
von Nitsrek
“Ah, was für ein schöner Tag!” rief Narcissa Malfoy aus, hob ihr blasses Gesicht in den wolkenlosen Aprilhimmel.
Ich konnte der Lady nicht widersprechen und hob meinen Blick gen Himmel. Es schien unmöglich, dass ich nur einen Tag vorher meinem und Malfoys Tod ins Auge geblickt hatte, Tod durch die Hände Harry Potters.
Narcissa hatte mich nach dem Frühstück in den Garten geführt, damit ich frische Luft bekam. Ich war in einem neuen Outfit in die Küche getreten – Narcissa hatte scheinbar schnell nach neuer Kleidung für mich gesucht; Kleidung, die zwar bequem war, aber zu schön und zu formell für mich.
Wir liefen vom Küchengarten durch den Schatten des Hauses und Narcissa führte mich einen anderen gepflasterten Weg entlang als Malfoy damals. Ich merkte schnell, dass der zweite Pfad zur Rückseite des Manor führte, vorbei an einer schönen Terrasse und einem Rosengarten. Wir traten durch eine Hecke und Narcissa schlug vor, dass wir durch das Heckenlabyrinth laufen sollten.
„Es ist nicht allzu groß, aber abwechslungsreich“, hatte sie gesagt, als wir es betraten.
Die Hecken waren anders als jene, die ich vom Trimagischen Turnier kannte; nicht dunkel und unheilverkündend, sondern zu grünen samtigen Wellen rechts und links von uns geschnitten, während die Sonne in jede Biegung und jeden Durchgang schien.
Der Boden des Labyrinths bestand aus weißen Steinchen und eine merkwürdig warme Brise wehte durch die erschaffenen Gänge. Narcissa hielt meine Hand an ihrem Arm während wir liefen; ihr hellblaues Kleid erinnerte mich an eine viktorianische Hausdame, und die Brosche an ihrem Hals bewegte sich leicht, so dass die aus Elfenbein geschnitzte Frau sanft ihre Haare kämmte.
Die Sonne ließ Narcissas helle Haare golden leuchten und ihre Augen glänzten wie Mondsteine in ihrem lächelnden Gesicht. Ich konnte die Frau nur bewundern. Sie wirkte wie eine Frau, die gerade erst erwachsen geworden war, ihr Gesicht war zeitlos, ein starker Kontrast zu ihrer bösen Schwester Bellatrix.
Wir liefen, sprachen über die schöne warme Luft, das Blau des Himmels, meine bequemen neuen Schuhe und wie zauberhaft meine Haare im Sonnenlicht wirkten, die aus dem Gesicht gekämmt waren und in wilden Locken über meinen Rücken fielen. Nach kurzer Zeit erreichten wir das Zentrum des Labyrinths, ein japanischer Garten mit Koiteichen und einem mittigstehenden Gazebo im japanischen Stil, mit einer Hängematte, einem Tisch, Stühlen, heißem Tee und Keksen.
„Das ist mein Lieblingsort“, vertraute Narcissa mir an, als wir uns in den Schatten des Gazebos setzten. „Lucius’ Großmutter hat den Garten nach einer Japanreise umgestaltet.“
Ich nickte, nahm einen Schluck Tee mit Milch; mal eine Abwechslung zu meinem geliebten schwarzen Kaffee.
„Draco mag ihn auch, aber er zieht die Einsamkeit der Stallungen und des Waldes dahinter vor. Wir haben auch Wild im Wald, aber Draco war schon seit Jahren nicht mehr jagen.“
Ich blinzelte. „Er jagt?“
Narcissa lächelte, während sie ihren Mund mit einer bestickten Serviette abtupfte.
„Und reitet. Manchmal findet ihn Lucius im Stall, angezogen wie ein Förster! Lucius war auch so, als wir geheiratet haben… und sein Vater und dessen Vater… Draco hingegen, hält sich großteils – soweit ich weiß â€“ in seiner Wohnung auf und liest oder arbeitet auf dem Feld. Natürlich verbringt er die meiste Zeit mit seinen Kriminalfällen, aber inzwischen…“
Ich blickte von Narcissa auf die Wasserlilien in den Teichen um den Pavillon. Inzwischen war die Welt ein dunkler Ort.
Narcissa - als die Lady, die sie war - wechselte sanft zu anderen Gesprächsthemen; keine, zu denen ich wirklich etwas sagen konnte, da ich mich nicht in diesen Dingen auskannte, die ich als ‚Frivolität’ bezeichnet hätte.
Schließlich fragte Narcissa, ob wir weiterlaufen wollten und ich war dankbar für die Änderung. Das Labyrinth war toll und hätte mich zu einer anderen, sorgloseren Zeit sicher begeistert, ich hätte viel Spaß gehabt. Aber während wir liefen hatte sich Dunkelheit auf meinen Verstand gelegt.
Ich hatte den Elderstab, ebenso wie Bellatrix’ Zauberstab, im Ärmel der zarten Bluse, die Narcissa mir gegeben hatte. Das hellblau der Bluse passte fast zu Narcissas Kleid und trotz dem Wind war mir warm in dem geknöpften Oberteil, das bis über meine Hüfte ging, was ihm den Anstrich eines Kleides verlieh. Die Ärmel waren weit und an meinen Handgelenken mit Knöpfen zusammengehalten, aber nicht so eng, dass ich im Notfall nicht sofort einen Zauberstab in meine Hand hätte gleiten lassen können.
Ich hatte meinen alten Mantel mit dem Tarnumhang in der Tasche im Zimmer gelassen. Die Bleikiste war in einer Nische unter dem Waschbecken im Bad versteckt. Das war vermutlich ein absurdes Versteck für eine Kiste, die unter Kobold-Schutzzaubern stand, aber es war ein Ort, an dem niemand nachschauen würde. Ich überzeugte mich, dass die meisten magischen Wesen so wichtige Dinge in Tresoren oder magisch versteckten Plätzen aufbewahrten, aber ich als Muggel dachte an die weniger offensichtlichen Alternativen.
Die Zeitumkehrer… Die Kiste enthielt nicht nur einen normalen Zeitumkehrer, denn jede Umdrehung signalisierte ein Jahr, nicht eine Stunde. In einer Abhandlung waren sie sogar nicht Zeitumkehrer, sondern als ‚Revisionistische chronologische Apparate’, kurz RCAs, bezeichnet worden. Ich bevorzugte Zeitumkehrer. ‚Revisionistisch’ war ein Wort, das fast verlangte, dass man die Zeitumkehrer nutzte, um den Lauf der Zeit zu verändern.
„Hier sind wir…“, sagte Narcissa sanft und holte mich aus meinen Gedanken. Ich hatte nicht aufgepasst, wo wir hingingen, aber ich bemerkte schnell, dass Narcissa mich irgendwann aus dem Labyrinth geführt hatte und wir vor einer Lücke in einer vertrauten Mauer standen, hügelige Felder vor mir.
Ich stand im nächsten Durchgang zu den Ställen, dem Durchgang, den ich bei meiner wütenden Wanderung durch den Regen vor ein paar tagen benutzt hatte.
Sonnenlicht küsste die Felder und der Geruch von Erde, Gras, Tieren und dem nahen Wald heller Bäume machten die Luft zu einem Parfum. Meine Augen glitten über die Pferde, die in der Ferne über eine Hügelkuppe rannten, die Schafe, die in der Herde zu einer flachen Stelle liefen, die Vögel, die von weit weg auf den Wald zu flogen.
