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Fanfiction

The Fool, the Emperor and the Hanged Man - Kapitel 20

von Nitsrek

Aus irgendeinem Grund hatte ich nach so vielen Jahren wirklich Spaß am Fliegen. Ich nahm an, es war das Gefühl von Wind um meinen Körper oder die Freiheit, die ich fühlte. Ich erinnerte mich vage, dass Harry einmal gesagt hatte, er fühlte sich nur frei von seiner Verantwortung, wenn er flog. Ich verdrängte diese Erinnerungen, als ich neben Draco durch den Tempelwald zur Grenze der Malfoy-Ländereien flog.

Als wir in dem kleinen Wäldchen landeten – die Sonne war gerade untergegangen – nahm Draco automatisch meine Hand, während wir die größten Eichen passierten, die ich je gesehen hatte, größer noch als die im Verbotenen Wald. Zwei Eichen neigten sich zueinander, so dass sie wie ein Tor wirkten, das zu einem Bereich mit jüngeren Bäumen führte. Als wir hindurch schritten, die Besen in unseren Händen, spürte ich Magie über mich laufen, die mir Durchlass gewährte. Auf der anderen Seite der Bäume sah ich zurück und entdeckte nur große Farnpflanzen, die Eichen waren weg. Die Luft war kälter und roch stärker nach Kalkboden.

Wir hielten inne und schrumpften unsere Besen. Ich seufzte, als ich den Feuerblitz in die bodenlose Tasche meines verwandelten schwarzen Umhangs steckte. Meine Handschuhe berührten die Drachenhaut-Kleidung, die Malfoy mir gegeben hatte. Ich hatte die Klamotten erst vor einer Stunde angezogen, fand die Stiefel bequem, die Hose flexibel und elastisch, die langen Handschuhe und die Bluse warm.

Ich schaffte es, Narcissas Frisurenzauber nachzuahmen, band die kleinen Zöpfe aber mit einem Band zurück. Meine Zauberstäbe steckten in einem Halfter, das um meinen rechten Handschuh gebunden war, meine bodenlose Tasche war voll mit Zaubertrankfläschchen, mehreren Büchern (inklusive dem ‚Gehängten’), einem Korb mit Essen unter einem Frischhaltezauber, der Kobold-gearbeitete Truhe mit dem übrigen Zeitumkehrer und meinem Besen. In meinem linken Stiefel steckte Lucius’ verzauberter Dolch. Um meinen Hals, verborgen unter dem Drachenhaut-Oberteil, hing der Anhänger, die Scheibe drückte sich an die Innenseite meiner linken Brust.

„Bereit?“, fragte Draco ruhig, legte seinen schwarzen Umhang um seine Schulter und streckte mir im schwachen Licht des nichtmagischen Tempelwaldes seine Hand entgegen.

Abgesehen von den Handschuhen war Dracos Outfit mit meinem identisch. Er machte einen imposanten Eindruck in seiner Drachenhaut-Rüstung mit dem Umhang und dem wilden platinfarbenen Haar. Er trug keine Augenklappe über seiner Narbe und als ich seine Hand nahm, bemerkte ich, dass er selbst mit dem ruinierten Auge nicht fürchterlich entstellt aussah. Harry hatte Malfoys übernatürlicher Schönheit nichts anhaben können.

Ich trat auf Draco zu, in seine Arme, in eine Umarmung, die nur noch fester wurde, als die Welt sich um uns zusammenzog und wir zu den Toren von Hogwarts apparierten.

Wir stolperten nicht, als unsere Stiefel den Boden berührten, und trennten uns langsam voneinander. Draco zog meine Kapuze hoch, bevor er es mit seiner eigenen gleichtat. Es war dunkel im Norden, dunkler als im Tempelwald.

„Der Anti-Apparier-Schutz sind für die Gedenkfeier morgen abgeändert worden“, flüsterte Draco, als er wieder meine Hand nahm und wir auf das Tor zuliefen.

Statt zwei Beamter standen dort nun sechs; Kohlebecken beleuchteten den Bereich. Als wir näherkamen, trat Draco vor.

„Sir, Sie sind genau pünktlich“, sagte ein Beamter zu Draco.

Ich ignorierte die Beamten, die alle einen Blick auf ihren Vorgesetzten wagten, und richtete meine Aufmerksamkeit auf das Schloss. Alle Fenster, von der Großen Halle bis zum höchsten Turm, waren beleuchtet, als wäre das Schloss voller Schüler, Ich schluckte ein Schluchzen.

Meine Augen wanderten wieder zu den Toren und den Gesichtern der Beamten, die beobachteten, wie Draco und ich durch die Koboldmagie traten. Die Wirkung des Zaubers war nicht angenehmer als das Mal davor. Als ich durch war, seufzte ich vor Erleichterung und warf keinen Blick zurück auf das Tor, sondern auf die Eingangstüren zum Schloss. Vor den geöffneten Türen standen drei Figuren, eine von ihnen erkannte ich an ihrer Größe.

Ich ließ Dracos Hand los und eilte zu ihr, die Kapuze glitt von meinem Gesicht, als ich anfing, zu rennen.

Hagrid…

Merlin, ich konnte seine riesigen Tränen sehen, bevor ich ihn auch nur erreichte, während ich die Stufen hochrannte, um in seine quetschende Umarmung zu springen. Hagrid war seit meinem Einzug in den Wald mein ständiger und bester Freund gewesen.

„’Mine…“, schluchzte Hagrid, als er mich an seinen dicken Fellmantel drückte, der nach Wald und Holzrauch roch.

Nach gefühlten Stunden setzte Hagrid mich sanft auf der Steinschwelle des Schlosses ab, seine großen Hände lagen schwer auf meinen Schultern. Die Fackeln der Eingangshalle beleuchteten mein Gesicht, während er mich studierte.

„Es geht mir gut, Hagrid“, sagte ich sanft, Tränen rannen über mein Gesicht. Ich wischte sie mit meinem Handrücken weg, die Drachenhaut sog die Flüssigkeit auf. „Es tut mir so leid, dass ich nicht schreiben konnte…“

Hagrid schüttelte seinen buschigen Kopf. „Ich weiß, Hermine. Ich weiß, dass du nicht konntest.“

Ich nickte. Jemand hatte Hagrid von Harrys Angriff und dem daraus resultierenden Versteck erzählt.

„Du siehst schon viel besser aus, Hermine“, erklang eine andere Stimme hinter Hagrid und mein großer Freund trat zur Seite und gab den Blick auf Neville Longbottom frei.

Neville schien auch gesünder, seitdem ich ihn zum letzten Mal gesehen hatte. Er hatte etwas an Gewicht zugelegt und füllte seinen königlich roten Umhang nun gut aus. Selbst das Lächeln auf seinem Gesicht reichte bis in seine Augen; er freute sich, mich zu sehen.

