
von Nitsrek
Ich erwachte mit einem Schock und packte sofort den Anhänger, der zwischen meinen Brüsten lag. Ich hatte geträumt, dass die Scheibe heiß wurde, aber als ich meine Hand um das Metall legte, war es merkwürdig kalt.
Draco bewegte sich neben mir auf Severus’ Bett nicht. Sein linker Arm lag immer noch über meiner Hüfte, war jedoch in meinen Schoß gerutscht, als ich mich aufsetzte. Wir trugen immer noch unsere Drachenhaut-Kleidung, unsere Zauberstäbe waren immer noch an unseren Körpern befestigt und unsere Umhänge lagen am Fuß des Himmelbetts.
Ich rieb meine Augen und seufzte. Nerven, meine Nerven waren angeraut und meine Sorge hielt mich vom Schlafen ab. Ich blickte hinab in Dracos friedliches Gesicht. Er schlief tief, sein linkes Auge bewegte sich unter dem Lid, das ehemalige rechte Auge zuckte, als würde es versuchen, mit dem linken synchron zu sein, aber es funktionierte nicht. Seine Haut wirkte in den Licht, dass durch die verzauberten Schlafzimmerfenster trat - ein falscher Mond schien in das Zimmer - makellos. Draco Malfoy war ein schöner Mann, noch mehr, wenn sein Gesicht so sorglos war wie im Schlaf.
Ich ließ meinen Blick jedoch nicht auf seiner Elfenbeinhaut und den langen hellen Wimpern an seiner Wange verweilen. Stattdessen löste ich mich vorsichtig aus Dracos Armen, glitt vom Bett und lief in das vom Mond erleuchtete Wohnzimmer, dann ins Badezimmer, wo ich einen Zauber sprach, um die Kerzen zu entfachen.
Ich ließ Wasser in das Waschbecken und spritzte die kalte Flüssigkeit in mein Gesicht, nahm ein Handtuch, um mein Gesicht abzutrocknen und blickte in den Spiegel. Schwarz wirbelte in meiner Iris und ich ließ das Handtuch auf die Anrichte fallen und neigte mich in Richtung Spiegel.
„Was gibt es?“, fragte ich flüsternd.
Ich konnte ihn hinter meinen Augen spüren, jetzt wo ich wach war. Er hatte so wenig gesagt, aber ich hatte ihn auch gespürt, als Draco mich früher am Tag zwischen die Augenbrauen geküsst hatte.
Ich beugte mich so weit vor, dass meine Nasenspitze fast die Oberfläche des Spiegels berührte. Severus’ Anwesenheit floss wie Tinte in meine Augen.
Die Reise mit der Zeitmaschine!
Severus’ Stimme brüllte durch meinen Kopf, und bevor er wieder sprach, legte ich beide Hände an den Kopf und krachte dabei mit der Stirn in den Spiegel, zerbrach ihn.
Ich keuchte und taumelte zurück, fiel gegen den Badewannenrand und zu Boden.
„Granger?“, hörte ich Draco entfernt sagen.
Die Reise mit der Zeitmaschine!
Ich biss die Zähne zusammen, Severus’ Stimme war so laut.
Ich spürte das Blut mein Gesicht runterlaufen, in meine Augen, meinen Mund. Und wieder schrie Severus’ Stimme.
Die Reise mit der Zeitmaschine! Schnell!
Ich schüttelte heftig den Kopf, als könnte ich damit Severus’ Präsenz abschütteln, die sich von meiner Stirn ausbreitete, direkt unter dem Schnitt auf meiner Stirn und dem Glas, das darin steckte. Meine Sicht verschwamm, aber ich konnte sehen, wie die Kerzen im Wohnzimmer angingen und Draco zur Tür kam.
„Draco…“, keuchte ich.
Pass auf den Gehängten auf!
Ich wimmerte, als meine Wahrnehmung verlief, und plötzlich war ich nicht mehr im Badezimmer, sondern im Wohnzimmer, wo ich die Bücherregale durchsuchte. Bücher flogen um mich, als ich von einer Wand zur nächsten eilte. Dracos Stimme erklang, aber ich hörte ihn nicht. Ich hörte nur meine Stimme, verzerrt, fremd…
„Die Reise mit der Zeitmaschine …“
Dann packten meine Hände, die glitschig vor Blut waren, ein arg mitgenommenes Taschenbuch. Finger zerrten am Umschlag, so dass die leere Rückseite sichtbar wurde.
Geschrieben in einer Handschrift, die ich noch von Pergamentrollen kannte, die mir nach dem Zaubertrank-Unterricht mit einigen Anmerkungen zurückgegeben worden waren.
11. Mai 2008, 2:18 Uhr, Brandnarbe. 23. Juni 1995, 4:27 Uhr, Eure Ankunft. 24. Juni 1995, 19:15 Uhr, Kontakt. 24. Juni 1995, 20:45 Uhr, die Aufgabe. Schlüsselwörter: Lily und ’Tuney Evans, Spinner’s End, 1969. Bereiten Sie sich auf Schmerzen vor, Miss G. Freundlichste Grüße, Sev, der Halbblutprinz.
„Severus…“
Ich lag wieder in Dracos Armen, Michael Moorcocks ‚Die Reise mit der Zeitmaschine’ in meinen blutigen Händen. Meine Wahrnehmung war wieder da und Severus’ war still und ruhig.
Draco rollte mich rum, bis ich auf dem Boden des Wohnzimmers kniete, bis ich ihm ins Gesicht sehen konnte. Dracos Mund bewegte sich, ebenso sein Zauberstab, aber ich spürte und hörte nichts. Ich starrte in sein ruiniertes Gesicht, als das Gefühl in meinen Körper zurückkehrte. Meine Lippen bebten, meine Augen waren weit aufgerissen und mein Gesicht schmerzte.
„Wie spät ist es?“, fragte ich, meine Stimme gedämpft, als wären meine Ohren voller Wasser.
Draco runzelte die Stirn, während er den Schnitt an meiner Stirn heilte und langsam Severus’ Zauberstab sinken ließ.
Bei meiner Frage wanderten Dracos Augen durch den Raum, den ich auf das Geheiß des Bewusstseins, das in meinem Gehirn lebte, zerfetzt hatte. Schließlich blieb sein Auge an einer kleinen Uhr, die unberührt auf dem Regal direkt neben der Eingangstür stand, hängen. Eine kleine goldene Uhr mit elfenbeinfarbenem Blatt.
„Zehn nach zwei.“
Ich hörte ihn deutlich und klammerte ‚Die Reise mit der Zeitmaschine’ an meine Brust.