Narcissa drückte meine Hand als eine Figur von den Ställen auf uns zukam, eine Figur in schwarzen Reitstiefeln, Hose, Handschuhen, einem weißen Hemd und mit Reitgerte. Ich grinste als ich sah, dass Malfoy immer noch die Augenklappe über dem ruinierten Auge trug, und verkniff mir ein Kichern, weil ich fand, dass er aussah wie so ein gaunerhafter Held vom Cover einer schnulzigen Romanze mit Jungfrauen, die von Piratenprinzen entführt wurden. Aber als Malfoy näher kam und der Wind ein paar Strähnen seines weißblonden Haares erfasste, verblasste mein Lächeln. Er sah aus wie ein Elbenprinz, eine entrückte Kreatur aus den weißen Bäumen.
„Guten Morgen, Mutter…“, grüßte Malfoy und lehnte sich an die Mauer.
Narcissa sprach leise mit Malfoy, aber ich hörte nicht zu. Stattdessen wanderte mein Blick über den Verband unter seinem Hemd, wo die Knöpfe auf waren. Wäre da nicht seine blasse Haut und die hellen Haare gewesen, hätte ich mich vor Lachen auf dem Boden gerollt. Er war ebenso Piratenprinz wie auch Wesen aus dem Jenseits. Mein Herz pochte und ich hasste mich dafür.
Sein Auge lag auf mir, während wir mit seiner Mutter sprachen, und ich errötete, lenkte meine Augen zu der Gerte in seinen Händen.
„Waren deine Haare schon immer so, Granger?“
Beim Klang meines Namens huschten meine Augen zu Malfoys Gesicht.
„Nicht einmal annähernd so lang, aber die Farbe ist die gleiche“, antwortete ich und versuchte, Narcissas wissendes Lächeln zu ignorieren.
Mutter und Sohn wechselten ein paar Worte und kurz darauf lief ich mit Malfoy zu den Stallungen, meine Hand in der Beuge seines linken Ellbogens. Ich wunderte mich, wie ich plötzlich so friedlich mit Malfoy herumlaufen konnte, beschäftigte mich jedoch lieber damit, die kahlen weißen Bäume hinter den Stallungen anzuschauen und nicht nachzudenken.
Als ich schließlich auf der Bank unter den geöffneten Fenstern der Frontseite saß - während das Grammophon eine Platte von Django Reinhardt und Stephane Grappelli abspielte – und eine Tasse heißen Kaffee in der Hand hatte, fiel mir auf, dass Draco ungeduldig darauf wartete, dass ich über die Ereignisse des Vortages sprach. Er saß am anderen Ende der gepolsterten Bank, an die Wand gelehnt, den Kaffee auf dem Fensterbrett, das rechte Bein angezogen, den Arm auf dem Knie abgelegt.
„Wenn ich dir sage, dass deine Haare gut aussehen, sprichst du dann mit mir, Granger?“, knurrte Malfoy.
„Wäre das deine ehrliche Meinung, Malfoy?“, schoss ich zurück und hob meinen Kaffee an meine Lippen.
Malfoys Mund öffnete sich, schloss sich, und sein Auge blickte aus dem Fenster. Ich nahm einen tiefen Schluck und mein Mund sträubte sich gegen die Bitterkeit, nachdem ich vorhin Narcissas süßes, Chai-ähnliches Gebräu getrunken hatte.
„Deine Haare sind schön… ehrlich. Und jetzt erzähl“, grummelte Malfoy.
„Was?“
Malfoy bewegte sich auf der Bank, das Holz unter ihm stöhnte leise. „Gestern. Deine Gedanken und Beobachtungen?“
Ich wollte über seine Verärgerung grinsen, konnte aber nicht.
„Ich denke, wir sind bald quitt.“
Malfoys blasses Auge wandte sich mir zu, seine Augenbrauen zogen sich zusammen. „Wovon zur Hölle sprichst du?“
Ich setzte meine Tasse auf der Fensterbank ab, trat sanft meine Hausschuhe von den Füßen, um meine Beine an mich und unter den Leinenrock zu ziehen, der warm war. „Ich habe dir das Leben gerettet.“
Sein Mund zuckte. „Ein Punkt für Granger… Ich habe aber immer noch zehn Punkte oder so.“
Ich sagte nichts und legte meinen Ellbogen an die Fensterbank, strich mir mit den Fingern ein paar Strähnen aus dem Gesicht und wickelte sie um meinen Zeigefinger.
„Was fragst du mich wirklich, Malfoy? Wenn diese Nahtoderfahrung dein Gehirn nicht durcheinander gebracht hat, ist gestern immerhin Einiges passiert“, sagte ich leise und blickte aus dem Flügelfenster.
„Hm… lass mich überlegen… Gehen wir das Ganze mal logisch an. Die ‚Titanen’, wie du sie nennst… was haben sie gesagt?“, fragte Malfoy und nahm abrupt seinen Kaffee in die Hand.
Ich seufzte. „Ein logischer Anfang…“, murmelte ich. „Sie haben mir gesagt, in welche Zeit Harry reisen will.“
„Und?“, fragte Malfoy, etwas undeutlich durch seine Tasse.
Ein Grinsen spielte um meine Lippen beim Klang seiner Stimme. Es schien eine Gewohnheit von uns zu sein, zusammen Kaffee zu trinken und dabei über die Ereignisse um uns herum zu grübeln. Ich fragte mich, ob unsere vertrauten Gespräche immer sein würden, oder ob sich das – wie so vieles in meinem Leben – auch ändern würde.
„24. Juni 1995, nach Sonnenuntergang.“
Ich beobachtete Malfoy aus den Augenwinkeln und sah, wie langsam alle Farbe aus seinem ohnehin schon bleichen Gesicht wich und wie er seine Tasche abstellte. Er verschränkte die Arme vor der Brust, wobei sich der Verband um seine Brust in Falten legte. Malfoy erkannte die Bedeutsamkeit des Datums und als sein Gesicht nachdenklich wurde, fuhr ich fort.
„Die Titanen haben mir gesagt, dass Harry niemanden am Leben lassen wird. Voldemort… deinen Vater… niemanden.“
„Er wird Diggory also nicht retten? Mit dem Stein?“
Ich schüttelte langsam den Kopf. „Das hat mich auch erstaunt, Cedric war der erste Mensch, den Harry hat sterben sehen. Wenn er alles ändern will, warum rettet er dann Cedric nicht? Aber dann fiel mir ein, kurz vorm Schlafengehen letzte Nacht… Wenn Cedric nicht getötet würde, hätte niemand geglaubt, dass Voldemort zurückgekehrt ist. Wenn Voldemort stirbt, würde die Magische Welt denken, dass ein vierzehn Jahre alter Harry es irgendwie geschafft hat…“ Ich verstummte, meine Stimme wurde schwer vor Emotion.
Malfoy seufzte. „Aber das ist nicht alles, oder?“
Ich schüttelte wieder den Kopf. „Die Titanen sagten, dass Harry jeden töten würde, der eine Verbindung zu Voldemort hat. Auch die, die zu jenem Zeitpunkt noch nicht mit Voldemort in Verbindung standen. Harry weiß, wer sich den Todessern angeschlossen hat, wer überlebt hat. Wenn er Voldemort in dieser Nacht getötet hätte, wären die Leben vieler verschont geblieben. So viele hätten nicht das Mal angenommen, andere würden nicht den Todessern beitreten, aber für Harry spielt das keine Rolle. Sein Gehirn ist angefüllt mit Listen voller Namen und Gesichtern von Menschen in dieser Zeit.“
„Meine Mutter… Severus… Crabbe, Goyle, die Leute in Azkaban… und so viele andere…“, flüsterte Malfoy und legte sein entstelltes Gesicht in seine Handfläche, sein Arm wurde vom Knie gestützt.