Die andere Figur auf der Schwelle trat vor und plötzlich hielt Charlie Weasley meine Hand in seinen rauen Handflächen.

„’Mine…“, sagte er nur, fast flüsternd.

Auch wenn Charlies Mund ein attraktives Lächeln formte, konnte ich sehen, dass in seinen blauen Augen tiefer Schmerz lag. Ich runzelte die Stirn. Molly… Aber bevor ich meinen Mund öffnen und Charlie eine Frage stellen konnte, legte sich Dracos Hand auf mein Kreuz. Er stand nun bei uns auf der Schwelle.

Neville und Hagrid versteiften sich beim Anblick von Draco, aber Charlie nickte zur Begrüßung.

„Direktor, ich nehme an, Sie haben die gleichen Unterkünfte wie das letzte Mal vorbereitet?“, fragte Draco, seine Stimme nahm diesen ‚offiziellen’ Ton an, den ich inzwischen kannte.

Neville nickte. „Alles ist bereit. Aber ich muss protestieren, Malfoy…“

Draco hob eine Hand und stellte Neville damit ruhig. Nevilles Gesicht errötete sich.

Ich entfernte mich einen Schritt von Draco, leicht verlegen über seine kühle Behandlung meines alten Freundes. Ich wusste, dass ich Neville auf ähnliche Art behandelt hatte, aber ich hatte ihn nicht offen beleidigt. Neville war der Direktor.

„Hagrid“, sagte ich und hoffte, damit die Spannung etwas zu lindern. Ich trat auf ihn zu. „Sollen wir etwas spazieren gehen, bevor es zu dunkel wird?“

Ich sah Draco nicht an, als Hagrids Mund ein erleichtertes Lächeln bildete und er mir seinen Arm anbot. Zusammen entfernten Hagrid und ich uns von den Türen und ich spürte Dracos Blick auf mir.

Es war zu dunkel, um schnell zu laufen, aber Hagrid und ich liefen oft im Mondschein zum Ufer des Sees, beobachteten dabei die Thestrale, die über das Wasser flogen oder die Riesenkrake, die sich im Sternenlicht träge streckte. Wir liefen oft im Sommer, wenn kühle Luft vom Inneren des Sees herwehte und uns kühlte, während wir über alles mögliche sprachen. Hagrids Gesprächsthemen beschränkten sich dabei auf den Wald, seine Kreaturen und Hogwarts, aber das störte mich nie; meistens war es eine willkommene Ablenkung.

Als wir über die Ländereien in Richtung See liefen, sprachen wir erst, als wir weit genug von den Türen entfernt waren, um nicht überhört zu werden.

„Ich habe die Zeitung gelesen, ’Mine. Stimmt es, was sie über Harry schreiben?“, fragte Hagrid schließlich, als wir das Kiesufer erreichten und der Mond über die Hügel stieg.

„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was in der Zeitung steht, Hagrid.“

Hagrid zog ein riesiges Taschentuch aus seinem Mantel und wischte über seine Augen.

„Die Morde – hat er wirklich diese Muggel umgebracht, die ihn aufgezogen haben?“

Ich seufzte und tätschelte die Rückseite von Hagrids Baum-ähnlichem Arm. „Ja, Hagrid. Er hat viele Menschen getötet.“

„Ich kann einfach nicht glauben, dass er dir wehtun würde, ’Mine… Es ist so unwirklich!“, schluchzte Hagrid und schnäuzte sich die Nase.

Ich nickte zustimmend. Nichts schien wirklich. Manchmal fragte ich mich, ob ich nicht einfach in einem Traum feststeckte, zum Teil Fantasie, zum Teil Albtraum.

„Aber er hat es getan, Hagrid, und es ist real“, flüsterte ich, als wir uns den drei Gräbern der drei Direktoren der Schule für Hexerei und Zauberei näherten.

Wir hielten nur einen Moment inne, um die Gräber im Mondlicht anzusehen, bevor wir uns auf den Pfad begaben, der uns zu Hagrids Hütte und dem Waldrand führen würde.

„Ich haben einen Haufen Post für dich…“, begann Hagrid, als ich ihm zögerlich weiter weg von den Türen und Draco folgte.

Ich hatte nicht beabsichtigt, so weit zu laufen, aber Hagrids Bemerkung über Post ließ mich realisieren, dass ich seit Wochen keinen Kontakt zum Ministerium gehabt hatte. In der Verwirrung und dem Schock, die meinem Angriff gefolgt waren, hatte ich vergessen, Draco gegenüber zu erwähnen, dass meine Post weitergeleitet werden sollte. Natürlich war ich lange Zeit zu krank gewesen, um mich überhaupt damit befassen zu können, auch wenn ich sie gehabt hätte.

Ich hielt mich an Hagrids dickem Arm fest, während wir im Dunkeln den ausgetretenen Weg entlang liefen. Ich konnte gerade so das steile Dach von Hagrids Hütte ausmachen, als wir näher kamen. Als Hagrid mich in die Wärme seines Zuhauses führte, entflammten die Kerzen auf dem Holzkronleuchter, der über dem großen Tisch vor dem Feuer hing. Ich kletterte auf einen Küchenstuhl, als Hagrid die Tür hinter sich schloss und in das Schlafzimmer hinter dem alten Vorhang trat.

In Hagrids schwarzen Augen schwammen Tränen, als er ein Bündel Briefe, das mit Zwirn zusammengebunden war, vor mir auf dem Tisch ablegte. Er murmelte, dass er uns einen Tee machen würde und ich nickte, während ich an dem Knoten zog, der das Bündel zusammenhielt. Es war lange her, dass ich Hagrids bitteres Gebräu zuletzt probiert hatte.

Briefe vom Ministerium, Flyer, die Schlussverkäufe in der Winkelgasse anpriesen, eine Postkarte von Ron, kurz vor dem Angriff auf mich, eine Notiz von Flourish & Blotts, in der stand, dass meine Bestellung nun angekommen war und schließlich ein Päckchen. Auf ihm stand: ‚H. Jane Granger, zu Händen R. Hagrid, Hogwarts.’

Ich öffnete das Päckchen und zog Pergament aus dem Umschlag. Es war eine Rolle, so gefaltet, dass sie in den großen Umschlag passte, platt gedrückt an manchen Stellen. Unter der gefalteten Rolle lagen lose Blätter, die meistens furchtbar knittrig, andere zerrissen. Ich las zuerst die oberste Rolle.

Hagrid stellte den Kessel aufs Feuer und stellte Tassen auf den Tisch, setzte sich und starrte traurig ins Feuer. Ich wollte meinen alten Freund anlächeln, seine Hand tätscheln, ihn aufbauen, aber als mein Blick auf die geschriebenen Worte fiel, schien mein Herz vor Kälte zu erstarren.

