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Fanfiction

The Fool, the Emperor and the Hanged Man - Kapitel 13

von Nitsrek

Harry sah sauberer aus als in meiner Erinnerung. Seine Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden, aber immer noch zerzaust. Sein Gesicht war frisch rasiert und seine Kleidung – eine schwarze Lederhose mit passendem Wams, darunter ein schwarzes Leinenhemd – ließ ihn wie einen Wegelagerer aussehen. Ein arrogantes Grinsen umspielte seine Lippen und seine Augen, ohne Brille, glitzerten in einem Unheil verkündeten Jadegrün. Aber das wirkliche Zeugnis seines Wahnsinns zeigte die berühmte Narbe auf seiner Stirn. Selbst aus meiner Entfernung konnte ich die Kratzer von Fingernägeln erkennen, als hätte er zwanghaft versucht die alte Fluchnarbe auszukratzen.

Was mich jedoch wirklich beunruhigte und auch erklärte, wie die Auroren in der Mysteriumsabteilung getötet worden waren, waren die beiden Zauberstäbe in seinen Händen. In seiner rechten der Elderstab, in der linken sein alter Zauberstab aus dunkler Stechpalme und Phoenixfeder. Meine Augen weiteten sich bei der Erinnerung an Williamsons Worte. Harry hatte seinen Tresor geöffnet und den Tarnumhang mitgenommen. War sein alter Zauberstab auch dort gewesen? Die Antwort stand vor mir.

„Es hat etwas gedauert, bis ich es durchschaut habe, aber jetzt wo ich es weiß, erfreut es mich, dass du es warst, der mich fast geschlagen hätte, Malfoy.“

Ich blinzelte. Wie konnte Harry es wissen? Wir standen unter dem Einfluss von Vielsaft-Trank. Williamson hatte uns gesagt, dass Harry Ernie Macmillan gefoltert und den Eid durchbrochen hatte, um zu erfahren wo wir uns versteckten, aber…

„Und du hast lange gebraucht, um dich zu erholen, was, Potter?“

Harry lachte, aber es klang freudlos und grausam.

„Natürlich würde ausgerechnet mein Erzfeind mein Hindernis werden. Es passt wie die Faust aufs Auge. Und jetzt geh zur Seite, ich muss mit Hermine sprechen.“

Ich versteifte mich und drückte die Bleikiste an meine Brust.

„Du glaubst wirklich, ich würde einfach den Weg freimachen, Potter? Granger steht unter meinem Schutz und du wirst mich wohl erst töten müssen, bevor ich dich sie auch nur ansehen lasse!“, höhnte Malfoy und seine Hand drückte mich näher an seinen Rücken.

Ich zitterte, ich konnte nicht anders. Ein weiteres Treffen mit Harry war meine größte Angst gewesen. Ich war nicht bereit gegen ihn zu kämpfen, geschweige denn ihn zu töten.

„Sie gehört mir, Malfoy“, brüllte Harry.

Ich schlug die Augen zu und kauerte hinter Malfoy. Ich betete zu den Göttern, dass jemand aus dem Atrium kommen würde, dass die Auroren auftauchen würden, irgendjemand – nur damit Malfoy und ich Zeit hätten zu fliehen!

„Sie gehört sich selbst, Potter. Wenn du nicht sterben willst, schlage ich also vor, dass du dich verziehst, oder du wirst den Tag verfluchen, an dem du geboren wurdest!“, brüllte Malfoy zurück und seine Stimme vibrierte durch die Luft und die Steine unter meinen Füßen.

Macht – ich konnte spüren, wie sie aus Malfoys Körper strahlte, so stark, dass sie mir Angst machte und mich meinen Zauberstab fester umfassen ließ. Malfoy schien so groß vor mir, wie der dicke Stamm einer kräftigen Eiche, unbezwingbar. Seine Wut war greifbar und langsam bemerkte ich, wie die Angst abfloss. Ich hatte keine Zeit darüber nachzudenken weshalb, aber auch ich kam mir größer vor.

Ich richtete mich auf, atmete schnell und flach ein und aus.

„Du legst es darauf an! Avada Kedavra!“

Ich atmete ein und bewegte mich sogar bevor Malfoys Hände mich wegstießen. Ich rollte über den Boden der Halle, während zwei grelle Lichtstrahlen mich blendeten. Ich rollte zum nächsten Kamin und presste mich an den Stein.

Ein merkwürdiges, befriedigtes Grinsen lag auf meinen Lippen als ich erkannte, dass Harry den Todesfluch mit seinem alten Zauberstab gesprochen hatte und dass er von seinem Bruder in Malfoys Hand abgewehrt worden war. Malfoy hatte seinen Zauber nicht laut gesprochen, er war ein guter Zauberer, aber ich konnte nicht sagen welchen Spruch er benutzt hat um den Strom aus bösem, grünem Licht zu kontern. Egal was es war, es war ein silberner Strahl, ähnlich einem Patronus.

Es kam nicht zu ‚Priori Incantatem’, es war nicht genügend Zeit. Malfoys Schutzzauber schien die Wut hinter Harrys Todesfluch aufzusaugen.

Harrys Gesicht verzog sich, wechselte zwischen Ärger und Überraschung, weil sein Fluch geblockt worden war. Seine andere Hand zuckte und ich schrie um Malfoy zu warnen.

Selbst mit nur einem Auge sah Malfoy, was kommen würde und bevor Harry den Elderstab einsetzen konnte, wurde er von einem Angriffszauber aus Severus Snapes Zauberstab zurück geworfen.

13,5 Zoll, schwarze Eiche mit Caladrius Feder, Miss Granger… kicherte Severus zu meiner Überraschung.

Ich beobachtete wie Harry auf seine Füße sprang, sein Gesicht wie das eines tollwütigen Tieres. Er machte ein paar Schritte vorwärts, wilde Augen blickten suchend umher, und seine Hand hob den Elderstab und richtete ihn auf Malfoy.

„Was hast du mit ihr gemacht?“, schrie Harry.

Malfoy antwortete nicht, sondern nahm Duellpose ein: Tom Riddles Zauberstab über dem Kopf erhoben, Severus’ seitlich.

