
von Nitsrek
Ich hatte geträumt.
„Hermine!” rief eine männliche Stimme und ich realisierte, dass ich kniete und Zweige sich in meine Kniescheiben bohrten. Ein Paar Hände quetschte meine Oberarme und mein Kopf nickte vor und zurück, weil diese Hände mich grob schüttelten.
„Lucius! Hör auf sie zu schütteln… siehst du ihre Augen nicht?“, schimpfte eine weibliche Stimme hinter der Silhouette des Mannes, der mich schüttelte.
Das Schütteln hörte auf und ich blinzelte.
„Mr. Malfoy?“, flüsterte ich.
„Merlin sei Dank, Miss Granger, ich dachte…“, sagte er hastig und der Druck seiner Hände ließ nach. Lucius Malfoy hob mich problemlos auf meine Füße und ich bemerkte, dass Narcissa direkt hinter ihm stand, eine Laterne in der Hand.
„Bist du verletzt, Hermine?“, fragte sie und im Lampenschein konnte ich sehen, dass ihr Gesicht mit so etwas wie Ruß beschmutzt war; Tränen hatten über ihre Wangen Spuren durch das Schwarz gezogen.
Ich blinzelte schnell, blickte Lucius an, der mich endlich losließ und einen Schritt zurück trat. Sein Gesicht war auch verschmiert, aber auch mit Blut, das von seiner linken Schläfe über die Seite seines Gesichts lief. Seine Kleidung war zerfetzt und ich roch verbrannte Haare.
„Wo bin ich?“, keuchte ich als ich merkte, dass auch ich dreckig war, aber nicht von Ruß, sondern von Schlamm.
Meine Hände waren schlammig, zwei Fingernägel im Nagelbett abgebrochen. Meine Füße waren nackt und mein Rocksaum zerrissen. In meinen Haaren hingen Schlamm und Blätter und meine Bluse war zum Teil kaputt, der linke Ärmel war halb von der Naht abgetrennt.
Bäume in meinem Rücken, und hinter den Malfoys ein scheinbar endlos ausgedehntes Feld. Als ich mich jedoch nach rechts drehte, sah ich ein oranges Leuchten am dunklen Horizont, weit weg.
Das Wiehern von Pferden erschreckte mich und ich stellte fest, dass zwei Pferde mit nur jeweils einem Strick an einem kleinen Baum in der Nähe befestigt waren.
„Miss Granger, was ist das Letzte, woran Sie sich erinnern?“
Ich öffnete meinen Mund, um Lucius zu antworten, aber es kam nichts, während meine Augen wieder zu dem orangen Leuchten am Horizont fuhren.
Ich erinnerte mich an Severus.
Ja, es war Severus gewesen, der mich durch mein Traumbild des Palastes von Knossos geschleift hatte. Und davor…
„Ich bin in den Stallungen eingeschlafen… Oh Gott, wo ist Malfoy?“
Lucius blickte zu seiner Frau und mein Herz setzte einen Schlag aus.
„Was ist passiert? Wo bin ich? Warum sind…?“, kreischte ich und meine Hände ballten sich zu Fäusten.
Narcissa schluchzte und gab ihre Laterne Lucius, glitt zu mir und umarmte mich, einen Arm um meinen Körper, den anderen um meine Schultern, so dass ihre Hand an meinem Hinterkopf ruhte. Ich erwiderte die Umarmung mit einem Arm, starrte jedoch Lucius an; mein Blick verlangte Antworten.
„Das Manor ist angegriffen worden“, sagte er simpel.
Meine Augenbrauen zogen sich zusammen, während Narcissa an mir zitterte.
„Dieses Leuchten, das Sie sehen, sind die brennenden Überreste.“
„Aber wie?“, fragte ich mit einem Flüstern.
Lucius Augen verließen meine und wanderten zu den Baumwipfeln über uns. „Potter hat irgendwie eine Gruppe gebildet, die gegen uns vorgeht. Das ist alles, was ich weiß. Wir wurden von nicht weniger als fünfzehn Zauberern und Hexen angegriffen. Ich weiß nicht, wie sie durch die Schutzzauber gekommen sind, aber das Manor hat innerhalb von Minuten gebrannt…“
Narcissa schniefte und packte meine Hände.
„Es hat im Keller angefangen. Ein Feuer, das jedem magischen Löschweg widerstanden hat. Zuerst bewegte es sich langsam, erlaubte der Gruppe den Zugang zum Manor; sie sind durch die ersten beiden Stockwerke gestreift.“
Mein Atem blieb in meinem Hals stecken.
„Als sie in die dritte Etage kamen, hatte das Feuer fast ihren Ausgang blockiert. Wir haben versucht, das Ministerium zu kontaktieren, aber die Flohnetzwerke waren zu. Wir konnten weder apparieren, noch einen Portschlüssel benutzen. Also haben wir gekämpft“, sagte Lucius grimmig und hob sein Kinn herrisch, während er erzählte.
„Wir haben die Hälfte getötet und haben die Leichen von den Elfen aus dem Manor entsorgen lassen. Wir haben ein Viertel unserer Elfen verloren, als sie versuchten, das Feuer mit ihrer Magie zu löschen…“, flüsterte Narcissa, der Kummer deutlich in ihrer Stimme.
Ich begann zu zittern, teils von der Kälte, teils von dem Gedanken, dass vielleicht… vielleicht Harry die Zeitumkehrer gefunden hat, die ich im Badezimmer meiner Gemächer versteckt hatte.
„Und Malfoy?“, fragte ich, meine Kehle trocken, meine Beine bereit, jeden Moment nachzugeben.
Lucius seufzte. „Das wissen wir nicht. Er war im Manor, hat mit uns gekämpft und versucht, das Flohnetzwerk frei zu kriegen, um eine Nachricht zu senden. Narcissa war mit ihm im zweiten Stock, als die Decke einstürzte…“
„er hat mich zur Seite gestoßen… und ich konnte nicht zu ihm…“, weinte Narcissa leise.
Meine Lippen bebten.
„Draco hat uns gesagt, dass Sie in seiner Wohnung über den Ställen wären. Als wir durch den Garten rannten, erkannten wir, dass zwei aus der Gruppe auf dem Weg zu den Ställen waren. Sie wollten sie offensichtlich gerade anzünden… Wir haben sie getötet, aber Sie – Ms.Granger waren fort. Wir nahmen unsere Pferde, aber es kamen neue Angreifer, die restlichen Überlebenden. Die Ställe waren ihnen egal, aber sie haben versucht, uns zu folgen… auf Besen, glaube ich. Wir sind in den Wald. Wir haben dort uralte Schutzzauber für die Mitglieder der Familie Malfoy. Ein natürlicher Schutz“, endete Lucius.
„Wir haben dich hier auf dem Boden kniend gefunden. Lucius konnte dich nicht wecken… und er hat dich geschlagen“, flüsterte Narcissa und warf ihrem Ehemann einen geringschätzigen Blick zu.
Ich knirschte mit den Zähnen. Also war es nicht Severus gewesen, der mich geohrfeigt hatte, aber ich konnte auf Lucius nicht wütend sein.
„Sind sie weg?“
Narcissa sah Lucius an.
„Wir glauben schon“, sagte er leise und blickte zu dem Leuchten am Horizont, ein Aufblitzen von Wut und Sorge entstellte sein Gesicht. „Aber wir überlassen nichts dem Zufall. Wir können es zwar nicht genau wissen, aber wir glauben, dass das Manor nicht ihr Hauptziel gewesen ist.“
Mein Blick fiel auf den dunklen Boden.
„Sie wollten unser Leben, Miss Granger… Ihres auch.“
Ich runzelte die Stirn. Es ging nicht um ihr Leben. Es ging um die Zeitumkehrer.
„Was machen wir jetzt?“, fragte ich und riskierte einen Blick auf Lucius, der mich aufmerksam studierte.
„Wir gehen bis Sonnenaufgang in den Wald, so tief wir können, dann reiten wir zurück."
Ich nickte langsam als Narcissa meine Hand drückte.
Bald ritt ich hinter Lucius, dessen Pferd in der Lage war, mehr als einen Reiter zu tragen. Es war ein starker weißer Araber, während Narcissa ein schmales Pferd mit scheckigem grauem Fell ritt. Ich hielt mich an Lucius fest, während wir durch den Wald flogen, die Laterne ausgelöscht, so dass nur die Sterne und ein blasser Halbmond die Wege zwischen den dicken weißen Stämmen der uralten Bäume beleuchteten.
Ich wusste nicht, wie spät es war, aber ich konnte immer noch das Orange sehen, wo Malfoy Manor brannte. Erst als wir an einem Bach tief im Wald anhielten – sicher genug, um Rast zu machen – erzählte Lucius mir, dass Malfoy Manor schon zweimal gebrannt hatte, einmal im vierzehnten Jahrhundert, einmal in seinem eigenen Leben.
„Die meisten Dinge im Haus sind vor Feuer geschützt… nur Drachenfeuer kann die Bücher, die Gemälde und einen Teil unserer Erbstücke, die in den Wänden versteckt sind, zerstören“, sagte Lucius, der auf einem Felsen am Bach saß, Narcissa neben ihm, ihr Kopf an seiner Schulter, sein Arm um sie. Sie schlief mit besorgter Miene. Ich setzte mich auf die andere Seite des kleinen Gewässers, bückte mich, um kaltes Wasser zu schöpfen, mit dem ich den Schlamm von meinem Gesicht und meinen Händen waschen konnte. Ich tauchte meine ramponierten, blutigen Füße in das Wasser, die Kälte betäubte den Schmerz, bevor ich den Walnussstab aus meinem Ärmel zog, meine Füße heilte und einen Wärmezauber sprach.
