auf meinem Rücken und in meinem Nacken. Der zugeschneite Boden schien plötzlich so einladend…

„Verdammt, Granger…“

Ich lag wieder in seinen Armen, mein Gesicht in Richtung Boden. Ich wollte schlafen, sterben, alles, wobei ich meine Augen schließen und mich ausruhen konnte. Ich wollte mich übergeben…

Malfoy flüsterte mir etwas zu, aber ich hörte ihm nicht zu. Meine Sicht war weg, der Schnee merkwürdig gelb, dann grün, dann blau. Ich wusste, dass etwas mit meinen Augen nicht stimmte, aber nach ein paar Momenten der Ruhe war der Schnee wieder weiß. Ich konnte endlich atmen, ohne mich anzustrengen und hob meinen Kopf, um Malfoys Kinn anzustarren.

„Du hast Fieber, du dumme Kuh… Ich hätte dich nie aus dem Manor lassen dürfen…“

Er war wütend, sprach aber mehr mit sich selbst als mit mir. Ich war auch ein wenig wütend, aber auf mich, weil ich so schwach war. Ich war noch nie so schwach gewesen…

Problemlos hob er mich hoch, setzte mich auf meinen Füßen ab, richtete meinen Mantel und zog mir die Kapuze über den Kopf. Ich konnte sein Gesicht wegen seiner Kapuze immer noch nicht sehen, nur sein kantiges, sauber rasiertes Kinn.

„Na, dann komm…“, flüsterte er ein wenig verärgert, nahm mein Hand und zog mich deutlich langsamer hinter sich her.

Ich war mir sicher, dass wir albern aussahen, wie wir so auf die Hauptstraße von Hogsmeade traten. Malfoy war einanhalb Köpfe größer als ich und seine bleiche Hand umschloss meine völlig. Niemand konnte sehen wer wir waren, aber wenn sie nach der Größe gingen, hätten sie denken können, wir wären Elternteil und Kind.

Nur wenige Leute waren außen, was mich überraschte. Andererseits würde das Dorf natürlich ruhig sein, wenn Hogwarts geschlossen war. Wir liefen am Honigtopf vorbei und ich schaffte es die offiziellen Ministeriumsnachrichten zu erkennen, die in den Fenstern hingen und einen Zapfenstreich bei Sonnenuntergang verkündeten, der für das ganze Magische Britannien galt…

Ich wollte Malfoy zu den Nachrichten befragen, sagte jedoch nichts, als wir schließlich die Hauptstraße verließen und auf die einsame Straße zum Schloss traten.

Ich wunderte mich über die Leute von Hogwarts und Hogsmeade. Das Dorf und das Schloss hatten den Krieg überstanden und nicht einmal hatte die Schule wegen Voldemort geschlossen. Es war geschlossen, weil die Bewohner des Schlosses angegriffen worden waren, nicht das Schloss selbst.

Als wir uns den Toren von Hogwarts näherten, hob ich meine Kapuze ein wenig, was Malfoy dazu veranlasste mich höhnisch anzulächeln und seine Hand schmerzhaft um meine zu krampfen. Ich ignorierte den Mann, der mich hinter sich herzog wie ein ungezogenes Kind und betrachtete die Figuren, die an den Toren standen.

Der alte Mr. Filch trug eine lächerliche Sturmhaube und einen Mantel, während er mit vier anderen eingehüllten Männern sprach. Malfoy fluchte leise als wir uns näherten und beschleunigte seinen Schritt, zog mich mit sich.

„Macavoy, Peters, Scruggs, Hartley, das nennen Sie also ‚Patrollieren’? Ich bin wie ein Trampeltier den Weg hoch gelaufen und niemand – niemand! – hat mich aufgehalten!“

Malfoy ließ meine Hand los und führte eine wüste Geste aus. Ich trat näher und spitzte aus meiner Kapuze hervor um die vier Männer anzustarren. Ich kannte keinen von ihnen, aber sie sahen jung aus; ihre Namen waren mir unbekannt.

Ein dunkelhäutiger Mann trat vor und salutierte, als Malfoy seine Kapuze absetzte. Malfoy runzelte die Stirn und machte ein abfälliges Geräusch.

„Nein, Sir… wir wollten nur gerade eine Tasse…“

„Hartley, Sie Stück Dreck, Sie sollten unten am Weg stehen, an der Biegung. Und Sie, Peters, sollten das andere Ende der Hauptstraße im Auge behalten, warum zur Hölle sind Sie hier?“

Peters schien der Älteste der vier Männer zu sein; seine Haare hatten eine schöne Honig-Tönung, sein Gesicht war freundlich und rund. Er trat vor und salutierte ebenfalls, was Malfoy wieder schnauben ließ.

„Sir, ich wollte gerade zurück…“

„Lassen Sie es, Peters. Bei Merlin, wenn ich mit Ihrem Vorgesetzten sprechen muss, werden Köpfe rollen!“

Malfoys Gesicht war eine Maske aus kalter Wut und ich bemerkte, dass immer noch ein schwacher Handabdruck auf seiner Wange zu sehen war, der aber durch die Kälte fast verblasst war. Die beiden zurechtgestutzten Männer verschwanden mit einem Plopp, apparierten zurück an ihre Posten, wie ich annahm. Nur Macavoy und Scruggs blieben da, zusammen mit Mr. Filch, der anhand der Situation dümmlich grinste.

„Sir, gibt es ein Problem außerhalb von…“, fing ein dunkelhaariger Mann an, hielt jedoch inne, als Malfoy leicht den Kopf schüttelte.

„Ich habe eine Beraterin des Ministeriums bei mir, die mit dem Lehrkörper sprechen soll. Der Detetective Superintendent ist sich darüber im Klaren, dass ich jetzt hier bin. Dürfen wir nun also passieren, Scruggs, oder muss ich hier den ganzen verdammten Tag stehen?“, knurrte Malfoy.

