
von Nitsrek
Ich erschrak, als die Tür aufflog, und setzte mich in der Wanne auf, wobei ich feststellte, dass der Wärmezauber, den ich aufs Wasser gelegt hatte, bereits nachließ. Als der Vorhang um die Wanne zurückgerissen wurde, sah ich Malfoy aus großen Augen an.
Er starrte zurück, das linke Auge ebenfalls aufgerissen, während es meine Beine entlang bis zu meinem Gesicht hinauf glitt.
„Scheiße!“, nuschelte er und drehte sich abrupt um.
Ich konnte nur unnatürlich schnell blinzeln und dann langsam meine Hand heben, um meine Brüste zu bedecken.
„Wa…?“, war alles, was ich hervorbrachte.
„Scheiße, Granger, ich dachte, du wärst ausgerutscht und hättest dir den Kopf angeschlagen… Du hast nicht geantwortet, als ich geklopft und nach dir gerufen habe!“
Malfoy lief zum Waschbecken, zog ein großes Badetuch vom Regal und lief rückwärts, wobei das Badetuch hinter seinem Rücken an seiner Hand baumelte. Ich erhob mich und nahm das Handtuch, wickelte es mir schnell um und stieg aus der Wanne.
„Ich bin eingeschlafen! Raus hier, Malfoy!“, kreischte ich, als ich endlich beschlossen hatte, aufgebracht zu sein.
Malfoy humpelte aus dem Badezimmer ohne mich noch einmal anzusehen und warf die Tür hinter sich zu. Am Türgriff konnte ich sehen, dass er sie zuvor eingetreten hatte.
Als ich schließlich eine Muggel-Jogginghose und ein altes Chudley Cannons-T-shirt angezogen hatte und meine irreparabel verdreckte Kleidung verschwinden ließ, verließ ich das Badezimmer, hängte meinen Mantel an die Tür und fand Malfoy auf der Couch vor, sein rechts Bein ausgestreckt. Er lehnte an einer Armlehne und aß â€“ so wie es aussah - eine Schüssel Kartoffelsuppe.
„In der Küche ist noch etwas“, murmelte er, als er den hungrigen Ausdruck auf meinem Gesicht bemerkte.
Kurz darauf saß ich am anderen Ende des Sofas und aß wie jemand, der vollkommen ausgehungert war. Ich holte mir zweimal Nachschlag aus dem Topf, der auf dem Herd stand. Ich war so hungrig, da ich am Vorabend kein Abendessen und heute weder Frühstück, noch Mittagessen bekommen hatte. Schließlich stellte ich meinen leeren Teller in die Spüle, dann drehte ich mich zu Malfoy, der ins Feuer starrte.
Er hatte mich nicht angesehen oder etwas gesagt als ich aß, und ich fragte mich, ob vielleicht der Schock des vergangenen Tages auf seinem Verstand lag.
„Wie geht es deinem Bein?“, fragte ich und brach damit das Schweigen. Ich lief langsam zurück ins Wohnzimmer und blickte durch die Fenster in die Dunkelheit dahinter.
„Es ist wund.“
Ich setzte mich auf das Sofa und drehte mich leicht, um auf Malfoys nackten Fuß zu blicken, der nahe meinem Oberschenkel lag. Sein Fuß hatte Brandblasen, aber ansonsten sah er aus wie ein gewöhnlicher Männerfuß â€“ groß und blass, wie der Rest von ihm.
„Ich könnte noch einmal versuchen, ihn zu heilen.“
„Nicht nötig, morgen wird es schon besser sein…“, murmelte er, das Auge immer noch aufs Feuer gerichtet.
Ich seufzte. Ich wusste, dass ich ihm von dem fehlenden Zeitumkehrer würde erzählen müssen, aber ich war immer noch so erschöpft, mein Gehirn so langsam. Severus’ Stimme hatte ich nicht mehr gehört, seit ich die Bleischatulle gefunden hatte und ich fragte mich, ob das daran lag, dass mein Körper und mein Geist so müde waren.
Wir saßen lautlos zusammen, beide mit Blick auf das Feuer, als wäre es die einzige Unterhaltung im Raum. Ich spürte, wie meine Augen wieder schwer wurden, und als sie sich schlossen, fiel mein Kopf gegen die Rückenlehne und mein Körper sackte etwas zusammen.
Ich erwachte plötzlich, als Malfoy mich berührte und ich hob meine Hand, verpasste ihm fast eine Ohrfeige. Ich blinzelte und lachte müde. Irgendwie ließ ich ihn in meiner Müdigkeit meinen Körper bewegen, so dass er meinen Platz einnahm, sein verletztes Bein und sein Fuß auf dem Boden. Er hatte Kissen beschworen, eines davon lag hinter seinem Rücken, eines unter meinem Kopf, während er meinen Oberkörper hielt und ich auf der Couch lag. Mein Kopf lag auf dem weichen Kissen, das über seinem Hüftbecken lag. Er rief die hellgrüne Decke vom Sessel auf und breitete sie über mir aus. Die anderen Kerzen waren erloschen und nur das Feuer vor dem Sofa beleuchtete das Wohnzimmer.
Ich blickte nach oben, sah dabei nur Malfoys Nase, während er mit mir auf der Couch halb saß, halb lag. Ich wusste, dass er wach war und immer noch ins Feuer starrte, aber es beschäftigte mich nicht weiter, also schlief ich ein; Malfoys linker Arm lag um meine Taille, Severus’ Zauberstab fest in seiner rechten Hand auf der Armlehne.
Malfoy passte auf mich auf, während ich einschlief, aufwachte und wieder einschlief, spürte ich Malfoys Auge auf meinem Gesicht und lächelte in meinem traumlosen Schlaf.
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Ich erwachte zum Klang von Stimmen. Ich lag immer noch auf dem Sofa, aber Malfoy war weg. Tageslicht strömte durch die Frontfenster, die offen waren und eine kühle Brise hereinließen. Ich richtete mich langsam auf, mein Mund trocken.
Ich lief zu den Fenstern und sah, dass Malfoy eine hitzige Diskussion mit seinem Vater, der auf einem Pferd saß, und Williamson und Kingsley, die im Hof standen, führte.
„… Imperius! Wo ist Wiscombe jetzt?“
Ich blinzelte und setzte mich sachte auf die Bank.
„Er ist im St. Mungo, Draco… und er wird kaum überleben“, sagte Lucius schwer, seine Augen wanderten zu mir und schnell wieder zu Malfoy.
„Warum nicht Flint oder Williamson?“
Ich konnte nur Malfoys Hinterkopf sehen und dass er immer noch seine Muggel-Kleidung trug, die alten Stiefel an den Füßen.
„Ich bin sicher, dass auch ich in der Auswahl stand, ebenso wie Flint. Aber Flint und ich waren im Hauptquartier im Ministerium gewesen, Wiscombe unterwegs. Sie dachten wahrscheinlich, dass er leichter zu kriegen ist“, seufzte Williamson. Ich konnte gerade so sein Gesicht erkennen, und es wirkte blass, krank.
„Wiscombe wird auch nicht groß beachtet. Er ist unverheiratet, lebt allein, niemand würde ihn vermissen, wenn er mal längere Zeit verschwindet“, fuhr Kingsley fort; die Morgensonnen glitzerte in dem goldenen Ring an seinem Ohr.