Im frühen Morgenlicht konnte ich sehen, wie Lucius’ Augenbraue sich beim Anblick des Zauebrstabs hob, aber er sagte nichts. Ich wusste, dass er mich später dazu befragen würde, aber ich war dankbar, dass ich daran gedacht hatte, nicht den Elderstab aus meinem Ärmel zu ziehen.
„Sie sagten, es war Harry… aber haben Sie ihn gesehen?“, fragte ich leise, um Narcissa nicht zu wecken.
„’Cissa hat ihn gesehen. Sie sagte, dass er nur in den Empfangssaal kam und schnell verschwand, nachdem wir mit dem Töten begonnen hatten.“
„Kannten Sie sie?“
Lucius schloss seine Augen. „Ein paar schon. Ich könnte keine Namen nennen, aber ich erkannte die Leute, die ich irgendwann einmal ausgenutzt oder finanziell zerstört hatte. Es waren die Leute, die nach dem Krieg wollten, dass ich und meine Familie den Dementoren ausgeliefert werden. Ich gebe zu, dass ich diesen Leuten großes Unrecht habe zuteil werden lassen, indem ich ihnen ihr Geld weggenommen oder sie bedroht habe, aber seitdem habe ich daran gearbeitet, meine Verbrechen wieder gutzumachen. Ich hätte nie gedacht, dass diese Leute mir gegenüber zur Waffe greifen würden…“
Ich seufzte und zog meine Füße unter die Überreste meines Rockes.
„Ich glaube, die Anderen waren Teil einer Terroristengruppe aus dem Norden… zumindest erinnerte mich eines der Gesichter an den Tagespropheten.“
Ich verengte meine Augen. Parvati hatte von ‚Terroristen’ gesprochen, aber ich verstand immer noch nicht, was da außerhalb meiner kleinen Welt vor sich ging.
Wenn Harry sich nun Anhänger suchte…
Er wurde mehr und mehr wie Voldemort.
Hoffnungslosigkeit war alles, was ich fühlte, als ich dort mit Mr. und Mrs. Malfoy saß, versteckt im Wald, bis es hell genug war, um zur Ruine ihres Zuhauses zurückzukehren. Harry hatte wahrscheinlich die Zeitumkehrer, der Tarnumhang war vermutlich ein Haufen Asche.
Und Malfoy… Malfoy… Der Malfoy, den ich geküsst hatte… Der Malfoy, den ich wollte…
Er konnte nicht tot sein, und ich konnte nicht ohne seine Unterstützung leben.
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Der Sonnenaufgang war hell, und als wir hinter den Ställen aus dem Wald auftauchten, erwies sich der Tag ebenso schön wie der Vortag. Aber nicht einmal die singenden Vögel, der wärmere Wind oder das majestätische Blau des Himmels konnte den Geruch nach Feuer und Asche aus Richtung des Manor übertönen.
Wir blieben vor den Ställen stehen und ich rutschte von Lucius’ Pferd, meine Füße sanken sanft in den Boden gleich neben zwei männlichen Leichen. Narcissa blieb auf ihrem Pferd sitzen, lockerte aber die Zügel, damit ihr Tier den Boden beschnuppern und ein Maul voll Gras nehmen konnte. Lucius sprang von seinem Araber und stellte sich neben mich, die Zügel in der Hand.
Die zwei Männer lagen nebeneinander; sie trugen – so wie es aussah – ihre normale Kleidung unter einem dicken schwarzen Umhang, aber meine Augen fielen auf einen Flicken auf der Innenseite ihrer Umhänge. Sie waren nicht besonders gut gearbeitet, nur dunkelrote Buchstaben auf einem wappenartigen weißen Schild.
MATCH… Anscheinend ein Akronym für irgendeine Organisation, da beide Männer das Zeichen trugen.
Der Mann, der näher an mir lag, war scheinbar ungefähr in meinem Alter, aber ich kannte sein Gesicht nicht. Der andere war älter, weiße Haarbüschel an den Schläfen, aber auch ihn kannte ich nicht. Es war offensichtlich, dass ein Todesfluch beide Männer niedergestreckt hatte, aber nach den Brandmalen an der Vorderseite der Ställe zu urteilen hatten sie versucht, das Gebäude zu meiner Rechten in Asche zu verwandeln.
„Nicht bekannt?“
Ich schüttelte den Kopf. „Was ist MATCH.?“
Lucius seufzte. „Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube: Magier gegen Tyrannei, Corruption und… irgendwas mit ‚H’, vielleicht ‚Hybris’ oder oder ‚Hochmut’, oder irgendwas in der Art.“
Ich runzelte die Stirn und speicherte beide Gesichter in meiner Erinnerung ab. „Eine Bürgerwehr?“
„Ja. Eine Bürgerwehr, die sich zu Terroristen entwickelt hat. Sie haben nicht nur freigesprochene Todesser und ehemals korrupte Ministeriumsbeamte angegriffen, sondern auch Unschuldige. Es gab einen Anschlag in Glasgow…“
„Ja, davon habe ich gehört. Und da steckte MATCH. dahinter?“
Lucius nickte, blickte zu Narcissa, deren Pferd frei herumlief; sie jedoch beobachtete uns aus der Ferne genau.
„Vielleicht gehen ‚Cissa’ und ich in die Wohnung über den Ställen und probieren das Flohnetzwerk dort aus…“
„Warten Sie“, sagte ich leise und hob mein Hand.
Lucius neigte seinen Kopf und studierte mich.
„Bevor Sie das Ministerium anrufen… sollten wir das Manor durchsuchen. Ich muss noch…“, fing ich an, hielt dann inne und blickte wieder auf die beiden toten Männer.
„Ich verstehe sehr gut, worauf Sie hinaus wollen, Miss Granger.“
Ich runzelte die Stirn und sah Lucius ins Gesicht. Er grinste und verwirrte mich damit.
„Es müssen ein paar Sachen erledigt werden bevor das Ministerium kommt; es gibt da ein paar Erbstücke, die verräumt werden müssen…“
Ich seufzte zu meiner eigenen Überraschung erleichtert. ich würde Lucius nicht unbedingt vertrauen, aber er war raffiniert und sehr Slytherin.
Lucius zog mich hinter sich aufs Pferd und wir ritten durch den Garten aufs Manor zu, durch den Baumgarten direkt zur Küche.
In dem kleinen Küchengarten reihten mehrere Elfen mindestens acht Leichen im Gras auf. Die Küche selbst war intakt, wobei das Manor anscheinend in der Mitte gespalten worden war; die Empfangshalle und die zentralen Räume blickten gen Himmel, und nur ein wenig Rauch stieg nach oben. Die Seitenflügel des Manor waren unberührt, als ob das Feuer sich nur um den Zentralbereich des riesigen Gebäudes gekümmert hätte.
„Das ist Aubrey Quinn…“, flüsterte Narcissa und zeigte auf einen braunhaarigen Zauberer mittleren Alters in der Mitte der Reihe. Seine Augen waren geschlossen, sein Gesicht ohne Ausdruck, aber ich wusste, dass der Todesfluch ihn getroffen hatte. „Vor vielen Jahren, in dunklen Zeiten, hat Lucius seiner Familie gedroht, sollten sie nicht einen Antrag unterstützen, den er vor Gericht durchsetzen wollte… vor zwei Jahren hat er die Familie Quinn entschädigt, indem er Aubrey zu einem Angestellten im Niedergericht besorgt hat… Aubrey war Lord Quinns einziger Sohn… und nicht allzu klug. Die Quinns gehörten zum niederen Adel und waren arm…“
Narcissa fuhr nicht fort, während wir weiterliefen. Sie erwähnte noch mehr Namen, keine, die ich kannte. Am Ende der Reihe jedoch lag eine Hexe, eine Hexe, die ich wieder erkannte.
„Cho Chang…“, flüsterte ich mit bebenden Schultern.
Ein Teil ihrer schönen schwarzen Haare war weg gebrannt und ihr rechter Arm durch das Feuer geschmolzen, aber der Schaden kam post-mortem. Sie war wohl am Todesfluch gestorben. Ich hatte Cho schon Jahre nicht mehr gesehen, nicht seit der Letzten Schlacht. Nach dem Krieg schien sie wie vom Erdboden verschwunden, aber ich hatte immer vermutet, dass sie nach Cedrics Tod und Harrys Zurückweisung verbittert war. Ich hätte niemals vermutet, dass sie sich einer terroristischen Organisation anschließen würde, aber es schockierte mich trotzdem nicht so sehr, wie ich es erwartet hätte.
„Ihre Mutter arbeitet immer noch im Ministerium… bei Merlin… Ich frage mich, ob Lin Bescheid wusste?“
Ich schüttelte meinen Kopf. Schon früher hatte ich wenig über Cho gewusst, und was die letzte Zeit betraf sogar noch weniger.
Zehn Leichen bis jetzt und ich fragte mich, ob in dem verbrannten Schutt im Manor noch mehr lagen. Narcissa und ich kehrte zu Lucius zurück, der kniete und mit dem Elfen sprach, den ich kannte: Squeak.
Lucius stand auf, drehte sich zu uns und sagte, „Im Manor liegen keine weiteren Leichen.“
Narcissa schwankte und ich fing sie, bevor sie umfiel. Lucius eilte herbei und zog seine Frau auf die Beine und ich ließ sie los, weil ich auch keine Kraft mehr hatte, sie länger zu halten.
„Draco?“, flüsterte Narcissa durch ihre Tränen.
Ich beobachtete Lucius’ Gesicht. „Die Elfen haben ihn nicht gefunden…“
Meine Lippen bebten. Hoffnung, wenn auch nur ein kleiner Funken, aber trotzdem Hoffnung.
