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The Fool, the Emperor and the Hanged Man - Kapitel 17

von Nitsrek

Am 22. April sah ich Narcissa zum ersten Mal wieder, seit sie mich in der Küche zurückgelassen hatte, mein Kater auf ihrem Arm, nach dem Angriff auf das Manor. Es war noch früh, als ich das eindeutige Klappern von Pferdehufen hörte, und als ich aus dem offenen Vorderfenster blickte, sah sie mich vom Rücken ihres gescheckten grauen Wallachs an.

„Komm mit zur Schutzhütte, Hermine…“, sagte sie, nachdem ich sie begrüßt hatte.

Erst zum dritten Mal verließ ich die Dienstbotenunterkunft. Bei meinem zweiten Ausflug hatte ich erfahren, dass zwei Elfen sich um die Pferde unter meinem kleinen Zuhause kümmerte. Pan und Sheff waren ihre Namen und sie waren nicht im geringsten sympathisch. Immerhin machte ich mir dadurch keine Sorgen mehr um die Pferde oder ihre elfischen Pfleger.

Narcissa glitt von ihrem sattellosen Pferd und umarmte mich, als ich näher kam; es überraschte mich, wie warm sie sich anfühlte. Sie schien sich von den Ereignissen der letzten Woche erholt zu haben und leuchtete, als wir zurück auf die Koppel liefen, wo wir ihrem Pferd Freigang erlaubten, während wir uns auf eine niedrige Steinmauer im Schatten der Bäume setzten.

„Ich weiß, dass wir schon früher hätten kommen sollen, Hermine, aber zwischen der Arbeit mit den Elfen, um das Manor wieder aufzubauen und Lucius, der beim Ministerium Anzeige gegen jene erstattet, die uns angegriffen haben, hatten wir kaum Zeit.“

Ich nickte. „Ihr habt also keine Probleme, weil ihr den To-…“

„Oh, natürlich nicht!“, unterbrach Narcissa und ihre hellen Augen weiteten sich. „Wir haben unser Zuhause und unser Leben gegen Kriminelle geschützt!“

„Stimmt“, flüsterte ich und mein Blick fiel auf Narcissas Schuhe und ihren Rock. Ich grinste, weil sie ihr Pferd nicht im Damensattel geritten hatte. „Ich habe mir aber trotzdem Sorgen gemacht.“

Narcissa nahm meine Hand und wir lächelten uns an.

„Aber du musst mit mir zur Schutzhütte kommen, Hermine…“

Ich blinzelte, verwirrt über die Aufregung in Narcissas Stimme.

„Es ist Lucius’ Geburtstag.“

Ich kicherte. „Ich weiß nicht, ob er mich da unbedingt dabei haben will…“

Narcissa versuchte, nicht zu lachen. „Mein Ehemann wäre vermutlich froh, Hermine. Seit er nur noch mit mir und den Elfen sprechen kann, ist er etwas… ach, ich werde es beim Namen nennen… er ist ein Miesepeter.“

Ich schnaubte lachend. Ich konnte mir gut vorstellen, was Narcissa meinte. Wenn Malfoy ein Hinweis darauf war, wie sich die Männer in seiner Familie verhielten, wenn sie gelangweilt oder verärgert waren…

„Dein Kommen ist außerdem eher für mich gedacht als für ihn…“, murmelte sie und tätschelte meinen Handrücken.

Ich lächelte, sehr glücklich, dass jemand wie Narcissa Malfoy Zeit mit mir verbringen wollte. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass Narcissa mich wie eine Freundin behandeln würde. Es war erstaunlich, wie das Schicksal mit einem umging, aber bei Narcissa machte es mir nichts aus.

Ich fragte, ob ich mir etwas anderes als den Rock und die schwarze Bluse, die ich trug, als Malfoy und ich auf dem Balkon gesessen hatten, anziehen sollte, und Narcissa lachte und sagte, ich wäre passend genug gekleidet, um mit ihr und ihrem Ehemann zu Mittag zu essen. Ich errötete leicht; Narcissa trug ein zweiteiliges Kleid, das mich irgendwie an das viktorianische Zeitalter erinnerte; ein dunkelblaues Mieder mit hochgeschnürtem Kragen und den dazu passenden Rock mit einer kleinen Schleppe. Ihre Haare waren ähnlich frisiert wie meine, von den Schläfen gingen zwei kleine Zöpfe über den Rest ihrer schönen, hellen Haare. Es war schwer zu glauben, dass sie alt genug war, um meine Mutter zu sein.

„Ein Geschenk?“, fragte ich kleinlaut.

Wieder lachte Narcissa, glockenhell. „Wenn du es nicht irgendwie geschafft haben solltest, an Dracos Schutzzaubern vorbeizukommen, um in London einzukaufen, wird unser einziges Geschenk für Lucius wohl unsere Gesellschaft sein, meine Liebe.“

Ich lächelte und wieder drückte Narcissa meine Hand.

Nachdem wir beschlossen hatten, zur Schutzhütte zu laufen – wobei Narcissa eine Abkürzung vorschlug, die eine halbe Stunde Zeitersparnis brachte – stellte ich mich vor das Gebäude und schloss mit meinem Zauberstab die Fenster. Ich machte mir nicht die Mühe, meinen Mantel zu beschwören, der späte Apriltag bot ausreichend Wärme.

Narcissa und ich liefen Hand in Hand über die Ländereien. Sie ließ ihr Pferd an beliebigen Stellen grasen und erklärte mir, dass der kluge Wallach sofort kommen würde, wenn sie ihn riefe.

„Du solltest dir von Draco zeigen lassen, wie man reitet, Hermine.“

Ich zuckte mit den Schultern, als wir in den Wald traten.

„Er ist schon seit Tagen nicht mehr hier gewesen…“, begann ich, unterbrach mich dann aber. Unsere Füße fanden wie von selbst einen Trampelpfad zwischen den Wurzeln der großen weißen Bäume.

„Ich weiß. Hattest du alleine Angst?“

Wieder zuckte ich mit den Schultern. „Ich habe etwas über acht Jahre allein im Verbotenen Wald gelebt, und selbst dort musste ich mir keine Srogen um Werwölfe, Mantikore oder einen dreiköpfigen Hund machen…“

„Was ist mit den Zentauren?“, fragte Narcissa; ihr Gesicht zeigte Neugierde.

„Ich lebte in Frieden mit ihnen, und seit Harry einen Teil ihrer Herde getötet hat, haben wir sogar eine Art Freundschaft.“

Narcissa nickte. „Ja, Draco hat davon erzählt…“, sagte sie düster und ich konnte spüren, dass sie ihre Wut darüber, dass ein Zauberer Zentauren tötete, kaum in Schach hielt. Ich fragte mich, warum Narcissa so etwas wie Zuneigung für die Zentauren verspürte, fragte jedoch nicht nach.