Beraterin? Ich spürte, wie ein leichtes Grinsen mein Gesicht teilte.

„Nein, Sir, lassen Sie nur die ‚Beraterin’ von Macavoy durchsuchen…“

Ich blinzelte, als der letzte Mann, ein kräftiger Rothaariger mit großen braunen Augen an meine Seite trat und meinen Ellbogen grob packte.

„Sie ist keine Kriminelle, Macavoy, langsam“, wies Scruggs seinen Partner zurecht, blickte mich an Malfoy vorbei an und verrenkte seinen Hals um mein Gesicht zu erkennen.

„Geh mit ihm, ich warte hier“, sagte Malfoy leise zu mir und ich nickte, als Macavoy mich in Richtung Tor zog.

Mr. Filch stand, wie ich bemerkte, direkt hinter den Toren. Als ich hindurchgezogen wurde, stöhnte ich, was den Mann, der mich am Ellbogen hielt, innehalten ließ, bis er mich schließlich weiter zog, bis ich neben dem Hausmeister stand.

„Sind Sie in Ordnung, Miss?“, fragte Macavoy mit einem starken Akzent, den ich nicht einordnen konnte.

Ich nickte und die Kapuze wackelte um meinen Kopf.

Ich war ehrlich gesagt nicht ‚in Ordnung’; ich spürte, wie das Blut von meinem Kopf um mein linkes Ohr lief. Welche Schutzzauber Hogwarts auch immer umgaben, sie hatten meinen Körper ‚geprüft’, meine magische Kennung aufgenommen und an etwas in mir gezogen, als würden sie mich kneifen, um zu testen ob ich echt war. Ich beobachtete wie Malfoy mit Scruggs durchs Tor lief; sein Gesicht verhärtete sich für einen Moment. Anscheinend spürte er das gleiche wie ich.

Malfoy sprach schroff mit den beiden Männern, die meiner Vermutung nach eine Art Wachtmeister waren, dann nahm er mich wie zuvor der große Macavoy am Ellbogen und zog mich in Richtung Schlosseingang.

„Du blutest wieder“, sagte Malfoy sanft, verärgert.

Ich seufzte. „Ich weiß… die Schutzzauber… ich…“

„Es gibt keine Schutzzauber in dem Sinne, Granger. Es ist Koboldmagie, der stärkste Schutz. Sie nimmt deine Magie auseinander, sucht nach den winzigsten Spuren einer Gefahr. Wenn du Potter wärst, hätten dich die Tore wahrhaftig festgehalten bis die Behörden einträfen. Warum sie zuvor nie Koboldmagie benutzt haben, weiß ich nicht…“, murmelte er, als wir die Stufen hochliefen.

Der Gedanke, dass die Kobolde Hogwarts verstärkten, weckte Unbehagen in mir.

Ich wusste, dass ich Poppy finden musste wenn wir drin waren, die Blutung war zwar nicht schlimm, hörte aber auch nicht auf und ich spürte wie das Blut meinen Hals hinab in meinen Pulli lief.

Malfoy drückte mich an die große Eingangstür und das uralte Holz stöhnte leise, bevor sich ein Spalt auftat, der uns gerade so hineinließ. Gleich zu Anfang bemerkte ich, während Malfoy die Tür mit seiner Schulter schloss, wie kalt es in der Eingangshalle war. Ich konnte immer noch den Atem vor meinem Gesicht sehen. Das Schloss schien verlassen, keine Fackel war erleuchtet und ein heulender Wind wehte hoch über meinem Kopf.

Ich zog meine Kapuze vom Kopf und zitterte, blickte zu den geschlossenen Türen zur Großen Halle, dann in Richtung der Portrait-Halle, wo ich nur wenig Geflüster von den Gemälden hörte.

„Schau mich an, Granger.“

Ich erschrak, als Malfoy vor mich trat, mein Gesicht am Kinn packte und meinen Kopf drehte, damit er die offene Wunde auf meiner Kopfhaut sehen konnte. Ich fühlte mich albern, aber merkwürdig beruhigt, als Malfoy seinen Zauberstab zog, das Blut verschwinden ließ und einen Zauber so leise sprach, dass ich ihn nicht verstand. Aber er schloss die Wunde.

„Du musst wieder zu Wiscombe, Granger. Diese Wunden sind nicht normal…“, murmelte Malfoy angewidert und drehte meinen Kopf zur anderen Seite, wobei sein großer Daumen leicht in mein Kinn stach.

„Ich weiß.“

Malfoy gab mich frei, sah mich prüfend an, trat zurück und wandte sich dann ab.

„Lass uns gehen. Longbottom sollte in seinem Büro sein…“

Wir liefen durch die eiskalten Steinflure zum Wasserspeier, der den Eingang zum Büro des Direktors bewachte.

Ich hatte Malfoy nicht gesagt wie ich von hier aus vorgehen wollte und fragte mich, ob ich ihn aufhalten sollte, bevor er den Wasserspeier ansprach um ihm von meinen Plänen zu erzählen. Ich hatte den Schutz von Malfoy Manor nur verlassen dürfen, weil Gumboil wollte, dass Malfoy mit mir zusammenarbeitete… und ich brauchte Malfoys Schutz, auch wenn ich mich dabei sehr… komisch fühlte. Vor zehn Jahren hätte Malfoy mich lieber verflucht als beschützt. Vor zehn Jahren hätte ich lieber alle Magie freiwillig abgelegt, als in seiner Schuld zu stehen…

Die Zeiten ändern sich.

Und deine Generation hatte das Glück, sich mit ihnen ändern zu können, flüsterte Severus.

Ich versuchte, beim Klang dieser beruhigenden Stimme nicht zu lächeln, während der Wasserspeier Malfoy informierte, dass Direktor Longbottom sich bei den Gewächshäusern befand, wir aber in seinem Büro auf ihn warten sollten. Ich trat hinter Malfoy, als sich die spiralförmige Treppe aufwärts bewegte.