„Was zur Hölle geht hier vor?“, fragte Draco und versuchte, das Buch aus meiner Hand zu zerren.
Ich entzog mich ihm und kämpfte mich auf die Füße. Zehn nach zwei und ein paar Sekunden.
Ich lief zu meinem Umhang im Schlafzimmer und kehrte ins Wohnzimmer zurück, wo ich das Buch in die bodenlose Tasche stopfte und zu Draco herumwirbelte, der aufgestanden war, Severus’ Zauberstab noch in der Hand, sein Gesicht endlos frustriert. Ich stützte mich auf die Lehne des Ohrensessels, nachdem ich den Umhang darüber gelegt hatte, meine Augen wanderten zu der Uhr, mein Körper drehte sich erwartungsvoll zu ihr.
„Granger.“
Er war verärgert und ich wartete. 2:11 Uhr.
„Ich habe gerade keine Zeit, Draco, aber ich werde es dir danach erklären“, murmelte ich abwesend und schmeckte immer noch Blut auf meiner Zunge.
„Nach was?“
Draco schritt durchs Wohnzimmer und packte meine linke Schulter, als ich mich wieder der Uhr zuwandte.
„Harry benutzt gleich den Zeitumkehrer.“
„Was?“, fragte Draco ungläubig.
Ich seufzte, meine Hand fuhr zu der Kette um meinen Hals und zog den Anhänger hervor, aber Draco hielt mein Handgelenk schmerzhaft fest und ich ließ die Kette los.
„Woher weißt du das?“
2:13 Uhr.
Draco riss meine Hand von meiner Brust und der Kette weg und ich spürte die Scheibe an der Innenseite meiner linken Brust.
„Woher weißt du das?“, fragte er wieder, packte mein Kinn und drehte mein Gesicht zu sich.
Mein Kiefer zuckte, aber ich krümmte keinen Finger, um mich aus Dracos Griff zu befreien.
„Severus.“
Seine Augenbrauen hoben sich, aber meine Augen waren schon wieder bei der Uhr.
2:14 h.
Ich stand steif und fing an, über Severus’ geschriebene Worte nachzudenken.
‚11. Mai, 2:18 Uhr, Brandwunde.’
Ich wusste nicht wirklich, ob Harry seinen Zeitumkehrer aktivieren würde und fragte mich, warum ich das Draco gegenüber behauptet hatte. Severus’ Stimme hatte mich angeschrien und seine Präsenz hatte meine Gliedmaßen beherrscht, wie damals schon als Malfoy Manor angegriffen worden war.
2:16 Uhr.
Ich wusste, dass seine Stimme und seine Präsenz in dem Zauber lagen, der mich nach Harrys Angriff am Leben erhalten hatte. Aber wann war dieser Zauber platziert worden? Sicher als Severus noch lebte, also vor zehn oder mehr Jahren. Aber wann und warum hatte ich nie etwas bemerkt?
„Was passiert, Granger?“, fragte Draco, packte meine Schultern und versuchte mich zu schütteln, als würde er mich aus einer Starre lösen wollen, aber ich war nicht starr, ich wartete.
2:17 Uhr.
Meine rechte Hand legte sich um die Kette um meinen Hals und endlich wandte ich meinen Blick von der Uhr zu Dracos gerötetem Gesicht.
„Wir dürfen nicht hier sein, wenn wir ihn benutzen, Draco. Wir dürfen nicht gesehen werden. Du kennst die Regeln…“ Ich erschrak, meine Atmung wurde schwer, meine Brust hob sich, so dass die Scheibe fest an meine Brust drückte.
Ich legte meine Finger um die Kette, bereit, den Anhänger hervorzuziehen.
„Die Hütte! Wir werden zur Hütte gehen müssen und ich muss…“
Ich verstummte, als ich ein Ziehen an meiner linken Brust spürte.
Die Scheibe.
Meine Finger fummelten an der Kette, versuchten den Anhänger aus meinem Hemd zu befreien, aber ich war zu spät.
„Hermine!“
Ich schrie.
Der Schmerz, den Harry in mir verursachte hatte, war schlimmer gewesen, aber Schmerz war Schmerz, und die Scheibe, die nach meiner korrekten Vermutung mit einem Proteus-Zauber belegt war, erhitzte sich nicht bloß, wenn der gestohlene Zeitumkehrer benutzt wurde. Die Scheibe wurde glühend heiß und man sah das Licht sogar durch das Drachenhaut-Hemd.
Ich fiel auf die Knie und krümmte meinen Körper, während ich an der Kette zerrte. Ich schrie und schrie, aber mein logischer Verstand war weit weg. Als die Scheibe schließlich einen Abdruck an die Innenseite meiner linken Brust gebrannt hatte, gelang es mir sie loszureißen, so dass sie aus dem Hemd fiel, das nicht im geringsten Brandspuren aufwies. Der weißglühende Anhänger fiel klappernd auf den Steinboden und verblasste langsam.
Draco versuchte, mein Hemd zu zerreißen, aber die Drachenhaut gab nicht nach. Meine Schreie verklangen und ich rang nach Atem, lag auf meiner rechten Seite, die Kette lag samt Anhänger vor mir auf dem Boden. Für einen Moment sah ich die Scheibe, die nun im Kerzenlicht nur silbern war, wie durch einen Tunnel.
Draco murmelte vor sich hin, während ich mich aufsetzte und die Scheibe in meine zitternden Hände nahm. Auf der gravierten Seite mit dem griechischen Muster und den kleinen Delphinen stand in Druckbuchstaben: ‚Epimetheus: Ursprung 11. Mai 2008, 2:17 Uhr Lokalzeit. Ziel: 23. Juni 1995, 4:27 Uhr Lokalzeit. Prometheus: 12,908 Umdrehungen, Umsetzung innerhalb von zwei Stunden.’
Ich brannte die Druckbuchstaben in mein Gehirn, so wie sich auch die Scheibe in mich gebrannt hatte. Zwölft Komma neunhundertacht Umdrehungen, innerhalb der nächsten zwei Stunden.
Ich wimmerte, als ich aufstand, die verbrannte Haut war wund und juckte. Der Schmerz wäre unerträglich gewesen, aber ich verdrängte ihn zusammen mit der Übelkeit. Ich lief zu meinem Umhang und steckte eine Hand in die bodenlose Tasche, fand die Metallbox dort, wo ich sie platziert hatte. Ich zuckte zusammen, als ich die Kette von meinem Hals nahm und die inzwischen kalte Scheibe gegen die Vorderseite meines Hemds fiel. Dann zog ich den Elderstab, stapfte ins Badezimmer, reparierte den Spiegel und suchte in der Medizintruhe nach einem Schmerztrank, der hoffentlich noch nicht abgelaufen war. Ich öffnete die kleine Flasche, leerte sie komplett und sofort verschwand der Schmerz, mit dem ich mich erst später befassen würde.