„Miss Granger, Squeak wird sie rein begleiten. Ich komme gleich nach.“
Ich nickte und wandte meine Aufmerksamkeit dem kleinen Elf zu, der auf mich wartete. Wir sahen uns an und ich bemerkte, dass das Wesen zitterte, nicht aus Angst oder Schock, eher vor Wut. Die Wut war nicht auf mich gerichtet, sondern auf die Leichen im Gras hinter mir.
„Miss wird Squeaks Hand nehmen“, sagte der Elf schnell und das namensgebende Quietschen in seiner Stimme fehlte.
Ich nickte wieder und bückte mich, um die langen Finger der Elfenhand zu nehmen, und plötzlich – mit einem Pop – standen wir in der Empfangshalle, direkt bei der Eingangstür. Ich musste keuchen um Luft zu schnappen; das elfische Apparieren war so abrupt, dass die Luft aus meinen Lungen gewichen war. Selbst der Elf schien etwas mitgenommen und ich fragte mich, ob noch ein Schutzzauber auf dem beschädigten Manor lag. Ich ließ die Hand los und stellte mich hin, unsicher, ob mir irgendetwas bekannt vorkam.
Ein Teil des Marmorbodens fehlte; er war in die – wie ich annahm – Verliese und Keller gestürzt. Ich war nie dort gewesen, erinnerte mich aber daran, wie Harry und Ron mir vor Jahren davon erzählt hatten. Von dort unten stieg immer noch Rauch auf und der metallische Geruch verbrannten Steins beleidigte meine Nase.
Vor mir lag was von der großen Treppe noch übrig war, die Holzstufen führten nur noch in den zweiten Stock, aber der Treppenabsatz war weg gebrannt. Ich konnte nicht über die Stufen dorthin gelangen. Sonnenlicht strömte in das verwüstete Foyer, Dachbalken waren in den Riss gestürzt, Glas von den zerbrochenen Fenstern lag auf den Überresten des Marmorbodens.
Es erinnerte mich an Szenen aus dem Muggel-Fernsehen, an Tornados, die mitten durch die Häuser in Amerika tobten. Mein Vater schaute sich diese Sendungen merkwürdigerweise gerne an. Aber es war kein Tornado, der Malfoy Manor zerfetzt hatte, sondern ein verzaubertes Feuer.
Ich bewegte mich so vorsichtig wie möglich - der Elf nah bei mir – aus Angst, dass der Boden unter meinen nackten Füßen nachgeben und ich in die qualmenden Verliese fallen würde. Ich blickte meine Füße an, zog meinen Walnuss-Zauberstab und sprach einen Zauber, damit der Dreck und Müll auf dem Boden mir nicht wehtun würde.
Auf allen Seiten waren die Holzwände niedergebrannt worden und ich konnte in die zerstörten Räume sehen, bis zu Lucius’ Arbeitszimmer auf der einen Seite und dem großen Esszimmer auf der anderen. Die zweite und dritte Etage waren ähnlich, aber während ich meine Augen gegen das Sonnenlicht abschirmte, bemerkte ich, dass das Feuer nicht meine Gemächer im dritten Stock erreicht hat, und mein kleiner Funken Hoffnung wurde zu einem kleinen Feuer in meiner Brust.
Ich sprang über ein besonders großes Loch im Boden, so dass ich am unteren Ende der Treppe stand, und blickte nach oben in Richtung zerstörter dritter Stock, zu meinem Zimmer. Ich senkte meinen Blick auf die Stufen und biss in meine Lippe; meine Augen wanderten an dem verkohlten Läufer die hölzerne Treppe hinauf.
Sie hielten jedoch auf dem Absatz zwischen erster und zweiter Etage an, und bevor ich über die Stabilität der Stufen nachdenken konnte, rannte ich zu dem Absatz und fiel auf die Knie.
Der Elf stand immer noch unten an der Treppe und ich war dankbar für die Diskretion, denn vor mir lag die von Koboldmagie geschützte Kiste, auf einem intakten Stück Teppich.
Die Kiste war mit gebrannten, blutigen Handabdrücken überzogen und ich roch das versengte Fleisch auf dem Deckel. Ich schüttelte mich, aber es schien nicht, als wäre die Verschlussschnalle geöffnet worden. Mit zitternden Händen berührte ich den Behälter leicht, wartete auf einen Fluch, der vielleicht auch meine Hände verbrennen würde. Ich wusste, dass das Feuer nicht für so blutige Abdrücke verantwortlich sein konnte und dass die Zauber auf der Kiste die Übeltäter waren.
Es summte nur, als ich sie berührte und ich führte meine Finger zum Verschluss; das Blei sprang bei meiner Berührung auf. Wer auch immer die Kiste berührt hatte, hatte jetzt wohl bis auf die Knochen abgebrannte Hände. Ich konnte nicht nachvollziehen, warum das Kobold gearbeitete Blei mir erlaubte, es zu berühren oder es zu öffnen, aber es klappte. Und ich zögerte, bevor ich den Deckel hob.
Nach einem tiefen Atemzug bewegte ich mich. Die Scharniere kreischten leise, als sich der Deckel öffnete und ich blickte in die Kiste. Mein Gesicht entgleiste.
Es lag nur ein Zeitumkehrer darin, obwohl es zwei sein sollten…
Die Hoffnung war dahin.
Ein Schrei kam über meine Lippen, während ich nach dem zweiten Umkehrer suchte und nichts fand.
Beherrschen Sie sich, Miss Granger, Sie werden nur Aufmerksamkeit auf sich lenken… flüsterte Severus.
Ich folgte seinen Worten und starrte den Zeitumkehrer an. Er schien intakt, aber um sicher zu gehen, hob ich ihn aus der Schachtel. Ich blinzelte als ich bemerkte, dass unter dem Umkehrer eine verborgene Vertiefung war, in der eine silberne Scheibe mit gravierten Wellen und – merkwürdig – Delphinen lag. Die Oberfläche der Scheibe war glatt und als ich mit dem Finger darüber fuhr, brummte das Metall. Ich hatte eine Ahnung, was die Scheibe war, konnte aber nicht sicher sein, bis ich sie untersuchte. Aber auch wenn ein Zeitumkehrer weg war, würde ich wissen, wenn er benutzt würde.
„Merlin sei Dank für Wahnsinn“, flüsterte ich, legte den Umkehrer zurück in seine Schatulle und schloss sanft Deckel und Verschluss, so dass die Kiste sanft unter meinen Händen summte und das festgebrannte Blut und die Hautstücke schienen sich abzuschälen und ließen das Blei sauber zurück; die Runen bewegten sich unter meinen Fingern.
Für eine Weile saß ich da, meine Handflächen auf dem Blei. Es musste Harry irgendwie gelungen sein, die Schatulle zu öffnen und einen der Zeitumkehrer zu entnehmen. Da er nicht beide genommen hatte, glaubte ich, dass entweder das Feuer im Manor oder die Kiste selbst zu einer eiligen Entnahme gedrängt hatte. Ich grinste boshaft. Ich konnte nicht anders. Harry hatte einen genommen, aber ich würde ihm folgen können, wenn ich musste…
„Ich liebe es, eine Alleswisserin zu sein“, flüsterte ich, nahm die Kiste in die Arme und drückte sie an meine Brust.
Ich lief weiter die Stufen hoch und diesmal folgte mir der Elf. Ich erreichte die Überreste der zweiten Etage, bemerkte jedoch, dass der Absatz nicht sonderlich stabil war und dass mich ein Loch von mindestens sechs Metern von den Gängen trennte.
Die Decke und der Boden des nächsten Stockwerks blockierten nur einen Gang, und zwar dort, wo Malfoy Narcissa weggestoßen hatte, um sie zu retten.
„Squeak wird Miss Granger leicht machen!“, rief der Elf. „Master Draco könnte dort sein!“ Er zeigte mit einem klauenartigen Finger auf den Schutt.
Ich nickte und plötzlich fühlte sich mein Körper schwerelos an, nur die Schatulle in meinen Armen wog etwas, aber nicht genug, um mich fallen zu lassen.
Ich stellte mich auf Zehenspitzen und stieß mich mit dem rechten Fuß vom Boden ab, was das Holz leise ächzen ließ.
Ich schwebte, mein Körper stieg in einem flachen Bogen auf und als ich wieder absank, landeten meine Zehen auf dem dicken Teppich des Korridors, der Boden stabil. Ich drehte mich zu Squeak, der mich aufmerksam beobachtete. Ich fragte mich, warum er mir nicht gefolgt war, war jedoch mehr damit beschäftigt, den Schutt zu entfernen, der mein Weiterkommen in den unbeschadeten Teil des Manors verhinderte.
Ich zog den Elderstab ohne Angst, dass Lucius ihn sehen könnte oder dass der Elf ihn erwähnen würde. Ich erreichte den Schutt und konnte den Flur darüber sehen, wenn ich nach oben blickte.
Mit einer heftigen Bewegung sprach ich einen Zauber, der die Bretter und den verbrannten Dreck ordentlich zu beiden Seiten des Korridors aufstapeln und mir einen Weg schaffen würde. Während Holz und Teppichstücke an meinem Gesicht vorbei flogen, dachte ich bereits über Heilzauber nach, nur für den Fall.
Als jedoch alles sauber war, fand ich niemanden unter oder hinter dem Chaos. Ich blinzelte, rannte den Gang entlang und stieß Türen auf. „Malfoy!“, schrie ich, merkte aber bald, dass alle intakten Räume leer waren und es keine Spur gab, dass überhaupt jemand während dem Feuer dort gewesen war.
Ich sprach einen ‚Homenum revelio’, fand aber kein menschliches Leben.