Stimmen klangen aus dem Atrium, aber man hörte keine Schritte.

„Wo sind die Auroren?“, zischte ich flüsternd.

Nicht mehr in dieser Welt, Miss Granger… antwortete Severus.

„Bei Merlin, Malfoy, wenn du sie mir nicht freiwillig gibst…“

„Dann was, Potter? Tötest du dann alle hier im Gebäude?“, schrie Malfoy seine Antwort.

Ich starrte Malfoys geborgtes Gesicht von der Seite an und seufzte. Malfoy würde Harry bekämpfen, bis einer von ihnen tot war. Und ich wusste, dass ich, sollte es aus irgendeinem Grund Malfoy sein, qualvolle Trauer spüren würde.

„Du genügst mir schon!“

Wieder der Todesfluch, der fast sofort abgewehrt wurde. Ich konnte Harrys Gesicht nicht sehen, da ich noch weiter an die Wand zurückgewichen war, aber ich war mir sicher, dass er nicht glauben konnte, dass sein Fluch so problemlos entkräftet wurde oder dass der Grund für das Scheitern war, dass Malfoy Tom Riddles Zauberstab hatte. Entweder übersah Harry diese Tatsache oder er hatte es irgendwie vergessen.

Ich wusste jetzt, nachdem was Malfoy mir nach seinem letzten Aufeinandertreffen mit Harry erzählt hatte, dass Harry mit dem Elderstab nicht töten konnte und deshalb seinen alten Zauberstab benutzte, mit dem der Todesfluch kein Problem war.

„Crucio!“, zischte Harry und seine Stimme glich so sehr der Voldemorts.

Malfoy fiel nicht, aber der Fluch streifte ihn. Mit beiden Zauberstäben konnte er die Hauptlast des Fluches abwehren und nur sein Gesicht zeigte die Wirkung. Es verzehrte sich, bevor er den Unverzeihlichen unschädlich machte.

Als Antwort übte Malfoy einen stillen Zauber mit Severus’ Zauberstab aus. Ich rutschte auf dem Boden näher, um einen Strom aus Weiß und Blau auf Harry zurasen zu sehen, zu schnell, als dass er sich hätte verteidigen können. Als der Zauber ihn traf, schien Harry für einen Moment nicht mehr zu atmen, bevor sein Körper in die Luft gehoben und gegen die gewölbte Decke hoch über ihm krachte. Der Zauber war ein lebendiges Wesen, das Harry gegen die Decke und dann wieder zu Boden warf, wobei sich durch die gewaltige Kraft ein Krater um seinen Körper bildete.

Ich schrie schockiert über die Grausamkeit des Zaubers und Malfoy, der vom Klang meiner Stimme überrascht war, drehte sich zu mir um, um etwas zu sagen. Die Ablenkung war sein Fehler. Innerhalb von Millisekunden war Harry auf den Beinen, taumelnd und mit einer blutigen Kopfwunde und einem zertrümmerten rechten Arm, der Elderstab baumelte in seiner Hand.

Ein Fluch schoss aus Harrys Stechpalmen-Stab und traf Malfoy genau in die Brust, warf ihn in die Luft und durch den Gang. Als er den Boden traf, rollte er noch ein Stück weiter, bevor er schließlich liegen blieb, sein Rücken zu mir.

Blut tropfte aus seinem Rücken und plötzlich stand ich auf meinen Füßen. Egal welchen Fluch Harry benutzt hatte, er hatte ein Loch in der Größe eines Sickels verursacht, das durch seine Brust bis zum Rücken ging. Ich dachte sofort an Muggel-Pistolen und Kugeln. Und dann dachte ich überhaupt nicht mehr, klammerte die Bleischachtel an meine Brust, der Zauberstab bereit. Ich spürte, wie meine Wut mich verzehrte und mich vorantrieb.

Malfoy stand nicht auf, bewegte sich überhaupt nicht.

Wahrscheinlich war er tot…

Und wenn er tot war, hatte ich keine Skrupel ihn zu rächen.

Ich trat von der Wand weg in die Halle. Ich spürte, wie meine Magie mich umspielte und wie die Wirkung des Vielsaft-Tranks nachließ, so dass ich mit meinem eigenen Gesicht vor meinem alten Freund, Harry Potter, stand.

Severus blieb still, als ich Harry in die Augen sah, Bernstein gegen Smaragd.

„Gib mir die Kiste, Hermine“, sagte Harry und streckte seine Hand aus, sein Daumen um seinen Stechpalme-Zauberstab gewickelt.

„Nein.“

Harrys Augen blitzten, während Blut von seiner Braue tropfte.

„Ich befehle dir, sie mir zu geben!“

Ich kniff meine Augen zusammen. „Du befiehlst gar nichts, Harry Potter.“

Harrys Gesicht verzog sich merkwürdig und er blinzelte irritiert.

„Du dachtest, ich wäre deine Sklavin?“

Er antwortete nicht, realisierte jedoch, dass seine Flüche nicht gewirkt hatten und straffte seine Schultern so gut es ging. Er hob seinen Stechpalme und Phoenixfeder-Stab in mein Gesicht.

„Ich will dich nicht töten, Hermine“, murmelte er düster.

„Aber du würdest mir gerne wehtun und mich zerbrechen?“

Harrys Gesicht wurde weicher und ich erkannte einen Schatten meines alten Freundes. „Du gehörst mir, Hermine… wie auch Ron… Malfoy hat Gehirnwäsche mit dir betrieben.“

„Harry, du bist krank. Nimm deinen Zauberstab runter und lass mich jemanden finden, der dir hilft…“

Ich wollte flehend klingen. Ich wollte meinen Ärger bezwingen und vernünftig mit Harry reden, wenn ich könnte. Ich wollte ihn nicht töten.

Aber das müssen Sie, Miss Granger, denn auch, wenn er wie Ihr Freund wirkt, wird er nicht einen Moment zögern, um Sie für die Kiste in Ihren Armen zu töten… sagte Severus streng und zog mein Mitgefühl aus dem Weg, damit ich Harry als das sah, was er war, mörderisch und verrückt.