Als ich jedoch aus dem Badezimmer kam und meinen Umhang anziehen wollte, packte Draco meinen Unterarm und wirbelte mich herum, so dass ich gegen den Tisch fiel, der mitten im Raum stand, und ihn dabei fast umwarf.
„Was zur Hölle geht hier vor, Hermine?“, zischte er, mein Vorname klang scharf.
Ich lehnte mich an den Tisch, meine Sicht wurde wieder tunnelartig. Langsam strich ich mit einer Hand ein paar der kleinen Zöpfe weg, die mir ins Gesicht gefallen waren und konzentrierte meinen Blick auf die blasse Haut von Dracos Hals.
Ich schluckte. „Wir haben nicht viel Zeit und ich kann jetzt nicht alles erklären, Draco. Wir müssen jetzt zur Hütte gehen und uns vorbereiten.“
Draco blinzelte mich an und öffnete seinen Mund, um zu sprechen. „Er hat es getan? Er hat es wirklich getan?“, fragte er ungläubig.
„Ja“, wimmerte ich, als Dracos Fingerspitzen sich in die Drachenhaut-Ärmel um meine Arme bohrten. „Wir müssen gehen – jetzt!“
Die nächsten paar Momente vergingen unklar/undeutlich, wir rannten, ich wimmerte. Wir hatten Severus’ Gemächer verlassen, die Umhänge flogen hinter uns her, als wir durch die dunklen Gänge der Verliese rannten. Ich gestattete mir nicht zu denken, vergrub aber meine Hand in meiner Umhangtasche, versicherte mich, dass die Kobold-gearbeitete Schatulle noch da war. Wir gelangten zur Trollstatue und Draco bellte das Passwort. Bald darauf sprinteten wir durch den langen Tunnel in den Wald.
Das Licht im Wald war schwach, aber Draco konnte trotzdem den Trampelpfad unter den Bäumen sehen. Bevor wir jedoch wieder losrannten, packte er meinen Arm, um mich aufzuhalten.
„Besen sind schneller“, knurrte er und zog seinen geschrumpften Feuerblitz hervor, vergrößerte ihn ohne Zauberstab. Ich nickte zustimmend und suchte eilig nach meinem eigenen Besen, ahmte ihn nach.
„Halt dich an den Pfad; nicht abkommen, sonst haben wir ein Problem“, keuchte ich, als wir uns vom Boden abstießen.
Er nickte, seine silbernen Haare waren fast ein Signalfeuer in dem schwachen Licht, das vom Himmel durch die Bäume drang.
Adrenalin hielt meine Sinne in Schach, aber es war die Sorge, die mich mit Draco mithalten ließ, während wir durch die Bäume jagten, uns nach dem Pfad richteten und uns durch die Stämme woben. Was ein mindestens zwanzig Minuten dauernder Lauf gewesen wäre, dauerte im Flug fünf Minuten. Die kühle Nachtluft wehte in mein Oberteil, liebkoste die verbrannte Haut an meiner Brust und ich atmete keuchend ein, als der Schmerz nachließ.
Severus’ Worte waren gerade rechtzeitig gekommen.
Als wir auf die Lichtung kamen, sprang Draco aus der Luft und landete wie eine große Katze; pflanzte seine Stiefel anmutig auf den Boden, direkt hinter den Schutzzaubern. Ich wagte nicht es ihm gleichzutun und lenkte den Besen nach unten, um von ihm zu rutschen. Meine Stiefel glitten über das unordentliche, feuchte Gras, das einst mein Garten gewesen war. Ich warf Draco einen Blick zu, schrumpfte den Besen und steckte ihn in meine Tasche.
Als ich die Tür aufwarf, entzündeten sich die Kerzen von selbst; ein Teil der Haushaltszauber war immer noch intakt, obwohl alles mit Staub bedeckt und eines der Küchenfenster von einem Ast zerbrochen worden war, der von einem der Bäume abgebrochen und über die Lichtung geblasen worden war. Ich kontrollierte meine Gefühle, während meine Augen mein Heim absuchten.
Ich würde das Tagebuch benötigen. Ich hatte den Gedanken im Kopf behalten, falls ich in meine Hütte würde zurückkehren können. Ich hatte nur gehofft, dass ich es nicht brauchen würde, wenn Harry es dreizehn Jahre in die Vergangenheit schaffte.
Draco betrat die Hütte und schlug die Tür hinter sich zu. Ich beachtete ihn wenig, als ich zum Bücherregal über meinem Schreibtisch eilte und meine Augen über die Buchrücken sausten, bis ich ein rotes Lederbuch mit dem Titel ‚4. Klasse, 1994 – 1995’ fand. Ich zog das Buch aus dem Regal, stopfte es in meine Tasche und lief in die Küche.
„Was tust du?“, fragte Draco, die Erschöpfung deutlich in seiner Stimme.
Ich lief zu den Schränken und zog ein paar Dosen mit Suppe, Butterbierflaschen, einen Laib Brot unter einem Haltbarkeitszauber, so dass man ihn noch essen konnte, und ein Messer raus. Ich beschwor ein sauberes Geschirrtuch und wickelte Brot samt Messer darin ein. Auch das steckte ich in meine Tasche, mit dem Wissen, dass ich nun zumindest eine weitere Mahlzeit in meiner Tasche hatte, wenn ich sie brauchen sollte.
Ich suchte wieder Wohnzimmer und Küche ab und versuchte zu überlegen, was sonst noch nützlich sein könnte. Mit einem Seufzen rannte ich zu dem alten Sofa und nahm den Schal, den Minerva mir gemacht hatte, rollte ihn so gut es ging zusammen und steckte ihn ein. Nachdem ich im Badezimmer noch saubere Verbände gefunden hatte, fiel mir nichts weiter mehr ein.
Ich wusste, dass Draco vor Wut kochte, aber ich ignorierte ihn, wie er in der Mitte des Wohnzimmers stand, die Arme vor der Brust verschränkt, den Mund zu einer dünnen Linie gezogen. Ich durfte keine Zeit mit Erklärungen verschwenden, zumindest nicht im Jahr 2008.
„Uhrzeit?“
Draco seufzte, zog Tom Riddles Zauberstab und sprach einen Zauber, den ich nicht kannte. Plötzlich schwebte in leuchtend grünen Zahlen und Buchstaben die genaue Zeit durch die Luft. 11. Mai 2008, 3:11 Uhr.
