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The Fool, the Emperor and the Hanged Man - Kapitel 22

von Nitsrek

Am Morgen des 24. Juni 1995 weckte Draco mich mit einem Fauchen und umklammerte seinen linken Unterarm. Wir hatten diese Nacht so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr. Ich konnte nur vermuten, dass das Trauma solch einer langen Zeitreise diesen festen Schlaf verursacht hatte. Trotzdem setzte Draco sich im Bett auf, immer noch nackt vom Vortag, knirschte mit den Zähnen und fluchte.

Das Dunkle mal war schwarz auf seiner Haut und ich keuchte, als die Schlange sich wie eine Schnecke krümmte.

„Warum jetzt?“, keuchte er, als ich aufstand und mich anzog.

Ich schüttelte den Kopf, meine Zöpfe flogen. „Ich kann es nicht sagen, Draco – könnte Er wissen, dass ihr durch das Mal wieder verbunden seid?“

Draco zuckte zusammen und fasste sich dann wieder. „Ich denke nicht, so hat es nie funktioniert. Vater sagte, dass das Mal vor der Wiedergeburt des Dunklen Lords wehtat, aber Er wusste nicht, wer von den Todessern noch übrig war, nicht sicher, nicht bis zu der Nacht auf dem Friedhof.“

Ich runzelte die Stirn und gab Draco, der gerade aufstand, seine Hose. Während er sich anzog, nahm ich meinen Zauberstab und sprach auf uns beide Reinigungszauber.

„Zeit?“, fragte ich leise, nachdem Draco seine Weste angezogen hatte.

Mit angespanntem Gesicht sprach er den Zauber. Es war elf Uhr.

Um zwölf rief Draco mich ins Wohnzimmer. Ich war im Badezimmer gewesen und hatte den Schlaf aus meinen Augen und meinem Gesicht gewaschen. Ich lief zur Tür und spitzte ins Wohnzimmer, wo Draco vor dem leeren Kamin kniete und in den Schacht hinauf spähte, der Zauberstab leuchtete in die Dunkelheit.

„Hast du das gesehen?“, fragte er, zog sich zurück und drehte sich mit einem merkwürdigen Grinsen auf den Lippen zu mir um.

Ich runzelte die Stirn und wollte mich gerade zu Draco knien, als er meine Hand ergriff und mich nach vorne zog, so dass unsere Köpfe fast in dem mit Ruß bedeckten Schacht steckten. Er hob den Eibenstab höher und zeigte auf einen besonders großen, glatten Stein. Mir fiel auf, dass Draco den Ruß etwas abgewischt hatte.

In den Stein geritzt waren griechische Buchstaben, ‘Δράκων.’ Ich murmelte das griechische Wort vor mich hin, als Draco mich wieder ins Wohnzimmer zog.

„Man kann es nur sehen, wenn man direkt am Kamin sitzt und hochschaut. Ich habe gerade an die Nacht gedacht, als Potter dich angegriffen hat und an diesen Kamin – da sah ich es“, grummelte er, löschte den Zauberstab und steckte ihn zurück in das Brusthalfter.

„Ich habe es noch nie gesehen“, flüsterte ich, meine Augen konzentrierten sich beiläufig auf Dracos rußige Hände.

„Du kannst griechisch lesen, oder?“

Ich nickte. Ja, konnte ich.

„Was meinst du, bedeutet es?“, fragte er sanft.

Ich konnte nicht antworten, mein Verstand wirbelte.

„Es ist zu auffällig, um bloßer Zufall zu sein“, fuhr er fort.

Ich stimmte ihm zu. Die einzige Erklärung schien so plausibel, sogar lächerlich.

‘Δράκων’ war Draco - wörtlich ‘Drakon’ auf Griechisch. Der Name eines uralten, griechischen Gesetzgebers, der das Wort ‚drakonisch’ geprägt hat. Und, ganz offensichtlich, der Name des Mannes, der neben mit kniete.

„Rätsel über Rätsel“, murmelte ich.

Wir sagten nichts weiter dazu. Draco zu erstaunt, ich zu überwältigt von dringenderen Themen.

Um 14 Uhr hatte der Schmerz in Dracos Arm nachgelassen, und wieder einmal saßen wir auf dem Wohnzimmerboden und aßen. Ich hatte mich wieder meinem Tagebuch gewidmet, las, was ich in der vierten Klasse geschrieben hatte.

Ich hielt bei meinem Eintrag des 6. März 1995 inne und runzelte die Stirn. An dem Tag waren wir in Hogsmeade gewesen.

„Ich bin wirklich eine Närrin, Draco“, murmelte ich und sah Draco an, der gerade eines der Sandwichs aß, die ich in einen Korb gepackt hatte.

„Das sagst du so oft, Liebes“, murmelte er mit vollem Mund.

Meine Lippen zuckten, als ich bemerkte, wie oft er mich schon ‚Liebes’ genannt hatte.

Er seufzte und kaute sein Sandwich. „Warum bist du eine Närrin?“

Ich zeigte ihm den Eintrag vom 6. März.

„Da haben deine Auroren nicht geguckt.“

Dracos Auge weitete sich einen Moment, dann grinste er. Meine Stirnfalten wurden steiler.