Harry kam auf mich zu, so dass nur noch zehn Meter zwischen uns waren. Ich hob meinen Zauberstab mit einer schnellen Armbewegung, das Walnussholz pulsierte in meiner Hand.

„Du würdest mich bekämpfen, Hermine? Weil ich Malfoy umgebracht habe?“

Ich leckte meine Lippen und sagte nichts als Harry noch einen Schritt machte, Blut tropfte von seinem Kinn. Der Kontrast zwischen seinem roten Blut und seinen grünen Augen ließen sein Gesicht wirken, als käme es aus einem Albtraum. Seit jener Nacht in der Hütte war Harry mein Albtraum.

„Bitte, Hermine, gib sie mir einfach und ich werde alles richtig machen…“, flüsterte er.

Ich trat einen Schritt zurück, hielt die Schachtel so fest, dass ich die Kobold-Magie an meiner Brust vibrieren spürte.

„Alles wird gut… Wir können für immer zusammen sein… ich, du und Ron. Keiner von uns wird sterben müssen!“

Meine Hand zitterte, aber ich stoppte das Zittern mit einem tiefen Atemzug. Auf keinen Fall konnte Harry irgendwas ‚gut werden’ lassen!

„Ich verachte dich…“, flüsterte ich und sprang mit einer heftigen Zauberstab-Bewegung zurück, schwebte sanft zu Boden, als Harry plötzlich wie von einer anderen Welt schrie, als auf beiden Seiten der Halle etwas Unerwartetes geschah. Statt dem gewöhnlichen grünen Feuer sprangen lila Flammen aus den Kaminen und formten eine Wand aus höllischer Hitze, die Harry umgab.

Ich hatte das Feuer schon einmal beschworen und mich dabei beinahe getötet. Ich beobachtete, wie das lila Feuer wuchs und die Hitze den Steinboden schmolz. Drachenfeuer… Wie flüssige Farbe wirbelte und floss es in Strudeln und Strömen. Die Hitze war selbst von meinem Standpunkt aus unerträglich und die Luft wurde von der Flamme angesogen wie ein Vakuum furchtbaren Ausmaßes.

Mit einer weiteren Bewegung meines Zauberstabs wich das Feuer zurück in die Kamine und erlosch. Rauch füllte die Halle, ein lila Rauch, der nach verbranntem Stein roch. Ich blieb jedoch vorsichtig, da ich kaum die Hand vor Augen sehen konnte.

Harry war verrückt, aber erfinderisch. Er hatte Drachenfeuer schon einmal gesehen und überlebt…

Mit meinem Zauberstab formte ich eine Säule sauberer Luft um mich und meine Augen suchten den Rauch nach Formen ab, die zum Angriff ansetzten. Ich umklammerte die Kiste, als der Rauch wieder wirbelte und sich langsam auflöste. Noch konnte ich nicht aufatmen, noch konnte ich nicht nach Malfoy sehen.

„Hab dich“, flüsterte eine Stimme in mein Ohr und eine Hand legte sich über meinen Mund. Ich konnte das verbrannte Fleisch und das Leder riechen.

Ich kreischte gegen die Hand und wand mich, trat mit dem rechten Stiefel und traf Harry genau in den Schritt. Ich stolperte rückwärts, fiel auf meinen Hintern und beobachtete wie Harry, sein linker Arm fürchterlich verbrannt, in die Knie ging. Seine Haare waren versengt, zusammen mit der linken Hälfte seiner Kleidung. Der Elderstab hing immer noch in seiner schlaffen rechten Hand, aber der Stechpalme-Stab war weg.

Ich keuchte, während ich mich aufrappelte und meine Zauberstabspitze auf Harrys Kopf richtete.

„Miststück!“, zischte er mit rauer Stimme.

Auch verrückte Zauberer hatten ihre Schwachpunkte.

Der Rauch bedeckte den Boden und ich konnte Harrys Gesicht und Malfoy Körper kaum sehen. Ich musste rennen. Der ganze Mut, den ich aufgebracht hatte um das Drachenfeuer zu beschwören, war weg.

„Ich schwöre, Hermine, wenn du mir nicht die Kiste gibst…“, drohte Harry.

Die Angst drängte mich, loszurennen, aber sie hielt mich auch fest am Boden.

„Werden die Dinge sehr hässlich für dich.“

Selbst die Luft in meiner Lunge zitterte, aber ich hob mein Kinn und sah Harry von oben herab an.

„Na los, Harry. Töte mich. Wenn auch nur ein bisschen von deinem Herzen oder deinem Bewusstsein übrig ist, werde ich da sein und dich heimsuchen“, sagte ich so gefasst ich konnte.

Harrys Gesicht zeigte Schmerz und Tränen füllten seine Augen. „Du verfolgst mich sowieso schon, Hermine…“, flüsterte er. Aber sein sanftes, reumütiges Gesicht verschwand, als er aufstand.

„Gib mir die Schachtel!“

Ich bebte. „Nein!“, keuchte ich.

„Gib mir die Schachtel!“, brüllte er und verwendete seine Kraft darauf seinen zerstörten Arm mit dem Elderstab zu heben.

„Niemals!“, schrie ich zurück und er zuckte eine Sekunde zusammen.

Harrys Gesicht wurde finster und seine Lippen bewegten sich, um einen Fluch zu sprechen, den ich nicht erkannte, obwohl ich merkte, dass es deutsch war. ‚Brenn’… und dann fiel es mir wieder ein… ‚Der Gehängte’.

Mit großem Kraftaufwand hob Harry seinen ruinierten Arm und vollführte mit dem Elderstab eine komplizierte Bewegung. Als er gerade den schrecklichen Fluch loslassen wollte, schlug ich die Augen zu und hielt die Bleikiste wie einen Schild vor meine Brust.