Ich hatte Zeit. Ich lief zu Inseltheke, zog die Kobold-gearbeitete Schatulle aus meiner Tasche und stellte sie auf die Steinoberfläche. Draco stellte sich schließlich neben mich. Ich spürte, wie mein Herz sich zusammenzog. Wir würden wirklich zurück gehen müssen.
Ich hob vorsichtig den Zeitumkehrer aus dem Behältnis, untersuchte die Bolzen an der Seite, die das große Stundenglas in der Mitte des runden Rahmens hielten. An einem Bolzen befand sich eine Reihe kleiner Ziffernscheiben, Ziffern von zehn bis hoch zu hunderttausend auf der einen Seite für die Stelle vor dem Komma, und eins bis ein Hundertstel auf der anderen Seite. Ich kniff die Augen zusammen, man konnte mit diesem teuflischen Ding Milliarden von Jahren reisen. Stellte man das Stundenglas in die eine Richtung, ging es in die Vergangenheit, in die entgegengesetzte Richtung gelangte man in die Zukunft. Eine winzige Klammer hielt das Stundenglas davon ab, in eine der beiden Richtungen zu schwanken, und ich wusste, dass ich sehr vorsichtig sein musste, um uns nicht unbeabsichtigt zurück oder in der Zeit nach vorne zu schicken.
Mit etwas Schwierigkeiten, da die Rädchen so klein waren, stellte ich den Zeitumkehrer auf 12,908, während ich den Atem anhielt. Als die Rädchen leicht silbern leuchteten und die Koordinaten akzeptiert wurden, atmete ich ein.
„Bist du sicher, dass diese Zahlen uns dahin bringen, wo wir hin wollen?“, fragte Draco sanft, während wir beide auf das Ding in meinen Händen starrten.
„Merlin, das hoffe ich.“
„Ich dachte, das ist dein Beruf, Granger“, knurrte er und benutzte wieder meinen Nachnamen.
Ich lachte humorlos. „Zeitreisen sind nicht so genau, wie manche Leute glauben… Malfoy.“
Dracos Augen blitzten in dem Kerzenlicht gefährlich auf, aber die Gefahr war schnell vorüber, als ich seinen Arm nahm, ihn in die Mitte des Wohnzimmers zog und an der Kette zog, um die Reichweite des Zeitumkehrers zu vergrößern.
Die meisten Zeitumkehrer erlaubten nur zwei Personen durch die Zeit zu reisen. Wenn man die normalen Zeitumkehrer als Hinweis nahm, war es bei dem hier nicht anders. Auf der Scheibe standen die Namen Prometheus und Epimetheus, die Brüder der Voraussicht und der rückblickenden Erkenntnis. Ich fragte mich, ob das die Namen der Zeitumkehrer waren. Ich hielt anscheinend Prometheus. Ein passender Name.
Ich legte die Kette um Dracos Hals, trat noch ein Stück näher zu ihm, und meine Finger wanderten zu der Klammer.
„Warte.“
Meine Finger hielten inne und ich blickte langsam hoch in Dracos Gesicht.
„Müssen wir das jetzt tun?“
Ich schluckte und trat noch näher, so dass meine linke Gesichtshälfte an seiner Brust lag.
„Wir haben anscheinend eine Zeitbegrenzung. Also, ja, wir müssen das jetzt tunt. Ich weiß nicht, was ich alles berechnen muss, um Harry genau zu folgen. Ich habe nur eine Ahnung und wir haben keine Zeit, das auszutüfteln... Warum? Hast du Angst?“, fragte ich leise.
Draco grinste. „Und wie. Du weißt, wie das Zeitreisen ist, ich nicht.“
Ich seufzte. „Und diese Reise ist vermutlich unangenehmer“, murmelte ich. Ich hatte überlegt, dass es vermutlich nicht gerade angenehm war, über zwölf Jahre durch die Zeit zu reisen. Ich leckte meine Lippen. Ich würde wohl die Heiltränke in meiner Tasche benutzen und darauf vertrauen müssen, dass meine Zauberstäbe mit jedem Schmerz fertigwerden würden.
„Aber wir müssen es tun, oder?“, flüsterte Draco und seine Arme legten sich um meine Taille.
Ich nickte langsam und starte auf meine Fingerspitzen an der Klammer. „Für unsere Welt…“
Ich blickte Draco an, dessen Auge von meinen Fingern zu meinem Gesicht wanderte. Er seufzte und nickte resigniert.
Er hielt mich noch fester, ich spürte eine Welle aus Kummer durch mich rollen und löste die Klammer.
„… und für uns…“
+++++
Meine Vermutungen über Zeitreisen in die Vergangenheit oder Zukunft in Jahren erwiesen sich als korrekt. Es war überaus unangenehm. Sobald die Klammer gelöst war, wirbelte das Stundenglas und kurz darauf war mein Körper schmerzhaft an Dracos gepresst. Ich hatte eine Arm um seinen Hals, während die Finger des anderen den Zeitumkehrer in der Hand hielten. Wir konnten nicht sprechen, nicht atmen, sondern nur zusehen, wie die Hütte um uns herum flog.
Schwarze Schatten deuteten Bewegung an, aber wir konnten nicht erkennen, wer es war oder was sie taten. Licht schien nach einem gleichmäßigen Schema aufzublitzen und ich realisierte, dass es Sonnenauf- und –untergang waren, das Entfachen und Erlöschen von Kerzen – Jahre vergingen.
Endlich war das Licht nicht mehr ganz so hell und ich bemerkte, dass wir nun in der Zeit waren, zu der niemand in der Hütte lebte. Ich wusste, dass wir uns dem Ende unserer Reise näherten.
Als das Stundenglas jedoch anhielt, fielen unsere Körper zu Boden, unsere Reise kam zu einem schmerzhaften Halt.
Schmerz war eine Untertreibung und wieder einmal hasste ich es, dass meine Annahmen gestimmt hatten. Der Druck in meinem Kopf war unerträglich, jeder Knochen schien zu knirschen und ich schluchzte mit dem wenigen Sauerstoff, den ich hatte, in Dracos Brust. Ich rollte von ihm, war aber von dem Schmerz nicht so betäubt, dass ich auf den Zeitumkehrer gerollt wäre – unser einziger Weg zurück.
Meine Lungen brannten und ich keuchte, meine Brust hob und senkte sich, die Brandwunde an meiner Brust brannte genau so stark wie bei der ursprünglichen Verletzung.