Ich drängte mich nie in fremde Angelegenheiten und ich wusste bereits, dass Malfoys Mutter das, was sie mir sagen wollte, im Laufe der Zeit auch mitteilen würde und nie allzu lang damit wartete. Ich mochte Narcissa wirklich sehr. Sie war das genaue Gegenteil jeder Vorstellung, die ich als Kind von ihr gehabt hatte, und darüber freute ich mich.

Wir liefen durch die Bäume, Sonnenlicht bestrahlte hier und da Stellen unseres Pfades. Das einzige andere Mal, dass ich im Wald gewesen war, war in der Nacht, als ich vom Palast von Knossos geträumt hatte, und dabei war ich mir nicht einmal bewusst gewesen, dass ich im Wald war. Und als die Malfoys dann mit mir zusammen tiefer in den Wald vorgedrungen waren, war ich so besorgt gewesen, dass mir der Wald nicht weiter aufgefallen war. Als wir jetzt jedoch liefen, konnte ich spüren, dass dieser Wald so anders war als der, den ich mein Zuhause nannte. Es war ein magischer Wald, soviel war sicher. Ich spürte alte Macht unter meinen Füßen und in den massiven Bäumen mit weißer Rinde, die wie Säulen um uns herum standen.

„Haben in diesem Wald Zentauren gelebt?“, fragte ich, meine Stimme leer, während meine Augen über den Waldweg wanderten, über den dunklen Erdboden und die toten Blätter.

Narcissa summte. „Sie tun es immer noch…“

Ich blickte sie überrascht an.

„In den südlichen Gebieten. Hierher kommen sie nur zu besonderen Anlässen… Beltain, Mittsommer, Samhain… die wichtigen Daten. Sie leben in den Wäldern, seitdem die Familie Malfoy hier lebt.“

Ich neigte meinen Kopf. „Sprecht ihr mit ihnen?“

Narcissa lachte. „Natürlich. Nicht oft, aber Lucius und ich haben schon mehrere Male mit ihnen gesprochen, seit wir verheiratet sind.“

„Sind sie freundlich?“

Sie drückte meine Hand. „Auf ihre Art. Ich weiß nicht, wie die Herde im Verbotenen Wald ist, aber dieser Wald… Die Zentauren nennen ihn Tempelwald und die Herde ist zu unserer Familie freundlich, aber sie gehen ihre eigenen Wege und wir mischen uns nie ein.“

Ich summte, als Narcissa und ich über eine besonders dicke weiße Wurzel stiegen.

„Ich gehorche den Gesetzen des Waldes und überschreite niemals die Grenzen…“, sagte ich leise.

„So sind die Zentauren. Du darfst dich nie aufdrängen und musst immer respektvoll sein. Zentauren können großartige Verbündete oder fürchterliche Feinde sein…das hat der Dunkle Lord gelernt“, murmelte Narcissa und ihre Augen schweiften in die Ferne.

Ich stimmte ihr zu und hoffte, damit ihre Gedanken von den alten Zeiten abzuziehen.

„Und ihr habt keine bösartigen Kreaturen in eurem Wald?“

Narcissa schüttelte ihren Kopf. „Lucius’ Großmutter wollte Mantikore einsetzen, um die Thestralherden zu verkleinern… Ich muss wohl nicht erwähnen, dass sie nicht gerade die Hellste war, auch wenn sein Großvater ziemlich weise war.“

Ich grinste. „Ich habe bisher keine Thestrale gesehen…“

„Sie halten sich aus irgendeinem Grund an die Zentauren, aber es gibt auch ein paar nahe der Schutzhütte. Gibt es viele im Verbotenen Wald?“

„Sehr viele. Sie bleiben in der Nähe der Schule… wo Hagrid sie füttert. Er sollte das nicht tun, aber Hagrid ist so… so… fürsorglich, dass es schon fast schädlich ist.“

Narcissa sagte nichts und ich erinnerte mich daran, wie Lucius Seidenschnabels Hinrichtung verlangt hat. Ich wusste, dass ich für Hagrid eine liebevolle Wärme empfand, und ich würde mich nicht dafür entschuldigen, nicht einmal Narcissa Malfoy gegenüber, die ich sehr bewunderte und inzwischen sehr mochte.

Unsere Unterhaltung setzte sich durch die Bäume, über die Bäche und das restliche Wildleben im Wald fort. Kurz darauf führte uns der Waldweg in ein Tal voller grüner Hügel hinab. Wir liefen am Waldrand entlang, bis die Gegend felsiger wurde und unten, in einem tiefen Tal, umgeben von dicken, schwarzen Bäumen, lag die Schutzhütte.

Wir waren mindestens fünfundvierzig Minuten unterwegs gewesen und die Hütte lag noch einmal zehn Minuten vom Waldrand entfernt, der Boden wölbte sich ins Tal. Die Schutzhütte, die äußerlich fast meiner Hütte ähnelte, stand an der tiefsten Stelle des Tals und bestand aus kreideweißen Kalksteinwänden, einem Holzdach und einem Steinkamin, der aus den Schindeln ragte. Das Gebäude wirkte kleiner als meine Hütte und es gab nicht ein einziges Fenster. Im Vergleich zu Malfoys Wohnung war die Schutzhütte nur ein Schuppen.

Narcissa ließ meine Hand los und drückte gegen die niedrige Tür, wobei sie spitzbübisch grinste. Ich machte mich bereit – ohne zu wissen, wofür - und folgte ihr.

Und dann fiel mir ein, dass ich es hätte besser wissen müssen, als die bescheidene Schutzhütte nach ihrem Äußeren zu beurteilen. Die Malfoys waren Zauberer.

Das Innere der Hütte war mindestens so groß wie die Eingangshalle des Manor und fast genauso hoch. Es erinnerte mich an alte Schlosshallen, die ich als kleines Mädchen in Filmen gesehen hatte. Verzauberte Buntglasfenster befanden sich zu beiden Seiten des Saals und am anderen Ende stand ein Kamin mit einem tobenden Feuer, größer als jeder, den ich in Hogwarts gesehen hatte. Das Schlafzimmer der Malfoys war mit Vorhängen abgetrennt und enthielt ein antikes Himmelbett, in dem mindestens zwei Kleinfamilien Platz hätten; außerdem gab es ein Badezimmer mit einer großen Badeanne und einem Wasserklosett gegenüberliegend. Es gab sogar eine Küche mit einer kleinen Feuerstelle, die sehr meiner Küche mit den Steintheken ähnelte. Aber in der Mitte des Saals war ein luxuriöser Aufenthaltsbereich mit mittelalterlich aussehenden Sofas und Sesseln, Tischen und Truhen. Von der Fachwerkdecke hingen gehämmerte Eisenkronleuchter mit – so schien es – Millionen verzauberter Kerzen.