„Leb wohl, Hermine…“, flüsterte Harry, bevor ein grausamer, kehliger Laut von seinen Lippen kam…

… gefolgt von einem furchtbaren Schrei und einem heißen Blutregen auf mein Gesicht.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Ich hatte Blut in den Augen, aber es war nicht meines. Ich stolperte nach hinten und wischte über mein Gesicht. Harrys Schreie füllten meine Ohren und ich öffnete meine Augen um zu sehen, wie er seine rechte Hand hielt – oder die Stelle, wo sie sein sollte. Direkt zu meinen Füßen lag eine große, bleiche und abgetrennte Hand mit dem Elderstab zwischen den Fingern.

Mit einer Schnelligkeit, die ich mir in meinem erschütterten Zustand nicht zugetraut hätte, schnappte ich mir den Elderstab aus den toten Fingern und hielt ihn mit meiner linken Hand fest, den Welnuss-Stab in der rechten.

Ich beobachtete, wie Harry wie ein verwundetes Tier schrie und auf die Knie fiel.

Ich hätte ihn töten können, so verwundet, wie er war, aber ich konnte nur zusehen, wie er sich wie ein Kind wand und Tränen in Bächen aus seinen verängstigten Augen strömten. Er sah mich nicht an, sagte nichts, sondern weinte nur.

Er rollte herum, stand gebückt auf und bevor ich meinen Zauberstab benutzen konnte, um ihn festzuhalten, fiel er ins Flohnetzwerk und war weg.

Ich blinzelte mit dem Gefühl, dass das alles nur ein Traum gewesen war, ein schlimmer Traum. Ich war nicht verletzt; Harry hatte es nicht geschafft mich zu verfluchen. Aber ich… ich hatte ein Drachenfeuer geschaffen.

Und in meiner linken Hand, an die Bleikiste gepresst, war der Elderstab. Ich nahm die Schachtel unter den anderen Arm und streckte den linken, um den Zauberstab zu inspizieren. Genau so hatte ich ihn in Erinnerung, weißes Holz, lang und dünn. In meiner Hand summte er angenehm und ich erkannte, dass ich sein neuer Besitzer war.

Ich blinzelte den Stab an und erinnerte mich… Meine Füße liefen von selbst und der Rauch wirbelte um mich, als mein Rock sich bewegte. Ich rannte die Halle entlang zu der Stelle wo Malfoy auf dem Rücken lag und mit seinem linken Auge blind an die Decke starrte.

Auch sein Vielsaft-Trank hatte aufgehört zu wirken, also lag er selbst nun auf dem Boden. Ich ließ die Kiste neben ihm fallen und kniete mich rechts neben ihn, ließ auch die beiden Zauberstäbe fallen, die klapperten und ein Echo in der Halle erzeugten.

„Malfoy?“, fragte ich mit tränenbelegter Stimme.

Meine Hände fuhren an seinen Umhang und zogen ihn auf, damit ich das tropfende Loch in seiner rechten Seite sehen konnte. Ich wusste, dass das Zauber von Harry nicht Malfoys lebenswichtige Organe beschädigt hatte, aber es war einfach soviel Blut.

„Malfoy?“, fragte ich wieder und drückte meine Hand auf seine Brust, um nach seinem Herzschlag zu suchen.

Meine feuchten Augen sahen, dass er Severus’ Zauberstab in der linken Hand hielt und dass Tom Riddles Zauberstab in der Nähe lag. Malfoy hatte den Fluch gesprochen, der Harrys Hand abgetrennt hatte.

„Malfoy!“, schrie ich ihn an, doch er bewegte sich nicht. Ich spürte keinen Herzschlag unter seiner Kleidung und fing an qualvoll und hilflos zu schreien. Ich suchte nach den Zauberstäben neben meinen Knien, nahm einen und sprach Heilzauber auf die Wunde. Ich war blind und taub für alles außer meinen Kummer. Malfoy hatte mich wieder gerettet. Wenn ich nur nicht gerufen hätte. Wenn ich ihn nur nicht abgelenkt hätte…

Die Haut wuchs zusammen und das Blut floss teilweise wieder zurück in die Wunde. Ich stammelte Blödsinn unter meinen Tränen. Mantras… Gebete…

„Lebe… lebe… Ich kann dich nicht verlieren…“

Ich weinte die bittersten Tränen meines Lebens, während ich den Zauberstab über ihn bewegte. Warum kam niemand? Wo waren die Auroren? Wo waren die Heiler?

„Lebe, verdammt! Ich kann dich nicht verlieren, Malfoy!“, schrie ich und hoffte, dass die Worte ihn irgendwie wecken würden, damit er mich schimpfen konnte.

„Du kannst mich nicht verlassen, Malfoy! Ich werde allein sein…“, schrie ich und brach zusammen, meine Stimme unbrauchbar.

Ich sprach noch mehr Heilzauber, alles was mir einfiel, meine Hand bewegte sich von selbst. Das Leuchten des Stabs zeigte meinen wässrigen Augen wie viel Blut Malfoys dunkelgrauen Anzug befleckte.

Es war alles meine Schuld… alles!

„Granger…“

Eine Hand packte mein Handgelenk, stoppte meine Bewegung, und ich keuchte, als Malfoy mich ansah, seine Lippen blutleer, sein Gesicht von Schweiß bedeckt.

„Ich kann dich nicht verlassen? Sagt wer?“, fragte er heiser und die Stärke in der Hand, die mein Gelenk umfasste, ließ nach.

Dann machte ich etwas Untypisches, etwas, von dem ich geschworen hatte, es nie wieder zu tun. Ich stürzte mich auf ihn, küsste sein Gesicht, seine Haare, seinen Hals, seine Hände und badete ihn in meinen Tränen. Als ich meine Lippen auf seine drückte, legte sich Malfoys Hand um meinen Nacken und zog mich näher, als würde er versuchen meine Wärme aufzusaugen. Meine Hände, die mich auf beiden Seiten seines Kopfes abstützen, rutschten in dem Blut auf dem Boden ab und unser Kuss vertiefte sich.

Er schmeckte nach Vielsaft-Trank und Blut, aber das war mir egal. Er lebte, ich hatte ihn nicht getötet!

Ich löste mich um zu atmen und blickte hinunter in Malfoys vernarbtes Gesicht, unsicher was ich tun oder sagen sollte. Er blickte mich an, sein Gesicht gerötet, als wäre der Blutkreislauf in seinem Körper wiederhergestellt, seine Lippen geschwollen.