Das vertraute Zimmer des Direktors war ein wundervoller Kontrast zu den Gängen, warm und behaglich. Schnee wehte gegen die Fenster und die Portraits ehemaliger Direktoren und Direktorinnen dösten in ihren Rahmen. Ich begann sofort, nach Minerva zu suchen.

Ich zog meinen Zauberstab, verwandelte meinen Mantel zurück in meinen normalen Umhang und zog ihn aus, um zu Dumbledores Portrait zu laufen. Bevor ich jedoch zwei Schritte machen konnte, schlug die Tür auf und Neville Longbottom platzte herein, Schnee auf den Schultern seines dunkelroten Mantels. Er war anscheinend hierher gerannt. Hinter Neville stand Horace Slughorn.

Malfoys Gesicht wurde ernster, als er bemerkte, dass Neville mich in einer Mischung aus Schock und Freude anstarrte. Horace wiederum sah krank aus, sein fettes Gesicht war so weiß wie der Schnee, der auf den Ländereien fiel. Malfoy bewegte sich nicht vom Kamin weg und ich stand in der Mitte des Raums, wo ich dümmlich meinen Mantel vor mich hielt, mein Zauberstab zwischen zwei Fingern meiner rechten Hand.

„Merlin sei Dank, Hermine!“

Die Tür knallte zu und schuf einen kalten Luftzug, der Malfoy finster dreinblicken ließ.

Ich blinzelte Neville an. Mein alter Schulkamerad sah fürchterlich aus. Ich wusste, dass ich wohl schlimmer aussah, aber Nevilles Gesicht nahm mir vor Schock die Sprache. Sein sonst so freundliches Gesicht war fahl, seine schönen Augen rot, sein mausbraunes Haar zerzaust. Er hatte abgenommen und sein Mantel hing schlaff an seinen Schultern: Sein Pullover war zu groß, seine Hosen wurden nur von einem Gürtel oben gehalten.

Ich atmete ein, legte meinen Mantel über die nächste Sofalehne und versuchte Nevilles fröhlichen Gesichtsausdruck nachzuahmen.

„Wir haben gehört, dass du angegriffen worden bist, Hermine. Geht es dir gut?“, fragte Neville und trat auf mich zu; seine Augen wanderten von meinem kahlen Kopf zu meinen hohlen Wangen. Seine raue Hand hob sich um mein Gesicht zu berühren.

Ich überraschte mich selbst mit meiner schnellen Ausweichbewegung, als eine abrupte Wolke aus Angst in meinem Kopf aufstieg.

Neville erstarrte, verletzt, und warf Malfoy, der inzwischen hinter mir stand, einen Blick zu. Ich schloss meine Augen. Wie dumm war ich eigentlich?

Horace blieb an der Tür stehen, starrte mich aus seinen dunklen Augen an und ich bemerkte, dass sein Gesicht mir etwas wortlos mitteilte. Horace musste mit mir sprechen. Nach so vielen Jahren voller Tauschgeschäfte wusste ich, wie man mit listigen alten Mistkerlen unauffällig kommunizierte. Ich war immerhin eine Ehren-Slytherin, und als ich langsam nickte, erwiderte Horace die Geste und verließ diskret den Raum.

„Neville…“, begann ich, wandte meine Augen meinem alten Klassenkameraden zu und setzte ein versöhnliches Lächeln auf. „Es geht mir gut. Natürlich ging es mir auch schon besser, aber es geht mir gut…“

Was für eine Lüge.

„Aber wenn du mich entschuldigen würdest, ich muss mit Albus sprechen. Ich will nicht kurz angebunden sein, Neville, aber es hat damit zu tun, warum Malfoy mit mir hier ist…“

Nevilles große Augen bewegten sich von meinem Gesicht zu Malfoy und sein Gesicht wurde finsterer, als ob eine Wolke sich vor die Sonne geschoben hätte.

„Ich verstehe, Hermine. Ich bin bei den Gewächshäusern, wenn du mich brauchen solltest… Malfoy.“

Ich konnte Malfoys Gesicht nicht sehen, aber scheinbar kamen die beiden Männer zu einer Übereinkunft. Neville zwang sich zu einem Lächeln als er mich noch einmal ansah, aber ich sah den Schmerz in seinen Augen… ein Schmerz, den ich nicht identifizieren konnte.

Neville verließ langsam den Raum, seine Augen lagen auf mir, als er die Tür schloss. Es tat mir Leid, dass Neville plötzlich in die Rolle des Direktors einer geschlossenen Schule gedrängt wurde…

Ich seufzte und ließ meine Schultern fallen. Die deprimierende Stimmung des Schlosses wurde durch den Direktor nur noch verstärkt und ich fragte mich, wann die Welt sich wieder einrenken würde. Da fiel es mir wieder ein…

Ich drehte mich um, ignorierte Malfoy, und lief durch das Büro zum Schreibtisch, um vor das Portrait von Albus Dumbledore zu treten.

„Wo ist sie?“

Albus’ gemalte blaue Augen funkelten und ein Lächeln hob seine Lippen. Ich stellte fest, dass ich diesen Mann wirklich nicht mochte, auch wenn er nun eine magische Anhäufung von Farbe auf einer Leinwand war.

„Sie beschützt den Gryffindor-Turm, wie sie es in ihrem Testament gewünscht hatte.“

Ich wandte mich ab, überlegte es mir jedoch anders. So sehr ich mit Minerva sprechen wollte, ich hatte eine ganze Reihe von Fragen an den früheren Direktor. Ich lehnte mich an die Kante des Schreibtischs, verschränkte die Arme und starrte Albus ausgeglichen an. Nach ein paar Momenten wanderten seine blauen Augen von mir zur Bürotür.