Geistesabwesend merkte ich wie Draco sich vor mir erholte und sich aus der Kette des Zeitumkehrers befreite. er sprach nicht, hob mich jedoch hoch, während ich unsere einzige Hoffnung auf eine Rückkehr in den Armen hielt.
Er trat die Schlafzimmertür auf, seine Stimme knurrte einen Zauber und ich hörte ein Rumpeln kurz bevor ich auf eine saubere Matratze gelegt wurde, die einmal das Bett sein würde, in dem ich zwölf Jahre später schlief. Dracos Gesicht verschwamm vor meinen Augen, und in dem frühen Morgenlicht, das durch die staubige Fensterscheibe rechts von mir drang, sah ich, dass sein Gesicht blutete; Blut lief aus seinem ruinierten Auge, seiner Nase, seinen Ohren.
„Kannst du mich hören?“, fragte er sanft, seine Hände kämmten die Zöpfe nach hinten, die in mein Gesicht gefallen waren.
Langsam nickte ich.
„Bist du in Ordnung?“
Ich nickte wieder, der Schmerz nur leicht unangenehm.
Er zog die Zeitumkehrer-Kette von meinem Hals und studierte mein Gesicht.
„Du siehst so schlecht aus, wie ich mich fühle…“
Ich wollte lächeln, war aber zu müde. Mein Adrenalinstoß war fort.
Draco stand vom Bett auf und zog seinen Zauberstab, sprach einen weiteren Zeitzauber. Ich wandte meine Augen den leuchtenden grünen Zahlen und Buchstaben zu. 23. Juni 1995, 4:29 Uhr. Wir waren vor zwei Minuten angekommen.
„Wir haben es geschafft“, flüsterte ich. Draco drehte sich zu mir und nickte schwer.
„Und nun haben wir nicht einmal noch einen Tag, bis der Dunkle Lord wiedergeboren wird.“
Ja. Weniger als ein Tag um zu planen.
„Du musst das Ding sichern“, sagte Draco sanft, seine grauen Augen blickten auf den Zeitumkehrer in meinen Händen.
Ich hatte die Kobold-gearbeitete Schatulle zurückgelassen und wollte mich dafür treten. Ich musste etwas finden, dass den Zeitumkehrer schützen würde, aber es musste warten, denn wir hatten dringendere Sachen zu erledigen.
Ich sammelte meine Kräfte und versuchte, vom Bett aufzustehen, war aber viel zu müde dazu. Draco runzelte die Stirn und setzte sich auf den Bettrand. Der Zauberstab lag immer noch in seiner Hand und er bewegte ihn über mein Gesicht; ich spürte, wie Blut von meiner Haut gewaschen wurde. Er wiederholte die Bewegung bei sich und seufzte.
Dann grub ich mich durch meine bodenlose Tasche. Meine Finger fanden die Verbände, die ich vor wenigen Momenten erst eingesteckt hatte, und ich wickelte sie vorsichtig um die Zeitumkehrer. Dann fand ich den Schal, den Minerva gehäkelt hatte, und wickelte den Zeitumkehrer weiter ein, sicher, dass er nun ausreichend gepolstert war, bevor ich ihn wieder in die Tiefe meiner Tasche verschwinden ließ.
„Lass mich bitte deine Brust ansehen, Hermine. Ich weiß, dass das Ding dich verbrannt hat“, sagte Draco und deutete auf meine Brust.
„Ja“, sagte ich leise.
Draco öffnete meinen Umhang, dann half er mir, mich aufzusetzen, und zog vorsichtig mein Oberteil über meinen Kopf, wobei meine Zöpfe gegen meinen Rücken fielen. Ich nahm den Anhänger vom Hals und gab ihn Draco, der ihn in meine Umhangtasche steckte.
Die Hütte war noch kalt an diesem frühen Junitag und ich zitterte, als die Luft meine nackte Haut traf. Ich hatte noch die Ärmel um meine Arme, aber die Luft leckte an meinen Brüsten, härtete meine Brustwarzen und verursachte mir eine Gänsehaut.
Draco warf das Hemd zur Seite und grinste, als meine Hände meine Brüste bedeckten.
„Schüchtern?“, fragte er in einem tiefen Schnurren.
„Kalt“, antwortete ich nüchtern.
Er sagte nichts weiter, als er in meine zukünftige Küche lief. Das Geräusch sich öffnender Schranktüren erschreckte mich, die Angeln gaben ein fürchterliches Quietschen von sich. Als er zurückkehrte, hatte Draco Kerzen in der Hand; Kerzen, die nicht existiert hatten, als ich letztes Jahr in der Hütte einzog. Dieser Gedanke verwirrte mich, ich verstaute ihn aber in meinem Kopf.
Wir verwandelten die Kerzen so, dass sie schwebten und brannten, und langsam bemerkte ich, wie verstaubt und unbenutzt das Schlafzimmer und wie verschmutzt der geschnitzte Kleiderschrank in der Zimmerecke war. Ich konnte jedoch auch sehen, wie stark die Verbrennung durch die Scheibe war. Ein roter Kreis war in die Innenseite meiner linken Brust gebrannt worden, der Durchmesser ähnlich dem einer Galleone. Die Haut war leuchtend rot und geschwollen, an manchen Stellen ekelhaft gelb verkrustet, fast wie ein griechisches Muster.
„Halt still“, flüsterte Draco, als er Tom Riddles Zauberstab wegsteckte und dafür Severus’ dunklen zog. Er hielt die Spitze ein Fingerbreit von der Verbrennung entfernt, flüsterte und kaltes blaues Licht floss von der Spitze in meine Haut.
Sofort hörte das Jucken auf und auch die Schwellung trat zurück. Als hätte jemand einen Eiswürfel auf meine Haut gedrückt, es war wundervoll.
Noch ein Zauber, diesmal goldfarben, säuberte die Wunde und die gelbliche Kruste verheilte, hinterließ merkwürdige Narben in Form winziger Delfine umrandet von geometrischen Kurven, Wellen eines mystischen Ozeans für die Delfine. Ein letzter, diesmal grüner Zauber, löschte den restlichen Schmerz aus und ich seufzte. Die Verbrennung war nicht groß gewesen, aber sie hatte trotzdem wehgetan.
Draco grinste, als er Severus’ Zauberstab zurück in das Halfter an seinem Arm steckte und sein Auge zu meinem Gesicht zurückkehrte. Ich wollte dankbar lächeln, aber mein Kiefer zitterte.
Mit einem reumütigen Seufzen half Draco mir, das Drachenhaut-Hemd wieder anzuziehen und legte mich dann zurück aufs Bett, wickelte meinen Umhang um mich. Dann legte er sich zu mir und zog mich an sich, so dass mein Kopf an seiner Schulter lag.