„Welche anderen Heiler stehen noch zur Verfügung?“, fragte Lucius.
„Heilerin Patil…“, fing Williamson an.
„Auf keinen Fall“, knurrte Malfoy. „Ich habe sie um Grangers Willen mit einbezogen und das reicht. Wenn wir auch noch Patil verlieren…“
„Draco hat Recht, Gentlemen“, sagte Lucius seufzend. „Patil ist zu wichtig. Aber wir müssen jemanden finden…“
Williamson nickte und ich bemerkte, dass Kingsley mich anlächelte. Ich erwiderte sein Lächeln unbekümmert und trat vom Fenster zurück.
Ich nahm an, dass Harry und M.A.T.C.H. Wiscombe benutzt hatten, um in das Malfoy-Anwesen einzudringen und an den Schutzzaubern vorbeizukommen. Aber woher sie von Wiscombe wussten, beschäftigte mich. Hatte Ernie Macmillan Harry den Namen verraten?
Ich zog einen sauberen schwarzen Rock mit einem schwarzem, ausgeschnittenem Oberteil mit langen, engen Ärmeln an. Meine Haare band ich zu einem Pferdeschwanz und zum ersten Mal nach einer gefühlten Ewigkeit putzte ich meine Zähne. Ich wusch meinen Mund aus, blickte wieder in den Spiegel und entdeckte ein paar Kratzer an der rechten Schläfe, aber nichts Aufsehenerregendes.
Als ich in die Küche trat, um ein Glas Wasser zu trinken, stapfte Malfoy gerade die Treppe hoch und schloss die Tür, während er seine schlammigen Stiefel abtrat. Er ließ sich auf die Couch fallen, nahm das Kissen, das ich zurückgelassen hatte und legte sein rechtes Bein hoch. Er wirkte blasser mit dem blauen Rand um sein linkes Auge und dem verborgenen rechten Auge. Ich vermutete, dass er die letzte Nacht kaum geschlafen hatte.
„Ich werde dein Bein heilen, Malfoy…“, bot ich wieder an.
Malfoy schnaubte verärgert. „Versuchs. Mir egal, so lange der Schmerz danach weg ist…“
Ich seufzte und stellte das leere Glas in die Spüle, neben die schmutzigen Teller des Vorabends. Ich dachte beiläufig, dass ich später abwaschen sollte.
Malfoy versuchte, das Hosenbein hochzuziehen und stöhnte, als er bemerkte, dass er es nicht hoch genug bekam, um problemlos den Verband wechseln zu können.
„Verdammt nochmal…“, murmelte er, als ich näher kam; er stand auf und legte eine Hand an seinen Reißverschluss.
Ich blinzelte und zog den Elderstab aus meinem Ärmel.
„Granger, guck weg…“, murmelte er und deutete mit der Hand an, dass ich mich umdrehen sollte. Meine Augenbrauen zogen sich zusammen, aber ich gehorchte.
Als der Jeansstoff hörbar auf den Boden glitt, errötete ich und aus dem Augenwinkel sah ich, dass er die Decke genommen hatte. Er setzte sich wieder.
„Also los, Granger“, maulte er und ich atmete ein, bevor ich mich umdrehte.
Malfoy lümmelte auf dem Sofa, so dass sein Oberschenkel weit genug vom Rand der Lederpolsterung entfernt war und ich problemlos zu der bandagierten Wunde gelangen konnte. Auf seinen blassen Wangen lagen Farbtupfer und sein Auge schien auf eine hohe Stelle an der Wand hinter mir fixiert zu sein.
Die Decke lag über seinem Schoß. Ich hätte nicht gedacht, dass Malfoy gerne – wie Ron es einmal genannt hatte – ‚unten ohne’ ging. Andererseits hatte ich über Malfoy vor Minervas Beerdigung nie viel nachgedacht.
Seine Beine waren von goldenen Härchen bedeckt, so hell, dass ich nicht einmal bemerkte, wie dicht behaart sie waren, bis ich vor ihm kniete. Ich setzte mich so, dass meine Beine links und rechts von seinem rechten Fuß waren; meine Augen wanderten seinen linken Innenschenkel entlang zu dem Schatten, den die Decke warf und der meine Sicht auf das darunter Liegende behinderte.
Langsam wickelte ich den Verband ab und entdeckte nur ein bisschen Blut. Die Wunde war nicht entzündet und als ich sie untersuchte, kitzelte mein Atem Malfoy anscheinend, denn er zuckte leicht zusammen.
„Die Wunde sieht gut aus… kaum geschwollen… die Farbe der Haut sieht auch gesund aus“, sagte ich leise.
Malfoy nickte, sagte aber nichts, sondern schluckte nur. Ich grinste, wobei ich errötete, als ich eine leichte Wölbung unter der Decke bemerkte. Malfoy fälschte ein Räuspern und ließ seine rechte Hand in den Schoß fallen, um sie zu verdecken. Ich rollte mit den Augen.
Ich desinfizierte die Wunde mit dem Elderstab und fuhr mit der Spitze vorsichtig über die äußere Wunde; beobachtete, wie die Haut golden zu leuchten schien und sich verschloss. Malfoy seufzte und ich fragte mich, ob es wohl ein angenehmes Gefühl war.
„Keine Narbe“, bemerkte ich und widmete mich nun der inneren Wunde.
Ich legte eine Hand auf sein linkes Knie, um die Balance zu halten und Malfoy sog hörbar die Luft ein. Ich blickte ihn an und merkte, dass sein Auge auf mich gerichtet war. Ich öffnete den Mund zu einer Entschuldigung, wandte mich dann aber doch wieder der Wunde zu, wo ich meine vorherige Bewegung mit dem Zauberstab wiederholte.
Wieder seufzte Malfoy bei der Heilung der Haut, die kein Mal zurück ließ.
Ich dachte kaum nach, als ich in meiner Position seinen Duft einatmete, mein Kopf oberhalb seiner geöffneten Knie, meine Hand auf dem linken.
„So gut wie neu“, flüsterte ich und mein Atem bewegte die Haare an seinem Innenschenkel.
Malfoy stöhnte und mein Magen überschlug sich, ein gewisser Teil meiner Anatomie wurde bemerkenswert feucht.
Ich ließ langsam meine Hand von seinem Knie gleiten und setzte mich wieder auf meine Ferse, blickte von seinem mit einem T-shirt bedeckten Oberkörper in sein Gesicht.
Er starrte mich an, sein Augenlid halb geschlossen über seinem hellen Auge, was mich etwas unruhig machte. Ich räusperte mich und ließ die Verbände vom Boden verschwinden, steckte meinen Zauberstab hinterher wieder in meinen Ärmel.
„Granger?“
Seine Stimme war tiefer als sonst, und ein Teil von mir reagierte auf diese Tiefe.
„Hm?“, summte ich und betastete meinen Zauberstab durch den Ärmel.
Er bewegte seiner Hand über die Wölbung unter der Decke und ich wurde – falls möglich – sogar noch röter, da ich genau wusste, was darunter lag.
„Hast du verstanden, was ich dir gestern gesagt habe?“
Ich blinzelte unschuldig, sah ihn aber nicht an.
„Wann?“
Er seufzte. „Als ich sagte, dass ich kein guter Mann bin…“
„Das habe ich verstanden“, flüsterte ich und meine Augen wanderten zu der abgelegten Jeans neben mir.