„Wie ich sehe, tragen Sie immer noch Severus’ Zauberstab, Mr. Malfoy.“

Ich runzelte die Stirn und wandte meinen kahlen Kopf Malfoy zu, der auch seinen Mantel abgelegt hatte und nun mit Hilfe eines Zauberstabs einen Ruhezauber ausführte. Es war nicht der Zauberstab aus seinem Brusthalfter, sondern der, den ich an seinem Arm vermutet hatte.

Malfoy drehte sich zu mir und ließ seine Augen teilnahmslos von mir zu Albus streifen. In seiner rechten Hand hielt er einen langen, dünnen Zauberstab aus dunklem Holz. Wahrscheinlich Roteiche oder Mahagoni, aber ich war mir nicht sicher. Albus’ Worte machten mir mehr Sorgen…

Severus’ Zauberstab…

Ich hatte Severus Snape selten mit einem Zauberstab gesehen. Im ersten Jahr hatte er diese Rede über ‚albernes Zauberstabschwenken’ gehalten… Aber ich erinnerte mich dunkel, dass Snapes Zauberstab mindestens dreizehn Zoll lang war, dunkles Holz mit unbekanntem Kern.

Wie kam Malfoy daran und wieso hatte er ihn?

Malfoy steckte den Zauberstab wieder in seinen Ärmel und kam zu Albus’ Portrait, sein Gesicht undeutbar.

„Tom’s auch noch?“, fragte Albus, jedoch ohne eine Spur von Überraschung in der Stimme.

Ich jedoch starrte ihn mit offenem Mund an. Das machte ich fast nie.

Ich dachte mir doch, dass ich das helle Holz in Malfoys Brusthalfter kannte. Sein Hauptzauberstab, wie ich annahm. Es gab nur einen ‚Tom’ bei Albus: Lord Voldemort, geborener Tom Riddle. Wenn es mich schon gewundert hatte, dass er Severus’ Zauberstab trug, schockte es mich, dass er Voldemorts besaß.

„Ist das ein Problem für Sie, Dumbledore?“, fragte Malfoy neben mir mit ebenfalls verschränkten Armen.

„Nicht im Geringsten! Es überrascht mich nur, dass Sie nie einen Stab gefunden haben, der allein Ihnen gehört. Sie hatten meinen auch lange Zeit…“

Ah, ja…

„Es war jedoch eigentlich gar nicht Ihrer. Genauso wenig, wie er Voldemort oder Malfoy gehört hatte, obwohl Malfoy ihn länger als Voldemort besaß und ihn auch hätte benutzen können, wenn er gewollt hätte“, schnaubte ich und ignorierte Malfoys stechende Augen links an meinem Kopf.

„Und nun hat ihn Harry. Er gehört ihm rechtmäßig.“

„Vielleicht, aber mir wäre es trotzdem lieber, wenn das verdammte Ding zerstört würde“, höhnte ich.

Albus sagte nichts, sondern studierte mich, seine Augen wanderten wieder und wieder zu meinem nackten Kopf.

„Es ist gefährlich für Sie, hier zu sein, Miss Granger.“

Ich rollte mit den Augen. Manchmal konnte Albus wirklich langsam sein.

„Es gibt etwas, das ich wissen muss, Albus, und Sie sind vielleicht der Einzige, der meine Fragen beantworten kann.“

Malfoy verlagerte sein Gewicht, ich ließ meine Arme locker und packte den Rand des Schreibtischs. Albus nickte nach einem kurzen Moment des Zögerns.

„Der Stein der Auferstehung. Seine Macht liegt nicht nur in dem, was wir vermuten… nicht darin, was Beedle der Barde niedergeschrieben hatte, nicht wahr?“

Albus runzelte die Stirn und bewegte sich in seinem Bilderrahmen. „Was glauben Sie, Miss Granger?“

Ich rollte wieder mit den Augen, mein Gesicht gerötet. „Wir haben keine Zeit für Rätsel und geistige Übungen, Albus. Der Stein der Auferstehung kann Menschen wirklich wieder auferstehen lassen und nicht nur ihre Schatten…“

„Ich habe nicht…“, begann Albus aufgeregt.

„Sie haben es nicht selbst ausprobiert, aber Sie wussten davon, nicht wahr?“

Albus nickte schwer, zu aufgewühlt, um laut zu antworten.

Stille breitete sich im Büro aus und ich schloss meine Augen. Manchmal hasste ich es, wenn meine Theorien sich als wahr erwiesen.

„Zeit und Wahrscheinlichkeit…“

Ich öffnete meine Augen und starrte Albus an, der kaum hörbar geflüstert und eher mit sich selbst gesprochen hatte, was er meines Wissens nach ziemlich oft tat.

Zeit und Wahrscheinlichkeit… Ich wollte mich übergeben, sterben oder mich einrollen und lange Zeit einfach nur in Ruhe gelassen werden. Ja, ich hasste es, wenn meine Theorien…

„Sie haben es Potter erzählt?“, knurrte Malfoy und machte einen Schritt vor. Ich hoffte halb, dass er Voldemorts Zauberstab benutzen würde, um das Gemälde zu löschen.

„Vor langer Zeit… nur so als Nebengedanke…“

Merlin…

Ich fing an zu lachen, wie auch schon das letzte Mal als ich hier war… Wie ging dieses Gedicht noch einmal? Lache und die Welt lacht mit dir; weine und du weinst allein? Oh, wie wahr.

Ich ließ mich in den Direktorstuhl fallen, warf mein rechtes Bein über die Armlehne und lachte dabei, nur um mich davon abzuhalten Albus anzuschreien und das Öl von der Leinwand verschwinden zu lassen.

„Sie alter Narr… All diese Jahre haben Sie Harry Schmerzen zugefügt, ihn verletzt, nur um den Ausgang des Krieges umzuschwenken… Sie werden alles verlieren nur wegen ein paar simpler Worte… wenn er es irgendwie schafft, den Zeitstrahl zu ‚korrigieren’. Wenn Sie nicht schon tot wären, würde ich Sie umbringen!“, schlug ich von Gelächter zu Geschrei um, während der Angesprochene sich in seinem Portrait grämte… Der Rahmen hatte nun Risse und das Gemälde flatterte gegen die Wand.