Malfoy hatte es womöglich irgendwie geschafft, dem Manor zu entkommen. Mein Zauber entdeckte zwar kein Leben, aber es gab auch keine Leiche.
Ich kehrte zum Rand des verbrannten Korridors zurück, wo Squeak auf mich wartete.
„Er ist nicht hier“, sagte ich leise und meine Augen blickten in den Empfangsraum hinunter.
„Master Draco ist nicht hier“, wiederholte der Elf quietschig. „Auf den Ländereien…“
Ich knirschte mit den Zähnen. „Ich werde suchen… aber ich muss in mein Zimmer, Squeak…“
„Squeak versteht das“, sagte der Elf und bewegte seine Hand wieder, machte mich wieder schwerelos.
Ich atmete entschlossen ein, meine Augen waren auf mein Ziel ein Stockwerk weiter oben und über das Loch gerichtet. Ich hielt die Bleikiste fest, als ich sprang, der Schwung meines Körpers trieb mich voran, schneller als vorhin. Ich nahm meine Augen nicht von dem Platz, an dem ich landen wollte, aber als ich näher kam, merkte ich, dass ich es nicht schaffen würde.
Ich knurrte, warf die Kiste mit einem Wimmern in den Korridor, zog den Elderstab und beschleunigte damit mein Tempo.
Mit mehreren Purzelbäumen rollte ich in den dritten Stock und stoppte so anmutig wie möglich neben der Schatulle.
„Herrin?“, rief ein besorgter Elf nach mir. Ich lief zurück zum Rand des Flurs und sah Squeak mit großen Augen zu mir hinauf starren.
„Mir geht es gut. Geh zu deinem Herrn und sag ihm, dass sein Sohn nicht im Manor ist.“
Der Elf verbeugte sich und rannte die Stufen runter. Ich fragte mich, warum er uns nicht beide appariert hatte und warum das Apparieren im Haus immer mit Schmerzen verbunden war. Vielleicht hielten die Anti-Apparier-Zauber, die Lucius vorhin erwähnt hatte, selbst die Elfen davon ab, sich frei zu bewegen.
Ich schüttelte meine Gedanken ab und rannte zur Kiste, öffnete sie wieder um sicher zu gehen, dass mein Wurf keinen Schaden angerichtet hatte. Ich war zufrieden als ich sah, dass sie den Zeitumkehrer geschützt hatte und ich nicht jede Chance, Harry aufzuhalten, zerstört hatte.
Ich lief zu meinen Zimmertüren und der einzige Schaden, den ich bemerkte, bestand aus Rauch; auch hinter den Türen erkannte ich nur, dass die edlen weißen Wände schwarz gefleckt waren und Rauch an der Decke schwebte. Alles andere war vom Feuer verschont. Dennoch war der Raum anders.
Das Bett, die Matratze und die Nachttische waren zerstört. Der Schrank war umgeworfen, Kleidung lag auf dem Boden und der grüne Marmor des Badezimmers lag in Scherben. Der Raum war durchsucht worden.
Ich seufzte. Irgendwoher hatten die Leute gewusst, welchen Raum sie durchsuchen mussten. Ein nagender Verdacht formte sich in meinem Gehirn, aber ich verstaute ihn, sah mich um und betrachtete die Zerstörung.
Als meine Augen auf meinen alten Mantel fielen, schrie ich. Er war an seinem Platz wohl nicht entdeckt worden, verdeckt durch die aufgestoßene Tür. Ich fiel auf die Knie, nahm den Mantel in die Arme, stellte die Kiste ab; ich umarmte das abgetragene Leder und weinte. Erinnerte mich, griff in die bodenlose Tasche und fand…
Den Tarnumhang.
„Merlin sei Dank…“, keuchte ich. Niemand hatte ihn bemerkt; niemand wusste, dass der Tarnumhang darin war. Obwohl einer der Zeitumkehrer weg war, hatte ich ein wenig Glück.
„Miau?“
Ich erstarrte beim Ruf meines Katers, ließ den Mantel fallen und blickte umher, bis ich zwei silber leuchtende Augen unter der Matratze entdeckte, die vom Bett gezogen und aufgeschlitzt worden war.
„Oh Merlin!“, rief ich und rannte zum Versteck meines Gefährten. Ich warf die Matratze aufs Bett und fand meinen grauen Kater auf der Seite liegend, ein weiteres klägliches Miau aus seinem Maul.
Ich zog wieder den Elderstab, fuhr damit über ihn und entdeckte, dass die einzige Verletzung eine gebrochene linke Tatze war. Ich konnte mir nicht erklären, wie mein Kater sich in meinem Zimmer verstecken konnte, wo er doch die meiste Zeit in den Verliesen oder in Lucius’ Arbeitszimmer verbrachte, aber als ich die kleinen Knochen seiner Tatze heilte – wobei sein Schreien Tränen in meine Augen brachte – war nur wichtig, dass er überlebt hatte. Ich hatte ihn ganz vergessen und fühlte mich schuldig.
Als er geheilt war, nahm ich Malfoy auf den Arm, streichelte sein Fell und tröstete ihn. Er roch nach Rauch und war anscheinend zu Tode erschrocken; sein Herz raste so sehr, dass ich Angst um seine Gesundheit hatte.
„Mein armer Schatz… mein armes Baby“, flüsterte ich in sein Ohr und hielt ihn fest.
Meine Stimme schien ihn zu beruhigen und bald darauf schnurrte er und schnupperte an meinem Gesicht.
„Es tut mir so leid, mein Schatz…“, weinte ich und kraulte ihn hinter seinem Ohr. „Ich bringe dich hier raus…“
Ich stand auf, setzte Malfoy auf der Matratze ab, zog den Mantel an und verstaute die Kobold-geschützte Kiste darin. Dann suchte ich in der Tasche nach dem geschrumpften Beutel, zog ihn heraus und vergrößerte ihn. Darin verstaute ich die Kleidung, die aus dem Schrank fiel; verzauberte Blusen, Röcke, Hosen, Pullis, Socken, Unterwäsche und Schuhe, so dass sie hinein passten. Danach schrumpfte ich ihn wieder und steckte ihn zurück in die Tasche.
Zum Schluss packte ich meinen Kater und steckte ihn in eine normale Tasche, die immer noch groß genug war, um ihm Platz zu bieten. Sein Gesicht spitzte heraus und beobachtete, wie wir aus dem Zimmer auf den Gang traten. Ich fuhr mit meinen Fingern über seinen Kopf, als wir an den Rand gelangten.
Ich seufzte und sprach einen weiteren Zauber auf ein Brett, auf dem wir dann ein Stockwerk tiefer schwebten, wobei ich mich wieder mit den Zehen in Richtung Treppe abstieß. Ich fand Lucius am Treppenabsatz zur Empfangshalle wartend vor.
„Sie haben also Ihren fürchterlichen Kater gefunden“, bemerkte er und seine blassen Augen blickten auf den kleinen Kopf, der aus meiner Tasche schaute. Seine Stimme war nicht halb so barsch wie sonst und ich spürte, wie mein Gefährte an meinem Schenkel, wo die Tasche lag, schnurrte.
„Er hatte eine gebrochen Tatze, aber sonst scheint alles in Ordnung“, sagte ich leise.
Lucius nickte und sah mich an. „Draco ist überhaupt nicht im Manor, hat Squeak gesagt.“
Ich nickte zustimmend.
„Suchen Sie sich Schuhe, Miss Granger, Sie werden die Ländereien absuchen müssen. Narcissa ist unpässlich, sie ruht sich in der Küche aus. Ich werde gleich das Ministerium alarmieren…“
„Ich verstehe. Ich beeile mich.“
Lucius’ Lippen zuckten. „Tun Sie das, Miss Granger.“
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Ich hatte meinen Kater in der Küche auf Narcissas Schoß zurückgelassen, damit er sie von der Zerstörung rundherum ablenkte. Die Küche sah aus wie immer; Narcissa teilte mir mit, dass bei jedem Brand im Manor die Küche immer unversehrt überlebt hatte.
„Sie ist der älteste Teil des Hauses…“, sagte sie leise.
Ihr Gesicht zeigte ihre Erschöpfung und ihren Kummer. Ich wusste, dass sie sich immer noch genau bewusst war, was um sie herum passierte, aber sie konnte nichts tun, um zu helfen. Narcissa gab sich damit zufrieden, in der Küche zu sitzen, während ich ein Paar Schuhe anzog, das ich neben der Tür, die in den Garten führte, gefunden hatte. Ich glaubte zuerst, sie gehörten Narcissa, aber sie passten perfekt an meine wunden Füße.
Mit der leisen Ankündigung, dass ich im Garten suchen würde, verabschiedete ich mich von einer schwach lächelnden Narcissa.
„Hermine, Liebes, bitte sei vorsichtig…“, sagte sie sanft und mein Gesicht verzog sich, als ich aus der Tür trat.
Ein Teil von mir wollte bei Narcissa und meinem Haustier bleiben. Alle von uns – einschließlich Lucius – standen unter Schock; das schöne Anwesen der Malfoys war attackiert worden und einer der Zeitumkehrer war weg.
Ich wurde müde, rannte jedoch den Pflastersteinweg entlang in den Garten und zum Heckenlabyrinth. Zur Sicherheit zog ich meinen Walnussstab. Ich würde jeden Überlebenden von MATCH. töten oder festnehmen müssen, wenn ich noch welche fand.
Malfoy war nicht im Manor und das ließ mich hoffen. Ich dachte an das Zentrum des Labyrinths und den japanischen Garten, von dem Narcissa gestern noch erzählt hatte, es wäre einer seiner Lieblingsorte.