„Ich sollte öfter sterben“, murmelte er und seine Lippen formten dieses gaunerische Grinsen, das ich inzwischen unwiderstehlich fand. „Wo ist Potter?“

Ich lehnte mich zurück, meine Lippen zitterten wieder. „Nicht hier, sonst würde ich mich nicht um dich kümmern.“

„Der Elderstab?“

Ich blinzelte und blickte auf meinen Schoß. Diesen Zauberstab hatte ich benutzt um Malfoy zu heilen, und er schien auch geheilt; die Wunde an seiner Brust war beinahe wieder verschlossen. Ich nahm an, dass auch der Rücken wieder verheilt war, aber er brauchte dringend einen Blut-Regenrations-Trank.

Ich hob den Zauberstab und zeigte ihn Malfoy.

„Du bist nun sein Meister, Granger. Jetzt haben wir eine Chance…“, sagte Malfoy leise, die Müdigkeit in seiner Stimme deutlich. „Und die Kiste?“

„Ich wäre eher gestorben…“, sagte ich und klopft auf das Blei neben mir, wobei Malfoys linkes Auge dorthin wanderte.

„Braves Mädchen… Ich habe das Drachenfeuer gesehen…“

Mir fiel die Kinnlade runter, als mir einfiel, wie Crabbe im Raum der Wünsche gestorben war. Ich wünschte, Malfoy hätte es nicht gesehen.

„Ein lila Ding, das wie ein Vogel aussah…“, murmelte er und sein Augenlid wurde schwer.

„Es hat ihn nicht aufgehalten, Malfoy“, sagte ich leise und wusste, dass er nicht sterben würde, wenn er schlief.

„Egal… er hat mein Auge genommen… ich seine Hand…“

Malfoys Auge schloss sich und seine Atmung wurde gleichmäßig. Als er in einen tiefen Schlaf sank, lenkte mich das Trampeln von Füßen von dem Lächeln auf seinen Lippen ab.

„Miss Granger!“, schrie eine vertraute Stimme, die mich zu ihrer Quelle aufsehen ließ.

Kingsley Shacklebolt, Williamson, Flint und Lucius Malfoy standen im Kreis um mich und Malfoy, ihre Gesichter voller Überraschung und Sorge.

„Das hat ja lang genug gedauert!“, motzte ich, ließ beide Zauberstäbe in meinen Ärmel gleiten und klammerte die Kiste wieder an meine Brust. „Malfoy braucht einen Heiler, Flint, kümmern Sie sich um ihn!“

Ich klang genau so gebieterisch wie Malfoy und Marcus Flint, ein Junge, den ich noch von der Schule kannte und der zu Malfoys fähigsten Leuten gehörte, setzte sich bei meinem Ton in Bewegung. Er sprach einen Schwebezauber und führte Malfoy fort. Ich sah ihm sehnsüchtig nach, wünschte ich könnte ihm folgen, aber die drei älteren Herren warteten auf eine Erklärung.

„Habt ihr nicht mitbekommen, dass Malfoy in den Hallen des Ministeriums gegen Harry Potter kämpft? Wo zur Hölle waren die Auroren, Williamson?“

Williamsons dunkles Gesicht verlor jede Farbe. „Wir sind in der Mysteriumsabteilung angegriffen worden, sechs sind tot… Ich bin Potter gefolgt, habe ihn aber verloren…“

„Und die, die eigentlich in der Halle Wache standen?“, fragte ich, wobei mein Gesichtsausdruck und das Funkeln in meinen Augen anscheinend Williamson sofort zur Wahrheit bewegten.

„Tot… Wir haben gerade ihre Leichen in einem Besenschrank entdeckt.“

„Es gab eine Grenze, die uns daran hinderte näherzukommen, Miss Granger. Wir konnten alles sehen und hören, aber erst vor einem Moment konnten wir sie endlich durchbrechen“, erklärte Lucius Malfoy zu meiner Rechten, sein Gesicht stoisch und kalt wie immer.

„Wie sind Sie…?“, fing ich an und kniff meine Augen zusammen, während ich Lucius ansah. Warum war er im Zaubereiministerium?

„Das ist nicht wichtig, Miss Granger. Wichtig ist, dass Sie sicher sind und dass sich jemand um Draco kümmert.“

Ich musste nicken, aber meine Augen wanderten zu Kingsley. Lucius hatte erwähnt, dass er zusammen mit den anderen Auroren, von denen jetzt viele tot waren, wieder ins Amt gerufen worden war.

„Malfoy hat Harrys Hand abgetrennt“, sagte ich zu Kingsley und zeigte auf das bleiche Körperteil, das ein Stück entfernt lag. „Das Drachenfeuer war meine Schuld. Ich bin sicher, dass das Ministerium die Reparaturkosten mit meinem Gehalt verrechnen wird.“

Kingsley lächelte. „Vielleicht auch nicht, Hermine.“

Er nannte mich immer noch Hermine und es klang so natürlich.

„Ist jemand verletzt?“, fragte ich, wobei ich an Roux dachte.

Kingsley schüttelte seinen Kahlkopf. „Das Ministerium ist sicher. Scheinbar hat Harry-Potter es nur bis zum Eingang der Mysteriumsabteilung geschafft. Er konnte nicht hinein. Er hat sich jedoch um die Auroren dort gekümmert… du hast das Ergebnis sicher gesehen.“

Ich nickte, als mir ein weiterer Gedanke kam.

„Geht es dir gut, Hermine?“, fragte mich Kingsley, aber ich war schon an Harrys abgetrennter Hand vorbei, in Richtung des verbrannten und noch rauchenden Bodens. Ich nahm einen der beiden Zauberstäbe aus meinem Ärmel, sprach einen Schwebezauber auf mich und glitt über den zerstörten Steinboden auf die andere Seite.

Als ich dort herum lief, entdeckte ich tatsächlich was Harry wohl in seiner Eile vergessen hatte. In einem Haufen gedeckter Farben lag dort Harrys Tarnumhang.