„Es hört nicht auf mit der direkten Verbindung. Sie haben mir gesagt, dass…“
„Es wird nicht so weit kommen, Granger“, knurrte Malfoy in seine Handfläche, bevor er sein Gesicht hob und mich anstarrte, wobei sein Auge bis in meine Seele drang. „Du hast die Zeitumkehrer, den Elderstab. Und ich habe ihm seine verdammte Hand genommen!“
Mein Atem ging schneller; in Malfoys Gesicht lagen eine tiefe Wut und Macht, die ich nie zuvor gesehen hatte. Aber langsam kehrte das Sonnenlicht zurück in den Raum und Malfoy lehnte sich zurück, die Dunkelheit verging.
„Letzte Nacht, bevor ich eingeschlafen bin, habe ich nachgedacht“, sagte Malfoy leise mit müder Stimme.
Ich nickte damit er fortfuhr, und ignorierte den sarkastischen Unterton in seiner Stimme.
„Die Menschen, die Potter bisher umgebracht hat, haben alle etwas gemeinsam.“
Ich blinzelte. „Und was?“
Malfoy grinste. „Es waren alles Leute, die irgendwie versucht hätten ihn aufzuhalten, selbst die Dursleys. Und ein paar von ihnen führten ein Leben ohne Liebe.“
Ich schluckte. Malfoy hatte Recht, bei beiden Punkten. Sein zweiter Ansatz war mir auch eingefallen, aber der erste wog schwerer. Von den Heilern im St. Mungo, die an ihren Verletzungen gestorben waren, bis zu den Auroren im Ministerium, hatten alle entweder versucht, Harry gewaltsam von seinem jeweiligen Vorhaben abzubringen oder hätten ihn früher oder später auf andere Weise aufgehalten. Manche von ihnen stellten eine echte Bedrohung für Harry dar; andere waren ein Hindernis.
Und die meisten von ihnen kannte ich persönlich…
„Ernie?“
„Heute Morgen…“, flüsterte Malfoy die Antwort.
Ernie Macmillan hatte Harry ein paar Tage lang überlebt, aber jetzt war ich die einzige Überlebende von Harrys Wahnsinn, mal abgesehen von Malfoy, an dem Harry bisher - bis auf gestern – kein Interesse gezeigt hatte.
„Wirst du sie zerstören?“, fragte Malfoy und riss mich aus meinen Gedanken.
„Die Zeitumkehrer? Ich weiß nicht… Ich weiß nicht, ob ich das kann…“
„Aus irgendeiner moralischen Verpflichtung heraus oder wortwörtlich, Granger?“
Ich grinste. „Beides. Ich weiß, dass Zeitumkehrer – die Normalen – zerstört werden können, aber diese hier… Sie wurde anders hergestellt, auch die benutzten Materialien sind ungewöhnlich. Ich müsste sie untersuchen, um sicher zu gehen.“
„Aber benutze sie nicht.“
„Niemals.“
Malfoy seufzte. „Du solltest langsam anfangen, vom Schlimmsten auszugehen, Granger.“
Ich ließ meinen Blick auf meinen abkühlenden Kaffee fallen. „Ich weiß“, flüsterte ich und schlang meine Hände um meine Knie, um meine Beine so zu arrangieren, dass meine Zehen unter dem Rock hervorschauten. „Aber ich will gerade nicht. Ich hatte bisher keine Gelegenheit, über etwas anderes nachzudenken als Harry, die Zeitumkehrer und die Vergangenheit. Es deprimiert mich und ich fühle mich dadurch hilflos.“
Mit einem Seufzen schloss ich meine Augen, als die Platte hinter mir wieder auf Anfang sprang.
„Während dem Krieg gab es keine großen Ablenkungen oder Zeiten, zu denen man glücklich sein konnte… aber wir waren es. Nicht oft, aber es kam vor. Und jetzt bin ich zehn Jahre älter und dieses Glück scheint so weit weg. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich seit damals irgendwann glücklich war. Glücklich, so dass es alles andere übertönt und anhält…“
„Das ‚auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten’-Glück, Granger?“, fragte Malfoy mit ernster Stimme.
Ich öffnete meine Augen und grinste wieder. „Nicht ganz. Ich frage mich nur immer wieder, wie lang diese Ablenkung anhält. Wir fliehen, wir kämpfen, dann kommen wir hierher zurück, um zu genesen… und streiten. Wie lang wird es dauern, bis wir wieder fliehen und kämpfen?“
Meine Stimme war belegt von ungeweinten Tränen. Meine Seele war müde, so müde. Der Gedanke, vor allem davonzulaufen, schoss für eine Millisekunde durch meinen Kopf, nach Australien oder zu Amerika fliehen, irgendwohin. Aber als ich mein Kinn hob, um durch das Fenster die Pferde zu betrachten, die über die Felder rannten, wusste ich, dass ich nie gehen könnte und dass ich nicht allein war. Ich wusste, dass alles einfach unerträglich gewesen wäre, wenn ich allein gewesen wäre.
Und Sie sind nicht allein, Miss Granger. Nie… flüsterte Severus warm.
Ich grinste wieder und seufzte, als Finger mein Gesicht berührten, die kleinen Locken an meiner Schläfe hinter mein Ohr strichen. Ich drehte mein Gesicht und sah, wie Malfoy sich vorbeugte, ein Grinsen auf den Lippen.
„Eines Tages, wenn wir sehr alt sind, werden wir zusammensitzen, Kaffee trinken und darüber lachen wie aufregend unser Leben einmal war“, sagte Malfoy sanft, ein Hauch von Sarkasmus in seiner Stimme, als er sich an die Wand zurücklehnte. „Momentan werden wir uns wohl mit dem Pfad zufrieden geben müssen, der uns erwartet.“
Ich lachte leise und rollte mit den Augen. „Du bist furchtbar, wenn es ums Aufheitern geht, Malfoy.“
Er runzelte die Stirn. „Ich bin nicht dazu geboren, irgendwen aufzuheitern, Granger. Ich bin ein Malfoy… Ich sag den Leuten, sie sollen sich selbst aufheitern.“
Ich wusste, dass er Witze machte, aber ich erwiderte sein Stirnrunzeln und konterte, „Vielleicht hätte ich dich gestern doch verbluten lassen sollen…“
Malfoy zuckte mit einer Augenbraue, seine Augenklappe bewegte sich über seine blasse Wange. „Aber du wolltest mich nicht sterben lassen, Granger…“
Die verspielte Stimmung schien sich mit der sanften Brise, die durch das Fenster kam, aufzulösen. Ich verbarg meinen Blick, der auf Malfoys Verband lag, nicht, ebenso wenig wie die Tatsache, dass ich zögerlich auf meine Lippe biss.
„Nein, ich konnte dich nicht sterben lassen…“
„Du hast gesagt, ich kann dich nicht allein lassen…“, flüsterte er.
Ich nickte langsam, mein Blick wanderte die Sehnen an seinem Hals bis zu den Bartstoppeln auf seinem Kiefer.