Ich hatte Krämpfe in den Beinen, während ich rannte; mein Verstand raste. Ich kannte den Weg ins Zentrum nicht, rannte aber trotzdem. Als ich circa die Häfte des Weges hinter mir gelassen hatte, stolperte ich über zwei Körper auf dem Kieselsteinweg.
Ich stoppte abrupt, rang keuchend nach Atem; vielleicht etwas zu laut, um vorsichtig zu sein.
Ein Mann lag über dem Weg, aber sein Unterkörper lag ein Stück entfernt vom Oberkörper. Ich schlug meine linke Hand über den Mund als ich sah, wie die Eingeweide die beiden Körperhälften wie blutige Schnüre miteinander verbanden. Er war in Stücke gesprengt worden.
Er trug die gleiche Kleidung wie die anderen, die ich gesehen hatte, der charakteristische Flicken auf dem Umhang. Sein Gesicht war ein Bild des Leids, sein Mund offen, die Augen groß, aber ich erkannte sein Gesicht nicht. Auch er war mittleren Alters.
Ich schluckte mein Erbrochenes runter, als ich über den Körper zur zweiten Leiche stieg, einer Frau.
Ich fiel gegen die Hecke, beugte mich vornüber und übergab mich; das Blut überwältige mich. Ich spuckte und schluchzte, das Bild ihres Gesichts – oder dem, was davon übrig war – war in meine Hornhaut gebrannt. Sie hatte wohl blondes Haar gehabt, aber nachdem der halbe Kopf fehlte, konnte ich nicht genau sagen, wer sie war, aber ihr rechtes Auge war dunkelbraun.
Als keine Gallenflüssigkeit mehr nachkam, wischte ich meinen Mund mit dem Handrücken ab und sprach einen Reinigungszauber auf mich. Dann, ohne hinzusehen, beschwor ich zwei dünne Decken, die den Großteil des Massakers verdeckten. Ich wollte diese Leute nicht noch einmal anschauen müssen. Jetzt lagen da nur noch blutbespritzte Steinchen, also rannte ich weiter.
Ich fand keine weiteren Leichen, stand schließlich jedoch im Zentrum des Labyrinths. Das Sonnenlicht schien durch eine weiße Wolke und verlieh dem Garten eine heitere, orientalische Schönheit, die nach so viel Zerstörung und Tod fehl am Platz wirkte. Im Garten konnte ich die brennenden Überreste des Manor nicht riechen und ich fragte mich, ob ich in eine Art verzaubertes Shangri-La getreten war.
Ich lief zur zentralen Gartenlaube, blieb jedoch stehen, als ich sah, wie eine kleine Windböe die gerade so erkennbaren silbernen Locken störte, die über das Geländer des schattigen Baus blitzten. Ich rannte wieder, meine leichten Schuhe rutschten auf den Steinchen, als ich zwischen den Koiteichen und die zwei Holzstufen zu dem großen Podest hoch lief.
Der Tisch und die Stühle standen dort wie am Vortag, aber in der Hängematte auf der anderen Seite des Podests lag der Mann, um den ich mir die meisten Sorgen gemacht hatte.
Die Hängematte schwang leicht im Wind und Malfoys linker Arm baumelte über den Rand, die Spitze von Severus’ Zauberstab kratzte über den Boden. Ich näherte mich langsam und sah, dass Malfoy den Stab irgendwie an seiner Hand festgezurrt hatte. Ich keuchte, als ich den Grund erkannte. Die Knochen seiner linken Hand waren zermalmt, Splitter ragten in jedem möglichen Winkel aus der Haut.
Ich lief zur anderen Seite der Hängematte und blickte auf Malfoy; seine Kleidung war versengt, blutig und zerfetzt. Blut tränkte den weißen rechten Ärmel seines Hemds und in seiner Hand lag Tom Riddles Eibenstab locker zwischen seinen ruß-schwarzen Fingern. Sein Haar war ein Chaos aus Asche, Blut und – so wie es aussah – Gehirngewebe, vermutlich von der Frau im Labyrinth. Auch sein Gesicht war blutverschmiert, aber ich konnte nicht sagen, ob es seines war oder jemand anderem gehörte. Die Augenklappe über seinem kaputten Auge schien das Einzige zu sein, was unbeschadet war.
Der Verband über seiner Brust war blutig und ich vermutete, dass die Wunde wieder offen war. Was mich jedoch am meisten beunruhigte war die Blutpfütze unter der Hängematte, die von seinem rechten Oberschenkel kam. Ein Stück gesplittertes Holz pfählte sein Bein; Eintrittswinkel von rechts, Austritt an der Innenseite. Die Blutung hatte aufgehört und die Pfütze verdickte sich bereits.
Ich musste ihn bewegen. Ich musste den Splitter entfernen und mich darum kümmern, dass das Bein richtig durchblutet wurde.
Merlin, ich wünschte ich hätte mich länger mit Kriegsmedizin befasst!
Malfoys Atmung war normal, aber er zitterte, als ich ihn aus der Hängematte zum nächsten Stuhl schweben ließ. Sein Kinn lag auf seiner Brust, seine Arme fielen taub über die Armlehnen.
Zuerst zog ich den Eibenstab aus seinen steifen Fingern und legte ihn hinter mir auf den Tisch. Dann sprach ich einen Reinigungszauber auf sein Gesicht und seine Haare, erleichtert, dass es nicht sein Blut war.
Ich beschloss, mich zuerst um den Splitter zu kümmern und kniete mich neben seine schlammigen Stiefel. Ich nahm das ramponierte Hosenbein und riss den Stoff an einer schon eingerissenen Stelle bis zu seinem Knie auf. Ich zuckte zusammen, als ich noch etwas weiter riss, damit es nicht den Splitter behinderte und ich sein Bein auch über die Wunde hinaus sehen konnte.
Ich tastete sein Bein ab, fühlte auch weiter unten nach dem Puls, der relativ stark war. Ich betrachtete den Splitter genau. Das Blut war getrocknet, als es an seiner schwach behaarten Wade entlang in seinen Stiefel gelaufen war. Anscheinend waren keine lebenswichtigen Gefäße verletzt, nur Gewebe.
Ich setzte mich auf meine Fersen. Vielleicht wäre es am besten, auf einen Heiler zu warten. Ich wusste, dass Lucius wahrscheinlich schon die Auroren im Manor begrüßte.
Ich seufzte, stand auf, trat an seinen rechten Arm und versuchte zu verstehen, warum der Ärmel so dunkle Flecken hatte. Ich brauchte ihn bei Bewusstsein. Er konnte mir sagen, woher seine Verletzungen kamen.
Ich trat um die Rückenlehne herum zu seinem linken Arm und dem Zauberstab, der an seine zerstörte linke Hand gebunden war. Ich wusste, dass ich den Schaden leicht beheben konnte. Während der Letzter Schlacht hatte ich viele Male ähnliche Verletzungen geheilt und mit einem geflüsterten Zauber beobachtete ich, wie die Knochen wieder unter die Haut wanderten und sich zusammenfügten. Die Haut verheilte und Malfoys Finger zuckten.
Ich erschrak als Malfoy tief einatmete, sein Kopf gegen den Stuhl zurückfiel und sich sein linkes Auge weit öffnete.
„Malfoy!“, keuchte ich, eilte um den Stuhl und stellte mich vor ihn.
Malfoy hustete und ich beschwor ein Glas Wasser für ihn, aber als sich sein rechter Arm nicht bewegte und weil immer noch Severus’ Zauberstab an seiner linken befestigt war, half ich ihm, in Schlucken zu trinken, wobei mich sein linkes Auge beobachtete.
Ich setzte das Glas neben dem Eibenstab ab und bückte mich, um Malfoy ins Gesicht zu schauen.
“Granger…” flüsterte er, seine Stimme selbst nach dem Wasser noch heiser.
„Es geht dir gut, Malfoy… aber ich muss es wissen…“
„Mutter! Vater!“, schrie er und versuchte, aufzustehen, fiel jedoch mit einem qualvollen Stöhnen in den Stuhl zurück.
Ich atmete ein und lehnte mich vor, legte meine Hände auf die Armlehnen und sprach.
„Es geht ihnen gut. Sie haben mich gefunden und wir haben bis zum Morgengrauen im Wald gewartet. Deine Mutter saß mit meiner Katze in der Küche und dein Vater hat mit dem Ministerium gesprochen, als ich ging.“
Malfoys Sorge ließ bei meinen Worten etwas nach, aber sein Auge war nicht konzentriert, sondern starrte in Richtung Manor.
„Die anderen…?“
„Tot oder geflohen. Ich habe zwölf Tote gezählt“, flüsterte ich.
„Acht sind geflohen.“
Zwanzig? Eine große Anzahl, nur um die Malfoys und mich zu töten, aber andererseits waren die Malfoys anscheinend wirklich schwer zu killen.
„Malfoy, ich muss wissen, wo du verletzt bist… Deine Wunde ist wieder offen und ich weiß nicht, ob ich den Splitter entfernen sollte… Deinen rechten Arm habe ich mir noch gar nicht angeschaut“, sagte ich schluchzend.
Malfoy schloss seine Augen einen Moment und hob mir seine linke Hand entgegen. „Nimm die Seile ab, Granger.“
Ich gehorchte und legte Severus’ Zauberstab neben seinem Eibenbruder ab.
„Mein Arm ist gebrochen…“, flüsterte er, da ihm die Kraft fehlte, lauter zu sprechen. „Du musst ihn richten und dann heilen…“
Ich versteifte mich, blinzelte. Ich lief zu seiner rechten Schulter und zerriss mit einer flinken Bewegung, die Malfoy grunzen ließ, seinen Ärmel, so dass der Stoff von seinem Arm glitt. Ich atmete zitternd ein als ich seinen Oberarm sah, ein Stück Knochen stieß durch die Haut und den Muskel an der Innenseite.