Die Schicksalsgöttinnen lächelten mir zu.

Ich hob den Umhang hoch und legte ihn über denselben Arm, der auch die Bleikiste trug. Ich hatte zwei der drei Heiligtümer. Wie Malfoy vermutet hatte, war Harry in seiner Verzweiflung schlampig geworden.

Als ich zu den beiden Männern zurückkehrte, sagte ich nichts über den Umhang. Ich versicherte Kingsley, dass ich zwar etwas erschüttert, aber unverletzt war und dass es mir gut ging. Dann wandte ich mich an Lucius, der Malfoys Zauberstäbe genommen hatte und sie nun vorsichtig in einer behandschuhten Hand hielt, und überraschte ihn mit der Frage, ob er mich zu seinem Sohn bringen könnte.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Wiscombe schien etwas verärgert, dass er Malfoy schon wieder behandeln musste, war jedoch dankbar, dass die Wunden schon fast verheilt waren, als er auf Malfoy Manor ankam. Ein Tag Bettruhe und ein paar Zaubertränke würden Malfoy aufpeppeln, zumindest erzählte Wiscombe mir das, als er einen Abend, nachdem ich der neue Meister über den Elderstab geworden war, aus Malfoys Kinderschlafzimmer trat.

Narcissa und ich hatten – wie es inzwischen unsere Gewohnheit war - in der Küche gewartet und ich hatte über den neuen Zauberstab nachgedacht, der neben seinem Walnuss-Kollegen in meinem Ärmel ruhte. Ich hatte den Stab benutzt, um Malfoy zu heilen, also war ich wirklich der neue Meister. Ich hatte ihn aus Harrys abgetrennter Hand genommen.

Narcissas Arm um meine Schultern hielt mich bei der Erinnerung an die vorhergehenden Stunden vom Zittern ab. Lady Malfoy war schon wegen ihrem Sohn aufgeregt genug, sie sollte sich nicht auch noch Sorgen um mich machen. Ich war nicht ihre Tochter. Ich war nicht ihr Mündel. Eigentlich wusste ich gar nicht was ich für sie war, außer ein Gast in ihrem Haus.

Als Wiscombe ging, warteten Narcissa und ich vor Malfoys Zimmer. Narcissa trat zuerst ein und kam nur ein paar Momente später wieder an die Tür um mich hereinzubitten.

Malfoy saß in seinem alten Bett, eine Hand auf dem kleinen Verband über seiner nackten Brust.

„Ein starker ‚Schuss’-Zauber… direkt durch mich durch, hat aber die lebenswichtigen Teile verfehlt…“, erklärte Malfoy seiner Mutter und mir.

„Noch einer aus dem ‚Gehängten?’“, fragte ich leise.

Malfoy nickte. „Ebenso wie der, den er auf dich sprechen wollte, bevor ich seine verdammte Hand abgehackt habe. Er wollte dich von innen heraus verbrennen, Granger“, sagte Malfoy düster.

Narcissa drückte eine Hand auf ihren Mund und schüttelte ihren Kopf.

„Aber das hat er nicht und darauf kommt es an“, sagte ich mehr für Narcissa als für Malfoy, der grinste und sich auf sein Kissen zurücklegte.

„Ja, meine Liebe, aber es macht mich krank… Merlin sei Dank war Draco da!“

Ich verkniff mir ein Schnauben und blickte Malfoy an.

„Mutter, morgen werde ich zur Genesung in meine Wohnung zurückkehren“, kündigte Malfoy an und zwinkerte mir seltsam zu, was mein Gesicht erröten ließ.

„Was? Warum?“, fragte Narcissa mit spöttischer Qual.

„Das spielt keine Rolle… Granger wird dir Gesellschaft leisten. Vielleicht kannst du sie wieder hübsch machen, wie heute. Du hast immer gesagt, du hättest dir eine Tochter gewünscht…“

„So etwas habe ich nie gesagt, Draco!“

Ich lachte, es ging nicht anders.

„Ah, aber du hättest Granger sehen sollen, Mutter. Sie war fast hübsch in ihrem Kleid und Umhang… wie sie gegen das Böse kämpft…“

„Draco, das reicht!“, wies Narcissa ihn in knappem, mütterlichem Ton zurecht.

Ich lachte nicht.

„Ich sage ‚fast hübsch’, weil ihre Haare zu kurz sind…“

Ich senkte meinen Blick auf den Bettrand.

„… sie hat wie ein kleiner Junge ausgesehen…“

Malfoy kicherte, aber Narcissa sah ihn finster an. Er sagte noch etwas, aber ich ignorierte ihn, entschuldigte mich und trat aus dem Zimmer, schloss die Tür vorsichtig hinter mir. Ich weinte nicht. Das hatte ich schon genug getan.

Ich mochte es nicht geneckt zu werden, weder als Kind noch heute als Erwachsene. Also kehrte ich in meine Zimmer im dritten Stock zurück, zog das Kleid aus, das Malfoy erwähnt hatte, zusammen mit dem Unterkleid, warf sie zu Boden und stürmte ins Badezimmer.

Ich blickte in den Spiegel und mein wütendes Gesicht hätte das Glas zum Splittern bringen können. Stattdessen zog ich beide Stäbe aus ihrem Halfter, riss das Halfter ab und warf es auf den Marmorboden. Ich legte meinen Walnussstab zu Gunsten meines neuen ab und hob diesen an meinen Kopf, während ich nackt vor dem Spiegel stand.

Ich musste den Zauber nicht sprechen, da der Zauberstab auf meine Absicht reagierte, und ein Zittern durchlief meinen Körper, als karamell-farbenes Haar in Wellen aus meinem Schädel spross. Ich starrte mein Spiegelbild an und wandte den Zauberstab erst ab, als die Wellen bis zu meiner Taille reichten.