„Sirius hat die Höhle benutzt, eine Höhle direkt vor den Grenzen von Hogwarts und Hogsmeade. Das perfekte Versteck.“

Draco nickte. „Jetzt kann er da nicht sein. Sirius Black würde ihn sehen.“

Ich nickte, fügte aber hinzu, „Sirius war nicht den ganzen Frühling in der Höhle. Er hatte den Grimmauld Platz. Wenn ich so darüber nachdenke, musste Sirius vor der Dritten Aufgabe in der Nähe gewesen sein. Er war im Krankenflügel, als Harry vom Friedhof zurückkehrte.“

Ich hasste mich dafür, dass ich den Tag und die Höhle vergessen hatte. Sirius hatte sie von März mit Unterbrechungen bis zum Ende des Schuljahres benutzt. Harry konnte nicht riskieren, dass irgendjemand ihn sah, noch nicht, nicht bis zu dem Tag am Friedhof in Little Hangleton. Wenn Sirius Harry sehen würde… Ich schüttelte den Kopf. Sirius würde Harrys Pläne unnötig durcheinander bringen.

„Oh, wenn wir jetzt zu dem Tag zurückkehren könnten, als er uns außerhalb von Hogsmeade angegriffen hat, könnten wir ihn aufhalten“, seufzte Draco und streckte sich, so dass seine in Drachenhaut steckenden Beine links und rechts von mir lagen.

„Zu spät.“

Ich starrte Dracos Stiefel an, dachte nach, dann fiel mir etwas ein.

„Neulich abends, als wir mit deinen Eltern gegessen haben, hast du etwas erwähnt…“, begann ich mit unsicherer Stimme.

Draco nickte, eine Flasche Butterbier an den Lippen.

„Über einen Mann, der ungefähr zeitgleich mit Harry verschwunden ist – bevor du Dennis Creevey festgenommen hast?“

„Aidoneus. Er war ein relativ neues Mitglied von M.A.T.C.H.. Creevey erwähnte bei seinem Verhör, dass Aidoneus Potter nahe steht.“

Ich runzelte die Stirn. „Wie nah?“

Er zuckte mit den Schultern, bevor er trank. „Unklar. Creeveys Reaktion auf das Veritaserum war begrenzt. Der Mistkerl hat absichtlich eine Toleranz gegen das Zeug entwickelt.“

Ich seufzte. Etwas störte mich, vielleicht eine Intuition. Ich konnte es nicht genau sagen. Die Tatsache, dass Aidoneus wörtlich übersetzt ‚der Ungesehene’ bedeutete, war fast ein Schlag ins Gesicht, was Hinweise betraf; ich wollte fast lachen.

Ich verdrängte mein Unbehagen und widmete mich meinem Tagebuch. Ein langweiliges Journal mit sehr wenigen persönlichen Gedanken, aber es enthielt genaue Angaben zu den jeweiligen Tagesereignissen, dem Wetter und den Mondphasen. Die paar persönlichen Anmerkungen handelten von Noten, die ich für meine Arbeiten erhielt – hauptsächlich Beschwerden über Severus’ Beurteilunsmethoden.

Severus – seine Stimme war still und das irritierte mich. Ich wusste, dass ich ihn in wenigen Stunden sehen würde, aber ich fragte mich, wozu.

Warum musste ich mich zeigen und womöglich ein Paradoxon schaffen? Offensichtlich hatte ich mich gezeigt, Severus hatte geschrieben ‚24. Juni 1995, 19:15 Uhr, Kontakt.’ Ich wusste, dass ich ihm die genauen Zeiten und Daten gesagt haben musste, damit er sie in ‚Die Reise mit der Zeitmaschine’ notieren konnte. Er wusste auch, dass ich ihn irgendwie davon überzeugen musste, dass er mir vertrauen konnte, indem ich ihn auf Dinge ansprach, die im Juli 1995 neben ihm vermutlich nur Albus wusste. Lily, ’Tuney – wie ich wusste Petunia Dursley; Spinner’s End, Severus’ Zuhause; 1969, das Jahr, in dem er Lily Evans traf; und sein letztes Wort: ‚Halbblutprinz’.

Es würde anscheinend eine Stunde dauern, ihn zu überzeugen, da vor den Schlüsselwörtern noch ‚20:45 Uhr, die Aufgabe’ stand.

Wozu brauchte ich Severus?

‚Die Aufgabe’ war offensichtlich, Harry am Friedhof aufzuhalten, was bedeutete, dass wir nach Little Hangleton apparieren mussten – und dann verstand ich es…

„Du warst noch nie in Little Hangleton, oder?“

Draco blinzelte. „Natürlich nicht. Ich musste nie gehen, die Auroren und Charlie haben den Ort abgesucht. Ich war mehr mit Creevey und Godric’s Hollow beschäftigt.“

Ich biss in meine Unterlippe. „Und nur wenn dein Mal brennt, wärst du in der Lage, mit den restlichen Todessern auf dem Friedhof zu erscheinen?“

Draco zuckte mit den Schultern und nahm sich ein weiteres Sandwich aus dem vergrößerten Korb. „Vermutlich. Vater sagte, es war sehr schwer, in die Nähe des Dunklen Lords zu apparieren, wenn der Aufrufezauber nicht durch das Mal kam. Der alte Mistkerl war paranoid, dass jemand versuchen könnte, ihn auszuschalten.“

Ich biss noch fester zu. Verdammt. Deshalb brauchten wir Severus. Severus konnte uns nach Little Hangleton bringen.

Ich blätterte zum 24. Juni, dann zum 25. – und da, in meiner Handschrift, stand der Kommentar, den Harry zu Severus abgegeben hatte.

‚Dumbledore schickte Snape los, um etwas zu erledigen. Snape ist ein Spion für den Orden des Phoenix.’

Das war in der Nacht, als Voldemort wiedergeboren wurde, aber ich zeichnete es später auf, weil Harry uns erst später davon erzählt hatte. Ich fragte mich plötzlich, was die Erledigung war.