Man konnte sagen, ich war in die Malfoy-Behausung des zehnten Jahrhunderts getreten, komplett mit Rüstungen und Wandteppichen. Es war atemberaubend.

Lucius saß in einem Sessel nahe dem Kamin und las ein Buch; seine in Stiefel gehüllten Füße lagen auf einem Beinhocker. Auf seiner edlen Nasenspitze saß eine Brille und sein Gesicht wirkte auf mich offener als je zuvor. Lucius Malfoy war mit dreiundfünfzig Jahren ein attraktiver Mann.

„Ah, Miss Granger… Hat ’Cissa Sie nur wegen meinem Geburtstag durch den Wald gezerrt?“, fragte er gedehnt, als Narcissa und ich näher kamen.

Er setzte seine Brille ab und legte sie in sein Buch, amüsanterweise Tolkiens ‚Herr der Ringe: Die zwei Türme’, und stand mit einem schwachen Lächeln auf.

Ich grinste. „Ich bin zum Mittagessen eingeladen worden.“

Narcissa lächelte schief. „Ich habe ihr erzählt, dass meine Gesellschaft und Leaks Witze an deinen Nerven zerren… Und außerdem werde ich deinen Geburtstag nicht mit einem Miesepeter verbringen, also habe ich sie für uns beide als Gesellschaft mitgebracht.“

Ich wollte lachen, biss aber stattdessen auf die Innenseite meiner Wangen.

Lucius lachte trotzdem. „Mehr will ich lieber nicht mehr hören, also lassen Sie uns essen, Miss Granger, und über andere Dinge als meinen Geburtstag sprechen…“

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Ich hatte sehr viel Spaß bei dem Essen mit den Malfoys. Beide waren interessante Gesprächspartner, sehr intelligent und redegewandt. Wir aßen das französische Essen und lachten viel. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal mit Lucius Malfoy lachen würde. Wieder schien es zu einer anderen Zeit geradezu unmöglich gewesen zu sein. Während unserer Gespräche entdeckte ich, wo Malfoy seine Angewohnheiten her hatte. Lucius war sarkastisch und manchmal rätselhaft, während Narcissa fast in Gedichten sprach. Oft fiel es mir schwer zu glauben, dass Malfoy jemals mit Voldemort zu tun gehabt hatte, und auch wenn ich diesen Gedanken im Hinterkopf behielt, genoss ich ihre Gesellschaft und sie wuchsen mir ans Herz, sogar Lucius.

Als das Essen vorbei war, erklärte mir Lucius, dass die Schutzhütte tatsächlich das erste Malfoy-Gebäude war, erbaut im siebten Jahrhundert, als die Malfoys hierher kamen. Ich war mir nicht sicher, wie ‚normannisch’ die Familie war, aber Lucius glaubte, dass die Malfoys nicht wirklich aus Frankreich kamen, sondern schon früher durch die Wikinger-Invasionen, und erst später einen ‚normannischeren’ Namen im elften Jahrhundert annahmen. Von der Schutzhütte aus begannen die Malfoys des siebten Jahrhunderts die Ausweitung auf den Wald und die Täler und errichteten aufwändige Schutzzauber, die noch bis ins einundzwanzigste Jahrhundert Bestand hatten.

„Ich versuche immer noch herauszufinden, wieviel Schaden Potter und seine Gefolgsleute an den Schutzzaubern angerichtet haben. Über die Jahrhunderte hinweg haben die Malfoy-Nachfahren ihre eigenen Zauber hinzugefügt, und ehrlichgesagt war das Eingangstor der größte Schwachpunkt…“

Ich runzelte die Stirn, aber Lucius versicherte mir, dass die Ländereien vorerst vor Muggeln und Außenstehenden sicher wären. Die Schutzwälle wurden zu jeder Tag- und Nachtgleiche und zur Sonnenwende verstärkt; auf einem nahen Hügel, wo schon vor der Ankunft der Familie Malfoy in Großbritannien Steine errichtet worden waren, wurden Familienrituale durchgeführt, da dort ein Sammelpunkt magischer Macht war.

„Nicht so, wie die großen Steinkreise, aber groß genug, um das Land intakt zu halten und die Familie zu schützen…“, sagte Lucius leise, während wir Tee tranken.

ich fand Lucius’ Darstellung der Malfoys ziemlich interessant. Der Wald, die Schutzhütte und das Manor waren alles Dinge, die seit Generationen im Besitz der Familie standen. Ich verstand, warum Malfoy so stolz war.

„Und Ihre Familie, Miss Granger? Führen Muggel-geborene Hexen und Zauberer Aufzeichnungen zu ihren Familien und ihren Ländereien?“, fragte Lucius und versuchte dabei meinetwegen, so unvoreingenommen wie möglich zu klingen. Ich fand seine Anstrengungen tröstlich.

„Ein paar schon. Manche Muggel betreiben aus Spaß Ahnenforschung und ich selbst habe aus Neugier während meiner Schulzeit nachgeforscht. Ich habe festgestellt, dass ein paar meiner Vorfahren Zauberer waren, aber die magische Fähigkeit übersprang Generationen, tauchte hier und dort immer wieder auf. Mein nächster magischer Verwandter ist ein Ur-Ur-Ur-Urgroßvater… väterlicherseits. Ein Granger aus Ayrshire, der auch nach Hogwarts ging. Er war ein Ravenclaw. Danach gab es erst einmal keine magischen Kinder, und es wurde auch nicht darüber gesprochen. Soweit ich das verstanden habe, war meine Familie, die Grangers, seit dem vierten Jahrhundert in Großbritannien und meinen frühesten magischen Verwandten fand ich in den ältesten Aufzeichnungen von Hogwarts, auch ein Großvater aus dem väterlichen Zweig der Familie“, ich hielt inne und sagte dann deutlich, „Er war ein Slytherin.“

Lucius grinste und ich lächelte zurück. Ich wusste schon vorher, dass Lucius es lustig finden würde, dass ich einen Verwandten hatte – wenn auch schon Generationen zuvor – der ein Slytherin gewesen war. Natürlich würden nicht viele Menschen diesen Teil meiner Familiengeschichte zu schätzen wissen. Die Weasleys hätten es schrecklich gefunden.

„Keine Hufflepuffs?“, fragte er.