„Es gibt niemanden sonst. Ron kann nicht kommen und abgesehen davon glaube ich auch, dass ich das nicht wollen würde. Ron könnte nicht so gegen Harry kämpfen wie du…“
„Aber du hast ihn bekämpft, Granger. Du hast versucht, ihn zu töten.“
Ich nickte wieder, hielt meinen Blick auf seinem Kiefer. „Ich muss ihn töten. Das ist mein Schicksal. Und ich weiß auch, dass ich das schaffe.“
„Weil du ihn hasst?“
Ich kaute an meiner Unterlippe, entließ sie dann aber, um meinen Mund zu öffnen. Meine Fähigkeit, ganze Sätze zu bilden, schwankte und ich schloss meinen Mund wieder, ließ meine Augen zu meinen Händen in meinem Schoß sinken. Ich wollte etwas sagen, etwas klarstellen, aber weder konnte ich die Worte finden, noch konnte ich meine Absicht klar definieren. Schließlich sah ich in Malfoys Auge, das mich die ganze Zeit studiert hatte.
„Ich hätte ihn umbringen können als ich dachte, er hätte dich getötet. Er hat mir schon so vieles aus völlig egoistischen Gründen genommen. Ich kann ihn inzwischen hassen, aber der Hass basiert auf meinem tiefen Mitleid mit ihm. Ich kann kein bisschen Mitgefühl für ihn aufbringen, und mein Mitleid ist inzwischen nur noch Ekel.“
Ich hielt inne, atmete tief ein und bemerkte, dass meine Schultern bebten, als ob ich weinen würde, aber ohne Tränen. Ich spürte Kummer, aber meine Wut machte es mir unmöglich, ihn zu zeigen.
„Du hättest mich gerächt?“
Malfoys Stimme schien weit weg und die letzte Worte waren teils Frage, teils selbstgefällige Zufriedenheit.
Ich schürzte meine Lippen und sah ihn wieder an. „Ja.“
Malfoys Augenbrauen hoben sich.
„Du hasst mich, also warum die Tränen und die Hysterie, als du dachtest, ich wäre tot?“
Ich rollte mit den Augen. „Du hast vielleicht festgestellt, dass du mich nicht hasst, Malfoy, aber es wird dich wohl schockieren zu hören, dass ich dich genauso wenig hasse.“
Malfoy blinzelte.
„Ich habe geweint, weil ich dachte, ich wäre für die Ablenkung deiner Aufmerksamkeit zuständig… weil ich geschrien habe. Ich habe geweint, weil ich einfach nicht damit klar kam, dass du tot sein könntest. Und ich habe geweint, weil ich Angst hatte, dass ich jetzt ‚das alles’ allein durchstehen müsste. Und Hysterie? Ich habe versucht, meinen besten Freund zu verbrennen und habe ihm in die Eier getreten, habe zugesehen, wie du seine Hand abgetrennt hast, habe Spritzer von seinem Blut in meine Augen bekommen und dachte obendrein, ich wäre für deinen Tod verantwortlich. Ist das Antwort genug?“
Malfoys Mund formte dieses unwiderstehliche Lächeln. „Ich dachte, es wäre, weil du dich in mich verliebt hast.“
Ich schnaubte lachend. „Und du hast neulich noch behauptet, du magst mich nicht…“
„Vielleicht habe ich da etwas übertrieben…“
Sein Lächeln änderte sich nicht und meine Augen weiteten sich.
„Für dich spricht, dass du ziemlich gut küsst. Andererseits war ich dem Tode nah, also vielleicht bilde ich mir das nur ein.“
Ich wandte den Blick ab. „Bitte mach dich nicht über mich lustig, Malfoy, das ertrage ich wirklich nicht.“
Malfoy antwortete nicht und ich erlaubte mir nicht, ihn anzusehen. Meine Augen wanderten zum Kamin, zum Sofa, zur Tür, zu den alten Wandteppichen, überall hin, nur nicht in sein Gesicht. Wenn er mich anzüglich angrinsen würde, wäre das mein Untergang. Selbst wenn er nur dieses schelmische Grinsen lächeln würde, würde ich schmelzen.
Ich hatte ihn gestern fast verloren und ich konnte immer noch sein heißes Blut auf meinen Händen spüren. Immer noch seine Lippen an meinen. Merlin, ich wollte fühlen…
Ich wusste, dass es höchstwahrscheinlich ein Fehler war, Gefühle für Draco Malfoy zu haben, aber ich konnte nichts dagegen tun. Er war mir so nah.
„Komm her, Granger.“
Mein Atem verfing sich beim Klang seiner Stimme. Nach einer verschleiernden Ruhe, die gefühlsmäßig Stunden gedauert hat, überraschte mich der Klang seiner Stimme, tief und unterschwellig fordernd, so sehr, dass ich mein Gesicht hob.
Er hatte sich nicht von seinem Sitzplatz auf der Polsterbank bewegt, aber seine rechte Hand war ausgestreckt.
„Komm her, Granger“, sagte er wieder, diesmal nachdrücklicher.
Ich blinzelte ihn an und entfaltete meine Beine, so dass meine nackten Zehen den Boden berührten. Er winkte mit den Fingern in einer lockenden Geste und wie eine Marionette stand ich auf und trat vor ihn.
Er lächelte nicht, grinste nicht, nur sein Silberauge deutete etwas an. Mit einem Ziehen an meinem linken Handgelenk zog Malfoy mich nach unten und ich saß auf der Bank, mein Rücken an seiner Brust, sein rechtes Bein immer noch auf der Bank unter der Fensterbank, sein linker Fuß auf dem Boden. Ich saß zwischen seinen Beinen und konnte die Hitze seines Schoßes an meinem unteren Rücken spüren.
Ich zog wieder meine Beine an, so wie vorher am anderen Ende der Bank, und steckte meine Füße in die Wärme meines Rocks. Und als sich seine Arme um mich legten, entspannte ich mich wie unter einem Zauber; meine Wange fiel gegen seine rechte Schulter, damit ich aus dem Fenster auf die Felder blicken konnte. Ich ließ meine rechte Hand an seinen Oberschenkel fallen und legte die linke in meinen Schoß, während ich ein paar Pferde auf den Feldern spielen sah und andere nahe den Schafen grasten.
Ich zitterte als Malfoy mit der linken Hand Haare über meine linke Schulter kämmte, so dass sie schwer gegen seine Brust fielen. Ich spürte seinen Atem auf meinem Hals und schloss langsam meine Augen.
Ich fragte mich, was passierte, aber ein Teil von mir wollte nicht über die ‚Warums’ und die ‚Wies’ nachdenken. Ich war sicher, warm und zufrieden.
Malfoy hielt mich lange Zeit fest und wir blickten zusammen aus dem Fenster in den schönen Apriltag. Wir konnten das entfernte Wiehern der Pferde hören und das Gezwitscher der zurückgekehrten Zugvögel. Es war tröstlich, sicher und so weit weg von der Dunkelheit, die auf eine weitere Konfrontation oder eine Nahtoderfahrung wartete.
„Granger?“, fragte Malfoy sanft und sein Atem kitzelte die kleinen Härchen in meinem Nacken.
„Hm?“
„Danke für gestern“, flüsterte er, aber ich merkte, dass er es widerwillig sagte. Ich hatte sein Leben gerettet und ich wusste, dass er mit seinem Stolz rang, um mir zu danken.
„Ich habe nur einen Gefallen erwidert“, flüsterte ich zurück, meinte es aber ernst.