„Und dass du eine gute Frau bist?“
Ich nickte.
Er atmete ein und neigte sich vor, so dass ich seine tiefen Atemzüge an meiner rechten Gesichtshälfte spüren konnte.
„Ich glaube, dass du nicht ganz so ‚gut’ bist, wie ich dachte“, flüsterte er, als wäre es eine Tatsache. „Eher, dass du ziemlich unanständig bist… wie auch so viele anderen deines Geschlechts… aber sehr viel klüger als die anderen Frauen.“
Ich schluckte schwer.
„Und wenn du weiter auf so unanständige Art brillant bist… dann werde ich dir wohl zeigen müssen, wie ‚unanständig’ ich sein kann…“
Ich atmete nicht, aber meine Brust hob und senkte sich wie verrückt. Ich wollte ihm zeigen, wie ‚unanständig’ ich sein konnte – mein Gesicht drehen und ihn mit aller ‚Unanständigkeit’ küssen, aber bevor ich mich bewegen konnte, stand Malfoy auf und bückte sich nach seiner Jeans. Ich beobachtete, wie er um das Sofa lief, die Decke fallen ließ und seine Hose wieder anzog. Von meinem knienden Platz vor der Couch konnte ich nur seine Hüfte sehen und den Muskel, der sich zu den kurzen silbernen Locken neigte.
Ich hatte das Bedürfnis, einen abgeschiedenen Ort zu finden und zu…
Malfoy warf die Decke über die Rückenlehne des Sofas, bevor er sein T-shirt richtete und sich in der Küche daran machte, Kaffee zu kochen.
Ich hatte ihn nicht necken wollen, als ich ihn heilte; meine einzige Absicht war es, die Wunde zu heilen. Woher sollte ich wissen, dass er keine Boxershorts oder Unterhose trug – oder irgendetwas anderes? Er war es, der mich geneckt hatte.
Meine Erregung erlosch und verwandelte sich in eine Art Selbstmitleid.
Ich wusste nicht, ob ich… Ich wusste nicht, ob ich etwas fühlen konnte… Ich wusste nicht, ob der Sex wieder angenehm sein würde, nachdem…
Ich schloss meine Augen und schob meinen Kiefer vor. Ich sollte nicht einmal darüber nachdenken, zumindest nicht, wenn es um den Mann ging, der mit seinem einen Auge in das Feuer unter dem Kaffeekessel starrte. Es ging nicht darum, ob man gut oder unanständig war. Es ging um etwas ganz anderes. Ich wollte Malfoy und er wollte mich, zumindest ein kleiner Teil von ihm. Es war offensichtlich und ich hatte es nur ein paar Momente zuvor sprichwörtlich vor Augen.
Aber aus irgendeinem Grund, der nicht so offensichtlich war, wollte er mich nicht haben. Und das war der Punkt, der den Unterschied ausmachte.
Der ausmachte, dass ich ‚unanständig’ sein wollte.
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Das Sonnenlicht war außergewöhnlich warm auf meiner schwarzen Bluse, als Malfoy und ich auf dem Balkon seines kleinen Schlafzimmers in der Dienstbotenunterkunft saßen. Zwei Korbstühle und ein kleiner Tisch passten auf den Balkon, während die Flügeltüren hinter uns offen waren und die dünnen Vorhänge im Wind wehten. Malfoy saß rechts von mir, trank Kaffee und blickte über das Feld vor uns. Er hatte gesagt, dass wir uns ernsthaft über die neuesten Ereignisse unterhalten müssten.
Ich fühlte mich immer noch unbehaglich dabei ihm zuzusehen, wie er seinen Kaffee schlürfte; als ob er mich ärgern wollen würde. Ich hielt meinen Kaffee in der Hand, in meinem Schoß. Ich wartete darauf, dass er sprach, aber wünschte mir halb, er würde es nicht tun und verschwinden. Die Spannung von vorhin, seine provokanten Worte hatten mein Ohr noch nicht verlassen.
„Okay, Granger… Erst die guten Nachrichten.“
Ich runzelte die Stirn, als er seine Kaffeetasse vor uns auf den Tisch stellte und mich aus dem Augenwinkel ansah.
„Was meinst du?“
Malfoy drehte sich in seinem Korbstuhl, um mich anzusehen, mein Gesicht zu betrachten.
„Ich weiß ja nicht, wo du die letzten beiden Tage warst, aber falls du es nicht bemerkt hast: Meine Eltern sind obdachlos, das Manor ist eine Ruine und zwölf Männer und Frauen sind im Garten meiner Mutter aufgereiht worden… tot“, knurrte er und sein Gesicht zeigte Zorn.
Ich blinzelte langsam, spielte mit der Tasse in meinen Händen.
„Ein paar gute Nachrichten würden mich sehr viel freundlicher stimmen…“
Ich zuckte mit den Lippen, bevor ich seufzte. Malfoys Stimmung sollte wirklich gehoben werden, aber ich wusste, dass ihn das, was ich ihm zu sagen hatte, wahrscheinlich nur wütend machen würde.
„Also raus damit…“
Ich biss in meine Lippe und sah ihm ins Auge. „Ich habe wenig gute Nachrichten, Malfoy.“
Er setzte sich in seinem Korbstuhl zurück, fuhr mit einer Hand über seine rechte Gesichtshälfte und kratzte mit seiner Augenklappe über seine juckende Narbe.
„Raus damit“, murmelte er.
Ich holte Luft. „Ich habe die Schatulle auf dem Absatz zwischen der ersten und der zweiten Etage gefunden. Sie war bedeckt mit Blut und verbrannter Haut, mit einem deutlichen Handabdruck…“
„Fingerabdrücke…?“
Ich schüttelte meinen Kopf. „Nein. Ich öffnete die Schatulle…“
„Beide?“
Ich schüttelte wieder den Kopf und Malfoy sprang auf. Wie schon vermutet war er wütend.
„Du hast sie nicht gut genug versteckt, Granger! Wie zur Hölle wurde sie geöffnet? Ich dachte, sie wäre Kobold-gearbeitet?“
Er ragte bedrohlich vor mir, eine Hand schmerzhaft an meiner Schulter und sein nach Kaffee duftender Atem heiß auf meinem Gesicht. Ich bewegte mich nicht, senkte nur meinen Blick auf die dampfende Tasse, in der Hoffnung, dass er mich nicht schütteln und ich die kochende Flüssigkeit in meinen Schoß kippen würde.
„Nur einer ist weg…“, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen. Malfoys Griff wurde stärker, aber sobald ich sprach, richtete er sich auf, fiel zurück in seinen Stuhl, eine Hand über dem geröteten Gesicht.
„Einer? Und warum bist du nicht in Panik, Granger?“, fragte er, seine Stimme durch seine Handfläche undeutlich.
„Weil nicht alles verloren ist, Malfoy“, antwortete ich. „Wer auch immer die Kiste geöffnet hat, hat nun eine verbrannte Hand… so stark verbrannt, dass wir denjenigen finden könnten.“
„Bei den Leichen hatte niemand eine verbrannte Hand…“
Ich grinste. Das war wohl die einzige gute Nachricht, die ich hatte.
„Derjenige muss ins St. Mungo oder zu einem privaten Heiler…“, flüsterte ich.