Draco und ich saßen lange still auf dem Boden. Ich zwang mich, etwas zu essen, aber mein Magen rumorte bereits vor Aufregung. Ich schätzte die Zeit anhand des Lichteinfalls ins Wohnzimmer und wünschte mir von Herzen, dass der Sonnenuntergang nie kommen würde.

„Wir müssen es perfekt abstimmen, wir dürfen nicht riskieren, dass Voldemort oder die Todesser uns auf dem Friedhof sehen.“

Draco seufzte. Wir begannen endlich mit der Planung.

„Hast du den Umhang?“, fragte er und kratzte die silbernen Stoppel an seinem Kiefer.

Ich grinste; ich hatte Draco Malfoy noch nie auch nur mit einer Spur von Gesichtsbehaarung gesehen. „Ja. Aber nur einer von uns kann ihn benutzen.“

Er nickte. „Dann du. Ich kann mich auch anders verstecken, wenn es sein muss.“

Ich hinterfragte seine Worte nicht, sondern sprach weiter.

„Voldemort und die Anderen müssen verschwinden, sobald Harry mit Cedric’s Leiche zurück nach Hogwarts reist. Harry wird abwarten, bis sein vergangenes Ich weg ist.“

Draco legte das übrige Essen zurück in den Korb, sagte aber, „Ich frage mich, wessen Zauberstab Potter derzeit hat.“

Ich hielt inne. Ich hatte noch gar nicht bedacht, dass Harry einen Zauberstab brauchte, nachdem ich ihm den Elderstab weggenommen hatte und sein alter Stab vom Drachenfeuer zerstört worden war. Sicher hatte eines der M.A.T.C.H.-Mitglieder dem beliebtesten Mann des Jahres 2008 seinen Zauberstab bereitgestellt? Seit Ollivander 2002 gestorben war, kam man nicht mehr so leicht an Zauberstäbe, zumindest keine in Ollivanders perfekter Qualität.

Die Unterhaltung ging weiter, während das Licht sich veränderte.

„Wir müssen Harry mit uns zurückbringen… Ich hoffe nur, dass er den anderen Zeitumkehrer hat, wenn wir auf ihn treffen.“

„Weil es nur zwei geben darf?“

Ich nickte; ich hatte vergessen, dass ich Draco früher am Tag schon von den Zeitumkehrern erzählt hatte.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass seine… Leiche… in dieser Zeit gefunden wird. Selbst das würde die Dinge ernsthaft kompliziert machen“, murmelte ich.

„Und was tun wir, wenn einer von uns stirbt?“, fragte Draco in einer Mischung aus Ernst und Grinsen.

Ich zog meine Lippen zwischen meine Zähne. Konnte man eine Leiche schrumpfen?

„Dann verbrennen wir die Leiche. Wir müssen Harrys Körper intakt zurückbringen, damit die Auroren bestätigen können, dass er nicht länger eine Bedrohung ist.“

Draco wandte den Blick ab, stand langsam auf, sprach einen Haltbarkeitszauber auf den Korb und schrumpfte ihn wieder.

„Es darf keinen Anhaltspunkt geben, dass wir hier waren, Draco. Nicht einen.“

Draco lief in die Küche und ich hörte, wie er mit der Faust gegen die steinerne Oberfläche der Inseltheke schlug. Ich drehte meinen Körper, um ihn anzusehen.

„Wenn ich sterbe, wirst du meine Leiche verbrennen müssen, Draco, es gibt keinen anderen Weg. Du musst auch die Asche verschwinden lassen. Wenn du…“ Ich verstummte und atmete zitternd ein. „Wenn du stirbst, muss ich das auch tun.“

Draco wirbelte zu mir herum, die Zähne knirschend, sein silbernes Auge blitzte. Er kam zu mir, fiel auf die Knie und legte seine Hände um mein Gesicht.

„Niemand von uns wird sterben, Granger, hast du mich verstanden?“, fauchte er durch seine Zähne, sein heißer Atem traf auf mein Gesicht.

Mein Kinn bebte, meine Augen tränten. „Wir müssen alle Möglichkeiten bedenken…“

„Bedenken, ja, aber es wird nicht passieren!“

Tränen kullerten aus meinen Augen, als Draco mich fest in seine Arme zog, und ich spürte, wie sein Körper vor unterdrückter Wut und Angst zitterte. Es war irgendwie tröstend, dass Draco Malfoy das gleiche wie ich fühlte, als würden uns die Schicksalsgöttinnen bestrafen.

Aber es spielte keine Rolle, wie unfair mein Leben erschien, mein Lichtschein waren meine Gefühle für den Mann vor mir. Ich wusste, dass es lange dauern würde, bis ich glauben konnte, dass der Mann, den ich liebte, Draco Malfoy war, aber ich wusste tief in mir, dass es so sein sollte, dass er der Mann war, den meine Mutter immer als ‚den Einen’ bezeichnet hatte. Ich konnte nicht erklären, woher ich wusste, dass er ‚der Eine’ war, es war einfach so. Ich nahm an, dass es immer so war, wenn eine Frau ihr Glück mit einem Mann fand. Ich war nicht naiv genug, zu glauben, dass dieses Glück ewig halten würde, aber ich hoffte, dass es länger dauerte, als ich es mir vorstellen konnte.

*****

Die Zeit hatte die tiefen Gänge durch die Verliese nicht verändert. So tief in Erde und Fels konnte würde nur die Erde selbst den steinernen Boden oder die Wasserpfützen, die sich von den winzigen Stalaktiten bildeten, verändern. Draco und ich liefen durch das Dunkel, unsere Mäntel und die dunklen Klamotten tauchten uns in Schwärze. Wir folgten dem Weg zu dem steinernen Troll und bewegten uns wie Schatten, geräuschlos.