Ich schüttelte den Kopf. „Die paar magischen Verwandten, die nach Hogwarts gegangen sind, waren alles, nur nicht Huffelpuff.“

„Das ist tröstlich“, lachte Lucius und Narcissa warf ihm einen gespielt vorwurfsvollen Blick zu. Ich konnte nur mit ihm lachen.

Mein magisches und Muggel-Erbe waren für mich nicht so wichtig, da ich nicht – wie so viele meiner Klassenkameraden – dazu erzogen worden war. Ich liebte meine kleine Familie und liebte es, eine Hexe zu sein, aber die Wichtigkeit von Reinblütigkeit und Abstammung wurden mir nicht von klein auf eingetrichtert.

Wir sprachen auch über andere Dinge, vor allem Bücher, bis Narcissa feststellte, wie spät es schon war. Ich hatte es nicht eilig, in meine Wohnung zurückzukehren, bis Narcissa meinte, dass vielleicht ein Anruf über das Flohnetzwerk kommen könnte und dass es ihr leid täte, mich so lange festgehalten zu haben.

Lucius begleitete mich zurück.

Er nahm nicht meinen Arm, und das wollte ich auch nicht. Auch wenn unser Gespräch unbeschwert war, fühlte ich mich immer noch nicht komplett wohl bei diesem Mann.

Die Sonne sank immer tiefer am Horizont, als wir durch den Wald liefen; schneller als Narcissa und ich vorher. Es machte mir nichts aus.

„Lassen Sie mich offen sein, Miss Granger…“, sagte Lucius, als er zusah, wie ich über die große Wurzel trat, über die Narcissa früher am Tag fast klettern musste.

Ich nickte.

„Es gefiel mir zuerst nicht, Sie in meinem Zuhause zu haben. Aber jetzt, wo ich Sie besser kenne und auch mehr über Potter und die Umstände weiß, muss ich zugeben, dass ich mir niemand anderen an die Seite meines Sohnes wünsche.“

Ich blieb stehen und blinzelte. Sicher verstand ich Lucius’ Worte einfach falsch. Er lief weiter ohne meine Verwirrung zu bemerken und ich musste joggen, um ihn einzuholen.

„Sie sind eine intelligente junge Frau, einfallsreich und – ich hoffe, Sie verzeihen mir – sehr Slytherin.“

Ich grinste.

„Ich verstehe, dass Potter ihnen sehr nahe steht… oder stand, aber ich sehe auch, dass diese Bindung ihr Urteilsvermögen nicht beeinträchtigt hat. Ich weiß auch, dass mein Verhalten Ihnen und Ihren Freunden gegenüber dazu geführt hat, dass Sie mich verabscheuen. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, auch wenn Sie das vielleicht ärgern wird. Ich werde Ihnen jedoch sagen, dass ich ohne meine Taten nicht der Mann geworden wäre, der ich heute bin. Und ich hoffe, dass Sie diesen Mann nicht mit voreingenommener Verachtung betrachten.“

Ich öffnete meinen Mund, sagte jedoch nichts und klappte ihn wieder zu.

„Ich hoffe sehr, dass mein Sohn niemals meine Fehler begehen wird. Mehrere Male hat er das fast schon getan. Er trägt das gleiche Mal wie ich, und das ist mein größtes Bedauern. Bitte verurteilen Sie Draco nicht so wie mich, Miss Granger.“

Endlich sprach ich.

„Meinungen ändern sich, Mr. Malfoy, ebenso wie Gefühle. Mein Gedächtnis ist sehr gut, aber der Schmerz, den ich vor zehn Jahren verspürt habe, verblasst. Die Zeit heilt viele Wunden, wenn auch nicht alle. Aber wir müssen von diesen Wunden lernen. Ich habe Ihnen schon vor langer Zeit vergeben, wie auch vielen anderen. Die alte Zeit ist eben nur das… alt… und steht hoffentlich nicht im Weg. Ich stehe in Ihrer Schuld und der Ihrer Frau… und Ihrem Sohn verdanke ich mein Leben. Diese Freundlichkeit werde ich nie vergessen. Ich gebe zu, Mr. Malfoy, dass ich aufgrund früherer Taten etwas misstrauisch Ihnen gegenüber bin, aber ich werde nicht blind Ihre Klugheit und Ihre Erfahrung ignorieren. Ich bin nicht nachtragend, das verbraucht zu viel Energie, die man auch sinnvoller einsetzen könnte. Es bringt mir nichts, Sie zu hassen, zu fürchten, oder Ihnen Ihr früheres Verhalten übelzunehmen, Mr. Malfoy.“

Lucius blieb nicht stehen, lächelte aber; ein ehrliches Lächeln.

„Wenn andere nur auch so denken würden, Miss Granger.“

Ich lachte, als wir das Ende des Waldweges erreichten. Wir liefen lautlos über die Felder, das Sonnenlicht strömte in roter und goldener Farbe durch die weißen Bäume. Als wir am Hof der Ställe ankamen, blieb Lucius stehen und wandte sich zu mir; sein Gesicht sanft, als hätte ich einen Zauber gesprochen, der mir zum ersten Mal sein wirkliches Gesicht zeigte.

„Miss Granger, ich würde Ihnen gerne etwas sagen, dass Sie bitte für sich behalten sollen.“

Ich neigte den Kopf, nickte aber.

„Mein Sohn… Draco. Sie denken vielleicht, dass ich früher ziemlich grob war, was mein Umgang mit seinem Wohlergehen anbelangt. Ich nehme an, dass Sie, als kluge junge Frau, inzwischen wissen, dass die meisten meiner Taten durch meine Sorge gelenkt wurden… um ihm auf die brutalste Art zu schützen. Und auf meine grobe Art habe ich Draco auf fast jede erdenkliche Weise im Stich gelassen. Seit zehn Jahren versuche ich, meine Fehler wieder gut zu machen, und langsam habe ich das Gefühl, dass ich beschützt habe, wie ein Vater sein geliebtes Kind beschützen sollte. Aber inzwischen ist er ein erwachsener Mann und ich kann ihn nicht permanent schützen. Ich kann nicht seinen Stolz retten, wenn er das Gefühl hat, er hat versagt und ich kann sein Herz nicht davor bewahren, zu brechen…
Miss Granger, ich mache mir Gedanken über Ihre Gefühle für meinen Sohn. Sie haben sicher selbst schon darüber nachgedacht, woher sie kommen und weshalb… Ich will nur nicht, dass Sie ihn verletzen, wenn Sie plötzlich feststellen, dass Sie nur so fühlen, weil er Ihnen das Leben gerettet oder Sie beschützt hat. Also werde ich Sie einfach offen fragen. Hegen Sie diese Gefühle aufgrund jüngster Ereignisse? Ist er für Sie Ihr ‚Ritter in glänzender Rüstung’? Oder gehen Ihre Gefühle tiefer als der bloße Drang, von Draco geschützt zu werden und am Leben zu bleiben?“

Ich kniff die Augen zusammen und bewegte mich nervös. Lucius konnte gut kombinieren, dass musste man ihm lassen. Noch dazu war er geradeheraus, wohingegen Narcissa die Wahrheit aus mir nach und nach herausgekitzelt hätte.