‚21. März 2008. Liebe Hermine’, las ich und überlegte, wo ich war, als der Brief geschrieben worden war. Ich war zur Tagundnachtgleiche auf Malfoy Manor, Dracos Wunden von dem Kampf mit Harry in Animagusform verheilten gerade. Harry wurde als ‚dunkel’ eingestuft und zu einem Kriminellen.

‚Liebe Hermine,

Ich wünschte, ich könnte dir unter schöneren Umständen schreiben, dir vielleicht gute Nachrichten überbringen oder dir einen schönen Urlaub wünschen. Aber leider haben uns die Jahre kein solch vertrautes Verhältnis beschert. Wir waren nicht die engsten Freundinnen, und ich kann nur hoffen, dass du weißt, dass ich diesen Brief in Liebe und Bewunderung an dich schreibe.

Hermine, du bist der einzige Mensch, der meinen Ehemann davon abhalten kann, die Welt auf den Kopf zu stellen. Und deshalb bitte ich dich…’

Hagrid war aufgestanden und hatte Tee in unsere Tassen gefüllt, und ich hielt inne, um ihn anzusehen.

„Es ist von Ginny“, sagte ich leise, als Hagrids rabenschwarze Augen zu dem Stapel Pergament wanderten.

Er nickte und setzte sich mir gegenüber hin.

„Lies weiter und lass dir Zeit, ’Mine“, flüsterte Hagrid, der sich mit seinem Tee zurücklehnte.

Es war fast unheimlich, Hagrids ernstes Gesicht zu sehen und seine traurige Stimme zu hören. Den ganzen Krieg lang war Hagrid immer so positiv gewesen, immer lächelnd, immer warm, selbst, als es am schlimmsten war. Meine Augen glitten zurück zu dem langen Brief, lasen aber im Moment nicht.

„Hagrid…“, fing ich an, hielt dann aber inne. Ich hob meinen Blick zu meinem alten Freund mit den wässrigen Augen. Ich konnte Hagrid nicht sagen, dass selbst Ginnys Worte Harry verurteilten.

Ich las weiter, entfaltete das Pergament.

‚Und deshalb bitte ich dich – töte Harry, wenn es nicht anders geht. Wir wissen beide, dass das die einzige Möglichkeit ist, ihn aufzuhalten.

Nach dem, was er dir angetan hat, musst du wissen, dass er jene, die sich ihm in den Weg stellen, nicht einfach töten wird; er wird sie quälen, foltern und unwiderruflich schädigen. Hermine, ich höre erst jetzt die Einzelheiten dessen, was Harry dir angetan hat; Dad hat es mir erzählt, weil ich immer wieder gefragt habe. Und jetzt mit George und all den anderen, wird mein Kummer immer schwerer.

Du solltest wissen, Hermine, dass ich alle gewarnt hätte, wenn ich gewusst hätte, wie gestört Harry sein würde.

Unsere Ehe war für mich ein Traum. Ich hatte Harry geliebt, seit ich ein Mädchen war, und ich stand ihm in guten und schlechten Zeiten bei. Wir waren nicht einmal zwei Jahre verheiratet, als ich merkte, dass ich ihm nicht länger beistehen konnte.

Zuerst dachte ich, es war der berufliche Stress. Todesser fangen, Zeugen beschützen, damit sie bei den Prozessen aussagen konnten – wir alle haben uns ständig gesorgt. Aber es war nicht der Stress.

Harry verbrachte nun seine gesamte Freizeit in seinem Arbeitszimmer. Er sah mich nicht mehr an, er schlief nicht mehr bei mir und er sprach auch nicht mehr mit mir. Ich lebte mit einem Geist zusammen, der tagsüber zur Arbeit ging und dann nach Hause kam, als wäre er nicht sicher, ob er hier her gehörte.

Und plötzlich bemerkte er mich wieder, und für ein paar Wochen glaubte ich, ich hätte meinen Ehemann zurück. Wir aßen zusammen, wir schliefen im gleichen Bett und wir sprachen sogar über die Zukunft, Kinder. Dann, eines Abends, rief ich Harry zum Essen, aber er antwortete nicht. Als ich sein Arbeitszimmer betrat, fand ich ihn auf dem Boden sitzend vor, das Feuer loderte, Bücher und Papier waren über dem Teppich verstreut.

Ich rief ihn zum Essen; er bewegte sich nicht. Ich trat näher, glaubte, dass er vielleicht im Sitzen eingeschlafen war. Ich berührte ihn, und plötzlich stürzte er sich wie ein tollwütiges Tier auf mich. Er schlug mich, fletschte die Zähne. Hermine, seine Augen schienen vor Hass zu leuchten. Ich hatte ihn erst einmal so gesehen, gleich nach Dumbledores Tod. Diese Augen taten mir mehr weh als seine Faust in meinem Gesicht.

Harry versuchte sich zu entschuldigen, während er mein Gesicht heilte. Er hing an mir, als ich zum Kamin trat, um zum Fuchsbau zu gehen. Er wirkte so reumütig und so kindlich. Mein Herz brach, als ich ihn verließ, aber ich konnte nicht zulassen, dass er anfing, mich zu misshandeln. Tief in meiner Seele hatte ich gewusst, dass etwas falsch lief, schon bevor Harry sich stundenlang in sein Arbeitszimmer zurückzog.

Ron erzählte mir, wie Harrys Zustand sich langsam verschlechterte. Ron ging zu Harry und mir nach Islington nach Hause, klopfte an die Arbeitszimmertür und schrie Harry stundenlang an. Harry öffnete weder die Tür, noch antwortete er. Kreacher war das einzige andere Lebewesen, das durch den Schutz kam und das Arbeitszimmer betreten konnte. Da Ron reinblütig war (auch wenn Kreacher immer noch alle Weasleys als Blutsverräter bezeichnete), befolgte Kreacher seine Anweisungen. Füttere Harry, kümmere dich um seine Gesundheit, und – soweit möglich – informiere Ron über Harrys Beschäftigung im Arbeitszimmer – warum er nicht antwortete und warum er seinem besten Freund keinen Einlass gewährte.

Kreacher konnte Ron nur sagen, dass Harry noch lebte, dass er Notizen machte, und dass Kreacher Harry in kein Gespräch verwickeln konnte. Nach dem, was Ron mir erzählte, schien der alte, bösartige Elf aufgebracht, weil Harry ihm keine Befehle erteilte, wie es sich für einen ‚guten’ Meister gehörte. Am ende hatten Ron und ich keine Ahnung, warum Harry sich so merkwürdig benahm.