„Wir sollten uns eine Weile ausruhen, okay? Die Sonne wird in ein paar Stunden aufgehen…“, flüsterte er, bevor er ein ‚Nox’ auf die Kerzen sprach.
Ich stimmte zu. Wir konnten nichts tun, bis wir uns ausreichend erholt hatten von dieser verzehrenden Reise durch die Zeit. Draco flüsterte, dass er bis zum Sonnenaufgang auf mich aufpassen würde, und dann wollte er ganz genau wissen, warum ich uns beide in die Vergangenheit hatte reisen lassen.
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„Severus hat es mir gesagt.“
Draco blinzelte, Brotkrümel hingen an seinen Mundwinkeln, während wir auf dem sonnenbeleuchteten Fußboden der Hütte aßen. Wir hatten ein paar Stunden geschlafen und waren dann aufgestanden, um von den Lebensmitteln in meiner bodenlosen Tasche zu essen – lauwarme Käsesuppe und Brot. Das Butterbier war vergessen, seit wir bemerkt hatten, dass das Wasser in der Hütte Trinkwasser war.
„Er hat mir über die Monate hinweg einige Dinge erzählt“, sagte ich und versuchte, bei Dracos lächerlich schockiertem Gesichtsausdruck nicht zu lächeln.
Draco kaute auf seinem Brot herum und sprach, sobald er es herunter geschluckt hatte.
„Wenn mein Leben nicht so verrückt wäre, würde ich dir sagen, wie unglaublich und töricht du klingst, Hermine.“
Ich lächelte.
Draco saß vor mir, die muskulösen Beine überkreuzt, so dass seine linke Hand auf seinem linken Knie lag, den Ellbogen auf das andere Knie gestützt, ein Stück Schwarzbrot schwebte in seiner Hand vor seinem Mund, aufgeweicht in Käsesuppe.
„Das ist der Zauber, den Parvati entdeckt hat. Das ist die einzige Erklärung. Irgendwann hat Severus einen Zauber auf mich gelegt, der Jahre geschlummert hat, offensichtlich vor seinem Tod. Zum ersten Mal bemerkte ich ihn in der Nacht, als Harry mich angegriffen hat. Aber ich bin sicher, dass ich ihn auch vorher schon gehört habe, wie ein Unterbewusstsein.“
„Aber warum würde Severus ohne deine Kenntnis einen Zauber auf dich sprechen, und was für einen außerdem?“
Ich tauchte mehr Brot in die herauf beschworene Suppenschüssel und aß, bevor ich antwortete.
„Ich kann nur vermuten, dass er dazu verpflichtet war, aber warum kann ich nicht sagen. Ich hatte eine Sekunde geglaubt, dass Albus ihn dazu überredet hatte, aber inzwischen bezweifle ich das. Was die Art des Zaubers betrifft kann ich nur vermuten, dass es etwas war, was einem Teil von ihm erlauben würde, in meinem Verstand zu bestehen. Severus’ Stimme ist nicht nur Ausdruck meiner wilden Vorstellungskraft…“
Ich hielt inne und meine Augen fixierten die Suppenschüssel, die zwischen uns auf dem Boden stand. Seitdem Severus den Buchtitel geschrien hatte, hatte ich seine Stimme nicht mehr gehört. Ich konnte ihn nicht dazu verleiten, mit mir zu sprechen; er richtete sich nach seinem eigenen Zeitplan. Aber die Idee, dass ein Teil Severus Snapes in meinem Kopf lebte, erinnerte mich zu sehr an Horkruxe. Vielleicht hatte er mich zu einem Horkrux gemacht, aber dafür hätte er irgendwie seine Seele spalten müssen. Das bedeutete normalerweise Mord, zumindest war es bei Voldemort so.
Ich wusste nicht, wie viele Menschen Severus in seinen Jahren als Spion hatte töten müssen, und die einzige Person, von der ich es wirklich wusste, war Albus. Es war fast unmöglich festzustellen, wann und ob ich zu einem Horkrux gemacht worden war.
„Als das Manor angegriffen wurde, träumte ich von ihm, von meinen und deinen Eltern, aber ich träumte, dass Severus mich von etwas wegführte. Als deine Eltern mich fanden, schlafwandelte ich durch den Tempelwald.
Draco runzelte die Stirn.
„Severus hat mich gerettet.“
Voldemort und Harry hatten eine Verbindung, weil Harry ein Horkrux war. Es gab Momente, in denen Harry mit Voldemorts Stimme sprach, aber hatte Voldemort Harry je dazu gebracht, sich körperlich zu bewegen?
„Und letzte Nacht, fast dreizehn Jahre in der Zukunft, hatte Severus mich geweckt, weil er wusste, dass Harry den Zeitumkehrer benutzen würde.“
Dracos Stirnfalten vertieften sich. „Wie ist das möglich?“
Ich seufzte und trank einen Schluck Wasser aus einer Tasse, die Draco beschworen hatte, da wir kein Geschirr hatten. Dann zog ich Michael Moorcocks ‚Die Reise mit der Zeitmaschine’ aus meinem Umhang und gab es an Draco weiter. Er ließ sein Brot in die Suppe fallen und nahm das Buch.
Ich studierte sein Gesicht, während er das Buch untersuchte, den Klappentext las und dann die Innenseite des Titels mit Severus’ Botschaft. Dracos blasse Augenbrauen stiegen an, als er die Worte las, dann schloss er sanft das Buch und legte es auf den Boden.
„Ist dir klar, was das bedeutet, meine Liebe?“, knurrte er und hob seinen Kopf, so dass ich sein gaunerisches Grinsen sehen konnte.
Wieder zitterte mein Unterleib vor Erregung.
„Es bedeutet, dass wir es schon einmal getan haben und auch wieder tun werden…“
Ich grinste. „Ja.“
Draco lächelte, seine Hand berührte warm meine Wange, aber langsam verblasste sein Lächeln.
„Aber wir wissen immer noch nicht, ob wir ihn gestoppt haben – Potter. Oder ob wir erfolgreich zurückgekehrt sind.“
Mein Grinsen wurde zu einem traurigen Lächeln. „Ja“, wiederholte ich.
„Aber wir wissen, wann wir gehen müssen, und ich denke, das ist das Wichtigste an Severus’ Nachricht.“
„Richtig.“
„Typisch, dass er ein Buch über Zeitreisen wählt, oder?“, kicherte Draco, aber ich merkte, dass es angestrengt war.