Ich schlug eine Hand vors Gesicht und rieb meine Augen, meine rechte Schläfe. Merlin, mein Kopf tat weh. Ich hatte wieder meine Magie durch meine Stimme wirken lassen. Ich würde später darüber nachdenken müssen, wie es dazu kam… mein Kopf tat weh…

Ich blickte Malfoy an, der mich die ganze Zeit beobachtet hatte. Meine Haut prickelte unter seinem Blick und der Art, wie seine Lippen sich zu einem befriedigten Grinsen hoben. Ich seufzte.

„Warum müssen wir für Sie leiden, Albus?“

Verzweiflung säumte meine Stimme und ich musste gegen meine Tränen kämpfen…

„Ich habe nie verlangt…“

„Sie haben nie verlangt, Sie haben nur…“, ich brach ab und seufzte wieder, um meine aufsteigenden Emotionen zu verdecken. „Ich bin für Sie nur eine Schachfigur, ein Bauer.“

„Eine Königin, Miss Granger, wenn Sie diese Analogie benutzen müssen. Es gibt auch bessere, treffendere“, korrigierte Albus mich. „Harry war der König an meiner Seite… nur weil der König Matt ist, ist das Spiel nicht vorbei.“

Ich starrte Albus an. „Erklären Sie.“

Albus lächelte traurig und faltete behutsam seine Hände. „Beschützt die Königin, sie hat alle Züge. Sie wurden als ‚die klügste Hexe Ihres Alters’ bezeichnet, Miss Granger. Dachten Sie wirklich, das wäre nur ein Kompliment? Sie haben es so oft gehört, vielleicht haben die Worte ihre Bedeutung verloren. So wie Harry darauf vorbereitet wurde Voldemort zu bekämpfen, wurden Sie darauf vorbereitet Harry aufzuhalten.“

Bevor ich es wusste, stand ich mit gezogenem Zauberstab auf meinen Füßen. „Niemand hat mich auf so etwas vorbereitet. Wagen Sie es nicht, so etwas zu behaupten, Albus!“

Der Raum bebte, die anderen Portraits schrien aus Protest. Albus blieb ruhig und neigte seinen Kopf, als seine gemalte Welt ein verheerendes Erdbeben durchstehen musste.

Das Beben hörte plötzlich auf, als Malfoys Hände meine umgriffen und meine Zauberstabhand nach unten zwangen. Ich hatte ihn nicht gesehen, aber meine Aufmerksamkeit war ja auch auf Albus gerichtet gewesen.

„Sie haben alle Züge, Miss Granger. Tun Sie, was sich richtig anfühlt. Sie wussten schon immer was zu tun war… und nicht ich habe Sie vorbereitet, meine Liebe, einem anderen kommt diese Ehre zu… zwei Menschen, um genau zu sein.“

„Ich höre mir diesen Mist jetzt nicht an, Albus. Und wenn Sie nichts Sinnvolles zu sagen haben, werde ich diese Büro verlassen und womöglich nicht wieder kommen!“, drohte ich.

Albus öffnete seine Augen und hob seinen weißen Kopf, sah jedoch nicht mich, sondern Malfoy an.

„Miss Granger, wenn ich mehr Informationen hätte, würde ich sie Ihnen gerne sofort geben. Leider gibt es nichts, was ich noch für Sie hätte.“

„Nicht einmal eine Spekulation wo Potter derzeit sein könnte?“, fragte Malfoy unter Verwendung seiner offiziellen DCI-Stimmlage.

„Anfangs dachte ich an den Grimmauld Platz Nr. 12 und habe Phineas dorthin geschickt, aber dort ist seit Jahren keiner mehr gewesen.“

Malfoy schnaubte. „Phineas Nigellus Black kann einen einzigen Raum sehen… aber wir haben den Grimmauld Platz durchsucht, Potter war nicht dort.“

Ich biss in meine Unterlippe. Ich hatte noch nicht über Harrys möglichen Aufenthaltsort nachgedacht. Es gab sicher einige Verstecke, Orte, wo er hin konnte, aber dort könnten wir ihn nur gefangen nehmen. Ich wollte ihn aufhalten…

Ich verlagerte mein Gewicht. In diesem Raum gab es nichts weiter für mich. Ich lief an Malfoy und Albus’ Portrait vorbei, nahm meinen alten Umhang und schlüpfte in die Wärme. Ich steckte meinen Zauberstab in meine Tasche und lief zur Tür, durchquerte sie und schloss sie hinter mir um mich daran anzulehnen. Malfoy würde bald folgen. Malfoy kam aber nicht. Stattdessen hörte ich ihn mit Albus sprechen.

„Sie sind viel zu widerstandsfähig, Mr. Malfoy.“

„Eine Eigenschaft, die mich am Leben gehalten hat, Dumbledore.“

„Jede Königin braucht einen Ritter, jeder Narr einen Herrscher, der ihn beschützt…“

Ich hörte Malfoy lachen. „Sie waren schon ein Narr als Sie noch lebten. Daran hat sich nichts geändert.“

„Der Narr ist nicht die Rolle, die mir zugedacht ist, Mr. Malfoy, aber ich schweife ab… Das Schicksal scheint Ihnen eine Hauptrolle in dieser Geschichte zugedacht zu haben, ob es Ihnen gefällt oder nicht…“

Ich trat von der Tür zurück, spürte durch die Wände eine Welle aus Magie und alles war still. Ich trat auf die Treppe und war bereits halb unten, als Malfoy über mir aus dem Büro trat. In der Dunkelheit des Treppenaufgangs konnte ich erkennen, dass er wieder seinen Umhang angelegt hatte ohne ihn zu verwandeln. Er steckte seinen hellen Zauberstab in sein Halfter.