Das Schloss war hoch über unseren Köpfen voller Leben und mein Kinn zitterte – in dreizehn Jahren wären diese Gänge leer von Leben und menschlicher Wärme. Draco drückte meine Hand, als wir endlich den Korridor betraten, in dem sich die verborgene Tür zu Severus Snapes Gemächern befand.

Fackeln beleuchteten den Gang, aber wir hielten uns nicht auf; Draco zog seinen Eibenstab und sprach einen Enthüllungszauber, der niemanden außer uns in den Verliesen entdeckte.

Es war 19 Uhr.

Harry hatte das Labyrinth für die dritte Aufgabe um 19:15 Uhr betreten.

Draco hob mit seinem Zauberstab die Verschleierungszauber von der Tür, dann entschärfte er schnell die Schutzzauber. Ich fragte mich, ob deshalb in unserer Zeit keine Zauber mehr auf der Tür lagen; ich hatte nichts gespürt, als ich damals durch die Tür trat.

Nur unsere Mäntel flüsterten, als wir eintraten; die Kerzen waren aus, ebenso der Kamin. Ich behielt meine Kapuze auf, während ich ans Grammophon trat, mich zur Tür drehte und auf die kleine Uhr auf dem Regal blickte.

19:01 Uhr.

Draco, dessen Kapuze sein helles Haar und Gesicht verdeckte, ersetzte die Zauber und steckte anschließend den Zauberstab weg. Er stellte sich zu mir und wir blickten aus dem verzauberten Fenster über den See.

„Wir warten“, flüsterte er.

„Wir warten…“

Wenn ich es nicht gewusst hätte, hätte ich beim Anblick des Wohnzimmers fast geglaubt, dass Draco und ich gar nicht durch die Zeit gereist waren. Fast nichts hatte sich im Laufe der Jahre geändert. Der einzige Unterschied war ein gerahmtes Foto auf dem Kaminsims, das sich träge bewegte. Ich studierte es im schwachen Licht und realisierte, dass ich ein schwarz-weiß Foto von Eileen Prince betrachtete, genau das Bild von ihr als Kapitän der Hogwarts-Koboldstein-Mannschaft, das ich auch gefunden hatte. Ich fragte mich, wo das Foto dreizehn Jahre später war.

Als ich das Regal, den Tisch und die Stühle in der Mitte des Zimmers ansah, fiel mir ein, dass vermutlich niemand außer Severus und vielleicht Albus jemals hier war. Meine Augen wanderten zu der Stelle, wo ich ‚Die Reise mit der Zeitmaschine’ herausgezogen hatte, und ich stellte fest, dass entweder Severus oder jemand anders später die Anordnung der Bücher verändert hatte. Neben ‚Die Reise mit der Zeitmaschine’ standen magische Bücher zum Thema Zeitreisen und Stephen Hawkings ‚Eine kurze Geschichte der Zeit’, zusammen mit anderen Muggel-Romanen. ‚Die Zeitmaschine’ stand direkt neben ‚Schlachthof 5’.

Ich biss in meine Lippe, als mein Blick wieder zur Uhr huschte.

19:14 Uhr.

Harry und Cedric waren nun im Labyrinth, und Severus würde gleich durch die Tür kommen.

„Ich habe Angst, Draco“, flüsterte ich und meine Hand fand seine.

Draco lächelte und zog mich an sich, bückte sich, um mir unter der Kapuze einen Kuss auf die Stirn zu drücken.

„Das musst du nicht – noch nicht.“

Als die Schutzzauber von der Tür abfielen, zog Draco mich in eine Zimmerecke, sein Rücken drückte sich an die Regale; er zog seinen Zauberstab und blinzelte – und wir bemerkten beide, dass Severus Tom Riddles Eibenstab erkennen und uns vermutlich angreifen würde, bevor wir sprachen.

Draco ließ seinen Arm sinken und verbarg den Stab in seinem Mantel, während ich den Elderstab verdeckt in der Handfläche hielt.

Die Tür öffnete sich, und gleichzeitig mit Severus Snapes Ankunft entfachte sich der Kamin und die Lampe über dem Tisch ging an. Meine Atmung war flach, als eine schwarz gekleidete Figur mit wehendem Umhang eintrat und die Tür hinter sich schloss. Er schien die dunklen Figuren in der Wohnzimmerecke zuerst nicht zu bemerken, denn er hielt seinen Unterarm. Er drehte sich nicht zu uns, sondern eilte ins Badezimmer, wo die Wandleuchten auch automatisch angingen.

Im Licht konnte ich Severus’ Gesicht sehen; wachsfarben, sein rabenschwarzes Haar hing schlaff um sein scharfkantiges Gesicht. Seine Lippe war unangenehm verzogen. Wir beobachteten, wie er sich durch den Wandschrank wühlte und eine Phiole hervorzog, sie mit seinen krummen, gelblichen Zähnen entkorkte und den Verschluss ins Waschbecken spuckte. Als er den Trank runterschluckte, fasste ich mich wieder und beobachtete, wie sein Adamsapfel beim Schlucken hüpfte.

Es war vermutlich ein Schmerztrank, denn Severus’ Kopf beugte sich; ich konnte die Erleichterung sehen, die sein Gesicht weicher machte. Seine schwarzen Augen schlossen sich einen Moment, als er seine Fäuste auf dem Waschbecken abstützte und das Fläschchen klappernd hineinfallen ließ.