Malfoy war plötzlich wieder auf den Beinen, lief schnell in die Wohnung. Ich hörte das Flohnetzwerk und wie Malfoy undeutlich ins Feuer knurrte. Ich trank gemütlich meinen Kaffee, blickte über die Felder, wo die Schafe auf dem Hügel verteilt in der Sonne badeten.
Ich wusste, dass ich vielleicht hätte erwähnen sollen, dass eines der MATCH-Mitglieder eine verbrannte Hand hatte, aber ich hatte es schon fast vergessen. Ich hatte die Folgerung in meinem Hintergrund entdeckt und fragte mich kurz, ob Severus’ Einfluss mir hier geholfen hatte. Ich musste immer noch darüber nachdenken, dass ich den Stallungen in der Nacht des Anschlags entkommen war und so weit davon entfernt zu mir gekommen bin, ohne zu wissen, wie ich es geschafft hatte. Ich erinnerte mich immer noch an den Traum und Severus. Er hatte da etwas gesagt in meinem Traum…
„Du glaubst nicht, dass es Potters Handabdruck ist?“, fragte Malfoy grimmig und riss mich überraschend aus meinen Gedanken, als er sich in den gegenüberstehen Korbstuhl setzte.
„Nein, glaub ich nicht. Er wirkte kleiner, wie der Abdruck einer Frau…“ Meine Stimme verlor sich, als ich an den blutigen Abdruck auf der Kiste dachte.
„Es gibt keine Aufzeichnungen im St. Mungo über Jemanden mit einer verbrannten Hand… noch nicht…“
Ich runzelte die Stirn. „Und andere Heiler?“
„Williamson ist dran. Er ist schon wieder in London…“
Ich nickte.
„Also weiter, Granger. Erzähl mir mehr möglicherweise gute Neuigkeiten“, sagte Malfoy und lehnte sich im Stuhl zurück, damit die Sonne sein Gesicht traf.
„Wahrscheinlich durch die Schmerzen und die Eile hat derjenige, der den Zeitumkehrer genommen hat, etwas anderes zurückgelassen, was uns vielleicht helfen könnte…“
Ich stellte meinen Kaffee ab und stand auf, ging ins Wohnzimmer und holte meinen Mantel. Als ich wieder auf dem Balkon saß, durchsuchte ich die Tasche und entnahm die Kiste.
„Wo ist das Blut?“, fragte Malfoy, sein Kopf gegen den Stuhl gelehnt, so dass er mich über seine Nasenspitze hinab ansah.
„Die Zauber… Als ich die Kiste gefunden und wieder geschlossen hatte, haben die Zauber das Blut und die Haut fortgebrannt. Ich weiß nicht, warum, aber die Schutzzauber, die auf der Schatulle lagen, sind auf mich geeicht…“
Ich stellte die Kiste auf meinem Schoß ab und öffnete problemlos den Verschluss. Als ich den Deckel geöffnet hatte, drehte ich sie so, dass Malfoy hinein sehen konnte. Vorsichtig hob ich den übrigen Zeitumkehrer und nahm dann die Metallscheibe darunter. Ich hielt sie in der Handfläche, schloss den Behälter und steckte ihn zurück in meine Tasche neben den Tarnumhang. Ich wusste, dass ich Malfoy noch davon erzählen musste; es war ein Bonus.
„Das hier ist wahrscheinlich das einzig Gute an unserer Situation, Malfoy.“ Ich öffnete meine Handfläche, damit sein graues Auge die runde Scheibe mit den Gravuren sehen konnte.
Malfoy beugte sich vor und studierte sie, bewegte sie aber nicht.
„Was ist das?“
Ich grinste. „Ich bin nicht hundertprozentig sicher, aber ich habe eine Ahnung.“
Malfoy rollte mit den Augen. „Und die wäre?“
Ich schloss meine Finger um die Scheibe und legte die Faust auf mein Knie.
„Du erinnerst dich sicher noch, wie ein Proteus-Zauber funktioniert?“
Es war eine rhetorische Frage, Malfoy hatte den Zauber immerhin in der sechsten Klasse angewandt…
„Es gibt nur eine Scheibe, Granger, also warum denkst du, dass ein Stück Metall etwas Gutes ist?“, seufzte Malfoy, neigte den blassen Hals und ließ das Sonnenlicht in sein Gesicht scheinen.
Ich kaute auf meiner Unterlippe. Es hatte zwei Zeitumkehrer gegeben. Und ich wusste, dass die normalen Zeitumkehrer von meiner Abteilung kurz nach Voldemorts Fall mit einem Zauber belegt worden waren, der sofort merkte und aufzeichnete, wenn ein Umkehrer in Gebrauch war. Bei den ohnehin schon strengen Regeln für Zeitumkehrer war das nur eine logische Folge. Die Idee, wie man einen Zauber schuf, der die kleineren Zeitumkehrer orten würde, stammte von den Entwürfen der beiden, die in der Kiste und dadurch nun in meiner Manteltasche lagen.
„Wenn einer der beiden Zeitumkehrer benutzt wird, zeichnet diese Scheibe das irgendwie auf oder alarmiert den Halter des zweiten darüber, dass der Bruder benutzt wird… Ich spekuliere hier, Malfoy, aber da es zwei Umkehrer sind, könnten sie vielleicht zusammen benutzt werden. Wenn also einer geht, kann der andere fast direkt nachfolgen…“ Ich verlor mich wieder in meinen Gedanken.
Und Sie wissen, wo Potter hin will, aber wird er es an genau diesem tag benutzen und abwarten? Er würde es riskieren, erwischt zu werden, wenn er zu lange wartet, es ist gerade erst Mitte April… flüsterte Severus.
Die Scheibe würde mir irgendwie mitteilen, wenn Harry seinen Zeitumkehrer aktivierte, und wahrscheinlich auch, wo er war, als er das Stundenglas umdrehte. Ich öffnete meine Finger und das Licht spiegelte sich in der glatten Oberfläche der silbernen Scheibe.
„Wir müssen ihn entweder finden und aufhalten oder wir müssen ihm folgen und dort stoppen“, flüsterte ich.
„Ich würde ihn lieber jetzt finden, Granger“, murmelte Malfoy.
Ich stimmte ihm zu. Schon ein paar Stunden durch die Zeit zu reisen war leicht verwirrend. Fast dreizehn Jahre durch die Zeit reisen könnte weitaus schlimmer sein. Ich hatte keine Ahnung, was eine so weite Zeitreise mit einem Menschen machte, das wusste niemand. Es gab zwar Vermutungen, aber daran wollte ich im Moment nicht denken.
„Aber wir wüssten, ob er ihn in einer Stunde oder in einem Monat benutzt“, sagte ich leise und ließ die Scheibe von meiner Hand in meinen Ärmel gleiten, zwischen mein Halfter und meinen Ärmel. Wenn auf dem Metall der Scheibe ein Proteus-Zauber lag, würde sie sich erhitzen oder vibrieren.
„Also, einer der Zeitumkehrer wurde gestohlen und die Hand des Diebes ist verbrannt, vermutlich dauerhaft geschädigt. Du verdächtigst eine Frau und sie gehörte nicht zu den Toten. Wir haben einen Zeitumkehrer… und ein Stück Metall. Bitte sag mir, du hast noch mehr gute Nachrichten, Granger“, seufzte Malfoy.