„Als die Decke runterkam… hat sie meinen Arm getroffen…“, erklärte er. „Und jetzt mach!“, zischte er durch zusammengebissene Zähne.
Wieder gehorchte ich.
Malfoys Schrei hallte durch meinen Körper und ich schluchzte, während ich anfing, den Arm zu heilen. Ich war überrascht, dass Malfoy nicht bewusstlos wurde, ich war selbst kurz davor.
Er spannte seine Hand an, als ich fertig war, und hob seinem Arm, zuckte dann zusammen und legte seine linke Hand auf die Brustwunde. Ich half ihm, seinen Arm zu senken. Ich riss an der Vorderseite seines Hemdes, schälte den Verband ab und zwang ihn dann, sich vorzubeugen, wobei ich sah, dass sein Rücken fast verheilt war.
„Ich habe einen Betäubungszauber gegen die Brust bekommen…“ keuchte er und packte die Stuhllehnen.
Ich nickte und half ihm, sich aufzusetzen. Wieder heilte ich ihn mit dem Elderstab bis die Wunde komplett verschlossen war, so dass die Haut verheilt war und sein Schmerz nachließ.
„Wie geht es deinem Bein, Malfoy? Ich weiß nicht, was ich tun soll…“, sagte ich auf erbärmliche Weise.
Malfoy starrte an seiner Patrizier-Nase entlang auf den Splitter, der in seinem Bein steckte. „Es sieht aus wie ein Stück der Vertäfelung im ersten Stock… Das muss passiert sein, als ich in die Verliese gestürzt bin.“
Ich starrte ihn ungläubig an, kniete mich jedoch wieder neben sein Bein. Ich erklärte ihm, dass es vermutlich kein Gefäßschaden war, ich aber keine Ahnung hatte, was ich tun sollte.
„Ich zieh den Splitter raus und du heilst. Einfach genug, Granger?“, spottete er.
Ich starrte ihn einen Moment lang mit offenem Mund an, dann verfinsterte sich mein Blick. „Du hast ziemlich viel Blut verloren, Malfoy…“
„Verdammt, Granger, ich muss zum Manor zurücklaufen können!“
„Ich kann einen Schwebezauber sprechen, Malfoy…“
Er knurrte und seine Hand packte die Schulter meines Umhangs, zog mich zu ihm. „Tu einfach, was ich sage, Granger… und dann werde ich dich in einen anderen Unterschlupf bringen lassen!“
Ich blinzelte, mein Gesicht nur Zentimeter von seinem. „Hast du es so eilig mich loszuwerden, Malfoy?“, flüsterte ich.
Er zog eine höhnische Grimasse. „Wenn du nicht hier wärst, hätte ich vielleicht noch ein Zuhause, Granger“, fauchte er und jedes Wort troff vor einer Bosheit, die ich schon seit Jahren nicht mehr gehört hatte.
Ich riss mich los und richtete mich auf. Meine Augen fühlten sich an als würden sie brennen, während ich ihn anstarrte und langsam rückwärts lief. Sein Gesicht war eine Kombination aus Schmerz wegen seiner Wunden und Wut, die im Moment auf mich gerichtet war.
„Wohin gehst du, Granger? Komm gefälligst her!“, motzte er und seine Hände umklammerten wieder den Stuhl.
Ich schüttelte den Kopf, mein schmutziges Haar fiel um mein Gesicht und meinen Kopf. „Heil dich selbst, Malfoy…“, flüsterte ich und mein Rücken stieß gegen eine der orientalisch grünen Säulen. „Ich war für dich und deine Eltern so eine Last, ich denke es wäre am besten, wenn ich jetzt gehe.“
Malfoys Gesicht erstarrte, seine Brauen zogen sich über seinem kaputten und dem funkelnden Silberauge zusammen. „Wovon zur Hölle sprichst du, Granger? Komm sofort her!“
„Nein. Ich werde jemanden für dich holen, Malfoy. Ich habe schon genug getan.“
Ich drehte mich um und lief langsam die Stufen zum Kieselsteinpfad hinunter.
„Granger!“
Ich lief um die Teiche zu dem Durchgang, den ich durchquert hatte, um in die Gärten zu gelangen.
„Ich brauche dich, Granger!“
Ich blieb stehen, als ich gerade in dem Durchgang stand, der mich zum Haus führen würde. Seine Stimme klang verzweifelt und das ließ mich innehalten.
„Granger…“
Er klang schwächer und ich drehte mich um, sah, dass er es geschafft hatte, aufzustehen und auf seinem linken Bein zum Geländer der Gartenlaube zu hinken. Seine Hände stützten sein Gewicht, während er mich anstarrte.
Ich trat ein paar Schritte auf ihn zu, blieb jedoch stehen als ich den ansteigenden Pfad zu dem Podest erreichte.
„Ich habe eine Frage an dich, Draco Malfoy“, rief ich. Er starrte mich nur an, seine Lippen bebten vor Schmerz.
„Ich antworte nur, wenn du mir helfen wirst.“
„Ich weiß. Aber du wirst zuerst die Frage beantworten.“
Er schien einen Moment nachzudenken, dann antwortete er, schwächer als zuvor. „Meinetwegen…“
Ich eilte den Weg zur Laube hinauf, packte seinen linken Arm, schob ihn in den Stuhl zurück, kniete mich vor ihn und zog den Elderstab.
„Seit wann…“, fing ich an und legte meine linke Hand um die breiteste Stelle des Splitters, „legst du bitte…“, ich bereitete mich darauf vor, zu ziehen, Malfoy war inzwischen zu schwach, um ihn selbst rauszuziehen, „… Wert auf Moral?“
Ich zog mit aller Kraft – was nicht viel war – aber der Splitter kam intakt raus und ein einfacher Zauber reinigte die Wunde und entfernte jedes fremde Objekt aus dem Loch. Malfoy hatte geschrien, als ich das Holz herauszog. Ich zuckte zusammen, als seine Hände die hölzernen Armlehnen des Stuhls brachen.
Ich ließ den Splitter zu Boden fallen und fing sofort an, die Haut auf magische Art zu vernähen und die Wunde zu schließen.
Auch ich wurde langsam müde. Ich benutzte eine große Menge meiner Magie um Malfoy zu heilen, und ich wusste, dass ich die Wunde nicht komplett schließen konnte. Das Muskelgewebe hatte sich wieder zusammengefügt, aber ich würde das Bein verbinden und bis später warten müssen, um die Haut und die Schichten darunter heilen zu können.
„Du hast meine Frage nicht beantwortet, Malfoy“, flüsterte ich und beschwor saubere Verbände aus der Spitze des Elderstabs.
Ich schwankte im Knien, während ich sanft seinen Oberschenkel verband. Meine Augenlider wurden schwerer und ich versuchte, den Druck des Verbandes gleichmäßig zu halten.
„Die Moralfrage?“, fragte er leise.
Ich nickte und zerriss den Verband, um ihn verknoten zu können, aber eine Hand legte sich auf meine und hielt meine Bewegung an. Ich hatte nicht die Energie, mein Gesicht zu heben.
„Bezieht sich die Frage auf gestern?“
Ich summte und meine Augen schlossen sich.
Ich hörte ihn seufzen und er schob meine Hand behutsam zur Seite, damit er selbst einen Knoten machen konnte; meine Stirn sank gegen sein anderes Knie und meine Arme fielen zu Boden, wo meine Handflächen auf dem Holz ruhten.
„Der moralische Aspekt ist mir egal, Granger, ebenso wie die Abteilungsvorschriften.“
„Aber… warum?“, murmelte ich.
Seine Hand legte sich auf meinen Kopf und ich hörte ihn leise kichern, anscheinend, weil meine Haare so verdreckt waren. Aber dann seufzte er und das Ächzen des Holzstuhls sagte mir, dass er sich endlich entspannte.
„Ich habe es dir schon erklärt, Granger. Ich bin kein guter Mann… und du bist eine gute Frau. Zu gut für meinen Geschmack.“
Ich sagte nichts, da Malfoys Worte kaum in meinen Kopf vordrangen. Ich glitt in einen erschöpften Schlaf, einen Schlaf ohne Träume, die mich gefangen hielten.
Ich weiß nicht, wie lange ich schlief, aber es konnten nur ein paar Minuten gewesen sein, denn Malfoy weckte mich und ich sah Kingsley Shacklebolt und – überraschenderweise – Charlie Weasley auf den Stufen des Podests stehen.
Ich streckte mich schnell, mein Nacken war sehr steif, und stand auf, während Kingsley und Charlie auf uns zutraten.
„Charlie? Was tust du hier?“, fragte ich verwundert und überprüfte unauffällig, ob meine Zauberstäbe sicher unter meinem Ärmel versteckt waren.
Charlie sah genau so aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte – rote Haare, saphirblaue Augen, rötliche Haut, breite Schultern, kräftige Arme – und er trug diese merkwürdige Drachenhaut-Kleidung, die mich an eine Körperpanzerung erinnerte und einen dunkelgrünen Umhang um die Schultern.
„Auf einen Anruf reagieren, Hermine. Bist du verletzt?“
Ich schüttelte meinen Kopf mit offenem Mund. Ich verstand nicht, was Charlie meinte mit ‚auf einen Anruf reagieren’.
Kingsley lächelte mich warm an und lief schnell zu Malfoy.
„Sie waren schon im Manor, nehme ich an?“, hörte ich Malfoy fragen, während Kingsley die Wunde an Malfoys Bein untersuchte.