„Wenn wir uns weiterhin gegenseitig das Leben retten, dann schaffen wir es bis zu diesem hohen Alter, von dem ich sprach“, seufzte er und vergrub seine Finger in meinen Haaren.
Ich seufzte und schloss die Augen.
„Ich habe nie daran geglaubt, dass ich alt werden würde“, flüsterte ich. „Ich hatte mich lange Zeit damit abgefunden, jung zu sterben.“
„Auch noch nach dem Krieg?“
Ich summte zustimmend. „Wenn man im Zeit-Raum arbeitet, bekommt man einen sehr guten Einblick, was das Schicksal für einen vorhergesehen hat…“
Malfoy antwortete nicht, aber kraulte meine Haare, atmete tief gegen meinen Rücken. Sein Körper war sehr warm und selbst die leichte Kälte des Winds, der durch das Fenster kam, schien mir nichts auszumachen. Malfoy war merkwürdig – rau, schweigsam, aber manchmal überraschend warmherzig und zärtlich, so wie er meine Haare streichelte. Ich wusste, dass die Zärtlichkeit nicht lange anhalten würde und schließlich irgendeine beißende Bemerkung aus seinem Mund kommen würde, die die Stimmung änderte.
Vorerst jedoch nahm ich, was ich kriegen konnte. Ich merkte, dass er mir nachgab und sich der wachsenden Anziehung, die er auf mich ausübte, sehr bewusst war. Zu einer anderen Zeit wäre mein Kopf heiß gelaufen vor lauter Gedanken, dass er sich nicht zu mir hingezogen fühlte, aber im Moment war mir das egal. Ein einziges Mal war ich die Egoistische.
„Wir haben Zeit“, flüsterte Malfoy. „Vielleicht nicht viel, aber immerhin etwas.“
Ich versteifte mich. „Wie kommst du darauf?“
„Potter hat ein Heiligtum verloren, also kann er den Tod nicht bezwingen. Du hast die Zeitumkehrer, also kann er nicht in jene Nacht reisen. Und er ist verletzt, durch dein beängstigendes Feuer und durch meinen Fluch. Er wird umdenken müssen, und das braucht Zeit.“
Ich überlegte wieder, ob ich Malfoy von dem Tarnumhang erzählen sollte, sagte jedoch nichts. Aus irgendeinem Grund fand ich nicht die passenden Worte um ihm zu sagen, dass wir zwei Heiligtümer besaßen. Ich verstaute mein Zögern und die Gedanken, die meinen Entschluss begleiteten, in meinem geistigen Aktenschrank, um sie ein anderes Mal zu überdenken.
Ich vertraute Malfoy. So komisch sich das auch anfühlte, ich wusste tief in mir, dass er mich beschützen würde. Er hatte mich schon beschützt, aber er würde es auch wieder tun, nicht nur, weil ich sein ‚Auftrag’ war, sondern auch, weil ich ihm und allen anderen wichtig genug war. Zumindest wollte ich das glauben. Es würde nicht ewig anhalten, aber wieder gab ich mich damit zufrieden zu wissen, dass ich immer die Erinnerung an jenen Schutz haben würde.
„Vielleicht eine Woche oder noch mehr… genug Zeit, unsere weitere Vorgehensweise zu planen. Er ist wieder ohne Zauberstab und somit verwundbar.“
„Ohne Zauberstab?“, fragte ich und drehte meinen Kopf, so dass meine Stirn an seinem Kiefer lag.
„Shacklebolt hat die Überreste des Stechpalmen-Stabs gefunden. Dein Feuer hat ihn zerstört.“
Ich runzelte die Stirn. „Er wird einen neuen finden. Von irgendeinem Opfer. Das könnte für ihn ein Motiv sein, wieder zuzuschlagen, Malfoy.“
„Daran haben wir auch gedacht, Granger. Der Zapfenstreich ist immer noch aktiv; sein Gesicht ist auf die Titelseiten des Propheten und des Klitterers gepflastert. Die Muggel-Behörden sind schon vor Wochen alarmiert worden und die Auroren – was davon übrig ist – patrollieren ohne Unterlass.“
„Aber so war es vorher auch, und Harry hat sie alle hinters Licht geführt…“
Malfoy seufzte und die Ausdehnung seiner breiten Brust gegen meinen Rücken verlagerte meine Oberkörper.
„Ich kann nicht mehr denken, Granger…“, knurrte Malfoy, Wut deutlich in seiner Stimme, und sein Oberkörper brummte hinter mir. „Ich will nicht mehr denken, zumindest eine Zeit lang.“
Ich verstand ihn völlig, aber wieder sagte ich nichts, auch dann nicht, als Malfoys Hand aus meinen Haaren glitt und mich eng an ihn zog. Seine Handlung war das Einzige, was ich nicht wirklich verstand. Er vergrub sein Gesicht in meinen Haaren und atmete ein; nahm den Duft der Badeöle der letzten Nacht auf.
Meine Atmung beschleunigte sich bei seiner Umarmung, aber ich wusste, dass ich mich nicht von ihm lösen konnte, selbst wenn ich wollte. Stattdessen sprach ich weiter und versuchte damit, meine innere Verwirrung zu zerstreuen.
„Geht es… geht es dir besser?“
Meine Frage war ein bisschen dumm.
„Ja“, murmelte er und seine Stimme wurde durch meine Haarfülle weicher.
Er umarmte mich noch fester, meine Augen weiteten sich, als ich die Hitze spürte, die von seinem Schoß ausging, der sich gegen meinen Rücken drückte. Ich konnte Erregung spüren, Feuer, Männlichkeit, und mein Mund wurde plötzlich trocken.
Ein Blitz aus Panik blendete mich für einen Moment, verursacht durch die Erinnerung, wie Harry mich verletzte. Der Blitz ähnelte jener Nacht, in der Malfoy mich betrunken geküsst hatte, aber der Moment war kürzer und die Erinnerung drehte sich nur um Harrys grausamen Mund.
Malfoy war nicht Harry. Malfoy war mein Beschützer, der Mann, den ich mit Wärme betrachtete, der Mann, der mich auf seine eigene Art freundlich behandelte, der Mann, der meinen Verstand mit geistreichen Antworten schärfte, der Mann, der mein Gesicht, meinen Knöchel geküsst und mir Jane Eyre vorgelesen hat, als ich schlief.
Ich seufzte in seinen Armen und spürte, wie mein Körper in ihn schmolz. Ich bewegte mich und Malfoy stöhnte in meine Haare. Die leichte Bewegung meiner Hüfte hatte seine Erregung gestreift. Mein Gesicht brannte und ich wusste nicht, ob ich beschämt oder aufgeregt sein sollte. Ein Teil von mir wollte aufstehen und weglaufen, während der andere überlegte, ob ich noch einmal mit der Hüfte rollen sollte.
Der letztere Teil gewann und ich hoffte, dass mein innerer Severus nicht zusah.
Malfoy stöhnte wieder und bewegte sich, benutzte seinen linken Fuß auf dem Boden als Stütze, um sich an mir zu reiben. Ich schloss meine Augen, als mein Blut zu kochen anfing und wie eine tobende Welle aus Freude durch meinen Körper schwappte.
Meine rechte Hand klammerte sich an seinen Oberschenkel als er seine Arme bewegte, um gegen meine Haare anzukämpfen, sie zur Seite zu schieben, so dass er sein Gesicht, seine Lippen auf meinen Hals drücken konnte. Küsse, sanfte, unschuldige Küsse landeten auf meiner Kehle. Aber ich rollte wieder mit der Hüfte, eine lüsterne Andeutung, und die sanften Küsse veränderten sich.