Ich musste Lucius antworten. Seine Frage gründete auf der Liebe zu seinem Sohn, und ich konnte die Frage nicht umgehen oder lügen. Lucius war sehr ehrlich, also sollte ich im Gegenzug genauso ehrlich sein.

„Mr. Malfoy, ich kenne Ihren Sohn seit vielen Jahren, und auch wenn ich ihn zwischen der Letzten Schlacht und Minerva McGonagalls Beerdigung nicht gesehen habe, ist er eindeutig nicht mehr der Junge, den ich einmal kannte. Ihr Sohn war in Hogwarts mein Peiniger und ich habe ihn verabscheut. Aber jetzt, nach fast zehn Jahren, merke ich, dass wir uns gar nicht so unähnlich sind. Ihre Frage habe ich mir selbst schon viele Male gestellt. Sie glauben, dass ich Gefühle für Mal-Draco habe und ich gebe zu, dass das stimmt… Nicht nur, weil er so oft mein Leben gerettet oder sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, um mich zu beschützen… Das verstärkt die Gefühle nur noch. Als Harry uns im Ministerium angegriffen hat, dachte ich, ich hätte Draco verloren. Ich hatte vor, seinen Tod zu rächen, indem ich den Mann töte, der immer mein bester Freund gewesen war. Ich konnte Draco nicht verlieren oder allein weiter leben…“

Ich erstickte an meinen Worten, senkte meinen Blick zu Boden, atmete dann jedoch ein und sah Lucius wieder an.

„Ich kann nicht ehrlich sagen, dass ich Draco liebe, weil ich wirklich nicht weiß, wie sich diese Liebe anfühlt… Ich kenne sie noch nicht. Aber ich wusste an jenem Tag, dass ich kämpfen und womöglich sterben würde, weil ich dachte, dass Draco tot war. Und seit diesem Zeitpunkt ist er, immer wenn wir fliehen oder kämpfen müssen, mein erster Gedanke… noch vor meinem Überleben. Ich will nicht, dass er mich für immer beschützt, ich will neben ihm kämpfen, ihm beweisen, dass ich nicht schwach bin… ihm beweisen, dass er mir etwas bedeutet und mich nicht beschützen muss.“

Ich hielt inne, da ich merkte, dass ich mich langsam wiederholte, weil eben auch die Gedanken sich jeden Tag in meinem Kopf wiederholten.

Lucius erwiderte meinen Blick, sein offenes Gesicht formte ein Lächeln und seine Augen schweiften ab auf die Felder.

„Ich fühle mich sicher, wenn ich bei ihm bin, und das hätte ich vor zehn Jahren sicher nicht gefühlt. Ich liebe es, mit ihm zusammenzusitzen, Kaffee zu trinken und darüber zu diskutieren, was mit uns geschieht oder was vor Jahren passiert ist. Ich will bei ihm sein, mit ihm reden und diese letzten paar Tage ohne ihn als Gesprächspartner und Gesellschaft waren… unangenehm“, sagte ich leise.

Lucius sah mich mit seinen hellen Augen an.

„Wenn das ‚alles’ vorbei ist, will ich immer noch mit ihm reden und irgendwie bei ihm sein. Ich weiß das alles, weil ich nicht nur ‚Verlangen’ verspüre… ich bin gerne bei ihm, rede mit ihm…“, endete ich.

Lucius und ich starrten uns lange Zeit an, bis Lucius schließlich grinste und ich automatisch – aus Gewohnheit - in Hab-Acht-Stellung ging.

„Weiß er das denn alles?“

Ich lachte leise und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Draco ärgert mich zu gerne und das macht es schwer, seine Gefühle zu deuten.“

„Das hat er von seiner Mutter“, murmelte Lucius, behielt jedoch sein Lächeln. „Warum nennen Sie ihn beim Nachnamen? Narcissa hat sich auch schon gefragt.“

Ich grinste. „Er nennt mich ‚Granger’. Ich glaube nicht, dass er schon jemals meinen Vornamen gesagt hat…“

Lucius lachte und betrat die Ställe. Ich folgte ihm und stieg auf die Treppe, während er ein Pferd nahm und ohne Steigbügel aufstieg.

„Sie sollten ihn beim Vornamen nennen und sehen, was passiert, Miss Granger.“

Ich zuckte mit den Schultern. „Wenn er irgendwann zurückkommt…“

„Oh, er wird zurück kommen… spätestens zu Beltain. Jetzt, wo er erwachsen ist, muss er dafür hier sein. Und nun, da Sie unter seinem Schutz stehen, ist es wichtig, dass Sie den Ritualen beiwohnen, Miss Granger… Es ist ein seltenes Privileg“, sagte Lucius und lenkte sein Pferd mit den Knien näher in Richtung Treppe. „Narcissa wird Ihnen sicher noch von den Traditionen erzählen… Ich hoffe nur, dass bis dahin nichts passiert…“, endete er düster. „Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht, Miss Granger. Mein Geburtstag war äußerst aufschlussreich.“

Mit dieser letzten, irgendwie merkwürdigen Aussage hob Lucius eine Hand und führte sein Pferd aus dem Stall, wo es wie ein weißer Blitz davon stürmte, während Lucius sich an der Mähne festhielt und noch schneller antrieb.

Ich lächelte nur selbstgefällig, als der ältere Malfoy über das Feld verschwand. Ich drehte mich um, lief die Treppen hoch und betrat mein vorläufiges Zuhause. Ich zog meinen Zauberstab, entzündete damit die Kerzen und entfachte ein Feuer. Ich machte mir ein kleines Abendessen und beäugte Douglas Adams’ ‚Macht’s gut und danke für den Fisch’ auf der Sofalehne.

Ich fragte mich plötzlich, was Malfoy über Zaphod Beeblebrox dachte.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Am dreißigsten April trank ich in der Küche Kaffee, obwohl es schon später Nachmittag war. Ich war spät aufgestanden, da in der Nacht zuvor ziemlich spät, als ich schon geschlafen hatte, das Signal des Flohnetzwerks ertönte und ich an den Kamin geeilt war.