Als das Ministerium Harry kündigte, protestierte Ron nicht. Harry war seit Wochen nicht mehr auf Arbeit gewesen. Ich hatte Klage eingereicht und wochenlang mit zögernder Feder vor Scheidungspapieren gesessen. Am Ende rief ich St. Mungo, um die neu gegründete ‚Polizei’ zum Haus nach Islington zu schicken. Das Ministerium nahm Harry in Gewahrsam und bald erklärten die Heiler Harry ‚geisteskrank’.

Ich hatte mit den Ereignissen wenig zu tun; ich konnte es nicht ertragen, Harry zu sehen. Dad schien sich um den Papierkram bezüglich Harrys Einweisung zu kümmern und erzählte mir schließlich, dass Harry sich nicht daran erinnern konnte, wer ich, seine Ehefrau, war.

Das Letzte, was ich in Bezug auf Harry tat, war, Kreacher aufzufordern, Harrys Notizen aufzusammeln und sie zu mir zu bringen. Der Elf erledigte seine Aufgabe gleich nachdem die Polizei ihre Berichte beendet hatte. Anbei die Notizen.’

Ich hob Ginnys Brief hoch, so dass ich das oberste Blatt des Stapels sehen konnte – eine Seite mit mehr Tintenklecksen als Wörtern. Das Gekritzel war vertraut, ich kannte es noch zu gut von der Schule. Harrys Schrift.

‚Ich wollte sie, weil ich den Grund wissen musste – warum Harrys Seele sich von meiner getrennt hatte. Ich musste wissen, was ihn dazu gebracht hatte, mich zu schlagen, mich zu vergessen.

Ich las jede Seite, versuchte, zu verstehen, aber das meiste war mir fremd. Es schien wie die Notizen eines Wahnsinnigen, aber dann fiel mir etwas ein, eine tatsächlich hilfreiche Information, die Kreacher Ron gegeben hatte. Die Bücher…

Harry hatte von den Häusern der Todesser einige so genannte ‚dunkle Artefakte’ konfisziert. Die meisten Artefakte wurden vom Ministerium verwahrt, andere – hauptsächlich Bücher – wurden nach Hogwarts geschickt. Manchmal jedoch brachte Harry Bücher mit nach Hause, entweder hatte er dem Ministerium Geld dafür gegeben oder er hatte sie unter der Nase seiner Vorgesetzten durchgeschmuggelt. So kam er an den ‚Gehängten’. Er hatte einst den Dolohovs gehört.’

Ich schloss meine Augen. Dolohov… Merlin, es war fast zu offensichtlich. Der Schnittfluch, der mich in der fünften Klasse fast getötet hätte, stammte wahrscheinlich aus dem ‚Gehängten’. Über die Jahre hinweg war Dolohovs Gesicht oft in meinen Albträumen erschienen. Er war der erste Mann, der mich je wirklich verletzt hatte, und sein verrücktes Gesicht werde ich nie vergessen.

‚Das Einzige, was ich diesen Seiten entnehmen konnte, war, dass Harry irgendwie die Vergangenheit ändern wollte. Natürlich sagte Harry solche Dinge oft zu mir; dass er wünschte, unsere Welt wäre anders. Wenn nur Dumbledore am Leben wäre, Sirius, Fred, sogar Snape… Manchmal wurden seine Augen abwesend, als würde er darüber nachdenken, wie die Welt wäre, wenn sie alle noch am Leben wären.

Er schreibt auch über die Heiligtümer, und ich erinnerte mich, dass er mir von dem ‚Märchen der drei Brüder’ erzählt hatte. Er grinste immer, wenn er den Tarnumhang in unserem Tresor erwähnte. Ich denke, du wirst auf diesen Seiten finden können, warum er die Heiligtümer wieder wollte, nachdem er geschworen hatte, nie den Elderstab zu benutzen (wir alle wissen, wie er ihn zurück in Dumbledores Grab gelegt und es nach der Letzten Schlacht versiegelt hat) oder den Stein der Auferstehung zu suchen.

Und dann schreibt er über dein drittes Jahr, wie ihr Sirius vor den Dementoren gerettet habt. Erst jetzt gestatte ich mir zu glauben, dass diese verrückten Sätze und sein unberechenbares Verhalten aus einer tieferen Besessenheit rühren, die von den Heilern nicht unterdrückt werden konnte. Merlin, Hermine, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich Harry selbst umgebracht.’

Tränen stiegen in meinen Augen auf, als ich zum Ende von Ginnys Brief kam, und ich drückte eine Hand auf meinen Mund, um nicht zu weinen.

‚Hermine, bitte halte Harry auf.

Du wirst dich vielleicht wundern, warum ich das von dir verlange, denn wenn Harry zurückgehen und alles ändern würde, hätte ich ihn ja wieder. Wenn Harry in der Zeit zurückkehrt, wird alles, wofür wir gekämpft haben, umsonst sein. Es ist ungerecht, dass Harry die Macht haben soll zu entscheiden, wer lebt und wer stirbt, und wie die Zukunft aussehen soll.

Zögere nicht, Hermine, hab kein Mitleid. Harry James Potter ist tot; er hat sich selbst getötet, als er aufgehört hat, für die Zukunft zu leben – für die Menschen, die ihn lieben. Habe auch mit mir kein Mitleid; ich habe meinen Ehemann schon vor Jahren verloren. Ich stand im Wettbewerb mit der Vergangenheit und habe verloren.

Zweifel nicht, Hermine, lass Harry nicht die Möglichkeit nehmen, unsere Leben nach all den schrecklichen Dingen, die wir gesehen und getan haben, zu verbessern.’

Ich schluchzte laut und realisierte, dass Hagrid neben mir kniete; sein großer Körper blockte die Wärme des Feuers ab. Er zog sein Taschentuch aus der Tasche und wischte sanft die Tränen mit der Ecke des Stofffetzens weg.

‚Ich wünsche dir Glück, meine alte Freundin. Sei bitte vorsichtig und bitte vergib mir für die vielen Sachen, die ich hätte tun können, um dir diese Bürde zu ersparen. Du wirst mich vermutlich nie wieder sehen, Hermine, also wünsche ich dir alles Glück der Welt – dass du eine Liebe findest, die realer ist als die, die ich für den Jungen empfand, der mein Leben gerettet hatte.

In Liebe, Ginny.’

Ich ließ den Brief auf den Tisch fallen und umarmte Hagrid, weinte in seinen Bart wie ein kleines Mädchen. Ginny hatte sich dazu entschlossen zu verschwinden.

Bemitleide die Lebenden, und vor allem jene, die ohne Liebe leben.

Alles, was Harry berührt hatte, war verderbt. Anfangs war es nicht so gewesen, Harry war unverdorben und unschuldig gewesen, aber mit dem Wahnsinn kam Egoismus, mit Egoismus Grausamkeit und mit Grausamkeit kam das Böse. Harry war nicht besser als Voldemort und sein Plan, ewig zu leben. Harry wollte nicht ewig leben. Er wollte Gott werden.