Ich beschloss später über Malfoys Zauberstäbe nachzudenken.

Wir trafen uns wieder im Gang, ich in meinem hässlichen, übergroßen Mantel, er in seinem eleganten Umhang. Ich fragte nicht nach der plötzlichen magischen Welle, die ich gespürt hatte, auch nicht nach Albus’ Worten. Aber ich nuschelte, dass ich Minerva sehen wollte. Erstaunlicherweise folgte Malfoy mir, als wir durch die beinah eisigen Flure zur Portrait-Halle liefen, dann die Treppen hoch in Richtung Gryffindor-Turm.

Die Stille im Schloss war ohrenbetäubend und die Portraits, die wir passierten, klangen seltsam gedämpft. Es brachte mich aus der Fassung und die Langsamkeit der sich bewegenden Treppen wurde auch ärgerlich. Endlich stand ich vor dem Portrait, das meinen alten Schlafsaal bewachte.

Ich lächelte, es ging nicht anders. Minervas Portrait war riesig und sie saß in einem Stuhl in ihrem alten Verwandlungsklassenzimmer. Sie trug ihren schönsten dunkelroten Umhang und ihr Haar wurde durch schöne rubinrote Nadel hochgesteckt. Sonnenlicht fiel durch ein nicht sichtbares Fenster und ich spürte die Tränen in meinen Augenwinkeln brennen.

Minerva schlief jedoch in ihrem Stuhl, ihr Kopf auf ihre rechte Faust gestützt, ihre linke Hand hielt den Zauberstab und ruhte in ihrem Schoß. Sie schlief friedlich und atmete gleichmäßig.

„Sie wird nicht aufwachen.“

Die Stimme klang dumpf und als ich mein Kinn hob um das Portrait direkt über Minervas anzublicken, erkannte ich das runde Gesicht, das mich anstarrte. Seit meinem letzten Besuch hier waren die Portraits umgehängt worden und seit meinem Einzug in die Hütte war ich schon nicht mehr hier gewesen. Je weniger die Portraits von Hogwarts über meine Anwesenheit wussten, desto besser. Das Gesicht, das mich nun freundlich anlächelte, gehörte jedoch keiner anderen als der früheren Wächterin zu den Schlafsälen, der Fetten Dame.

„Sie schläft, seitdem das Portrait nach ihrer Beerdigung aufgehängt worden war. Ich habe meinen Platz für sie nur zu gern aufgegeben…. aber es gibt keine Schüler…“

„Sie war noch nie wach?“, fragte ich, die Enttäuschung deutlich in meiner Stimme.

Die Fette Dame schüttelte den kopf, ihr dunkles, frisiertes Haar hüpfte um ihre breiten Schultern. „Der neue Direktor kommt jeden Tag und versucht, mit Minerva zu sprechen, aber nach ein paar Minuten geht er immer. Manchmal muss ich in ihr Bild und die Tür aufmachen, wenn jemand rein will. Aber so ist es manchmal, vor allem wenn das Portrait neu ist.“

Ich nickte. Albus’ Portrait hatte lange Zeit geschlafen. Erst zu Beginn meines eigentlich siebten Jahres hatte er mit Leuten gesprochen.

„ich werde auf sie aufpassen, Miss Granger, keine Sorge.“

Eine Träne rollte über meine Wange als ich Minerva wieder ansah. Oh, wie sehr wollte ich mit ihr sprechen, ihre Stimme wieder hören.

„Und Liebes?“, fragte die Fette Dame mit ihrer vertrauten melodischen Stimme. „Mach etwas mit deinen Haaren, bevor Minerva aufwacht, es sieht furchtbar aus.“

Ich nickte. Ein Lachen versuchte von meiner Brust aufzusteigen, blieb aber in meinem Halse stecken.

Ich schluckte den Rest meiner Tränen runter und wollte weiter die Stufen hoch, als Malfoy, der die ganze Zeit still geblieben war, mein Handgelenk packte.

„Wo willst du hin, Granger?“

Ich drehte mich um, sah ihm in die Augen, die in dem gefilterten Licht der Halle silbern leuchteten. Als ich in sein Gesicht sah, machte mich die Blässe und Perfektion sprachlos… er war wie eine weiße Marmorstatue, aber ich wusste, dass nur das Licht in der Halle und meine Tränen Draco Malfoy so schön erscheinen ließen.

„In Trelawneys Klassenzimmer“, antwortete ich, als ob Malfoy die dümmste Frage des Jahrzehnts gestellt hätte.

„Warum?“

Der Druck um mein Handgelenk verstärkte sich leicht und seine Wärme bedeckte meine Haut und wanderte in meine Brust… Ich zog sanft meinen Arm zurück.

Warum eigentlich? In meinem Kopf war dieser kleine nagende Gedanke, die Erinnerung an ein paar Minuten zuvor… Albus hatte etwas gesagt. Analogien… Trelawney… und ‚der Gehängte’.

„Da ist etwas, das mich beschäftigt…“, war meine Antwort, als ich wieder die Stufen hoch startete, meine Hände klammerten sich an das Geländer. Mein Kopf pochte immer noch schmerzhaft.

Malfoy folgte dicht hinter mir und jedes Mal, wenn ich auf einer Stufe stolperte, spürte ich seine große Hand an meinem Rücken, die mich davon abhielt nach unten zu fallen. Ich konnte nicht darüber nachdenken, wie warm und groß seine Hand sich anfühlte oder wie er mich ansehen würde, wenn ich mich umdrehte. Nein, ich musste bei der Sache bleiben.

Ich wusste, dass ich Wiscombe wegen meinem Kopf besuchen musste. Vielleicht sogar einen Spezialisten und nicht Wiscombe. Wiscombe war okay, aber er hing auch an der Abteilung für Magische Strafverfolgung…

Schließlich betrat ich Trelawneys Klassenzimmer, schnappte nach Luft und hoffte, dass das Klopfen meines Herzens und in meinem Gehirn nachlassen würde. Ich lehnte mich an die Wand und schnaufte, während Malfoy an mir vorbei in das düstere Licht des Klassenzimmers trat.