„Williamson und die Anderen sind dort… Flint schaut sich die Leichen im Labyrinth an“, sagte Kingsley und nickte mit seinem kahlen Kopf, anscheinend zufrieden mit dem Zustand Malfoys fast verheilter Wunden.
Malfoy stützte sich ab, übte etwas Druck auf sein rechts Bein aus und grinste mich an, bevor er seine Zauberstäbe nahm und sie in seine Hosentaschen steckte.
„Warum bist du nicht versteckt?“, fragte ich Charlie und wandte mich dem zweitältesten Sohn der Weasleys zu.
„Versteckt? Ich bin…“
Malfoy zischte und Charlies Stimme verlor sich. Ich runzelte die Stirn und blickte Malfoy an, der wiederum Charlie anfunkelte, als wolle er ihn umbringen.
„Granger, jetzt ist nicht die richtige Zeit…“, knurrte Malfoy und ich atmete tief durch, um meine Frustration zu dämmen.
„Wir wollten nach Ihnen sehen“, sagte Kingsley abrupt, seine tiefe Stimme brach die plötzliche Anspannung. „Williamson nimmt die Aussagen Ihrer Eltern auf, Malfoy. Von Ihnen brauchen wir auch eine… und Hermine, wenn du so weit bist.“
Malfoy humpelte an mir und Charlie vorbei zu den Stufen. Kingsley folgte, dann Charlie, aber ich zögerte im Schatten der Laube. Wieder einmal war ich innerhalb von vierundzwanzig Stunden total verwirrt und hatte keine Ahnung, was um mich herum ablief.
Ich setzte mich in Bewegung kurz bevor ich die drei Männer aus den Augen verlor; mein Körper - immer noch nicht bereit, sich so schnell zu bewegen, wie ich es von ihm verlangte – protestierte mit Magenkrämpfen als ich beschleunigte. Malfoy humpelte rasch über die Kieselsteine und flüsterte mit Charlie, nach dem Ton seiner undeutlichen Stimme zu urteilen verärgert. Kingsley verlangsamte seinen Schritt und ließ sich auf meine Höhe zurückfallen.
Als wir an den Leichen vorbeikamen, die ich vorhin passiert hatte, sah ich Flint und eine Hexe mit geflochtenen blonden Haaren, die die Leichen ins Manor zurückschafften. Flint nickte mir zu und ich versuchte, nicht auf die Pfütze Erbrochenes zu gucken, die ich zwischen den zerfetzten Körpern des Mannes und der Frau zurückgelassen hatte.
Als wir endlich die Küche des Manor erreichten, wurde ich fast bewusstlos. Kingsley half mir schnell dabei, mich in die Nische zu Narcissa zu setzen, die einen Arm um meine Schultern legte und mich so nah an sich zog, dass wir uns aneinander lehnen konnten.
Die Küche war angefüllt mit Elfen und Menschen – und Narcissa und ich beobachteten alle, ihre Stimmen zu laut und zu zahlreich um zu verstehen, was los war. Lucius stand am anderen Ende der Küche und sprach mit Williamson, beide Männer warfen gelegentlich Blicke in Richtung Nische. Es gab auch andere Auroren, manche kamen aus dem verbrannten Manor, andere konnte ich durch das Fenster sehen, wie sie die Leichen untersuchten. Kurze Zeit später sah ich, dass Flint und die Polizistin die Leichen aus dem Labyrinth in den Küchengarten gebracht hatten. Zwei andere Beamte, die ich nicht kannte, brachten die Toten von den Ställen.
Malfoy saß an einem der Arbeitstische, sein Gesicht vor Wut verzogen, während er mit Alastor Gumboil und Charlie Weasley sprach. Sein Auge blickte oft zu mir; mein Kopf ruhte an Narcissas rußbedeckter Schulter.
Mein Gefährte schlief in Narcissas Schoß und auch sie selbst döste, ihre Wange auf meinem Kopf. Ich war sicher, dass wir ein komisches Bild abgaben – dreckig, ausgelaugt, wie Mutter und Tochter, aber es schien niemandem etwas auszumachen; nur manchmal sahen sie uns an, die Gesichter zeigten Mitleid und tiefe Sorge.
Während der Tag voranschritt konnte ich meine Augen zu einem traumlosen Schlaf schließen, geschützt von Narcissas Umarmung. Als jedoch die Sonne unterging, weckte Lucius uns sanft und sagte uns, dass wir das Manor verlassen würden.
„Wohin?“, fragte ich und rieb mit der Faust meine Augen; die Auroren und Polizisten liefen immer noch in der Küche umher; Pergamente, Karten und Flaschen voller Butterbier besetzten die Küchentheken und die Tische.
„Shacklebolt wird Narcissa in den abgelegenen Unterschlupf jenseits der Felder bringen. Dort ist es geschützt, verborgen im Tal; Ich werde später nachkommen. Sie, Miss Granger… Charlie Weasley wird Sie zurück in Dracos Quartier bringen…“
Ich runzelte die Stirn, als Lucius sich zu Narcissa kniete. Als würde er merken, dass ich etwas verwirrt und immer noch leicht desorientiert von meinem Nickerchen war, fuhr Lucius fort.
„Draco hat mir gesagt, dass Sie in einen anderen Unterschlupf umziehen wollen… dem wird er nicht zustimmen. Er wird mit Ihnen zusammen in der Wohnung leben und mehrere Schutzzauber werden gesprochen. Er wird es Ihnen später erklären… Komm, Liebes“, flüsterte Lucius Narcissa zu und streichelte ihre Wange mit sanfter Hand. „Es ist Jahre her, dass wir in diesem Unterschlupf waren. Leak bereitet schon alles vor…“
Narcissa atmete ein und löste ihren Arm mit einem letzten Drücken von mir, dann stand sie auf, ihre linke Hand in der ihres Ehemannes. Mein Haustier folgte ihr.
„Wo ist Draco?“, fragte sie sanft. „Wird er sich nicht um Hermine kümmern?“
„Das macht Charlie Weasley, meine Liebe“, schnurrte Lucius und sein Gesicht wurde beim Anblick seiner Frau weicher. Dann wandte er sich wieder mir zu. „Vielen Dank, dass Sie sich um Draco gekümmert haben, Miss Granger…“
Ich nickte, während Lucius eine schläfrige Narcissa durch die Küchentür hinaus in den Garten führte. Mein Gefährte folgte ihr und sie bückte sich, um den Kater auf den Arm zu nehmen. Es störte mich nicht, dass er Narcissa beschäftigte; ich war selbst zu zerstreut, um wach zu bleiben.
Narcissa lächelte mich an und ihre Lippen formten ein ‚Danke’. Ich konnte von meinem Platz aus sehen, wie beide Malfoys in den warmen, von der Sonne angestrahlten Garten traten und dort Kingsley trafen, der Narcissa seinen Arm anbot und sie durch die Hecke außer Sicht führte. Lucius kehrte nicht in die Küche zurück, sondern begann mit Flint ein Gespräch über die Leichen.
„Hermine?“, fragte eine vertraute Stimme, ich blickte von dem Tisch in der Nische auf und fand Charlie Weasley vor mir. „Du siehst aus, als könntest du etwas Ruhe gebrauchen.“
Sein Gesicht zeigte ein Lächeln, das ich irgendwie tröstlich fand.
„So kann man das auch sagen…“, flüsterte ich.
„Ich soll dich zu den Stallungen bringen… Du musst mir den Weg zeigen“, lachte Charlie, als ich mich aus der Nische erhob.
„Mache ich, aber du musst mir sagen, warum du hier bist, Charlie.“
Charlies Lächeln schwankte, als ich seinen Arm nahm und in Richtung Küchentür trat, fort von den Geräuschen der anderen im Raum Anwesenden.
„Ich denke, das lässt sich machen, Hermine.“
Ein letztes Mal blickte ich auf die Reihe der Toten und auf Lucius, der mir zunickte, während Charlie mich den gepflasterten Weg entlang führte. Als wir die Hecke hinter uns gelassen hatten und schon einen großen Teil des Gartens durchquert hatten, sprach er.
„Du kennst Interpol in der Muggel-Welt?“, fragte Charlie langsam.
„Ja.“
„Die Organisation, der ich angehöre, ist ähnlich. Meine Abteilung heißt treffenderweise die ‚Drachenreiter’ und seit dem Krieg… nun, sogar noch davor, waren wir internationalen Terroristengruppen auf der Spur. Ein Paar der Organisationen außerhalb Britanniens hatten eine direkte Verbindung zu Voldemort, andere folgten seinem Beispiel, wieder andere bildeten eine Opposition… als Bürgerwehr.“
Wir traten in den zweiten Garten, die Blumen leuchteten unter dem roten Himmel des Spätnachmittages.
„Wie MATCH.“
„Genau.“
Ich leckte meine Lippen. „Darum bist du hier.“
Charlie nickte, sein rotes Haar hatte fast die gleiche Farbe wie das Blut in diesem Licht. Sein Gesicht war gefasst, ernst und schwer.
„Du hast dich nicht mit deiner Familie versteckt, weil du arbeiten musst?“
Charlie nickte wieder. „Ron wäre auch hier, an jedem Tatort, wenn Harry ihn nicht als Ziel auserkoren und George getötet hätte…“
Charlies Stimme war belegt, als er Harrys und Georges Namen aussprach und ich erkannte, dass nicht nur Trauer in Charlie steckte, sondern auch ein wütender Rachewunsch. Charlie war ein sehr starker Mann, nicht nur, weil er den Körperbau dazu hatte oder mit Drachen arbeitete, sondern vor allem weil er seine Emotionen unter Kontrolle hatte. Ich hatte mit ihm nie viel zu tun gehabt, da er viel unterwegs war, und wenn er doch in Großbritannien war, belagerten ihn schon andere Leute. Aber ich mochte Charlie, ich vertraute ihm, und als wir durch den Baumgarten liefen war ich dankbar für seine Anwesenheit.