Das Schließen von Hagrids Tür alarmierte mich nicht, aber es alarmierte mich, dass mein alter Freund mich losließ und sich zu seiner vollen Größe aufrichtete.

„Was willst du hier?“, knurrte Hagrid, seine tiefe Stimme bedrohte wer-auch-immer gerade eingetreten war.

Ich drehte mich auf dem Stuhl und sah Draco direkt am Eingang stehen, der Hagrid nicht einmal wahrnahm, sondern mich voller Sorge anstarrte.

„Hermine“, begann Draco, trat auf mich zu, aber Hagrid trat mit einer Geschwindigkeit und einer Grazie, die ich einem so großen Mann nie zugestanden hätte, zwischen uns und blockierte meine Sicht auf meinen Beschützer völlig.

Ich wischte meine Tränen von meinen Wangen und blickte kurz auf den Brief und die anderen Pergamente, die mit der restlichen Post auf dem Tisch lagen. Ich stand von dem hohen Stuhl auf und berührte Hagrids Arm, lief um ihn herum, bis ich vor ihm stand. Mein Rücken lehnte sich an Draco Brust, als er mich gerade ansprechen wollte, aber ich hatte mich mit einem Lächeln zu Hagrid umgedreht.

„Hagrid, es ist in Ordnung. Draco wird hier keinen Ärger machen, er hat mich gesucht um zu sehen, ob ich in Sicherheit bin“, sagte ich sanft, bemerkte aber, dass Hagrid Draco kühl ansah.

„In Sicherheit? In Sicherheit! Natürlich ist ’Mine hier sicher“, grummelte Hagrid.

Ich spürte, wie Draco in meine Zöpfe ausatmete. Draco war nicht wütend oder beleidigt durch Hagrids Verhalten, aber ich konnte spüren, dass es ihm nicht behagte, hinter mir zu stehen.

„Hagrid, Draco und ich sind…“ Ich verstummte, als Dracos Hand sich auf meinem Umhang auf meinen Rücken legte. „Wir arbeiten zusammen, seitdem ich angegriffen wurde. Er hat mich seit damals beschützt und ich… ich vertraue ihm.“

Hagrid schien zu seufzen und trat langsam zu seinem Stuhl hinter dem Tisch, nahm seinen Tee. Ich seufzte auch, wissend, dass ich Hagrid nicht würde überzeugen können, dass Draco keine Bedrohung war, lief aber auch zu meinem Stuhl, als Draco sich wieder an den breiten Türrahmen lehnte, die Arme verschränkte und selbstgefällig grinste.

Ich drehte mich so, dass ich beide Männer leicht im Blick hatte, wandte mich aber wieder Ginnys Brief zu. Ich faltete das Pergament wieder zusammen und steckte es zusammen mit dem Rest zurück in den Umschlag. Ich schloss die Lasche, legte das Päckchen auf meinen Schoß und kümmerte mich um die andere Post, die ich großteils wegwerfen würde.

Die Stille in der Hütte war fast schmerzhaft für meine Ohren. Meine Augen juckten vor zurückgehaltenen Tränen und meiner düsteren Stimmung. Dennoch versuchte ich Hagrid anzulächeln, als ich schließlich einen Schluck seines starken Tees nahm.

„Wann geht die Zeremonie morgen los?“, fragte ich und versuchte erfolglos, meine Stimme wenig belegt klingen zu lassen.

„Bei Sonnenuntergang. Hast du gesehen, was sie dort hinstellen, wo Neville der Schlange den Kopf abgehackt hat?“, fragte Hagrid und freute sich über die Chance auf eine Unterhaltung.

Ich schüttelte mit einem verwirrten Blinzeln den Kopf.

„Einen Brunnen! Ich habe die Originalpläne gesehen und bin ganz froh, dass sie nicht die erste Idee umsetzen – eine große Schlange, die sich um ein Schwert windet – was für ein Unsinn. Nee, es ist so ein Brunnen wie im Ministerium, kleiner, nehme ich an. Eine Plakette mit den Namen der Verstorbenen – natürlich nur den Guten – aber allen Hexen, Zauberern, Zentauren und Riesen, die als Helden gestorben sind, wird auch angebracht.“

Draco machte ein Geräusch, aber es war weder ein Schnauben, noch ein Lachen. Ich sah ihn nicht an.

„Wir werden da sein, Hagrid“, sagte ich und langte über den Tisch, um seine Hand zu tätscheln.

Hagrid lächelte, seine schwarzen Augen glänzten.

Mit soviel Freundlichkeit wie möglich verabschiedete ich mich von ihm und versprach, dass ich mit Hagrid bei der Zeremonie in der letzten Reihe sitzen würde. Nach so vielen Zeremonien hatten Hagrid und ich uns unsere Sitze in der letzten Reihe verdient, er wegen seiner Größe, ich wegen meiner Aversion gegenüber den meisten Leuten.

Ich steckte meine Post in meine bodenlose Tasche, bevor ich Hagrid noch einmal umarmte, wobei neue Tränen in meine Augen schossen. Ich hatte meinen alten Freund vermisst, zusammen mit dem simplen Vergnügen des Teetrinkens und Gesprächen über magische Kreaturen. Schließlich ließen Draco und ich die Hütte hinter uns und liefen den Weg zum Schloss hinauf; ein Weg, den wir als Schüler so oft gelaufen waren.

Draco hielt meine Hand fest, als wir über den dunklen Pfad stapften und ich zögerte, Ginnys Brief zu erwähnen. Ich hatte Hagrid nicht angelogen. Ich vertraute Draco.

„Ginny hat mir einen Brief geschickt“, sagte ich leise, als wir das Schloss durch eine Tür betraten, die in einen der vielen leeren Korridore führte. Fackeln erhellten den Weg, als wir in Richtung Portraithalle liefen, in Richtung Verliese. Es war nicht der Weg, den ich immer benutzt hatte, und ich wusste, dass Draco den Pfad zu den Slytherin-Schlafsälen ablief.

„Wann?“, fragte er, seine Stimme ein Knurren, und ich fragte mich, ob er wütend war. Seine Hand zerquetschte meine.

„Nach der Tagundnachtgleiche.“

Die Verliesgänge waren kalt, wir passierten das Klassenzimmer für Zaubertränke, Horaces Unterkunft, und blieben vor einer besonders feuchten und mit Schimmel befallenen Wand am Ende eines kurzen Flurs stehen. Draco entließ meine Hand, um beide Handflächen an die klammen Steine zu pressen, und eine Tür erschien.

Ich seufzte; ich hatte nicht die Ruhe, um über die Schutzzauber, die Severus’ Gemächer verbargen oder die Tatsache, dass ich die kleine Sackgasse nie bemerkt hatte, nachzudenken. Ich hatte auch nicht die Kraft zu bewundern, wie Severus’ verzauberte Fenster einen Blick auf den See zu zeigen schienen, oder wie das Abendessen auf einem Tisch in der Zimmermitte für uns bereit stand.