Ich rollte mit den Augen; mein Blick fiel dabei auf meinen Mantel.
„Wir haben den Tarnumhang.“
Malfoy richtete sich auf und sah mich an, ein Schatten über seiner blassen Augenbraue. „Seit wann?“
Ich zögerte. „Seit dem Ministerium…“
Seine Hände legten sich um die Armlehnen des Korbstuhls, seine Knöchel wurden weiß. „Und du hast nichts gesagt, weil…?“
„Ich weiß nicht“, antwortete ich ehrlich.
Malfoy grinste, dann lachte er leise. „Zwei Heiligtümer… Ich wette, Potter ohrfeigt sich mit seiner einen Hand!“
Ich musste grinsen. Harrys Umhang war schon immer wertvoll gewesen, auch bevor wir über die Heiligtümer Bescheid wussten. Es war eine Verbindung zu seinem Vater, und mein Grinsen verblasste. Seine letzte Verbindung zu seinem Vater und den Rumtreibern, es schien fast ein Sakrileg, dass ich ihn hatte und Malfoy wusste, dass wir ihn einsetzen konnten. Beim Elderstab war das ein anderes Gefühl, er hatte schon viele Meister gehabt, aber der Umhang gehörte seit Generationen der Familie Potter.
Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass Harry ihn fast auf dem Boden des Ministeriums zurückgelassen hätte. Harry hatte nicht nachgedacht, ich schon. Machte mich das zu einer passenden Gebieterin für eines der drei Heiligtümer? Ja.
„Und jetzt sag mir bitte noch, dass du auch den Stein der Auferstehung im Ministerium gefunden hast“, lachte Malfoy.
„Das hätte ich gerne…“
Der Stein; jetzt, wo Harry einen Zeitumkehrer hatte, wozu brauchte er da den Stein? Ich hatte schon viel darüber nachgedacht, vermutet, dass er einen Zeitumkehrer nehmen würde. Jetzt konnte er durch die Zeit reisen, also wozu der Stein?
Die einzige Möglichkeit, die ich sah, war, dass Harry den Stein benutzen würde, um die Leben jener zu retten, die durch die Quantenverschiebung unbeabsichtigt sterben würden. Wenn er Voldemort tötete… Ich hatte bereits über die Änderungen nachgedacht, wer überleben würde, usw. Ich hatte auch schon realisiert, dass die, die in unserer Zeitschiene gestorben sind, in einer veränderten Zeitschiene irgendwie auf andere Art sterben würden. Harry ignorierte oder wusste höchstwahrscheinlich nicht, dass das Universum seinen Lauf selbst korrigieren würde.
Ich konnte gegen diese Gedanken nichts machen und fragte mich, was ich überhaupt tun konnte.
„Erinnerst du dich noch gut an die vierte Klasse?“, fragte ich Malfoy und nahm meinen Kaffee.
Malfoy seufzte. „Nicht wirklich. Ich erinnere mich an das Trimagische Turnier, ich erinnere mich an Diggorys Tod, an den Weihnachtsball… Das war’s auch schon.“
Ich schürzte die Lippen. „Ziemlich wenig, oder?“
Malfoy bewegte sich auf seinem Korbstuhl, legte seinen nackten rechten Fuß auf sein linkes Knie, und ließ das Material knacksen. „Ich habe nicht jeden Tag ein Tagebuch geführt, Granger. Ich hatte wichtigere Dinge zu tun – Leute ärgern, von Crouch Jr. in ein Frettchen verwandelt werden, sicherstellen, dass Pansy ihr Kleid nach dem Ball anbehält…“
Ich lachte, hörte jedoch abrupt auf und zog die Brauen zusammen.
Tagebuch… jeden Tag…
„Oh!“
Malfoy zog ein komisches Gesicht und hob seine linke Augenbraue.
„’Oh?’ Granger?“
„Mir ist gerade etwas Nützliches eingefallen, falls es am Ende schief läuft…“, murmelte ich, stellte den Kaffee zur Seite und kaute an meinem linken Daumennagel.
„Ich hoffe zwar, dass nichts ‚schief läuft’, Granger, aber was geht gerade in deinem Kopf vor?“, fragte Malfoy mit einem sanften, fast erotischen Unterton in seiner tiefen Stimme.
„Ein Tagebuch… Ich hatte eins in der vierten Klasse – mit einem äußerst genauen Lernplan, Notizen zu den Trimagischen Aufgaben und Details zu den Tagen, die Voldemorts Rückkehr vorangingen…“
Malfoy schniefte, scheinbar desinteressiert.
„Wenn… wenn wir zurückgehen müssen, könnte das Tagebuch hilfreich sein. Wir wüssten dann zumindest, wo ich war, also mein vierzehnjähriges Ich… Harry, Ron, Severus, Albus… Wen sollten wir vermeiden und wen könnten wir womöglich kontaktieren, falls der Ärger für uns zu groß wird…“
„Warte einen Moment, Granger… Als ich neulich sagte, dass du besser vom Schlimmsten ausgehen solltest, meinte ich nicht…“
„Doch, Malfoy. Ich denke nicht, dass wir Harry finden, bis er gefunden werden will und ich bezweifle, dass er das zur Zeit möchte. Die Menschen, die dein Zuhause angegriffen haben, könnten wieder zuschlagen, aber ich glaube nicht, dass sie es auf mich abgesehen haben, außer Harry befiehlt es.“
Malfoy fuhr wieder mit einer Hand über seine rechte Gesichtshälfte. „Du hast Recht, Granger, aber ich setze lieber alles daran, Potter in ‚dieser’ Zeit zu finden, als darauf zu warten, dass er den Zeitumkehrer benutzt. Wir würden es ja nicht einmal bemerken, wenn er die Zeitschiene verändert, oder? Immerhin wäre das schmerzfrei…“, grummelte Malfoy und seine Hand kratzte die Wunde an seinem Bein, die ich vorhin geheilt hatte.
„Es wird nicht schmerzfrei, Malfoy. Habe ich dir das nicht erklärt? Wenn sich die Zeitschiene verlagert… werden wir nicht mehr existieren…“
Malfoy zuckte mit den Schultern. „Klingt für mich schmerzfrei.“
Ich schloss vor Erschöpfung die Augen.
Lange Zeit sprachen wir nicht. Ich hatte Malfoy von dem Umhang und dem Zeitumkehrer erzählt. Ich hatte ihm meine Gedanken zu der Scheibe erzählt, und mein Viertklasstagebuch erwähnt, dass immer noch in dem Regal in meiner Hütte im Verbotenen Wald stand. Ich hatte ihn geheilt, mich größtenteils mit ihm vertragen und nun fiel mir nichts weiter ein.
Ich stand auf, nahm meinen Mantel mit und trat zurück in die Wohnung, wo ich mich aufs Sofa fallen ließ und den Mantel um meine Arme wickelte. Ich saß da und betrachtete das kleine Feuer für eine lange Weile, bevor ich meinen Körper in eine liegende Position auf dem abgenutzten Leder gleiten ließ, meine Wange auf einem Kissen.