Ich wusste, dass er während der Wartezeit der dritten Aufgabe nur in seine Gemächer gekommen war, um einen Trank gegen die Schmerzen des Mals zu finden. Draco hatte seinen Schmerz schon vor Stunden verdrängt, eine mentale Stärke, die ich niemals aufbringen könnte.

Schließlich drehte Severus sich um, um seine Gemächer wieder zu verlassen und zu der Ansammlung von Menschen auf den Ländereien zurückzukehren. Als er jedoch das Badezimmer verließ, zog er seinen Zauberstab und sprach einen Schockzauber in unsere Richtung.

Ich blinzelte nicht einmal, während Draco lautlos einen Schildzauber ausübte, der den Schockzauber aufsog, bis die Magie ins Nichts verschwand.

„Zeigt euch!“, knurrte Severus und mein Herz schlug heftig.

Ich hatte dieses Gesicht vermisst, bitter und grausam.

Dracos Hand drückte meine ein letztes Mal, bevor ich ins Licht trat.

Severus’ Körper versteifte sich, als ich meine Hände hob, den Elderstab unter meinen Daumen geklemmt, und meine Kapuze nach hinten auf meine Schultern schob. Ich spürte halbfertige Tränen in meinen Augen, aber ich machte keinen Mucks. Mein Gesicht war ansonsten völlig emotionslos, während ich Severus Snape anstarrte und er zurück starrte. Ich fühlte einen Schlag in meinem Verstand, aber sonst nichts. Der mir innewohnende Zauber wies jeden Legilimentik-Versuch ab, der in mein Gehirn eindringen wollte, und als sich der Mund des lebenden Severus’ wütend verzog, erlaubte ich mir ein Lächeln.

„Wer sind Sie?“, zischte er und richtete seinen Zauberstab auf mein Gesicht.

Draco trat wie ein Gespenst hinter mich, wartete auf den nächsten Fluch. Severus zögerte beim Anblick Dracos großer, dunkler Form. Draco wirkte in seinem schwarzen Mantel vermutlich wie ein Dementor, sein blasses Gesicht verborgen von tiefen Schatten.

„Wir sind nicht hier, um Ihnen etwas anzutun, Severus“, sagte ich leise, immer noch lächelnd; ein warmes Lächeln, da ich der physischen Manifestation des Mannes, den ich als Freund betrachtete, gegenüber stand.

„Das ist irrelevant, Miss. Wer sind Sie? Ich werde nicht noch einmal fragen!“, fauchte Severus, seine Onyxaugen glitzerten wütend.

Meine Lippen zuckten, als ich erneut zur Uhr blickte. 19:18 Uhr.

„Wir haben nicht viel Zeit, Severus, also hören Sie genau zu, und versuchen Sie nicht, mich zu verfluchen, sonst wird mein Begleiter zweifellos dafür sorgen, dass Sie wünschten, Sie hätten auf mich gehört.“

Obwohl meine Stimme freundlich klang, ging das Gewicht der Drohung nicht unbemerkt an Severus vorbei. Er senkte seinen Zauberstab auf Hüfthöhe und richtete sich auf, um mich von oben herab anzusehen.

Ich nickte einmal. „Sie werden mir nicht glauben, Severus, aber ich werde Ihnen beweisen, dass alles, was ich sage, die Wahrheit ist, und dass nichts, was Sie hier hören, den Raum verlassen darf. Für einen Eid ist keine Zeit, also werden wir uns wohl vertrauen müssen.“

Severus’ Augen sagten mir deutlich, dass man einer Person, die sich nicht identifizierte, nicht leicht vertraute, und ich wusste, dass sein Misstrauen nur natürlich war.

„Voldemort“, Severus zuckte zusammen, „wird heute Nacht wiedergeboren. Das muss so sein. Allerdings wird dadurch eine Reihe von Ereignissen angestoßen, die den Verlauf dieser Zeitschiene unwiederbringlich ändern, wenn wir nichts dagegen tun.“

Ich trat näher ins Licht der Lampe und blickte Severus an.

„Wissen Sie, wer ich bin?“

Severus’ Augenbrauen hoben sich, als er mein Gesicht absuchte; sein Mund formte meinen Namen, sprach ihn aber nicht aus.

Ich nickte. „Heute in dreizehn Jahren wird Harry Potter durch die Zeit hierher zurück reisen, um Voldemort und seine Anhänger zu töten. Sollte das funktionieren, wird sich diese Zeitschiene mit meiner überschneiden – und sie zerstören. Wir sind Harry gefolgt, um ihn aufzuhalten, und wir brauchen Ihre Hilfe.“

Severus verschränkte die Arme und ich wusste, dass er nicht ganz überzeugt war.

„Hermine Granger – aus der Zukunft – kommt hierher, um Harry Potter davon abzuhalten, den Dunklen Lord und seine Anhänger zu töten?“, murmelte er, dann lachte er. „Warum sollte ich Ihnen helfen? Ich sollte Potter helfen!“

Ich seufzte. „Severus, wir riskieren allein durch unsere Anwesenheit in diesem Raum ein Paradoxon, also nehme ich an, ich kann Ihnen sagen, dass Harry in meiner Zeitschiene Voldemort 1998 besiegt und die Welt von den Gräueltaten dieses Irren befreit. In meiner Zeitschiene wird Harry wahnsinnig und beschließt aus irgendeinem Grund, durch die Zeit zurück nach 1995 zu reisen, um Voldemort zu töten. Seine Erinnerung an meine Zeitschiene wird ihn dazu bringen, jeden Todesser samt Familie umzubringen; jeden, den Voldemort je benutzt hat – Leute, die 1995 mit Voldemort überhaupt nichts zu tun hatten! Unschuldige, ganze Familien, magische Kreaturen, Muggel, jeder, der auch nur im Entferntesten mit Voldemort zu tun hatte, wird getötet, weil Harry Potter ihre Namen aus meiner Zeit kennt!“, schrie ich und hoffte bei Gott, dass Severus meine schnelle Erklärung und die umfassendere Bedeutung verstehen würde.