„Er hatte schon immer ausgezeichneten Geschmack.“
„Allerdings.“
Wir aßen lautlos weiter, verloren in unseren eigenen Gedanken, die nicht im Geringsten fröhlich waren.
Mittags lagen wir auf dem Bett, ohne Umhang und Stiefel, unter dem offenen Schlafzimmerfenster; die Junihitze bereits zu drückend in der stickigen Hütte. Draco las ‚Die Reise mit der Zeitmaschine’ und ich beendete mein Tagebuch aus dem vierten Schuljahr. Innerhalb einer Stunde hatte ich den ‚Gehängten’ entsiegelt, was Draco vor Lachen brüllen ließ. Lucius hatte dich wieder einmal unterschätzt, sagte Draco.
Ich fand, dass es eine Herausforderung war, deutsch zu lesen, fing aber von vorne an, wobei ich feststellte, dass die ersten Kapitel eigentlich nur von verschiedenen sexuellen Eroberungen erzählten. Der Anfang war bemerkenswert zahm im Vergleich zu den späteren Kapiteln. Ich härtete ab, als ich weiterlas, bemerkte die beschriebenen Zauber, die Beschwörungen und die detaillierten Zauberstabbewegungen. Die Zauber waren alle dunkle Magie, aber nichts, was ich je gelernt hatte. Ich übersprang den Teil, den ich schon vor Monaten gelesen hatte, und kam zum Ende. ‚Der Gehängte’ war kein langes Buch, aber es war voller Informationen, die mein Verstand schnell aufnahm. Als ich fertig war, schlug ich das Buch zu und erschreckte damit Draco.
„Würde es deinen Vater stören, wenn ich das Buch verbrenne?“, fragte ich wütend an Dracos Seite.
„Ich bezweifle es. Hast du, was du gesucht hast?“, fragte er abwesend, fast fertig mit seinem eigenen Buch.
Es überraschte mich, wie langsam Draco las, aber ich realisierte auch, dass das Muggel-Buch ihm wahrscheinlich fremd war. Andererseits hatte Draco hundert andere Muggelbücher und wusste sicher über das Leben Christi Bescheid.
„Allerdings.“
„Und du weißt die Sprüche noch?“
Ich nickte. Ich hatte ein photographisches Gedächtnis, wenn es um Gelesenes ging. Ich konnte immer noch jede Seite sehen, jedes Wort in ‚Geschichte Hogwarts’’ erinnern.
Ich warf das Buch durch den Raum in die Küche, die Seiten flatterten heftig in der Luft; beim Flug zog ich meinen Zauberstab. Mit einem roten Blitz rieselte die Asche des ‚Gehängten’ auf den Boden.
Draco starrte mich mit offenem Mund an, der Zauber war ohne jede Warnung meinerseits über ihn hinweg gepeitscht. Er legte sein Buch auf seine Brust und lachte.
„Machst du das mit allen Büchern, die dir nicht gefallen, Liebes?“
Ich grinste und steckte Bellatrix’ Zauberstab wieder in das Halfter.
Nach einigem Gelächter, das meine Stimmung bemerkenswert anhob, legten wir uns wieder aufs Bett, Draco beendete sein Buch und ich rollte mich an seiner Seite zusammen und starrte aus dem offenen Fenster in den überwucherten Garten und auf die Bäume. Ich fragte mich, ob die Zentauren unsere Anwesenheit bemerkt hatten. Wenn ja, schien es sie wenig zu stören.
„Nicht schlecht“, gähnte Draco, schloss das Buch und ließ es sanft neben dem Bett auf den staubigen Boden fallen. „Aber ich denke nicht, dass ich jetzt eine klare Meinung dazu bilden kann, vielleicht später…“, murmelte er, schloss sein Auge und entspannte sich auf dem Bett.
Ich lächelte.
Ich fragte mich, ob ich – wenn alles gut gehen würde – weiterhin solche Momente mit Draco Malfoy würde teilen können. Auf dem Bett oder einem Sofa liegen, zusammen lesen, sich aneinander kuscheln. Das Licht, das Bett, der schwache Duft von Zitrus und Salbei bildeten zusammen mit der Wärme ein Puzzlestück großen Glücks.
Ich wusste, dass mein jüngeres Ich Harry Potter anspornte, sich auf die dritte Aufgabe vorzubereiten, und dass sie – mein jüngeres Ich – damit zufrieden war, bei Harry und Ron zu sein. Es war merkwürdig, wie die Zeit die Definition von Glück veränderte.
Ich drehte mein Gesicht zu Draco und stellte fest, dass er beobachtet hatte, wie ich aus dem Fenster blickte. Er hob eine helle Hand zu meinem Gesicht und streichelte meine Wange mit seinen Knöcheln. Es war eine simple Bewegung, die mein Glück jedoch noch anschwellen ließ. Er küsste mich, hielt mein Gesicht in seinen Händen, und ich lächelte an seinen Lippen.
Wie konnte es ausgerechnet Draco Malfoy sein, der mich so glücklich machte? Vor dreizehn Jahren hätte ich das nie gedacht. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass er so wundervoll schmeckte oder sich so stark unter meinen Händen anfühlen würde. Er hatte immer wie ein Hemd gewirkt, wie etwas, das der Wind hätte fortwehen können – nur seine scharfe Zunge und sein grausamer Verstand hielten seine Füße am Boden.
Draco Malfoy war zu einem Mann geworden, den ich inzwischen respektierte, fürchtete und liebte – und ich wollte ihn auch lieben.
Meine Finger glitten zwischen seinen festen Bauch und den Saum seiner Drachenhaut-Hose und legten sich um die steife Länge, die unter meiner Berührung nur noch fester wurde. Wie er in meinen Kuss stöhnte, als ich über ihm schwebte, erfüllte meinen Unterleib mit flüssigem Feuer.
Kleidung wurde achtlos beiseite geworfen, aber unsere Zauberstäbe waren weiter an unseren Körpern befestigt. So sehr wir uns auch verlieren wollten, ein Teil unserer Gehirne bedachte die Möglichkeit eines Angriffs. So führten wir nun mal unser Leben nach dem Krieg, nach allem, was wir hatten tun müssen.
Draco richtete sich auf, um meine Brüste zu küssen, während ich mich über seine Hüfte kniete; seine Zunge leckte meine Brustwarzen, seine Lippen berührten die frisch verheilte Brandwunde und seine Nase grub sich in das Tal zwischen meinen Brüsten, um meinen Geruch einzuatmen. Meine Finger strichen durch seine seidigen Haare, seine blasse Brust hinunter, immer noch in dem gedanklichen Vergleich zwischen Junge und Mann verloren.