Ich war unruhig, selbst nach einer so ernsthaften Diskussion über die Zeitumkehrer. Ich konnte Malfoys Haut riechen und hörte seine sündige Stimme in meinem Ohr. Im Moment wollte ich nicht ‚unanständig’ sein; ich wollte nur das Gefühl haben, dass die Welt einen Sinn ergab.
Ich musste Harry töten. Die Titanen und Severus hatten es mir gesagt…
Aber ich wollte nicht. Warum sollte ich meinen besten Freund töten wollen? Ich vermisste ihn, ‚ihn’, den ich seit Jahren kannte. Ich hatte Harry eine Zeit lang mehr als mein eigenes Leben geliebt, und nun hasste ich ihn, weil er meine Welt in einen fremden Ort verwandelte.
Wäre Harry nicht wahnsinnig, wäre ich Zuhause, in meinem Garten, und würde in den Strahlen der Frühlingssonne baden. Ich würde überlegen, was ich in meinem kleinen Garten anpflanzen sollte und die Bäume trügen bereits Knospen. Minerva wäre noch am Leben und wir würden Tee am Seeufer trinken. Hagrid und ich würden über die Ländereien spazieren, den Schülern aus dem Weg gehen. Ich würde arbeiten und wieder heim gehen, mit dem Gefühl, etwas Wichtiges geleistet zu haben. Ich würde von Ron eine Postkarte von einem exotischen Ort bekommen und nach Hogsmeade gehen, um einen Stapel Pergament und Tintenfläschchen zu kaufen… Das Leben wäre leicht und verständlich.
Ich würde nicht diese alles verzehrende Wut Harry gegenüber verspüren, oder diese Angst. Ich würde nicht diese Anziehung und wachsende Zuneigung für Malfoy verspüren müssen. Ich müsste keine Angst vor Zurückweisung haben oder dass ich innerlich doch hässlicher war als gedacht.
Ich bemerkte, dass Tränen aus meinen Augenwinkeln liefen und ich schniefte, wischte die Tränen weg.
„Du weinst, Granger?“, erklang Malfoys Stimme aus der Küche.
Ich antwortete nicht, sondern lauschte, als er wahrscheinlich Kochtöpfe aus den Schränken holte.
Mehr Tränen flossen aus meinem rechten Auge auf das Kissen unter meinem Kopf und sammelten sich aus meinem linken Auge an meinem Nasenrücken. Ich vermisste mein altes Leben und die Zurückgezogenheit, die ich in meinem Kopf hatte.
Ich fragte mich, wie lange ich noch bei Malfoy wohnen würde. Es gab nur ein Bett und ich wusste, dass er mir erlauben würde, mit ihm auf der Couch zu schlafen, aber nicht zusammen im Bett. Ich wollte mein eigenes Bett aus der Hütte. Ich wollte in der Weichheit liegen; die Fenster zu einer milden Nacht und den Geräuschen des Waldes geöffnet.
Ich schniefte wieder, legte meine linke Hand an mein Ohr. Ich wollte Malfoys Stimme nicht hören. Ich schloss die Augen und atmete durch den Mund. Meine Gefühle wirbelten in mir und ich wusste, dass ich kurz vor einer Panik stand. Solange ich langsam weiter atmete, würde alles gut werden.
Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass mein Leben sich geändert hatte und ich am Ende stärker sein würde.
Stunden später überließ Malfoy mir sein Bett und zauberte das Sofa im Wohnzimmer etwas bequemer. Wir hatten zusammen gegessen, was er gekocht hatte, aber nicht gesprochen. So sehr ich auch wissen wollte, woher Malfoy wusste, wie man kocht – sein Schweineschnitzel mit Salzkartoffeln und gedämpften Karotten war ziemlich gut zubereitet – sagte ich kein einziges Wort.
Abgesehen davon, dass er mir mitteilte, dass ich das Bett haben könnte, sagte Malfoy auch nichts und wir blieben beide in Gedanken.
Das plötzliche Aufwallen meiner Gefühle wiederholte sich nicht, als ich zwischen die teuren Baumwolllaken schlüpfte und meinen Kopf auf das Daunenkissen legte. Ich hatte ohne Malfoys Kenntnis eine Gabel in eine Kette mit Anhänger verwandelt, so dass die merkwürdige Scheibe nun zwischen meinen Brüsten hing. Ich spürte sie an meiner linken Brust, als ich im Bett lag; das Metall merkwürdig kalt, obwohl es auf der Wärme meines Herzens lag. Ich betete, dass ich nichts anderes fühlen würde als diese eisige, metallische Kälte. Aber wie bei so vielen Gebeten, die ich schon gesprochen oder gedacht hatte, wusste ich, dass mich die Scheibe schließlich mit einer Warnung verbrennen würde.
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Am siebten April wurde ich früh am Morgen von merkwürdigen Geräuschen geweckt, und im Halbschlaf zog ich den Elderstab aus meinem Halfter, das unter dem Kopfkissen lag. Ich setzte mich mit großen Augen auf, konnte in der Dunkelheit jedoch kaum was sehen.
Ein dumpfes Klingeln hatte mich geweckt und an dem grünen Licht aus dem Wohnzimmer merkte ich, dass jemand am Flohnetzwerk stand. Ich wischte mir mit dem linken Handrücken über die Augen und drehte den Kopf, wobei das Kopfteil des Bettes meinen Blick in die Küche blockierte.
Ich hörte Malfoys Stimme, verstand aber keine Worte. Er schien wütend, wurde jedoch nicht lauter, während er sprach. Als ich aufstand, konnte ich durch den dünnen Vorhang zwischen Schlafzimmer und Küche den Umriss seines Körpers gerade so erkennen. Sein Körper kniete auf dem Holzboden zwischen Sofa und Kamin. Er trug nur eine Schlafanzughose, seine platinfarbenen Haare waren zerzaust und standen in alle Richtungen.
Meine Zehen berührten den Boden, als ein weiteres grünes Leuchten im schwachen Licht des Apartments meine Aufmerksamkeit erregte. Als meine Fersen folgten, war Malfoy bereits ins Zimmer getreten, stieß den Vorhang zur Seite und lief direkt zu dem Kleiderschrank in der Ecke.
Er öffnete die Türen und zog sich an. Ich beobachtete ihn, fragte mich, ob er mich überhaupt auf dem Bettrand sitzen sah. Als er bei seiner Schlafanzughose zögerte, wusste ich, dass er sich meines Blicks bewusst war und er drehte sich langsam um.
„Ich muss gehen“, sagte er nur, wandte sich wieder dem Schrank zu und nahm eine schwarze Hose und Socken. Dann lief er ins Badezimmer. Nach ein paar Momenten kehrte er ins Schlafzimmer zurück, das Haar nass und gekämmt, die Hose samt Socken angezogen. Er trat an den Schrank und nahm ein Paar Muggel-Militärstiefel. „Du hattest Recht, Granger. Eine Frau hat die Kiste geöffnet und den Zeitumkehrer genommen.“ Er schlüpfte in die Stiefel, band sie jedoch nicht.
Wieder im Wohnzimmer sah ich, wie er seine Zauberstäbe vom Sofa nahm, zusammen mit Brust- und Armhalfter, und alles anlegte.
Endlich stand ich auf, mein Nachthemd fiel bis zu meinen Knöcheln; der Anhänger klimperte leise, als die Kette über meine Brüste rutschte. Ich hatte immer noch den Elderstab in der Hand, als ich in das dunkle Wohnzimmer trat, wo nur ein nebliges, graues Licht durch die Fenster schien.