Severus’ Augenbrauen zogen sich zusammen.

„Sie sind Hermine Granger, das kann ich sehen… Aber wer ist Ihr Beschützer?“

Ich blickte Draco an, unsicher, was ich Severus antworten sollte. Ich musste jedoch nichts sagen, da Draco vortrat und seine Kapuze vom Kopf zog.

Severus’ Reaktion war überraschend. Er stolperte rückwärts, seine Arme wurden schlaff. Kein Vergleich zu der Feststellung, wer ich war.

„Draco?“, keuchte Severus.

Draco nickte. „Alles, was Hermine gesagt hat, stimmt, Professor. Wir brauchen Ihre Hilfe.“

Severus’ Mund arbeitete, aber ich wusste, dass er immer noch nicht ganz überzeugt war. Ich wusste, dass er uns für den Teil eines Plans hielt, der nichts mit Harry Potter zu tun hatte.

„Severus… Sie haben mir Schlüsselwörter gegeben. Ich kann nur vermuten, dass Sie sie wegen Ihrer Bedeutung gewählt haben. Dreizehn Jahre später kenne ich ihre Bedeutung, aber niemand, nicht mein vergangenes Ich, noch der vierzehnjährige Harry Potter, würde es verstehen. Lily und Petunia, ’Tuney Evans – Sie kannten sie schon als Kind. Harrys Mutter und Tante, Sie haben sie 1969 nahe Ihrem Zuhause gesehen, Spinner’s End…“

Severus’ Gesicht verzog sich, und wieder fand ich mich seiner Zauberstabspitze gegenüber. Ich konnte seinen Ärger spüren.

„…mein Halbblutprinz… wir brauchen dringend Ihre Hilfe!“, schluchzte ich, die Tränen liefen schließlich über meine Wangen.

Meine Tränen schienen Severus die Wahrheit der Situation bewusst zu machen. Ich wischte sie hastig weg und fuhr fort.

„Dracos Mal kann uns nicht den Weg weisen, Severus.“

Severus runzelte die Stirn und blickte Draco an. „Sie haben das Mal?“

Draco nickte.

„Was ist mit Ihrem Auge passiert?“

Draco grinste. „Kann ich Ihnen nicht sagen, Professor, wir haben keine Zeit…“

Severus grinste und mein Herz überschlug sich. Dann wandte er seufzend seine dunklen Augen mir zu.

„Was brauchen Sie, Miss Granger?“, fragte er und steckte seinen Zauberstab weg.

*****

Es schien fast zu einfach, Severus zu erklären, dass er uns nach Little Hangleton bringen musste. Er stimmte nur zögernd zu, aber als ich ihm sagte, dass er genug Zeit hätte, um vor Harrys Rückkehr – mit einem toten Cedric Diggory - wieder in Hogwarts zu sein, stimmte er zu.

„Um ein Paradoxon zu vermeiden, müsste meine Erinnerung gelöscht werden, aber Albus wird es tun können… er…“

„Ich denke nicht, dass Sie Ihre Erinnerung löschen lassen sollten, Severus. Du musste noch die Informationen aufschreiben, die ich in der Zukunft finden muss“, sagte ich und blickte ihn über den Tisch hinweg an. Wir hatten uns gesetzt, nachdem ich ihm gesagt hatte, dass wir circa eine Stunde Zeit hatten, von der wir fünf Minuten bräuchten, um zum Waldrand zu kommen und nach Little Hangleton zu apparieren.

„Welche Informationen?“

Ich blickte Draco an, der auf dem Sofa saß.

„Zeiten und Daten.“

Dann erzählte ich ihm von dem Buch, dem Titel und den genauen Worten, die darin standen.

Severus nickte, verstehend.

„Wird erledigt, Miss Granger.“

Ich sagte ihm alles, was ich sagen konnte, behielt aber bestimmte Informationen für mich. Severus fragte nicht nach seinem zukünftigen Ich und ich wusste, dass er sich zurückhielt, um kein echtes Paradoxon zu schaffen. Ich wollte ihm auch von dem Schutzzauber erzählen, aber die Information hätte Severus vermutlich zu der Schlussfolgerung geführt, dass er an einem bestimmten Punkt in der Zukunft umgebracht werden würde.

„Severus, Sie haben mir mehr geholfen, als Sie wissen“, konnte ich nur sagen. „Und ich habe Ihre Hilfe geschätzt.“

Severus’ Gesicht wurde ernst und er lehnte sich zurück, seine Hände umfassten die Tischplatte. Ich wusste, dass ich in seinem Kopf immer noch mein jüngeres Ich war und dass ich nicht wirklich eine Person war, von der er ein Lob akzeptieren würde.

„Potter“, knurrte Severus. „Sie sagten, er wäre wahnsinnig. Wie kam es dazu?“

Ich blickte wieder an Severus vorbei zu Draco. Draco stand auf und stellte sich hinter mich, seine Hand lag auf meiner Stuhllehne.