Seine Hand packte mein Kinn und er drehte meinen Körper so, dass seine Lippen meine dominierten, und ich genoss den Geschmack seines Mundes, Kaffee, Schokolade und andere bittersüße Geschmacksrichtungen, die ich einer verzuckerten Süße vorzog. Ich summte, als seine Zunge um meine tanzte und bemerkte, wie ich nach seinem Hemd griff, ihn näherzog, und meine Hände zu seinem Hals führte, seinen Haaren, als ob ich niemals zulassen würde, dass unsere Lippen sich lösten.
Aber schließlich mussten wir Luft holen. Ich öffnete meine Augen und sah Malfoys Gesicht, die Brauen zusammengezogen, das Auge glitzernd, die Lippen geschwollen und rosa, die Haare leicht zerzaust, und seine Brust hob sich hektisch. Es war ein toller Anblick, Benzin für mein internes Feuer und alles andere war mir egal, solange ich ihn anfassen durfte.
Ich drehte mich auf der Bank um, setzte mich so hin, dass meine Zehen kaum den Boden berührten, meine linke Hüfte an seinem Schoß, mein Rücken an seinem rechten Knie. So konnte ich meinen Oberkörper drehen und meine Hände unter sein Hemd gleiten lassen, seine Haut berühren.
Ich war forsch, aber das spielte keine Rolle für mich. So oft wie er mich berührt und geküsst hatte, schien es nur fair, dass ich tun durfte, was ich wollte. Ich berührte das helle Haar auf seiner Brust, das an seinen definierten Brustmuskeln anfing und zu einem festen Bauch führte, dann verschwand. Meine Finger fuhren sein Schlüsselbein nach, sanft über den Verband, die Rippen hinunter und sein Körper zuckte zusammen. Ich schob sein Hemd nach hinten und fuhr über seine Schultern, dann wieder seinen Oberkörper hinunter.
Er beobachtete die ganze Zeit mein Gesicht, den rechten Arm auf seinem Knie, ein Finger griff nach einer Haarsträhne, die linke Hand auf seinem Oberschenkel. Ich merkte, dass ich es mochte, Malfoys Blick auf mir zu spüren und ich fragte mich, was er in meinem Gesicht sah. Ich hatte meine Unterlippe zwischen die Zähne gezogen, als ich ihn berührte, und als sich seine linke Hand zu meinem Mund hob, befreite er sie, seine Daumenspitze lief über das volle und vom Kuss geschwollene Fleisch.
Ich küsste ihn wieder, meine Hand hielt seinen Kiefer. Ich küsste ihn sehr intensiv, und diesmal summte er in meinen Mund. Seine Hände fanden meine Haare und wir ertranken aneinander.
Ich wollte ihn. Ich wollte Draco Malfoy.
Der Kuss wurde noch intensiver und blind fanden meine Hände seinen Gürtel.
„Nein…“, flüsterte er und zog sich zurück, so dass sein Kopf gegen die Wand stieß.
Der Klang seiner Stimme beängstigte mich. Es war ein Flehen, ein Flehen von Malfoy.
Sanft fanden seine Finger meine und zogen sie von dem Ledergürtel weg, ließen meine Hand unbeabsichtigt über die Beule kämmen, bevor sie auf meiner Hüfte landeten. Er stöhnte sanft und schloss sein Auge, als meine Finger ihn berührten, beherrschte sich jedoch schnell wieder, legte seinen rechten Arm wieder auf sein Knie und wickelte ein paar Locken meiner Haare um seine Knöchel.
Ich blinzelte ihn an, hob meine Finger an die Knöpfe meiner Bluse, und öffnete Knopf für Knopf den immergrünen Satin, über die Rundung meiner Brüste, als seine linke Hand meine beiden Hände packten.
„Nein, Granger.“
Ich keuchte beinahe vor Erwartung. Nein?
Malfoy lehnte sich leicht vor und knöpfte meine Bluse wieder zu, als wäre ich ein kleines Mädchen.
Ich fühlte mich auf jeden Fall wie ein kleines Mädchen. Meine Annäherungsversuche waren abgelehnt worden, aber ich wollte, ich musste einfach. Mein Bauch war heiß und kribbelte tief drinnen und ich brauchte etwas, um das behagliche Unbehagen meiner Erregung abzubauen.
Als sich der letzte Knopf an meinem Hals oben schloss, schlug ich seine Hände weg und stand auf. Ich überlegte, in meine Hausschuhe zu schlüpfen und wegzulaufen wie schon einmal, aber stattdessen schlüpfte ich ins Badezimmer. Ich wollte die Tür zuschlagen, aber ich hatte mich in Malfoys Augen sowieso schon als kindisch erwiesen.
Stattdessen blickte ich in den runden Spiegel über dem Waschbecken, meine Hände stützten mich am Becken ab. Mein Gesicht war auffallend gerötet, meine Lippen geschwollen. Ich seufzte schluchzend, als ich mich vom Waschbecken abstieß um meine Haare zu richten.
Mein Gesicht verzog sich im Spiegel.
Ich war zurückgewiesen worden.
Ich wusste, dass ich unerfahren war, aber ich war nicht ungeschickt. Ich wusste, dass ich nicht hübsch war, aber ich war nicht hässlich. Und dennoch. Warum musste es so weh tun?
„Granger.“
Er stand in der Tür, seine Hände am Rahmen, sein Körper lehnte sich leicht in das Badezimmer.
„Was?“, fragte ich verärgert und schaffte es endlich, meine Haare wieder in Ordnung zu bringen; so, wie sie waren, bevor Malfoy sie zerzaust hatte.
Malfoy seufzte und blickte zu Boden.
„Wir können nicht…“, fing er an, hielt dann jedoch inne. Ich gab mir nicht die Mühe ihn anzusehen, während meine zitternden Hände irgendwelche unsichtbaren Falten an meinem Kragen glätteten.
„Wir können das nicht tun…“, stammelte er. „Wir können nicht ‚intim’ werden, Granger.“
Meine Lider zuckten zur Antwort.
„Ich kann nicht ‚hiervon’ mein Urteilsvermögen beeinträchtigen lassen. Außerdem ist da auch noch der moralische Aspekt.“
Ich lachte grausam, als ich schließlich mit den Fingern unsichtbaren Staub von meinen Ärmeln wischte. Ich konnte ihn nicht ansehen, konnte nicht versuchen, ihm ins Gesicht zu blicken. Es lag kein Bedauern in seiner Stimme, keine Überzeugung. Seine Worte klangen flach in meinen Ohren.
„Es ist meine Pflicht, dich zu beschützen, mit dir zusammenzuarbeiten, bis wir Potter gefasst und ausgelöscht haben. Du weißt, dass ich mit einem anderen Fall betraut werde, wenn Potter eliminiert ist…“
Und jemand anderen schützen wirst, flüsterte der dunkle Teil meines Herzens.
„Ich habe unsere Vertrautheit zu weit gehen lassen…“
Bei seinen Worten hörte ich auf, unsichtbaren Schmutz von mir zu wischen und drehte mich auf dem Absatz um. Er blickte immer noch zu Boden, aber sein Gesicht zeigte Entschlossenheit.
Draco Malfoy bedauerte nichts, und selbst wenn würde er es nie jemandem zeigen. Ich ballte meine Fäuste an meinen Seiten und er hob seinen Blick.