„Wie läuft es mit dir und Malfoy?“
Ich verlangsamte meinen Schritt und zog meine Hand von seinem Arm. Charlie drehte sich um, seine Saphiraugen fragend.
„Ich möchte jetzt nicht über Malfoy sprechen, Charlie… Ich will erst etwas wissen.“
Charlie atmete durch die Nase ein und senkte den Blick zu Boden.
„Ich glaube, ich weiß bereits, was du fragen wirst, Hermine…“
Ich grinste. „Harry und MATCH?“
„Ja…“
Charlie steckte seine Hände in die Taschen seiner Drachenhauthose, die wahrscheinlich mehr kostete als mein Jahresverdienst ausmachte.
„Denk nach, Hermine. Ist es so schwer zu glauben, dass Leute sich Harry anschließen würden?“
„Aber er hat unschuldige Menschen getötet, Charlie. Er ist verrückt…“
„Nicht jeder denkt so, Kleine. Die Menschen auf der ganzen Welt sehen ihn immer noch als den Jungen, der überlebte… der Junge, der Voldemort besiegte. Selbst hier im Inland gibt es Menschen, die ihn blind lieben, weil er ihre Vorstellung des ‚Bösen’ vernichtet hat. Fanatiker, Extremisten und so viele andere haben Harry schon seit seiner Zeit auf Hogwarts benutzt… und jetzt, wo die Dinge derart instabil sind, wo das Ministerium eine neue Richtung einschlägt und die Alte Korruption eliminiert wird, tun und glauben die Leute Dinge, die sie vorher nicht getan oder geglaubt hätten… Harry war schon immer ein kluger Kerl. Auch wenn er wahnsinnig ist, weiß er, wie er Leute manipulieren muss, um sein gewünschtes Ziel zu erreichen. Diesmal hatte er Hilfe von innen, von jemandem, der die Malfoys gut kennt, und das macht uns am meisten Sorgen. Williamson und Malfoy haben mich bei allem, was Harry betrifft, auf dem Laufenden gehalten. Und wenn man sich die Reihenfolge der Ereignisse anschaut, brauchte er einfach Unterstützung und da war M.A.T.C.H. genau das Richtige.“
Ich seufzte und steckte meine Hände in die Taschen, meine linke Hand berührte den Tarnumhang.
„Narcissa kannte ein paar von ihnen und ich habe Cho Chang wieder erkannt, aber wer waren die anderen?“
Charlie trat neben mich und nahm meinen Arm, zog die Hand aus meiner Tasche und legte sie um seinen warmen Ellbogen.
„Schwedische, bulgarische, rumänische und russische Hexen und Zauberer… alle mit einer starken Verbindung zu Großbritannien. Alle mit gutem Grund, die Malfoys zu hassen. Das hat Harry wohl als Ansporn genutzt.“
Ich nickte. Ich konnte Charlie nicht sagen, dass ich der Grund für den Angriff auf das Manor war.
Wir erreichten die Mauer und in der Ferne schimmerten die Fenster der Dienstbotenquartiere in warmem Licht.
„Ich frage nochmal, Hermine. Wie läuft es mit dir und Malfoy?“, fragte Charlie, als wir den Trampelpfad entlang liefen.
„Ich weiß nicht“, sagte ich ehrlich und blickte auf die Stelle im Feld, wo Malfoy mich mit meinem verstauchten Knöchel aufgegabelt hatte.
„Er ist kein schlechter Kerl, Hermine. Und ich weiß, dass das nach allem, was zwischen den Malfoys und meiner Familie vorgefallen ist, komisch klingt, aber Malfoy ist kein schlechter Kerl“, sagte Charlie leise und ich sah sein Gesicht von der Seite an.
„Was soll das heißen, Charlie Weasley?“, fragte ich mit einem fröhlichen Lachen.
Charlie grinste. „Du verstehst mich falsch, Hermine… Ich meine nur, dass er, egal, wie sehr er auch behauptet, er wäre ‚schlecht’… es nicht ist. Er ist zäh wie Drachenhaut und er kennt ein ganzes Lexikon von Zaubersprüchen, aber tief drin ist er nicht so schrecklich. Ich habe schon ein paar Mal mit ihm getrunken… Glaub mir, er ist kein schlechter Kerl…“, kicherte Charlie.
Mein Gesicht brannte. Ich wusste, wie Malfoy war, wenn er trank.
„Das einzige Problem mit Malfoy ist, dass er komplett seiner Arbeit verschrieben ist. Ich meine, ich liebe meine Arbeit… Auch wenn ich nicht mehr mit Drachen arbeite, liebe ich sie. Ich kann reisen, treffe Menschen, sehe die Welt… aber ich komme immer wieder zurück… Ich habe ein tolles Mädchen in Cardiff… und Mum und Dad, zu ihnen kehre ich auch immer wieder zurück… Ich habe ein Leben außerhalb der ‚Drachenreiter’.“
Ich grinste. Charlie hatte ein ‚Mädchen’, das war etwas Neues. Wer auch immer sie war, sie war eine glückliche Hexe.
„Malfoys Leben ist seine Arbeit… deshalb habe ich gefragt, wie es mit ihm läuft, Hermine.“
Wir passierten die Lücke im Heckenlabyrinth, als er mich das fragte.
„Ich… Ich weiß es wirklich nicht, Charlie. Aber er hat mich nicht verletzt und mich auch schon länger nicht mehr Schlammblut genannt. Wir reden beim Kaffeetrinken, und das ist vielleicht ein gutes Zeichen?“
Charlie lachte wieder, als wir die Stallungen erreichten.
„Das ist es. Er wird dich beschützen, Hermine… Das ist sein Job, auch wenn ich denke, das mehr dahinter steckt, aber mehr werde ich dazu nicht sagen…“ Charlie verstummte, als Malfoy aus den Schatten der Ställe zu uns hinkte.
„Weasley“, sagte Malfoy mit einem Nicken.
„Malfoy. Ich soll dir ausrichten, dass später zwei Zauberer kommen, um die Schutzwälle zu errichten…“
„Kein Bedarf, Weasley. Ich muss nur nach deinem Aufbruch die Zauber aktivieren. Das kannst du Gumboil dann sagen…“, sagte Malfoy grimmig und sein linkes Auge wanderte von meiner Hand, die um Charlies Arm lag, zu meinem Gesicht.
Charlie seufzte und entließ langsam meine Hand. „Okay, Malfoy, aber rechne lieber damit, dass der alte Al damit nicht allzu glücklich sein wird.“
„Wann ist er das schon?“, fragte Malfoy mit einem schiefen Grinsen.
Charlie lachte und klopfte mit einer Hand auf meine Schulter, wobei er mich fast umwarf. „Halte eine Auge auf sie“, sagte Charlie zu Malfoy.
„Ich hab nur noch eins, aber wenn du das sagst, Weasley…“
Charlie verabschiedete sich mit einer schnellen Umarmung, die bei den Weasleys einfach zum Abschied gehörte, und joggte dann über das Feld zum Weg. Ich sah ihm nach, bis das Licht schwächer wurde, glücklich, ihn wiedergesehen zu haben, und zufrieden, dass er ehrlich gewesen war.
„Du brauchst dringend ein Bad, Granger, ich kann dich von hier aus riechen“, spottete Malfoy und ich drehte mich auf dem Absatz um, starrte ihn an.
Malfoy hatte wohl gebadet und sich umgezogen, trug nun ein verwaschenes, blaues T-shirt und ein Paar zerlumpter Jeans mit Löchern an den Knien und um die Taschen herum. In seiner Potasche steckte Severus’ Zauberstab und an seinem rechten Unterarm Tom Riddles. Er trug das wohl älteste paar Stiefel, das ich je gesehen hatte, der obere Teil löste sich schon von der Sohle. Er trug immer noch die Augenklappe und seine Haare waren zerzaust und feucht, als käme er gerade erst aus dem Bad und hätte sich angezogen.
Malfoy sah wie ein Junge aus – ein attraktiver, einäugiger Junge in Muggel-Kleidung, während ich aussah wie ein mittelalterliches Flittchen, das vor kurzem durch einen Schweinestall gekrochen war.
Ich seufzte bei Malfoys Worten und lief an ihm vorbei zu den Ställen. „Dann werde ich das Problem erst einmal lösen!“, rief ich und stapfte die Stufen zur Wohnung nach oben. Ich seufzte, als ich eintrat, streifte meine Schuhe ab und entdeckte meine Hausschuhe genau dort, wo ich sie unter der Bank hatte liegen lassen. Ich zog den Mantel aus, hielt jedoch den Kragen fest, während ich zu den Vorderfenstern lief und Malfoy beobachtete, wie er mit Severus’ Stab in der Hand umher lief. Ich nahm an, er aktivierte die Schutzzauber.
Ich trat ins Badezimmer, ließ den Mantel an der Tür fallen und löste meine Zauberstäbe aus ihren Halftern, legte sie ans Waschbecken. Ohne großen Aufwand zog ich meine Kleidung aus; wissend, dass ich sie entweder selbst waschen und nähen oder sie wegwerfen musste. Ich entschied mich für letzteres, wollte aber zuerst baden.
Endlich, nach gefühlten Jahren, sank ich in das Wasser in der kleinen Wanne, Zitrus und Salbei verdrängten den Geruch nach Schlamm, Kotze, Blut und Tod. Ich musste die Wanne zweimal neu befüllen, bevor meine Haare sauber waren und plötzlich wünschte ich mir meine kurzen Haare zurück.
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