Ich legte den Elderstab auf dem Waschbecken ab und betrachtete mich. Meine Haare waren weder durcheinander noch kraus, sie waren glänzend und dick. Das Gewicht der Haare zog die Locken zu Wellen und als ich mit den Fingern durch die Wellen fuhr, fragte ich mich, ob sich der Aufbau meiner Haare irgendwie verändert hatte. Ich war so lange krank gewesen, habe so lange unter Flüchen gestanden, die meinen Körper beinahe ruiniert hatten. Ich hatte gehört, dass Leute in der Muggelwelt, die ihr Haar aufgrund von Krankheit komplett verloren hatten, hinterher oft meinten, dass sich die Textur verändert hätte, als es wieder nachwuchs. Natürlich hatte ich meine Haare nicht wirklich verloren, es war geschnitten worden, aber trotzdem war es anders.

Ich zog das Haar über meine Schultern nach vorne, wo es meine Brüste verdeckte, und lachte. Ich sah aus wie Lady Godiva mit braunen Haaren.

Ich war zufrieden. Zum wahrscheinlich ersten Mal in meinem Leben mochte ich meine Haare. Es ähnelte den Haaren, die ich unter der Wirkung des Vielsaft-Tranks gehabt hatte, lang und schön.

Malfoy konnte mich nicht mehr ärgern.

„Hermine?“, rief eine Stimme aus dem Schlafzimmer.

Ich suchte nach etwas zum Anziehen, fand aber nur einen Morgenmantel an der Rückseite der Tür; einen, den ich noch nie benutzt hatte. Ich zog den Gürtel um meine Taille zu und betrat den Raum, als Narcissa sich gerade bückte, um das grüne Taftkleid aufzuheben.

„Es tut mir leid, Mrs. Malfoy, ich wollte es noch aufhängen…“, sagte ich schuldbewusst, weil ich mit dem Kleid, das Narcissa mir geliehen hatte, so achtlos umgegangen war.

„Meine Liebe, deine Haare!“, rief Narcissa, als sie sich wieder aufrichtete und mich ansah.

Ich blinzelte. „Sieht es schlimm aus?“

Mir fiel ein, dass meine Vorstellung von ‚schön’ nicht überall anerkannt wurde. Vielleicht sah mein Haar schrecklich aus, wie auch schon vorher.

„Großer Gott, nein! Es ist bezaubernd!“, rief Narcissa und glitt durch den Raum zu mir, wo ihre Hand meinen Kopf und mein Gesicht berührte, dann die Locken, die auf meinen Schultern ruhten. „Ich hatte vergessen, dass deine Haare lang waren, als du herkamst… Oh, aber das hast du doch nicht wegen Dracos Bemerkung gemacht?“

„Natürlich hab ich das. Er ärgert mich seit Wochen…“, murmelte ich und senkte mein Gesicht.

„Hör nicht auf ihn, Hermine, so ist er nun mal. Immerhin ärgert er dich und beleidigt dich nicht.“

Narcissa hatte Recht. Ich kannte den Unterschied zwischen ärgern und beleidigen.

„Ich wollte sehen, ob es dir gut geht, Hermine. Du hast so wenig gesprochen, seitdem du zurück bist. Und ich weiß, dass du in der Küche still warst, weil du dachtest, du müsstest meine Nerven schonen…“

Ich öffnete meinen Mund, aber Narcissa hob eine Hand, nahm meinen Arm und zog mich zum Bett, wo wir uns gemeinsam hinsetzten. Ich war überrascht wie ungezwungen Narcissa war, als sie das Taftkleid gedankenlos über das Bett warf.

„Draco hat mir erzählt, dass Potter gesagt hat… dass du ‚ihm gehörst’?“

„Ja“, flüsterte ich und faltete meine Hände über dem dunklen Frottee meines Morgenmantels, unsicher, was ich sonst mit ihnen im Moment tun sollte.

„Das beunruhigt mich“, sagte Narcissa abwesend. „Warum sollte er so etwas sagen?“

Ich seufzte. „Er sagte auch, dass Ron ihm ‚gehört’. Ich kann mir nur vorstellen, dass Harry meinte, wir sind seine einzigen Freunde und ‚gehören’ deshalb ihm…“

„Oder er liebt dich, Hermine… auf eine kranke Weise. Wenn Potter nicht an Ronald Weasley rankommt, hat er sich vielleicht auf dich eingeschossen. Draco sagte, dass er nicht einen einzigen Zauber auf dich gerichtet hatte, außer ganz zum Schluss.“

Ich nickte und freute mich, dass meine Haare wieder um meine Schultern fielen. „Er wusste, dass er mich nicht einfach töten konnte, also suchte er nach einem gewaltsameren Ende. Ich hätte den Fluch nicht abhalten können und wäre wehrlos gewesen, wenn Malfoy nicht…“

Das Zittern, das ich bisher unterdrückt hatte, kam über mich und bald fand ich mich in Narcissas Armen. Ich legte meinen Kopf an ihre Schulter, umarmte sie jedoch nicht, da es mir zu vertraut schien.

„Ich habe es schon einmal gesagt, Hermine, und ich kann es nur wiederholen. Draco wird gut auf dich aufpassen… er wird sich um dich kümmern…“, flüsterte Narcissa.

Ich stellte ihre Worte nicht in Frage. Ein Keim wuchs bereits in meinem Herzen. Als ich dachte, dass Malfoy tot war, hatte ich zugegeben, dass ich ihn brauchte. Ich hatte ihn von selbst geküsst, wollte ihn sogar noch mehr küssen, als ich bemerkte, dass er nicht tot war. Ich hatte sogar meine Haare verzaubert, als eine Reaktion auf seine Worte. Ich hatte Malfoy mehr als gern, aber ich war zu unwissend, um auch nur die leiseste Ahnung zu haben, ob mein Gefühl ‚Liebe’ war.

Ich entzog mich Narcissas Umarmung, die Gedanken an Malfoy hatten mein Zittern verbannt. Ich lächelte sie an.

„Draco hat vor morgen in die Stallungen zurückzukehren… du solltest mit ihm gehen“, schlug Narcissa beiläufig vor.