Obwohl Trelawney schon einige Zeit tot war, roch der Raum immer noch nach dieser merkwürdigen Mischung aus Räucherstäbchen und Tee. Ich hatte diesen Raum in meinem dritten Jahr verlassen und war nie zurückgekehrt. Als ich den Raum in mich aufnahm, merkte ich, dass sich wenig verändert hat. Immer noch standen kleine Tische um die Raummitte herum, Chintzkissen als Sitzmöglichkeiten für die Schüler und Trelawneys spindeldürrer Tisch mit dazu passendem Stuhl im Zentrum.

Malfoy lief zur gegenüberliegenden Wand, zog die schweren Vorhänge beiseite, um ein großes, rundes Fenster zu enthüllen, das graues, schneeiges Licht durch den Raum warf. Um Trelawneys zentralen Platz lag eine schwebende blaue Linie, die im Licht schwach leuchtete. Sie erinnerte mich an Albus’ Alterslinie um den Feuerkelch, aber ich wusste was es war… ein vom Ministerium verhängtes Band, das nur bestimmten Leuten Einlass gewährte und andere fernhielt. Es war eigentlich eine Absperrung vergleichbar dem Polizeiband der Muggel.

Ich stieß mich von der Wand ab und lief zwischen den Reihen niedriger Tische mit Kristallkugeln auf unechten Goldständern hindurch. Malfoy stand am Fenster und lehnte sich hinaus um über den See zu blicken. Ich war dankbar, dass er sich nicht einmischte, während ich mich dem Band näherte, vorsichtig darauf bedacht es nicht zu berühren. Ich hatte gehört, dass jeder, der versuchen sollte so eine Barriere zu durchbrechen, einen fiesen Fluch abbekam und außerdem einen starken Confundus-Zauber.

Auf den Holzdielen befanden sich schwarze erstarrte Blutpfützen und Scherben einer Kristallkugel… oben drauf verteilt Tarotkarten. Ich ließ meine Augen vom Boden zum Stuhl wandern. Trelawney hatte den Stuhl mit hauchdünnen Schals verziert, wie auch den Rest des Zimmers, und es war verstörend, dass diese Schals, wenn auch grell, nun mit schwarzem Blut befleckt waren.

Es war wie in einem Muggel-Horrorfilm. Man nahm auch einen besonderen Geruch war, den ich nicht gleich bemerkt hatte als ich eintrat, den ich jedoch kannte. Der Geruch von Exkrementen, Erbrochenem und Tod. Er übertrumpfte nicht den Duft der Räucherstäbchen, die in den letzten zwanzig Jahren in den ganzen Raum eingezogen waren. Plötzlich war ich diesen Kopfschmerzen-erregenden Räucherstäbchen dankbar. Nach der Letzten Schlacht wollte ich nie wieder Tod riechen.

Ich konnte vor dem Stuhl einen besonders dunklen Fleck entdecken, dort wo Trelawneys leere Haut gestapelt worden war, und ich konnte die blutigen Fingerabdrücke auf den Scherben der Kristallkugel sehen, die wohl von dem Beistelltisch innerhalb des Bandes geschlagen worden war. Ich saugte an meiner Unterlippe und lief um das Band, um einen besseren Blick auf den Tisch zu haben.

„Warum wurde das hier nicht gesäubert?“, fragte ich abgelenkt, sah Malfoy jedoch schnell aus meinen Augenwinkeln raus an. Er stand immer noch am Fenster, seine Arme vor der Brust verschränkt.

„Dokumentation. Das forensische Team war zwar da, aber die Typen, die für die Dokumentation zuständig sind, lassen sich hier Zeit.“

Ich nickte, empfand es aber mehr als Faulheit seitens der Polizei. Ich dachte nicht mehr daran, als ich so nah am Tisch stand wie möglich und die leere Halterung der Kristallkugel sah, eine leere Teetasse, einen kleinen Halter für Räucherstäbchen und vier Tarotkarten, die mit blutigen Fingerabdrücken verschmiert waren.

„Trelawneys Abdrücke?“, fragte ich laut.

„Ja. Potters haben wir auf den Kristallscherben gefunden. Das Blut auf dem Kristall gehört Potter, er muss sich irgendwie geschnitten haben.“

An den Scherben? Ich atmete ein und beugte mich hinab, meine Augen auf die Karten fixiert.

Wäre ich in Wahrsagen geblieben, hätte ich vielleicht identifizieren können welches Deck Trelawney genau benutzt hat, aber nach meinem Wissensstand konnte ich die Zeichnungen nur als mittelalterlich bezeichnen.

Die Karten lagen in Form einer Pyramide, eine Karte über zwei anderen… eigentlich drei anderen, wobei sich zwei überlappten. Oben lag ‚Der Narr’, links darunter ‚Der Herrscher’ und rechts davon ‚Der Gehängte’, der auf dem ‚Magier’ lag. Ich lehnte mich zurück und richtete mich auf. Trelawney hatte die Karten mit blutigen Fingern berührt, entweder während oder nachdem Harry… Ich machte einen wackeligen Schritt rückwärts.

Passende Analogien… Ich sog wieder meine Unterlippe zwischen meine Zähne.

„Du hast mir nichts hiervon erzählt, Malfoy“, murmelte ich und drehte meinen geschorenen Kopf, um den blassen Mann anzusehen, der immer noch aus dem Fenster sah.

„Die Karten? Ich habe sie erwähnt.“

„Nicht die Anordnung oder die Namen der Karten.“

Malfoy seufzte, seine Augen schossen zum Tisch, dann zurück zum Fenster.