Draco schloss die Tür, als wir beide im Raum waren. Ich stand stumm im Wohnzimmer und löste meinen Umhang, um ihn über die Lehne des Ohrensessels zu werfen, der vor dem brennenden Kamin stand. Draco tat es mir gleich, lief jedoch ins Schlafzimmer, das offen war, die Bettdecken waren zurückgeschlagen.

Ich schüttelte den Kopf, versuchte, meine Gedanken zu fassen.

„Weißt du noch, was du mir über den Bericht der Auroren erzählt hast?“, sagte ich, als Draco durchs Schlafzimmer lief, seine Drachenhaut-Rüstung auszog und sie aufs Bett warf. Ich trat an die Tür, lehnte mich an den Rahmen und beobachtete, wie er sich auf das Bett setzte, um die schwarzen Stiefel auszuziehen und anschließend auf den Boden fallen zu lassen.

„Welcher Bericht?“, fragte er und stand auf, um seine Hose zu öffnen.

Er blickte mich kurz an, sein Gesicht wirkte finster. Er öffnete die Kommode und zog eine weiße Schlafanzughose mit Hüftbändel hervor.

„Nachdem Harry ins St. Mungo gebracht wurde.“

Draco nickte, lief zur anderen Seite des Bettes, zog seine engen Hosen aus, so dass ich eine perfekte Sicht auf seine Rückseite hatte, die straffen Muskeln seines Rückens, seines Pos, seiner Beine. Ich errötete und wandte den Blick ab.

„Die Pergamente, die du erwähnt hast, die, die verloren gegangen sind…“

„Ja, Granger, ich weiß“, knurrte er und bückte sich, um in die Schlafanzughose zu steigen. Ich wagte einen Blick, erkannte den Schatten seiner Hoden und seines schlaffen Penis’ an seinem Schenkel.

Ich biss in meine Lippe, als ich sein Geschlechtsteil sah und er mich ‚Granger’ nannte. Er war verärgert und ich fragte mich, ob es daran lag, dass ich mit Hagrid spazieren gegangen war und dabei seinen Schutz ohne Erlaubnis verlassen hatte. Mein Gesicht brannte, als Draco die Bändel festzog.

„Ich habe diese Pergamente in meinem Umhang“, erklärte ich und verschränkte meine Arme vor der Brust.

Draco wirbelte herum, sein linkes Auge funkelte, und er kam zu mir, während mein Herz raste.

„Lass mich sehen.“

Ich biss wieder in meine Lippe und ging zu meinem Umhang, grub mich durch die bodenlose Tasche. Als ich das Bündel hervorzog, setzte Draco sich an den Tisch und schenkte sich etwas Kürbissaft in seinen Kelch. Ich gab ihm die Pergamente, setzte mich aber nicht. Selbst Hogwarts’ vertraute Speisen reizten mich nicht. Ehrlich gesagt krampfte mein Magen schmerzhaft.

Ich stellte mich neben den Ohrensessel und studierte Draco, der ohne Oberteil auf seinem Stuhl saß, sein linkes Auge auf die Pergamente konzentriert. Es schien fast eine Sünde zu sein, dass Draco halb bekleidet in Severus’ Wohnzimmer saß. Als seine blassen Hände jedoch begannen, die Pergamentseiten durchzuwechseln, entspannte sich Dracos Gesicht langsam, die Finsternis verschwand. Ersetzt wurde sie durch eine unaufdringliche Alarmiertheit.

Draco überflog die letzte Seite schnell, ließ die Seiten in seinen Schoß fallen und hob seinen Blick zu mir.

„Hast du das gelesen, Hermine?“, fragte er sanft.

Ich schüttelte den Kopf und senkte den Blick zu Boden, unter meine Drachenhaut-Stiefel.

„Das meiste ist Unsinn, aber der andere Teil bestätigt, dass deine Theorien stimmen. Potter hat seine Handlungen seit Jahren geplant – wen er umbringt, wen er kontaktiert, wen er verschont. Namen, Daten, Ereignisse, alles hier, wo wir es schon wissen. Wenn wir diese Seiten Monate oder Jahre zuvor gehabt hätten, hätten wir ihn aufhalten können!“

Draco packte die Zettel und warf sie wütend ins Wohnzimmer; die meisten landeten auf dem Esstisch, ein paar schwebten ins Schlafzimmer, andere in das dunkle Badezimmer. Draco stand auf, wobei der Krug Kürbissaft vom Tisch fiel und den eiskalten Saft auf den Boden goss.

Ich zuckte zusammen, als Draco mit einer Hand auf dem Mund und barfuß auf und ab lief. Ich legte eine Hand auf meinen aufgewühlten Magen, während ich den blassen Mann beobachtete, der seine rechte Faust ballte.

Langsam hob ich die Seiten auf, meine Augen kitzelten mit Tränen.

Natürlich hatte Draco Recht, ich sah Harrys Notizen, als ich die Blätter sammelte. Notizen über die Nacht, in der Voldemort wiedererweckt wurde, Notizen zu den Zeitumkehrern, Büchertitel, die so kleine Hinweise auf Zeitumkehrer gaben, dass mich Harrys Gründlichkeit überraschte. Namenlisten, sogar Beschreibungen, wie und warum die Leute sterben sollten. Notizen und Sprüche aus dem ‚Gehängten’, Sprüche, die töteten, aber nicht vom Ministerium bemerkt werden würden. Und als ich die letzten Seiten aufhob, las ich Bemerkungen, wozu Harry den Stein der Auferstehung brauchte.

‚Ich kann Hermine und Ron nicht verlieren, und egal, wie sehr sich alles ändert, ich fürchte, ich werde sie verlieren. Ich kann sie nicht dem Tod überlassen, während ich weiterlebe… ewig…’

Ich leckte meine Lippen, als ich das letzte Blatt aufhob, eine Bleistiftzeichnung meines Gesicht in der Ecke. Harry musste es aus seinem Kopf heraus gemalt haben, eine Erinnerung an den Weihnachtsball.

Wenn Ginny diese Pergamente nicht genommen und versteckt hätte…

Ich verkniff mir ein Schluchzen, kniete direkt neben der Schlafzimmertür auf dem Boden. Ich konnte mir die Schuld, die Ginny Potter spürte, kaum vorstellen.

Draco hielt mich fest, als mir ein Schrei entwich; die Pergamentseiten glitten aus meinen Armen und ich warf mich an ihn. Er war zu mir gekommen und wir hielten uns fest, fielen um, so dass ich auf seinen Knien lag. Seine Hände fuhren über meinen Rücken, meine Schulter, meine Haare und mein Gesicht, während ich weinte.