Charlie Weasleys Gesicht grüßte meinen schlaftrunkenen Blick. Er sah so müde aus wie ich mich fühlte und ich setzte mich mit schweren Lidern auf den Boden, lauschte seinen Worten, die langsam in mein Gehirn sickerten.

„Bones’ Abschiedsworte haben uns auf eine vergebliche Suche geschickt. Auch wenn wir noch mehr MATCH.-Mitglieder festnehmen konnten, sind wir in einer Sackgasse gelandet. Wir haben ganz Little Hangleton auf den Kopf gestellt… das alte Riddle-Haus und das Haus des Hausmeisters sind seit dreizehn Jahren leer… auf dem Friedhof war nichts… Ganz ehrlich, Hermine, wir haben jeden bekannten Aufenthaltsort Voldemorts in Großbritannien durchsucht… und Harrys Aufenthaltsorte während der Schulzeit. Nichts.“

Ich nickte. „Ich bin nicht allzu überrascht. Er hat sich wochenlang unbemerkt bei Dudley Dursley versteckt, und sonst kennt ihn niemand aus der Muggel-Welt.“

„Aber das heißt nicht unbedingt, dass er sich dort verstecken kann.“

„Richtig“, gab ich zu, fand es aber doch unwahrscheinlich.

„MATCH haben ihre eigenen Unterschlupfe und natürlich können wir die Informationen nicht aus den Leuten herausfoltern, aber wir müssen alles überprüfen, selbst die offensichtlichsten Plätze.“

Ich seufzte. „Mir fällt kein besonderer Ort ein, an dem er sein könnte, Charlie. Ich weiß nur, wo er nicht sein kann.“

„Bist du sicher, dass er nicht vielleicht im Verbotenen Wald sein könnte?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Wenn er es durch die Koboldzauber schafft und unbemerkt am Zorn des Herrn des Waldes vorbeikäme, dann schon. Aber ich halte das für unwahrscheinlich. Magorian hat die Patrouillen eher verstärkt, alle anderen Lebewesen verständigt und wartet nur auf eine Chance, Harry die Gliedmaßen auszureißen. Wenn du dir einen Zentauren zum Feind machst, hält das ein Leben lang. Es wäre idiotisch, in den Wald zu gehen.“

Charlie seufzte und rieb mit einer großen Hand über sein müdes Gesicht. Ich wollte nach Malfoy fragen, aber Charlie biss in seine Lippe und wandte den Blick ab. Irgendetwas stimme nicht.

„Mum wird bald sterben, Hermine. Immer wenn Ron sich meldet, denke ich, es ist soweit. Und wir können nichts dagegen tun. War der Krieg damals auch so schlimm?“

Meine Lippen bebten und ich spürte Tränen in meinen Augen.

„Ich weiß nicht, Charlie. Damals sind so viele gestorben… diesmal auch. Bei Voldemort wussten wir wenigstens, gegen wen wir kämpfen. Es gab eine klarere Trennung zwischen Gut und Böse. Diesen Luxus haben wir jetzt nicht.“

Charlie seufzte. „Ich weiß und das macht mich krank, Hermine. MATCH... sie wollen etwas ändern, aber nichts, was sich durch Anträge oder Proteste ändern lässt. Sie wollen die Zeit zurückdrehen. Malfoy hat mir gesagt, was du über die Zeitschiene denkst, Hermine und ich bin kein Quanten – das was du bist – aber ich will mein Leben leben mit dem Wissen, dass ich es so weit gebracht habe… auch wenn Mum stirbt, Ginny einen Nervenzusammenbruch hat und Dad immer dünner wird… Ich liebe dieses Leben. Deshalb müssen wir ihn aufhalten, Hermine… Egal zu welchem Preis!“

Durch die ganze Emotion in Charlies Stimme flossen mir die Tränen über die Wangen. Allein durch unsere Gespräche über das Flohnetzwerk hatte ich das Gefühl, Charlie Weasley sehr viel besser zu kennen. Er war ein leidenschaftlicher, fürsorglicher Mann, wie auch so viele andere in seiner Familie. Ich liebte die Weasleys; sie waren bodenständige Leute, die sich gegenseitig Freude schenkten. Ich fragte mich, wie das bei den Malfoys war. Ich wusste, dass sie sich sehr liebten und vielleicht fühlte ich mich nur wegen der Unvertrautheit noch wie ein Außenseiter.

„Ich wünschte nur um Ginnys Willen es gäbe einen Weg, Harry zu retten“, flüsterte Charlie, der wieder die Kontrolle über seine Gefühle erlangt hatte.

„Da gibt es nichts mehr zu retten, Charlie“, flüsterte ich zurück, versuchte ebenfalls, mich wieder zu fassen, versagte aber.

„Ich weiß, so sehr ich das auch hasse. Ich verstehe es nur nicht, Hermine…. alles, was Harry getan hat.“

Ich wischte die Tränen weg. „Harry war so übermäßig beansprucht worden, Charlie, schon in so jungen Jahren… Niemand auf der Welt könnte damit problemlos umgehen und unbeschadet rauskommen. Denk einfach darüber nach, dann wirst du es verstehen.“

Charlie nickte und lange Zeit sagten wir beide nichts.

„Ich wünschte, ich hätte mehr Neuigkeiten, Hermine… bessere Neuigkeiten.“

„Da draußen ist eine dunkle Welt, Charlie…“

„Ja…“, flüsterte er und blickte mir in die Augen.

Ich versuchte zu lächeln, ihm Halt zu geben, aber ich wusste, dass ich dazu nicht in der Lage war.

„Proste morgen Abend den Göttern zu, Hermine“, sagte Charlie leise.

Beltain…

„Mach ich, Charlie. Gute Nacht…“, flüsterte ich.

Der Anruf war vorbei und ich war plötzlich sehr wach. Ich rollte mich auf dem Sofa zusammen und legte die hellgrüne Wolldecke über meine kalten Füße. Lange Zeit saß ich so im Dunkeln und starrte auf die Kohlen im Kamin.

Ich weinte stundenlang, meine Finger betasten die Scheibe, die unter meinem Nachthemd zwischen meinen Brüsten lag. Ich weinte um Charlie, um alle Weasleys, um Susan Bones, Cho Chang, Minerva, die Zentauren, sogar die Dursleys und schließlich um meiner selbst willen. Und ich weinte, weil ich mir wünschte, dass Malfoy neben mir sitzen würde, mir sagen würde, ich solle nicht heulen, und mich aufziehen würde. Als ich nicht mehr weinen konnte – mein Körper bereits kalt – kroch ich zurück in Malfoys Bett, doch sein Geruch war dort, wo ich mich zu sehr festgehalten oder mein Gesicht gerieben hatte, bereits verschwunden.