„Wir wissen nicht genau wie, Professor, aber wir vermuten, dass sein Wahnsinn durch die vielen Traumas in seiner Jugend herrührt. Manche Dinge dürfen wir Ihnen nicht sagen, aber der Druck, der Junge, der überlebte, zu sein, machte Harry Potter nicht gerade zu einem ausgeglichenen Erwachsenen. Die Umstände, unter denen Potter 1998 den Dunklen Lord besiegen konnte, störten seine Wahrnehmung seiner Umwelt. Dumbledores Manipulationen und die bösartigen Angriffe des Dunklen Lord auf Potters Verstand ließen Potter zu dem werden, was er sein musste: Der Jäger des dunkelsten Zauberers unserer Zeit. Am Ende jedoch stellte sich heraus, dass diese Manipulationen eher Schaden angerichtet hatten“, erklärte Draco ruhig.

Draco und ich hatten uns viele Male mit der Ursache von Harrys Wahnsinn beschäftigt – entweder in Gesprächen oder in unseren Köpfen. Wir waren zum selben Schluss gekommen. Zwischen Voldemort und Dumbledore war Harry zu einem Monster geworden.

„Er ist besessen von dem Gedanken, diese Zeitschiene von Voldemort zu ‚befreien’ – alle Personen, alle Spuren. Ich nehme an, er will eine Welt schaffen, in der er frei von jeder Verantwortung ist. Es klingt idyllisch, wundervoll, aber in Wahrheit wird die Welt nie so gut. Wir sterben. Alle. Wir sterben, weil Harry uns nicht davon abhalten kann, uns an Voldemort und an die Dunkelheit, die auf der Welt herrschte, zu erinnern, schon bevor Harry geboren war. Aber Harry kann und wird das nicht verstehen“, flüsterte ich und spürte Dracos Hand auf meinen Schulterblättern.

Severus runzelte die Stirn. „Und wenn er den Dunklen Lord tötet, unterzeichnet er damit unser Todesurteil.“

Ich nickte. „Nur weil er einen tötet, wird er alle anderen nicht verschonen.“

Severus seufzte. „Und ihr seid damit nicht zu Albus gegangen, weil seine Rolle in Potters Sieg über den Dunklen Lord wichtig ist?“

„Ja“, stieß ich hervor. „Albus’ Arroganz ist mit der Grund, warum unsere Welt…“

„… im Arsch ist“, ergänzte Draco.

Severus lachte bellend und ich spürte, dass ich ein schwach lächelte.

„Lassen Sie sich nicht beirren, Severus, Albus ist ein guter Mann, aber ihm fehlt die Weitsicht. Aber wem nicht? Ich weiß nur, dass die Welt sich in dreizehn Jahren langsam von Voldemorts Taten erholt. Es ist keine perfekte Welt, manche Dinge waren schwer, aber es ist definitiv die bessere Alternative zu dem, was Harry plant, wenn wir ihn nicht aufhalten.“

Ich blickte auf die Uhr, 20:08 Uhr.

„Wir haben nicht viel Zeit, Severus, und wir müssen auf dem Friedhof sein, bevor Harry und Cedric dort ankommen. Er wird dich um circa 21 Uhr rufen. Erst dann werden Sie gehen können, und dann dürfen wir nicht gesehen werden, Er darf nicht wissen, dass Sie da sind.“

Severus seufzte. „Ich wollte überhaupt nicht gehen, Miss Granger.“

Ich leckte meine Lippen. „Ich weiß. Deswegen dürfen wir uns nicht sehen lassen.“

Severus runzelte die Stirn, was sein Gesicht schrecklich entstellte. Ich hob eine Hand, um ihn zu unterbrechen und sagte, „Wir wissen Einiges, Severus, und glauben Sie mir, wenn ich sage, dass wir nur unseretwegen hier sind. Wir dienen keinem Herrn. Für uns ist diese Zeit vorbei.“

Severus entspannte sich, verschränkte aber die Arme vor der Brust. „Sie wissen, wo Er ist?“

„Ja, und dass er mit Hilfe von Peter Pettigrew wiedergeboren wird. Er braucht Harry, den Harry aus 1995, um das zu schaffen.“

„Warum sollte der zukünftige Potter dann nicht Wurmschwanz und den Dunklen Lord töten, bevor Er wiedergeboren wird?“

Dracos hand drückte meine Schulter. Ich bemerkte, wie Severus’ Augen die vertraute Geste beobachteten, aber er sagte nichts, sondern zog nur die Lippen zusammen.

„Potter will sich dem Dunklen Lord und seinen Anhängern zeigen, bevor er sie tötet. Sein vergangenes Ich wird zurück nach Hogwarts gehen und allen sagen, dass der Dunkle Lord zurückgekommen ist…“

Ich unterbrach ihn, da ich spürte, dass Draco nicht genau wusste, wie er es erklären sollte.

„Wenn der Orden des Phoenix nach Little Hangleton geht, um Nachforschungen anzustellen, werden sie statt einem leeren Friedhof und kleinen Hinweisen, die die Rückkehr des Dunklen Lords bestätigen, die Leichen aller Versammelten von heute Abend finden. Voldemort tot, Pettigrew tot…“

„Und mein Vater“, endete Draco mit knirschenden Zähnen.

„Der Harry aus 1995 wird ein Held sein, er wird nicht erklären können, wie Voldemort gestorben ist, und jeder wird annehmen, dass er endlich den Dunklen Lord zerstört hat. Inzwischen wird der Harry aus 2008 systematisch alle anderen töten. Ob er es im Geheimen tut oder nicht, können wir nur raten. Aber so wird es anfangen…“ Ich seufzte.