Der Mann war stärker, sein Körper kräftiger, mächtiger, echter als es der des Jungen je war. Der Junge ähnelte vage dem Mann unter mir. Ich hatte den Jungen gehasst, aber den Mann…
Draco verschluckte sich, als meine Zunge die Unterseite seines Schwanzes nachfuhr und meine Fingernägel die Innenseite seiner Oberschenkel kratzte. Ich hatte kaum Erfahrung in der oralen Befriedigung eines Mannes, aber das spielte keine Rolle. Ich wollte seine Stimme laut hören, wie sie meinen Namen stöhnte oder vielleicht seine Gefühle in irgendeiner kleinen Kombination aus Worten preisgab. Ich würde nicht sagen, dass ich ihn liebte, bevor ich mir sicher sein konnte, dass er auch so fühlte. Wenn seine Handlungen vielleicht ein Hinweis waren…
Ich nahm seine Länge in meinen weit geöffneten Mund, meine Augen wanderten zu seinem Gesicht und trafen auf sein Silberauge, das mich beobachtete. Zufrieden damit zu erleben, wie er langsam zerfiel, schloss ich meine Augen und übte ein leichtes Saugen auf das dicke Körperteil zwischen meinen Lippen aus. Er packte meine Haare und ich grinste innerlich und versuchte, ihn komplett in mich aufzunehmen. Ich atmete durch die Nase ein und summte, als sein Schwanz zuckte und er einen Fluch hervorstieß.
Meine Körpermitte brannte, während ich seinem Stöhnen löschte und mein Kopf eine Bewegung ausübte, die den Akt nachahmte. Er wimmerte und stöhnte endlich meinen Namen.
Draco riss das Ruder an sich, als er mich auf das Bett rollte und heißhungrig mein Gesicht küsste, meinen Mund mit seiner Zunge plünderte. Als er in mich glitt, war ich diejenige, die seinen Namen rief.
Ich zog mich an ihm hoch und saß schließlich auf seinen Schenkeln; er kniete in der Mitte des Bettes, die Arme um mich gelegt, seine Silberauge brannte sich in meine Augen, seine Muskeln pumpten, während er in meinen Körper stieß. Sein Körper raubte mir die Kraft und ich hielt mich an seinem Hals fest, meine Augen beobachteten, wie sich seine Brustmuskeln unter seinem Halfter anspannten, beobachteten zwischen unseren Körpern fasziniert, wie sein Schwanz immer wieder in mich glitt und zähe Flüssigkeit uns verband.
Er murmelte, dass ich mich berühren sollte, seine Hände packten meine Hüften und zogen mich härter auf ihn. Mit einer Hand fest um seinen Hals kam ich mit der kleinsten Berührung seinem Wunsch nach.
Draco biss die Zähne zusammen, betrachtete mein Gesicht, als jedes Zeitgefühl und jede Bedeutung verschwand. Mein Kopf fiel nach vorne, aber Draco bewegte sich weiter, drehte uns, so dass ich wieder auf ihm kniete; seine Brust hob sich schnell unter seinem Halfter und Schweiß ließ seine Haut wie Quecksilber glänzen.
„Beweg dich, Liebes…“, keuchte er, die starken Arme nach oben gelegt, Severus’ Zauberstab am rechten Unterarm, seine Hände hinter seinem Kopf.
Ich nickte und kreiste mit den Hüften, schneller und schneller.
Seine Hände fanden meine Brüste, grabschten grob, aber nicht schmerzhaft. Ich wimmerte, als seine linke Hand zu meinem Unterleib fuhr, ein Finger in Richtung Kitzler, und als er ihn fand, quietschte ich und zog meine Muschi um ihn zusammen.
Draco zischte, ließ seinen Finger aber nach wie vor das kleine Bündel aus Nerven und Haut umkreisen. Ich rollte meine Hüfte nicht mehr, sondern stieß rücksichtslos, so dass Dracos Schwanz meine Gebärmutter berührte und das blasse Haar um seine Länge von klebriger Flüssigkeit geplättet war.
Ich fluchte, als er meinen einst zerstörten Nippel kniff und schloss du Augen; mein Oberkörper war plötzlich so leicht und kippte nach vorne.
„Ich habe dich, Liebes“, flüsterte er, als er mich an sich zog und seine muskulösen Arme um meinen sehr viel zierlicheren Körper schlang.
„Draco…“, keuchte ich, meine Wange an seiner Schulter.
„Noch einen Moment“, flüsterte er, und plötzlich stieß er härter und schneller als je zuvor.
Ich schluchzte und klammerte mich an seine Schultern. Ich konnte nicht mehr und stürzte wieder über eine Klippe, hinab in einen weiteren Höhepunkt. Draco knurrte, kämpfte gegen meinen verkrampften Körper ans Ziel und füllte mich mit einem kehligen Brüllen, mein Name auf seinen Lippen.
Und dann sagte er es – wie ein verrücktes Gebet.
„Ich liebe dich, Gott, ich liebe dich, Hermine – nur dich…“
Meine Hüften zuckten bei seinen Worten und zogen einen schwachen Schrei zwischen seinen Lippen hervor. Ich hielt mich mit meinen Händen und meinem Unterleib an ihm fest.
Beweis. Unleugbarer Beweis. Mein Herz war kurz davor zu explodieren. Ich küsste seinen Hals, seine Wangen, die nach einem tag ohne Rasur bereits rau waren. Er erwiderte meine Aufmerksamkeiten, dominierte meine Sinne und meinen Mund, rollte uns wieder auf dem Bett herum und durch meine Wimpern beobachtete ich, wie er an mir herabglitt; spätes Juni-Tageslicht strömte durch das nach Westen zeigende Schlafzimmerfenster und ließ seine Haut leuchten.
Mein Rücken bog sich, als Dracos Mund sich über meinem Venushügel schloss, seine Zunge leicht mein Nervenbündel anstieß und einen Elektroschock durch meine Wirbelsäule in meine Gliedmaßen sandte. Ein weiterer Schlag mit der Zunge verursachte einen Schrei und Draco erhob sich, grinste mich wie ein Lausbub an.
Er kroch an meinem Körper hoch, legte sich rechts neben mich und zog mich an seinen warmen Körper. Er küsste die Seite meines Gesichts und schlang seine Arme um mich. Wieder erstaunte mich der verzweifelte Griff um meinen Körper und wie er sich an mich schmiegte. In seinen Armen fühlte ich mich so klein, so sicher, so schön, und für eine Weile vergaß ich unsere Situation und dass wir nicht in unserer Zeit waren.
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