Ich wachte erst spät auf.

Als ich am späten Nachmittag mit meinem Kaffee rumstand und grübelte, ließ mich das Geräusch von Hufen auf festem Boden zum Fenster wandern. Narcissa glitt leichtfüßig aus ihrem Sattel und trat eilig auf die Ställe zu. Ich nahm gerade den letzten Schluck Kaffee, als sie an die Tür klopfte und anschließend eintrat.

Während sie sich mit offenem Mund umsah, betrat ich das Wohnzimmer und erinnerte mich, dass sie noch nie zuvor in Dracos Wohnung gewesen war.

Sie stand in dem kleinen Flur und schloss geistesabwesend die Tür hinter sich. Narcissa trug ein ungewöhnlich einfaches Kleid aus hellgrünem Leinen, ein silberner Gürtel um ihre schmale Taille. Die Ärmel waren lang und weit, der Kragen war ganz gewöhnlich und zeigte ihren blassen Hals, ihre Schultern und ihr ausgeprägtes Schlüsselbein. Ihre Haare waren offen und fielen an ihrem Körper entlang wie silberne Seidenfäden, die selbst im schwachen Licht der Wohnung leuchteten. An ihren Füßen trug sie Sandalen, die zu ihrem mittelalterlichen Kleid passten. Was mich jedoch am meisten überraschte, waren die Markierungen auf ihren Armen und Beinen. Sie schienen wie silber gemalte Runen, aber ich – mit meiner Liebe zu alten Runen – konnte die Bedeutung der sich wiederholenden Symbole nicht entziffern.

„So viele Muggel-Bücher“, rief sie aus bevor sie merkte, dass ich neben ihr stand. „Welche Arten von Büchern sind es?“

Ich verkniff mir ein Lachen. „Hauptsächlich Romane. Meistens britischer Herkunft.“

Narcissa machte ein komisches Gesicht, dass ich als eine sarkastische Form der Überraschung deutete. Sie trat in die Küche und öffnete die Speisekammer, anscheinend zufrieden, dass der Zauber wirkte. Sie spitzte ins Schlafzimmer, dann ins Badezimmer. Als sie ins Wohnzimmer zurückkehrte, stellte sie sich neben mich. Ich lehnte an der Rückenlehne des alten Sofas.

„Nicht schlecht; eindeutig Dracos Stil, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so klein ist. Gefällt es dir, Hermine?“, fragte sie und blickte mich an.

„Es ist ungefähr so groß wie meine Hütte. Ich würde das Badezimmer etwas… luxuriöser gestalten, aber davon abgesehen gefällt es mir“, gab ich zu.

Narcissa summte und sah sich noch einmal im Wohnzimmer um, bevor sie mir ihre Aufmerksamkeit zuwandte.

„Du hast hoffentlich nicht vergessen, dass wir heute Abend das Lagerfeuer machen, Hermine?“, fragte Narcissa, hielt ihre kindische Aufregung kaum zurück und ergriff plötzlich meine Hand.

Ich lächelte. „Beltain. Ich hab’s nicht vergessen.“

Narcissa lächelte breit und steckte ihre linke Hand in eine verdeckte Tasche an der Seite ihres Unterkleides. Sie holte ihren Zauberstab hervor und ein geschrumpftes Päckchen. Sie trat an die Küchentheke, stellte das geschrumpfte Etwas dort auf die Oberfläche und vergrößerte es rasch wieder bis zum Normalzustand. Es war tätsächlich ein Paket, genauergesagt eine Kleiderschachtel, glänzend blau.

„Das ist für dich… für heute Abend.“

Ich öffnete meinen Mund zum Protest.

„Nicht ein Wort, Hermine. Beltain ist nur einmal im Jahr, und zum ersten Mal seit Jahren haben die Malfoys wieder einen Gast zu den Feierlichkeiten. Jetzt mach es auf, ich will sichergehen, dass es passt… und dann machst du dich fertig.“

Ich runzelte die Stirn, lief jedoch zu der Schachtel, wie Narcissa es befohlen hatte. Nachdem ich den Deckel abgenommen und ihn abgelegt hatte, blickte ich auf einen blass-lila Stoff, der im Licht sanft schimmerte. Ich hob das Kleidungsstück hoch und der Taft-ähnliche Stoff fiel bis auf den Boden. Es war ein Unterkleid, das Narcissas ähnelte; es war jedoch ärmellos. Das Material – kein Taft, denn es war sehr viel weicher – war keine Seide oder Satin. Die Schultern waren zusammengerafft, so dass das Kleid wie eine Tunika wirkte, und ich schluckte, als ich mich an den Traum erinnerte…

„Blasslila ist eine wundervolle Farbe für dich, Hermine…“, sagte Narcissa in der Ferne, trat an meine Seite, packte das Kleid in der Mitte und hielt es nah an meinen nackten Arm. Die Farbe sah zu meiner blassen Haut wirklich schön aus…

„In der Schachtel liegen noch Sandalen und ein silberner Gürtel… wir müssen jetzt anfangen, wenn wir es pünktlich schaffen wollen…“, murmelte Narcissa.

Ich blinzelte, weil ich nicht verstand. Ich hatte Beltain im Wald bisher immer allein gefeiert, hatte ein kleines Feuer gemacht und dabei getragen, was ich wollte. Dazu hatte ich für gewöhnlich eine Flasche Feuerwhiskey getrunken, um einer weiteren Sonnenwende zu gedenken.

Die Malfoys hingegen schienen ihre eigenen Traditionen zu haben, also protestierte ich nicht, als Narcissa mir auftrug, ein Bad zu nehmen, während sie das Kleid im Schlafzimmer ausbreitete. Sie sagte, ich solle mich nicht anziehen, sondern nur einen Bademantel tragen und zu ihr kommen, wenn ich fertig war.

Als ich das Badezimmer verließ, die Haare in ein Handtuch gewickelt, konnte ich spüren, dass Narcissa in ihrer Aufregung ungeduldig wurde. Sie nahm mich bei der Hand und führte mich zum Bett, wo ich mich neben dem Kleid, das in der Nachmittagssonne leicht glitzerte, auf den Rand setzte.

„Keine Unterwäsche… und die Kette…“

Ich biss in meine Lippe. Ich würde sie nicht ablegen.

„Wenn es sein muss, behalt sie an. Zuerst kümmern wir uns um deine Haare…“, sagte Narcissa eher zu dem Handtuch auf meinem Kopf als zu mir.