Severus’ dunkle Augen funkelten im Licht der Lampe und seine dünnen Lippen hoben sich. „Sie haben versucht, einen Wahnsinnigen zu verstehen, Miss Granger?“

Ich grinste. „Wir haben uns nicht wirklich zum Tee getroffen, wenn wir 2008 aufeinandertrafen, Severus.“

Severus erwiderte das Grinsen. „Sie haben sich verändert, Miss Granger, und ich bin sehr froh, dass die Zeit Sie nicht zu einem weiteren Lakaien für Potter und Weasley hat werden lassen.“

Ich schnaubte, wusste aber nicht, ob ich mich geschmeichelt oder beleidigt fühlen sollte. Es machte keinen Unterschied. Ich war nur froh, dass Severus Snape mich anlächelte.

„Ich nehme an, das ist also mit Ihrem Auge passiert, Mr. Malfoy?“

Draco sagte nichts, sondern sah mich an.

„Wir sind beide von Harry angegriffen worden, Severus, und wir standen beide kurz vor dem Tod. Aber täuschen Sie sich nicht, wir sind Harry nicht gefolgt, weil wir Rache wollen, sondern um…“

„… die Welt zu retten, Miss Granger. Soweit bin ich schon.“

Draco verkniff sich ein Lachen und ich rollte mit den Augen. Die Dynamik zwischen uns war ungefähr so, als könnte Draco Severus’ Stimme in meinem Kopf hören. Es gefiel mir, wir waren alle geistreich und scharfzüngig. Zu einer anderen Zeit hätten wir sicher eine interessante Zeit beim Tee oder Abendessen. Aber die Zeit lief uns davon.

Wir verließen seine Gemächer, führten Severus tief ins Schloss. Als wir endlich außen am Wald standen, lachte Severus. Hätte er den Weg schon früher gekannt, hätte er ihn schon längst benutzt.

„Sie kennen ihn jetzt“, lachte Draco.

Draco hatte Severus sein Mal gezeigt, bevor wir das Wohnzimmer verlassen hatten. Severus hatte das Gesicht verzogen und Draco dann für seine Gedankenlosigkeit gerügt.

„Ich war sechzehn, Severus; die meisten Sechzehnjährigen können nicht über mögliche Folgen nachdenken“, hatte Draco gekontert.

Wir standen im Wald und ich schloss die Augen, nahm den Wind auf, versuchte, meine Nerven zu beruhigen. Severus rollte seinen linken Ärmel hoch und im schwachen Licht sah ich die gereizte Haut über seinem Mal. Dracos brannte, aber nicht wie Severus’.

„Wird Er es wissen?“, fragte Draco Severus und ich wusste, dass Draco uns meinte – ob Voldemort wüsste, dass Severus zwei Begleiter brachte.

„Nein.“

Ich leckte meine Lippen und blickte Draco an. Es war fast so weit.

„Es wird Ihn vielleicht dazu bewegen, zu bleiben, Miss Granger, wenn Auroren kommen; so beweist er, dass er zurück ist…“ Severus verstummte.

Ich legte eine kühle Hand auf Severus’ Arm und lächelte. Severus’ Gesicht wurde merkwürdig rosa und er wandte den Blick ab.

„Sie können ihn überzeugen, zu verschwinden, Severus“, flüsterte ich.

Draco grinste und legte seine Hand auf meine.

„Wir müssen Ihnen vertrauen, Professor. Und nur zur Information: Ich habe Ihnen immer vertraut.“

Severus nickte.

„Ich auch“, flüsterte ich und wieder errötete Severus. „Uhrzeit?“, fragte ich Draco, der Toms Zauberstab zog und den Zauber sprach.

20:57 Uhr.

Severus öffnete seinen Mund, zweifellos, um Draco auf seinen Zauberstab anzusprechen.

„Es ist eine lange, komplizierte Geschichte, Severus“, erklärte ich.

Er grinste wieder und ich fragte mich, wie es wohl aussah, wenn er wirklich lächelte.

„Seien Sie wachsam, Severus. Wir müssen annehmen, dass unser Harry aus unserer Zeit bereits auf dem Friedhof ist. Denken Sie daran, dass Sie versteckt bleiben müssen, bis der jüngere Harry verschwindet…“

Severus runzelte die Stirn. „Ich habe eine bessere Idee, Miss Granger, wenn Sie nichts dagegen haben.“

Ich nickte langsam. „Sie müssen wieder zurück sein, bis Harry zurückkehrt, und Sie müssen…“

„Überrascht wirken. Ja, Miss Granger. Ich habe länger sub rosa gearbeitet, als Sie – nein, nicht länger, als Sie leben, aber schon lange Zeit“, seufzte Severus und fügte hinzu, „Ich weiß Ihre Besorgnis zu schätzen, Miss… Hermine, aber ich habe bisher schon sehr viel gefährlichere Dinge getan…“

Ich atmete bibbernd ein und nickte, umfasste Severus’ Arm fester. Gleichzeitig legte sich Dracos Hand um Severus’ Handgelenk und mit einem letzten Blick aufeinander warteten wir darauf, dass das Mal brannte.


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Im Buch wird sie als hässliche Kröte beschrieben. Als man mir dann sagte: ,Du wärst toll in der Rolle‘, antwortete ich: ,Herzlichen Dank!‘ Aber natürlich habe ich mich gefreut, als man mich darum bat, denn die Rolle ist ein echtes Juwel, es ist einfach traumhaft, in dieser Welt mitmischen zu dürfen … ganz abgesehen davon, dass ich in der Achtung meiner zwölfjährigen Tochter deutlich gestiegen bin.
Imelda Staunton