Ich hatte so viel geweint, dass ich nicht glaubte, dass der Schmerz und der Kummer mich jemals wieder freigeben würden, aber sie ließen nach und Draco Malfoy versuchte mich zu trösten.

Als er Küsse auf meine Wangen drückte, meine Tränen trank, erwiderte ich seine Küsse.

„Draco…“, flüsterte ich, seine starken Arme umgaben mich wie Kabelstränge. „Draco…“

Ein Teil von mir hatte das Gefühl, ich wäre die bemitleidenswerteste Kreatur auf der ganzen Welt. Ein Teil von mir fragte sich, ob das Universum mich bestrafte. Ein Teil von mir wunderte sich, ob ich nicht schon vor langer Zeit hätte sterben sollen. Aber nein. Ich würde leben; ich musste leben, wenn auch nur um festzustellen, ob ich den Mann, der mir die Tränen vom Gesicht leckte, wirklich liebte.

*****
Draco hielt mich im Arm, als wir in Severus’ Bett schliefen. Ich schlief so tief und angenehm an seinem Körper. Als ich morgens aufwachte, lag Draco immer noch an mir, sein Körper gefasst, als würde er mich vor irgendeiner unsichtbaren Gefahr schützen wollen.

Verzweiflung, es war Verzweiflung.

Der zehnte Mai war da und ich wusste, dass ich nicht heulen durfte.

*****
Mafalda Hopkirk war eine hübsche, ältere Hexe, und von meinem Platz in der letzte Reihe, Hagrid zu meiner Rechten, konnte ich sehen, dass ihre leuchtend blauen Augen zum Dunkelblau ihres Umhangs passten. Die Zaubereiministerin stand an einem Podium, der Gedenkbrunnen sprudelte hinter ihr. Wie Hagrid gesagt hatte, ähnelte der Brunnen dem sehr viel größeren Brunnen der Magischen Geschwister im Ministerium. Die Figuren des Brunnens waren jedoch silbern, nicht golden, und die Koboldstatue war die einzige, die im Vergleich zu dem im Atrium fehlte. Es war eine sichere Darstellung, nichts Originelles. Mir war der Brunnen egal.

„Wir müssen durchhalten, wenn wir unsere Welt stabilisieren wollen…“

Ich hatte die Rede der Ministerin über Gleichheit, Redefreiheit, Nulltoleranz gegenüber Terrorismus und Bedrohungen der Stabilität der Magischen Welt ausgeblendet. Stattdessen ließ ich meine Augen über die Versammlung der circa einhundert Menschen in Stuhlreihen schweifen. Die Versammlung würde wie auf Stichwort klatschen, aber das interessierte mich nicht.

Die Kapuze meines Umhangs saß tief, und auch wenn ich viele Gesichter erkannte, bemerkten sie mich nicht.

Um die Versammlung, hoch auf dem Schloss hinter mir, am Rand des Waldes und am Seeufer standen Auroren. Selbst Draco war irgendwo in der Nähe, denn ich spürte seine Augen auf mir, irgendwo hinter mir, vielleicht hinter den Zinnen des Astronomieturms.

Meine Hände zappelten auf meinem Schoß bei dem Gedanken an Draco auf dem Astronomieturm, meine Augen huschten zu den Gräbern am Ufer, weit rechts von mir.

Bis jetzt gab es keine Andeutung eines ‚terroristischen’ Aktes auf die Versammlung. Die Sicherheitsvorkehrungen waren extrem. Jede Person, die die Ländereien betreten hatte, wurde körperlich und magisch abgesucht. Keine Zauber, kein Vielsaft-Trank, keine Verwandlungen. Die Koboldmagie setzte die meisten Zauber außer Kraft, also konnte niemand auch nur den einfachsten Zauber in die Menge oder auf die Ministerin schicken, die auf beiden Seiten von zwei grimmig dreinblickenden Auroren bewacht wurde, während sie ohne magische Hilfe ihre Rede hielt.

Schließlich wurde eine Namensliste verlesen; jene, die im Dienst des Ministeriums und im Dienst für eine bessere Welt gestorben waren. Ich lächelte spöttisch, als die Namen verlesen wurden und eine Plakette unten am Brunnenrand enthüllt wurde. Ich lächelte spöttisch, als sich die Menge klatschend erhob.

Die Zeit hatte die Helden und die Bösen in den Köpfen der Leute bestimmt.

Als die Zeremonie vorbei war, saß ich immer noch da, genauso wie an Minervas Beerdigung. Ich wartete, während die Leute an mir vorbeiliefen und sich nicht um mich kümmerten. Ein paar Leute kannte ich sehr gut, ein paar Leute schätzte ich, und bei ein paar Leuten bezweifelte ich, dass sie überhaupt etwas mit dem Krieg oder der Letzten Schlacht zu tun gehabt hatten. Tief in mir spürte ich, dass die Gedenkfeier an die Letzte Schlacht eine Verhöhnung der Erinnerung an die Toten war.

Hagrid hatte meine Seite früh verlassen, anscheinend war er ebenso unruhig wie ich es war. Als die letzte Person den Versammlungsort verlassen hatte, um entweder in Richtung Eingangstür oder zu den Toren zu laufen, erhob ich mich von meinem Platz und lief zum Brunnen. Die Besucher hatten den Brunnen schon vor der Zeremonie betrachtet, aber ich nicht.

Die Sonnenstrahlen beleuchteten immer noch die Ländereien, als ich um den Brunnen lief, die Kapuze immer noch tief in meinem Gesicht. Es war etwas warm, selbst für einen Maiabend mit Umhang und Drachenhaut-Rüstung, aber der Wind des Sees war immer noch beißend kalt. Ich blieb vor der Plakette stehen und las die Namen. Colin Creevey, Nymphadora Tonks-Lupin, Remus Lupin, Fred Weasley – ungefähr fünfzig Namen und ich kannte sie alle. Ein Name fehlte und ich fragte mich, weshalb. Severus Snape.

Ihm galten keine Tränen.

„Von allen zusammen hast du am meisten geopfert…“, flüsterte ich.

Aber war das genug, Miss Granger?

Ich schloss meine Augen und atmete tief ein. Egal, wie groß das Opfer für Harry oder das ‚Allgemeinwohl’ war, es schien nie genug.

Meine Augen öffnete sich, als eine Hand unter meinen Umhang glitt und sich um meine Taille legte, und bei der Berührung von Fingerspitzen auf meiner Haut zwischen dem Saum meiner Drachenhaut-Bluse und der dazu passenden Hose, wusste ich, wer links von mir stand. Meine Hand bedeckte seine, während seine Finger meine Hüfte liebkosten und meine Gedanken von den Namen auf der Plakette und den dazugehörigen jeweiligen Erinnerungen ablenkten.