Ich hielt weiterhin die Lippe zwischen meinen Zähnen, während Narcissa das Handtuch wegzog und die nassen Wellen schwer über meine Schultern fielen. Ich schloss meine Augen, als sie ihren Zauberstab zog, damit auf meinen Kopf zeigte und einen lautlosen Zauber sprach, dessen Magie mich zittern ließ. Ich war froh, dass ich keinen Spiegel hatte, aber ich spürte, wie sich die Haare in alle Richtungen hoben und leicht an meiner Kopfhaut zogen. Narcissa summte zufrieden, als das Werk getan war und meine Haare wieder über meine Schultern fielen.

Ich öffnete meine Augen und meine Finger fuhren an die Strähnen, die über meine Arme gefallen waren. Meine Haare waren zu winzigen Zöpfen bis zu meiner Kopfhaut geflochten worden.

„Sehr schön… erinnert mich an Bouddica…“

Ich neigte meinen Kopf und runzelte die Stirn, aber Narcissa lachte. Ich erinnerte mich an Malfoys Kommentar, dass Narcissa sich lieber eine Tochter gewünscht hatte. Ich fühlte mich wieder wie eine Puppe.

„Jetzt die Runen… Also, meine Liebe, denk an etwas Bestimmtes. Es muss dir wichtig sein, vielleicht etwas, dass du wirklich willst… denk fest daran und ich spreche den Zauber.“

Das Stirnrunzeln vertiefte sich. „Welchen Zauber?“

Narcissa grinste schief.

„Malfoy-Familiengeheimnis… Aber mach dir keine Sorgen, es wird nicht wehtun. Siehst du die Runen auf meinen Armen und Beinen?“, fragte Narcissa und hob ihren Rock, um mir die Runen zu zeigen, die an ihrem dünnen, blassen Bein nach oben wanderten, dann zog sie ihren rechten Ärmel zurück und zeigte mir die gleichen Symbole. „Die Frauen tragen die Runen… Sie markieren deinen Körper und beginnen an deinem herzen. Die Malfoys haben für die Männer und Frauen zu Beltain und Samhain spezielle Rituale… Imbolc und Lughnasadh sind weniger wichtig und die Rituale sind eher locker… Aber zu Beltain tragen wir die Runen, die nur Malfoy-Männer lesen können. Die Symbole können den Wunsch nach gutem Wetter, Glück, Liebe, Familie, und so weiter beinhalten. Ich habe keine Ahnung, wie sie die Runen lesen können, aber es klappt. Ich denke, die Gabe wird von Vater zu Sohn weitergegeben, ich weiß nur, wie man den Zauber spricht…“

Wieder saugte ich an meiner Lippe. Ich hatte Bedenken, an den Beltain-Feierlichkeiten der Familie Malfoy teilzunehmen.

„Jetzt denk an dieses wichtige Etwas… Wenn es etwas Abstraktes es, verbinde es mit einem Bild. Schließ die Augen…“

Ich gehorchte, hauptsächlich aus Neugierde, wie die Rune aussehen würde.

„Stell es dir vor…“, flüsterte Narcissa fast wie ein Hypnotiseur. „Stell es dir vor…“

Ich wusste nicht, was ich mir ‚vorstellen’ sollte, aber ich fragte mich, was ich wohl selbst am meisten wollte.

Liebe… flüsterte Severus.


Und plötzlich spürte ich Magie über meine Haut tanzen, meine Gliedmaßen, meinen Oberkörper hinunter, meine Brüste entlang, um meine Taille.

„Interessant…“, überlegte Narcissa und ich öffnete meine Augen, weil der Zauber vorbei war.

Ich hob meinen nackten Fuß vom Boden ab, als Narcissa sich wieder hinstellte und ihren Zauberstab in ihre Tasche gleiten ließ. Über meinen Fuß und mein Bein hinauf verliefen winzige, dunkelgrüne Runen, alle identisch und alle fremd. Sie erinnerten mich an das astrologische Symbol für den Stier, wichen jedoch in einigen Punkten und einem Strich durch den Kopf des Stiers ab.

Die Runen wirkten eher wie Sommersprossen, aber über meinem Herzen, oberhalb meiner linken Brust, war die größte Rune. Ich zuckte mit den Schultern und sah Narcissa an.

„Das habe ich noch nie gesehen, aber selbst wenn ich mich an all meine vergangenen Runen erinnern könnte, wüsste ich immer noch nicht die Bedeutung… Naja… Lucius oder Draco werden uns schon aufklären…“

Ich bat Narcissa fast, nichts zu sagen; ich hatte Angst vor der möglichen Antwort.

Die nächste halbe Stunde zog ich mich an, das Kleid passte genau. Narcissa hatte sehr viel Spaß, wobei ich ihre Aktionen nur tolerierte. Ich verehrte diese Frau, aber ich war keine Anziehpuppe, vor allem nicht für Kleider.

Nach dem Sonnenuntergang verwandelte Narcissa eines von Malfoys Büchern, Carl Jungs ‚Der Mensch und seine Symbole’, in einen Ganzkörperspiegel und schob mich in meinem vollendeten Outfit etwas steif davor. Was ich im Spiegel sah ließ mich blinzeln und mit offenem Mund starren.

ich war nicht irgendein hübsches Püppchen, ich war ich selbst. Ich trug kein Make-up, keine teuren Klamotten, sondern merkte stattdessen, dass das Kleid gar nicht so elegant war, wie ich anfangs gedacht hatte, sondern schlicht und wunderschön. Meine Haare wurden durch zwei silberne Kämme zurückgehalten und die Zöpfe fielen meinen Rücken hinunter, während das ungeflochtene Haar direkt an der Kopfhaut verschlungene Wellen formte. Mein Gesicht wirkte sauber und milchig und das Lila des Kleides hob meine Bernsteinaugen so hervor, dass sie übernatürlich zu leuchten schienen.

Obwohl das Kleid keine Ärmel hatte, war es warm und weich, der Ausschnitt reichte bis zur Oberseite meiner nackten Brüste. Der Silbergürtel lag eng um meine Taille und akzentuierte meine natürliche Sanduhr-Form; die losen Enden hingen an meiner linken Hüfte. Der Saum des Kleides fiel lose um meine Knöchel und die passenden Sandalen, die zu dünn wirkten, um sie draußen tragen zu können, die aber warm und bequem waren. Der Höhepunkt meines Auftretens waren jedoch die Runen, die meine Gliedmaßen und meinen Körper verzierten. Ich sah aus wie eine halb wilde, halb göttliche Kreatur – eine Kreatur, die ohne Zweifel nur Hermine Jane Granger sein konnte.


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Hermine hängt die Tweed-Röcke und Strickpullis von Oma in den Schrank und - darf ich es überhaupt aussprechen - trägt Jeans!
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