Ich blinzelte und mein Lächeln verblasste. „Ich weiß nicht… das letzte Mal, als ich dort war, habe ich mir den Knöchel verstaucht und mich völlig zum Affen gemacht.“

Narcissa lächelte und sagte dann lachend, „Das habe ich auch schon gehört. Die kleine Wohnung ist Dracos Zuhause. Ich bin glücklich, dass er dich rein lässt. Ich zum Beispiel durfte noch nie dorthin. Also sagt die Tatsache, dass du ‚zugelassen’ bist, etwas über seine Achtung dir gegenüber aus, Hermine. Ich bin sicher, dass er wollen würde, dass du mitkommst. Ich glaube auch, dass ihr einiges zu besprechen habt…“, Narcissas Stimme verlor sich und ihre Augen wanderten zu der Bleikiste die neben meinem Bett auf dem Nachttisch standen.

Ich hatte sie dort kurz nach meiner Rückkehr abgestellt und sie schnell vergessen. Ich blickte aus meinen Augenwinkeln auf das von Runen bedeckte Kästchen. Ich würde letztlich ein Versteck dafür finden müssen. Merlin bewahre, dass Harry es irgendwie auf die Malfoy-Ländereien schaffte… Nur weil ich zwei Heiligtümer hatte, würde ich nicht denken, dass Harry nun machtlos war.

Meine Augen wanderten zu dem alten Mantel, der neben der Tür auf dem Boden lag. Ich hatte den Tarnumhang rein gestopft und niemandem davon erzählt, nicht einmal Malfoy. Er wusste, dass ich den Elderstab hatte und im Moment war das alles, was er wissen musste.

Narcissa sprach noch eine Weile mit mir und fragte mich, ob es mir etwas ausmachen würde, wenn sie mir ein paar Outfits kaufen würde. Ich zögerte zuerst und fragte, ob es nur Kleider sein müssten, da ich wusste, dass sie eine Ablehnung nicht akzeptieren würde. Ich mochte Kleider, aber ich kam mir darin nicht wie ich selbst vor.

„Nein, nein… nur ein paar Röcke und Blusen… außer du willst ein Kleid?“

Ich lachte. Ich deutete an, dass ein paar Röcke, die neuer waren als die, die ich sonst trug, ganz nett wären, und ein paar sommerliche Tops…

„Obwohl ich eure Gastfreundschaft nicht bis zum Sommer ausnutzen möchte…“

Ich sagte das nicht nur aus Höflichkeit. Ich hoffte, dass alles – Harry, die Heiligtümer, die Zeit-Umkehrer – im Sommer nur noch eine Erinnerung wären. Und irgendwie konnte ich mir mein zukünftiges Leben nicht mehr so einfach vorstellen wie früher.

Schließlich entschuldigte Narcissa sich, wünschte mir eine gute Nacht und überließ mich meinen Gedanken. Ich ging wieder ins Badezimmer und lächelte mein Spiegelbild mit den langen Haaren traurig an. Ich ließ mir ein Bad ein und glitt in das fast kochende Wasser. Meine Gedanken kreisten nicht um Harry oder Malfoy, sondern um die Worte der Titanen.

Die Nacht, in der Voldemort wiedergeboren wurde…

Little Hangleton, der Friedhof, die Nacht, in der Cedric Diggory getötet wurde…

Wenn man lange genug darüber nachdachte, schien es eine logische Wahl zu sein. Voldemorts Aufenthaltsort war bekannt und nach Harrys Rückkehr nach Hogwarts mit dem Portschlüssel wäre Voldemort wütend und verwirrt über das plötzliche Verschwinden seiner Beute. Man könnte auf einen Schlag Voldemort und seinen inneren Kreis auslöschen, abgesehen von ein oder zwei Ausnahmen. Es wäre leicht in der Verwirrung nach Harrys Flucht.

Die Lestranges würden in Azkaban bleiben, Sirius würde von jeglicher Schuld freigesprochen werden, nachdem Peter Pettigrew im Friedhof identifiziert werden würde, und Albus würde nicht nach den Horkruxen suchen und schließlich sterben. Die DA würde nie existieren; Umbridge würde nicht nach Hogwarts kommen müssen. Severus würde – wenn er verschont würde – Albus nicht umbringen müssen. Narcissa würde, wenn sie verschont würde, nicht den Schwur leisten müssen und Malfoy würde Voldemort nicht dienen müssen.

Ich seufzte als mir einfiel, dass Harry sich keine Gedanken um Malfoy oder Severus machen, sondern sie eher töten würde, als sie in seiner neuen Welt leben zu lassen. Harry hatte Malfoy seinen Erzfeind genannt… Dieses Empfinden war jedoch aus vielen Gründen eine völlig falsche Auffassung.

Dann war da noch der Stein der Auferstehung… Harry hatte ihn immer noch. Wenn er zu jener Nacht in Little Hangleton zurückkehren wollte, wofür brauchte er den Stein? Der jüngere Harry hatte Cedric Diggorys Leiche mit zurück nach Hogwarts genommen, weshalb es also schwierig sein würde, den Jungen zu retten. Die Titanen hatten auch ausdrücklich gesagt, dass Harry Cedric nicht retten würde. Ich konnte mir nur vorstellen, dass Harry den Stein als eine Art Rückversicherung benutzen würde, falls jemand sterben würde, den Harry am Leben haben wollte…

Ich übersah immer noch ein Puzzleteil.

Ich stieg aus der Badewanne und merkte, dass meine Haare etwas lockiger waren, wenn sie feucht waren, und statt einen Trockenzauber zu sprechen, wickelte ich die schweren Strähnen in ein Handtuch. Ich krabbelte ins Bett, glücklich, dass ich wieder Haare hatte und glücklich, dass ich ein weiteres Treffen mit meinem besten, verhassten Freund überlebt hatte.


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Daniel musste nicht nur schwimmen, spielen, Dialoge sprechen und auf Monster reagieren, die später per Computer hinzugefügt wurden, sondern er trug dabei auch Schwimmflossen an Händen und Füßen. All das absolvierte er sieben Meter tief unter Wasser in völliger Dunkelheit – bis ihm die Luft ausging und er das Zeichen gab: Einer der Stuntleute schwamm dann zu ihm hin und gab ihm seine Sauerstoffmaske zurück. Eine wirklich unglaubliche Leistung.
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