„Ich dachte, du hältst Wahrsagen für eine Kunst, die es nicht wert ist, dass man sie beherrscht, Granger.“

Ich antwortete nicht. Ich wollte mich gerade nicht mit Malfoy streiten. Stattdessen durchsuchte ich mein verwirrtes Gehirn nach meinen Erinnerung zu Tarot-Symbolik.

Die Anordnung war von Bedeutung, die oberste Karte war die Basis, von der alles ausging. Es war möglich, dass sie den Fragesteller repräsentierte… Der Narr. Meine Lippen zuckten. Die Karte hatte so viele Bedeutungen. Aber die Karte, die mich wirklich beunruhigte? Der Gehängte.

„Zu großer Zufall… Der Gehängte…“

Mich überraschte der veränderte Lichteinfall und ich bemerkte, dass Malfoy nun einen Viertelkreis von mir entfernt am Band stand. Sein Blick fiel auf die Karten und seine Lippen verzogen sich angewidert.

„Ich… Ich weiß so wenig über Wahrsagen, dass ich die Bedeutung der Karten in ihrer Anordnung nicht interpretieren kann…“ Meine Stimme zitterte und mein Kopf pochte noch härter. Ich grübelte zu sehr, zu stark und wollte mich unbedingt hinsetzen, aber die einzige Option waren die Chintzkissen.

„Der Narr ist die Hauptperson, Granger… eine repräsentierte Person, die Erfahrung und Wissen sucht und diese Suche über ihr eigenes Wohlergehen stellt. Die Schlüsselwörter sind ‚sucht’ und ‚Wissen’. Aber der Narr hat auch noch andere Bedeutungen…

Dann der Herrscher, er ist die Vaterfigur, in diesem Fall der Beschützer, der Landbesitzer und die Hand der Gerechtigkeit.

Und der Gehängte…“

„Ja, ich weiß. Aber warum diese Anordnung, und warum liegt der Magier unter dem Gehängten?“ Es gefiel mir wirklich nicht, dass Malfoy mich belehrte, aber er war nun einmal in Wahrsagen geblieben, als ich ging.

Malfoy grinste, steckte seine Hände in seine Taschen und erinnerte mich an vorhin, als er es schon einmal getan hatte.

„Ich kann nur spekulieren, Granger, aber es ist deutlich, dass der Fragesteller oder die wichtigste Person in diesem Bild der Narr ist.“

Analogien…

Malfoy fuhr fort. „Potter kann nicht der Fragesteller sein, weil sein Charakter einfach nicht passt. Aber Der Gehängte…“

„Ja…“, flüsterte ich.

Es gab vieles an Harry, was zur Symbolik des Gehängten passte. Aber wer war der Narr und wer war der Herrscher? Und dann lag da noch der Magier, der sich sehr vom Gehängten unterschied.

Aktion versus Untätigkeit, Kreativität versus Konformismus, Manipulation versus Akzeptanz… zwei Seiten eines…

Ich blinzelte. Der Narr hatte zwei Pfade vor sich: Schutz durch den Herrscher oder Konflikt mit dem Magier/dem Gehängten. Ich leckte meine Lippe, meine Augen flogen über den Tisch.

Der Eremit.

Ich hatte ihn zuerst nicht gesehen, da die leere Teetasse das Bild der Karte verdeckte, aber ich konnte die Worte im Schatten des Henkels erkennen.

Es schien ironisch, dass der Eremit abseits von den Anderen lag, verdeckt. Trotzdem lag er noch schräg über dem Narr, als ob er dort zufällig gelandet wäre und ignoriert wurde, weil eine Tasse darauf stand.

Der Eremit… Die Interpretation dieser Karte war in meinem Kopf etwas simpler. Zurückgezogen, introspektiv, philosophisch und ich fragte mich, ob das die Stelle war, an die ich passte.

Wenn Harry der Magier/der Gehängte war, war ich der Eremit…

Ich schloss meine Augen, als ein besonders hässlicher Schnitt in meinem Gehirn alle bewussten Gedanken stoppte. Der Raum, die Stimmung, die streitenden Düfte nach Tod und süßen Räucherstäbchen machten meine Kopfschmerzen nur schlimmer.

„Weißt du noch, wie ich aus ihrer Klasse abgehauen bin?“

Malfoy grinste. „Ein herrlicher Tag: Noch eine Unterrichtsstunde, die ich nicht mit dir verbringen musste…“

Ich rollte mit den Augen und machte mich dadurch selbst schwindlig. Ich musste an die frische Luft. Langsam lief ich zur Tür, Malfoy auf meinen Fersen. Als ich aus dem Raum in den leeren Flur trat, konnte ich wieder atmen.

Ich blickte zurück auf den Eingang und seufzte. „Trelawney hatte selten Recht, aber wenn es so war… waren ihre Vorhersagen explosiv.“

Ich ließ das geistige Bild der Karten auf dem Tisch hinter meinen Augen aufleuchten. Ich hatte mir den Anblick so gut es ging eingeprägt…

„Diese Karten könnten alles bedeuten, Granger. Trelawney war eine verrückte alte Fledermaus.“

„Besser, alles als möglich zu betrachten, Malfoy, als die eine Sache zu übersehen, die alles erklären wird.“

Malfoys Gesicht verfinsterte sich, als er eine Antwort zurückhielt, aber ich ignorierte es. Malfoy war kein Narr, aber er war auch nicht von Harry Potter angegriffen worden. Trotzdem konnte ich nicht sagen, ob ich der Antwort auf die Frage, warum Harry unsere Welt zerstörte, ein Stück näher war. Als ich im Flur stand starrte Malfoy mich an, sein Gesicht zitterte vor Wut. Ich machte mir mehr Sorgen darüber, warum mein Kopf so wehtat und warum die Wunden nicht verheilen wollten. Meine Kopfverletzungen waren nicht durch Magie verursacht worden, sondern durch einfaches Schlagen und ich wusste, dass ich einen klaren Kopf brauchte, um hinter Harrys Motive zu kommen.

Aber ich würde warten müssen… zumindest eine Weile.


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