„Wer?“, fragte ich mit vom Schlaf rauer Stimme.
Malfoy grinste, als er die Gurte des Brusthalfters festzog, in dem der Eibenstab steckte.
„Wir kennen sie. Susan Bones?“, fragte er, wobei sein Auge das bisschen Morgenlicht einfing und auf unheimliche Art glitzerte.
Ich erschrak. „Susan?“
Susan war damals in der Schule eines der freundlichsten Mädchen gewesen. Wir standen uns nie nahe, da wir in verschiedenen Häusern waren, aber sie hat bei der DA mitgemacht. Ich wusste, dass Voldemort den Großteil ihrer Familie getötet hatte und dass sie besonderes Mitgefühl für Harry hatte, aber ich hätte nicht gedacht, dass sie zu M.A.T.C.H. gehörte. Ihr Mitgefühl für Harry konnte sie doch nicht so blind gemacht haben, dass sie übersah, dass mein alter Freund geisteskrank war. Oder?
Malfoy nickte, als ich den Namen ungläubig wiederholte und nahm danach eilig seinen Ledermantel von dem Haken bei der Tür. Mit einem letzten Blick auf mich verschwand er dann runter in den Stall. Ich hastete an die Vorderfenster, konnte ihn im Nebel jedoch kaum sehen. Nach einem kurzen Moment war er weg und ich blieb zurück, grübelte über Susan Bones’ Leben nach.
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Am zehnten April, einen Monat vor dem zehnjährigen Jubiläum von Voldemorts Fall, saß ich allein in der Dienstbotenunterkunft; Malfoy war immer noch nicht zurück von – wie ich annahm – Susan Bones Überprüfung. Ich saß auf der Couch und las Malfoys Exemplar von ‚Sturmhöhe’, nachdem ich bereits ‚Jane Eyre’ und Any Rands ‚Der ewige Quell’ gelesen hatte.
Ich hatte meine Notizen, die ich immer noch in der Manteltasche hatte, noch einmal durchgelesen und jedes noch so winzige Detail, das ich für wichtig hielt, hinzugefügt. Ich hatte in der untersten Schublade von Malfoys Schreibtisch im Wohnzimmer neben dem Grammophon einen lebenslangen Vorrat an Pergament gefunden und zu den Anfängen aus Narcissas Arbeitszimmer gute zwanzig Seiten hinzugefügt.
Nach einem Tag ohne Malfoy und neuen Schlussfolgerungen hatte ich mich seinen Bücherregalen zugewandt, wo ich hauptsächlich Muggel-Romane fand, Nachschlagewerke, Gesetzestexte zum Recht im Magischen Großbritannien und Amerika, und so viele andere Bücher, dass sogar ich als Bücherliebhaberin nicht den Drang hatte, sie alle zu lesen. Ich hatte überlegt, Lucius’ Zauber auf dem ‚Gehängten’ zu durchbrechen, beschloss aber, damit noch einen Tag länger zu warten, sollte Malfoy bis dahin nicht zurück sein.
Es beunruhigte mich nicht, dass ich nichts von Malfoy gehört hatte. Ein sonderbarer Frieden hatte sich über mich gelegt, als ob ich nach zwanzig Jahren meines achtundzwanzigjährigen Lebens endlich festgestellt hätte, dass Sich-Sorgen-Machen nur zu noch mehr Sorgen führte. Ich kannte auch das Sprichwort ‚keine Nachrichten sind gute Nachrichten’ und dachte immer wieder daran, wiederholte es, bis ich endlich nicht mehr mindestens alle zwei Sekunden an Malfoy dachte.
Als jedoch das dumpfe Klingeln des Alarms das Wohnzimmer füllte, sprang ich fast aus meiner Haut. Das Flohnetzwerk aktivierte sich, während ich mit Cathy und Heathcliff auf dem Sofa lag. Ich seufzte und rutschte von der Couch zum Kamin, als mich ein grüner Blitz blendete.
„Hey, Hermine…“ erklang eine vertraute Stimme und während ich mir den Ruß und die Asche aus den Augen rieb, realisierte ich, dass Charlie Weasley mich durch das grüne Feuer ansah.
„Malfoy ist nicht hier“, sagte ich leise und versuchte ein Lächeln.
Charlie nickte. „Ich weiß. Er war vor einer Stunde noch bei mir. Er wollte, dass ich dich anrufe.“
Ich blinzelte.
„Susan Bones ist tot.“
Ich blinzelte wieder. „Wo bist du, Charlie?“
Charlie grinste. „Darf ich nicht verraten, Hermine. Aber ich kann dir sagen, dass Susan Bones an den Folgen einer Fluchverbrennung gestorben ist. Bevor sie starb, nannte sie einen möglichen Aufenthaltsort von Harry. Malfoy und ich gehen der Fährte nach.“
Ich seufzte und biss in meine Lippe. „Gehörte sie zu MATCH, Charlie?“, fragte ich und verschränkte die Arme vor der Brust, drückte den Anhänger an meine Haut.
Charlie atmete ein, sein ansonsten fröhliches Gesicht wurde ernst. „Ja. Und soweit wir inzwischen wissen, waren sie und Cho Chang die Ersten, die sich mit Harry verbündeten. Wir sind die Namen der Angreifer und anderer Beteiligter durchgegangen und haben gemerkt, dass viele Harry während dem Krieg beigestanden haben oder irgendwie Fanatiker sind…“
„Über die normale Heldenverehrung hinaus, nehme ich an?“, fragte ich düster.
„Ja. Harry ist für manche der Mitglieder von MATCH. eine Kultfigur und nun, wo Harry dies ausnutzt, werden ihre Aktionen dreister und gefährlicher. Hermine, ein Teil von MATCH. hat gestern die Bulstrodes angegriffen und fast die ganze Familie in einem Brand getötet. Es ist nicht das erste Mal, dass MATCH Familien angreift, die mit Voldemort zusammenhingen, aber nach Glasgow und den Malfoys haben die einzelnen Untergruppen Gefallen daran gefunden, alle Überbleibsel von Voldemort zu zerstören…“
„Es ist Harry, Charlie. Es ist sein Einfluss, ohne Zweifel. Wenn sie ihn als Anführer erwählt haben, ist es schwer zu sagen, was als nächstes passiert“, flüsterte ich und lehnte mich näher an das Feuer, meine Augen fixiert auf die Steine unter meinen Handflächen.
„Wir haben noch mehr Mitglieder festgenommen, aber für jeden, den wir einsperren, scheinen drei neue nachzukommen…“
Ich leckte über meine Lippen.
So war es schon einmal, Miss Granger, noch vor meiner Geburt, als der Dunkle Lord noch ein charismatischer, junger Mann war, der die Welt ‚verbessern’ wollte… flüsterte Severus.
„Hermine?“, fragte Charlie und ich hob schnell meinen Blick. „Geht es dir gut?“
„Ja, Charlie… Was hast du gesagt?“
Charlis Gesicht schien noch ernster zu werden.
„Mum ist sehr krank. Ron hat mir letzte Nacht gesagt, dass sich ihr Zustand verschlechtert hat und dass die Heiler nichts für sie tun können.“
Ich senkte wieder meinen Blick. Ron hatte erwähnt, dass es Molly seit George’s Mord schlechter ging, und anscheinend entwickelte sich ihr Kummer zu einer echten Krankheit.