„Was für ein Witz“, flüsterte ich und drehte mich zu dem warmen Licht auf Dracos narbigem Gesicht, während die Sonne vor uns über den Bäumen des Verbotenen Waldes unterging.

Sein Mundwinkel hob sich zu einem Grinsen. „Vielleicht ist es in zehn Jahren kein Witz mehr. Vielleicht spielen in zehn Jahren die politischen Folgen der Letzten Schlacht keine Rolle mehr“, flüsterte er, seine Fingerspitzen fuhren über meinen Hüftknochen. Es war eine sehr intime Geste und ich zitterte leicht, ein sanfter Schock fuhr bis in mein Innerstes bei seiner Berührung.

„Kein Angriff, kein Hinterhalt, kein Potter…“, flüsterte Draco und drehte sich leicht zu mir, sein Schatten fiel auf mich, damit ich sein Gesicht gegen das Licht sehen konnte.

„Ich bin froh“, flüsterte ich, meine Hände vergruben sich unter seinem Umhang und glitten über die Drachenhaut seines Hemds, bis ich ihn umarmte.

Draco seufzte, seine Finger schoben meine Kapuze zurück; meine Zöpfe fielen über meine Schultern. Er packte mein Gesicht und starrte in meine Augen.

„Du willst genauso sehr wie ich, dass es vorbei ist, Hermine“, flüsterte er und küsste mich direkt zwischen die Augenbrauen. Er lehnte sich zurück und starrte weiter mit seinem eiskalten linken Auge.

Wenn Draco noch beide Augen gehabt hätte, wäre sein Blick nicht so beunruhigend gewesen, aber…

„Ich will, dass es vorbei ist. Ich will vieles, aber ich werde mir nicht vormachen, dass alles gut ausgeht“, sagte ich, meine Hand deutete auf den Brunnen, das Schloss, die Ländereien. „Auf Harry zu warten, auf eine Konfrontation zu warten ist schlimmer als die Konfrontation selbst.“

Dracos Hände streichelten mein Gesicht, als ich mich an ihn drückte.

„Ich glaube, ich werde langsam wahnsinnig, Draco…“, flüsterte ich, schloss meine Augen, und die hellen orangenen Strahlen des Sonnenuntergangs wärmten meine Stirn, als Draco meinen Kopf hob, um mich zu küssen.

Ich verlor mich in dem Kuss, bemerkte, dass Draco Malfoys Kuss das Einzige war, was meinen Verstand und meine Seele davon abhielt, in einen dunklen, unentrinnbaren Ort abzurutschen. Die Sorge, die ich spürte, die Angst, das Zögern, es war alles plötzlich da. Es schockierte mich, wie schnell mein Leben sich verändert hatte. Neujahr war so ruhig gewesen, zusammengerollt vor meinem Kaminfeuer in meiner Hütte, Krummbein vor meinen Füßen. Ich hatte Carl Sagans ‚Der Drache in meiner Garage oder Die Kunst der Wissenschaft’ gelesen, was mir mein Vater bei meinem weihnachtlichen Australienbesuch geschenkt hatte. Es war unterhaltsam, noch mehr zusammen mit meinem Feiertagswhiskey. Zur Tagundnachtgleiche war Minerva tot, ich war Opfer eines sexuellen Übergriffs durch meinen besten Freund und wohnte auf Malfoy Manor. Noch dazu hörte ich Severus Snapes Stimme in meinem Kopf und verliebte mich langsam in Draco Malfoy.

Ich war schockiert, aber ich küsste Draco mit all meiner Seele. Über allem anderen wusste ich, dass ich diesen Mann irgendwie liebte. Er hatte mich beschützt, und während er mein Gesicht hielt und die Sonne schließlich verschwand, glaubte ich, dass er mich beschützt hatte, weil ich es wert war.

Ich entzog mich ihm, meine Handflächen ruhten an seiner Brust. Die Dunkelheit der herannahenden Nacht tauchte uns beide in graues Licht. Ich wusste nicht, ob er mich liebte, ich kannte weder seinen Verstand noch seine Motive, aber ich konnte mich nicht von meinen Zweifeln verzehren lassen. Ich brauchte Dracos Hilfe mehr als seine Liebe. Der Gedanke an ‚Liebe’ würde warten müssen.

„Du kannst nicht wahnsinnig werden, jemand muss bei der Sache bleiben“, murmelte er und seine Lippen formten ein schiefes Lächeln, das mein Herz stottern ließ. Ich bezweifelte, dass er wusste, wie mich dieses gaunerhafte Lächeln traf.

Ich kicherte, als Dracos Hände sich von meinem Gesicht lösten, um meine Zöpfe über die Schulter zu streichen und meine Kapuze hochzuziehen. Humor, egal wie düster oder ironisch, war der einzige Weg, die Schwere der Situation zu zerstreuen. Und mit einem Lächeln auf den Gesichtern ließen wir den Brunnen samt Plakette hinter uns.

Niemand bemerkte mich, ein paar der Gäste hielten sich immer noch an den Eingangstüren zum Schloss auf, aber viele bemerkten Draco, sein blasses Gesicht und die Haare waren unverwechselbar. Wir traten ins Schloss, vorbei an der Großen Halle, wo sogar noch mehr Leute versammelt waren, wo die Ministerin mit der Presse sprach. Wir liefen in die Portraithalle und ich blickte hoch in Richtung Gryffindor-Turm. Ich überlegte, die Stufen hochzurennen und Minervas Portrait anzuflehen, mit mir zu sprechen.

Hagrid hatte mir, während wir auf den Beginn der Zeremonie gewartet hatten, erzählt, dass sich seit meinem letzten Besuch im Schloss wenig geändert hatte. Neville suchte einen Nachfolger für Minervas Stelle als Verwandlungsprofessor, außerdem einen passenden Lehrer für Wahrsagen. Minervas Portrait war immer noch nicht aufgewacht. Briefe von den Schülerfamilien waren gekommen, die Hogwarts unterstützen und hofften, dass die Schulräte die Schule bald wieder öffneten, damit die Schüler mit dem Unterricht fortfahren konnten. Hagrid hatte mir außerdem erzählt, dass Neville zusammen mit Albus’ Portrait an einem neuen VGDK-Stundenplan arbeiteten und einen passenden Lehrer suchten.

Ich stand in der Portraithalle, hoffte, die Stimmen der Schüler zu hören, hörte jedoch nur das Flüstern der Bilder. Die Fackeln entflammten automatisch, als das Licht durch die hohen Fenster verblasste. Ich leckte meine Lippen und wandte mich wieder der Eingangshalle zu, Draco gleich neben mir. Ich nahm seine Hand und zusammen liefen wir zurück in die Dunkelheit der Verliese zu Severus’ Gemächern.

Zehn Jahre waren vergangen, seit der Krieg vorbei war.


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Emma Watson