„Dann schick mich woanders hin, Malfoy. Zu einem anderen Unterschlupf.“
Die Worte hatten meine Lippen verpasst, bevor ich sie überdenken konnte. Ich blinzelte auf seine Reitstiefel.
„Finde jemand anderen, der mich ‚beschützt’. Ich werde selbst mit Alastor Gumboil sprechen, wenn es sein muss…“
Er sprach nicht, aber an der Art, wie er den Türrahmen packte, merkte ich, dass er etwas fühlte.
„Ich kann nicht…“, flüsterte ich, aber meine Stimme war zu emotionsgeladen. „Ich kann nicht länger hier bleiben… mit dir.“
Seine Knöchel waren weiß von seinem festen Griff, aber sein Gesicht war leidenschaftslos, steinern.
„Ich habe mein Urteilsvermögen auch durch unsere Vertrautheit beeinträchtigen lassen. Ich habe mich unangebracht und informell einem Mitglied der Abteilung für Magische Strafverfolgung gegenüber benommen, und ich denke, es wäre das Beste, wenn ich einem anderen Beamten zugeordnet würde, einem, mit dem ich keine Vorgeschichte habe…“
Das Holz ächzte leise unter Malfoys Händen bevor er sich von der Tür abstieß und aus der Tür verschwand. Er schritt durch das Wohnzimmer zu der Tür, die hinunter in den Stall führte, sah mich nicht einmal an, und zog fast die Tür aus ihren Angeln, bevor er die Treppe hinunter rannte. Ich lief langsam zu den Frontfenstern, gerade rechtzeitig um Malfoy auf einem Pferd davonstürzen zu sehen; er trieb das Tier so stark an, dass ich Angst hatte, es würde ihn abwerfen.
Über die Felder und außer Sicht… Ich sank auf die Bank und starrte ihm nach, aber es kamen keine Tränen.
Die Verbrechen der Liebe sind die grausamsten… flüsterte Severus in meinem plötzlich leeren Gehirn.
„Liebe? Hier gibt es keine Liebe, Severus“, flüsterte ich zurück, meine Stimme hohl, mein kompletter Körper plötzlich kälter durch Malfoys Flucht, physisch und emotional gesehen.
Der Wind wirkte kälter, wie er durch die Fenster blies, und als wäre meine Seele von meinem Körper getrennt, bewegte ich mich automatisch, schloss die Fenster. Ich starrte auf meine Hausschuhe, wusste, dass ich nicht den Willen hatte, die Stallungen zu verlassen. Stattdessen stand ich auf, lief zum Kamin und entfachte mit dem Elderstab ein Feuer, das in der Feuerstelle brüllte. Ich wollte schlafen, irgendetwas Albernes träumen, und in einer Welt aufwachen, die einen Sinn ergab.
Ich blickte zur Couch, bewegte mich aber nicht. Dafür lief ich durch die Küche, durch den dünnen Vorhang, zum Bett in der Mitte des kleinen Schlafzimmers. Licht strömte durch die Flügeltüren, aber ich achtete nicht auf die fröhliche Helligkeit. Ich sah nur schwarz-weiß.
Ich legte mich auf das Federbett, atmete den würzigen Duft, den ich mit Malfoy verband, ein und rollte mich in der Mitte der großen Matratze zusammen. Ich schloss meine Augen und ließ mich von dem Duft in einen Traum begleiten.
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Ich konnte das Meer hören. Nicht der Klang des Meeres, den ich von Großbritannien kannte, von Wellen, die gegen Gestein schlugen, sondern ein weicher, weißer Klang, Salzwasser auf weichem, weißen Sand.
„Liebes, du siehst aus, als hättest du Kopfschmerzen“, sagte meine Mutter und ich spürte ihre vertraute Hand auf meinem linken Arm.
Ich lächelte und öffnete meine Augen, sah das Gesicht meiner Mutter, warme schokoladig braune Augen, die mich betrachteten.
„Mir geht es gut, Mum. Ich höre nur dem Meer zu…“, sagte ich leichthin.
„Ich kann es kaum hören“, erklärte mein Vater mit seiner tiefen Bassstimme.
Ich drehte mich zu ihm und lächelte ihn an, seine merkwürdig gelben Augen leuchteten vor Freude über den Tisch.
„Ich höre nur die Seevögel krächzen…“, sagte Narcissa leise rechts von mir.
„Spielen wir eine Runde ‚Was höre ich?’“, spottete Lucius belustigt von der anderen Seite des Tisches, links von meinem Vater.
„Da können wir gleich ‚Ich sehe was, was du nicht siehst’ spielen, aber das wäre unfair… Paris ist farbenblind“, lachte meine Mutter.
„Ehrlich, Helen, ich hasse es, wenn du mich Paris nennst“, grummelte mein Vater und verschränkte seine Arme vor der Brust, dicke Arme verdeckten seine lockere Tunika.
„Paris und Helen… etwas schicksalsträchtig…“, murmelte Lucius.
„War nicht Menelaus der Vater von Hermine?“, fragte Narcissa und ihre blassen Hände richteten die Schultern ihrer cremefarbenen Tunika.
„Richtig“, sagte ich und lächelte meinen Vater, der grinste, an. Er ließ seinen Arm von seinem breiten Oberkörper in seinen Schoß fallen, bedeckt von einer Männertunika, die von einem breiten schwarzen Gürtel an der Taille gehalten wurde.
„Menelaus ist kein allzu englischer Name, aber Paris klingt so… ausschweifend“, lachte mein Vater.
„Besser als Lucius, Perry, aber ich denke, meine Frau hat es am schlimmsten erwischt“, sagte Lucius mit einem ungewohnten Lächeln; seine grauen Augen wanden sich Narcissa zu, sein langes, silberblondes Haar fiel über die Schultern seiner blauen Tunika.
„Ich mag meinen Namen. Er rollt leicht von der Zunge“, sagte Narcissa und lachte – wir alle lachten leise.
Ich hörte immer noch das Meer in meinen Ohren.
Unser Tisch war gedeckt mit Gläsern voll süßem Wein, Früchten und Käse, und unser Essen begann. Licht fiel in unsere kleine Stoa, traf die rechte Seite meines Gesichts und wärmte mich. Ich nahm mir ein Stück ungesäuertes Brot und seufzte, als mein Haar in kleinen karamellfarbenen Zöpfen über meine rechte Schulter fiel.
„Hast du Draco heute Morgen schon gesehen, Narcissa?“, fragte mein Vater, ein Stück Käse vor seinem Mund.
„Kurz vor Sonnenaufgang. Er sagte, er müsse etwas zu Ende bringen und würde heute nach dem Mittagessen für unser kleines Abenteuer zu uns stoßen“, antwortete Narcissa.
„Abenteuer?“, fragte ich mit dem Wein in der Hand.
„Narcissa hat dir noch nichts gesagt, Hermine?“, fragte Lucius gespielt schockiert.
Ich schüttelte den Kopf und mehr kleine Zöpfe fielen über meine Schultern.
„Naja… Jetzt, wo der Minotaurus tot ist, können wir das Labyrinth durchqueren“, fuhr Lucius mit einem Grinsen fort.
„Oh, ich hoffe, der dumme Elf, der das Problem gelöst hat, hat den roten Faden da gelassen, damit wir uns nicht verlaufen“, seufzte meine Mutter und strich sich ihre ungebändigten dunklen Locken aus ihrem schönen Gesicht.