„Dad weicht ihr nicht von der Seite und Ginny… Ginny hat sich vom Rest der Familie zurückgezogen, weil sie denkt, dass das alles – Harry – ihre Schuld ist.“
Ich runzelte die Stirn. „Auf keinen Fall, Charlie. Ich hoffe, dass deine Familie ihr klarmacht…“
„Tut sie, Hermine, aber du standest Ginny zu Schulzeiten nah… du weißt, wie sie manchmal ist. Ron weiß es sogar noch besser. Nach ihrem ersten Jahr…“
Ich hob eine Hand, um Charlie zu stoppen, da ich Ginnys Komplexe zur Genüge kannte. Obwohl Ginny und ich vor Jahren zum letzten Mal miteinander gesprochen hatten, gab es anscheinend ein paar negative Charakterzüge, die geblieben, Wunden, die nicht verheilt waren.
„Vielleicht meldet Ron sich, wenn es Mum besser geht, Hermine. Es frisst langsam an seinen Nerven, dass er Merlin-weiß-wo in einem Unterschlupf festsitzt.“
Ich grinste. „Ich kenne das Gefühl.“
Charlie lächelte und zwinkerte. „Das glaube ich dir. Weißt du immer noch nicht, wie es mit dir und Malfoy läuft?“
„Naja, er ist seit ein paar Tagen weg, also… nein.“
Charlie lachte und ich war froh, dass er wieder lächelte. Sein Gesicht war meiner Meinung nach genetisch dazu veranlagt zu lächeln.
„Ich unterbreche unsere Unterhaltung nur ungern, Hermine, aber ich muss zu Malfoy. Wenn irgendwas passiert, melde ich mich sofort.“
Ich nickte.
„Hermine, pass auf dich auf, okay? Wenn was passiert, wende dich an Kingsley oder Gumboil in London.“
„In Ordnung.“
„Braves Mädchen. Wir hören voneinander.“
Das Flohnetzwerk schaltete sich mit einem weiteren grünen Blitz aus und ich fiel hustend nach hinten um. Ich hasste Anrufe übers Flohnetzwerk.
Ich wischte mit dem Zauberstab über mein Gesicht, um den Ruß und die Asche zu entfernen, und kehrte mit einem Seufzen zum Sofa zurück, wo ich ‚Sturmhöhe’ aufhob. Ich las jedoch nicht weiter, sondern starrte aus den Fenstern in den grauen Tag.
So sehr ich Charlie auch verehrte, ich wünschte, ich hätte mit Malfoy sprechen können. Nach ein paar Tagen, in denen ich nur mit Charlie gesprochen hatte, vermisste ich plötzlich meinen Gefährten. Als ich noch in meiner Hütte gelebt hatte, allein, nur mit meinem Halbkniesel, störte es mich nicht, dass ich manchmal Selbstgespräche führte. Meine Mutter verspottete mich deshalb und mit meinem Haustier hatte ich wenigstens einen guten Grund, laut zu reden.
Irgendwie fehlte mir aber Malfoys Sarkasmus.
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Malfoy kehrte spät in jener Nacht zurück, schreckte mich von meinem Platz auf dem Sofa, wo ich eingeschlafen war, hoch, ‚Sturmhöhe’ auf meinem Bauch. Er schien durch die Tür zu bersten, sein Ledermantel nass vom Regen, sein Gesicht blasser als sonst, seine Haare verschmutzt und strähnig um sein Gesicht. Er wirkte wie der Geist eines tragischen Helden aus den Büchern, die in seinem Regal standen.
„Malfoy?“, krächzte ich, das Buch rutschte von meinem Bauch und fiel auf den Boden.
Er sagte nichts, zog seinen Zauberstab, um die Kerzen anzuzünden. Das Kerzenlicht ließ sein Gesicht wärmer wirken und er ähnelte nicht länger einem Sumpfgespenst.
„Ich kann nicht lang bleiben, Granger. Ich hole nur saubere Klamotten, etwas Proviant und dann bin ich wieder weg“, knurrte er und lief vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer, hinterließ schlammiges Wasser auf dem Boden.
Ich folgte ihm, war aber erst bei der Küche, als er wieder auftauchte und ein Bündel Kleidung schrumpfte, um es in die Innentasche seines Mantels gleiten zu lassen. Ich lehnte mich an das Spülbecken, als er in die Speisekammer trat, wo auf magische Weise täglich neue Lebensmittel erschienen. Eine Erfindung, die ich besonders angenehm fand, und ich fragte mich, ob ich meine eigenen Speisekammer in meiner Hütte auch so verwandeln konnte.
Malfoy summte, als er in ein Gebäckstück biss und die Tür zur Kammer mit dem Rücken zustieß.
Ich konnte ihn nur anstarren, meine Hände packten den Rand des Beckens hinter mir.
„Weasley hat dich informiert?“, fragte er, seine Stimme leicht undeutlich durch die große Menge Teig in seinem Mund.
Ich nickte.
„Ich werde diesmal etwas länger weg sein, Granger. Du hast hier alles, was du brauchst. Mutter und Vater werden sicher früher oder später vorbeikommen… Muss ich dich noch daran erinnern, dass du die Ländereien nicht verlassen darfst?“
Ich schüttelte den Kopf als Malfoy einen weiteren großen Bissen nahm. Er kaute, starrte mich an und schluckte ihn hinunter.
„Du wirst mich eine Zeit lang nicht erreichen können, Granger, also wende dich an Kingsley oder…“
„Gumboil, ja. Charlie hat alles gesagt“, murmelte ich.
Malfoy grinste mit vollem Mund.
„Misshandel meine Bücher nicht, Granger. Ich mag Muggel-Literatur ziemlich gerne…“, grummelte er und verließ die Küche in Richtung Wohnzimmer, wo er den Rest des Gebäcks in den Mund steckte.
Ich folgte ihm, vermied die kleinen Wasserpfützen auf dem Boden. An der Tür blieb er stehen, sah sich noch einmal im Raum um. Dann, mit dem Runterschlucken des letzten Bissens, fiel sein silbernes Auge auf mich.
„Keine Reaktion von deinem kleinen Metallstück?“, fragte er und sein Auge wanderte zu der Kette, die um meinen Hals lag und bis zu meinen Brüsten reichte. Ich errötete, da ich keinen BH trug; ich hatte nicht damit gerechnet, dass Malfoy so plötzlich zurückkommen würde.
„Nein…“, flüsterte ich und hätte am liebsten meine Arme gehoben, um meine Brustwarzen, die durch den leichten grauen Stoff meines T-shirts spitzten, zu bedecken.
Malfoys Auge verweilte dort noch einen Moment, bevor er mir ins Gesicht sah.
„Hoffen wir, dass es nie eine Reaktion geben wird“, flüsterte er, machte einen halben Schritt vor und hob seine linke Hand, ließ sie jedoch wieder fallen, als er mit der rechten die Tür zu den Ställen öffnete.
Er grinste mich ein letztes Mal an, dann schien er davonzufliegen. Ich versuchte, ihm durch die Frontfenster nachzusehen, sah aber nur Dunkelheit. Sein Kommen und Gehen war wie ein Traum.
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