„So schwer kann das gar nicht sein“, sagte ich, der süße Wein lockerte meine Zunge.
„Wohin ist Draco nochmal gegangen, Narcissa?“, beharrte mein Vater, anscheinend nicht an unserem nachmittäglichen Abenteuer interessiert.
„Ich glaube, es hat etwas mit diesem Potter-Fall zu tun, aber genau weiß ich es nicht.“
Ich blinzelte bei dem Namen ‚Potter’.
„Bist du nicht mit jemandem zur Schule gegangen, der Potter hieß, Hermine?“, fragte meine Mutter.
Ich runzelte die Stirn. „Es kommt mir bekannt vor. Vielleicht waren wir im gleichen Jahrgang…“
„Es ist aber nicht dieser Potter, der all die anderen umgebracht hat, oder?“, fragte mein Vater und nahm ein Stück Melone von dem Teller, der in der Mitte des Tisches stand.
„Doch“, sagte Lucius finster und stützte seine Ellbogen auf dem Tisch ab, ein Glas in seiner Hand. „Aber anscheinend hat Draco Potter getötet, als er ihn festnehmen wollte. Mehrere Auroren sind bei dem Kampf gestorben und Draco hatte keine Chance…“
„Meine Güte…“, keuchte meine Mutter und ihre weiche hand hob sich an ihren mund.
Narcissa seufzte und legte eine Hand an Lucius’ Ellbogen. „Draco hat die Belohnungen des Ministeriums abgelehnt, und in letzter Zeit ist er irgendwie distanziert… Hermine, hat er dir irgendetwas darüber gesagt?“
„Nein. Er spricht nicht über die Arbeit. Ich habe ihn gefragt, aber er sagt, er will die Arbeit nicht mit nach Hause bringen…“
„Das verstehe ich“, stimmte mein Vater zu, seine gelben Augen besorgt auf mich gerichtet.
Es wurde still in der Stoa und ich hörte deutlich die Wellen. Meine Eltern und die Malfoys aßen weiter, aber ich hörte auf die Geräusche außerhalb des Palastes.
„Hermine.“
Ich schloss meine Augen.
„Hermine?“
Ich atmete ein, der Duft des Ozeans, des Essens, des Palastes berauschte mich.
„Hermine, du musst die Augen aufmachen!“
Ich widerstand der Stimme, die nicht zu meinen Begleitern gehörte, sondern aus den Gängen des Palastes kam. Ich kannte sie, aber irgendwie doch nicht. Es war eine tiefe Stimme; fast sinnlich, wie sie meinen Namen sagte.
„Mach deine Augen auf, verdammt!“
Der Ton der Stimme war zu fordernd um noch länger nicht zu gehorchen und ich öffnete die Augen. Meine kleine Familie sprach weiter, aber ich hörte sie nicht. Stattdessen wandte ich meinen Blick von ihren lächelnden, glücklichen Gesichtern zur Quelle der Stimme.
Im Türrahmen stand ein merkwürdiger Mann in schwarzem Umhang, Knöpfe schienen an seiner Brust zu schimmern, seinen Ärmeln, selbst an den Beinen seiner Hose. Sein Gesicht war wie ein Sturm; Hakennase, farblose Haut, dünne Lippen, schwarze Augen, strähniges, schwarzes Haar…
„Steh auf, Mädchen! Du musst gehen!“, zischte er und zeigte seine schiefen gelben Zähne.
Ich gehorchte, mein Stuhl kratzte über den Steinboden der kühlen Stoa. Ich glättete meine Tunika, die ebenso schwarz war wie die Kleidung des Mannes im Türrahmen. Ich lief barfuß um den Tisch und stellte mich direkt vor den Mann, der mich überragte.
„Wohin gehst du, Mi?“, fragte mein Vater und sah mich an, benutzte den Kosenamen, den ich als Kind hatte.
„Nur kurz rein, Papa. Ich bin gleich zurück“, sagte ich abgelenkt und bemerkte, dass niemand meiner Familie den dunklen Mann zu bemerken schien.
Dann packte der dunkle Mann mein Handgelenk, seine langen Finger legten sich um meine Haut und Knochen, und er zog mich in die kühlen Flure des Palastes. Ich starrte nur auf seine langen, fettigen Haare, während wir zu rennen schienen.
„Du wolltest nicht aufwachen, also musste ich dich holen. Ich schwöre bei Merlins Bart, Mädchen, das wird schwer werden! Es ist noch nicht die Zeit, um dich zu benutzen!“, schimpfte er ohne mich anzusehen.
Wir rannten durch die Steingänge, passierten Wandbilder und Mosaiks an den Wänden mit springenden Delfinen in einem blauen und schwarzen Glasozean. Ich hörte immer noch die Wellen, auch in der Dunkelheit der unbeleuchteten Korridore.
Wir flogen die Treppen hinunter, in das Innere des Palastes, in das Labyrinth.
„Aber…“, keuchte ich außer Atem, meine nackten Füße schmerzten und waren kalt auf den Steinen. „… Wir müssen auf Draco warten… er muss uns das Zentrum zeigen!“
Das Labyrinth war dunkel, nur ein paar Fackeln hingen an den glatten Steinwänden der Gänge. Ich versuchte, den roten Faden auf dem Boden zu finden, aber meine Augen konzentrierten sich nicht schnell genug, der dunkle Mann zog so schmerzhaft an meinem Arm – wir rannten so schnell…
„Halt die Klappe, Hermine! Komm zu dir, um Merlins Willen! Wir rennen um unser Leben!“, brüllte er und seine tiefe Stimme hallte von den Wänden, während wir uns durch das Labyrinth wanden.
„Ich verstehe nicht“, schrie ich, als sein Griff sich verstärkte.
„Dein Verstand will nicht aufwachen. Du hast diesen Traum durch deinen Kummer erzeugt, und bist so selbstfokusiert, dass du ihn zu einer Falle gemacht hast. Jetzt muss ich dich retten, damit wir beide überleben!“
Ich verstand immer noch nicht. Wer war dieser Mann? Wohin gingen wir?
Die Fackeln waren weg und wir rannten durch die Dunkelheit. Wie konnte dieser Mann sehen, wo er hinging?
Meine Füße fühlten sich an als würden sie bluten, und ich fror. Ich wollte zurück in die Stoa, wo es warm war und ich das Meer hören konnte. Meine Beine wurden zu Blei und der Mann zog mich immer stärker hinter sich her.
„Wenn du dich nicht bewegst, wirst du sterben, Hermine!“
Ich schluchzte. Ich wurde von einem Wahnsinnigen in Schwarz von meiner Familie weggeführt!
Ich stolperte plötzlich und fiel.
„Nein!“, rief er und fing mich ab, so dass wir beide auf dem Boden landeten, sein Rücken hob sich durch die Wucht noch einmal vom Boden.
Ich riss meine Arm los und stieß mich von seiner Brust ab.
„Wer bist du? Warum tust du das?“, schrie ich ihn an, schlug mit den Fäusten gegen seine Brust, obwohl ich sein Gesicht im Dunkeln nicht sehen konnte.
Der Klang sich bewegender Luft ließ mich für eine Sekunde innehalten und plötzlich schoss eine Hand über mein Gesicht; ich biss mir auf die Zunge und es klingelte in meinen Ohren. Ich fiel von dem Mann auf den kalten, harten Boden.
Und plötzlich – schockierend – war ich wach…
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